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Donnerstag, 27. Juli 2017

Kann Kreativität versiegen?

Kreativität gibt es schon so lange, wie Menschen auf der Erde leben. Unsere Ahnen wohnten in Höhlen, wie zum Beispiel in der Vogelherdhöhle im Lonetal auf der schwäbischen Alb, im Hohlen Fels bei Schelklingen oder in Lascaux in Frankreich (Höhlenmalereien). Als älteste figürliche Kunstwerke sind das Mammutelfenbein aus der Vogelherdhöhle, die Venus und der Löwenmensch vom Hohlen Fels erhalten. Sie wurden jetzt dem UNESCO-Weltkulturerbe hinzugefügt. Die harten Überlebensbedingungen machten die Menschen offensichtlich erfinderisch und kreativ. Keiner hat ihnen den Befehl erteilt, so etwas anzufertigen, es kam ganz von innen heraus. Und so ist es bis heute. Es wurden zwar, zum Beispiel in der Malerei, immer wieder Auftragsarbeiten erteilt, die das Überleben u.a. der Maler sicherten, die aber durchaus auch zu Kunstwerken wurden. Was bedeutet das für heutige Menschen, die kreativ sein wollen, aber durch äußere Umstände daran gehindert werden? Was bedeutet es für mich, deren reativen Lebenslauf ich wohl am besten kenne?

Als Kind und als junge Erwachsene waren meine Hauptleidenschaften das Malen, die Natur, die Bücher und das Unterwegssein. Während meine Schwester immer maulte "Wo ist denn der Bahnhof?", hat es mir immer Spaß gemacht, mit meinem Vater durch die Wälder zu streifen, und es hat mich immer interessiert, was da wächst, blüht, kreucht und fleucht. Später kamen das Schreiben dazu, das Reisen in ferne Länder, die Psychologie, das Fotografieren und das Kochen. Das erste, was ich nach Jahren des Studiums und der Familiengründung schrieb, waren Zeitungsartikel, Friedens- und Ökopolitik, mein erstes belletristisches Werk war ein Märchen, das während einer therapeutischen Phase entstand. Noch um einiges später entwickelte ich Kurzgeschichten, aus dem Leben gegriffen und am Wegesrand sammelt. Die wurden in einer Schreibwerkstatt eingestellt und dort diskutiert. Darauf folgte ein biografischer Roman, später insgesamt zehn Romane, ein Sachbuch (Kalender) und drei Beiträge in einer Anthologie. Fünfzehn Jahre lang war ich schreiberisch kreativ unterwegs. Obwohl mir damals schon die Frage gestellt wurde, ob ich nicht lieber malen wollte. Was ist nun von diesen Jahren geblieben, ich meine was ist geblieben, das man sehen und anfassen kann? Die ursprünglichen Leidenschaften wie das Kochen sind nämlich zwischendrin auf der Strecke geblieben. Zehn Bücher, die eine halbe kleine Regalreihe füllen. In meiner Küche hängt ein Stilleben mit Aubergine, das ich in einer Malphase erstellte, in einem anderen Raum eine Küstenlandschaft.

Stilleben


Küstenlandschaft (wird noch ersetzt ohne Spiegelung)

Etwa sechzehn, siebzehn Jahre nach dem ersten Roman, begann die Kreativität zu versanden. Ich hatte keine Lust mehr, mich nach den Gegebenheiten eines Marktes und starren Genreregeln zu richten. Drei Bücher (ein Krimi, ein historischer Krimi und ein zeitgenössisch-historischer Roman) blieben auf der Strecke. Doch mir fehlte das Schreiben so sehr, dass ich die Rechte eines historischen Romans zurückerbat und den seitdem neu schreibe, mit aller Langsamkeit, die in den Jahren der Verlagstätigkeit so nicht möglich war. Allerdings konnte ich mich weiterhin in meinem Blog und im Austausch mit SchreibkollegInnen ausprobieren. In diesen Tagen jetzt machte ich eine Entdeckung. Ich habe Hunderte von virtuell gespeicherten Fotos aussortiert und neu geordnet, ebenfalls ein paar hundert Papierfotos, die in einem Karton abseits gestellt waren. Ich habe festgestellt, dass alles, die Reisen, das Kochen, die Natur, das Wandern, die Psychologie, Bücher, Fotos, Kurzgeschichten und alle Menschen, dneen ich bisher begegnet war, alle, zu denen ich in eine tiefere Beziehung getreten bin, und das gilt auch für historische Persönlicheiten und fiktive Figuren, alles, was ich mir zeitlebens an Wissen über die Welt angegeignet hatte, eine Einheit mit meinem gesamten Leben bilden.




Freitag, 20. Mai 2016

Kopf hoch! Es gibt noch eine Welt da draußen

Vor etwa einer Woche saß ich in einem Vortrag über "Trauma und Sucht", inmitten einer Schar von zweihundert Leuten. Ein paar Reihen weiter sah ich einen Mann, der den Kopf gesenkt hielt und sein Smartphone checkte. Ob der sich wohl langweilte? Eigentlich fand ich es unhöflich, dass er nicht bis zur Pause warten konnte. Ich selbst habe bewusst kein Smartphone, und doch finde ich diese leichte Sucht und zwanghaften Strukturen auch bei meinem eigenen Internetverhalten. Doch dazu später. Dem Phänomen bin ich jetzt einmal nachgegangen. In einem Artikel der "Welt" vom letzten September wird von einem Versuch mit einer App berichtet, die anzeigen soll, wie viel Zeit man tatsächlich im Internet verbringt. Sie soll von 200 000 Menschen heruntergeladen worden sein, deren Daten bis dahin noch nicht ausgewertet wurden. Dabei gebe es 500 000 Internetsüchtige in Deutschland, berichtet die "Welt". Es gibt offensichtlich schon Therapiezentren (Video), in denen man in Selbsthilfegruppen zu einem bewussteren Umgang vor allem mit dem Handy gelangen kann. Sie gehe auch aufs Klo nicht ohne ihr Handy, berichtet eine Frau. Die meisten SMSe würden dort geschrieben. Der Grund sei die Angst, irgendetwas zu verpassen. 10 Minuten pro Tag telefonieren, der Rest von 2-3 Stunden bestehe aus Surfen, Emailsschreiben, Facebook und Spielen. Diese Menschen brauchen Anleitung, wie sie das suchtartige Verhalten eindämmen können, zum Beispiel "handyfreies Schlafzimmer"oder Wecker und Armbanduhr kaufen. Komisch, das ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass viele überhaupt keine Uhr mehr am Handgelenk haben. Bei mir klingelt der Wecker punktgenau mit einer Batterie, die schon seit Jahren läuft. Wenn ich ihn denn überhaupt mal brauche. Warum kaufen sich Menschen alle zwei Jahre ein neues Smartphone für 700 Euro, wenn doch die meisten unter den Zwängen leiden, die es mit sich bringt? Es sei eine Sucht wie die nach Nikotin und Alkohol, wird gesagt.

Ich selbst lebe seit dem Milleniumsjahr 2000 mit dem PC, dem Jahr, in dem ich mir einen Computer anschaffte. Seitdem klebe ich daran wie eine Fliege am Leim, mit dem sie gefangen werden soll. Ich habe ihn mir gekauft, weil ich irgendwo gelesen hatte, damit könne man Emails in alle Welt schreiben und 200 Rezepte für Sauerbraten finden. Das erste Wort, das ich bei Google eingab, war "Wandern", das zweite "Schreiben". Nun kann man sich bestimmt denken, wie es weiterging. Mindestens zwei Sehnenscheidenentzündungen hatte ich während dieser Zeit. Und auch jetzt tut der Oberarm manchmal wieder weh. Das Schreiben und der Austausch vor allem mit anderen Schreibenden haben mir eine ganz neue Welt eröffnet, aber auch die Welt da draußen öfter von mir ferngehalten. Gottseidank habe ich die digitale Welt nicht nach draußen geschleppt, sondern war, wenn ich die Haustür hinter mir schloss, wieder in der Realität. Obwohl ich seit einem Jahr nichts Neues mehr geschrieben habe, klebe ich weiter an dem Ding. Die Verkäufe und die Vermarktung der E-Books mussten abgewickelt werden, neben den Recherchen wurden alle Fragen, die ich hatte, an Google gestellt, selbst die nach Adressen von Ärzten, nach Rezepten, Wandertouren oder der Bestimmung von Pflanzen. Vor Kurzem schickte ich Exposé und Leseprobe meines Krimis an einen Agenten. Bei der Prozedur lief nebenher der Fernseher, und in der Küche brannte der Espresso an. Da merkte ich, dass es wirklich zu einem Ding geworden war, das mich in der Hand hat und mich beherrscht. Die Agentur schickte übrigens nach einer Woche eine Absage. Ich beschloss, erst einmal eine kreative Pause einzulegen. Eine gute Zusammenfassung der momentanen Situation von Verlagsautoren und Self Publishern, auch was den Suchtfaktor angeht, gibt es heute übrigens im Literaturcafé.

Gestern fuhr ich den PC nach dem ersten Check herunter und habe ihn erst abends wieder angemacht. Und war dann unterwegs. Es gab viel zu sehen und zu erleben: Bücher zum Mitnehmen in der Bücherei, tausend Düfte in einem Drogeriemarkt, einen Abendhimmel mit rosa Schichtwolken und überall Töpfe mit Geranien, Gerbera, Petunien und Glockenblumen. Die habe ich im Abendsonnenschein auf der Terrasse eingepflanzt. Im Café hatte niemand ein Smartphone neben seiner Tasse, und es lief auch niemand mit so einem Ding vorbei. Alle Köpfe waren oben. Ob die sich wohl schon so eine App heruntergeladen hatten? Es gibt so viel in dieser Welt, das es wieder zu entdecken gibt! Am Sonntag ist bundesweit Tag der Museen, da werden sie auf der Ringmauer in Horb feiern und mit Arkebusen schießen. Am 4. Juni kommen Bands nach Nagold; darunter Dr. Gonzos Rock- und Bluesband. Und danach werde ich es dann vielleicht doch einmal schaffen, nach Huesca und Zaragoza und zum Kloster San Juan de la Peña in den Pyrenäen zu fahren. Ich klopfe auf Holz, denn es war der erste Tag, an dem ich dem Computer etwas weniger auf den Leim gegangen bin. Nach Verfassen dieses Artikels verlasse ich die digitale Welt erst einmal wieder.

