Mittwoch, 29. Dezember 2010

Lass dich nicht vereinnahmen!



Dieses Buch fiel mir gestern in einem kleinen Buchladen in Schorndorf in die Hände. Es ist klein, kompakt und hilfreich für diejenigen, die sich immer wieder dabei ertappen, dass sie sich mal wieder haben vereinnahmen lassen, nicht nein sagen konnten oder vorauseilend hilfsbereit waren. Bei dem Unterfangen, andere zu vereinnahmen, ist dem Vereinnehmer jedes Mittel recht. Und das betrifft nicht nur persönliche und familiäre Beziehungen, Beziehungen unter Kollegen, sondern auch alle anderen. Typische Fallen, in die man hineintappt, sind zum Beispiel:
"Du bist egoistisch, weil du das jetzt nicht machst!"
"Alle machen mit!"
"Ich wusste doch, dass ich auf dich zählen kann!"
"Wenn ich dich nicht hätte!"
Vereinnahmungsfallen speziell für Autoren wären:
"Das will niemand lesen!"
"Die Leser brauchen ein Happy End."
"Denken Sie an die Verkaufszahlen!"
"Ist schon zu oft da gewesen."
"Das passt in kein Schema."
"Schreiben Sie marktgängig!"
"Schreiben Sie, was Sie wollen, Gutes setzt sich immer durch!"

Ich werde den Spieß einmal umdrehen, was, Teufelchen? Ich werde jetzt andere vereinnahmen.
Nein, tu das nicht, das ist wieder eine Falle, da kommst du nicht mehr raus! Lass dich nicht vereinnahmen, sondern denke an das, was du tun wolltest. Vereinnahme andere nicht, denn jeder sollte das geben, was er kann und nehmen, was er kann, und die Verantwortung bleibt beim Autor, das heißt dem Verursacher.

Montag, 27. Dezember 2010

Was wirklich wichtig ist

Bei Heinrich fand ich die Frage nach dem Begriff "Zwischen den Tagen", was für mich neu ist, denn für mich war es immer die Zeit "Zwischen den Jahren". Damit war ursprünglich die Zeit zwischen der Wintersonnenwende und dem Erscheinungsfest, dem 6. Januar gemeint, auch die zwölf Rauhnächte. Das alles kann man schön bei Wikipedia nachlesen, dazu die Bräuche und was da so alles passieren kann, wenn zum Beispiel das Vieh in den Ställen anfängt zu reden, und dass man das Wetter der kommenden zwölf Monate anhand von gewissen Dingen voraussagen kann. Bei uns war es das Bleigießen an Silvester, das sich auch bei meinem Sohn als Renner herausstellte. Je nachdem, was man in die gegossenen Figuren hineininterpretiert, wird einem im nächsten Jahr widerfahren. Da fällt mir ein, dass ich mir die eigentlich mal wieder besorgen könnte, nachdem aus den Walnusschiffchen wegen Schnee, Eis und Kälte ja nun nichts geworden ist. "Zwischen den Jahren" war für mich immer eine Art Niemandsland, dunkel und kalt, aber mit Blick auf das Licht, das sich jeden Tag ein wenig mehr ausbreitet. Eine Zeit der Besinnung und des Kraftschöpfens für die nächste Runde.
Ich bin vorhin auf eine Diskussion im Netz gestoßen, die mich doch einigermaßen verblüfft hat. "Was ist wirklich wichtig im Leben?", wurde gefragt. Die Teilnehmer kamen zu dem Schluss, dass es nichts Materielles sei, sondern sich Ziele zu setzen, die innere Stille zu finden und sie auch zu bewahren. Einer meinte, er wisse nicht, wozu die Menschen auf der Welt seien, ein anderer, er bereue es, ein Mensch zu sein, wenn er so sehe, was sie mit der Welt anrichteten. Der amerikanische Soziologe Morrie Schwartz wurde zitiert. Er meinte, dass Liebe, Zuwendung und Vertrauen die wichtigsten Dinge im Leben seien. Aber sie nicht nur zu geben, sondern auch, sie zu erhalten, würde ich ergänzen. "Zwischen den Jahren" ist für mich also eine Zeit, die noch nicht ist, die zu Ende geht und etwas Neues bringt. Eine Zeit, in der man die großen Städte meiden sollte, weil man die Fehler des Weihnachtsfestes versucht zu korrigieren und damit schon wieder davonrennt. Sich gegenseitig im Wege steht. Es ist eine Zeit, zurückzublicken und gleichzeitig nach vorne zu sehen. Ich freue mich immer darauf und bin dann auch froh, wenn es wieder vorbei ist. Froh über die freie Zeit, die langsamer zu gehen scheint als sonst. Ich lese viel und überlege mir, wie sich das neue Jahr wohl aufs Schreiben auswirken wird. Schreiben ist ja auch eine Art der Kommunikation, der Zuwendung zu anderen und zu sich selbst, der Verdichtung des eigenen Lebens. Und so kann ich den Vers von Bert Brecht, der seit meinem 19. Lebensjahr Wahlspruch von mir ist, unverändert in das neue Jahr hinübernehmen:

Keinen verderben zu lassen,
auch nicht sich selber,
jeden mit Glück zu erfüllen,
auch sich, das ist gut.

Bert Brecht, Der gute Mensch von Sezuan

Sonntag, 26. Dezember 2010

Winter im Schwarzwald




Stundenlang durch den Schnee des Schwarzwaldes zu wandern, vom Egenhauser Kapf über das Gebirge zu schauen, das macht den Kopf wieder klar für andere Dinge.



Der Schnee knirscht unter den Füßen, der Atem steht einem in Wölkchen vorm Gesicht.





Der Weg vom Kapf nach Walddorf. Hier hängen die meisten Misteln in den Apfelbäumen, der Schäfer weidet seine braunen Schafe, die Falläpfel aus dem Schnee fressen, und weist uns den Weg, der sich so sehr verändert hat. Ob wir durch den Wald zurück kommen?
Aber nein, es sei lebensgefährlich, jetzt durch die Wälder zu gehen.



Also machen wir den Schmetterling und wandern zurück.














Abschied vom Tag, und hinein ins Warme zu einer Tasse Tee und zum Chinesen. Es sind raue Nächte, es ist Winter im Schwarzwald und überall.

Mittwoch, 22. Dezember 2010

Kaffeesatzlesen für 2011



"Begehbarer Adventskalender" in Breitenberg/Schwarzwald


LETZTE MELDUNG: ACHT VON ZEHN BÜCHERN DER ANTHOLOGIE "GEZEITEN" SIND BEI THALIA IN PFORZHEIM VERKAUFT WORDEN! ES GEHT ALSO NOCH MIT DEN BÜCHERN.

Nachdem wir bei einer Stehparty in Heinrichs Blog festgestellt haben, dass die Bücher leben und gelesen werden, begebe ich mich final auf die Kaffeesatz-Spökenkiekerei für das kommende Jahr 2011. Das Buch ist nicht totzukriegen, denn es gehört zu den größten Kulturerrungenschaften der Menschheit. Und wie ein Echo auf meine vorigen Gedanken traf heute ein sehr schöner Weihnachtsgruß meines Verlages Oertel&Spörer ein, für den ich jetzt auch noch ein wenig Reklame machen möchte. Das Kochbuch von Simon Tress ist ein absoluter Shooting Star, und auch die Reise-und Städteführer, Krimis und Kalender erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Habe ich es nicht gerochen? Dann bin ich mal gespannt, was bei der Besprechung im Verlag am 13. Januar herauskommen wird. Der diesjährige Kalender hatte mehr den Schwerpunkt Literatur, Historie, Städte, Bauwerke, Wanderungen, Rezepte, im nächsten sollen Spaß und Freude, Erholung und Wellness an erster Stelle stehen-also Bäder, Erholungsgebiete, Einrichtungen, die "Urlaub" vom Alltag bieten ... wobei wir den Bereich Hotels-Restaurants-Wellnesseinrichtungen wie Heubäder usw. nicht abdecken können und wollen.
Wenn ich mir die beliebtesten Themen meines Blogs ansehe, sollte ich künftig auf Weihnachtsrezepte, (historische) Thriller und Ausflüge in unbekanntes Terrain setzen! Mein Wunsch an 2011 wäre, den Schwarzwaldroman zu schreiben und vielleicht noch etwas Ausflugs-Wandermäßiges (da ist eben leider schon alles abgedeckt, auch durch andere Verlage). Ich wünsche mir, einfach in Ruhe recherchieren und schreiben zu können, meine Fotos zu machen und mehr Luft zu haben, was den Beruf betrifft. Vier Monate müssen wir noch provisorisch ums Überleben kämpfen, sozusagen. Ich wünsche mir weiterhin eine gute Zusamenarbeit mit dem Aufbau Verlag und meinem Agenten, die mich in jeder Hinsicht sehr gefördert haben- und meinem Florenz-Roman "Das sündige Gewand" einen guten Star im Herbst! Damit möchte ich mit diesem Thema erstmal schließen und allen neuen und altbekannten Lesen dieses Blogs ein schönes Fest und erholsame Tage zwischen den Jahren wünschen!

Ciao, bis dann

Christa

Montag, 20. Dezember 2010

Wie kommt das Buch an den Leser?

Petra van Cronenburg hat es mal wieder auf den Punkt gebracht: Ist es nicht besser, in der Nähe seines Buches und seiner Leser zu bleiben, anstatt von Tausenden oder Millionen gekauft und wieder vergessen zu werden? Rein rechnerisch ist die Chance, nicht vergessen zu werden, natürlich schon größer, wenn man von sehr vielen Leuten gelesen wird. Aber ich weiß, was Petra meint. Und es ist auch etwas, das ich spüre. Für mich als Autor ist es zufriedenstellender, wenn ich in der Nähe meines Buches bleibe. Und ich würde sogar noch in Stück weitergehen. Nicht nur die Präsenz dort, wo das Buch angsiedelt ist, kann die Marke eines Autors entwickeln. Ich denke, es ist auch die Sprache, die einen Autor regional oder überregional, genre- und fachübergreifend zur Marke machen können. Ein Kritiker schrieb mir einmal, meinen Stil würde er unter hundert anderen wiedererkennen. Ich das nicht ein Nachteil, wenn man seinen Stil nicht verändert? Oh ja, und wenn ich meine beiden ersten Weihnachtsgeschichten anschaue, die ich vor zehn Jahren geschrieben habe, merke ich ganz deutlich, was sich verändert hat. Sprache kann reifen, mit den Jahren, mit der Übung und in der Auseinandersetzung mit ihr. Es gibt Autoren, die das weit von sich weisen, denn der Erfolg ihrer Bücher gebe ihnen recht. Es ist sicher auch nicht die Mehrheit, die auf Sprache achten würde. Manchmal sehe ich Andeutungen, zum Beispiel, dass der und er Krimi, der grad auf der Bestenliste steht, ja nicht gerade literarischen Ansprüchen entspricht, aber man erwarte von Krimis ja auch in erster Linie Unterhaltung. Dem kann ich zustimmen, jedoch wird mein Vergnügen immer wieder dadurch geschmälert, dass wenig Wert auf Sprache gelegt wird.
Heute kam der Newsletter des Tempest, in dem es wieder eine Textanalyse von Hans-Peter Roentgen gibt. Er beschreibt, welche Stellen man getrost weglassen kann, weil sie das eben Gesagte nur noch mal erklären. Etwas überspitztes Beispiel, das mir in den Kopf kommt:
"Verdammt noch mal!", brüllte er wütend. Was da passiert war, hatte ihn ziemlich aufgeregt." Ich habe gerade ein Buch gelesen, das gespickt ist mit solchen Erklärungen. Früher hätte ich vielleicht gedacht, bisschen langatmig, heute sehe ich, woran es liegt. Es verwässert die Sprache und zieht alles buchstäblich dreimal in die Länge. Ich ziehe nun sogar auch noch den Schluss daraus, dass alles der Sprache und einem Buch schadet, was zuwenig ist oder zuviel.. Zu viele Perspektiven erschlagen und langweilen mich, besonders, wenn zu viele Nebenfiguren ihr Privatleben ausbreiten, das nichts mit der Handlung zu tun hat, zu viele Erklärungen, zu viele Rückblenden. Wenn ich also von Regeln sprechen würde, die für mich als Autorin gelten, dann wären es diese. Dazu muss ich anmerken, dass die besten Bücher, die ich je gelesen habe, zum Beispiel von John Steineck, diese Kriterien erfüllen. Und dazu noch spannend sind wie ein guter Krimi.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Meine Verlage-noch eine Bilanz

Die einen schreiben auch nach 6 Jahren noch Weihnachtskarten.
Die anderen lassen nie mehr von sich hören.
Die dritten machen schön Reklame und achten auf die Verkäuflichkeit.
Die vierten sind gut repräsentiert im regionalen Buchhandel, möchten aber mehr Spaß und Freude in den Büchern.
Die fünften engagieren sich total mit Presse und Lesungen, verkaufen aber nix.
Nun die Frage an den geneigten Leser/Autor: Was davon hätten Sie am liebsten?

