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Freitag, 13. März 2026

Zwischen Amazon und Stammkneipe



Wenn man ein Buch selbst veröffentlicht, muss man - nach der sorgfältigen und auch zeitraubenden Erstellung der Datei -, danach auch etwas zur Verbreitung und Bekanntmachung tun. Früher standen meine Bücher massenweise in den Buchläden der Republik, das ist in den letzten zehn Jahren anders geworden. Es reicht nicht, bei Instagram, Facebook oder anderen sozialen Medien einfach das Buch einzustellen und einen Reaktion zu erwarten. Meistens rauscht alles daran vorbei, es sei denn, man hat schon eine ganze Anzahl von treuen Followern, die auch noch Leser des eigenen Genres sind. Der beste Tipp, den ich bisher bekam, war der: Ich bin einer privaten Gruppe bei Facebook mit dem Thema "historische Romane" beigetreten und habe da bisher nur die besten Erfahrungen gemacht. Meine zwei Beiträge waren gut besucht, fünf Leserinnen haben sich mein E-Book gleich heruntergeladen. Woran ich das sehen kann? Eine hat es angekündigt, die anderen kann ich in meinem KDP-Bücherregal verfolgen, auch wieviel Seiten gelesen wurden und was ich damit und mit den Verkäufen bisher verdient habe. Mitte Mail will ich auch noch eine Veröffentlichung über Tolino anstreben. Dort ging es damals etwas anders zu als bei Amazon. Sehr viel persönliche Betreuung, ein kostenloses Angebot meines E-Books ("Nacht des Wolfes") im Newsletter, es wurde 3000 mal heruntergeladen. Anschließend passierte dann allerdings gar nichts mehr.

Für die Betreuung kann ich Amazon auch nicht so gute Noten ausstellen. In den letzten Tagen wollte ich, dass mir der Support meine Hexenkinder mit dem Verlagsbuch verknüpft. Da meldete sich ein Bot in schlechtem Deutsch, das das nicht ginge, weil Name und Titel nicht übereinstimmten. Ich insistierte, das könne doch nicht sein, weil es bei meinem Verlagsbuch "Das Vermächtnis des Bischofs" und "Teufelswerk" doch auch geklappt hätte. Beim zweiten Mal kam überhaupt keine Antwort. Auf mein weiteres Drängen kam eine Mail desselben Inhalts, nur etwas besser formuliert. Ich wurde jetzt etwas forscher, gab einen Stern für die Beratung und siehe da, jetzt wollte eine "Mistica" nur, dass ich nochmal die ASIN und die Links für das zu verknüpfende Buch schicke. Na also. Es soll bis zu einer Woche dauern, aber letztes Mal ging es etwas schneller, soweit ich mich erinnere.

Um mich von den ganzen Querelen zu erholen, nahm ich am Mittwoch die Einladung zu einem Stammtisch zwei Dörfer weiter an. Beim Hereinkommen staunte ich über den alten Kohleofen, der eine ganz  besondere Wärme verstrahlte, über die alte, liebevolle Einrichtung und über den Höllenlärm, der mir von vier Stammtischen entgegenschallte. So bekam ich auch nur das Wesentliche mit, was geredet wurde, aber es war einfach schön, mal ein paar Stunden dazusitzen, sich wie früher zu fühlen und mal über etwas anderes zu sprechen als das Schreiben-nämlich u.a. über die besonderen Pausenbrote auf dem Schulhof und über Viecher wie Mäuse, Ratten Marder und Schnecken, die einem auf verschiedene Weise das Leben schwer machen können.  Hirsch





Samstag, 24. Januar 2026

Klappentext zum historischen Roman "Hexenkinder"


 Hayingen, Süddeutschland im Jahr 1632. Als die Schweden in die Stadt einfallen,  versteckt sich die 17jährige Katherina in einer Kirche. Dort begegnet sie dem Musketier Alexander, und während ihre Welt untergeht, verliebt sie sich in ihn. Im Morgengrauen ist er verschwunden. Als sie nach Hause kommt, findet sie  das Haus abgebrannt und  die Eltern grausam getötet. Während der Beerdigung  beschuldigt ihre Nachbarin Katherinas Mutter, eine Hexe gewesen zu sein. Katherina verlässt ihren Heimatort, um den Täter zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen .Auf ihrem Weg schließt sie sich dem schwedischen Tross an, trifft wiederholt Alexander und verliert ihn wieder.  Zu ihrem Entsetzen stellt sie fest,, dass  ihre Nachbarin inzwischen Mätresse des Täters geworden ist und sie zu verfolgen scheint.  Die Nachbarin denunziert Katherina, und nur ein Urteil der Jesuiten bewahrt sie vor der Todesstrafe. Schließlich gelangt Katherina auf ein Fuggerschloss in Wasserburg am Bodensee und erfährt, dass hier Kinder als  Hexen verbrannt werden.  Sie setzt alles daran,  einige der Kinder zu  retten. Doch sie ahnt nicht, wie gefährlich nahe sie dem Täter und der verräterischen Nachbarin gekommen ist.

Ein Roman über die Zeit großer Umbrüche, über Liebe, Verrat, Freundschaft und den unbeugsamen Willen der Menschen zu überleben

Dienstag, 3. Oktober 2023

Herbstbeginn

Der Herbst streut weiße Nebel aus, Es kann nicht immer Sommer sein!
Der Abend lockt mit Lampenschein 
Mich aus der Kühle früh ins Haus. 
Bald stehen Baum und Garten leer, 
Dann glüht nur noch der wilde Wein Ums Haus,
und bald verglüht auch der, 
Es kann nicht immer Sommer sein. 
Was mich zur Jugendzeit erfreut, 
Es hat den alten frohen Schein Nicht mehr
und freut mich nimmer heut - 
Es kann nicht immer Sommer sein. 
O Liebe, wundersame Glut, 
Die durch der Jahre Lust und Mühn 
Mir immer hat gebrannt im Blut - 

O Liebe, kannst auch du verglühn?