Freitag, 22. April 2016

Leben am Rande des Schwarzwalds

Wie lebt es sich zur Zeit im großen schwarzen Wald? Die Buchen haben junge Blätter angesetzt, es leuchtet hellgrün in den Wäldern, dazwischen die schwarzen, düster schweigenden Tannen und Fichten. Millionenfach sind Anemomen, Primeln, Veilchen, gleichzeitig Löwenzahn, Lungenkraut, gelbe Windröschen und Frühlingsfingerkraut aus dem Boden geschossen. Mein Garten sieht wieder aus wie ein Osternest. Als würden die Pflanzen spüren, dass sie flott machen müssen, denn bald soll es ihnen ja wieder auf die zarten Köpfe schneien. Ich selbst habe einiges abgeschlossen. Die Steuererklärung habe ich vor ein paar Tagen ganz ohne Steuerberater fertig gestellt und abgeschickt. Es fehlte noch die Abrechnung vom Verlag, die kam heute mit Peanuts und Verspätung. Ich habe mir gerade mal das Vergnügen gemacht, sie mit der Abrechnung von Tolino Media zu vergleichen. Auf das halbe Jahr umgerechnet habe ich im Verlag mehr Ebooks verkauft, aber bei Tolino zehnmal soviel verdient. Wenn ich meinen Schwarwaldkrimi fertig überarbeitet habe, könnte ich das Angebot annehmen, es dort bevorzugt als Neuerscheinung einzustellen. Die Verkaufsmaßnahmen wie Leserunden, Bloghinweise, Facebookpräsenz usw. habe ich bei den Verlagsbüchern genauso gehandhabt wie bei den SP-Büchern, wenn nicht sogar dort etwas mehr.


Der Bodensee bei Friedrichshafen
Als Rentner muss man nicht mehr warten, bis am Wochenende das Wetter stimmt. So haben wir uns schon kleine Auszeiten am Bodensee und im Taubertal genommen. Schwer hinzukommen, aber erholsam, dort zu sein. Wenn ich Lust habe, schreibe ich meinen Krimi fertig, der hier in der Gegend spielt. Vielleicht erinnert sich jemand: Es geht um einen Pfarrer, der vor 25 Jahren aus einem Dorf verschwand. Um eine Journalistin, einen Kommissar, um brutale Morde, um schwarzgekleidete Fressäcke und geheimnisvolle Begebenheiten am Teufelsstein.

Zeit zum Lesen bleibt genügend: Im Moment ist das ein sehr lustiges Buch von Pierre M. Krause "Hier kann man gut sitzen - Geschichten aus dem Schwarzwald".
Schwarzwald pur, nicht wahr?

Pierre M. Krause beschreibt, wie er aus der pulsierenden Stadt Baden-Baden wegzieht und fortan, wie ich, auf dem Land im Black Forest lebt. Sonst lese ich eigentlich, außer Hape Kekeling, keine Promi-Bücher, aber dieses hat mich auf fast jeder Seite zum Schmunzeln gebracht. Sei es über die Rasenmäher- und Grillparty-Fraktion, die Holz- und Kettensägen, die Langsamfahrer oder die Notwendigkeit, im Haus immer so angezogen zu sein, als würde man ausgehen wollen, weil jederzeit jemand vorbeikommen könnte. Vom Garten ganz zu schweigen, der darf natürlich nicht so aussehen, als sei dort jemand gestorben! Und die Post hat solche unmerkbaren Öffnungszeiten, dass man am besten immer um 10 Uhr morgens dorthin geht. Nur leider hat meine Post manchmal auch um 10 Uhr vormittags geschlossen.

Der Zeitungsartikel über den Traumavortrag ist raus und erscheint vorraussichtlich nächste Woche in der Zeitung. Bis zum Vortrag am 10. Mail haben wir jede Menge  Zeit, vielleicht noch ein Plätzchen zu finden, an dem sich der Wintereinbruch angenehmer überstehen lässt.
Das Barockjuwel Birnau

Samstag, 7. März 2015

Was macht der Lektor mit dem Buch, was der Leser?

Vorgestern habe ich das Lektorat meines historischen (Kriminal-) Romans beendet. Und ich muss sagen: Es hat der Geschichte noch einmal den richtigen Drive und Hinweise auf tiefere Zusammenhänge gegeben. Das betrifft den gesamten Roman bzw. den Handlungsablauf von der ersten bis zur letzten Szene. Zum Ablauf hatte mir mein Testleser schon richtig gute Ideen beigesteuert. Jetzt kann ich den gesamten Roman unter diesen Aspekten noch einmal überarbeiten, korrektorieren lassen und dann veröffentlichen ...eine sehr verlockende Aufgabe! Die insgesamt acht Lektoren, die ich bisher hatte, haben aus meinen Büchern jeweils das Beste herausgeholt, was zu holen war, jede(r) auf seine Weise. Dieses letzte Lektorat war eigentlich das intensivste, weil sich die Lektorin in die ganze Geschichte hineingefühlt hat und sich davon inspirieren ließ.

Gestern, nach (Schreib -) Feierabend, fand ich einen Artikel von Nina George im Blog der Bücherfrauen (3.3.15): Ich liebe meinen Verleger, aber brauche ich ihn noch, auf den auch einige mir liebe und wohlbekannte Autoren geantwortet haben. Es ging um das Verhältnis des Autors zum Verleger und zur eigenen Veröffentlichungstätigkeit. Dabei wurden, auch in den Kommentaren, alle wesentlichen Aspekte herausgearbeitet, die auch mich gerade brennend interessieren. Es gibt noch einen weiteren Artikel bei den Bücherfrauen, der ebenfalls zukunftsweisend ist: Das Buch der Zukunft-Perspektiven auf der Social Media Week Hamburg. 
Ich zitiere daraus mal die zentralen Thesen:(Quelle: Bücherfrauen)
  • Der Content wird stark von Nutzer-Feedback geprägt sein.
  • Das Buch der Zukunft wird nicht zuerst in Printform publiziert.
  • Es wird neue Literaturformen geben und „Nischenliteratur“ rückt stärker in den Marktfokus.
  • „Hochliteratur“ wird teurer, hochwertiger und exklusiver.
  • Die Grenzen zwischen Buch und Software werden stärker verschwimmen.
     .   Das Buch der Zukunft wird im Browser gelesen.
  • Die digitale Form des Lesens, Kommentierens und Verlinkens wird dem Charakter des Buches als Teil eines kommunikativen Austauschprozesses gerechter als das isolierte Lesen einer Printpublikation.
  • Soziale Empfehlungen sind für den Leser relevanter als Bestsellerlisten.
  • Das Buch der Zukunft wird sich in vielen Dimensionen verändern (Textform, Autorschaft, Verbreitung etc.), so dass es sich dem Paid Content immer weiter annähert.
  • Das Buch der Zukunft wird weiterhin die Ordnungsleistungen des herkömmlichen Buchs erfüllen.
Dabei sehe ich zunächst mal eine Demokratisierung des Bücherschreibens, des Herstellens, der Vermarktung und des Lesens dieser Bücher. Insbesondere die Wahlmöglichkeit der Leser und Autoren ist nachgerade revolutionär. Wir müssen nicht mehr vor der Bestsellerliste im Buchhandel stehen und das wählen, was sich gerade am besten verkauft. Leser kaufen das, was ihnen am meisten zusagt und schaffen sich so ihre eigenen Bestsellerlisten. Der Leser bestimmt, was auch in Zukunft gelesen wird, nicht mehr die Torhüter in den Verlagen und in den Feuilletons. Und eigentlich bestimmt es der Autor, denn er hat die Bücher ja geschrieben. Besonders wichtig finde ich den Aspekt, dass Nischenthemen jetzt eher eine Chance bekommen, während sie bisher durch alle Raster fielen (nicht marktfähig!) und fortan in irgendwelchen Schubladen verstaubten. Die Möglichkeit, dass Leser den Fortgang von Geschichten mitbestimmen, erscheint mir gar nicht so neu. Ich war selbst einmal fünf Jahre in einer Schreibwerkstatt, in der gegenseitig an der Entwicklung als Autor und an den Geschichten gefeilt wurde. Aus dieser Werkstatt sind einige heute bekannte Autoren und sogar eine Ebook-Queen hervorgegangen. Auch dort wurde zwischendurch mal über etwas anderes geredet. Für den Entstehungsprozess eine Buches finde ich das auch nach wie vor sehr förderlich und inspirierend. War es eine Vorwegnahme der heutigen Situation, in einer zeit, als unser Marcel Reich-Ranitzki noch stirnrunzelnd verkündete: Internet-Autoren, meine Damen und Herren, sind eine Spezies, die wir nicht ernst nehmen müssen. Nie war ich motivierter und enthusiastischer als in den Zeiten des Feedbacks, sei es mit Testlesern oder Lektoren. Wobei das Lektorat Auge in Auge für mich das Qualitätsmerkmal bleibt. Und das Korrektorat. Leider springen mir beim Anlesen von Ebooks, die mich interessieren, gleich auf der ersten Seite Fehler an, die beim Lesen stören. Die kaufe ich nicht. Bisher habe ich nur einige Ebooks vor allem von Autorenkollegen gekauft, deren Qualität mir von vornherein bekannt war. Das abendliche Lesevergnügen findet weiterhin mit Printbüchern statt.

Wenn mich heute ein Neuautor fragen würde, was ich ihm als Einstieg raten würde, Agentur, Verlag oder Self Publishing, würde ich wahrscheinlich sagen:
Mach das, womit du dich am meisten identifizieren kannst. Das sagen wir uns auch als Kollegen in unserer täglichen therapeutischen Arbeit. Und mach es, mit allem Drum und Dran, auf die bestmögliche Weise, die du zu leisten vermagst. Dann kann sich am Ende ein jeder sagen, dass er die Leser bekommt, die er verdient hat.

