Da hilft alles Jammern und Klagen nichts: Die Sommer sind nicht mehr, was sie mal waren, die Winter sind feucht, ekelhaft nass, kalt und drückend grau, Frühling und Herbst gibt es in dieser Form nicht mehr. Das sagte uns schon vor fast zwanzig Jahren eine Signora oberhalb des Gardasees, bei der wir eine traumhafte Wohnung mit Oleanderterrasse und Blick auf das blauglitzernde Wasser gemietet hatten. Die kleinen Paradiese sind längst verschwunden wie zum Beispiel Kochel am See. Der war noch schöner als der Gardasee, man konnte auf einem Felsenweg und durch Moore wandern, barocke Prachtkirchen und fromme Klöster besuchen, in den Klöstergärten Schweinebraten essen und abends vor der Kneipe sitzen und Bauern auf ihren Treckern vorbeituckern sehen-mit wehendem Gamsbart auf dem Filzhut. Wenn es einmal regnete oder ein Gewitter gab, saß man auf dem Balkon und schmökerte die halbe Nacht. Das ist jetzt auch vorbei, denn kürzlich las ich in der Zeitung: Deutschland ist inzwischen nach Spanien das beliebteste Urlaubsland, in Kochel am See stehen sie Stoßstange an Stoßstange.
Wie gesagt, es hilft nichts, wir haben den Klimawandel mit aller Schuld und allen Folgen für alle. Die Braunkohleausstiegsverhandlungen, ob 2030 oder jetzt, sind nur ein Pflästerchen für das, was ich schon in den 80er, 90er Jahren las: Es ist für alles fast schon zu spät. Auch damals gab es schon Klimaschutzkonferenzen, wenn ich mich recht entsinne. Und zum Glück waren die letzten Paradiese da noch nicht entdeckt.
Da sitze ich nun und schaue hinaus in den grauen, trüben, kalten Tag. Mache einen Test, aber ich habe keine Winterdepression. Mir geht es immer so in dieser Jahreszeit. So dunkel es draußen ist, so dunkel wird es drinnen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Und es ist Jammern auf sehr hohem Niveau, denn andere Leute haben kaum das Geld für die dringendst benötigten Dinge. Ich langweile mich nur in diesem Wintertal, denn meinen neuen Roman habe ich vor zwei Tagen an die Lektorin geschickt - und jetzt habe ich einfach nichts mehr zu tun. Es ist so langweilig, als Rentnerin im Winter nichts zu tun zu haben.
Während ich dies schreibe, hat sich draußen vorsichtig der Himmel aufgezogen. Ein paar hellblaue Flecken und ein Schimmer von Sonnenlicht brechen durch. Zeit, doch mal wieder rauszugehen.
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Samstag, 26. Januar 2019
Donnerstag, 27. Juli 2017
Kann Kreativität versiegen?
Kreativität gibt es schon so lange, wie Menschen auf der Erde leben. Unsere Ahnen wohnten in Höhlen, wie zum Beispiel in der Vogelherdhöhle im Lonetal auf der schwäbischen Alb, im Hohlen Fels bei Schelklingen oder in Lascaux in Frankreich (Höhlenmalereien). Als älteste figürliche Kunstwerke sind das Mammutelfenbein aus der Vogelherdhöhle, die Venus und der Löwenmensch vom Hohlen Fels erhalten. Sie wurden jetzt dem UNESCO-Weltkulturerbe hinzugefügt. Die harten Überlebensbedingungen machten die Menschen offensichtlich erfinderisch und kreativ. Keiner hat ihnen den Befehl erteilt, so etwas anzufertigen, es kam ganz von innen heraus. Und so ist es bis heute. Es wurden zwar, zum Beispiel in der Malerei, immer wieder Auftragsarbeiten erteilt, die das Überleben u.a. der Maler sicherten, die aber durchaus auch zu Kunstwerken wurden. Was bedeutet das für heutige Menschen, die kreativ sein wollen, aber durch äußere Umstände daran gehindert werden? Was bedeutet es für mich, deren reativen Lebenslauf ich wohl am besten kenne?
Als Kind und als junge Erwachsene waren meine Hauptleidenschaften das Malen, die Natur, die Bücher und das Unterwegssein. Während meine Schwester immer maulte "Wo ist denn der Bahnhof?", hat es mir immer Spaß gemacht, mit meinem Vater durch die Wälder zu streifen, und es hat mich immer interessiert, was da wächst, blüht, kreucht und fleucht. Später kamen das Schreiben dazu, das Reisen in ferne Länder, die Psychologie, das Fotografieren und das Kochen. Das erste, was ich nach Jahren des Studiums und der Familiengründung schrieb, waren Zeitungsartikel, Friedens- und Ökopolitik, mein erstes belletristisches Werk war ein Märchen, das während einer therapeutischen Phase entstand. Noch um einiges später entwickelte ich Kurzgeschichten, aus dem Leben gegriffen und am Wegesrand sammelt. Die wurden in einer Schreibwerkstatt eingestellt und dort diskutiert. Darauf folgte ein biografischer Roman, später insgesamt zehn Romane, ein Sachbuch (Kalender) und drei Beiträge in einer Anthologie. Fünfzehn Jahre lang war ich schreiberisch kreativ unterwegs. Obwohl mir damals schon die Frage gestellt wurde, ob ich nicht lieber malen wollte. Was ist nun von diesen Jahren geblieben, ich meine was ist geblieben, das man sehen und anfassen kann? Die ursprünglichen Leidenschaften wie das Kochen sind nämlich zwischendrin auf der Strecke geblieben. Zehn Bücher, die eine halbe kleine Regalreihe füllen. In meiner Küche hängt ein Stilleben mit Aubergine, das ich in einer Malphase erstellte, in einem anderen Raum eine Küstenlandschaft.
Etwa sechzehn, siebzehn Jahre nach dem ersten Roman, begann die Kreativität zu versanden. Ich hatte keine Lust mehr, mich nach den Gegebenheiten eines Marktes und starren Genreregeln zu richten. Drei Bücher (ein Krimi, ein historischer Krimi und ein zeitgenössisch-historischer Roman) blieben auf der Strecke. Doch mir fehlte das Schreiben so sehr, dass ich die Rechte eines historischen Romans zurückerbat und den seitdem neu schreibe, mit aller Langsamkeit, die in den Jahren der Verlagstätigkeit so nicht möglich war. Allerdings konnte ich mich weiterhin in meinem Blog und im Austausch mit SchreibkollegInnen ausprobieren. In diesen Tagen jetzt machte ich eine Entdeckung. Ich habe Hunderte von virtuell gespeicherten Fotos aussortiert und neu geordnet, ebenfalls ein paar hundert Papierfotos, die in einem Karton abseits gestellt waren. Ich habe festgestellt, dass alles, die Reisen, das Kochen, die Natur, das Wandern, die Psychologie, Bücher, Fotos, Kurzgeschichten und alle Menschen, dneen ich bisher begegnet war, alle, zu denen ich in eine tiefere Beziehung getreten bin, und das gilt auch für historische Persönlicheiten und fiktive Figuren, alles, was ich mir zeitlebens an Wissen über die Welt angegeignet hatte, eine Einheit mit meinem gesamten Leben bilden.
Als Kind und als junge Erwachsene waren meine Hauptleidenschaften das Malen, die Natur, die Bücher und das Unterwegssein. Während meine Schwester immer maulte "Wo ist denn der Bahnhof?", hat es mir immer Spaß gemacht, mit meinem Vater durch die Wälder zu streifen, und es hat mich immer interessiert, was da wächst, blüht, kreucht und fleucht. Später kamen das Schreiben dazu, das Reisen in ferne Länder, die Psychologie, das Fotografieren und das Kochen. Das erste, was ich nach Jahren des Studiums und der Familiengründung schrieb, waren Zeitungsartikel, Friedens- und Ökopolitik, mein erstes belletristisches Werk war ein Märchen, das während einer therapeutischen Phase entstand. Noch um einiges später entwickelte ich Kurzgeschichten, aus dem Leben gegriffen und am Wegesrand sammelt. Die wurden in einer Schreibwerkstatt eingestellt und dort diskutiert. Darauf folgte ein biografischer Roman, später insgesamt zehn Romane, ein Sachbuch (Kalender) und drei Beiträge in einer Anthologie. Fünfzehn Jahre lang war ich schreiberisch kreativ unterwegs. Obwohl mir damals schon die Frage gestellt wurde, ob ich nicht lieber malen wollte. Was ist nun von diesen Jahren geblieben, ich meine was ist geblieben, das man sehen und anfassen kann? Die ursprünglichen Leidenschaften wie das Kochen sind nämlich zwischendrin auf der Strecke geblieben. Zehn Bücher, die eine halbe kleine Regalreihe füllen. In meiner Küche hängt ein Stilleben mit Aubergine, das ich in einer Malphase erstellte, in einem anderen Raum eine Küstenlandschaft.
| Stilleben |
| Küstenlandschaft (wird noch ersetzt ohne Spiegelung) |
Etwa sechzehn, siebzehn Jahre nach dem ersten Roman, begann die Kreativität zu versanden. Ich hatte keine Lust mehr, mich nach den Gegebenheiten eines Marktes und starren Genreregeln zu richten. Drei Bücher (ein Krimi, ein historischer Krimi und ein zeitgenössisch-historischer Roman) blieben auf der Strecke. Doch mir fehlte das Schreiben so sehr, dass ich die Rechte eines historischen Romans zurückerbat und den seitdem neu schreibe, mit aller Langsamkeit, die in den Jahren der Verlagstätigkeit so nicht möglich war. Allerdings konnte ich mich weiterhin in meinem Blog und im Austausch mit SchreibkollegInnen ausprobieren. In diesen Tagen jetzt machte ich eine Entdeckung. Ich habe Hunderte von virtuell gespeicherten Fotos aussortiert und neu geordnet, ebenfalls ein paar hundert Papierfotos, die in einem Karton abseits gestellt waren. Ich habe festgestellt, dass alles, die Reisen, das Kochen, die Natur, das Wandern, die Psychologie, Bücher, Fotos, Kurzgeschichten und alle Menschen, dneen ich bisher begegnet war, alle, zu denen ich in eine tiefere Beziehung getreten bin, und das gilt auch für historische Persönlicheiten und fiktive Figuren, alles, was ich mir zeitlebens an Wissen über die Welt angegeignet hatte, eine Einheit mit meinem gesamten Leben bilden.