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Überflüssige Bücher?

Beim Lesen von Petra van Cronenburgs neuem Beitrag blieb mir, gelinde gesagt, die Spucke weg. Ich habe darüber nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass ich nicht mit dem Schreiben aufhöre, sondern Lebenskünstler werde.
Noch eine Anmerkung: Über Verkaufszahlen redet man nicht. Wer redet nicht darüber? Darf man nicht darüber reden und warum nicht? Ich dachte die ganze Zeit, mein zweites Buch bei einem größeren Verlag wäre ein Flopp gewesen. Jetzt habe ich noch mal meine Abrechnungen angeschaut: Die Nonne und die Hure verkaufte sich in 2 1/2 Monaten 6 mal so oft wie die beiden ersten Romane zusammen in vier Jahren. Die "Pilgerin von Montserrat" dagegen verkaufte sich vom 14. 09. 09-31.12. 09 4 mal so oft wie die anderen in vier Jahren. Wo war denn da der Flopp? Den haben nur Amazon, KNO usw. angezeigt.

Samstag, 11. Dezember 2010

Test: Leiden Sie an Winterblues?

Warum gehe ich wie in Trance durch diese Tage? Gähne paussenlos und sehe andere gähnen. Wirke "wie Braunbier und S-pucke", wie meine Hamburger Mutter immer sagte. Arbeite ich zu viel? Aber die zwei Klienten mehr können das doch nicht ausmachen ... Schreibe ich zu viel? Sitze ich zu viel vor dem Computer? Mache ich zu wenig Pausen? Ich glaube, ich habe die Antwort gefunden, mit einem Test des Focus vom Januar 2010.
Lösung: Ich esse zu wenig Schokolade!

Freitag, 10. Dezember 2010

Das goldene Schweinchen an der Wand


Anlässlich des gestrigen Weihnachtsessens mit unserer Gruppe (ich gebe zu, dass ich eine halbe Ente beim Chinesen verspeist habe!) fragte ich unsere tschechische Bewohnerin, was es denn in Tschechien für Weihnachtsbräuche gebe. Sie erzählte, dass man Kerzen in Walnusshälften stecke und sie dann schwimmen lasse, wo, wusste sie nicht genau zu sagen. Ich habe nachgesehen und es u.a. hier gefunden. In meiner Vorstellung schwammen die Kerzenbötchen einen Fluss hinunter. Wessen Boot am weitesten kommt, der wird es im nächsten Jahr am Weitesten bringen. Außerdem stecke man sich eine getrocknete Karpfenschuppe in den Geldbeutel, das bringt Reichtum. Wenn man einen Schuh hinter sich wirft und er mit der Spitze zur Tür zeigt, wird man bald heiraten. Und am Heiligen Abend darf auf keinen Fall Wäsche aufgehängt werden, das bringt Unglück! Wer den ganzen Tag fastet, sieht am Abend das goldene Schweinchen an der Wand.
Ich glaube, ich werde am Heiligen Abend Kerzenbötchen schwimmen lassen, die Waldach hinunter, und wenn es eines schafft, oben zu bleiben, dann wird es ein gutes Bücherjahr für mich geben.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Zeitfresser Internet

Achtung, bevor Sie dies lesen, entscheiden Sie, ob es auch wirklich nötig ist, es zu lesen! Es könnte ein Zeitfresser sein. Jetzt habe ich meine Zeit damit verbracht, mich darüber zu informieren, wo die größten Zeitfresser stecken. Nachdem ich tief in mich gegangen bin, kann ich für mich feststellen: Meine größten Zeitfresser sind Emails, ob beruflich, mit Bekannten oder für den Blog. Und alles, was man meint, auch noch so lesen zu müssen jeden Tag. Hier lese ich, dass man auch bei Twitter, Facebook usw. selektieren kann, um nicht überschwemmt zu werden. Da wage ich mich gar nicht erst hin, weil ich mich kenne. Bin ich nicht früher auch in Chats gehockt und habe die Suppe anbrennen lassen? Ich kenne mich zur Genüge. Weitere, wenn auch nötige Zeitfresser sind der Haushalt, das Schneeschippen, Einkaufen. Und der allergrößte: Das Schreiben und die Beschäftigung mit dem Schreiben. Der Beruf frisst einen Haufen Zeit, ebenso Friseur-und Zahnarztbesuche. Lesen kostet Zeit, Fernsehen (das wenige, was davon bleibt), Spazierengehen, Kochen, Essen, Körperpflege, Fotografieren und Shoppen auch. Man sollte sich fragen, was man davon am liebsten macht und was am wenigsten gern und was man nicht eliminieren kann. Dann bleibt genügend Zeit, sich auch einmal auf der Couch zu räkeln und den Schneeflocken zuzuschauen.

Dienstag, 7. Dezember 2010

Meuchler, Monster, Menschenfresser

So, nachdem ich wieder ein wenig aufgetankt habe, kann ich ja wieder loslegen. Ich lese gerade, wie schon erwähnt, "Rauhnacht" von Volker Klüpfl und Michael Kobr, und es gefällt mir inzwischen ausnehmend gut. Da haben sie sich aber was Tolles einfallen lassen, dachte ich, ein Krimiwochende in einem Wellnesshotel, in dem dann ein echter Mord passiert. Gerade habe ich jedoch festgestellt, dass es schon seit länger Zeit buchbare, mörderische Krimievents gibt oder hier, die Leiche zum Dessert, die sich anscheinend zunehmender Beliebtheit erfreuen. Eine ganze Reisebranche ist entstanden, bei der sich sicher gut verdienen lässt. Da darf man den Felsen in der Schweiz besuchen, von dem Sherlock Holmes abstürzte, man kann auf Donna Leons bzw. Brunettis Spuren durch Venedig ziehen, Maigret in Paris besuchen und grauslige Dinge an den beliebtesten Krimischauplätzen Berlin, Hamburg, Frankfurt, der Eifel und eben dem Allgäu erleben. Sind nach Dan Browns "Sakrileg" und "Illuminati" nicht Tausende zu den Schauplätzen gepilgert? Oder wie wärs mit einem mörderischen Weihnachtsessen, bei dem es von Blut und Maden wimmelt? Meine Rede war immer schon: Die Leute erleben zu wenig! Nach Bungeejumping, Canooying, Free Climbing und Mittelalter-Soaps in alten Burgen oder eingemauert wie die böse Lady muss der ganz große Nervenkitzel her. So frage ich mich jetzt, ob die kleine Heimat auf dem Land, der Schwarzwald oder die Schwäbische Alb oder die rauhe Baar oder der Bodensee jemanden dazu verlocken könnten, dort Krimi-Abenteuer zu erleben. Und ich habe gesehen: Es gibt sie schon, die Giftpilzmorde, die Geistersucher, die Schäfer auf der Alb und das Monster im Bodensee.

Ich schreibe gerade einen Krimi, meinen Schwarzwaldkrimi und kümmere mich überhaupt nicht um die Zielgruppen. Denn die sind ja schon längst pilzvergiftet, gemeuchelt, vom Schweizer Felsen gestürzt, vom Bodenseemonster gefressen, in Venedigs Bleikammern oder in den Tiefen der Eifelmaare verschwunden. Es gibt keine Zielgruppen mehr, nur ein großes, mal hierhin, mal dorthin wogendes Publikum, bei dem man schon genau zielen müsste, um überhaupt jemanden zu treffen. Vielleicht kommt am Schluss die Wilde Jagd und nimmt uns alle mit.

Samstag, 4. Dezember 2010

Die besten Krimis aller Zeiten

Damit dieser Blog nicht verwaist, derweil ich meine Pause mit allem Möglichen fülle, hier ein Verweis auf Krimi-und Thriller Bestenlisten-einst und jetzt. Wobei mir auffällt, dass ich von den alten -1990-wesentlich mehr gelesen habe.
Dann gibt es noch eine ultimative Liste aller Zeiten und eine Liste der hundert besten deutschen Krimis.Von der zweiten und dritten Liste kenne ich allerdings auch sehr viele. Wahrscheinlich fehlen noch etliche, die gut oder besser sind. Vielleicht fällt jemandem noch etwas ein.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Rauhnächte

Die "Rauhnächte" sind bekanntlich die zwölf Nächte zwischen dem 21. Dezember (Wintersonnenwende) und dem 2. Januar. In dieser Zeit kann es passieren, dass die Wilde Jagd aus dem Nichts heraus erscheint und mit viel Lärm, Gerassel und Gepolter vorüberzieht, vorne draus der Teufel, der Wodan, der Schimmelreiter. Man sollte sie nicht beobachten, denn dann kann es passieren, dass man von ihnen mitgerissen wird-und vielleicht sogar stirbt. Man sollte sie mit Speisen, Geschenken und Einladungen besänftigen. Ein Schäfer der Schwäbischen Alb stand an seinen Karren gelehnt und blickte hinüber zum Rauber, einem alten Schloss. Er spielte auf seiner Klarinette und freute sich wahrscheinlich auf den Weihnachtsbraten, als in der Luft, vom Reußenstein her, ein Sausen ertönte. Die wilden Reiter, das Mutesheer, Teufeln gleich, näherten sich ihm in rasender Fahrt. Er wurde emporgehoben und spielte weiter auf seiner Klarinette, als hütete er seine Schafe. Dann verlor er das Bewusstsein. Als er erwachte, saß er zu seinem Entsetzen auf dem Galgen von Esslingen. Auch Froben Christoph von Zimmern, Verfasser der Zimmernschen Chronik (der mich, nebenbei gesagt, zu meiner Pilgerin von Montserrat anregte), berichtet Folgendes: Im Jahre 1550 kam ein Koch mitternächtlich in die Küche, um das Essen für den nächsten Tag vorzubereiten. Eine übernatürliche Helligkeit erfüllte den Raum. Dreizehn Mönche aus Hamburg und zwei unbekannte Reisende, die zu Besuch weilten, hatten sich dort an der Tafel versammelt. Ihre Gesichter waren "verbutzt", so wie es Totengesichter sind. Von Grauen gepackt, rannte er zurück in seine Kammer und versuchte zu schlafen. Am nächsten Morgen waren alle tot, vom Mutesheer vernichtet.
Heute gibt es schauspielerische Führungen im Schwarzwald zur Wilden Jagd, die zwischen 19 und 36 Euro kosten. Den Gästen wird viel Grusel geboten für ihr Geld. Wesentlich ist jedoch, dass wir durch die Beschäftigung mit den alten Mythen erfahren, wie es zu den heidnischen und christlichen Bräuchen, Glauben und Aberglauben gekommen ist. Und was davon heute noch lebendig ist. Eine Klientin von mir erzählte, dass ihre tschechische Mutter niemals Wäsche aufgehängt hätte während der Rauhnächte, denn dann wäre jemand gestorben. Und vielfältig sind die Wettervorhersagen, die Heirats-und sonstigen Glückvorhersagen aus dieser Zeit. Am eindrücklichsten jedoch erschien mir der Hinweis, wenn man während der Rauhnächte durch den Schornstein schaue, dann dürfe man so viele Schoppen trinken, als man Sterne sehe.
Für mich war "Zwischen den Jahren" stets weniger eine Tür zur "Anderwelt" als eine Zeit zwischen den Zeiten, in denen Neues entstehen konnte.