 Hermann Hesse ((1877 - 1962)), Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 163-164.

Sonntag, 14. Mai 2023

Reisen macht glücklich

Heute kam der Beitrag aus einem Newsletter in mein Postfach: Reise mache zufriedener. Ich kann das voll und ganz bestätigen. Es geht ja nicht darum, ständig in Flugzeuge zu steigen und um die halbe Welt zu fliegen. Obwohl ich das in der Vergangenheit natürlich-wie so viele-getan habe. Es gibt nun mal Ziele, die mit der Bahn, dem Auto oder dem Schiff schwer zu erreichen sind. Ich erinnere mich an eine Bahnreise mit dem TGV in den 70er Jahren. Es ging über Paris nach Nordspanien, nach Fuenterrabia, wo wir einen wunderbaren Urlaub verbracht haben. Weiter nach San Sebastian an der schalenförmigen Bucht mit seinen Häuserschluchten, den langen Nächten und den delikaten Tapas, Muschel-und Fischgerichten. Die sollten mir dann auch zum Verhängnis werden. Erstmal fuhr der TGV vorzeitig vom Bahnhof ab, woraufhin ältere Leute dem Zug nachzulaufen begannen, weil ihre Ehepartner schon drin und sie selbst abgehängt waren. Die Bahn rauschte fast geräuschlos durch die Nacht, und ich saß die meiste Zeit auf der Toilette, weil irgendein Muschelgericht wohl nicht verträglich gewesen war. Wie schön das Ankommen ist, merkte ich dann am nächsten Abend in unserem Lieblingsgasthaus im Schwarzwald. Noch nie hatte eine Flädlesuppe so hervorragend geschmeckt! 

Mit dem Flugzeug ging es nach Athen und nach Saloniki, von dort per schaukelndem Schiff auf die Inseln. Das waren Septemberabenteuer! Ins damalige Jugoslawien, nach Neapel und mit dem Auto quer durch Frankreich bis in die Bretagne, wo wir die Nacht im Regen auf einem Festival durchtanzten. Paris, Prag, Budapest, Venedig. Nicht zu vergessen die Tramp-Tour durch Irland und vieles mehr. Später, in den 90er Jahren, Flugreisen mit meiner Schwester nach Mexiko und Venezuela. Viel Urwald und viel Strand, ein roter Mond und eine Kokosnuss, die uns fast erschlagen hätte. Kurz vor dem Millenium mit dem Auto in die Provence, nahe des Mont Ventoux, was ewig unvergessen bleiben wird, in Spaniens Norden und ans Mittelmeer. Dort endeten die weiten Reisen mehr oder weniger. Weiter oben im Gebirge waren kurz zuvor viele Touristen umgekommen, nachdem ein verheerender Regensturm den Campingplatz geflutet hatte. Auch auf unserem Zeltplatz in Coma Ruga (ADAC) brach nachts so ein Unwetter aus, so dass wir panisch aus dem Zelt flüchteten. Es ging dann noch glimpflich aus, so dass wir noch einige herrliche Tage mit Erkundungen, Schwimmen und einer Fiesta in Sitges verbringen konnten. Dann das Aus: Ein nächtlicher Überfall, Aufschlitzen des Zelts wahrscheinlich durch Kinder und Verlust von einigem Geld, andere Gäste waren ebenso betroffen. 

Es war wie ein Blick in die Zukunft: Klima-und Armutskrise warfen ihre Schatten voraus. Aber es ist ja nicht die Entfernung, die glücklich oder zufriedener macht. Das klingt in dem oben verlinkten Artikel an: Auch die Kurztrips in die Nähe, die kleinen Aus-Zeiten können den Blick auf die Welt verändern, weil man eben draußen ist und nicht im Alltagstrott. Wir haben Baden-Württemberg, Bayern und Franken erfahren und erwandert, kennen die Schwäbische Alb, den Schwarzwald und den Bodensee wie unsere Westentaschen. Bis der Verkehr alles erstickte, die Bahn immer unpünktlicher wurde und Corona kam. Und das Wetter immer extremer wurde. Wegfliegen ist keine Alternative. Manchmal reicht schon ein Spaziergang an einem Lieblingsplatz auf der Schwäbischen Alb: An der Salmendinger Kapelle oberhalb von Mössingen, zum Beispiel (Fotos) Das Reisen und Wandern hat mich einst zum Schreiben gebracht. Und die Lust daran erhalten. Wie schon erwähnt schreibe ich gerade an einem historischen Schwarzwaldroman mit Krimi-Inhalt, und es macht mir mehr Spaß als jemals zuvor. 

Sonntag, 28. Juli 2019

Hitze und faule Tage

Bei der Wallfahrtskirche Birnau
Die Zeit der großen Hitze ist nun erstmal vorbei. Der Höchstwert an Glutofen, der bei uns hier im Schwarzwald gemessen wurde, betrug 38,5 Grad. So viel hatten wir, glaube ich, selbst im Jahr 2003 nicht gehabt. Und im Rheintal ging es über die 40° hinaus. Wie haben wir das überstanden? Ich selbst war abends mal im Freibad oder einen Nachmittag am See, habe Eis und Salat und überhaupt wenig gegessen und viel Sprudel getrunken. Meine Wohnung war schön kühl, da ein Riesenwalnussbaum , Büsche und Oleander im Garten stehen. Ich hoffe, dass sie im Zuge der Erderwärmung auch dort stehen bleiben.