Heute schon gezweifelt?

Montag, 2. März 2015

Heute schon gezweifelt?

Es war ein langer Prozess des Zweifelns, der kritischen Analyse, des Wiederaufrichtens und Weitergehens, bis ich mich vor einigen Tagen entschloss, mein nächstes Buch als Self Publisher herauszugeben. Es ist mein achter fertiger Roman, der neunte liegt startbereit auf der Festplatte. Und jetzt habe ich begonnen, den zehnten zu schreiben. Warum dieser lange Atem, diese Immerwiederbegeisterung für einen Text, für das Schreiben überhaupt? Das Schreiben liegt ihr im Blut, sagte eine Journalistin, als sie mich bei mir zu Hause für die hiesige Zeitung interviewte. Woher konnte sie das wissen? Woher konnte sie wissen, dass ich "unermüdlich" bin? Ein paar schöne Antworten darauf habe ich bei diesen Autoren gefunden:
Schreibtipps für Bauchschreiber-sechster Streich von Sabine Schäfers
Schriftzeit von Stefan Waldscheidt
Alice Gabathuler beschreibt, wie enthusiastisch der Jugendliteraturtag in Baden angenommen wurde: 1. Jugendliteraturtag Baden
Sabine Schäfers und Stefan Waldscheidt kommen zu dem Schluss, dass ein Ende des Selbstzweifels, der für Schriftsteller eine absolute Bremse, aber auch ein Motor, ein Füllhorn der Inspiration sein kann, durch das Weiterschreiben erreicht wird. Und das gilt nicht nur für das Schreiben. Ganz philosophisch sagte doch schon Camus, dass der Sinn des Lebens darin besteht, weiterzuleben. Und das Beste daraus zu machen, natürlich, denn es gibt keine Zeit zu verschenken, weil es das Einzige ist, was uns gegeben wurde. Sagte Benjamin Franklin. Bei einem Rückschlag: Aufstehen, Krone richten, weitergehen (Sabine Schäfers). Nicht verzweifelt bei Facebook, Twitter und Co. posten, dass man ein Buch geschrieben hat, keine Umsonst-Lesungen organisieren, zu denen neben den Verwandten und Freunden vielleicht noch drei Interessierte kommen, sondern: weiterschreiben. Schriftsteller, die ich am meisten bewundere, sind die, die ihr Schreiben innerhalb ihres Leben inszenieren, ihr Leben eins wird damit. Und so werde auch ich es halten: Selbst wenn der Buchhimmel über uns einstürzen sollte, selbst wenn die Verlage zu Flatratedienstleistern werden, wie Bastei Lübbe es jetzt mit Heftromanen beginnt, selbst wenn es immer schwieriger wird, etwas vom Riesenkuchen, den sich immer mehr Autoren teilen müssen, abzubekommen, werden wir Autoren immer schreiben, solange es Menschen gibt, die lesen!

Ran den SP-eck. Selbstbestimmt schreiben

Dienstag, 13. Januar 2015

Zauberhafte J.K. Rowling

Zu den überwältigenden und weltumspannenden Ereignissen am letzten Sonntag in Frankreich habe ich im letzten Beitrag einen Link zu Petra van Cronenburg gesetzt. Wer anders als sie könnte das so hautnah beschreiben! Hier ist inzwischen mehr oder weniger wieder der Alltag eingekehrt. Auf den Hinweis einer Kollegin hin habe ich mir vorgestern Abend den biografischen Film über J.K. Rowling angesehen. Was dabei vor allem rüberkam, war die Gewissheit, mit der diese Autorin ihren Weg gegangen ist. Sie hat schon ganz früh gewusst, dass sie Schriftstellerin werden wollte, und dass alle anderen Lebensereignisse nur Umwege zu diesem Ziel sein würden. Die Mauern, die sie einrennen musste, waren dick genug. Eine gescheiterte Ehe, Gewalt durch den Ehemann, alleinerziehende Mutter, kein Geld, kein Job, Sozialhilfe. Die Schreibmaschine, die sie sich vom Mund abgespart hatte. Die Absagen der Agenturen, die unzähligen Absagen, welche die eine Agentur, die an sie glaubte, dann noch erhielt. Dann die Zusage von Bloomsbury, das Schweben durch die Schule, in der sie gerade unterrichtete, das erste Buch in eigenen Händen, wie es duftete, eine Lesung vor wenigen Leuten -und dann der kometenhafte Aufstieg nach Amerika und bis zu 400 Millionen verkauften Büchern bis heute. Alle drei Minuten beginne auf der Welt jemand damit, Harry Potter zu lesen. Ich selbst habe die Bücher nicht gelesen, bin aber überzeugt, dass die Autorin ihr Lebensziel mehr als erreicht hat. Bei einer Besprechung in einem kleinen Verlag sagte uns die Verlegerin, J.K. Rowling habe es geschafft, dass auch Menschen, die sonst nie ein Buch in die Hand nehmen, angefangen hätten zu lesen. Das bekam ich gestern auch von einem ehemaligen Klienten zu hören, dass er seit sechs Jahren nicht mehr gelesen hätte und nun, nach Lektüre eines meiner Bücher, mehr lesen möchte. Für einen Autor - und die Erfolgsgeschichte von Rowling dient ja immer so gern als Mittel gegen Schreibblockaden -ist das auf jeden Fall ein Kompliment.

Samstag, 1. November 2014

Das Exposé, eine schwere Geburt

Dieser Beitrag ist nur für Autoren interessant, die selber immer wieder mal ein Exposé erstellen müssen, sei es, um den Verlauf des Romans besser planen zu können, sei es, um sich damit bei einem Verlag oder einer Agentur zu bewerben.
Der historische Krimi, an dem ich gerade schreibe, hat in den letzten Jahren schon einige Wandlungen erfahren. Einige Figuren mussten raus, andere kamen neu hinein. Die Zeit hatte ich schließlich auf das Jahr 1786 festgesetzt. Das ursprüngliche Bauernmädchen mit ihrem versoffenen Vater musste gehen, die meisten anderen Personen blieben. Es gibt zwei Studenten der Theologie, die im Stift zu Tübingen wohnen. Einer würde lieber Arzt werden, der andere ein Dichter. Dann ist da Laura, eines Professors Töchterchen. Und ein Mädchen mit einem weißen Wolf, von dem man nicht weiß, ob es real ist oder nur in den Köpfen der Betroffenen existiert. Und es gibt Räuber, Morde, Intrigen und Geisterbeschwörungen. Es gibt den verhassten Herzog Carl Eugen, der den Dichter Schubart auf dem Hohenasperg eingesperrt hat und schließlich einen fahrenden Medicus mit seinem Äffchen, das seine Grimassen schneidet. Das könnte die Grundlage für einen Klappentext sein.

Jemand, der schon Exposés geschrieben hat, weiß wahrscheinlich, welche Klaviatur der Gefühle dessen Erstellung hervorbringen kann. Ich musste es heute zu Ende führen (von zwei auf vier Seiten), weil ich sonst mitten im Text, auf ca. S. 180 einfach nur stecken geblieben wäre. Bis dahin wollte ich mit dem Roman aufhören, alles hinschmeißen, und ich fand die Handlung einfach nur noch doof. Jetzt, wo es im Kopf geklingelt hat (auch mit Anregung meines Testlesers), bin ich superhappy und finde es, anderes Extrem, genial! Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Sonntag, 3. August 2014

Vom Scheitern und vom Neuanfang

Vor einem halben Jahr dachte ich noch, das war`s dann mit dem Schreiben. Kein Verlag mehr, keine Agentur und ein paar Manuskripte auf der Festplatte, mit denen man weder bei großen Verlagen noch bei Agenturen auf offene Türen stoßen würde. Und vor allem: keine Lust mehr, sich noch einmal auf die große Suche zu machen und alle Prozeduren wieder und wieder über sich ergehen zu lassen. Die Bücher in den Buchhandlungen zu begrüßen und sie (so war`s am Schluss) im Monat darauf gar nicht mehr zu finden, bei Amazon unter ferner liefen. Auf Abrechnungen zu warten, die immer viel zu spät kamen mit dem stummen Vorwurf: Hat sich nicht nach unseren Erwartungen verkauft.

Im Februar saß ich da mit einem Manuskript, einem Krimi aus dem 18. Jahrhundert, mit dem es weder vor noch zurück ging. Kein Esel hätte den Karren da herausholen können, worin er steckte. Schreibblockade total. Auch eine Neukonzipierung brachte nichts. Einfach keine Lust mehr. Vielleicht war ich auch nur erschöpft? Im März begann ich damit, meine E-Bookrechte am historischen Krimi "Das Vermächtnis des Bischofs" zu klären. Mit der vereinten Hilfe von zwei Autorenfreunden gelang es mir dann, im Juni das E-Book herauszubringen. Das Ergebnis sieht man hier rechts im Layout. Seitdem ist es eine Bereicherung meines Lebens, wenn ich das mal so pathetisch sagen darf. Ein Buch, das mehr meins ist als fast alle anderen, das ursprünglich niemand haben wollte und das jetzt so erfreulich sichtbar heruntergeladen wird, ein Buch, das bleibt über die Wochen und Monate, ein Buch, für das ich kaum Werbemaßnahmen anstoßen musste.

Ein Urlaub und eine Verlagsanfrage nach dem Jetztzeit-Krimi "Martinsmorde" später war es dann endlich so weit. Mir war klar, dass der Roman, den ich hatte schreiben wollen, schon fast 200 Jahre zuvor geschrieben worden war: von Hermann Kurz mit seinem "Schillers Heimatjahre. Die Wanderungen des Heinrich Roller." Da traten alle Figuren auf, die auch bei mir eine Rolle hätten spielen können: Friedrich Daniel Christoph Schubart, Herzog Carl Eugen, der Räuber Hannikel und Friedrich Schiller. Aber es gab ja auch eine Krimihandlung, die unentwirrbar schien. Ich habe mir einfach einen Ruck gegeben und zwei Handlungsstränge sowie eine weitere Figur aus dem historischen Krimi vom Februar rausgeschmissen, die Handlung an einem späteren, spannenderen Zeitpunkt eingesetzt, die ersten 35 Seiten abgetrennt, überarbeitet und die restlichen 40 Seiten als Recyclingstation gespeichert. Jetzt zählt allein wieder der Text und nicht die Verlage, die späteren Leser oder die Kritiken oder die Frage, warum man das Ganze überhaupt noch macht -warum man das alles mit sich machen lässt. Und es bleibt der Schauplatz Schwarzwald, diesmal mit dem Tübinger Schloss im Zentrum.