Dienstag, 30. November 2010

Krähen im Winter









Das Gedicht von Friedrich Nietzsche fand ich gestern in einem Roman.


Vereinsamt

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts, ach! wie lange schon!
Was bist du Narr
Vor Winters in die Welt entflohn?

Die Welt - ein Tor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg, Vogel, schnarr
Dein Lied im Wüstenvogel-Ton! -
Versteck, du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrein
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnein, -
Weh dem, der keine Heimat hat!

Friedrich Nietzsche (1844-1900)

Jetzt verstehe ich, warum die Menschen Advent feiern, Familien gründen, in der kalten Jahreszeit zusammenrücken-und schreiben. Und Pause machen. Und weitermachen.

Montag, 22. November 2010

Krimis-über alles und jedes?

In der Klosterbuchhandlung von Maulbronn sah ich einen neuen Krimi zu
"Stuttgart 21". Warum müssen die eigentlich alles zu Krimis verwursteln, dachte ich, könnte man dann nicht auch einen zur aktuellen Bedrohung durch Terroranschläge, einen über die Castortransporte und einen über die Banker in Irland schreiben? Der Fußballweltmeisterschaftskrimi, so nehme ich an, verkauft sich immer zu den Meisterschaften gut. Ich selbst mochte schon immer Krimis und Thriller, am meisten die mit zeitlosen Themen. So fand ich hier eine kleine Auswahl zu "hintergründigen" Thrillern, der ich mich zum großen Teil anschließen könnte. Mein absoluter Favorit war immer "Psycho" von Hitchcock, aber auch "Der dritte Mann" oder "Das Fenster zum Hof". "Rebecca" fand ich sehr spannend und von den neuen möchte ich nochmal Wulf Dorn mit "Trigger" erwähnen. (Der nächste, Kalte Stille, ist schon länger in den Buchläden).Früher habe ich auch alles von Patricia Highsmith gelesen und von Georges Simenon. Ach ja, Fred Vargas bis vor Kurzem und immer gern P.D. James.
Von der Bücherei hatte ich allein drei Bücher von Stefan Fitzek ausgeliehen und jage schon seit zwei Tagen durch irre Plots. Ich glaube, dass Fitzek ein Trendsetter ist. Im ersten Moment wirken die Romane trashig, sind aber psychologisch geradezu genial konstruiert. Um so weit zu kommen, müsste ich ein weiteres Jahr allein über den Plot meines nächsten Romans nachdenken. Wenn ich ihn schreiben würde, müsste ich damit rechnen, verrückt zu werden. Nicht umsonst haben sie Sebastian Fitzek in einem Rollstuhl zur Lesung gebracht und verbreitet, sein letzter Roman habe ihn in den Wahnsinn getrieben. In seinen Büchern bleibt überhaupt nichts ganz, er demontiert alles, bis es sich zu einem neuen Sinn zusammenfügt. Keine Sorge, ich will dem auf keinen Fall nacheifern, ich habe genügend Bühne, um meinen eigenen Wahnsinn auszutoben. Mein nächster Roman ist ein Experiment, das ich abbrechen oder unterbrechen werde, sobald das Gefühl aufkommt, dass es mir mehr schadet als nützt. Und übrigens: Es gibt eine wahnsinnige Kurzgeschichte von mir zum Thema Frankfurt/ Towers-aus dem Jahr 2004.

Sonntag, 21. November 2010

Ausflugstipps im November III: Wo alles anfing


Vor etwa zehn Jahren kam ich das erste Mal ins Kloster Maulbronn. Seitdem ist es zur Brutstätte von Ideen und eine Wiege der Inspirationen geworden. Statt durch das Haupttor kann man vom Parkplatz aus links an der Mauer entlanggehen, ein Stück den Weinlehrpfad hinauf und auf einem Weg zum Tiefen See, oberhalb des Klosters.
(Bilder kann man durch Klicken vergrößern)



Der Tiefe See, einst von den Zisterziensern als Fischplatz angelegt, heute im Sommer eine herrliche Badestelle.



Beim Faustturm kommt man wieder in das Klostergelände hinein. Hier soll Dr. Faust aus dem benachbarten Knittlingen, beauftragt vom Abt Entenfuß, alchemistische Experimente gemacht haben. Natürlich war auch Goethe dort zu Besuch.



Blick ins "Paradies", die Vorhalle zur Kirche.









Und das ist das Kloster in seiner Gesamtansicht. Bedeutende Schüler der Klosterschule waren Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin, Justinus Kerner, Hermann Kurz, Caroline Schelling, Hermann Hesse und Georg Herwegh. Maulbronn diente Herman Hesse als Vorlage für "Unterm Rad", "Narziss und Goldmund" sowie "Das Glasperlenspiel".


An diesem Torturm erfolgte im Jahr 1504 der Angriff durch Herzog Ulrich von Württemberg. Links befindet sich heute eine Buchhandlung mit Klosterbüchern, Maulbronn-Krimis, historischen Romanen, Hesse und Mörike. Und hier gab mir der Buchhändler den entscheidenden Tipp für meinen ersten Verlag.



Man kann das gesamte Kloster, mit oder ohne Führung, besichtigen. Am beeindruckendsten sind für mich die Refektorien, der Kreuzgang und das Dormitorium. Gegenüber dem Buchladen, völlig unbeachtet, gibt es ein weiteres kleines Museum zur Klostergeschichte, im ehemaligen Frühmesserhaus.



Klosterbau vor fast tausend Jahren.






Wer der Legende Glauben schenkt, dass in Maulbronn die Maultaschen erfunden worden seien, damit der Herrgott nicht sehe, dass am Fastentag Fleisch gegessen wurde, kann sich auf die Suche in den Maulbronner Gasthöfen machen. Diese Legende besagt, dass die Mönche, wie alle anderen Menschen auch, nach dem Dreißigjährigen Krieg sehr unter Hunger zu leiden hatten. Während der Fastenzeit erhielten sie, wahrscheinlich von einem Bauern, ein großes Stück Fleisch. Das konnten sie nicht verderben lassen oder gar den Hunden geben! Einer von ihnen hatte einen Einfall. Er hackte das Fleisch in kleine Stücke, mischte es mit Kräutern und Spinat aus dem Klostergarten und versteckte die Fleischmasse in Teigtaschen, dmit der Hergott ihm nicht auf die Schliche komme. So entstand die Maultasche, die sich nach wie vor größter Beliebtheit in Schwaben erfreut. Hier eines der vielen Rezepte:
Rezept für Maultaschen
6-8 Portionen:
Teig:
500 Gramm Mehl
4 Eier
Salz
Aus diesen Zutaten einen glatten, festen Teig kneten, in sechs Teile schneiden und messerdick ausrollen. Wer sich die Herstellung des Teigs sparen will, kann diesen auch beim Bäcker oder Metzger kaufen.
Füllung:
4 Zwiebeln
100 Gramm Petersilie
2 Eier
250 Gramm Schweinefleisch
250 Gramm Spinat
2-3 alte Brötchen ( in Würfel geschnitten)
Salz, Pfeffer und Muskat zum Abschmecken,
Zubereitung
Zwiebeln und Petersilie andünsten und mit allen Zutaten mischen. Diese Masse gleichmäßig und dünn auf die Teigblätter verteilen, zusammenrollen und die Ränder zusammendrücken. Mit der Hand schräg sechs Zentimeter lange Stücke drücken und so auseinander schneiden, dass sich die Außenkanten beim Kochen nicht öffnen. Die Maultaschen in kochende Brühe legen, mit Suppenwürze und Muskat abschmecken. Auf kleiner Flamme ziehen lassen, bis sie obenauf schwimmen. In der Brühe mit viel gebräunten Zwiebeln auftragen.
"‚s geht halt nix über
a Herrgottsbscheißerle"

(Brigitte Mischke 2010)



Stilleben mit Walnüssen von meinem Baum, Orangen aus Spanien und der Schwäbischen Maultasche, geschmälzt








Merkwürdig, aber wahr: Nach der dumpf-brütenden Novemberstimmung der letzten Tage und Wochen weht einen hier ein frisches Lüftchen an, und man ist versucht, ein Schillerlied herauszuschmettern. Maulbronn wird für mich ein Ort der Inspiration bleiben. Hier entstanden der erste Verlagskontakt, ein Roman und die Idee für ein erzählendes Sachbuch, das wohl schon an die 50 Seiten umfasst. Zurück im Schwarzwald, ruft mein neues Romanprojekt.

Mittwoch, 17. November 2010

Mein Pseudonym, jetzt und dann

Vor etwa vier Jahren stieg ich aus dem Zug, der aus meiner Heimatstadt Flensburg kam, in Hamburg Dammtor aus und erreichte in wenigen Minuten das Büro meines Agenten. Mit ein paar Tässchen Espresso verplauderten wir die Zeit und stellten fest, dass wir sogar gemeinsame Interessen hatten. Bei der Gelegenheit fragte er mich auch, ob ich mir nicht ein Pseudonym zulegen wolle, mein Name sei so schwer zu merken. Ich musste ihm recht geben, denn es passiert mir häufig, dass am Telefon jemand nachfragt: Schmid-Lotz, wie bitte? Schmidle? Mit Hilfe meines Autorenkollegen Alexander Benra war dann bald eins gefunden: Christa S. Lotz. Das habe ich nie bereut, nur passiert es manchmal, dass ich von Verlagsmenschen mit "Frau Lotz" angeredet werde.
Verträge unterschreibe ich mit meinem richtigen Namen. Vorhin habe ich eine Liste mit Pseudonymen von Schriftstellern gefunden und war erstaunt, auch wenn ich einiges schon wusste. Charlotte Bronté benutzte ein männliches Pseudonym, um überhaupt veröffentlicht zu werden. Damit müssen wir Frauen uns heute nicht mehr herumschlagen. Oder? Frauen sollen ja historische Romane schreiben, damit sie von Frauen gelesen werden, während normale Thriller eher von Männern akzeptiert würden. Dass George Orwell ein Pseudonym benutzte, weil der Buchtabe "B" (Blair) zu häufig in den Buchhandlungen vorkommt, zum Beispiel. Das habe ich bei der Wahl meines Pseudonyms nicht gewusst, sonst wäre mir klar gewesen, dass ich, vom Alphabet her, einst in prominenter Gesellschaft stehen würde.
In Zukunft möchte ich mir kein weiteres Pseudonym zulegen. Sobald die Arbeit es erlaubt, will ich weiterschreiben. Für mein nächstes Projekt gebe ich mir ein Jahr oder mehr Zeit, und es soll unter "Christa S. Lotz" erscheinen, auch wenn angeblich nur Charlotte Link und Ken Follet das Genre unter gleichem Namen wechseln dürfen.

Dienstag, 16. November 2010

Mittelalter-Theater

Nein, ich kann nicht behaupten, dass mich der Film "Die Säulen der Erde" aus den Socken gehauen hat. Die Bildfolgen und Szenenwechsel waren auch oft zu schnell, schneller als im Buch. Trotzdem habe ich das gestern gebraucht, weil ich vollkommen erledigt von dem Tag war. Da hätte ich mich auf einen kunstvollen Film bei Arte überhaupt nicht mehr konzentrieren können. Das soll auch der Sinn und Zweck sein. Ken Follet hat ja in seinem Interview gesagt, er wolle unterhalten, wer etwas anderes wolle, solle Kafka lesen. Für mich hat das alles seine Berechtigung, jedes zu seiner Zeit. Für mich muss die Sprache stimmen und ein gewisser Spannungsaufbau, sei es durch Handlung, Sprache oder Figuren, am besten durch alles. Ich habe gestern einen Krimi wiederentdeckt, der das für mich erfüllt, den möchte ich lesen (es gibt auch eine längere Leseprobe): "Schweig still, mein Kind" von Petra Busch. Solche Krimis würde ich gern lesen und schreiben.