Aber es geht auch noch ganz anders. Da wir alle Regionen Baden-Württembergs und auch andere Bundesländer sehr gut kennen, sind wir jetzt mal andersrum vorgegangen. An einem Tag fuhren wir zur Bärenhöhle auf der schwäbischen Alb, einem Touristenzentrum, das wir zwanzig Jahre lang gemieden hatten wie der Teufel das Weihwasser. Dort saß niemand in dem wunderschönen neuen Biergarten, weil es auch dort noch 30° heiß war. Das beste Getränk gegen die Hitze war eine Holunderschorle mit Eis, Minze und Gurkenraspeln. Schmeckte wie ein Gazpacho (kalte Gemüsesuppe) in Barcelona!
https://www.ausflugslokal-baerentatze.de/



Holunderschorle in Frankfurt-Höchst 2017


Der zweite Moment, der an unbeschwerte frühere Tage erinnerte, ergab sich gestern Abend. Seit dem Nachmittag hatten sich schwere schwarze Wolken aus dem Westen zusammengebraut, zuvor hatte es schon letzte Nacht gewittert und geregnet. Gott seis gelobt und getrommelt! Wir tranken gerade noch eine Cola draußen bei einer Tankstelle, als es losging. Erstmal begann es heftig und heftiger zu schütten. Früher kamen immer Sturmböen, Blitz und Donner zuerst, dann der Regen. Die Blitze zuckten jetzt quer über den Himmel, und wir saßen da wie unter einem Zelt wie früher auf dem Balkon in Iselshausen. Ein gewaltiges Schauspiel- besser als jedes Fernseh- oder Computerprogramm. Auf dem Weg nach Hause wurde fast das Auto weggeschwemmt! Heute bin ich zu Hause und schnaufe richtig durch. Volles Programm, Blogbeitrag, Sofa, ein bisschen Tour de France. Vielleicht fange ich auch erstmalig seit dreieinhalb Monaten wieder an zu schreiben.


Früher habe ich meinen Klienten und Klientinnen oft gesagt, sie sollten sich mal daran erinnern, was sie früher gern getan haben. Hobbies, Outdoor-Aktivitäten, Lieblingsbeschäftigen wie Lesen, Malen Wandern, Schreiben. Dazu kann ich nur jedem raten. In der heutigen fast desorientierten, niedergewirtschafteten Welt und den trüben Zukunftsaussichten ist es -neben dem Kampf gegen diese Zerstörung - wichtiger denn je, auch für sich selbst Nischen zu finden.

Anbei noch ein paar Fotos aus der "heißen Zeit":
Hier um die Ecke

Der Bodensee zwischen Überlingen und Lindau


Ein großer Perlmuttfalter (dem Kaisermantel ähnlich)

Samstag, 30. Juni 2018

Abenteuer am Bodensee und in der Schweiz



Der "Traum vom Süden" ist noch nicht ausgeträumt! Und es muss Fleckchen auf dieser Erde geben, die gut erreichbar sind und an denen man Abstand vom Stress und der Hektik dieser Welt finden kann. Wir wählten diesmal die Route in den Süden, an den Bodensee, das viel frequentierte schwäbische Meer. Und dort auf die Höri, die Halbinsel, an deren Ende der Rhein wieder in sein altes Flussbett zurücktritt. Schon beim Singener Kreuz lag ein Licht über der Landschaft, das sich nur in der Nähe von großen Seen und auf der Fahrt durch das Rhonetal zeigt. Erstmal sah es gar nicht gut aus. Die Ferienwohnung in Gundholzen, in der wir schon interessante und geruhsame Tage verbracht hatten, gab es nicht mehr, alles andere war besetzt. In Gaienhofen wurden wir dann fündig. Direkt hinter dem Haus von Hermann Hesse mieteten wir für zwei Tage eine Ferienwohnung mit südländisch anmutender Terrasse. Runter an den Steg, so hat es schon immer ausgesehen, wenn man irgendwo angekommen ist. Und Schwimmen an meinem Lieblingsbadeplatz. Am Abend noch ein Besuch des mittelalterlichen Städtchens Stein am Rhein, das wir schon lange nicht mehr gesehen hatten. An der Grenze zur Schweiz waren die Zollhäuschen unbesetzt. Also scheinen die Schweizer auf ihr Nachbarland zu vertrauen. Bis zur Dunkelheit wanderten wir staunend durch die Gassen und am Rhein entlang, saßen auf einer Terrasse und schauten dem Sonnenuntergang zu. Auf dem Rückweg bogen wir um eine Gasse und liefen einem Mann in die Arme, der wie ein Handwerker aus dem Mittelalter wirkte, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Er stellte uns eine Frage, die wir lösen sollten. Was die eingravierte Zahl auf der romanischen Säule wohl bedeute? Sie begann mit einem V, und ich konnte sehr schnell sagen, dass es 1544 heiße. Daraufhin mussten wir ein Glas hiesigen Rotwein probieren, das zog sich eine lustige Schweizer Stunde auch mit anderen lustigen Gästen des Imbisses hin. Obwohl ich mich auf ein Glas beschränkte (bin keine Weintrinkerin), spürte ich es beim Weitergehen doch in den Beinen.
Am nächsten, einem sonnigen, heißen Tag, wollten wir die Schweizer Berge sehen. In der Schweiz ist es so, dass man sehr viel langsamer fährt als bei uns. Und das Verkehrsaufkommen ist auf dem Land nicht so hoch wie in Deutschland, wo man ständig im Stau steht, gedrängelt und gemobbt wird. Allerdings kommt man kaum durch, wenn man keine Vignette hat, man landet unweigerlich immer bald auf einer Autobahn. Also haben wir die in einer Tankstelle gekauft, wir werden sie dieses Jahr sicher noch für weitere Fahrten nutzen. Denn die Schweiz zeigte sich uns von ihrer besten Seite: schöne Landschaften, zum großen Teil noch unverbaut, mit freundlichen, gelassenen Menschen und gutem kulinarischen Angebot. Das aber wie eh und je sehr teuer, ein Eiskaffee kostet zum Beispiel 12,90 Euro. Sie geben es auch zu, vor allem die Mieten seien für viele Schweizer nicht erschwinglich. Da wir nun schon auf der Autobahn waren, fuhren wir die 60Km nach St. Gallen, wo ich schon immer einmal hinwollte. Eine ziemlich große Stadt, doch wir fanden fast auf Anhieb einen Parkplatz. Dieses St. Gallen hat uns umgehauen, eine quirlige, offene Stadt mit einer einmaligen Atmosphäre! Im Klosterviertel stehen mittelalterliche Gebäude mit Fresken, im gewaltigen Dom stand eine Gruppe japanischer Touristen andächtig und blickte zu den Kuppeln und den stuckverzierten Säulen und Kapitellen empor. Erfrischt und gestärkt von so viel Schönheit traten wir den Rückweg an. Von Rorschach bis Kreuzlingen-Konstanz wurde der Verkehr immer dichter, immer mehr Autos mit deutschen Kennzeichen tauchten auf. Die Landschaft war zunehmend durch Beton verwüstet. So waren wir erleichtert, als wir wieder im beschaulichen Gaienhofen ankamen. Das ist fast wie eine Faustformel: je mehr Industrie, desto mehr Autos, desto mehr Neubauten, desto mehr unfreundliche, gehetzte, drängelnde Menschen.