Donnerstag, 27. April 2017
Das Kind in dir muss Heimat finden
| Tübingen, Neckaransicht |
Allein die Beschäftigung mit dem Thema "inneres Kind" ließ ein "Heimatgefühl" bei mir entstehen. Mir wurde klar, dass es nicht von außen kommen kann, denn die Defizite aus der Kindheit, das Gefühl, nicht gut oder liebenswert genug zu sein, kann auch durch äußere Erfolge nicht ausgebügelt werden und wenn, dann nur kurzfristig. In Kollegenkeisen wurde früher von "Selbst-Beelterung gesprochen, also die Fähigkeit, so für sich zu sorgen, dass eine innere Zufriedenheit entsteht. Für das Wohlsein müsse der Mensch selber sorgen, sagte schon Schopenhauer. So nutzten wir das sommerliche Wetter in Tübingen, um eine Art Urlaubstag zu verbringen. Das gelang weit besser als am Bodensee tags zuvor. Dort waren die Massen auf den Promenaden versammelt, es war nicht möglich, auch nr einen Augenblick zu sich selber zu kommen. Den Wintereinbruch seitdem nutze ich zur Überarbeitung meines Kleinverlagromans, den ich jetzt einfach umbenannt habe (A.T. Maikäfer flieg). Und als hätte das eine Signalwirkung gehabt, kam gestern - endlich nach mehr als vier Wochen - ein netter Brief von der früheren Verlegerin, sie gebe mir die Rechte an dem Titel zurück und wünsche mir alles Gute damit. Seitdem arbeite ich mit großem Vergnügen daran.
| Am Strand von Bodman |
Freitag, 16. September 2016
Wie ein Schreiber zu Potte kommt
Immer, wenn ich in den beiden letzten Wochen an meinen Blog dachte und daran, dass es mal wieder Zeit würde, einen Beitrag zu schreiben, verwarf ich diesen Gedanken wieder. Der letzte Beitrag war ein Herbstgedicht von Theodor Fontane, was merkwürdigerweise geradezu zu einem Hype von Besuchern führte. Als würden viele Menschen nach Sinn-Gedichten oder Dingen suchen, die sie mental aufbauen. Das kann natürlich nicht zur Folge haben, dass mein Blog künftig nur noch aus Zitaten bestehen würde und ich nichts mehr aus meiner Feder fließen lasse. Ja, für wen schreibe ich jetzt seit zehn Jahren diesen Blog? Für alle, die meinen Blick auf das Leben (und auf das Schreiben) teilen. Gestern habe ich kurz in einen Fernsehbericht reingeschaut, in dem es um Hass im Netz ging. Radikalisierung entstehe, wenn sich eine Gruppe bildet, die eine Meinung teilt und alles andere ausschließt. Solidarität entsteht umgekehrt genauso, nur lässt sie abweichende Meinungen zu oder kann sie absorbieren. Des Weiteren habe ich überlegt, ob ich für meine Altersgruppe, die Rentner, einen Beitrag schreiben sollte. Wie es sich anfühlt, nach etwas mehr als einem Jahr richtig angekommen zu sein, sich von den Vorstellungen, die das Berufsleben bestimmten, verabschiedet zu haben. Und eine ganz neue, entspanntere Identität gefunden zu haben.
Wenn du in Rente gehst, wirst du sicher froh sein, mehr Zeit zum Schreiben zu haben, sagte damals eine Klientin zu mir. Wir wünschen dir noch viele Bestseller, schrieben die Kollegen auf das Abschiedskärtchen. Was schreibst du denn gerade, und wie geht es sonst mit deinen Büchern?, wollte die Vorstandsrunde beim Abschiedsessen wissen. Da komme ich immer in Erklärungsnot. Das Buchgeschäft ist auch nicht mehr das, was es einmal war, versuche ich dann auszuweichen. Ich schreibe jetzt E-Books. Das war die große Unbekannte und in den Kreisen durchaus kein erstrebenswertes Mittel, um Bücher zu lesen. Sie alle gehören allerdings zu meiner "Zielgruppe", denn sowohl Klienten als auch Kollegen haben meine Bücher immer sehr gern gelesen.
Was ich mit meinem "Rentnerbeitrag" hätte erreichen wollen? Vielleicht anderen in einer ähnichen Situation Mut zu machen, andere, kreativere Wege zu gehen als bisher. Ich hatte nur noch nicht die Worte dafür gefunden. Heute Morgen besuchte ich den Blog einer lieben Autorenkollegin, die genau das schrieb, was mir die ganze Zeit im Kopf herumgegangen ist. Tausend und ein Gedanke. Das gilt nicht nur für das Schreiben, sondern für das eigene Leben, das man unabhängig von der Meinung anderer so gestaltet, wie es für einen passt und was einen "glücklich" macht. "Erfolg", so denke ich gerade, ist eine Art dicke Kuh, die einen aufs Eis zum Tanzen verführen will. (Da höre ich im Hintergrund Protest der vielen Leser, die meine Bücher gelesen haben-hallo, hier, hier ist deine Zielgruppe!, monieren sie). Dem Ruf dieser tanzenden Kuh bin ich nicht mehr gefolgt, habe mich nirgends mehr beworben, sondern schreibe an meinem neuen Roman, dessen verknotete Strukturen ich vor ein paar Tagen aufgelöst und neu zusammengesetzt habe. Ich kann wieder schreiben, ohne zu wissen, ob sich dafür eine Agentur, ein Verlag oder eine Zielgruppe im Self Publishing finden wird. Und das ist einfach beglückend.
Wenn du in Rente gehst, wirst du sicher froh sein, mehr Zeit zum Schreiben zu haben, sagte damals eine Klientin zu mir. Wir wünschen dir noch viele Bestseller, schrieben die Kollegen auf das Abschiedskärtchen. Was schreibst du denn gerade, und wie geht es sonst mit deinen Büchern?, wollte die Vorstandsrunde beim Abschiedsessen wissen. Da komme ich immer in Erklärungsnot. Das Buchgeschäft ist auch nicht mehr das, was es einmal war, versuche ich dann auszuweichen. Ich schreibe jetzt E-Books. Das war die große Unbekannte und in den Kreisen durchaus kein erstrebenswertes Mittel, um Bücher zu lesen. Sie alle gehören allerdings zu meiner "Zielgruppe", denn sowohl Klienten als auch Kollegen haben meine Bücher immer sehr gern gelesen.
Was ich mit meinem "Rentnerbeitrag" hätte erreichen wollen? Vielleicht anderen in einer ähnichen Situation Mut zu machen, andere, kreativere Wege zu gehen als bisher. Ich hatte nur noch nicht die Worte dafür gefunden. Heute Morgen besuchte ich den Blog einer lieben Autorenkollegin, die genau das schrieb, was mir die ganze Zeit im Kopf herumgegangen ist. Tausend und ein Gedanke. Das gilt nicht nur für das Schreiben, sondern für das eigene Leben, das man unabhängig von der Meinung anderer so gestaltet, wie es für einen passt und was einen "glücklich" macht. "Erfolg", so denke ich gerade, ist eine Art dicke Kuh, die einen aufs Eis zum Tanzen verführen will. (Da höre ich im Hintergrund Protest der vielen Leser, die meine Bücher gelesen haben-hallo, hier, hier ist deine Zielgruppe!, monieren sie). Dem Ruf dieser tanzenden Kuh bin ich nicht mehr gefolgt, habe mich nirgends mehr beworben, sondern schreibe an meinem neuen Roman, dessen verknotete Strukturen ich vor ein paar Tagen aufgelöst und neu zusammengesetzt habe. Ich kann wieder schreiben, ohne zu wissen, ob sich dafür eine Agentur, ein Verlag oder eine Zielgruppe im Self Publishing finden wird. Und das ist einfach beglückend.
Montag, 11. Juli 2016
Vom profanen Glück des Speisens
Wenn man jemanden fragt, an welche Bücher oder sonstige Dinge er sich am besten erinnert, könnte man auch wissen wollen, an welche persönlichen oder öffentlichen Ereignisse, welche Menschen, denen er begegnet ist, welche Landschaften, Speisen oder Restaurants seines Lebens in seinem Gedächtnis am meisten verankert sind. Und noch vieles mehr. Meine Kinder-Lieblingsspeisen waren übrigens Spagetti, Kotelett und Grießbrei. Zwei dieser Speisen esse ich heute noch gern. Das früheste Hotel-Restaurant, das mir in den Sinn kommt, war eins auf Alsen/ Dänemark. Ich war zehn Jahre alt und mit der Familie im Urlaub. Da konnte man durch ein Wäldchen zu einem Kap gelangen und mit einem Sprung vom Steg in die klare Ostsee tauchen. In dem Hotel waren alle Speisen, die es gab, mit Sahne verfeinert Also es gab zuerst zum Beispiel eine Gemüse-Sahnesuppe, dann Schweinebraten mit Sahnesoße und schließlich Sahnepudding mit Sahne. Gottseidank war ich ein dünnes Kind, an dem das spurlos vorüberging. Mit Schaudern sah ich dann die Sahnereste im Schweinstall, wo sie von den grunzenden Widerborstern schmatzend vertilgt wurden. Das ist ein fetter Kreislauf, musste ich denken, denn schon damals haben mich Zusammenhänge interessiert.
Ob das ein Grundstein für meine spätere Ess-, Koch- und Restaurantbegeisterung gewesen ist? Geblieben sind die Bilder von den Weihnachtsessen im Wasserslebener Haus, die Aal-, Nordseekrabben- und Sildplatten, die bei uns Geschwistern heiß umstritten waren. Von der Weihnachtspute gibt es sogar eine Kurzgeschichte. Während des Studiums verfeinerte ich meine Künste, war regelmäßige Leserin der Kolumne des Zeit-Schmeckers Wolfram Siebeck, der ja zu meinem großen Bedauern gerade verstorben ist. Von ihm lernte ich, dass "der deutsche Salat eine nasskalte Beleidung heißen Fleisches" sei, und wie man aus Rehkeule zartes Ragout zaubert. Von ihm hatte ich auch das Rezept des 5-Stunden-Lamms, von dem einer der geladenen Freunde sagte, nachdem ihm das Fleisch von der Gabel gefallen war: "So gut habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gegessen!" Kaum ein Gericht dieser Welt war vor meinen Experimentierversuchen sicher, am liebsten aber waren mir immer die französischen Speisen. Und so wurden die Coq au Vins, die Bouef Bourgignons, Zwiebelsuppen, Muscheln in Weißwein, Pot au Feus, selbstgemachte Fleischfondues und Bäckeoffe lange Zeit zelebriert. Zur Fleichfondue gab es die Sauce mit Olivenöl, Knoblauch, Zitronensaft und Pepperoni, die ich den Gauchos in Argentininen abgeguckt hatte. Nach der (allerdings ungarischen) Gulaschsuppe für hundert Personen wurde ich am nächsten Tag von einer Journalistin angerufen und nach dem Rezept gefragt. Es war einmal und es war eine herrliche Zeit. Einzig die Bouillabaisse habe ich nie in Angriff genommen. Geblieben ist, dass ich mich heute noch echauffiere, wenn jemand sagt, zum Bäckeoffe hätte ich doch auch grüne Bohnen servieren können. In den besseren Restaurants konnte man damals immer gut essen, und in jeder Wirtschaft auf dem Land kriegte man zumindest eins von diesen Schnitzeln, dessen Panade sich in einer dunkelbraunen Soße wellte. Das und der obligatorische Schweinbraten sind heute nur noch in bayerischen Biergärten zu finden.