Samstag, 13. November 2010

Ausflugstipps im November: Schwäbisch Hall


Michaelskirche

Die alte Reichs-und Salzstadt Schwäbisch Hall habe ich schon einige Male erwähnt, nicht zuletzt in unserem Projekt, das noch auf seine Vollendung wartet.
Nun, auf jeden Fall zog es uns heute wieder einmal dorthin, nicht zuletzt, um das Fränkisch-Hällische Museum im Keckenturm zu besuchen. Es ist wahrlich eine Perle in der süddeutschen Museumslandschaft und mit 2,50 Euro Eintritt mehr als seinen Preis wert. Fotografieren war nicht verboten, so dass ich ein paar Eindrücke mitnehmen konnte.















Unglaublich, was da an alten Sachen gesammelt wurde! In solchen Momenten merke ich, dass es das ist, was mich am meisten fasziniert.Und dass ich mich wahrscheinlich immer mit historischen Themen beschäftigen werde. Eine Krönung war nach dem Rundgang in den mittelalterlichen Gassen, am Kocher entlang und im Museum der Besuch der Comburg, einem Ensemble, das fast alle Stilepochen aufzeigt. Ein wahrer Vorbeimarsch aber ist es, am Abend, wenn kaum noch jemand da ist, auf einem Wehrgang rund um den Trumm zu laufen und durch die Schießscharten hinunterzuschauen.


Freitag, 12. November 2010

"Das sündige Gewand"

Der Sturm hat mich auch zum Briefkasten geweht, und endlich war da mal was Gescheites drin außer Rechnungen und Werbung für Bücher, die ich kaufen soll! Der Verlagsvertrag für "Das sündige Gewand", von meiner Agentur in Hamburg. Jetzt habe ich es also Schwarz auf Weiß, und die Tatsache, dass das Buch erst im Herbstprogramm 2011 erscheinen soll, gibt mir Freiraum, mich über den Winter hin zu orientieren. Ich habe ja noch einen anderen Titel vorgeschlagen, dieser passt auch ziemlich gut, mal sehen, welcher sich dann durchsetzt. Worum es geht?
Um eine Geschichte aus der Stadt Florenz im Jahr 1497/98. Der Frate Savonarola ist gerade dabei, seinen Gottesstaat aufzubauen, seine Fanciulli helfen ihm, auf immer brutalere Weise sündige Gegenstände aufzuspüren, die dann auf einem riesigen Scheiterhaufen verbrannt werden. Vor diesem Hintergrund spielt die Geschichte um Liebe, Mord, Intrigen und um den Maler Botticelli, der sich dem Frate mit seiner Malerei mehr und mehr verschrieb. Gleichzeitig ist es ein historischer Kriminalroman, der allmählich enthüllt, was -damals und heute -an Abgründen in den Menschen verborgen sein kann.

Mittwoch, 10. November 2010

Ist das Mittelalter out?

Angeregt durch Alexander Benras Überlegungen zu den Schauplätzen von historischen Romanen, habe ich mich mal ein wenig umgeschaut. In einem Artikel vom letzten Winter fand ich die Aussage, dass das Mittelaler bei den neuen Romanen immer mehr in den Hintergrund gerate. Neuerdings schreiben arrivierte AutoInnen wie Petra Durst-Benning und Iny Lorentz zunehmend über die Neuzeit bis hinein ins 18., 19. Jahrhundert. Das war früher verpönt. Auch die Schauplätze haben sich teilweise europaweit verschoben. Wobei die "Zugkräftigtsten", ich denke da an die Henkerstochter-Trilogie und Sabine Ebert, eben doch in Deuschland spielen. Die Leserinnen lieben es, ihren eigenen Wurzeln nachzugehen, las ich einmal in einer Rezension.
Was hat es nun mit dieser Mittelalter-Liebe der Deutschen auf sich? Es gab und gibt ja den Plan, ein riesiges Areal in Wertheim als getreulich nachgebildeten Freizeitpark anzulegen: Ritterland Wertheim. Darüber habe ich aber nichts Neues mehr gehört, die letzten Einträge stammen von mir. Von dem, was im Verborgenen läuft, kann ich natürlich nichts wissen. Aber ich mag noch nicht so recht dran glauben. Hätten die Filmemacher sonst mit so großem Aufwand "Die Wanderhure" ins Fernsehen gebracht, die "Päpstin" ins Kino, und würden sie am Montag um 20.15 in Sat1 den ersten Teil des Vierteilers "Die Säulen der Erde" ausstrahlen, wenn sie sich nicht noch ein gewaltiges Interesse daran erhofften? Für mich wird das Mittelalter niemals out sein, ich liebe es nach wie vor, durch alte Städte zu streifen, Klöster und Kirchen zu besuchen und den Geruch der romanischen Mauern in der Nase zu haben.
Nach wie vor gibt es Mittelalter-Feste und Mittelalter-Märkte. An das Mittelalter-Gebot in den Romanen habe ich mich sowieso nie gehalten, einfach deswegen, weil das 16. Jahrhundert "meines" war. In meinem Letzten (Schauplatz: Florenz) gehe ich bis ins 15. Jahrhundert zurück. Übrigens werden solche Autoren wie ich als "Epochenspringer" bezeichnet, was auch stimmt: 19.JH, 17.JH, zweimal 16. JH und einmal 15.J. Darüber, was aus meinem neuen Roman wird, mache ich mir keine Gedanken, ich weiß ja, dass ein jeder Roman von mir den ihm zustehenden Platz gefunden hat und finden wird.

Montag, 8. November 2010

Bald nun ist Weihnachtszeit



Das war beim letzten Weihnachtsmarkt in Nagold im Dezember 2009. Eigentlich sollte ich nur einen Kollegen vertreten. Dann hat es mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich dieses Jahr gleich wieder angemeldet habe. Wie letztes Jahr werden wir wieder beim Alten Turm stehen. Die Atmosphäre ist einmalig. Viel Tannengrün. Und wenn ich so an die anderen Weihnachtsmärkte denke-welche waren 2009 für uns die Schönsten und am wenigsten Kommerzalisierten? Es waren: Calw, Wildberg (obwohl das längst kein Geheimtipp mehr ist und entsprechend voll), Esslinger mit imposanter Kulisse, hat auch immer einen Mittelalterteil und geht fast einen Monat lang wie auch der Stuttgarter und der Reutlinger. Der Pforzheimer und der Neubulacher waren ebenfalls sehr ansprechend. Auf jeden Fall gab es auf dem Nagolder Markt immer die besten Thüringer Rostbratwürste. Der absolut Schönste war aber der in Weil der Stadt, Geburtsort von Johannes Kepler. Da war alles noch von den Einwohnern selbst gemacht, und darüber tönten die Posaunen vom Turm der Kirche St. Peter und Paul. Vielleicht wagen wir uns dieses Jahr auch mal weiter weg, oft kommt man ja zufällig in den Trubel hinein. Interessieren würde mich Bad Wimpfen mit seiner Alt-Wimpfener Racht, einer Gänsewurst. Oh, ich sehe gerade, die wird es in diesem Jahr gar nicht geben. Dann zu den Reutlinger Schiedwecken, sie schmecken ausgezeichnet, wovon wir uns auf dem Herbstmarkt überzeugen konnten. Nein, ich habe sie mir nur zeigen lassen und wusste dann, wie sie schmecken würden.
Weihnachtsmärkte in Baden-Württemberg 2010.
Interessant istes auch, etwasüber die Geschichte der Weihnachtsmärkte zu erfahren. Ursprünglich waren sie nur eine Lizenz für bestimmte Handwerker, ihre Waren auf dem Markt zu verkaufen. Hier erfährt man, welche die berühmtesten Weihnachtsmärkte aller Zeiten sind.

Nagolder Weihnachtsmarkt, 3.12. 14.00-21.00
4.12. 10.00-21.00
5.12. 11.00-18.00

Am 4.12. ist die Autorin (links) von 19.00-21.00 anwesend. Kalender und Anthologie "Gezeiten. Hin-und-Weg-Geschichten" erhältlich. LEZTE MELDUNG: An einigen Stellen ist der Schwäbische Haus-und Heimatkalender schon oder schon fast vergriffen! Neuauflage sei nicht geplant.

Samstag, 6. November 2010

Bücher sind das Gedächtnis der Menschheit

Bücher könne man wieder neu auflegen, von ihnen gibt es Archivexemplare. Von Menschen nicht, meint der Psychoanalytiker Hans Keilson. . Und in einem anderen Artikel (gesehen bei Montsegur) schreibt Marc Iven darüber, wie Bücher auch neben dem Mainstream zu Bestsellern werden können. Am interessantesten war für mich die Frage: Welche Bücher würden Sie vor einem Feuer retten? Da kann man ja nicht mehr lang überlegen. Am besten, ich sortiere meine Bibliothek noch weiter aus, dann könnte ich alle retten. Und wenn mir gesagt werden würde: Sie dürfen aber nur ein Buch mitnehmen?

Freitag, 5. November 2010

"Gezeiten" in der Rheinischen Post. Dombuchhandlung Wien, Perlentaucher







In Kleve hat es zwischenzeitlich eine Pressekonferenz gegeben. Unter anderem erschien dazu folgender Artikel und hier in der Rheinischen Post. Ich selbst bin mit drei Kurzgeschichten vertreten: "Grenzgänger","Der Augenblick Verlassenheit" und "Das Haar in der Suppe". Ich wünsche unserem Gemeinschaftswerk alles Gute auf seinem Weg zum Leser!




Der "Schwäbische Haus-und Heimatkalender 2011" hat sich nun auch auf die Reise gemacht und ist in der Dombuchhandlung zu Wien angekommen. Spannend, welche Wege die einzelnen Bücher so gehen!









Auch mein erster, "Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht", wurde am 4. November erneut bei Perlentaucher gelistet. Es stimmt also: Die Bücher gehen nicht verloren! Und wenn ich mir die Cover so anschaue, sind es eigentlich meine schönsten Bücher. Und die im Feuilleton am meisten Besprochenen.

Mittwoch, 3. November 2010

Eine Spende für den Weihnachtsmarkt?

Alle Jahre wieder kommen sie, diese freundlichen Briefe: Ob man nicht signierte Bücher spenden wolle, für den und den guten Zweck? Genau vor einem Jahr habe ich es gemacht, in dem Bewusstsein, etwas für die Allgemeinheit und für die Frauen in der 3. Welt tun zu können. Und vielleicht wäre das ja nicht nur einseitig gewesen, sondern hätte auch etwas zur Verbreitung meiner Bücher beigetragen? Dazu muss man sagen, dass es hier auf dem Land gar nicht so einfach ist, Bücher zu verschicken. Dazu muss man erst in die Stadt fahren und geignete Luftpolsterumschläge kaufen. Dann muss man die Öffnungszeiten der Post erfragen-meist ist sie nämlich geschlossen, wenn man mit seinem Päckchen kommt. Das Porto ist auch nicht ganz ohne. Viel Aufwand also für einen guten Zweck. Als dann nicht einmal eine Bestätigung kam, dass es auch angekommen ist, sagte ich mir: Nie wieder! Heute bekam ich den gleichen Brief mit meiner Antwort vom letzten Jahr. Ich glaube, in Zukunft spende ich lieber, wenn ich sowieso auf der Bank bin. Und werde auf dem Nagolder Weihnachtsmarkt, für den ich mich am 4. Dezember um 19.00 eingetragen habe, Vogelhäuser und anderes von unseren Klienten verkaufen und dazu noch meine Kalender und Anthologien.