Mittwoch, 30. Juli 2014

Interview mit der Autorin Sabine Schäfers

Die Romanautorin und Schriftstellerin Sabine Schäfers lernte ich - zu meinem Glück, möchte ich sagen - vor einigen Monaten kennen und schätzen, und zwar kam der Kontakt über unsere Blogs zustande. Seitdem hat Sabine mich schon bei vielen Dingen unterstützt und stand mir vor allem bei der Veröffentlichung meines zweiten E-Books „Teufelswerk“ zur Seite.

Sabine Schäfers wuchs in den 1970/80ern in der Kurpfalz auf, im Südwesten Deutschlands. Bis 2001 war sie als Rechtsanwältin tätig und studierte Informatik. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin am Rand des Münsterlands. Dieser Tage erscheint, nach dem E-Book „Himmelsmacht“, ihr zweiter Roman "Leilani. Wohin das Herz gehört". Es ist ein spannender Jugendroman über Familie und Freundschaft, erste Liebe und Erwachsenwerden auf Hawaii – dem Paradies auf Erden.



 
Und hier noch einmal das Interview

Die Romanautorin und Schriftstellerin Sabine Schäfers lernte ich vor einigen Monaten
kennen und schätzen – und zwar kam der Kontakt über unsere Blogs zustande. Seitdem hat Sabine mich schon bei vielen Dingen unterstützt und stand mir beratend vor allem bei der Veröffentlichung meines zweiten E-Books „Teufelswerk“ zur Seite.

Sabine Schäfers wuchs in den 1970/80ern in der Kurpfalz auf, im Südwesten Deutschlands. Bis 2001 war sie als Rechtsanwältin tätig und studierte Informatik. Heute lebt und arbeitet sie als freie Autorin am Rand des Münsterlands. Dieser Tage erscheint, nach dem E-Book „Himmelsmacht“, ihr zweiter Roman Leilani | Wohin das Herz gehört. Es ist ein spannender Jugendroman über Familie und Freundschaft, erste Liebe und Erwachsenwerden auf Hawaii – dem Paradies auf Erden.

Liebe Sabine, ich freue mich, dass du dich bereit erklärt hast, dich von mir interviewen zu lassen. Dein Weg zum Buch war ein ganz eigener, und im April des Jahres hast du deinen Mystery-Thriller „Himmelsmacht“ erfolgreich veröffentlicht. Ein Jugendroman, ein Thriller, ein Jugendthriller und ein Science-Fiction-Roman werden folgen. Nun zu meiner ersten Frage:

Hat ein bestimmtes Ereignis in deinem Leben dich dazu bewogen, zu schreiben? Oder hast du es einfach schon immer gern getan? Welche Bedeutung hat das Schreiben für dich?

Wie viele Autoren war ich vor allem sehr früh Leserin. Ein Buch hatte ich eigentlich immer in der Hand – oder auch einen Comic. Thematisch hab ich vor wenig Halt gemacht. Götter- und Heldensagen las ich genauso gern wie Tim und Struppi oder Wondergirl, Erich Kästner war mir so lieb wie Mark Brandis. Meine ersten bewussten Schreib-Erlebnisse waren meine Erlebnisaufsätze für die Schule. Die waren immer abenteuerlich und auf Spannung getrimmt, und ich erinnere mich noch an die Diskussion in der Klasse, ob ein Ertrinkender bei einem Badeunfall wirklich sein ganzes Leben an sich vorbeiziehen sieht ...

Wahrscheinlich war es ein logischer Schritt vom Lesen über kindliche Rollenspiele zum Erfinden von abenteuerlichen Geschichten. Sie aufzuschreiben ist dann fast schon Notwehr, damit in meinem Kopf Platz frei wird für neue Geschichten, die mich eigentlich ständig anspringen. Zu Schreiben vereinnahmt einen sehr, nicht nur während des Tippens. Die Gedanken stehen ja nie still, nicht mal unter der Dusche oder beim Bügeln. Mit Familie und Beruf ist es schwierig, allen Erwartungen gerecht zu werden. Es gab Momente, in denen ich glaubte, das Schreiben aufgeben zu müssen, weil es so viel Raum und Zeit in Anspruch nimmt. Das hat aber nie geklappt, nicht einmal kurzfristig. Ich werde unausgeglichen und unleidlich, wenn ich nicht schreibe, das kann niemand wollen :D

In deinem Debütroman „Himmelsmacht“ geht es um die Fotografin Katerina, die verhaftet und beschuldigt wird, einen unersetzlichen Kultgegenstand gestohlen zu haben. Sie gerät in parallele Dimensionen und wird in einen uralten Krieg hineingezogen. Schon einmal kam in ihrem Umfeld ein Mensch grausam zu Tode, aber sie kann sich an nichts erinnern. Wie kamst du auf diese Idee?

Wie es das Klischee will, stammen die ursprünglichen Ideen aus einem Traum. Bis daraus aber eine in sich schlüssige Handlung wurde, dauerte es Jahre, in denen ich unzählige erste Kapitel verfasste und wieder verwarf. Die heutige Fassung hat nur noch wenig Gemeinsamkeiten mit meinen ersten Entwürfen und entwickelte sich während des Schreibens ständig fort. Ich bin mehr Bauchschreiberin als Planerin. Ganz ohne Vorarbeiten läuft es auch bei mir nicht, aber in der Regel passe ich lieber einen Handlungsstrang im Nachhinein an, als mich mit Planungsspielen aufzuhalten, die ich dann nachher doch verwerfe.

Dein nächster Roman spielt auf der Trauminsel Hawaii. Hast du eine bestimmte Beziehung zu dieser Gegend?

Ja, 1992 hatte ich das ungeheure Glück, sechs Wochen auf Oahu und Maui bei einer hawaiianischen Familie verbringen zu dürfen. Diese Zeit mit all ihren Eindrücken und Erlebnissen werde ich nie vergessen. Hawaii ist ein Traum an Farben, Düften und Empfindungen, die Menschen sind liebenswert und zuvorkommend. Dazu hatte ich ausreichend Zeit und Gelegenheit, Hawaii auch abseits der Touristenpfade kennenzulernen. Es gibt so viel mehr zu entdecken als Hotels und Hula-Shows. Wenn ich reise, möchte ich immer auch einen Eindruck bekommen vom Alltag der Menschen, was sie bewegt und was sie lieben. Ein bisschen davon konnte ich aufnehmen und in meinem Roman einfließen lassen. Ich habe noch oft Fernweh nach den Inseln.

Wie kam es zu deiner ersten Veröffentlichung? Was waren deine Beweggründe, deinen Roman selbst zu publizieren?

Mit der ›Himmelsmacht‹ bewarb ich mich seinerzeit bei großen Agenturen und nahm am Heyne-Wettbewerb ›Schreiben Sie einen magischen Bestseller!‹ teil. Eine namhafte Agentur forderte tatsächlich das ganze Manuskript an, auch Heyne schickte es erst sehr spät zurück mit der Aufforderung, weitere Manuskripte einzureichen. Für mich war das beinahe schon der Ritterschlag, aber letztlich wurde doch nichts draus. Also hatte ich die Möglichkeit, das Manuskript in der Schublade verschwinden zu lassen, wie es wohl den meisten Erstlingen ergeht, oder es selbst herauszubringen.

Ich habe sehr lange gezögert. Sehr, sehr lange. Vor einigen Jahren noch war Self-Publishing undenkbar, wenn man als Autor in der Branche ernst genommen werden wollte. Ich hatte Angst, mir den Ruf zu verderben. Mit Verbreitung der eBook-Reader und insbesondere durch das KDP-Programm von Amazon wurden selbstpublizierte eBooks jedoch mit einem Mal zu einer echten Option. Denn selbst wenn der Handel sie immer noch boykottiert – die Leser nehmen sie an. Von meinem Manuskript war ich immer noch überzeugt und nach einer erneuten umfänglichen Überarbeitungsphase habe ich es mit der Unterstützung eines professionellen Lektors und einer Grafikerin gewagt, den Roman selbst herauszugeben. Darüber bin ich sehr froh!

Hast du bestimmte Leser im Kopf, für die du schreibst?

Nun, vor allem wohl Leser wie mich selbst :-) Ich denke, ich richte mich vor allem an ein weibliches Publikum, das an zwischenmenschlichen Beziehungen aller Art mehr interessiert ist als an blutrünstigen Schlachten, welches sich aber eher für Auslegerboote und Raumschiffe begeistern lässt als für Pumps und Handtaschen.

Woraus ziehst du generell deine Inspiration beim Schreiben? Woher kommen die Ideen?

Frag mich lieber, was mein Ideen-Karussell nicht anstößt. Man muss mir nur ein Stichwort liefern, dann geht es schon los. Ein Bild, ein Gesprächsfetzen, eine Zeitungsmeldung – das Unterbewusstsein ist ein Füllhorn an tollen Ideen. Letztlich sind meine Romane das Ergebnis eines fortgesetzten Brainstormings. Und dann einfach drauflosschreiben. Das Sortieren und Bewerten hebe ich mir für die Überarbeitungen auf.

Irgendwann wurde mir klar, dass ich, wenigstens im Moment, keine Fantasy schreiben möchte, sondern die Mystery-Elemente möglichst realitätsnah als eine Art angewandter Physik erklären. Obwohl Magie und übernatürliche Phänomene faszinierende Möglichkeiten bieten, empfinde ich es zurzeit als spannender, mit gegebenen oder zukünftig denkbaren Voraussetzungen zu spielen.