Dann kam 2002 der Euro, und bald darauf musste ein Drittel aller Restaurants schließen, weil der Euro immer mehr 1:1 mit der DM ging und die Leute sich das Essengehen nicht mehr leisten konnten. Die Expansion des Fastfood tat ein Übriges, und wenn wir heute auf der Suche nach etwas Essbarem über die schwäbische Alb fahren, haben alle Lokale, in denen wir jemals waren, geschlossen. Die wenigen, die blieben, sind hoffnungslos überfüllt. Danach sind wir dann wieder auf belegte Brote, Eier und Tomaten ausgewichen. Bei mir persönlich nahm die Kochbegeisterung mit der Begeisterung zum Schreiben ab. In den letzten sechzehn Jahren fehlte es immer mehr an Zeit und Muße zum Kochen. Zu meinem Erstaunen tauchte vieles wieder in den Büchern auf, zuletzt die Küche Ludwig des Dreizehnten in meinem letzten Verlagsroman. Wenn ich es so richtig bedenke, hat mich die Frage danach, was man hier eigentlich früher zum Frühstück aß und das Buch von Peter Lahnstein "Wie man einst in Schwaben lebte" dazu gebracht, historische Romane zu schreiben. Es ist aber nun nicht so, dass ich heute noch Kochbücher lesen oder mir pausenlos Rezepte runterladen würde. Vor Ewigkeiten, nachdem mir eine angeblich verzweifelte junge Frau ein Hör-Zu-Abo aufgeschwatzt hatte, kaufte ich mir einen Computer, weil in der Hör-Zu stand, man könne mit dem PC Emails in alle Welt schreiben und 235 Rezepte für Sauerbraten finden. Von der Möglichkeit, ganze Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen, hatte ich zu der Zeit keine Ahnung.
Die kulinarische Welt ist sehr geschrumpft und heute vor allem in den Küchenschlachten des Mittagsfernsehens zu bewundern. Es ist gut, wenn man ein paar Stammlokale in der näheren und weiteren Umgebung hat, meist Familienbetriebe, die über Jahrzehnte gleich gute Qualität und inzwischen auch Mittagstische zwischen 6 und 10 Euro haben. Die sind aber mehr in den Städten zu finden. Die Landküche ist zu unserem großen Bedauern oft hoffnungslos verödet, die Wirtschaften tot mit verstaubten oder gebrochenen Fensterscheiben. Wie war das noch mit dem "Lecker aufs Land"? Da fuhr immer so ein lustiger Bus irgendwohin, vielleicht zu irgendwelchen Land-Wirtschaften, aber ich habe immer gleich ausgemacht. Jetzt sehe ich, worum es geht: Das sind Bäuerinnen, die sich gegenseitig einladen und bekochen, wahrscheinlich auch mit Stimmabgabe, wer am besten ....Lecker aufs Land. Die Masse der Fernsehköche kenne ich gar nicht, wie ich gestehen muss. Aber Johann Lafer, Vincent Klink, Tim Mälzer und die schon verstorbenen Werner O`Faist und Katrin Ruegg sind mir ein Begriff. Für meinen Teil bin ich froh, dass ich die Glanzzeiten der Kochkultur noch erleben durfte und freue mich, wenn ich in Altensteig, in Nagold, in Sulz am Neckar, in Imnau, in Frankreichs Provinz oder einem kleinen Ort der Toskana noch einen Zipfel davon abbekomme.
Ob das ein Grundstein für meine spätere Ess-, Koch- und Restaurantbegeisterung gewesen ist? Geblieben sind die Bilder von den Weihnachtsessen im Wasserslebener Haus, die Aal-, Nordseekrabben- und Sildplatten, die bei uns Geschwistern heiß umstritten waren. Von der Weihnachtspute gibt es sogar eine Kurzgeschichte. Während des Studiums verfeinerte ich meine Künste, war regelmäßige Leserin der Kolumne des Zeit-Schmeckers Wolfram Siebeck, der ja zu meinem großen Bedauern gerade verstorben ist. Von ihm lernte ich, dass "der deutsche Salat eine nasskalte Beleidung heißen Fleisches" sei, und wie man aus Rehkeule zartes Ragout zaubert. Von ihm hatte ich auch das Rezept des 5-Stunden-Lamms, von dem einer der geladenen Freunde sagte, nachdem ihm das Fleisch von der Gabel gefallen war: "So gut habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gegessen!" Kaum ein Gericht dieser Welt war vor meinen Experimentierversuchen sicher, am liebsten aber waren mir immer die französischen Speisen. Und so wurden die Coq au Vins, die Bouef Bourgignons, Zwiebelsuppen, Muscheln in Weißwein, Pot au Feus, selbstgemachte Fleischfondues und Bäckeoffe lange Zeit zelebriert. Zur Fleichfondue gab es die Sauce mit Olivenöl, Knoblauch, Zitronensaft und Pepperoni, die ich den Gauchos in Argentininen abgeguckt hatte. Nach der (allerdings ungarischen) Gulaschsuppe für hundert Personen wurde ich am nächsten Tag von einer Journalistin angerufen und nach dem Rezept gefragt. Es war einmal und es war eine herrliche Zeit. Einzig die Bouillabaisse habe ich nie in Angriff genommen. Geblieben ist, dass ich mich heute noch echauffiere, wenn jemand sagt, zum Bäckeoffe hätte ich doch auch grüne Bohnen servieren können. In den besseren Restaurants konnte man damals immer gut essen, und in jeder Wirtschaft auf dem Land kriegte man zumindest eins von diesen Schnitzeln, dessen Panade sich in einer dunkelbraunen Soße wellte. Das und der obligatorische Schweinbraten sind heute nur noch in bayerischen Biergärten zu finden.
Dann kam 2002 der Euro, und bald darauf musste ein Drittel aller Restaurants schließen, weil der Euro immer mehr 1:1 mit der DM ging und die Leute sich das Essengehen nicht mehr leisten konnten. Die Expansion des Fastfood tat ein Übriges, und wenn wir heute auf der Suche nach etwas Essbarem über die schwäbische Alb fahren, haben alle Lokale, in denen wir jemals waren, geschlossen. Die wenigen, die blieben, sind hoffnungslos überfüllt. Danach sind wir dann wieder auf belegte Brote, Eier und Tomaten ausgewichen. Bei mir persönlich nahm die Kochbegeisterung mit der Begeisterung zum Schreiben ab. In den letzten sechzehn Jahren fehlte es immer mehr an Zeit und Muße zum Kochen. Zu meinem Erstaunen tauchte vieles wieder in den Büchern auf, zuletzt die Küche Ludwig des Dreizehnten in meinem letzten Verlagsroman. Wenn ich es so richtig bedenke, hat mich die Frage danach, was man hier eigentlich früher zum Frühstück aß und das Buch von Peter Lahnstein "Wie man einst in Schwaben lebte" dazu gebracht, historische Romane zu schreiben. Es ist aber nun nicht so, dass ich heute noch Kochbücher lesen oder mir pausenlos Rezepte runterladen würde. Vor Ewigkeiten, nachdem mir eine angeblich verzweifelte junge Frau ein Hör-Zu-Abo aufgeschwatzt hatte, kaufte ich mir einen Computer, weil in der Hör-Zu stand, man könne mit dem PC Emails in alle Welt schreiben und 235 Rezepte für Sauerbraten finden. Von der Möglichkeit, ganze Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen, hatte ich zu der Zeit keine Ahnung.
Die kulinarische Welt ist sehr geschrumpft und heute vor allem in den Küchenschlachten des Mittagsfernsehens zu bewundern. Es ist gut, wenn man ein paar Stammlokale in der näheren und weiteren Umgebung hat, meist Familienbetriebe, die über Jahrzehnte gleich gute Qualität und inzwischen auch Mittagstische zwischen 6 und 10 Euro haben. Die sind aber mehr in den Städten zu finden. Die Landküche ist zu unserem großen Bedauern oft hoffnungslos verödet, die Wirtschaften tot mit verstaubten oder gebrochenen Fensterscheiben. Wie war das noch mit dem "Lecker aufs Land"? Da fuhr immer so ein lustiger Bus irgendwohin, vielleicht zu irgendwelchen Land-Wirtschaften, aber ich habe immer gleich ausgemacht. Jetzt sehe ich, worum es geht: Das sind Bäuerinnen, die sich gegenseitig einladen und bekochen, wahrscheinlich auch mit Stimmabgabe, wer am besten ....Lecker aufs Land. Die Masse der Fernsehköche kenne ich gar nicht, wie ich gestehen muss. Aber Johann Lafer, Vincent Klink, Tim Mälzer und die schon verstorbenen Werner O`Faist und Katrin Ruegg sind mir ein Begriff. Für meinen Teil bin ich froh, dass ich die Glanzzeiten der Kochkultur noch erleben durfte und freue mich, wenn ich in Altensteig, in Nagold, in Sulz am Neckar, in Imnau, in Frankreichs Provinz oder einem kleinen Ort der Toskana noch einen Zipfel davon abbekomme.
Dienstag, 24. Mai 2016
Kreative Pause
Was ist eigentlich eine kreative Pause? Normalerweise habe ich darunter immer eine Phase verstanden, während der sich der Schaffende erholt und wieder neue Kräfte schöpft. Ich habe wenig dazu im Netz gefunden. Nur bei Wikipedia gibt es eine Definition, die ich einmal zusammenfassen könnte, obwohl sie als nicht ausreichend belegt bezeichnet wird. Eine kreative Pause sei aus gestaltpsychologischer
Sicht eine Pause unterschiedlicher Länge im kreativen Schaffensprozess
von Künstlern, Wissenschaftlern und Geisteswissenschaftlern. Dabei sei
die Pause selbst nicht mit kreativen Tätigkeiten angefüllt. Sie
solle eher der Erholung des Geistes und der Wiederherstellung der
Schaffenskraft dienen. Die Notwendigkeit dieser Pausen in kreativen Schaffensprozessen sei jedoch nicht belegt. Wenn sich der Kreative mit
themenfremden Gegenständen beschäftige, einfache Tätigkeiten zur
Ablenkung wähle oder Spaziergänge mache, ende irgendwann die kreative Pause mit dem kreativen Ausbruch, die Produktivität
nehme zu, neue Ideen entstünden, die Nachtruhe werde verkürzt oder durch
Einfälle unterbrochen, die sofort skizziert werden müssten. Eine kreative Pause könne von unterschiedlicher Dauer sein. Manche
Personen benötigten lediglich Stunden, um an den Schreibtisch
zurückzukehren, bei anderen dauere es Tage und Wochen, gar Monate, bis
der Geist wieder in der Lage sei, neue Ideen zu produzieren. Allerdings könne die Rückkehr in den Schaffensprozess extrem schwierig werden.
Ich selbst weiß nichts von alledem. Kann es sein, dass ich während der letzten sechzehn Jahre überhaupt keine Pause, schon gar nicht eine kreative, gemacht habe? Und ist das denn wirklich notwendig? Der Schriftsteller Henri Miller zum Beispiel lebte von 1944 bis 1962 in Big Sur in Kalifornien, als Aussteiger unter Gleichgesinnten. Meines Wissens schrieb er zehn Jahre lang nichts und veröffentlichte 1957 einen Aufsatz über diese Zeit (Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch).Die anderen Einträge, die ich zum Thema "kreative Pausen" gefunden habe, stammten meist von Bloggern, von Studenten oder Professoren. Für Autoren scheint das Thema also, zumindest im Netz, keines zu sein. Irgendwo las ich auch, eine solche Pause brauche natürlich nicht darin zu bestehen, stunden-, tage - und wochenlang die Wände anzustarren oder mit dem Kopf dagegenzuschlagen. Man könne sich ruhig eine Auszeit draußen oder drinnen oder ganz anderswo gönnen. Natürlich! Alle Prozesse bei mir waren immer von ständigen Pausen unterbrochen, Arbeitspausen, Wanderpausen, Essenspausen, Urlaubspausen, Stadtbummelpausen. Deshalb brauche ich auch keine reine, abgegrenzte kreative Pause. Denn was sollte das anderes sein als eine ewige Wiederholung der immerselben Pausen?