Und die Massentouristen gibt es natürlich auch hier, sie sitzen gern bei Sonnenuntergang auf den Terrassen und glauben, sie seien auf Mallorca. Auf unserer südländisch anmutenden Terrasse hinter dem Hesse-Haus saßen wir noch lange und quatschten darüber, was Hermann Hesse in unserem Leben für uns bedeutet hat. Heute ist er fast vergessen, wenn auch die Abiturienten sich wieder mit dem Steppenwolf beschäftigen müssen. Eines habe ich begriffen: dass die Quintessenz des "Gasperlenspiels" die ist, dass man nicht die ganze Welt retten kann, sondern immer nur einzelne. Und sich auch an Einzelne wendet, wenn man schreibt oder sonst wie in den Musen aktiv ist. Zwischendurch schien es, als sei eines der Fenster des Hessehauses erleuchtet. Da die kleine Kapelle dahinter neben der riesigen Linde und dem Brunnen angezündet und ausgeraubt wurde, kam es uns ein wenig geisterhaft-kriminell vor. Schließlich fanden wir heraus, dass es eine Spiegelung unseres eigenen Lichtes war. In mir war eine ganz große Ruhe, kein Lärm, keine Störung, kein Telefon, kein Computer, der Fernseher wurde nur für die Nachrichten angemacht. Dort hörten wir, dass die deutsche Nationalmannschaft kläglich verloren hatte und noch vor dem Achtelfinale ausscheiden musste. Im ganzen Ort war eine tödliche Ruhe eingekehrt, niemand zeigte sich auf den Straßen. Der Mond löste sich aus der Linde, hinter der er halb verborgen war, und zog seine stille Bahn über den Horizont.

Bildergalerie:
Die Terrasse

Am Untersee in Gaienhofen

Badeplatz


St. Gallen Klosterviertel

Der Dom von St. Gallen


In der City von St. Gallen


Donnerstag, 27. April 2017

Das Kind in dir muss Heimat finden



Tübingen, Neckaransicht
 Am letzten Samstag stand ich in einer großen Buchhandlung in Reutlingen, Abteilung Psychologie. Und da fiel es mir wieder ins Auge. Das Buch der Psychotherapeutin Stefanie Stahl, das zum absoluten Bestseller avanciert ist. Und ich weiß auch warum: Weil jeder versteht oder zumindest ahnt, was damit gemeint sein könnte. Und weil es so tröstlich klingt, denn ich glaube zutiefst, dass die Menschen heute trotz aller Vernetzung unbehauster sind als jemals zuvor. Es ist das. was ich in meinem persönlichen Leben erlebt, was ich studiert und womit ich mich beruflich beschäfigt habe. Da ich zu Hause noch einen ganzen Berg von Lektüre hatte, kaufte ich es vorerst nicht. Vor ein paar Tagen in Tübingen suchte ich es dann doch noch einmal, zusammen mit dem Krimi eines Kollegen, der inzwischen auf Platz 5 der Bestsellerliste gelandet war (Lost in Fuseta). Letzteres spricht mich deswegen so an, weil ich früher mal einen abenteuerlichen, unvergesslichen Urlaub in Fuseta (Portugal) gemacht habe, zusammen mit einem jungen Freund. Da gab es den Galaos, Galaosch gesprochen, einen Milchkaffee im Glas, es gab eine Riesenmeeresschildkröte am Strand, hohe Wellen, Einsamkeit, Fischrestaurants, den Geruch nach Macchia, herzliche Menschen und eine alte Vermieterin, die auf dem Dach ihres Hauses glucksend davon sprach, dass in Deutschland bald die Mauer fallen würde. Aber beide Bücher waren nicht zu finden. So machte ich mich zuhause daran, den Lektüreberg abzubauen.