Du legst dich beim Schreiben nicht auf bestimmte Genres fest. Wie sind deine Erfahrungen damit?

Persönlich finde ich es sehr befriedigend und befreiend. Was die Leser meiner bisherigen Geschichten davon halten werden, muss sich erst zeigen. Mein kommender Hawaii-Roman unterscheidet sich schon sehr von ›Himmelsmacht‹, richtet sich aber auch an ein anderes, jüngeres Publikum. Mehr die Gruppe junger LeserInnen, in der ich mich als Zwölf- bis Vierzehnjährige befand. Ich vertraue einfach darauf, dass es nicht nur die Handlung an sich ist, sondern auch meine Stimme, die den Lesern gefällt. Und warum soll es nicht auch viele andere Menschen geben, die wie ich ein breitgefächertes Interessensspektrum haben?

Wie würdest du deinen Autorenalltag beschreiben? Wo arbeitest du am liebsten? Schreibst du auch mit der Hand?

Wenn mein Tagesablauf es erlaubt, setze ich mich gleich morgens mit meinem Laptop an den Wohnzimmertisch und rufe erst einmal meine Mails auf, immer eine Tasse Kaffee in der Hand. Dann schaue ich, was sich in meinen Lieblings-Foren tut, werfe einen Blick auf meine Twitter-Timeline und öffne schließlich das Dokument, das gerade Vorrang hat. Gerade jetzt ist das der Hawaii-Roman. Gespickt mit Anmerkungen meines Lektors liegt er vor mir und muss nun erneut geschliffen werden. Danach geht das Manuskript zurück zum Lektor. Während ich dann auf die Antwort warte, ziehe ich mir von den verbleibenden Projekten dasjenige zum Überarbeiten heran, das am weitesten gediehen ist und als Nächstes erscheinen soll. Wenn ich mit dieser Runde durch bin, lege ich es weg, um es sich setzen zu lassen, und nehme das nächste Manuskript zur Hand, in dem noch die eine oder andere Lücke klafft. Wenn das erneut lektorierte Hawaii-Manuskript zurückkommt, hat das wieder Vorrang und wird bearbeitet bis zum letzten Schliff. Und wenn mein Kopf irgendwann zu voll ist, dann schreibe ich zur Abwechslung Blog-Beiträge, Buchbesprechungen, denke mir Interviews aus und maile mit Kollegen und Kolleginnen. Dieser Austausch ist mein Lebenselixier und gibt mir die nötige Bodenhaftung. Mit der Hand schreibe ich nur Notizen in ein kleines Buch. Ideen, Mindmaps, Zeitstränge, Fragen, die mir helfen, wenn sich die Gedanken verknotet haben.

Kannst du vom Schreiben leben oder hast du einen „Brotberuf“, der dich ernährt?

Nein, davon kann ich nicht leben. Im Moment bin ich froh, wenn die Einnahmen meine Ausgaben decken. Aber das betrachte ich mit Gelassenheit, schließlich ist mein erster Roman vor gerade einem halben Jahr erschienen. Auch seinerzeit als selbständige Rechtsanwältin war mir klar, dass ein Start-up Anlaufzeit braucht. Wenn es nach fünf Jahren immer noch nicht mehr als die Ausgaben deckt, ist immer noch Zeit, die Segel zu streichen. Solange arbeite ich neben dem Schreiben auf Honorar-Basis an einer Grundschule.

Du führst regelmäßig einen Blog und bist bei Twitter und anderswo aktiv. Welche Bedeutung haben soziale Netzwerke für dich?

Sie sind nicht nur Netzwerk, sondern meine Verbindung zur Welt da draußen, die sich nicht um meinen Teller dreht. Einerseits liefern sie Informationen und die Möglichkeit, selbst zum Info-Pool beizutragen, andererseits habe ich hier die Möglichkeit, mir auch mal all meine Begeisterung von der Seele zu reden, die das nicht-schreibende Umfeld so einfach nicht teilen kann oder möchte. Nicht viel anders als bei Modell-Eisenbahnern oder jungen Eltern, nehme ich an. Und nicht zuletzt habe ich hier echte Freundschaften geknüpft, die seit Jahren auf Vertrauen basieren und gegenseitiger Unterstützung. Ohne sie wäre ich nicht, wo ich jetzt bin.

Welche Kanäle nutzt du sonst zur Vermarktung deiner Bücher?

Sehr hilfreich sind Leser-Rezensionen und Empfehlungen auf Leser-Portalen bzw. die Aufnahme in deren Newsletter. Darüber hinaus plane ich für meinen nächsten Roman eine Verlosungs-Aktion und Online-Leserunden sowie Lesungen vor Publikum, auch virtuell in Second Life. Zurzeit laufen die Vorbereitungen für einen Teaser-Trailer, der bei Youtube hochgeladen werden soll. Das wird eine tolle Sache, auf die ich mich schon richtig freue!

Welche Genres liest du privat? Nutzt du sie zur Inspiration oder helfen sie dir, dein eigenes Projekt für eine Weile zu vergessen?

Querbeet. Im Ausschlussverfahren kann ich eigentlich nur sagen, dass ich keine allzu bluttriefenden Thriller mag. Wenn ich lese, steige ich in die Geschichte komplett ein. Es kann zwar schon mal passieren, dass mir dabei bestimmte Schreib-Techniken auffallen, aber bewusst nehme ich das nicht mit in die eigene Arbeit.

Wie sieht der Werdegang eines Romans bei dir aus? Wie lange dauert in etwa der Prozess, bis das Buch veröffentlicht ist? Wer liest deine Romanentwürfe als Erstes?

Bei meinem ersten Roman ›Himmelsmacht‹ dauerte es naturgemäß am längsten. Die frühesten Entwürfe sind bald zwanzig Jahre alt, die Geschichte lag lange brach. Erste Kapitel habe ich zu Dutzenden geschrieben und verworfen. Erst 2006 packte ich den Wunsch, einen ganzen Roman hinzukriegen, ernsthaft an. Mit viel Schwung schaffte ich damals dann auch recht schnell rund hundertfünfzig Seiten – und dann kam die Flaute. Meine erste Schreibblockade, die ein halbes Jahr anhielt und sich erst löste, als ich das Problem von einer anderen Seite anging und das bisher Geschriebene einfach mal beiseiteließ. Das ist bis heute meine Methode, wenn ich hängenbleibe: Ich springe an eine andere Stelle in der Handlung und verlasse mich darauf, dass ich die Lücke später füllen kann. Bisher hat das immer geklappt, am besten tatsächlich während des NaNoWriMo (National November Writing Month), in dem ich 50.000 Wörter in 30 Tagen schreiben soll. Unglaublich, was die Fantasie hergibt, wenn man keine Zeit für Skepsis oder Selbstkritik hat.

Vor Kurzem las ich irgendwo sinngemäß: Schreiben heißt Sand in einen Sandkasten schaufeln, damit man später – beim Überarbeiten – daraus Burgen und Straßen bauen kann. Daher schreibe ich die Rohfassung eines Romans tatsächlich in ziemlich genau vier Wochen. Diese Fassung lege ich dann für einige Monate weg und lese sie in dieser Zeit auch nicht. Erst mit genügend Abstand mache ich mich ans Überarbeiten, was ein halbes Jahr oder länger dauern kann. Und DANN erst kommt die Lektoratsphase, die wiederum einige Monate in Anspruch nimmt. Insgesamt schätze ich, dauert es zwei bis drei Jahre bis zur Veröffentlichung. Das kann ich mir leisten, da ich einen Vorrat an Romanen habe, die ich jetzt nach und nach veröffentlichen werde. Vorher lesen sie nur ein oder zwei Testleser aus meiner privaten Schreibgruppe.

Wie reagierst du auf negative Kritiken?

Nach jahrelanger Erfahrung in einem Textkritikforum, in dem nicht nur gelobhudelt wurde oder verrissen, sondern konstruktiv am Text gearbeitet wurde, habe ich gelernt, das spontane Gefühl von Zurücksetzung richtig einzuschätzen. Das Ego mag nun mal lieber gestreichelt werden als getadelt, aber manchmal ist ein Schubs in die richtige Richtung dringend notwendig. Mit etwas zeitlichem Abstand kann ich viel besser erkennen, ob eine Kritik gerechtfertigt ist – und oft genug ist sie das. Dann versuche ich, es beim nächsten Mal besser zu machen. Manchmal ist aber auch überhaupt nichts dran, dann nehme ich mir die Kritik nicht länger zu Herzen. Allen kann man es sowieso nicht recht machen, und jeder hat ein Recht auf eigene Meinung.

Wirst du oft von anderen Menschen auf deine Bücher angesprochen?

Nur, wenn ich ihnen auf die Nase binde, dass ich schreibe :-D
Im Ernst, die Scheu, mich als jemand zu outen, der anderen etwas erzählen will, ist noch immer groß. Aber wenn mich tatsächlich jemand darauf anspricht und womöglich ein Lob für meine Geschichten hat, freue ich mich königlich.

Kannst du etwas über deinen nächsten Roman, der Ende Juli erscheinen soll, erzählen?

In dem Jugendroman ab 12 darf die fünfzehnjährige Deutsch-Hawaiianerin Lela ihren Vater endlich zum ersten Mal in seine Heimat begleiten und verliebt sich – nicht nur in die Insel. Es wäre ein perfektes Paradies, wenn nicht der Opa krank wäre und in der Familie alte Konflikte aufbrächen. Unversehens soll Lela eine Seite wählen: die ihres Vaters oder die ihrer ersten großen Liebe. Aber da haben die anderen nicht mit ihr gerechnet!

Wenn du Neuautoren einen Rat geben wolltest, was würdest du empfehlen? Einen Agent oder einen Verlag suchen? Oder gleich selbst publizieren?