Nein, ich brauche einfach mal eine andere Sicht der Dinge. Sollte mal wieder etwas anderes machen als diese ewigen Romane zu schreiben, die ja heutzutage immer schwerer an die Verlage, Agenten und LeserInnen zu bringen sind. Gleichzeitig haben sich die Bedingungen im Self Publishing verschlechtert. Manche Autoren, die ich kenne, sind dabei, eigene Verlage aufzubauen oder haben das schon getan. Zu dem Ganzen ist mir etwas eingefallen: Ich habe in meinen Dateien aufgeräumt und die Hälfte meiner Kurzgeschichten aus den Jahren 2000-2006 als unbrauchbar rausgeschmissen. Drei davon wurden in einer Anthologie veröffentlicht, sind noch 23 von 50 übrig. Dazu habe ich einen neuen Blog eingerichtet, in dem ab und zu eine dieser Geschichten erscheinen könnte. Heute habe ich angefangen mit der Geschichte "Wenn der Schäfer mit dem Dackel", die vielleicht dem einen oder anderen aus der Vergangenheit noch bekannt sein könnte. Dabei geht es um das Leben mit einem treuen Hund, der eine Mischung aus Schäferhund und Dackel war. Ähnlich werde ich mit der Halde von zwei oder drei unveröffentlichten Romanen, Exposés und Ideen verfahren, das heißt, das Unbrauchbare löschen und das Recycelbare behalten. Diese "ordnende" Tätigkeit bewahrt mich davor, das "Kreative" allzu schmerzlich zu vermissen und hat damit eine nicht-kreative Funktion.Und was meine Blogs angeht: Die sind von der Pause natürlich ausgenommen - es ist eine Pause des Veröffentlichens.
Kopf hoch! Es gibt noch eine Welt da draußen
Ich selbst weiß nichts von alledem. Kann es sein, dass ich während der letzten sechzehn Jahre überhaupt keine Pause, schon gar nicht eine kreative, gemacht habe? Und ist das denn wirklich notwendig? Der Schriftsteller Henri Miller zum Beispiel lebte von 1944 bis 1962 in Big Sur in Kalifornien, als Aussteiger unter Gleichgesinnten. Meines Wissens schrieb er zehn Jahre lang nichts und veröffentlichte 1957 einen Aufsatz über diese Zeit (Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch).Die anderen Einträge, die ich zum Thema "kreative Pausen" gefunden habe, stammten meist von Bloggern, von Studenten oder Professoren. Für Autoren scheint das Thema also, zumindest im Netz, keines zu sein. Irgendwo las ich auch, eine solche Pause brauche natürlich nicht darin zu bestehen, stunden-, tage - und wochenlang die Wände anzustarren oder mit dem Kopf dagegenzuschlagen. Man könne sich ruhig eine Auszeit draußen oder drinnen oder ganz anderswo gönnen. Natürlich! Alle Prozesse bei mir waren immer von ständigen Pausen unterbrochen, Arbeitspausen, Wanderpausen, Essenspausen, Urlaubspausen, Stadtbummelpausen. Deshalb brauche ich auch keine reine, abgegrenzte kreative Pause. Denn was sollte das anderes sein als eine ewige Wiederholung der immerselben Pausen?
Nein, ich brauche einfach mal eine andere Sicht der Dinge. Sollte mal wieder etwas anderes machen als diese ewigen Romane zu schreiben, die ja heutzutage immer schwerer an die Verlage, Agenten und LeserInnen zu bringen sind. Gleichzeitig haben sich die Bedingungen im Self Publishing verschlechtert. Manche Autoren, die ich kenne, sind dabei, eigene Verlage aufzubauen oder haben das schon getan. Zu dem Ganzen ist mir etwas eingefallen: Ich habe in meinen Dateien aufgeräumt und die Hälfte meiner Kurzgeschichten aus den Jahren 2000-2006 als unbrauchbar rausgeschmissen. Drei davon wurden in einer Anthologie veröffentlicht, sind noch 23 von 50 übrig. Dazu habe ich einen neuen Blog eingerichtet, in dem ab und zu eine dieser Geschichten erscheinen könnte. Heute habe ich angefangen mit der Geschichte "Wenn der Schäfer mit dem Dackel", die vielleicht dem einen oder anderen aus der Vergangenheit noch bekannt sein könnte. Dabei geht es um das Leben mit einem treuen Hund, der eine Mischung aus Schäferhund und Dackel war. Ähnlich werde ich mit der Halde von zwei oder drei unveröffentlichten Romanen, Exposés und Ideen verfahren, das heißt, das Unbrauchbare löschen und das Recycelbare behalten. Diese "ordnende" Tätigkeit bewahrt mich davor, das "Kreative" allzu schmerzlich zu vermissen und hat damit eine nicht-kreative Funktion.Und was meine Blogs angeht: Die sind von der Pause natürlich ausgenommen - es ist eine Pause des Veröffentlichens.
Kopf hoch! Es gibt noch eine Welt da draußen
Freitag, 6. Mai 2016
Schreib - und Reiselust -gedämpft??
Wie gesagt, als nun alles getan und erledigt war, machten wir uns auf in das gelobte Land. Es ging auch recht flott voran über die schwäbische Alb, derweil Lastwagenfahrer, Hausfrauen und Geschäftsreisende beim Mittagsmahl saßen. Auf der Alb gibt es eine noch ziemlich verlassene Gegnd, wo wir in einem (uns bekannten) Gasthaus einen wahrhaft köstlichen Mittagstisch zu uns nahmen. Bärlauchsuppe, einen delikaten Salat mit echt schwäbischem Kartoffelsalat, Gulasch mit Spätzle sowie einen Vanillepudding mit eingemachten Erdbeeren. Das reichte für den Rest des Tages, und mit nur 6 Euro hatten wir noch einen prall gefüllten Reisesack übrig. Vor einiger Zeit lebte die frühere Besitzerin dieses Gasthofes noch. Sie sagte uns: Genießen Sie nur die Zeit, sie geht so schnell vorbei! Vor zwei, drei Jahren ist die liebenswerte Dame im Alter von 95 Jahren verstorben. Ja, wir hatten uns dieses Motto auf den Schild geschrieben, aber wie heißt es noch: Es kann der Beste nicht in Frieden leben ...denn als wir am Ziel ankamen (Mindelheim), war die Stadt total verstopft, so voll, dass wir rückwärts wieder rauskatapultiert wurden. Wenn es selbst in ländlichen Mittelstädten so zugeht vor den Feiertagen, kann man; na was? In Deutschland keinen Individualurlaub mehr machen. Der Tag wurde nur dadurch gerettet, dass es gelang, ins schöne Landsberg am Lech hinein zu gelangen, dort einen Rundgang zu machen, bei einem freundlichen Italiener eine großen Latte Macchiato zu trinken, die wunderbare Asamkirche zu inpizieren und dem Tosen des Lechs zu lauschen. Wieder daheim, waren wir ganz schnell wieder auf unserer zuverlässigen schwäbischen Alb, um stundenlang bergauf bergab in der Natur umherzuwanden. Ausnahmsweise wurde die Ruhe nur von einer Gruppe junger Männer unterbrochen, die auf einem Schäferkarren sitzend feierten.
Was hat nun das eine mit dem anderen zu tun? Der Weg zu einem Urlaubsort ist oft langwierig, frustrierend und mit vielen Hindernissen versehen. So war es allerdings auch schon bei unseren Altvorderen. Wer einmal den-etwas langweiligen-Reisebericht Goethes nach Italien oder sonstige Beschreibungen gelesen hat, weiß, wie mühevoll das Reisen anno dazumal war. Wobei die damaligen Wegelagerer und schlitzohrigen Wirte fast eins zu eins übertragen werden können. Die meisten setzen sich heute eh in den Flieger, was wegen der Kontrollen ziemlich unangenehm geworden ist. Man muss also immer durch finstere Täler gehen und sieben Berge überklimmen, um ein ersehntes Ziel zu erreichen. Da es so schwierig und so unangenehm ist, kann man natürlich auch zu Hause bleiben. Man kann aufhören zu schreiben oder gar nicht erst damit anfangen, weil auch das immer schwieriger wird. Nach dem BGH-Urteil vom 21. April 2016 (Siehe oben rechts) suggeriert die Presse marktschreierisch den Untergang vieler Verlage. Neue Autoren würden erst gar nicht aufgenommen in der Verlags- und Agenturwelt, noch mehr Autoren würden den Weg des Self Publishing gehen und alles versinkt im Drögen. Ein Hauen und Stechen wie im Mittealter. Doch gibt es da ein paar Dinge, die man erleben kann. Und die erlebt man nur, wenn man trotz alledem losgeht, -fährt, - wandert - und -schreibt.
Freitag, 1. April 2016
Blaue Stunden
Eigentlich wollte ich diesen Beitrag mit den Worten "Blaue Blumen " betiteln, merkte dann aber, dass der Begriff nicht das trifft, was ich sagen wollte. Die Blaue Blume ist ein Begriff der Romantik und bezeichnet die Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem, Unendlichen. Dabei ist sie ein Symbol für die Verbindung von Mensch und Natur sowie des Wanderns geworden. Geprägt wurde er durch den Dichter Novalis, der den frühen Tod seiner jungen Geliebten in seinem Roman "Heinrich von Ofterdingen" verarbeitete. Der kleine Ort Ofterdingen liegt übrigens nicht weit von hier: Wenn wir zur schwäbischen Alb hinüberfahren, durchqueren wir häufig diesen schmucken Platz, an dem inzwischen auch eine Gedenktafel für den "Heinrich" aufgestellt wurde. Nicht nur deswegen ist Ofterdingen ein besonderer Ort (auch wenn die Gestalt des mittelalterlichen Heinrich natürlich fiktiv sein müsste), sondern auch wegen der großen Ammoniten, die hinter der Brücke im Fluss zu sehen sind, allerdings nicht bei Hochwasser. Es sind die Tintenfische der Urzeit, die hier vor Jahrmillionen im Jurameer wohnten und allmählich versteinerten (um nicht zu sagen: verkalkten). Die blaue Blume bedeutet auch eine Art von Todessehnsucht, und die habe ich nicht gemeint. Eher Sehnsucht nach Leben.