Montag, 1. November 2010

Schauplätze der Romane

Für Autoren gibt es wahrscheinlich so viele Möglichkeiten, sich von seinen Geschichten und Romanen zu verabschieden, wie es Menschen gibt, die schreiben. Und es gibt genauso viele Möglichkeiten, sie wiederzufinden und zu sehen, dass sie Teil der eigenen Geschichte geworden sind. Für mich besteht das weniger darin, dass ich ein Buch von mir in die Hand nehme, als dass ich, mehr oder weniger zufällig, die Orte aufsuche, an denen diese Geschichten und Romane angesiedelt sind. In letzter Zeit sind noch die Sachberichte und Kurzgeschichten dazu gekommen. Heute war es die Stadt Bad Mergentheim, die wir von einer ganz anderen Seite kennenlernten. Hier war unter anderem mein erster Roman angesiedelt: Eduard Mörike, der Pfarrer-Dichter, der zeitlebens darunter litt, dass er Predigten schreiben musste und nicht dichten konnte, wie er wollte. Im Deutschordensschloss, in dem man kilometerweit herumlaufen kann und die Geschichte von den Kreuzfahrern bis heute nachvollziehen kann, ist das Mörike-Kabinett untergebracht. Und es war wieder, als würde er neben mir stehen. Ein junger Dichter schrieb mir damals, ich sei mit Mörike sicher in einem anderen Leben verbunden gewesen. Durch diesen Kurpark ist er gelaufen und hat vom Sauerbrunnen getrunken.










Der zweite Roman folgte auf dem Fuß. Ich weiß nur noch, dass es rauschhafte Monate waren und alles andere um mich herum versank.









Der dritte, "Die Nonne und die Hure", war eine etwas schwerere Geburt. Aber der Schauplatz war absolut entzückend. Und als ich dort war, fand ich alles genauso vor, wie ich es beschrieben hatte.


Der vierte Roman, die "Pilgerin von Montserrat", war völlig für mich allein geschrieben. Es war mehr mein Buch als alle anderen, ebenso wie das Letzte, das "Sündige Gewand". Die fernen Schauplätze, Venedig und Florenz, sehe ich nicht mehr so oft, natürlich. Aber wenn ich an einem der Orte in der Nähe bin, spüre ich ganz stark das, was Nikola in ihrem Blog beschrieben hat: einen Anflug von Melancholie, aber gleichzeitig das Bewusstsein, diesem Ort und seinen Menschen und Ereignissen einen Rahmen, ein Leben gegeben zu haben, das sich nicht mehr auswischen lässt.

Sonntag, 31. Oktober 2010

Essen ist Leben

24 Milionen Zuschauer sahen letzte Woche die ARD-Reihe "Essen ist Leben"-darüber, was die Deutschen so essen und was da wirklich drin ist in dem, was sie konsumieren. Ich habe mir den Beitrag mit Tim Mälzer angesehen.
Eine Familie ernährte sich eine Zeit lang völlig ohne industriell gefertigte Lebensmittel, und siehe da, es war zwar sehr viel umständlicher, zum Beispiel den Joghurt selber zu machen, aber am Schluss hatten alle 1-2Kg abgenommen und selbst die Tochter fand das Selbstgemachte wohlschmeckender als das Fertige. Obwohl-hat sie nicht ein bisschen gezögert mit der Antwort? Da fiel mir ein Bekannter ein, der mal zu seiner Ziehmutter sagte: "Dein Essen schmeckt fast so gut wie aus der Dose!"
Auf jeden Fall habe ich gelernt, dass durchaus Zusatzstoffe drin sein können, auch wenn draufsteht: "Glutenfrei", zum Beispiel in den "natürlichen Aromen". Maggi und Knorr wollten sich keinem Interview mit Tim Mälzer stellen, und als endlich der Qualitätsbeauftragte Rede und Antwort stand, meinte er, sie stellten nur das her, was der Kunde verlange.
Nach der Sendung bin ich in die Küche gerannt und habe alles geprüft, was da war. Gottseidank, außer Kartoffelpüree in der Packung und Rindfleischextrakt war alles ziemlich natürlich belassen. Und so ein Tütchen mit chinesischer Nudelpfanne stand auch noch rum. Der Tomatensugo in der Packung zum Beispiel enthält tatsächlich nur pürierte Tomaten und Salz! Frage: Was ersetzt meine Brühwürfel? Einmal habe ich es erlebt, das jemand aus Knochen und Meersalz eine herrliche Brühe hergestellt hat. Aber dauernd Knochen kaufen, wer macht das schon? Wesentlich ist doch, dass man sich bewusst macht, was man da eigentlich alles in sich hineinschaufelt.

Wie das Huhn zu Potte kommt

Gestern machte ich die Probe aufs Exempel. Ich hatte ein dickes, fleischiges Suppenhuhn gekauft und schöne Möhren bei unserem Lieblingstürken in der Hessestadt Calw. Das Huhn habe ich gekocht und mit Zwiebel, Möhrenstücken, weiterem Gemüse und Röhrennudeln angereichert. So viel Fleisch an einem Huhn! Mir fielen die mickrigen Hähnchen ein, die man fertig gebraten kauft, weil sie so schön knusprig sind und so gut riechen. Aber eigentlich sind sie jämmerlich mager und so wenig knusprig wie die Brötchen, die früher ganz anders zwischen den Zähnen krachten. Und die Hähnchen in Frankreich fielen mir ein, aus der Gegend der Ardèche, die auf dem Markt mit Federn am Hals angeboten wurden, und aus denen ein so vorzüglicher Coq au Vin entstand, dass ich mir heute noch die Lippen danach lecken könnte. Nein, ich werde keine Vegetarierin und werde auch in Zukunft nicht nur total reine Lebensmittel essen, aber ich werde das mit mehr Bewusstsein dafür tun, was ich tue. Und mir auch bewusst sein, dass sich Millionen von Menschen solche Fragen überhaupt nicht stellen.

Samstag, 23. Oktober 2010

Wie geht man mit Verlagsabsagen um?

In einem undatierten Beitrag des Börsenvereins des deutschen Buchhandels
stehen ein paar Hinweise, wie Neuautoren ihre Verlagssuche gestalten könnten. Einmal gibt es einen Link auf den Katalog der Frankfurter Buchmesse mit Verlagsliste, dann den Rat, es mit Print on demand zu versuchen, wenn alle andere Versuche fehlgeschlagen sind.
Von meiner Erfahrung her kann ich das eigentlich bestätigen. Mein erster Roman war ein Buchhändlertipp, beim zweiten gab es keine Absagen, dafür umso mehr, nachdem ich einen Agenten gefunden hatte.:-) Heute weiß ich, dass meine Texte sich noch entwickeln mussten. Manche Autoren brauchen 10, 20 Jahre, bis ein Buch von ihnen veröffentlicht wird. Der häufigste Grund für die Ablehnung sei, so lese ich es bei namhaften Leuten, dass das Manuskript einfach nur schlecht sei, und das merke die Lektoren nicht nach 20 Seiten, sondern nach 5 Zeilen. Ein Lektor hat mir mal aus solchen Manuskripten vorgelesen. Oder das Manuskript hat einfach dem Lektor des betreffenden Verlages nicht gefallen. Auch da wird es Unterschiede geben. Ich habe es erlebt, dass ein literarischer Agent 400 Seiten eines Opus von mir durchgelesen und eine Stellungnahme dazu geschickt hat. Das und die Analyse eines Übersetzers führten erst dazu, dass sich weitere Texte aus dem Ursprungsroman entwickeln konnten-wie bei einer chinesischen Puppe.
Die Absagen haben mich immer für ein, zwei Tage schachmatt gesetzt, wie ungern ich warte, wissen wir ja schon zur Genüge. Dann ging es jeweils mit Volldampf weiter. Bis ein Verlag gefunden war, der mehrere meiner Bücher genommen hat. Wahrscheinlich ist das das Beste, was einem passieren kann, neben einem Agenten, der absolut zuverlässig ist. Sobald ich wieder etwas mehr Raum um mich habe könnte ich mir ja mal das Vergnügen machen, einen oder zwei der abgelehnten Romane rumzuschicken und nicht aufzuhören, bis der 70. oder 100. Verlag erreicht ist. Mal sehen, was dann passiert!

Freitag, 22. Oktober 2010

Teufel und Beelzebub

Das war mit Abstand die härteste Woche des Jahres, dazu verschmuddelt und kalt. Ich liege geplättet auf dem Sofa, kämpfe mit einer Infektion und löse Kreuzworträtsel. Das ist ja auch eine Art von Wortspiel, oder? Was ist von der Woche übriggeblieben? Es wird überall abgebaut, im sozialen Bereich, immer weniger Psychiater und Sozialarbeiter müssen immer mehr Klienten betreuen, immer schlechtere Arbeitsbedingungen, dafür immer höhere Krankenkassenbeiträge und immer mehr Baustellen im Land. (Von S21 mal ganz zu schweigen). Ist denn das Schreiben und Veröffentlichen noch ein Ausgleich dazu, wie ich es mir einmal erträumt hatte? Man sollte denken, nein, denn die Bedingungen werden immer schwieriger. Manch ein Autor trägt sich schon mit dem Gedanken, seine Lieblingsbücher selbst zu produzieren. Für mich ist das die Frage nach dem Teufel und dem Beelzebub. Selber produzieren käme für mich nicht in Frage, denn dafür habe ich noch viel weniger Geduld, als auf die Antworten von Verlagen zu warten. Und würde sie das vorm Vergessenwerden schützen? Wo sind die ganzen Bücher geblieben? Eins ist verschwunden, liegt vielleicht noch in einer dunklen Ecke des Literaturarchivs, das zweite stapelt sich wahrscheinlich in einer Garage auf der Schwäbischen Alb, das dritte ist im Archiv und damit wohl in der Backlist, das fünfte weg, das sechste wird wohl im Winter verschwinden und das siebte ... ist erst gar nicht aufgetaucht! Naja, in irgendwelchen Bücherregalen werden noch manche stehen:-)
Doch Jammern nützt überhaupt nichts. In unserem Bereich arbeiten wir ressourcenorientiert, das heißt, wir schauen auf die gesunden, kreativen Anteile und suchen Lösungen, statt angesichts des Elends zu erstarren. Und das heißt wiederum, uns einfach nur ins rechte Licht zu rücken und auf die Kräfte des Teams zu vertrauen. Vielleicht kann ich einmal die schreiberische mit der beruflichen Tätigkeit verbinden, indem ich Broschüren zu psychischen Krankheiten und Handycaps verfasse, zu Depressionen, Schizophrenien, Persönlichkeitsstörungen. Ratgeber für Angehörige. Ich habe auch einen Kontakt neu angeknüpft und habe einen zu einem Verlagsmenschen im Kasten.
So gäbe es viele Optionen:
Oberste Priorität hat der Psychothriller, den ich schon lange mit mir herumtrage und der sich wandelt und schillert wie eine Forelle unterm Regenbogen.
Dann sind die Fahrten, Kutur-und Wandertripps noch nicht vom Fenster.
Mein historischer Florenzroman wird auch noch erscheinen.
Und heute hat sich jemand für die "Gezeiten" interessiert. Ich werde einfach so vielseitig und unabhängig bleiben wie möglich. Und nachdem ich erkannt habe, dass Eitelkeit und Neid treibende Faktoren beim Schreiben sein können, mache ich mir die einfach zunutze. Dabei wüsste ich eigentlich nicht, welchen Autor ich beneiden sollte.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Stand by me

Nachdem ich nun "Jenseits von Eden" durchgelesen habe, weiß ich etwas mehr. Warum gehören solche Romane zu den besten der Weltliteratur? Weil sie Fragen behandeln, die den Menschen immer beschäftigen werden. Nicht nur Gut und Böse, Konflikte innerhalb von Familien oder Staaten, nicht nur Kain und Abel, das Sich-in-die Welt-Stellen gehören dazu, ebenso die Muster in Familien, die über Generationen hinweg greifen. In diesem Roman war alles aufgelöst bis auf eine Frage, die mich brennend interessiert hätte: Wie kam Kate oder Cathy dazu, so "böse" zu sein? Dass sie lieber Hure sein wollte als auf einer kalifornischen Ranch zu versauern, konnte ich nachvollziehen. Aber dass sie in der Kindheit Alice sein wollte, die immer mehr verschwindet, erklärt nicht ihren perfiden Drang, auf hinterlistige Art zu morden. Der Suizid dagegen ist konsequent. Damit verschwand sie für immer. Irgendwie könnte man sagen, dass dies eigentlich auch ein "Heimatroman" ist, teilweise auch ein Krimi, denn es geht um Mord, um Schuld und Sühne und die Frage der freien Entscheidung, aber auf einer Metaebene, sozusagen. Nun liegen noch die "Früchte des Zorns" vor mir.