Das ist eine sehr schwierige Frage, auf die es in meinen Augen keine eindeutige Antwort geben kann. Ob man sich für den traditionellen Weg mit Agentur und Verlag entscheidet oder seine Bücher selbst herausgibt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Nicht alle haben mit den eigenen Fähigkeiten zu tun. Es wird ja gerne so dargestellt, als hätten »gute« Autoren es nicht nötig, ihre Bücher selbst zu veröffentlichen, weil sich die Verlage um sie schlügen. Leider ist das nicht so. Dazu kommen die Bedingungen in Autorenverträgen zunehmend einem Total-Ausverkauf an Rechten gleich. Wer noch voller Enthusiasmus und in Unkenntnis der Mechanismen der »Buchindustrie« einen solchen Vertrag unterschreibt, dem steht womöglich ein unschönes Erwachen bevor. Dennoch kann ich nicht uneingeschränkt jedem empfehlen, sein eigener Herausgeber zu werden. Das setzt eine Menge Kenntnisse und Fertigkeiten und/oder Kontakte zu Profis voraus, die beim Erstellen des Buches, des Covers, beim Hochladen, beim Marketing und bei der Öffentlichkeitsarbeit helfen. Ich weiß von vielen Kollegen, die einfach nur schreiben wollen, sonst nichts. Für mich persönlich jedoch stellt sich das Self-Publishing mehr und mehr als genau richtig heraus. Nicht nur wegen der vielgerühmten Kontrolle über das Ergebnis, auch weil ich in den Entstehungsprozess alle meine Stärken und Interessen einfließen lassen kann.

Liebe Sabine, ich danke dir für dieses Interview und wünsche dir weiterhin viel Spaß und Erfolg mit deinen Büchern!

Dienstag, 15. April 2014

Wie man todsicher nicht reich und berühmt wird!

Vor ein paar Tagen habe ich im Autorenforum Montsegur im öffentlichen Bereich
einen Link kommentiert: Über Pseudoverlage und halbseidene Literaturagenten.
Und dabei erfahren, dass es sogar Pseudo-Rezensionsplattformen gibt, für die man 178,- Euro berappen muss. Dabei will mir scheinen, dass die Öffentlichkeitsarbeit und alle Aufklärung über diese Pseudoverlage wirkungslos verpufft ist. Es gab sogar einmal eine Spiegel-Kampagne: Bezahl-Verlage: die schönsten Seiten des Schwachsinns.  

Fazit: es ist nicht allgemein bekannt, dass diese Verlage mit falschen Versprechungen locken und den Autoren, die einmal im Leben ihr eigenes Buch in den Händen halten wollen, eine Menge Geld aus der Tasche ziehen. In dem ersten Bericht gipfelt das zum Schluss darin, dass der Betreffende ein Flugzeug chartert, das mit einem Banner seines Buchtitels über die Städte fliegt. Hätte er das nicht gemacht, wäre er jetzt leicht im Plus. Wie oft erntete ich ungläubiges Erstaunen, wenn meine Gesprächspartner erfuhren, dass man für eine professionelle Veröffentlichung nichts zahlen muss! Und ich selbst habe ja auch mal vor langen Jahren so ein Angebot bekommen, das ich gleich ausschlug, weil ich mir nicht "umsonst" die Mühe gemacht haben wollte. Es sind aber vor allem diejenigen, die genügend Absagen von Verlagen erhalten haben, die dann alles daran setzen, doch noch zu ihrem Ziel zu kommen. Und das wäre ja auch nicht verkehrt, wenn nicht so viele falsche Versprechungen dazukommen würden. Warum soll sich jemand nicht die Erfüllung eines Traumes kaufen?

Bei der Arbeit an meinem E-Book, das aus einem schon veröffentlichten Buch hervorgeht, merke ich, wieviel Arbeit die Verlage tatsächlich in so ein Ding stecken. Da kann man locker schon mal auf 10 000 Euro kommen, was Lektorat, Korrektorat (bei Xinxii würde mich das zum Beispiel allein 900 Euro kosten , das Lektorat bei einem versierten Lektor um die 3000). Kommen noch Cover und Plätze in der Buchhandlung dazu und sonstige Werbemaßnahmen, sind wir schon bei dieser Summe. Meine beiden letzten Verlags-E-Boks waren innerhalb von ca. 3 Wochen erstellt, ich brauche etwas länger, wie man sieht.

Jetzt könnte mich jemand, der dringend veröffentlichen will, ja fragen: Und was ist bei dir herausgekommen? Was hast du denn mit deinen Verlagsbüchern und deinem ersten E-Book erreicht? Bingo: Ich habe keinen Cent investieren müssen. Ich habe geschrieben und damit Geld verdient, das ich zwar bis auf den letzten Penny versteuern muss, aber es ist trotzdem mein selbst verdientes Geld. In den letzten zehn, zwölf Jahren war das eine Menge Arbeit, und allmählich konnte ich damit eine Marke aufbauen. Das ist etwas, das mir bleibt und das ich auch als  Rentnerin noch betreiben kann. Deshalb rate ich zum wiederholten Mal allen Autoren, die veröffentlichen wollen, den traditionellen Weg über einen seriösen Verlag zu wählen oder es möglichst professionell mit Self Publishing zu versuchen. Bei Letzterem muss man zuerst investieren, Zeit und Geld, dafür fallen die endlosen Wartezeiten weg, und man hat die Möglichkeit, ein Vielfaches von dem zu verdienen, was bei einem Verlag anfällt. Ganz persönlich: Wenn mein Schwarzwaldkrimi, der immer noch auf eine Entscheidung meines Verlags wartet, nicht angenommen wird, werde ich ihn bei einem renommierten Regionalkrimiverlag anbieten, bevor ich mir dann überlege, ihn selbst zu publizieren. Ich bin todsicher nicht reich und berühmt geworden, kann aber auf eine höchst kreative Phase des Schaffens zurückblicken, die mir eine Menge, nicht aber einen leeren Geldbeutel gebracht hat. Und darauf kann ich auch in Zukunft bauen.

Dienstag, 4. Februar 2014

Self Publishing - eine Erfolgsgeschichte

In der Selfpublisherbibel von Matthias Matting erschien am vergangenen Freitag die Geschichte von Siegfried Langer, einem Verlagsautor, dem irgendwann beim Warten auf Verlagsentscheidungen der Kragen platzte -sein nächstes Buch publizierte er selbst. Und die Rechnung ging auf! ...vom Verlagsautor zum Self Publisher. Ich weiß noch sehr gut, wie wir zusammen in einer Exposé-Arbeitsgruppe unsere Werke bearbeiteten (Bei mir war es "Die Pilgerin von Montserrat", die demnächst vom Verlag her als E-Book erscheint). Seitdem sah ich immer wieder mit Freude, wie er vorankam. Entscheidend ist wohl sicher die Menge und Qualität seiner Kontakte, die ihm jetzt auch bei dem selbst publizierten E-Book "Leide!" zugute kamen. Es geht also nicht ohne weitreichenden Einsatz.

Allerdings glaube ich, dass es auch auf das vielzitierte Genre ankommt, denn bei meinem eigenen E-Book hatte ich ebenfalls lange Zeit eine große Zahl von Unterstützern. Und doch ist es sehr schnell untergegangen. Einfach, weil so eine kleine Dichterbiografie nur selten eine Massensogwirkung entfalten kann. Oder nur, wenn es das umsonst gibt - wie schon berichtet, wurde es im September 2012 innerhalb zweier Tage 3250 mal runtergeladen und stand auf Platz 2 der Umsonst-E-Books. Nach diesen Erfahrungen bin ich natürlich vorsichtig geworden. Mit meinen zwei, drei Händen voll Kontakten würde ich niemals ein neues E-Book auf den Markt werfen. In meinem Job arbeiten wir im Team, aber wir treffen uns, wenn's hochkommt, höchstens einmal wöchentlich. Ansonsten sind wir Einzelkämpfer, werden aber gut betreut und beraten. Beim Schreiben bin ich naturgemäß ebenfalls Einzelkämpfer, wurde aber von Anfang an -mit Ausnahmen - ebenfalls gut begleitet und beraten. Was ich damit sagen will: Ich bin durch und durch kein Mensch der Masse, war es noch nie. Deshalb kann ich auch nicht für die Massen schreiben. Und ich lese nicht so gerne, was für die Massen geschrieben wurde. Höchstens das, was für das Individuum geschrieben wurde und später Massen begeisterte.

Mir ist übrigens heute in einer ruhigen Stunde noch ein anderes Interview ins Auge gefallen, das zeigt, wie sich alles, was in der letzten Zeit Autoren und Leser bewegte, miteinander vermischen kann. Da hat jemand sein erstes Buch den Piraten gegeben, wurde bekannt, lernte von ihnen, selber E-Books zu machen und erfreut sich mit seinen Büchern jetzt großer Beliebtheit. Viel Neues gibt es ansonsten nicht an Berichten und Interviews. Auf jeden Fall scheint sich gerade eine ganze Industrie von Dienstleistungsunternehmen um den SP-Bereich herum aufzubauen. Gestern Abend habe ich mal ausführlich einen von ihnen untersucht: Die leselupe.de. Ich kannte den Namen von einer Buchbloggerin, die sich meinen letzten Titel vom Verlag geholt und eine sehr schöne Rezension geschrieben hat. Dieses Forum bietet eine Reihe von Lektoren, die sich dort mit ihren Schwerpunkten vorstellen und genau sagen, ob sie Kapazitäten haben oder nicht, welche Vorlieben und wieviele Seiten sie ehrenamtlich bearbeiten können. Es gibt sogar eine semiprofessionelle Literaturagentur und natürlich jede Menge Unterforen, an denen man sich beteiligen kann. Man muss aber überall genau hinschauen: Für 99 Euro kann man sein eigenes Buch mitsamt marginaler PR, Lektorat usw. haben. Das rückt doch schon wieder in die Nähe der Dienstleistungsanbieter, möchte man meinen. Aber wirklich umsonst bekommt man es wirklich nirgends!