Die blaue Stunde dagegen ist die Zeit zwischen Dämmerung und Nacht, wenn Himmel und Landschaft in einem besonders intensiven Blau erscheinen. Das hat für Fotografen eine besondere Bedeutung, aber war auch für Dichter und Schriftsteller schon immer eine, wenn auch melancholisch gefärbte, Inspiration. Der Übergang zur Nacht - darin liegt wohl das Gemeinsame der beiden Begriffe. Ich hingegen habe dieses Bild schon immer anders interpretiert. Die blaue Stunde war stets
der Moment, an dem sich etwas wandelte und etwas Neues entstand. Ein magischer Augenblick, in dem das Innere nach außen trat, wie aus einem Traum heraus. Das ist das eigentlich Romantische daran. Aber es kann auch ein seelischer Wandlungsprozess sein, der uns hilft, die vielbesprochene Resilienz zu erreichen und damit einen Schutzzaun gegen die zeitweise unerträglichen Außenbedingungen aufzubauen. Magische Momente und blaue Stunden habe ich in meiner Studentenzeit erlebt, wenn ich mich auf einer Reise frühmorgens oder abends mit dem Schiff einem fremden Land näherte. Oder wenn wir zur Dämmerstunde in einen Landgasthof fuhren, um mit Freunden zu tafeln. Eine Nacht auf einem Felsen hoch oben in der Provence, mit einem kleinen Ballon Rosé und den Lichterketten unter unseren Füßen. Die Fledermäuse, Nachtigallen und Glühwürmchen auf dem Zeltplatz. Blaue Stunden waren die Spaziergänge und Wanderungen durch Löwenzahnwiesen, Rosengärten und Blaukissenwälder, in denen es später nach Bärlauch duftete. Es waren Besuche in Kirchen mit Figuren, die in hellblaue Himmel aufstiegen oder mit streng gotischen Gewölben, Begegnungen mit Menschen, das gemeinsame Lachen über komische Situationen oder auch Bücher oder Blogeinträge, die auf irgendeine Weise berührt haben und unvergesslich wurden.

In den letzten zwei Wochen waren die blauen Stunden wie Perlen einer Kette, die selten auftraten, aber nachhaltig alles Trübe verdrängen konnten. Eine Wanderung wie jedes Jahr im Donautal, an dessen Hängen Millionen von Leberblümchen und Märzenbechern in voller Blüte standen. Ein Essen in einem traditionellen Gasthof, wo es noch so schmeckte wie früher. Eine Fahrt in den Klosterort Gengenbach, mit explodierenden Magnolien, Forsithien und Veilchen und einem bunten Leben und Treiben. Die blauen Scillawiesen bei Herrenberg. Ein Buch über den "Winter der Welt" von Ken Follet, den ich lange Zeit links liegen gelassen hatte. Und nach jeder blauen Stunde musste man wieder eintauchen in diesen Winter. Dann stöberte ich mit roten Ohren in den Büchern eines literarisch-unterhaltsamen Agenten. Dachte an die Stunden, in denen Ideen zu Romanen entstanden waren, die Stunden des rauschhaften Schreibens. Das alles hat dazu beigetragen, dass sich mit einem Mal die Schreiblust wieder regte.
Ich legte meinen Neonazi-Südamerikaroman erst mal beiseite, kramte meinen dreieinhalb Jahre alten Schwarzwaldkrimi heraus und überlegte, was mir der einzige Verlag, den ich bisher kontaktiert hatte, dazu gesagt hatte. An einigen Stellen nicht spannend genug. Ich druckte mir den Text 20-seitenweise aus und begann zu lesen. Ich dachte, die Lektorin hätte die Beschreibungen gemeint, dass die einen Krimi bremsen würden. Aber das Ambiente wurde ja durchaus gelobt. Nicht schlecht, was ich da las, aber da waren ja ganz schön viel Dialoge, vielleicht die Hälfte. Das lese ich selbst nicht gern, wenn das ganze Buch nur daraus besteht. Und - eine uralte Schwäche von mir - in diesen Dialogen wird an einigen Stellen zu viel wiederholt. Also machte ich mich daran, diese Stellen zu straffen und zu kürzen, mindestens fünf Seiten sind dadurch schon auf der Strecke geblieben. Außerdem bekommt der Roman noch eine wichtige neue Perspektive, die mir damals die ganze Zeit im Hinterkopf herumgeisterte, die ich aber nicht realisieren konnte. Genauso wird es mir mit dem anderen Roman ergehen. Wenn ich ihn eine Weile liegen lasse und dann wieder lese, wird es mir wie Schuppen von den Augen fallen. Ich ahne schon jetzt, welche Perspektiven, Schauplätze und Zeitläufte fehlen, um ihn richtig rund zu machen. Solche Dinge, solche Erlebnisse und auch solche Erkenntnisse sind für mich blaue Stunden.


Die blaue Stunde dagegen ist die Zeit zwischen Dämmerung und Nacht, wenn Himmel und Landschaft in einem besonders intensiven Blau erscheinen. Das hat für Fotografen eine besondere Bedeutung, aber war auch für Dichter und Schriftsteller schon immer eine, wenn auch melancholisch gefärbte, Inspiration. Der Übergang zur Nacht - darin liegt wohl das Gemeinsame der beiden Begriffe. Ich hingegen habe dieses Bild schon immer anders interpretiert. Die blaue Stunde war stets
der Moment, an dem sich etwas wandelte und etwas Neues entstand. Ein magischer Augenblick, in dem das Innere nach außen trat, wie aus einem Traum heraus. Das ist das eigentlich Romantische daran. Aber es kann auch ein seelischer Wandlungsprozess sein, der uns hilft, die vielbesprochene Resilienz zu erreichen und damit einen Schutzzaun gegen die zeitweise unerträglichen Außenbedingungen aufzubauen. Magische Momente und blaue Stunden habe ich in meiner Studentenzeit erlebt, wenn ich mich auf einer Reise frühmorgens oder abends mit dem Schiff einem fremden Land näherte. Oder wenn wir zur Dämmerstunde in einen Landgasthof fuhren, um mit Freunden zu tafeln. Eine Nacht auf einem Felsen hoch oben in der Provence, mit einem kleinen Ballon Rosé und den Lichterketten unter unseren Füßen. Die Fledermäuse, Nachtigallen und Glühwürmchen auf dem Zeltplatz. Blaue Stunden waren die Spaziergänge und Wanderungen durch Löwenzahnwiesen, Rosengärten und Blaukissenwälder, in denen es später nach Bärlauch duftete. Es waren Besuche in Kirchen mit Figuren, die in hellblaue Himmel aufstiegen oder mit streng gotischen Gewölben, Begegnungen mit Menschen, das gemeinsame Lachen über komische Situationen oder auch Bücher oder Blogeinträge, die auf irgendeine Weise berührt haben und unvergesslich wurden.

In den letzten zwei Wochen waren die blauen Stunden wie Perlen einer Kette, die selten auftraten, aber nachhaltig alles Trübe verdrängen konnten. Eine Wanderung wie jedes Jahr im Donautal, an dessen Hängen Millionen von Leberblümchen und Märzenbechern in voller Blüte standen. Ein Essen in einem traditionellen Gasthof, wo es noch so schmeckte wie früher. Eine Fahrt in den Klosterort Gengenbach, mit explodierenden Magnolien, Forsithien und Veilchen und einem bunten Leben und Treiben. Die blauen Scillawiesen bei Herrenberg. Ein Buch über den "Winter der Welt" von Ken Follet, den ich lange Zeit links liegen gelassen hatte. Und nach jeder blauen Stunde musste man wieder eintauchen in diesen Winter. Dann stöberte ich mit roten Ohren in den Büchern eines literarisch-unterhaltsamen Agenten. Dachte an die Stunden, in denen Ideen zu Romanen entstanden waren, die Stunden des rauschhaften Schreibens. Das alles hat dazu beigetragen, dass sich mit einem Mal die Schreiblust wieder regte.
Ich legte meinen Neonazi-Südamerikaroman erst mal beiseite, kramte meinen dreieinhalb Jahre alten Schwarzwaldkrimi heraus und überlegte, was mir der einzige Verlag, den ich bisher kontaktiert hatte, dazu gesagt hatte. An einigen Stellen nicht spannend genug. Ich druckte mir den Text 20-seitenweise aus und begann zu lesen. Ich dachte, die Lektorin hätte die Beschreibungen gemeint, dass die einen Krimi bremsen würden. Aber das Ambiente wurde ja durchaus gelobt. Nicht schlecht, was ich da las, aber da waren ja ganz schön viel Dialoge, vielleicht die Hälfte. Das lese ich selbst nicht gern, wenn das ganze Buch nur daraus besteht. Und - eine uralte Schwäche von mir - in diesen Dialogen wird an einigen Stellen zu viel wiederholt. Also machte ich mich daran, diese Stellen zu straffen und zu kürzen, mindestens fünf Seiten sind dadurch schon auf der Strecke geblieben. Außerdem bekommt der Roman noch eine wichtige neue Perspektive, die mir damals die ganze Zeit im Hinterkopf herumgeisterte, die ich aber nicht realisieren konnte. Genauso wird es mir mit dem anderen Roman ergehen. Wenn ich ihn eine Weile liegen lasse und dann wieder lese, wird es mir wie Schuppen von den Augen fallen. Ich ahne schon jetzt, welche Perspektiven, Schauplätze und Zeitläufte fehlen, um ihn richtig rund zu machen. Solche Dinge, solche Erlebnisse und auch solche Erkenntnisse sind für mich blaue Stunden.
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Donnerstag, 10. März 2016
Fahrt in die alte Heimat
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| Meine Schwester und ich (rechts) |
Und es dümpeln noch immer die Segel- und Motorboote in der Krusaumündung, der Weg über die Schusterkate (frühere Grenzbrücke) ins dänische Kollund ist noch derselbe, die Möwen kreischen immer noch, und es riecht immer noch nach Muscheln und Seetang. Auch der Weg durch die Wälder und über die Felder zum Niehuser See hat sich nicht verändert. In Süderhaff, wo ich im Alter von sechs Jahren den Winter verbrachte, gibt es immer noch die besten Hotdogs von Dänemark - mit Senf, Röstzwiebeln, Remoulade, Agurkesalat und Ketchup, dazu die pappweichen Brötchen. Früher waren die Würstchen feuerrrot.
David, mein Sohn, und ich haben schöne Plätze mit Tisch und Fenster in der Bahn gebucht, der Rückweg am Montag wird mich über Heidelberg und Bruchsal führen. Wollen wir hoffen und beten, dass die Bahn sich unsere Beschwerden tatsächlich zu Herzen genommen und den Service verbessert hat. Dann kann ich endlich mal wieder in Ruhe lesen, plaudern und mir vielleicht sogar weitere Gedanken zu meinem aktuellen Romanprojekt machen. Früher war es gang und gäbe, dass ich auf Bahnfahrten neue Ideen ausgebrütet habe, bevor die Handyschreier und Rollwagendrängler in die Großraumwagen kamen.
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| Mein Elternhaus in Wassersleben |
Sonntag, 28. Februar 2016
Ein Tag im Leben eines Self Publishers
Warum Self Publisher nicht die schlechteren Autoren sein müssen.
Ein Tag im Leben eines Self Publishers
Auch wenn es satirisch eindeutig überspitzt ist, kann man sich als Autor mit Verlags- und Self Publishing-Erfahrungen durchaus darin wiederfinden. Es gab ja in der Pionierzeit des Self Publishing die bahnbrechenden Verschenkaktionen. Sie verhalfen einigen selbst Publizierenden zu hunderttausenden von verkauften Büchern mit Einzug in die Verlagswelt. Später waren es dann die Rabattaktionen, die getreu der Philosophie der Buchpiraten die Preise immer mehr verkommen ließen und die Ware Buch zu einem fast kostenlosen Gemeingut zu machen drohte. Bekanntlich habe auch ich es probiert und bin mit der Backlist zumindest eines Verlagstitels auch fast zwei Jahre gut damit gefahren, Rankinggucken inklusive.