Allein die Beschäftigung mit dem Thema "inneres Kind" ließ ein "Heimatgefühl" bei mir entstehen. Mir wurde klar, dass es nicht von außen kommen kann, denn die Defizite aus der Kindheit, das Gefühl, nicht gut oder liebenswert genug zu sein, kann auch durch äußere Erfolge nicht ausgebügelt werden und wenn, dann nur kurzfristig. In Kollegenkeisen wurde früher von "Selbst-Beelterung gesprochen, also die Fähigkeit, so für sich zu sorgen, dass eine innere Zufriedenheit entsteht. Für das Wohlsein müsse der Mensch selber sorgen, sagte schon Schopenhauer. So nutzten wir das sommerliche Wetter in Tübingen, um eine Art Urlaubstag zu verbringen. Das gelang weit besser als am Bodensee tags zuvor. Dort waren die Massen auf den Promenaden versammelt, es war nicht möglich, auch nr einen Augenblick zu sich selber zu kommen. Den Wintereinbruch seitdem nutze ich zur Überarbeitung meines Kleinverlagromans, den ich jetzt einfach umbenannt habe (A.T. Maikäfer flieg). Und als hätte das eine Signalwirkung gehabt, kam gestern - endlich nach mehr als vier Wochen - ein netter Brief von der früheren Verlegerin, sie gebe mir die Rechte an dem Titel zurück und wünsche mir alles Gute damit. Seitdem arbeite ich mit großem Vergnügen daran.

Am Strand von Bodman


    


 

Mittwoch, 6. Juli 2016

Auf den Spuren der Vergangenheit

Kürzlich haben wir einen Abstecher nach Meersburg am Bodensee gemacht. Diese Stadt ist wie ein Gedicht des Südens, mit alten Bürgerhäusern, Kirchen, Türmen, Palmen, Blume und dem alles durchdringenden Blau des Wassers. Und so trifft man auch überall auf Historisches, nicht zuletzt auf die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die einige wichtige Jahre ihres Lebens im Meersburger Schloss verbracht hat und dort auch gestorben ist. Ich hatte einmal vorgehabt, über sie zu schreiben und kenne deshalb das Innere des Schlosses schon sehr gut. Für die vielen Touristen mag es ein Event sein, nach Meersburg und auf das Schloss zu gehen. Die meisten werden gar  nicht wissen, dass die größte deutsche Dichterin hier gelebt hat. Aber selbst diese Touristen scheinen sich von "alten Gemäuern" angezogen zu fühlen, sieht man sich einmal den Zulauf in Rothenburg, in Dinkelsbühl und anderen historischen Stätten an. Es weht ein Duft von Vergangenheit herüber. Wenn ich mir überlege, was ich in den letzten zehn, zwanzig Jahren gemacht habe, dann war es eine permanente Spurensuche. Spuren von Menschen, die einmal gelebt haben, von großen und kleineren Ereignissen, auch von Verbrechen, die manchmal erstaunlich denen heutiger Zeiten ähneln. Alles wiederholt sich in der Geschichte. Vielleicht ist es die Sehnsucht nach Beständigkeit, die dahinterstecken könnte? Nach dem Wissen darüber, woher wir kommen und wohin wir gehen?

Auf der anderen Seite gibt es neben der Zersörung von historisch gewachsenen Dingen auch die Sehnsucht nach unberührter Natur, nach Abenteuer und Selbst-Erfahrung. Warum sonst sollten Zehntausende auf den schwimmenden Pontons des Verpackungskünstlers Christo auf dem Iseo-See gewandelt sein? Warum ist das zweite Buch des Försters Peter Wohlleben (von 2014) "Die Gefühle der Tiere" wieder auf Nr.1 der Spiegelbestsellerliste gelandet? Irgendwo scheint doch eine Sättigung eingetreten und der Wunsch nach dem Einfachen, das uns umgibt, nach Sinneserfahrung, entstanden zu sein. Bekanntlich habe ich mich mein Leben lang in der Natur, in einer historisch gewachsenen Umgebung und unter offenen, zugewandten Menschen immer am wohlsten gefühlt. In meinen Träumen gab es Industriegebiete und alte Städte mit intakter Umgebung. Aus den einen bin ich geflohen, die anderen waren "Heimat", in der man sich entfalten konnte. Genau, Heimat ist wie schon mal gesagt von einem Unwort zu einem Begriff mutiert. Alte Werte neu belebt. Es wird geheiratet wie nie zuvor, in Baden-Württembeg engagiert sich jeder zweite ehrenamtlich. Es ist eine Antwort auf die Ereignisse der Welt. Ich selbst mache jetzt bei der Aktion "Autoren helfen" mit, werde jeden Monat eins von den vielen Belegexemplaren meiner Bücher, meiner Spurensuche, an einen Paten der Flüchtlingsorganisation schicken.

Freitag, 22. April 2016

Leben am Rande des Schwarzwalds

Wie lebt es sich zur Zeit im großen schwarzen Wald? Die Buchen haben junge Blätter angesetzt, es leuchtet hellgrün in den Wäldern, dazwischen die schwarzen, düster schweigenden Tannen und Fichten. Millionenfach sind Anemomen, Primeln, Veilchen, gleichzeitig Löwenzahn, Lungenkraut, gelbe Windröschen und Frühlingsfingerkraut aus dem Boden geschossen. Mein Garten sieht wieder aus wie ein Osternest. Als würden die Pflanzen spüren, dass sie flott machen müssen, denn bald soll es ihnen ja wieder auf die zarten Köpfe schneien. Ich selbst habe einiges abgeschlossen. Die Steuererklärung habe ich vor ein paar Tagen ganz ohne Steuerberater fertig gestellt und abgeschickt. Es fehlte noch die Abrechnung vom Verlag, die kam heute mit Peanuts und Verspätung. Ich habe mir gerade mal das Vergnügen gemacht, sie mit der Abrechnung von Tolino Media zu vergleichen. Auf das halbe Jahr umgerechnet habe ich im Verlag mehr Ebooks verkauft, aber bei Tolino zehnmal soviel verdient. Wenn ich meinen Schwarwaldkrimi fertig überarbeitet habe, könnte ich das Angebot annehmen, es dort bevorzugt als Neuerscheinung einzustellen. Die Verkaufsmaßnahmen wie Leserunden, Bloghinweise, Facebookpräsenz usw. habe ich bei den Verlagsbüchern genauso gehandhabt wie bei den SP-Büchern, wenn nicht sogar dort etwas mehr.