Für mich hat sich heute während einer Versammlung das bestätigt, was ich vor einiger Zeit schon schrieb: Andere Kollegen empfinden es ebenso wie ich, dass man auf sich acht geben und nicht zu oft und zu weit über seine Grenzen gehen sollte. Das gilt für den Beruf wie für das Schreiben. Ich erlebe gerade eine exreme Bodenständigkeit, das heißt, ich bin viel in der konkreten Welt, unter Menschen und nehme mich dabei ganz anders wahr. Es hat alles wieder eine Bedeutung angenommen, sieht klar und greifbar aus, jeder Gegenstand, jedes Gespräch sind mir nah, sind bei mir. Es gibt also zwei erstrebenswerte Zustände für mich: Die des Schreibens, der anderen Welt, die ich baue mit ihren Figuren und Geschichten und Schauplätzen, und die des realen Lebens. Was dazwischen ist und sich zu sehr überschneidet, führt zu unbefriedigenden Zuständen. Dazu gehört auch das Warten auf die Reaktion von Verlagen, das Herumsurfen nach irgendetwas, das die Stille des Raumes ausfüllen soll, wenn man glaubt, man trete auf der Stelle. Und alles wird nur stiller und grauer oder auch fast apokalyptisch wie der kalte Regensturm, der über die Wälder fegt. Oder der Versuch, auf allen Hochzeiten zu tanzen, dabei bricht man sich zu leicht ein Bein. (So kann ich aus beruflichen Gründen am Freitag auch nicht zur Buchhandlung Mumm in Pforzheim-Dillweißenstein fahren). Das ist eine Option für mich: bei den Figuren, Schauplätzen, Handlungen stehen, dann bei den Menschen, Orten, Räumen und Geschehnissen, nacheinander, nicht gleichzeitig. Sie sind nur dann wirklich und lebendig, wenn sie bei mir stehen. Und so wird auch wieder die Zeit des Schreibens und Entwerfens von neuen Texten kommen. Für diesen Gedanken habe ich jetzt, in diesem Moment, an diesem Tag, die Geduld.

Samstag, 16. Oktober 2010

Zielgroupie (Heimat-) Krimi

Heute hat mich wieder einmal der Hafer gestochen: Ich habe mich als Zielgroupie verkleidet. Lodenjacke, darunter ein schwarzes Tshirt mit Totenkopf, Gamshut, Handschuhe und schwere Springerstiefel. Auf herausspritzendes Blut, Maden und surrende Fliegen habe ich aus Gründen verzichtet, die sicher verzeihlich sind. Möglicherweise wäre ich nämlich abgeführt worden. Dafür zeigte mein Gesicht die erforderliche Leichenblässe. Tatort sollten zwei große Buchhandlungen einer schwäbischen Großstadt sein. Und wirklich: Da lagen all die Werke, die zu meinem Outfit passten, und mein Herz, das sich nun infiziert ähm identifiziert hatte, schlug höher, als es die passenden Gegenstücke fand. Dabei sind die Regionalkrimiregale weiter gewachsen. Zu den Eifelkrimis kamen Allgäu-, Alb-,Schwarzwald-und Gäu-Krimis, mit jeweils wechselnden einheimischen Ermittlern. Die grauenvolle Tat beging ich-zum Leidwesen der Zielgruppenforscher: Ich winkte mit meinem Klappmesser, ließ es klirrend kreisen, nahm meine Springerstiefel in die Hand und entfernt mich vom Tatort, ohne Spuren in der Kasse hinterlassen zu haben. Hoffentlich hat mich niemand beobachtet. Denn ich weiß, dass ich mich frevelhaft verhalten habe:
Inzwischen füllen Lesungen dieser Bücher ganze Säle, es sind immer sehr lustige Abende, Heimatabende möchte man fast sagen. Da hats mich fast gewundert, dass keine Kuh muhte, als wir in den strömenden Regen hinaustraten. Abends entledigte ich mich des Groupie-Outfits, das hätte ich aber schön bleiben lassen können, denn es ging grad so weiter. Heimatkrimis schlagen inzwischen selbst die Einschaltquoten von Stuttgart21-Berichten. Eigentlich wäre es doch ein Leichtes und Schönes, sich auf diese populären Züge aufzuschwingen und einfach mitzufahren, das sagte ich ja schon mal. Nun ging es also weiter. Heimatkrimiabend im Bayrischen Fernsehen, einmal um die Stadt Kempten, dann Würzburg. Ja, das schaue ich mir gern an, schon wegen der Landschaften und Städte. Und schließlich soll der Kluftinger auch Grimmepreis-verdächtig sein. Warum nur gab es vor ein, zwei Jahren dann schon warnende Stimmen zu den Zielgruppen? Und ausführliche Analysen zu den Regionalkrimis?Ist es wieder ein Pferd, das angezogen hat undviele, viele galoppieren hinterdrein?

Samstag, 9. Oktober 2010

Für Bestseller muss man früh aufstehen

Beim Montsegur-Autorenforum fand ich kürzlich ein Interview mit dem britischen Bestsellerautor Ken Folett. Na, das ist natürlich traumhaft, wenn man seine Bücher 100 Millionen mal verkauft und täglich 1000 Dollar dafür ausgeben kann, dass andere für einen recherchieren. Dazu ein Haus auf Antigua hat und monatelang herumreisen kann. Einer der Kernsätze Folletts ist, dass sich der Autor quälen solle, nicht der Leser. Wer eine Aussage brauche, solle lieber Kafka lesen. Follett wird als völlig ungequält bezeichnet. Auch sein Arbeitstag scheint wie ein Spaziergang: Um halb acht setzt er sich mit einer Tasse Tee an den Computer und schreibt bis 16.00, egal, ob er mitten in einer spannenden Szene oder bei einem seiner berühmten Cliffhänger ist. Das ist ein gutes Leben, möchte man denken, und: so gut möchte ich es auch mal haben. Sollte ich jetzt auch einen Familienroman schreiben, weil das immer die besten sind?
In unserer Tageszeitung habe ich heute, nach vielen Berichten über Stuttgart 21, einen Artikel über eine Frau hier gleich um die Ecke gelesen. Sie ist im Vorruhestand und hat ein Buch, Kurzgeschichten über ihr Arbeitsleben bei einem Automobilhersteller, herausgegeben und schreibt jetzt ein zweites. Ihr Tagespensum der Schriftstellerei beginnt sogar schon um 6.00, sie ist ja frühes Aufstehen gewöhnt. Ob ich vielleicht schon um 5.00 aufstehen müsste, um einen Bestseller zu schreiben?
Von Ken Follett habe ich "Die Säulen der Erde" gelesen und fand es, bis auf die kitschigen Sexszenen, so gut, dass ich es zweimal oder sogar dreimal gelesen habe. Da war ich allerdings noch voll auf dem historischen Tripp. Dann noch mal was wie "Die Zwillinge", aber ich weiß nicht mehr, worum es da ging. Damit war das Interesse an diesem Autor erstmal erschöpft. Der Familienroman von Thomas Wolfe gefällt mir gut in seiner Abgründigkeit, allerdings muss ich Follett insofern recht geben, dass zu viele Personen zu ausführlich beschrieben werden, darüber lese ich hinweg. Ob ich Lust auf einen Familienroman mit 1000 Seiten habe, in dem es um 200 Personen und um Handlungen geht, bleibt mal dahingestellt ...abgesehen davon merke ich es Büchern inzwischen an, wenn sie nach einem maschinenartigen Konzept erstellt wurden, in dem Fehler nicht mehr passieren können.



Hier wohne, lebe, arbeite und schreibe ich

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Das Kaninchensyndrom

Der Oktober zeigt sich bisher von seiner goldensten Seite, und nichts kann schöner sein, als das Geld und Rot in den Bäumen zu sehen, die Spinnweben in der Luft, und das Rascheln des Laubes unter den Füßen zu hören. Jetzt höre ich auch endlich wieder Stimmen, draußen im Freibad nämlich, wo sie alle wieder versammelt sind. "Na, was machen die Schreibkünste?", fragt jemand. Ich rede nur noch selten darüber, es ist nicht mehr so wichtig. Bleib mehr bei dir, nicht so viel bei den anderen, war ein Rat, den ich kürzlich aus Kollegenkreis hörte (er hätte auch mich damit meinen können). Doch das sind magische Inseln in einem Meer, das seit Jahren brandet.
Ras doch nicht so!, rufe ich der Uhr bestimmt zehnmal am Tag zu, weil ich nie alles erledigen kann, bevor sich nicht wieder ein Termin dazwischenschiebt. Der Oktober ist voller davon als alle übrigen Monate, und alle haben nichts oder fast nichts mit dem Schreiben zu tun. Gegen Ende,
am 28., habe ich mein zehnjähriges Schreibjubiläum. Was waren das für zehn Jahre? Ganz anders, als alles, was ich vorher erlebt hatte, viele Dinge und Ineressen haben sich verschoben. Es waren insgesamt etwa sieben Werke, die Schublade nicht mitgerechnet, die daraus hervorgegangen sind, dazu ein Haufen Fragmente, Geschichten und Reisebeschreibungen. Mehr als 70% waren positiv, manchmal richtig glücklich, der Rest war wie das Kaninchen vor der Schlange, sprich, dem Internet und den Schreibprogrammen. Welche Stunden wurden den Suchmaschinen gwidmet, um "sich selbst" zu finden, wieviele den Amazonrängen und den Auseinandersetzungen mit anderen Autoren! Davon wieder 70% waren positiv, oft sogar glücklich.
Und jetzt ist die Uhr so gerast, dass ich schon wieder aufhören muss!