Warum scheinen sich Autoren so wohl zu fühlen, wenn ihre Rankings nach oben gehen? Parallel dazu, wenn ihre Bücher in den Buchhandlungen liegen und sich auch gut verkaufen? Müssen sie alle vom Schreiben leben? Sind sie einfach nur geldgeil? Nein. Ich glaube, dass es hier um Wertschätzung der Arbeit geht. Ein Steigen des Rankings verursacht Wohlbefinden, ein Abfallen der Kurve Disharmonie und sinkende Schreibmotivation. Wozu soll ich denn noch schreiben, wenn es doch keiner lesen will? Oder wenn es keiner mehr findet in der Bücherflut? Man muss es benennen: Auch für mich sind die Goldgräberzeiten des SP vorüber. Gott sei`s gelobt und getrommelt hat sich bekanntlich die Tolino-Bücherallianz (April 2015) begründet. Sie will Amazon Flagge zeigen, unterstützt Autoren bei Marketingaktionen und wächst so ganz allmählich aus den Kinderschuhen heraus. Ich bin seit letzten Oktober dabei und durfte schon ein paarmal von diesen Aktionen profitieren. Gerade im Moment läuft noch eine Rabattaktion, die mir kurzfristig wieder rechten Schwung verleihen könnte. Bei Amazon werden die Rankings öfter am Tag aktualisiert, je nach Verkaufsrang. Bei Tolino kann man sich mit seinem Frühstückskaffee zwischen 10.10 und ca. 11.00 Uhr auf die Rankings freuen. Da sieht man dann auch, in welchen Shops sich das Buch verkauft hat. Diesmal waren es statt Weltbild vor allem Thalia und der Link zu Buch.de: http://goo.gl/jB0JJC ,die mein Herz höher schlagen ließen und mir den Tagesbeginn versüßten. WOW, Rankings um die 400 und sogar 48 hatte es bei mir noch nie gegeben! Die letzten beiden Tage der Aktion werde ich einfach nur genießen, denn wir alle wissen, dass es danach wieder ganz gemächlich in den Keller gehen wird.(So, wie die Bücher in den Buchhandlungen ja auch immer schneller wieder verschwinden.) So what, wenn jetzt jemand draufklickt, wird es schon wieder viel weiter unten sein. Aber immerhin ziehen sich Verlags- und Sp-Bücher insgesamt gegenseitig nach oben. So nach dem Motto: Wenn jemand ein Buch gefallen hat, schaut er auch nach anderen Büchern dieses Autors.
Was für einen Rat könnte man neuen Kollegen geben, wenn sie sich heutzutage zwischen Verlags- und Agentursuche oder Self Pubishing entscheiden müssten? Welchen Rat würde ich mir selber geben, wenn ich ganz neu anfangen würde? Ich würde mir sagen, dass ich sämtliche Illusionen, die ich damals hatte, fahren lassen und mir darüber im Klaren sein sollte, dass heute viele Türen zu sind, die damals noch offen waren. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, alles andere kann nur ein Zubrot sein. Da ich zur Zeit viel Zeit habe und weder arbeite noch Romane schreibe, habe ich mir mal das Vergnügen gemacht, die Optionen für die verschieden Wege auszurechnen. Lektorat, Korrektorat, Cover und Konvertierung kommen bei Tolino auf ca. 3000 Euro. Ratet mal, wie lange es dauern würde, bis das wieder im eigenen Geldbeutel ist? Mit eigenen Helfern und SP-Lektoren, -Korrektoren und Designern komme ich auf ca. 1000. Das würde bei der momentanen Geschwindigkeit eineinhalb Jahre bis zum Ausgleich brauchen. Rechnet man allerdings das Gesamteinkommen aus den inzwischen schwarzen Zahlen der Verlagsbücher und dem SP-Einkommen dazu, wäre das vielleicht schon wieder eine andere Option. Sozusagen eine Autoren-Selfie-Mischkalkulation. Es stehen ja immer noch der Schwarzwaldkrimi zur Debatte und mein neuer Abenteuer-Thriller.
Noch etwas würde ich Newcomern unter den Autoren ans Herz legen: Wenn sie anders schreiben als die Topp 100-Autoren bei Amazon, sollten sie die Messlatte für ihr SP-Buch niedrig legen. Eine Erfahrung ist beides Wert, Verlag und SP. Aber wenn ich Wertschätzung suche, dann schaue ich mich in meiner näheren Umgebung um. Und melde mich im Juni zu einem Seminar im Kloster Heiligkreuztal an, um etwas darüber herauszufinden, was uns alle so umtreibt.
Wertschätzung und Respekt - tiefste Sehnsucht des Menschen.Wenn ich meine unbesiegbare Schreibbegeisterung weiterhin austoben und Leser erreichen möchte, kann ich mich auch über die 2500 Blogleser monatlich berufen, abzüglich Robotern. Das wären im Jahr 30.000, ungefähr so viel wie alle verkauften Printbücher.
Donnerstag, 25. Februar 2016
Im dunklen Tal
Momentan ist es nicht einfach, in den sozialen Medien unterwegs zu sein, ja, auch nur seinen Blog mit etwas zu bestücken, mit dem das Interesse anderer auch nur ansatzweise geweckt werden könnte. Eine Durchsicht meiner Blogstatistik ergab, dass im letzten Jahr die meisten Besucher an solchen Themen interessiert waren: "Grenzerfahrung", "Besser werden", "Osterspaziergang" "Romantische Wege", "Endlich Rente!", "Der Flatrateautor" als "Spitzentitel", "Das Weißkitteldrama", "Kleine Freuden" sowie "Martinsgans"und "Oasen". Im Großen und Ganzen zeigt das Resultat, dass meine Blogleser nach Auszeit-Themen suchen und nicht mit denselben Dingen konfrontiert werden wollen, die ihnen tagtäglich kaum noch erträglich aus Fernsehen, Radio, der Zeitung und den sozialen Medien entgegenschreien. Ich hörte sogar jemanden sagen, er schaue sich inzwischen die Katzen- und Hundebilder bei Facebook lieber an als die Nachrichten und Diskussionen der Medien. Ach ja, meine Besucherkatzenbeiträge waren natürlich auch recht beliebt.
Als ich nun heute so überlegte, was ich in meinen Blog reinschreiben könnte, hörte ich draußen einen Riesenkrach. Ob die Katzen mal wieder einen ihrer herrlichen, verrückten Veitstänze aufführten? Beim Blick aus dem Fenster merkte ich, dass es eine gewaltige Menge Schnee gewesen war, die vom photovoltaikten Dach herabrutschte. Vor lauter Schreck darüber saßen jetzt mindestens zwanzig Meisen am Meisenknödel, so dass er aussah wie ein Igel. Ja, auch die Tierwelt leidet unter vermeintlichen und echten Katastrophen und eilt sich, etwas für ihr Wohlbefinden zu tun. (Für das wir laut Schopenhauer sowieso selber sorgen müssen, weil die Natur uns nur das Dasein gegeben habe). In dieser Situation beschloss ich, die Zeitung heute mal nicht zu lesen, die 12-Uhr-Ausgabe der Tagesschau nicht anzusehen, auch nicht raus und schwimmen zu gehen, sondern stattdessen etwas in meinen Blog zu schreiben. Vorher aber schaute ich noch bei meinen Nachbarblogs vorbei. Und stieß auf zwei Artikel, die in der Lage waren, mich ein wenig zu "erden". Einmal auf den sehr treffenden Beitrag von Annette Weber Elternschock, dann auf Petra van Cronenburgs Blog, in dem ich etwas über meine Situation wiederfand. Launisch, grummelig und trotzdem gut. Aus den Beiträgen ergibt sich für mich, dass sich immer wieder etwas ändert, auch wenn man in der Tiefe des dunklen Tales nicht daran glauben mag. Und dass es gut ist, nicht eingleisig zu fahren, in jeder Beziehung. Gerade habe ich die Lektüre eines Buches beendet, das ich am Schluss ungern aus der Hand legte, was bei mir nicht jedesmal so ist. Und zwar war es das Buch einer Engländerin, die zusammen mit Hape Kerkeling den Jakobsweg gegangen war und diese Erfahrung mit dem Fahrrad wiederholen wollte. Ich bin da noch mal hin. Das Fahrrad hat sie dann irgendwann stehen lassen, weil sie nur noch im Regen auf Autobahnen fuhr, und von da an hatte sie sich das angetan, was sich schon Tausende von Pilgern angetan haben. Die Reise muss ich jetzt nicht selbst, sondern konnte ich mit dieser Autorin machen und auch ihren Erkenntniswert für mich verbuchen. Auf der ersten Reise hatte sie sich nämlich vorgenommen, mehr für andere dasein zu wollen, auf der zweiten merkte sie, dass sie eigentich andere Menschen brauchte, die für sie da sind. Noch ein Fall von dunklem Tal und Wohlsein, das wir uns selbst verschaffen müssen!
Zum Schluss noch etwas für meine Mitautoren und die Blogleser, die nach Wohlfühloasen, romantischen Wegen und kleinen Freuden suchen. Und zu den Oasen, ganz profan. Gestern sind wir bei Wind und trübkaltem Wetter in die alte Bischofsstadt Rottenburg gefahren. Zu unserem Erstaunen war der lebhaft besuchte Bücherschrank verschwunden, statt dessen gähnte ein riesiges Bauloch. Hier wird ein Betonklotz errichtet, der die städtische Bücherei aufnehmen soll. Beim kleinen Osiander auf dem Marktplatz war der Computer ausgefallen, Bücher konnte man nur in bar und ohne Quittung kaufen. Weiter unten ein kleiner Bücherladen, den wir bisher nie beachtet hatten, weil wir ihn gar nicht als solchen erkannt hatten. Das war eine richtige Oase, mit vielen Titeln aller Richtungen und einem Teetisch zum Schmökern. Und als ich nach Hause kam, war auf wunderbare Weise mein "Teufelswerk" sichtbar geworden, ohne dass ich die Rabattaktion irgendwo anders als bei Amazon und Tolino angekündigt hatte.
Möge das Schreiben selbst wieder zu einer Oase werden!