Der Bodensee bei Friedrichshafen
Als Rentner muss man nicht mehr warten, bis am Wochenende das Wetter stimmt. So haben wir uns schon kleine Auszeiten am Bodensee und im Taubertal genommen. Schwer hinzukommen, aber erholsam, dort zu sein. Wenn ich Lust habe, schreibe ich meinen Krimi fertig, der hier in der Gegend spielt. Vielleicht erinnert sich jemand: Es geht um einen Pfarrer, der vor 25 Jahren aus einem Dorf verschwand. Um eine Journalistin, einen Kommissar, um brutale Morde, um schwarzgekleidete Fressäcke und geheimnisvolle Begebenheiten am Teufelsstein.

Zeit zum Lesen bleibt genügend: Im Moment ist das ein sehr lustiges Buch von Pierre M. Krause "Hier kann man gut sitzen - Geschichten aus dem Schwarzwald".
Schwarzwald pur, nicht wahr?

Pierre M. Krause beschreibt, wie er aus der pulsierenden Stadt Baden-Baden wegzieht und fortan, wie ich, auf dem Land im Black Forest lebt. Sonst lese ich eigentlich, außer Hape Kekeling, keine Promi-Bücher, aber dieses hat mich auf fast jeder Seite zum Schmunzeln gebracht. Sei es über die Rasenmäher- und Grillparty-Fraktion, die Holz- und Kettensägen, die Langsamfahrer oder die Notwendigkeit, im Haus immer so angezogen zu sein, als würde man ausgehen wollen, weil jederzeit jemand vorbeikommen könnte. Vom Garten ganz zu schweigen, der darf natürlich nicht so aussehen, als sei dort jemand gestorben! Und die Post hat solche unmerkbaren Öffnungszeiten, dass man am besten immer um 10 Uhr morgens dorthin geht. Nur leider hat meine Post manchmal auch um 10 Uhr vormittags geschlossen.

Der Zeitungsartikel über den Traumavortrag ist raus und erscheint vorraussichtlich nächste Woche in der Zeitung. Bis zum Vortrag am 10. Mail haben wir jede Menge  Zeit, vielleicht noch ein Plätzchen zu finden, an dem sich der Wintereinbruch angenehmer überstehen lässt.
Das Barockjuwel Birnau

Sonntag, 30. Dezember 2012

Ein Urlaubstag am Bodensee

Wir wohnen in einer begnadeten Gegend, wo andere Urlaub machen. Im Nullkommanix ist man im Schwarzwald, auf der schwäbischen Alb, im Neckartal und am Bodensee. Eine der schönsten Promenaden gibt es in Radolfzell am Eingang zur Höri. Wenn man die, selbst im Winter, ganz abgelaufen ist, hat man mehr als einen Urlaubstag gehabt.

Platanenallee in Radolfzell. Hier legen auch die Schiffe an. Der Verkehr ist allerdings im Winter fast ganz eingestellt.

Spielende Väter und Kinder am Ufer. Und da badet doch tatsächlich jemand?

Möwen füttern-ein Vergnügen für Jung und Alt!


Manche Uferweiden sind so sehr mit Misteln bewachsen, dass sie kaum mehr Luft zum Atmen haben dürften

Der Untersee, ein Traumziel

Mittwoch, 6. Juni 2012

Mein erstes (eigentlich zweites) E-Book!

Zu meiner Freude habe ich heute vom Verlag Ulmer Manuskripte die Mitteilung erhalten, dass mein E-Book "Aufbruch nach Blaubeuren" schon online ist, zu bestellen bei Amazon und schon mit einem Verkaufsrang!
Es gibt eine umfangreiche Vorschau dazu. Beim E-Book von "Die Hure und der Mönch" habe ich nie einen Verkaufsrang gesehen. Wahrscheinlich liegt es, wie vermutet, am Preis - 7,99 versus 4,94, das ist etwas mehr als die Hälfte. Oder vielleicht daran, dass es inzwischen auf mindestens zehn kostenlosen Portalen downgeloaded werden kann, Tendenz steigend? Unter uns gesagt, ich schaue auch nach dem Preis und kaufe mir schon lange keine teuren Bücher mehr (das letzte war"Imperium von Christian Kracht) Unsere Buchhandlung macht gerade eine Sonderaktion, und so habe ich für wenig Geld heute die "Phantastischen Erzählungen" von Iwan Turgenjew" und den Robinson Crusoe erstanden. Kürzlich kam nämlich bei Terra X ein Bericht über die Robinson-Insel im Pazifik. Jetzt wünsche ich unserem E-Book einen guten Start!

Zu den Urheberrechtsdebatten siehe Juli Zeh: Reich mir mal das E-Book rüber!

Derweil habe ich in den letzten Tagen den biografischen Roman "Eduad Mörike. Ein Leben auf der Flucht" (2004, vergriffen) überarbeitet. Außer den zu vielen Absätzen mussten auch einige "unds" und Semikolons dran glauben (obwohl es für die damalige Zeit typisch war!) Zwei, drei Fehler habe ich noch gefunden, ein paar Leerzeichen, eine Stelle, die laut Dr. Simon vom Schillermuseum in Marbach nicht ganz richtig war. Und eine Stelle habe ich noch ergänzt. Jetzt folgen vier Feier- bzw. Brückentage - und dann geht es weiter mit der Überarbeitung der "Köchin".