Freitag, 1. Oktober 2010

Bürgerkrieg in Stuttgart

Gestern ist es in Stuttgart bei der Räumung des Bahnhofsgeländes zu gewalttätigen Eskalationen gekommen. Unter anderem berichtet der Spiegel darüber. So verfahren wie diese habe ich noch keine Situation erlebt. Die Polizisten wurden als Feinde erlebt, welche die Bürger, die teilweise noch nie in ihrem Leben demonstriert hatten, an Leib und Leben zu bedrohen schienen. Unter anderem habe ich einen Bericht gelesen über einen durch Tränengas verletzten Rentner, dem weder Polizei noch Sanitäter zu Hilfe kommen wollten. Als sich die Demonstrationen noch im internationalen Rahmen bewegten, gingen die Ordnungshüter fast zartfühlender mit den Blockierern um- so erlebt in Mutlangen (Pershing II-Raketen), wo sehr viele Menschen weggetragen wurden. Aber es gab immer auch Eskalationen wie in Wackersdorf. Die SPD hat einen Volksentscheid beantragt und wurde als Verräter beschimpft, weil der neue Bahnhof im Untergrund und Bahnschnellstrecke nach Ulm ja schon 20 Jahre lang geplant waren. Derweil wird weiter abgerissen, heute Nacht wurden die alten Bäume im Schlosspark gefällt. Manchmal sind wir, selbst im Winter, nach Stuttgart gefahren, um in der alten Platanenallee spazieren zu gehen. Sie sollte noch im Juli unter Denkmalschutz gestellt werden, wie übrigens der Hauptbahnhof ebenfalls unter Denkmalschutz stand. Wo ich auch hinkomme, beobachte ich eine zunehmende Betonkopf-Denkweise: Alles, was lebendig und daher schwer zu verwalten ist, wird mit Beton niedergemacht, nicht nur in Stuttgart. Selbst im Kloster Zwiefalten wurden Bäume gefällt und es starrt nun ein gesichtloser, menschenleerer Platz auf die Vorbeifahrenden. Am Ende wird in Stuttgart eine Schuttwüste bleiben und ein 7-milliardenschweres Bauvorhaben, möglicherweise auf 18 Milliarden steigend, das kaum auf irgendeine Akzeptanz stoßen wird. Ministerpräsident Mappus wird für die Gewalteskalation verantwortlich gemacht-während der Räumung war er auf dem Bauerntag und trank Bier. Es werden schon Stimmen laut, die sagen, das wird das Aus für Angela Merkel bei den nächsten Wahlen sein.

Mittwoch, 29. September 2010

Über Abgründe schreiben

Ich erwarte keine Antworten auf Fragen, ich habe mich selbst gefragt, was ich, zwischen eingeschlagener Tür, Polizei und tödlichen Spielen, weiterhin schreibe. Jetzt weiß ich wenigstens, wie es ist, als Polizist vor einer Tür zu stehen, vor einem Zimmer, von dem ich nicht weiß, was sich darin abgespielt hat. Ich habe mich zur Gewalt entschieden, höre den Knall, mit dem die Tür auffliegt, sehe, was in dem Zimmer passiert ist ...Und das ist der Anfang einer neuen oder erweiterten Phase meines Schreibens. Ich sehe es vor mir, es ist alles unentwirrbar verknäult, doch ich werde es entwirren, wie alle meine von mir so gern gelesenen Krimi-und Thrillerautoren ihre Knäuel entwirrt haben. Es ist eine Zäsur, denn mit diesem Genre fange ich ganz neu an. Vielleicht muss ich mich dann so hochackern wie Nele Neuhaus, vielleicht scheitere ich schon beim Versuch. Aber ich werde es wagen, wenn nicht heute, dann morgen, übermorgen, in zwei Monaten!

Donnerstag, 23. September 2010

Die Kalender sind da!


Es lohnt sich, es lohnt sich immer, auch das Warten. Es gibt ja wirklich Wichtigeres auf der Welt. Aber es ist einfach prickelnd, wenn der Postbote dann klingelt und das Paket überbringt. Jetzt habe ich die Kalender in den Händen, und dazu noch ein kleines Manskriptangebot einer Autorin, das vielleicht in ein ähnliches Projekt hineinpassen würde.

Dienstag, 21. September 2010

Krimis und Kochbücher gehen immer

Im Pressebericht vom Börsenverein des deutschen Buchhandels (September 2010 für die Buchmesse) werden Trends für den Buchmarkt aufgezeigt. Offensichtlich wird, allen Unkenrufen zum Trotz, immer noch gelesen, Lesen ist eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deuschen, und das wird sich sicher auch auf die Dauer nicht ändern. Die Belletristik und Ratgeber haben demnach zugelegt, immer auf den Umsatz bezogen, Sachbücher, zunehmend politisch, etwas abgenommen. Seit den Bestsellern von Frank Schätzing und Dan Brown "Das verlorene Symbol" und "Limit"ist nach wie vor Spannung gefragt: Krimis scheinen Dauerbrenner zu sein! Daneben ist die Fantasy am Kommen, wie ich es auch schon in den Buchhandlungen gesehen habe. War die, vor J.B. Rowling, nicht schon mal totgesagt? Bei den Ratgebern mit ihren Themen Essen, Gesundheit und Lebenshilfe ist das Kochbuch weiterhin am stärksten im Aufwind. Ach ja, und das Geschichtsinteresse schwindet, dabei werden die historischen Romane nicht mal mehr erwähnt. Wie sagte mir ein Freund vor einiger Zeit? Wer weiß, ob dieses totgesagte Genre sich nicht wieder erhebt wie eine Bremse, nachdem man sie erwischt zu haben glaubte.

Was kann nun ein Autor, der bereits mehrere Bücher veröffentlich hat, daraus für Schlüsse ziehen? Soll er jetzt Krimis, Fantasy und Kochbücher schreiben, weil dafür ein gesellschaftliches Interesse besteht? Ich selbst lese ja sehr gerne Krimis, Kochbücher brauche ich weniger zum Kochen, eher zur Recherche. Dazu ein Beispiel: Kürzlich suchte ich ein fränkisches Kochbuch und konnte es weder in kleinen noch in großen Buchhandlungen finden. Ich durfte es bestellen, und es wurde mir kostenlos drei Städte weiter geliefert. Sie sind sehr schön, dabei preiswert, gut bebildert und sicher gut für mein anderes Projekt zu verwerten. Meine historischen Romane hatten immer auch einen Touch von Krimi, manchmal sogar Fantasy und Kochbuch. Reiseliteratur gehört sicher zu den Ratgebern und wurde nicht besonders hevorgehoben. Genremix geht nicht, hat es geheißen, die Leser wollen reines Genre. Im Klappentext des Spiegel-Bestsellers von P.D. James steht, die Autorin gehe abermals weit über das Niveau des Detektivromans hinaus, ohne die Konventionen des Genres selbst zu verletzen. Das liest sich auch gut zur Beruhigung und vor dem Einschlafen, ohne allerdings den Nachtschlaf zu rauben.

Mein Fazit aus diesen Trendmeldungen: Ich bin als Leserin immer selbst drin im Trend, mache mir also mein eigenes Bett. Mein Haupttrend war immer, Historie und Krimi zu schreiben. Letzter Stand dazu: Inzwischen habe ich drei krimimäßige Plots auseinandergedröselt und dabei ist ein neuer hinzugekommen, den ich jetzt im Kopf herumtrage und ihn weiterentwickle.

Sonntag, 19. September 2010

Ausflug im September


Eigentlich wollte ich mich noch mit der Frage beschäftigen, warum Georgette Heyer nicht über das geschrieben hat, über das sie schreiben wollte, nämlich das Mittelalter (die Liebesromane ließen ihr nicht genügend Zeit), warum der Schlagzeuger Phil Collins (früher Genesis) immer etwas anderes spielen wollte und erst jetzt, wenn er keine Tourneen mehr machen will, ein Soulalbum herausgibt und warum P.D. James, von der ich mir ein neues Taschenbuch ("Ein makelloser Tod") gekauft habe, noch mit 88 Jahren Krimis schreibt.

Statt dessen haben wir heute endlich mal wieder einen Sprung in die Landschaft machen können: Über Pforzheim zur Enzschleife bei Vaihingen, in das Weindorf Rosswag. Wenn man nicht über die Schnellstraße fährt, kommt man durch den Waldenserort Pinachemit der ältesten Waldenserkirche Deutschlands von 1721. Die Waldenser erreichten Süddeutschland 1699, nachdem sie ihres Glaubens wegen aus Südfrankreich vertrieben worden waren, und nannten die neuen Orte nach ihren Heimatdörfern.


Rosswag an der Enzschleife: In Millionen Jahren hat sich die Enz hier durch den Muschelkalk gefressen und einen weiten Umlaufberg geschaffen (Mönchberg). Ein Ort zum Verlieben, und die Weinberge werden wie in alter Zeit bewirtschaftet. Dass die Pflege der Trockenmauern Tausende von Arbeitsstunden benötigt, wusste ich nicht. Aber w i e brutal die Arbeit im Weinberg gewesen sein muss, merkten wir am Aufstieg.







Die Trauben schmecken süß und sind sehr saftig. Daraus entsteht zum Beispiel der Rosecco-Perlwein. Rosswag ist einer der wenigen Weinbauorte Baden-Württembergs, dessen Trauben auf Muschelkalk gedeihen. Im Ort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, doch wird der Weinbau nur noch nebenberuflich betrieben. Im Zusammenhang mit dem Muschelkalk stehen oben Kiefernwälder und Walnussbäume. Vorsicht, man darf nicht einfach irgendeinem Weg folgen, sonst steht man am Abgrund und muss die ganzen Stufen wieder hinauf! Eidechsen und Weinbergschnecken sonnen sich auf den Treppen. Ich fühlte mich seit Langem mal wieder so wie diese Eidechsen und Weinbergschnecken, nämlich warm und frei von Sorgen.
Welch ein Kontrast ist die kleine Großstadt Pforzheim! Aber hier, wo die Enz aus dem Schwarzwald tritt, gibt es alle Annehmlichkeiten, große Buchhandlungen unter der Woche, schöne Cafés am Fluss und Latte Macchiato.

Das Lieblinggerichte und-bücher der Deutschen

Ich wollte den Gedanken noch ein wenig weiterspinnen und habe mir überlegt, was die Deutschen wohl am liebsten essen.
Pizza
Schweinebraten
Schitzel und Pommes
kam mir als Erstes in den Sinn. Dann habe ich nachgeschaut:
Die zehn beliebtesten Kantinenessen
und
Hausmannkost ist das Lieblingsessen der Deutschen
Ob man das in Korrelation zu den Lieblingsbüchern setzen könnte? Demnach müssten die Deutschen vor allem Hausmannbücher lesen, keine ausländischen Übersetzungen. Leider habe ich keine topaktuelle Liste der Bücher gefunden, die repräsentativ wäre.

Freitag, 17. September 2010

Was soll ich heute kochen?

Immer, wenn ich mir überlege, mit welchem Projekt ich beim Schreiben weitermache oder was ich heute schreiben könnte (man merkt, dass ich in der notwendigen Ruhephase bin, gell?), fällt mir dieser Witz von der Hausfrau ein, die auf einem Marktplatz ein Schild hochhält:
Was soll ich heute kochen?
Da sie in der Nähe der Buchhandlung steht, erhält sie vielfältige Antworten. Die Luft schwirrt von Kochrezepten, die ihr aus allen Ecken zugerufen werden.
Blut ist vom Feinsten, wispert eine junge, bleiche Schöne, ist nahrhaft und gesund und vor allem unverfälscht. Wer es variieren oder etwas Festes zwischen den Zähnen haben möchte, mixe sich eine Bloody Mary oder brate ein Steak englisch.
Bloß nicht!, protestiert ein anderes Buch. Bloß keine Tiere essen! Habt ihr die Skandale schon vergessen?
Und wenn ihr seht, wie alles in Verwesung übergeht, vergeht euch sowieso der Appetit, schaltet sich ein anderes ein. Denkt an die Maden, die lederartige Haut. Denkt daran, wie es ist, neben einem Folteropfer Fleisch zu schneiden, mit Peperoni, in Ringe geschnitten, anzubraten und langsam verkohlen zu lassen, derweil du auf die Pirsch nach dem nächsten Opfer gehst!
Ipfuiteufel, meint Chamisso auf seiner Weltreise. Dazumal haben wir noch Delphine harpuniert, sie schmecken aber nicht so gut wie die Haie.
Ihr mit euren kleinkarierten Rezepten, wirft Z., ein Bestsellerautor, ein. Kocht doch mal so was richig Revolutionäres, etwas, das die ganze Nation umrührt!
Die Hausfrau guckt ratlos. Was vor ihr an den Ständen angeboten und marktbeschrien wird, besteht aus Kartoffeln, Kohl, gelben Rüben, Fleisch, Fisch, Wurst und Käse, Butter, Eiern, allenfalls noch Tee, Gewürzen und Honig.
Bleib im Lande und nähre dich redlich, heißt es weiter. Die Leute mögen Bodenständiges, Heimisches, das sie wiedererkennen.
Viel zu langweilig, kontert ein amerikanischer Bestseller. Ihr müsst serienmäßig kochen, mit Blut, Innereien, Fleisch, und das Ganze immer neu variieren.
Die Hausfrau ist bleich geworden.
Also, nach den Rezepten wollte ich eigentlich nicht kochen. Ich nehme dann mal Tomaten und grüne Bohnen von der Reichenau, einen Braten vom Halleschen Landschwein, der dann in Dunkelbiersoße geschmort wird, Zucchini aus Italien, spanische Chorizo, französischen Hartkäse und Bodenseefelchen. Vor dem Hauptgang gibt es ein Amuse Geule, zum Nachtisch ein Sorbet surprise. Oder vielleicht auch mal wieder russischen Borschtsch, nach kreativem Speialrezept gekocht, dafür bräuchte ich noch rote Bete und Diverses, oder Tapas: Gambas in Knoblauchöl, Albondigas in Tomatensoße, schwarze Oliven, Artischockenherzen in Vinaigrette, eine Tortilla mit Krabben, und danach den unvergleichlichen Flan
.