Samstag, 25. Januar 2014

Warum selbst renommierte Autoren selber publizieren

Noch etwas zum Thema Veröffentlichen und Self Publishing, gerade bei Buchreport vom Dezember 2013 gefunden. Der Autor Fred Breinersdorfer, seit mehr als dreißig Jahren erfolgreicher Krimi- und Politthriller-Autor, hat sich entschlossen, seinen neuesten Roman berlin.classified selbst als E-Book bei epubli zu produzieren. Was sind die Gründe, wenn sich jemand doch über Jahrzehnte kontinuierlich einen Namen gemacht hat? (Ich kenne ihn aus unserer Studentenzeit übrigens noch persönlich, von so mancher Party, und habe einige seiner Bücher gelesen.) Einmal, so zeigt das Interview bei Buchreport, wurde sein neues serielles Experiment von den großen Buchverlagen abgelehnt. Breinersdorfer meint auch, dass die Verlage darauf schauen, möglichst viele Bestseller hinzukriegen. Auf der anderen Seite, oder eigentlich passend dazu, trauen sich die meisten nicht an Experimente, sondern setzen auf die guten alten Genres. Schade eigentlich.

Dabei fiel mir ein anderer Schriftsteller ein, den ich vor langer Zeit persönlich kannte (umgekehrt erinnern sich diese Autoren natürlich nicht an mich, weil ich nicht berühmt georden bin!:-) Thomas Hürlimann, der Schweizer, hat seit fünf Jahren nichts mehr veröffentlicht, so weit ich bei Amazon sehen kann. Und es gibt auch keine E-Books seiner Werke. Und jetzt zaubere ich noch einen dritten aus dem Hut: Felix Huby, ebenfalls langjährig erfolgreicher Autor von Krimis und Schöpfer des Tatortkommissars Bienzle. Der geht so eine Art Mischweg, veröffentlicht bei Fischer, der auch die E-Books herstellt, aber es sind bisher nur zwei.

Nun könnte ich eine wilde Milchmädchenrechnung aufmachen. Und Vorsicht, in Mathe und Rechnen war ich nie besonders gut, man darf das also gerne korrigieren. Huby verkauft sein E-Book für 14.99, je nach Prozenten verdient er daran vielleicht 4,30 Euro pro Buch. Hürlimann kann ich nicht beurteilen, denn ich weiß nicht, was bekannte Literaten pro Buch bekommen und wie viel davon verkauft wird. Ein Buch von, sagen wir mal, 260 Seiten bei Epubli zu veröffentlichen kostet, oh Schreck, etwa 2500,-Euro. Ich nehme an, diese Summe zahlt man für das Lektorat. Jedes Buch der Serie kostet 2,99 als Kindle. Wenn er 1000 Bücher verkauft, bekommt er 2030 Euro, kommt also nicht voll auf seine Kosten. Was verdient nun der Durchschnitts-Verlagsautor mit seinen Büchern? Er bekommt einen Vorschuss, der erst wieder eingespielt werden muss. Von den 5 oder 6% weiterer Verkäufe sieht er dann oft nichts, weil sich alle Bücher blendend verkaufen müssten, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Am Verlags-E-Book verdient unser fiktiver Autor vielleicht 2 Euro, wenn es 7.99 kostet, also 2000 Euro bei 1000 Verkäufen. Bei dem Preis ist aber fraglich, ob es jemals zu 1000 Verkäufen kommt. Allerdings kenne ich vereinzelte Autoren, die auf 25 000 Verlagsebooks zu 7.99 bzw. 400 000 selbst publizierte E-Books kamen. Nehmen wir einmal an, ein Autor, der selbst ein E-Book produzieren möchte, bekäme im Tausch mit anderen Dienstleistungen ein kostenloses Lektorat. Ich glaube fast, der wäre am Besten dran. Denn wenn er 1000 Bücher für 2,99 verkauft, verdient er 70%, und das wären 2030,- Euro. Aber welcher Lektor lektoriert schon umsonst, und was könnte er dafür bekommen, das ihm nützen würde?

Geld ist nicht alles, wird nun jeder sagen. Bekommen all diese Autoren, unabhängig davon, wie sie es bewerkstelligen, denn auch Anerkennung für das, was sie geschaffen haben? Die Literaten werden in den Zeitungen besprochen und kommen ins Fernsehen. Die anderen nur dann, wenn sie Bestsellerautoren sind oder Preise gewonnen haben. Die große Masse freut sich über Rezensionen und mittlere Verkäufe. Es ist nicht leicht, heute Autor zu sein. Aber hatten unsere altvorderen Kollegen nicht auch die Qual der Wahl? Haben sie nicht auch Self Publishing gemacht, um ihr Werk überhaupt erst mal gedruckt zu sehen?

Sonntag, 19. Januar 2014

Rechterückruf mit Folgen

Vielleicht erinnert sich der eine oder der andere noch an eine kurze Diskussion, die in einem anderen Blog zum Thema "Verramschung" stattfand. Da wurde mir von einer lieben Kollegin empfohlen, meine Rechte an dem Buch zurückzurufen, das im letzten Herbst ausverkauft wurde. Das habe ich vor einigen Tagen getan. Und schon am nächsten Tag war eine Mail der Rechte- und Lizenzabteilung im Postkasten mit dem Angebot, meine ersten beiden Verlagsbücher als E-Books herauszubringen, mit Rechterückfall an mich. Ich bekomme demnächst ein sogenanntes Addendum, also einen Verlagergänzungsvertrag. Ich habe abgewogen und zugesagt, allerdings nicht ohne die prozentuale Beteiligung zu erhöhen, denn als KDP bekäme ich ja 70% Tantiemen. Ey, dachte ich, ich kann ja sogar ohne Agentur verhandeln! Es wurde mir zugesagt. Und gleichzeitig kam das Angebot, meinen Krimi dort durch das Lektorat prüfen zu lassen. Das entspricht meinem Wunschvorgehen, denn bevor ich ihn an andere Agenturen und Verlage schicke, wollte ich ihn zuerst dem Hausverlag anbieten. In der Backlist des Verlages von 2013 sind noch alle vier Titel vertreten - durch die E-Books wird das sicher auch so bleiben. Ferner habe ich noch für beide Bücher eine kurze Fehlerliste erstellt und an den Chief of E-Books gemailt. Dabei stellte ich fest, das der gavierendste Fehler aller Zeiten gar keiner war, denn das betreffende Vorhaben war nur angedacht, nicht vollzogen worden. Auf jeden Fall hat mich das alles sehr erleichtert und motiviert. Jetzt kann ich letzte Pinselstriche an den Krimi legen und mich dann neuen Projekten widmen.

Samstag, 11. Januar 2014

Wann kommt denn dein Krimi raus?

Eine Szene vor zwei Tagen: Wir treffen uns mit meinem Sohn auf dem zentralen Platz der Stadt. Es ist frühlingshaft warm, nur ein eiskalter Wind macht uns etwas zu schaffen. In einem der Hauptcafés kann man sogar draußen sitzen. Mein Sohn fährt gleich anschließend nach Frankfurt zu einem Jungegesellenabschied, am Montag dann zurück nach Afghanistan. Man spricht über dies und das. Inzwischen haben sich zwei Freunde von ihm zu uns gesellt. Mein Freund holt meinen letzten Roman aus dem Auto, ich signiere ihn für meinen Sohn.
Ich freue mich schon auf deinen Krimi, meint er.
Ich weiß nicht, wem ich ihn anbieten soll. Es ist kein gewöhnlicher Krimi.
Was ist denn ein gewöhnlicher Krimi?, fragt einer seiner Freunde.
Na, ich habe von einer Kollegin gehört, dass sie mindestens zwei Morde mehr reinbauen sollte.
Den könnte man dann "Noch mehr Morde" nennen, sagt sein Freund. Alle lachen.
Und der erste Mord muss gleich am Anfang passieren, meine ich. Willst du ihn nicht mal probelesen, wenn du Zeit hast?
Den ganzen sicher nicht, aber so ein paar Kapitel ...

Seitdem habe ich mir schon wieder viele Szenarien ausgemalt. Welche Agenturen könnten dazu passen? Ach nein, die Agenturen, die ich anvisiere, wollen was ganz anderes. Soll ich ihn einfach an einen größeren Verlag wie Fischer schicken?
Oder an Emons? Haben die ähnliche Themen in ihrem Bestand? Was will ich eigentlich mit meinen "Martinsmorden"? Es gibt schon zu viele Krimis, sagen mein Freund und der Polizist, der mich beraten hat. Das finde ich auch. Auf jeden Fall werde ich obige Frage nicht beantworten können, solange ich mich nicht entscheide, ihn entweder zu kompostieren oder wegzuschicken. Wie würdet ihr entscheiden? Weg damit und dann ist Ruh oder auf den Weg bringen mit allen seinen Konsequenzen wie Warten und Absagen einkassieren?


Montag, 2. Dezember 2013

Weg von der Fiktion


Wir müssen für einen Text brennen, schrieb mir kürzlich ein Agent, sonst können wir ihn nicht engagiert anbieten. Genauso geht es uns Autoren. Wenn wir nicht für unseren Text brennen, können wir ihn nicht engagiert Verlagen und Agenturen anbieten. Da ist aber doch ein kleiner Unterschied. Erstmal sind die Agenten- und Verlagskerzen aus unterschiedlichem Material gemacht. Da gibt es Wachs, Stearin, echtes Bienenwachs und sonst noch Materialien, die ich nicht kenne. Neulich haben sie erst Kerzen in so einem Verbrauchermagazin verglichen - wobei natürlich die meisten schlecht abschnitten. Es muss also ein Funke zur Kerze springen, der sie auch entzündet. Und viel wichtiger: Es muss ein Funke zu den Lesern überspringen. Als Leserin habe ich das gerade gemerkt: Ich habe einen Roman über das 19. Jahrhundert gelesen, ja, es war das Buch aus dem öffentlichen Regal in Obersontheim. Es hieß "Das Medaillon" und war von Gina Mayer. Über die Neandertaler-Funde, über Apotheker und Bibliothekare, auf zwei Zeitebenen und wahnsinnig spannend. Solche Bücher möchte ich wieder lesen.