Als ich nun heute so überlegte, was ich in meinen Blog reinschreiben könnte, hörte ich draußen einen Riesenkrach. Ob die Katzen mal wieder einen ihrer herrlichen, verrückten Veitstänze aufführten? Beim Blick aus dem Fenster merkte ich, dass es eine gewaltige Menge Schnee gewesen war, die vom photovoltaikten Dach herabrutschte. Vor lauter Schreck darüber saßen jetzt mindestens zwanzig Meisen am Meisenknödel, so dass er aussah wie ein Igel. Ja, auch die Tierwelt leidet unter vermeintlichen und echten Katastrophen und eilt sich, etwas für ihr Wohlbefinden zu tun. (Für das wir laut Schopenhauer sowieso selber sorgen müssen, weil die Natur uns nur das Dasein gegeben habe). In dieser Situation beschloss ich, die Zeitung heute mal nicht zu lesen, die 12-Uhr-Ausgabe der Tagesschau nicht anzusehen, auch nicht raus und schwimmen zu gehen, sondern stattdessen etwas in meinen Blog zu schreiben. Vorher aber schaute ich noch bei meinen Nachbarblogs vorbei. Und stieß auf zwei Artikel, die in der Lage waren, mich ein wenig zu "erden". Einmal auf den sehr treffenden Beitrag von Annette Weber Elternschock, dann auf Petra van Cronenburgs Blog, in dem ich etwas über meine Situation wiederfand. Launisch, grummelig und trotzdem gut. Aus den Beiträgen ergibt sich für mich, dass sich immer wieder etwas ändert, auch wenn man in der Tiefe des dunklen Tales nicht daran glauben mag. Und dass es gut ist, nicht eingleisig zu fahren, in jeder Beziehung. Gerade habe ich die Lektüre eines Buches beendet, das ich am Schluss ungern aus der Hand legte, was bei mir nicht jedesmal so ist. Und zwar war es das Buch einer Engländerin, die zusammen mit Hape Kerkeling den Jakobsweg gegangen war und diese Erfahrung mit dem Fahrrad wiederholen wollte. Ich bin da noch mal hin. Das Fahrrad hat sie dann irgendwann stehen lassen, weil sie nur noch im Regen auf Autobahnen fuhr, und von da an hatte sie sich das angetan, was sich schon Tausende von Pilgern angetan haben. Die Reise muss ich jetzt nicht selbst, sondern konnte ich mit dieser Autorin machen und auch ihren Erkenntniswert für mich verbuchen. Auf der ersten Reise hatte sie sich nämlich vorgenommen, mehr für andere dasein zu wollen, auf der zweiten merkte sie, dass sie eigentich andere Menschen brauchte, die für sie da sind. Noch ein Fall von dunklem Tal und Wohlsein, das wir uns selbst verschaffen müssen!
Zum Schluss noch etwas für meine Mitautoren und die Blogleser, die nach Wohlfühloasen, romantischen Wegen und kleinen Freuden suchen. Und zu den Oasen, ganz profan. Gestern sind wir bei Wind und trübkaltem Wetter in die alte Bischofsstadt Rottenburg gefahren. Zu unserem Erstaunen war der lebhaft besuchte Bücherschrank verschwunden, statt dessen gähnte ein riesiges Bauloch. Hier wird ein Betonklotz errichtet, der die städtische Bücherei aufnehmen soll. Beim kleinen Osiander auf dem Marktplatz war der Computer ausgefallen, Bücher konnte man nur in bar und ohne Quittung kaufen. Weiter unten ein kleiner Bücherladen, den wir bisher nie beachtet hatten, weil wir ihn gar nicht als solchen erkannt hatten. Das war eine richtige Oase, mit vielen Titeln aller Richtungen und einem Teetisch zum Schmökern. Und als ich nach Hause kam, war auf wunderbare Weise mein "Teufelswerk" sichtbar geworden, ohne dass ich die Rabattaktion irgendwo anders als bei Amazon und Tolino angekündigt hatte.
Möge das Schreiben selbst wieder zu einer Oase werden!
| Rottenburger Marktplatz im Sommer, eine Oase |
Dienstag, 19. Januar 2016
Schwarzwaldschneesturmgedanken
Zwischen Silvester und Mitte Januar gab es eine Phase, da war alles dunkel, trübe, nass, kalt und hoffnungslos. So, wie ich es aus früheren Zeiten nur im November kenne. Dazu die erdrückende politische Lage. Ja, es hatte mich erwischt, ich hatte keine Lust mehr zu feiern, irgendwohin zu fahren, richtig an meinem Roman weiterzuschreiben, etwas Gutes zu kochen oder mich mit Leuten zu treffen. Das kann ja heiter werden, dachte ich, die deutschen Winter ohne Arbeit und ohne Schreiben, wie soll man das bloß überleben? Wäre es da nicht besser, sich einen Wanst anzufressen und in einer Höhle seinen Winterschlaf zu halten? Nicht einmal in meinem Blog schaffte ich einen Eintrag. Worüber sollte ich auch schreiben? Was ein Tübinger Professor zur Überwindung der Terrorangst gesagt hat? Dass die Touristen jetzt verstärkt in den Schwarzwald reisen, weil ihnen andere Ziele zu gefährlich erscheinen? Dass ich nebenher noch mit nervigen familiären Angelegenheiten beschäftigt bin? Oder eine Große Schwarze Schreib-Blockade habe? Wer würde denn das noch lesen wollen?
Irgendwann in den letzten Tagen kam dann die Rettung durch einen orkanstarken Schneesturm im Schwarzwald. Nicht dass ein Schneesturm etwas Gutes wäre. Im Gegenteil, zunächst brachte er Bäume zum Umfallen, schoss eisige Schneekristalle vor sich her, ließ den ganzen Tag und die ganze Nacht und wieder den nächsten Tag Unmassen von Flocken zur Erde segeln, stieben und sausen, über die sich ein immer höher werdendes Leichentuch breitete. Die Büsche bekamen riesige Mützen, die Katze lief im Schnee und versuchte sich erst kreischend, dann klammheimlich in die Wohnung zu mogeln, die Nachbarn überboten sich mit Schneegeschaufel, und in den Bergen stauten sich kilometerlange Blechschlangen. Sehr viele Autofahrer landeten im Graben, andere arbeiteten sich zu den Skizentren durch, wo sie sich endlich einmal in echtem Schnee austoben durften und nicht in dem aus der Kanone. Viele Menschen murmelten im Vorbeigehen, dass man doch jetzt eigentlich auf Frühling eingestellt gewesen sei. Da haben doch schon Veilchen und Frühlingsspringkraut geblüht! Aber als all der Bockmist vorüber war, brach sich eine lang vermisste Sonne durch die Wolkendecke und verwandelte die Landschaft in eine eisig glitzernde, wundervolle Szenerie.
Ja, warum wird der Winter in der Fasnachtszeit mit Feuer und Mummenschanz ausgetrieben? Weil der Frühling die Schlafmützenzeit beendet und neues Leben bringt. Wir fangen schon mal damit an. Jeden Tag erleben wir kleine Abenteuer, machen Entdeckungen in der Nähe, die wir doch übergut zu kennen meinten, laufen, wo das gerade noch möglich ist und inspizieren die umliegenden Geschäfte und Märkte auf die Güte ihrer Waren hin. Sollten wir auf gute Lebensmittel stoßen, wird das sicher auch mit dem Kochen wieder was. Und nachdem die Sinne sich wieder halbwegs aufgestellt hatten und halbwegs einSchreiben wieder möglich war, stieß ich auf einen Beitrag von Petra van Cronenburg, in dem alles stand, was ich in diesen vergangenen toten Tagen auch gern erlebt und bewirkt hätte. Mut kann man nicht kaufen. Besser kann man einen Aufbruch nicht beschreiben.
Irgendwann in den letzten Tagen kam dann die Rettung durch einen orkanstarken Schneesturm im Schwarzwald. Nicht dass ein Schneesturm etwas Gutes wäre. Im Gegenteil, zunächst brachte er Bäume zum Umfallen, schoss eisige Schneekristalle vor sich her, ließ den ganzen Tag und die ganze Nacht und wieder den nächsten Tag Unmassen von Flocken zur Erde segeln, stieben und sausen, über die sich ein immer höher werdendes Leichentuch breitete. Die Büsche bekamen riesige Mützen, die Katze lief im Schnee und versuchte sich erst kreischend, dann klammheimlich in die Wohnung zu mogeln, die Nachbarn überboten sich mit Schneegeschaufel, und in den Bergen stauten sich kilometerlange Blechschlangen. Sehr viele Autofahrer landeten im Graben, andere arbeiteten sich zu den Skizentren durch, wo sie sich endlich einmal in echtem Schnee austoben durften und nicht in dem aus der Kanone. Viele Menschen murmelten im Vorbeigehen, dass man doch jetzt eigentlich auf Frühling eingestellt gewesen sei. Da haben doch schon Veilchen und Frühlingsspringkraut geblüht! Aber als all der Bockmist vorüber war, brach sich eine lang vermisste Sonne durch die Wolkendecke und verwandelte die Landschaft in eine eisig glitzernde, wundervolle Szenerie.
Ja, warum wird der Winter in der Fasnachtszeit mit Feuer und Mummenschanz ausgetrieben? Weil der Frühling die Schlafmützenzeit beendet und neues Leben bringt. Wir fangen schon mal damit an. Jeden Tag erleben wir kleine Abenteuer, machen Entdeckungen in der Nähe, die wir doch übergut zu kennen meinten, laufen, wo das gerade noch möglich ist und inspizieren die umliegenden Geschäfte und Märkte auf die Güte ihrer Waren hin. Sollten wir auf gute Lebensmittel stoßen, wird das sicher auch mit dem Kochen wieder was. Und nachdem die Sinne sich wieder halbwegs aufgestellt hatten und halbwegs einSchreiben wieder möglich war, stieß ich auf einen Beitrag von Petra van Cronenburg, in dem alles stand, was ich in diesen vergangenen toten Tagen auch gern erlebt und bewirkt hätte. Mut kann man nicht kaufen. Besser kann man einen Aufbruch nicht beschreiben.
Montag, 21. Dezember 2015
Die Wertschätzung der Verlage
Samstag, 5. Dezember 2015
Kann man Geduld lernen?
Wer kennt das nicht: In der Schlange an der Supermarktkasse stehen, gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, hinter einem träge dahinschleichenden Auto herfahren, das man nicht überholen kann, warten, bis das Eierwasser kocht? Ich selbst war schon immer ein extrem ungeduldiger Mensch. Ständig ging mir immer alles viel zu langsam. Du bist zu ungeduldig, wurde mir oft gesagt. Wenn mir als Kind eine Bastelei nicht sofort gelang, habe ich sie hingeschmissen. Später, als ich regelmäßig mit dem Computer arbeitete, zeigte sich das ganze Ausmaß meiner Ungeduld. Auch hier ging alles viel zu langsam, dann stürzte er auch noch ab, oder ein Text verschwand auf Nimmerwiedersehen in der Datenhölle. Da hätte ich manchmal schon am liebsten ins Sofa gebissen oder Rumpelstilzchen gespielt! Dann brauchten meine Mitmenschen, unter anderem die Verlagsmitarbeiter, immer eine Ewigkeit für Entscheidungen. Nur deswegen war ich manchmal versucht, alles hinzuschmeißen.
Die härteste Geduldsprobe war eine Kopfoperation, der ich mich vor dreißig Jahren in der Mainzer Uniklinik unterziehen musste. Da wurde ich drei Mal wieder nach Hause in den Schwarzwald geschickt und musste auch nachher noch ewige Wartezeiten über mich ergehen lassen. Damals hatte ich mmer mein Strickzeug dabei, selbst in der Intensivstation.