Der Blautopf in Blaubeuren, "mein" Schwäbischer Hauskalender 2011

Dienstag, 5. Juni 2012

Geschichten vom Bodensee


Geschichten vom Bodensee (insel taschenbuch) 

Dieses Buch bekam ich vor einigen Tagen geschenkt - und habe es mit großem Vergnügen gelesen! Es sind nicht nur nette Geschichten über den See, sondern auch schaurige über einen Mahlstrom, den (fiktiven) Untergang einer Fähre und über eine Frau, die von den netten Bodenseefelchen gefressen wird. Die Sängerin Lisa della Casa mokiert sich über die Touristen, die in Gottlieben vom Schiff aus das Fernglas auf sie richten. Endlich bin ich wieder im 19./20. Jahrhundert angekommen!
Geschichten vom Bodensee, herausgegeben von Johannes Winter, mit Beiträgen u.a. von Golo Mann, Rainer Maria Rilke, Annette von Droste-Hülhoff, Martin Walser, Karl Valentin, Hermann Hesse und H. W. Geißler (Autor des "lieben Augustin")
Insel Taschenbuch 2012

Donnerstag, 5. April 2012

Ich bräucht einen Zauberer

Ich bräuchte einen Zauberer, vielleicht so einen Wispel, den Eduard Mörike zusammen mit seinem Freund Ludwig Bauer erfunden hat, ein rothaariges, frech grinsendes Männchen, das auf dem Fuß des Riesen, des "sich'ren Mannes", schaukelt. Ihr Paradies wurde ausverkauft, so wie unseres heute ebenfalls ausverkauft wird. Petra van Cronenburg weiß davon zu berichten. Eigentlich sind wir Menschen inzwischen selber Legehennen geworden, die Einheitsbrei zu fressen kriegen, mit Einheitskost unterhalten werden und ganz einheitlich ihrer Bestimmung nachgehen: Einheitswaren zu kaufen.
Auch den Geistern der Mörikezeit (1804-1875) wurde das Paradies zerstört, aber zumindest konnten sie noch über Land reisen, ohne im Stau stecken zu bleiben. Das Essen kauften sie in kleinen Läden, vom Nachbarn wurde ein Kopf Salat gebracht und die Kartoffeln waren so so speckig, dass es bei Kerner in Weinsberg und seinem "Rickele" die herrlichsten Speisen gab, für Schriftsteller, andere Künstler und Fahrende, psychisch Kranke wie für Staatsoberhäupter.
Meine Mörike-Revision ist jetzt vorerst abgeschlossen. Ich konnte zwei Fehler berichtigen, die der Mörike-Experte im Schillermuseum Marbach entdeckt hatte,
zu viele Semikolons mindern (die damals so üblich waren) und ein paar kleine Pinselstriche anbringen. Übrig bleibt noch eine technische Bearbeitung der biografischen Teile. Es ist ein hübsches kleines Stück Prosa, was ich da vor genau zehn Jahren geschrieben habe, das muss ich sagen. Jetzt fehlt mir noch ein Zauberer, so einWispel, der mir ein E-Book daraus bastelt und es bei Fecebook publik macht.

Sonntag, 21. August 2011

Überlingen, die Perle des Bodensees

Die alte Stadt Überlingen
Jetzt ist erst einmal Erholung angesagt. Nach einem erfrischenden Bad im See auf der Alb saßen wir gestern beim Latte Maccchiato in Nusplingen. Die griechische Wirtin klagte darüber, dass in Griechenland z.B. Waschmittel jetzt dreimal so teuer seien wie hier. Und überhaupt, die armen Leute hätten das Geld nicht verschlampert. Daneben schwärmte sie vom Bodensee, dass der doch genauso schön oder schöner sei als das Mittelmeer. Im Sommer vermeiden wir es grundsätzlich, dorthin zu fahren, weil natürlich alle so denken.
Der Überlinger See



Promenade













Aber der Teufel ist ein Eichhörnchen, und so machten wir uns auf den Weg, denn der See ist von dort aus gar nicht weit entfernt. Und richtig: Die Urlauber strömten schon wieder zurück, so dass wir sogar einen Parkplatz in Überlingen bekamen, direkt am Platz unterhalb der Kirche. Hunderte pilgerten zum Strandbad und vor dort in die Stadt. Überlingen ist, neben Meersburg und Lindau, vielleicht noch Radolfzell, für mich die schönste Stadt der Region. Und das Licht ist so unvergleichlich, das es schon viele Künstler, Maler und Schriftsteller angezogen hat. Nicht umsonst wohnt Martin Walser in Nussdorf, wohnten Hermann Hesse und Otto Dix in Gaienhofen bzw. Hemmenhofen auf der Höri, schlug Annette von Droste-Hülshoff ihr Domizil in der Meersburg auf. Selbst Eduard Mörike reiste nach Konstanz, um dort ein Pensionat zu gründen, weil der Bodensee für ihn "Arkadien" war. Das scheiterte allerdings, weil man ihm das nicht zutraute ...
"Der Süden"