Donnerstag, 16. September 2010

Der Computer schweißt uns zusammen

Eigentlich hatte ich mir heute einen Kopf gemacht, wie es weitergehen soll mit dem Schreiben, in alten Träumen rumgewühlt und war schon wieder müde. Da mir nichts mehr einfiel, was ich wenigstens in den Blog hätte schreiben können, stellte ich mir die Frage: Was interessiert Blogleser eigentlich? Kommt natürlich darauf an, welche Blogs sie lesen und was sie suchen. Wenn ich mir die Suchanfragen der letzten Monate vor Augen führe, interessiert die meisten Menschen meines Blogs:

WARUM FÄLLT DAS BILD VON DER WAND?
UND WAS HAT DAS FÜR EINE BEDEUTUNG?

Nachdem ich auch noch Google gefragt hatte, stieß ich auf verschiedene Bloguntersuchungen. Bei denen kam u.a. heraus, dass Studenten eher was für ihr Studium suchen, zum Beispiel, und der Selbstdarstellung in den Blogs misstrauen. Andere finden gerade wieder das reizvoll. Und dann stieß ich auf einenArtikel vom Juli dieses Jahres, betitelt

SOCIAL MEDIA: DER SIEG DER SCHWACHEN VERBINDUNGEN

Den habe ich mit Vergnügen gelesen, denn der Autor Knüwer kommt zu äußerst reizvollen Ergebnissen, die der landläufigen Meinung, das Internet zerstöre menschliche Beziehungen und vereinsame den Einzelnen, zumindest inTeilen widerspricht.

Dienstag, 14. September 2010

Das Chamäleon

Ich bin keine Künstlerin, sondern ein Chamäleon, das habe ich jetzt herausgefunden. Ein Chamäleon ist landläufig ein Wesen, das sich farblich seiner Umgebung anpasst (um sich zu tarnen, nehme ich an, und um besser an die Fressbeute zu kommen). Das war nämlich so:
Als ich in der Schule war, wollte ich Buchhändlerin werden. Damals verdiente man bei Thalia aber so wenig, dass mein Vater mir heftig abriet. Statt dessen wurde ich Sozialpädagogin. Während des Studiums schrieb ich für Scheine (nein, keine Geldscheine, auch wenn man das jetzt denken könnte) und am Schluss eine Diplomarbeit, weil es sich so gehörte. Dann kamen die großen Bewegungen, und ich schrieb politisch, weil damals das Wort noch ein erhebliches Gewicht hatte.
Als ich ein kleines Kind hatte, wollte ich ein Kinderbuch schreiben, später einen Mediationsratgeber. Es hätte auch ein Erfahrungsbericht werden können, mit dem ich viele erreicht hätte, denn Mediation war zu der Zeit noch ein Fremdwort. Später fing ich begeistert an zu wandern und schrieb Wanderberichte. Als das Moos der frühen Schreibjahre abgebröckelt war, folgten Kurzgeschichten, die ich in einer stürmischen Oktobernacht im Computer entdeckte, vor fast genau zehn Jahren. Aus den Kurzgeschichten wurden erste Romane. Ich schrieb über einen Dichter, weil ich den schon aus der Vorzeit kannte und schrieb historische Geschichten, weil unser Geschichtslehrer uns zu wenig über die Leute damals erzählt hat. Wenn die Warterei mal wieder zu nervig war, schrieb ich Wander- und Ausflugsberichte und siehe da, auch dafür gab es verlegerische Interessenten.
Was bleibt zu tun? Was ist der nächste Schritt? Jetzt müsste ein Ratgeber über Burnout folgen. Und als Schlussrakete ein Psychiatrie-Thriller! Bis zu den Rentnerkrimis ist ja noch ein wenig Zeit.:-)
Preisfrage: Was wäre gewesen, wenn ich Buchhändlerin geworden wäre?

Montag, 13. September 2010

Ein wissenschaftlicher Burnouttest

Beim Surfen habe ich einen Link auf die Basler psychiatrische Universitätsklinik gefunden, die eine Untersuchungsreihe zum Thema "Burnout, Schlaf und Lebenszufriedenheit" durchführt. Dazu gibt es einen hochinteressanten Test, dessen Ergebnissen man entnehmen kann, was man vielleicht an seinem Leben ändern sollte. Oft scheint es eine Überverantwortlichkeit für andere zu sein und der Druck, unter den man sich selber setzt, um gewisse Ziele zu erreichen. Die Ergebnisse bestätigen mich in meiner Einschätzung. Was ich noch lernen muss: nicht immer zu viel auf einmal und zu schnell zu wollen, denn das macht auf die Dauer erschöpft und müde. Deshalb schiebe ich meinen nächsten Roman doch noch ein wenig raus, denn es gibt genug andere Dinge zu tun. Das ewige Plotten stört den Alltag!:-) Und vom Verlag ist schon eine Antwort da-Es wird ein Treffen vorgeschlagen.
Gut sind auch die Vorschläge, die von der Klinik in Bezug auf Selbsthilfe gemacht werden:

* Die Ursachen für Stress / Belastungen herausfinden.
* Sich langfristige Ziele im Leben setzen und nicht allein auf kurzfristige Erfolge hoffen. Was soll sich in 6 Monaten, 1 Jahr oder 5 Jahren verändert haben?
* Ausgewogen und vernünftig leben, essen, schlafen und für Ausgleich sorgen
* Mehr positive Erlebnisse und Aktivitäten im Alltag
* Soziale Kontakte pflegen
* Hobby
* Entspannungsverfahren oder Yoga
* Sport, regelmässige Spaziergänge / Schwimmen / Fahrradfahren

Donnerstag, 9. September 2010

Autorin im Glück

Sagte ich es nicht-Schlag auf Schlag? Ich habe einen Luftsprung gemacht, keinen Salto wie Miroslav Klose-Mein "Sündiges Gewand" ist vermittelt!
Und jetzt auf nach Reutlingen, wohin ich am Montag die Texte sckicken will.
Gottseidank sind wir nicht in den Urlaub, an den Lago Maggiore oder Vaison la Romaine gefahren ..

Dienstag, 7. September 2010

Schlag auf Schlag-und gegen den Burnout

Gerade kam die letzte Fahnenkorrektur von der Anthologie "Gezeiten" und geht dann morgen in Druck. Ich habe meine drei Geschichten noch einmal gelesen und hatte ein sehr gutes Gefühl dabei. Auch die anderen Geschichten sind mir sämtlich ans Herz gewachsen. Inzwischen habe ich auch den Link zu buchhandel.de:

Gezeiten

Das funktioniert nur, hüstl, wenn man "Gezeiten" und die ISBN-Nr. 978-3-935861-25-0 eingibt. Wenn ich auf meinen Namen klicke, erscheinen auch noch "Die Nonne und die Hure" und "Die Pilgerin von Montserrat." Umgekehrt sah ich kürzlich einen Eintrag von Perlentaucher (30.August 2010), wo ich als Autorin nur mit einem Buch gelistet bin, nämlich dem Mörike. Geht hier das Rasiermesserchen der UnterhaltungversusLiteratur mitten durch die Netzbuchhandlungen?:-)
Jetzt fehlt bloß noch die Meldung, dass mein letzter historischer Roman auch noch seinen Platz gefunden hat, dann gehe ich raus und mache einen Purzelbaum in der Luft wie weiland Schweinsteiger bei der WM! Da ich das aber nicht zustande bringen würde, werde ich lachend in den Regen rausgehen und ein Lied auf den Marder singen, der sich inzwischen vollkommen verzogen hat. Mein Agent zeigte sich ja immer sehr zuversichtlich. Aber nicht, dass ihr denkt, ihr müsstet mir jetzt ständig gratulieren. Das ganze letzte Jahr war sehr anstrengend, aber es hat alles sehr viel Spaß gemacht, und irgendwann erntet man dann auch mal die Früchte. Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, dann war es ein Lehrstück für mich selbst. Ich war mindestens zwei Mal vollkommen ausgebrannt, musste immer wieder zurückfahren, wollte immer wieder das Schreiben aufgeben, den Beruf aufgeben und habe dann doch weitergemacht. Nicht mit dir und nicht ohne dich, du heißgeliebte, nervzehrende Obsession! Und Petra hat gerade einmal wieder beschrieben, wie krankmachend andererseits Nicht-Schreiben sein kann, wie heilsam der Prozess, sich dem wieder zu nähern, was heißt nähern, sich da total wieder reinzuschmeißen! Nicht aufzugeben, die Rückschläge immer wieder zwar als Hemmnis, aber nicht als Niederlage zu sehen, einfach bei sich und seinem Schreiben zu bleiben, das schlägt sich irgendwann einmal nieder.
Aber eines habe ich ebenfalls gelernt, und das meinte ich eigentlich mit "Neuanfang": Ich höre allmählich auf, den anderen, den Klienten, den Leser, den Verlag, den Agenten im Fokus meiner gesamten Aufmerksamkeit zu sehen. Ich habe gemerkt, dass ich selbst auch noch da bin mit meinen Bedürfnissen, Plänen und Träumen. Und ich beginne gerade, mich wieder mehr darum zu kümmern. Man muss sich nicht blutig kratzen, wie die Kollegin Friederike Schmöe so eindrücklich schrieb. Man muss sich auch nicht selbst das Leben versagen, um anderen dienlich zu sein, in keiner Hinsicht. Ich brauche Pausen im Beruf, der mich aussaugt und mir jahrelang einen eisigen Wind ins Gesicht geblasen hat. Die kann ich mit "Schreiben für mich selbst" füllen, aber nicht mit allem anderen, das dazugehört, einschließlich Marketing. Die Pausen vom Schreiben haben sich Körper und Seele machmal kurzfristig erzwungen, es aber nie lange geschafft. Der abolute Tiefpunkt kam vor ein paar Tagen, als ich nichts mehr lesen konnte, nichts Neues mehr schreiben wollte und das TV-Programm mich ausspuckte. Nicht einmal wandern wollte ich mehr. Rien ne vais plus. Da hat mein Schreibteufelchen dann ganze Arbeit geleistet! Ich habe mir ein dickes Buch beim Tübinger Antiquar gekauft und mich an schönen Geschichten schwäbischer Dichter entlanggehangelt. Im Fernsehen schaute ich mir noch mal einen Teil von Heinrich VIII.an und merkte, dass mein historisches Interesse unverfälscht geblieben und noch da ist. So pflege ich mich in diesem Urlaub, bin unterwegs, bewege mich, kaufe neue Klamotten, korrigiere ein bisschen und werde mich dann gelassen -toitoitoi-wieder in die Arbeit und zu neuen Ufern des Schreibens begeben.