Ich selbst habe mich momentan vom fiktiven Schreiben abgewendet, wie schon gesagt, und mich auf die Spuren von Köpfen aus dem 18./19. Jahrhundert begeben. Es ist fast wie am Anfang, als ich über den Dichter Mörike recherchiert hatte: Ein absoluter Film, der da abgeht, ein immer tieferes Eindringen in ein Leben, das um so mehr fasziniert, je mehr man darüber erfährt. Dazu die Recherche vor Ort, in diesem Fall auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg. Ein trauriger, grauer, abweisender Ort. Mauern, Nato-Draht, eine Kanone und ein kleines Mädchen, das verloren über das Plateau lief und ins Land schaute. Und ein verlorener Ort sollte es auch sein, für die Gefangenen, die dort in den vergangenen Jahrhunderten einsaßen. Gestern habe ich einen Bericht darüber geschrieben (Orte zum Reinschmecken)-und konnte kaum noch aufhören. Kurz vor Mitternacht habe ich ihn veröffentlicht und mich dann glücklich zurückgelehnt. Es muss gar kein Buch daraus werden, ist mir momentan viel zu anstrengend. Viel lieber spiele ich zur Zeit mit vielen Möglichkeiten.

Donnerstag, 14. November 2013

Allerlei im November

Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, über welches Thema ich als nächstes hier schreiben soll - es sind zu viele Themen. Der Taifun und seine katastrophalen Folgen haben mich sehr beschäftigt, zumal sich meine Schwester gerade zu der Zeit dort im Urlaub befand. Gottseidank habe ich am Montag eine Mail von ihr bekommen, dass ihnen nichts passiert ist. Gerade habe ich einen Spendenscheck ausgeschrieben. Bei der Arbeit hatte ich in den letzten Tagen das Gefühl, manchmal sei es so ätzend, dass man am liebsten aufhören würde - um am nächsten Tag festzustellen, dass man nun alles erreicht hat, was angestrebt war: Klienten, die schon längere Zeit stabil sind und gelernt haben, mit sich und den anderen besser umzugehen und das Leben mehr zu genießen.Wir haben einen neuen, von früher gut bekannten Psychiater, eine wundervolle Supervisorin, ein tolles Team, das sich immer weiter entwickelt, und letzten Samstag wurde das 30jährige Jubiläum unseres Vereins gefeiert. Wie mit der Arbeit ist es auch mit dem Schreiben. Es gibt Zeiten, da ist es ätzend, zum Beispiel beim Warten auf Verlage und Agenturen. Trotzdem habe ich gerade, nach langer Vorbereitung, auf den Senden-Knopf an die erste Agentur gedrückt-mit 28 Seiten Leseprobe, Bibliographie, Exposé anderthalb Seiten und Kontaktdaten ("über mich"). Es könnte eine Weichenstellung für mein künftiges Schreiben  werden. Vom Profil her -Arbeit mit Traumapatienten und Persönlichkeitsstörungen-wäre ich prädestiniert für Psychokrimis und Psychothriller. Oder auch für Beratungsbücher-das haben schon einige Psychologen gemacht, die nebenher Romane schreiben.

Samstag, 19. Oktober 2013

Wer nicht schreibt, wird vergessen

Bei Facebook ist es mir zuerst aufgefallen: Bist du einmal eine Weile nicht da und kommst dann wieder rein und postet, nehmen das weniger Freunde wahr als in der Zeit, als du noch "dicht dran" warst. Umgekehrt stelle ich ab und zu fest, dass irgendwer ja schon lange nichts mehr beigetragen hat. Und beeile mich dann, etwas hinzuschreiben, wenn er wieder auftaucht, und sei es auch nur ein "gefällt mir"zu klicken! Nein, vergessen wird man nicht, wenn man eine Basis zu den Betreffenden hat, und ich vergesse diejenigen nicht, die ich kenne. Ähnlich verhält es sich wohl mit den Büchern, die man schreibt. Es gibt Autoren, die jährlich mindestens zwei Bücher raushauen, einmal wegen des Verdienstes, dann aber auch, um im Gedächtnis der Leser zu bleiben. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Gab es nicht viele Autoren, die nur ein Buch in zehn Jahren schrieben? Oder alle zwei, drei Jahre eins? Ich glaube nicht, dass es die Masse macht, allenfalls für den Geldbeutel. Und ja, den Autoren, die viele Bücher geschrieben haben, wurden ganze Regalreihen in den Buchhandlungen eingeräumt. Die neuen kommen auf den Stapel, bis sie in zwei Monaten abverkauft sind, dann ab in die Reihe. Wo aber bleiben die Bücher, die es nicht auf die Buchhandlungstapete gebracht haben? Stehen sie in den Regalen der Leser, wurden sie entsorgt? Ich habe wirklich keine Ahnung, denn sie sind für die Augen des Autors, des Urhebers, des Buchherstellers unsichtbar geworden. Er findet sich in Rezensionen wieder oder er steht, wie in meinem Fall des letzten historischen Romans, vielleicht in einer Bücherstube im Norden- zwischen Siegfried Lenz und der australischen Autorin Tamara MacKinley. Und dann sind da noch die Träume, die durch keine Erfahrungen, keine Verlagsinsolvenzen, keine Kündigungen bei Agenturen, keine Kommerzialisierung von E-Books, keine Unkenrufe über das Ende des gedruckten Buches zu widerlegen sind: Der Autor schreibt, und er wird vergessen, und er schreibt nicht mehr und wird nicht vergessen.

Mein Schwarzwaldkrimi wird jetzt noch zweiMal gebürstet und dann, mit 30 Seiten Leseprobe und Exposé, an etwa sechs ausgewählte Adressen verschickt. Die "Wartezeit" von ein paar Wochen oder Monaten kann ich dann dazu nutzen, etwas Neues in Angriff zu nehmen. Sei es der historische Krimi, der Psychothriller, ein Reisejournal oder ein Ratgeber in Sachen Psyche.

Mittwoch, 25. September 2013

Die Stunde der Wahrheit

Heute erhielt ich eine Mail der Agentur bzw. des Verlages mit dem Hinweis, dass sich der Verkauf der Restbestände von der "Pilgerin von Montserrat" nicht mehr lohne. Ab November wolle man deshalb den Ladenpreis aufheben und damit an die Großbuchhandlungen und die modernen Antiquariate gehen. Gern könne ich Exemplare zum Ausverkaufspreis beziehen (und nach dem damaligen Vertrag würde ich daran sogar noch mitverdienen, wenn es auch um geringe Summen geht, die dann vom Herstellungspreis wieder verschlungen werden). Ich habe so einen Ausverkauf schon bei meinem ersten Buch erlebt und mich im Grunde darüber gefreut, weil das Buch damit noch einmal ordentlich unter die Leute kam. Auch später sah ich immer wieder Bücher mir bekannter Autoren auf den AV-Tischen, dachte "auch du mein Bruder, meine Schwester" - und kaufte das dann trotzdem gern, denn wer ist kein Sparfuchs, wenn sich die Gelegenheit bietet? Was mir bei der Sache aber nie klar wird, ist die Rechterückgabe. Mein erster Verlag hat sie mir sofort zurückgegeben, nachdem das Buch ausverkauft war. Von dem o.g. Buch besteht aber nun zum Beispiel kein E-Book. Der Verlag hat also weiterhin das Recht, ein E-Book herauszubringen, wenn er es für günstig hält, weil ich ihm diese Rechte ja eingeräumt habe. Laut Vertrag kann ich 5 Jahre nach Nicht-Ausübung eines Rechtes die Buchrechte zurückfordern. Nicht, dass der Eindruck entsteht, ich wolle es selbst als E-Book herausbringen. Es ist das einzige Buch, das ich ohne Absprache mit dem Agenten geschrieben habe. Nach dem Erfolg des ersten Romans war die Auflage zu hoch angesetzt, es sind 2800 Exemplare übriggeblieben. Insofern hat es sich also am schlechtesten verkauft und damit die Verkäufe der anderen heruntergezogen. Der Titel war schlecht gewählt, das Cover hatte mit dem Inhalt wenig zu tun. Als "Geheimnis des ersten Kreuzzugs" hätte es sich vielleicht etwas besser gemacht. Und einigen Lesern war der erste Teil zu schwierig. Aber sei`s drum, ich wünsche ihm, dass es dann zum Billigpreis an die Leser kommt und werde es nicht mehr selbst herausbringen. Statt dessen juckt mich in den Fingern, meinen Mörike einfach auch mal auszuverkaufen, daran verdiene ich immer noch mehr als an den Ausverkäufen der Printbücher!                 

Montag, 23. September 2013

Tipps für Autoren-von der Frankfurter Buchmesse!

Gerade habe ich einen Link gefunden, der für Neuautoren und eigentlich auch für "gestandene Autoren" wie mich eine gute Zusammenfasssung bietet, wie man auch heute noch an einen Verlag oder zu einem E-Book kommen kann. Dabei werden allerdings den Genres, den Publikumsverlagen und Agenturen breite Räume eingerichtet. Wichtig ist dabei die Frage, was man und wen man mit seinem Manuskript erreichen will. Genauso wichtig, dass man die Idee in wenigen Worten zusammenfassen kann, sei es ein Sachbuch oder ein Roman. Interessant, dass dem Self Publishing Erwähnung getan wird, allerdings wenig ausführlich. Nach dem Dafürhalten der Frankfurter Buchmesse (wer auch immer das geschrieben haben mag) eignen sich kürzere Texte besser für das E-Book. Ist es ein sogenannter Nischentext, sei es bei kleineren Verlagen besser aufgehoben, die auch familiärer mit dem Autor zusammenarbeiten. Kann ich bestätigen. Was mich betrifft, bräuchte ich für meine beiden jetzigen Projekte keinen Agenten. Der wäre erst wieder gefragt, wenn ich einen Thriller/ Psychothriller schreiben würde.

Die Rechte an meinen vier historischen Romanen bekomme ich so bald nicht zurück, weil sie sich noch verkaufen. Die kann ich also auch nicht als E-Book rausbringen. Self Publishing ist dann für mich eine Option, wenn kein Verlag mehr anbeissen will. Mit allen Konsequenzen, wie ich weiß.