Felsen und Turm beimStadtgarten
Vermutliches Geburtshaus von Heinrich Seuse



Verlässt man die Unterstadt von Überlingen, wird es fast sofort ganz still. Vom Stadtgarten aus kommt man in eine natürliche Schlucht, die von Felswänden begrenzt ist-derselbe graue Sandstein übrigens, der bei den Heidenhöhlen vor Sipplingen und bei der Meersburg auftritt. Die Türme und Mauern der mittelalterlichen Stadt sind hier in den Felsen hineingebaut, und von oben bietet sich ein fantastischer Blick auf Stadt und See. Hier oben stehen Villen neben uralten Häusern, ich beneide jeden, der so schön wohnen kann. Vorbei am Geburtshaus Heinrich Seuses, dem Mystiker aus dem 13./14. Jahrhundert. Wieder unten, bei einem Fass mit Wirtschaft oberhalb der Kirche, nehmen wir ein kühlendes Getränk zu uns, und mein Begleiter erzählt mir von den Zeiten, als offensichtlich das Wünschen noch geholfen hat und seine Freunde, die Maler, vom Werk ihrer Hände leben konnten, und gar nicht mal so schlecht-Wohnung, Atelier und Segelboot. Sonnendurchglühte Tage, heiße Nächte auf dem See! Am Nebentisch erzählt jemand von den Fahrten durch Deutschland, Köln, Essen in einem Klostergarten bei Gießen, Augsburg, Bremen, wieder Köln, und jetzt hier, Urlaub, aber doch nicht so richtig, Präsentation hier, Präsentation da. Das Cabrio steht im Halteverbot vor der Wirtschaft.
Für wen schreibst du?, fragt mich mein Begleiter zum wiederholten Mal. Für diese Menschen bestimmt nicht! Die suchen hier etwas ganz anderes. Du schreibst für Nischen, und wenn es gut läuft, entdeckt vielleicht jemand Dinge, die er so noch nicht gesehen hat. Auch ich habe einmal davon geträumt, hier zu wohnen und zu schreiben. Jetzt sind es vielleicht ein paar Tage im Jahr, die wir dort zubringen und wenn es hochkommt, Wetter und Unterkunft stimmen, auch einmal Urlaub machen. Es gibt noch viel zu entdecken, Neues und Altes, die Klosterbibliothek von St. Gallen und die Napoleonischen Schlösser auf dem Schweizer Ufer, zum Beispiel.
Die Mauern strahlen die Wärme des Tages zurück, überall Mittelalter, Fresken,Bogen, Türmchen, Staffelgiebel und die Erinnerung an die Zeit, als die Österreicher noch in Süddeutschland waren. Hier das Brunnenstandbild Kaiser Karls V. (1500-1558), in dessen Reich die Sonne nie unterging. Auf Touristen wird man hier immer treffen, aber, wie gesagt, sie sind meist am See und in der Hauptstraße zu finden.
Kaiser Karl V.




Irgendwann hieß es dann Abschied nehmen, und nach einer Irrfahrt über die Schnellstraße gelangten wir wieder nach Nusplingen, wo wir bei subtropischen Temperaturen, bunten Lichtern und einem wunderbaren Orteff die Nacht beschließen konnten.

Montag, 18. April 2011

Bodensee und Hegau


Der Untersee bei Wangen-mediterranes Feeling
Es ist typisch für das Verhalten der Menschen, dass sie nach dem "Ruido de la Gente" gehen-also immer dorthin eilen, wo am meisten Lärm ist. Der Bodensee ächzt an schönen Wochenenden uind in den Ferien unter den Massen von Menschen, Autos, Fahrrädern und Booten. Beim Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen dagegen trifft man immer nur ein paar versprengte Literaturliebhaber. Dabei ist die Höri das wahre Paradies, und Gott soll bekanntlich einmal gsagt haben: Nachdem ich dies hier geschaffen habe, höri uff.
           
Blick aus der Mägdeburg zum Hohentwiel

Dienstag, 27. Juli 2010

Sachbuch oder Krimi?



Das frage ich mich in diesen Tagen, und vielleicht wird es sich der eine oder andere Leser auch schon gefragt haben: Was schreibt die Autorin als Nächstes? So viel sei verraten: Sie beschäftigt sich immer noch mit dem Bodensee, von Meersburg geht es jetzt zur Insel Reichenau. Das ist jedoch Schauplatz von beidem ... Der Schmetterling, ein Schwalbenschwanz, den ich nach einer atemlosen Jagd auf einer Wacholderheide der Alb aufnahm, soll über die Wartezeit hinweghelfen.

Mittwoch, 14. Juli 2010

Das verschollene Thriller-Exposé

Möchten Sie wissen, liebe Leser und Leserinnen, warum ich hier so viel blogge und herumplappere? Weil ich noch nicht zu dem Punkt vorgedrungen bin, an dem ich wirklich weitermachen, weiterschreiben kann. Ich stelle mir das ein wenig so vor wie die Angsttriebe, die von Bäumen gebildet werden, denen es auf irgend eine Art an den Kragen geht. Und wenn ich nicht schreibe, ist mir eine wesentliche Grundlage entzogen. Und: Was wird aus meinem letzten Historischen Florenz-Roman? Heute habe ich geschaut, wie lange es im Jahr 2008 gedauert hat, bis der letzte vermittelt war. Etwa zweieinhalb Monate, und zwar nur für das Exposé. Bis Mitte August müsste ich Bescheid bekommen haben. Ich glaube auch, dass ich einen Schritt weitergekommen bin. Warum zieht mich der Bodensee so magisch an, habe ich mich gefragt. Antwort: Weil ich schon seit Jahren fasziniert von dieser Gegend bin (ich habe mal eine Kur in Allensbach gemacht) und weil fast alle meine Romane zu ihm hin oder an ihm vorbeiführen. Auch bei den Recherchen für mein "Großes Regionalprojekt" bin ich nicht daran vorbeigekommen. Und der variationsreiche "Thriller" hat natürlich ebenfalls damit zu tun, ohne ein Regionalkrimi oder -Thriller im üblichen Sinn zu sein.
Jetzt habe ich mir einfach mal einen Tritt gegeben, nachdem ein schönes Gewitter niedergegangen ist, und habe mich meinen Dateien genähert. Auf die fast vergessenen "Offenen Schubladen" geklickt. Und was sehe ich da? Ein fast fertiges Exposé für ebendiesen Roman! Ohne Gedärm, das auch Bäuchen quillt und ohne Blut, das aus Halsschlagadern sprudelt. Ein paar Fliegen könnten allerdings schon eine Rolle spielen, in einem fernen Land, in dem ich schon einmal war ...Wenn dieses Exposé funktioniert, hätte ich weite Strecken davon schon fertig, müsste also nicht jahrelang recherchieren, sondern könnte mich zwischendurch immer wieder einer Einheit des anderen Werkes widmen-und anfangen an dem Ort, der alles bündelt: Dem Bodensee.