Auf der anderen Seite wird mir immer wieder extreme Geduld bescheinigt, besonders, was meine Arbeit mit Menschen betraf und eigentlich auch mein Schreiben betrifft. Ich möchte da einmal die Begriffe trennen. Das eine ist Langmut, das andere die kurzfristige Geduld, würde ich sagen. Dazu habe ich einen Artikel gefunden, der ein Experiment beschreibt. Alles kommt zu dem von selbst, der warten kann. Kindergartenkinder bekamen einen Marshmallow vorgesetzt, und es wurde ihnen gesagt, dass sie ihn gleich essen könnten oder aber später, wenn der Versuchsleiter wiederkommt, dann bekämen sie noch einen. Es ist rührend zu sehen, wie die Kinder mit der Geduldsprobe umgingen. Und natürlich entwickelten sich die geduldigeren Kinder später als erfolgreicher und gesünder. Man könne als Erwachsener die Fähigkeit zur Geduld nicht grundsätzlich neu lernen, jedoch könne man sie nachbessern. Auf der anderen Seite habe die Ungeduld auch kreative und fortschrittliche Funktionen. Wäre ich nicht so ungeduldig gewesen, hätte ich nicht so viel an Geschriebenem produzieren können. Und hätte ich keinen Langmut besessen, hätte ich weder auf Verlage noch auf Agenten warten noch selber publizieren können. Und hätte meinen schönen, aber nicht leichten Job hingeschmissen. Vielleicht ist es doch die richtige Mischung?
Ach ja, es gibt ein paar Tätigkeiten, bei denen ich große Geduld zeige. Beim Zuhören. Beim Lesen. Beim Schreiben und sogar beim Kreuzworträtsellösen, womit ich meine Geduld sogar trainieren kann.
Die härteste Geduldsprobe war eine Kopfoperation, der ich mich vor dreißig Jahren in der Mainzer Uniklinik unterziehen musste. Da wurde ich drei Mal wieder nach Hause in den Schwarzwald geschickt und musste auch nachher noch ewige Wartezeiten über mich ergehen lassen. Damals hatte ich mmer mein Strickzeug dabei, selbst in der Intensivstation.
Auf der anderen Seite wird mir immer wieder extreme Geduld bescheinigt, besonders, was meine Arbeit mit Menschen betraf und eigentlich auch mein Schreiben betrifft. Ich möchte da einmal die Begriffe trennen. Das eine ist Langmut, das andere die kurzfristige Geduld, würde ich sagen. Dazu habe ich einen Artikel gefunden, der ein Experiment beschreibt. Alles kommt zu dem von selbst, der warten kann. Kindergartenkinder bekamen einen Marshmallow vorgesetzt, und es wurde ihnen gesagt, dass sie ihn gleich essen könnten oder aber später, wenn der Versuchsleiter wiederkommt, dann bekämen sie noch einen. Es ist rührend zu sehen, wie die Kinder mit der Geduldsprobe umgingen. Und natürlich entwickelten sich die geduldigeren Kinder später als erfolgreicher und gesünder. Man könne als Erwachsener die Fähigkeit zur Geduld nicht grundsätzlich neu lernen, jedoch könne man sie nachbessern. Auf der anderen Seite habe die Ungeduld auch kreative und fortschrittliche Funktionen. Wäre ich nicht so ungeduldig gewesen, hätte ich nicht so viel an Geschriebenem produzieren können. Und hätte ich keinen Langmut besessen, hätte ich weder auf Verlage noch auf Agenten warten noch selber publizieren können. Und hätte meinen schönen, aber nicht leichten Job hingeschmissen. Vielleicht ist es doch die richtige Mischung?
Ach ja, es gibt ein paar Tätigkeiten, bei denen ich große Geduld zeige. Beim Zuhören. Beim Lesen. Beim Schreiben und sogar beim Kreuzworträtsellösen, womit ich meine Geduld sogar trainieren kann.
Donnerstag, 12. November 2015
Inspirierende Martinsgans
Gestern Abend war es endlich so weit: Das lang verschobene Abschiedsessen, das der Vorstand meines Verein für mich geplant hatte, fand in einem renommierten Gasthaus statt. Der 11. 11., Martinstag und Martinsgans, und Beginn der närrischen Zeit. Die Atmosphäre war sehr locker und aufgeräumt, es wurden keine Reden gehalten und keine Geschenkkörbe vergeben (das war alles schon mehrmals geschehen). Meine Funktion als Pressesprecherin bzw.-schreiberin wurde noch einmal hervorgehoben. Und so kann ich jetzt auch in dieser Sache einen Artikel für die Presse schreiben. Neben einer angeregten Diskussion des Zeitgeschehens wollten die KolleInnen natürlich auch wissen, wie es denn jetzt so sei - frei von allen Verpflichtungen. Ich sagte es so, wie es ist: dass ich eine glückliche Rentnerin sei und nichts vermisse. Dass es absolut schön ist, an Tagen wie diesen einfach oben auf der Höhe spazieren zu gehen, ohne auf die Uhr schauen zu müssen. Und zu schreiben, ergänzte eine Kollegin. Denn natürlich wussten immer alle, was ich nebenbei so trieb. Die Themen der historischen Romane, wie Kirche und Missbrauch oder die Einrichtung eines Gottesstaates haben ja durchaus einen aktuellen Bezug, wie in der Runde bemerkt wurde. Meine Schilderung der aktuellen Situation auf dem Buchmarkt rief Erstaunen hervor. Und mein so schlecht verkäuflicher Mörike wurde einerseits gelobt, andererseits hätte man ihn gern als Printausgabe von mir gekauft. Das bringt mich allerdings ins Grübeln, denn ich besitze nur noch zwei Exemplare. Auf die Frage, was ich gerade schreibe und wie es weitergeht, sprach ich nur vage von meinen Plänen, weil die noch nicht ausgereift sind. Thriller oder Krimi, Wanderbuch, auch ein Buch über die Psychiatrie im Besonderen, zusammen mit meinem Kollegen, wären möglich. Ach ja, erinnert sich jemand daran, dass es auch noch einen fertigen Krimi gibt mit dem Titel "Martinsmorde"? Da kommen auch diese Martinshörnle vor, die es an diesem Tag überall zu kaufen gibt.
Zur Situation der Autoren und der Verlage noch ein Interview mit dem Autorenberater Stefan Wendel
Zur Situation der Autoren und der Verlage noch ein Interview mit dem Autorenberater Stefan Wendel
Montag, 31. August 2015
Was wir können
In der Diskussion über meinen Blogartikel der letzten Woche Das Ende der Ungeduld kam noch einmal die Frage nach Sinn und Zweck von Pseudonymen auf. Dass sie in bestimmten Fällen sicher gerechtfertigt sind, zum Beispiel bei erotischer Literatur oder bei Thrillern, die völlig aus der bisherigen "Marke" des Autors herausfallen. Vielleicht gibt es auch Namen, die von vornherein ein bisschen aufgepeppt werden können-und dabei kann man dann auch bleiben. Wenn ich Lieschen Müller heißen würde, wäre mir "Christa S. Lotz" dann doch einen Tick lieber. Novalis ist als Novalis klangvoller in die Literaturgeschichte eingegangen als mit dem Namen Friedrich von Hardenberg. Die andere Frage war die nach der Bekanntheit eines Autors, und dass er sich mühsam mit einem fremden Namen neu aufbauen muss, wenn er ein Pseudonym annimmt. Ich kenne zwar einen, der erst mit dem Pseudonym zum Bestsellerautor avancierte, aber auch nur, weil sich Agent und Verlag stark für ihn eingesetzt hatten. Bei Normalautoren sehe ich eher eine Art Zerstückelung des Namens. Ich als Leserin kann mir auf Teufel komm raus nicht merken, welcher mir bekannte Autor hinter einem Pseudonym steckt. Es sei denn, er ist mir so bekannt, dass ich einfach alles über ihn weiß, vor allem das, was er kann. Dabei kam für mich die Frage auf, was ich eigentlich kann.
Es gab Zeiten, da war ich so überkandidelt, dass ich glaubte, alles schreiben zu können, was ich wollte. Das stimmt aber nicht, wie ich im Lauf der Zeit merkte, und es ist auch dem leichten Größenwahn ensprungen, den viele Autoren zu entwickeln pflegen. Ich selbst wollte immer etwas bewegen mit meinem Schreiben, innerlich und äußerlich. Mit meinen Zeitungsartikeln habe ich viel bewegt, es gab sogar Offiziere und Bürgermeister, die öffentlich mit uns in den Medien diskutierten. Bei einer Kurzgeschichte gab es einen Leser, dem während des Lesens der Griffel aus der Hand gefallen sei. Und selbst Trauerreden kann ich schreiben, wie sich jetzt in Hamburg zeigte. Von einem professionellen Redner vorgetragen, wirkte sie so nachhaltig, wie ich es noch nie vorher erlebt hatte. Vor allem auch emotional. Dass ich Romane schreiben kann, brauche ich wohl niemandem mehr zu beweisen. Was ich nicht kann: das schreiben, was andere von mir erwarten. Genreliteraur schon, aber nicht in deren engen Grenzen. Ich möchte nicht Liebesszenen einbauen, wo keine hingehören, keine Toten und kein überflüssiges Blut oder verwesende Körpereile nur des Effektes willen hinzufügen. Es gibt also eine ganze Menge, was ich nicht kann. Am liebsten schreibe ich eh so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Als nächstes lasse ich mich hier im Blog über das Eventleben und seine Schattenseiten aus, inspiriert durch die Reise nach Hamburg, von der ich gestern nacht spät zurückkam, nachdem die Deutsche Bahn mir mal wieder ein paar mehr oder wenige lustige Streiche gespielt hat.
Es gab Zeiten, da war ich so überkandidelt, dass ich glaubte, alles schreiben zu können, was ich wollte. Das stimmt aber nicht, wie ich im Lauf der Zeit merkte, und es ist auch dem leichten Größenwahn ensprungen, den viele Autoren zu entwickeln pflegen. Ich selbst wollte immer etwas bewegen mit meinem Schreiben, innerlich und äußerlich. Mit meinen Zeitungsartikeln habe ich viel bewegt, es gab sogar Offiziere und Bürgermeister, die öffentlich mit uns in den Medien diskutierten. Bei einer Kurzgeschichte gab es einen Leser, dem während des Lesens der Griffel aus der Hand gefallen sei. Und selbst Trauerreden kann ich schreiben, wie sich jetzt in Hamburg zeigte. Von einem professionellen Redner vorgetragen, wirkte sie so nachhaltig, wie ich es noch nie vorher erlebt hatte. Vor allem auch emotional. Dass ich Romane schreiben kann, brauche ich wohl niemandem mehr zu beweisen. Was ich nicht kann: das schreiben, was andere von mir erwarten. Genreliteraur schon, aber nicht in deren engen Grenzen. Ich möchte nicht Liebesszenen einbauen, wo keine hingehören, keine Toten und kein überflüssiges Blut oder verwesende Körpereile nur des Effektes willen hinzufügen. Es gibt also eine ganze Menge, was ich nicht kann. Am liebsten schreibe ich eh so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Als nächstes lasse ich mich hier im Blog über das Eventleben und seine Schattenseiten aus, inspiriert durch die Reise nach Hamburg, von der ich gestern nacht spät zurückkam, nachdem die Deutsche Bahn mir mal wieder ein paar mehr oder wenige lustige Streiche gespielt hat.
Dienstag, 25. August 2015
Das Ende der Ungeduld
Gerade wollte ich schauen, ob ich den Titel "Das Ende der Ungeduld" nicht schon einmal verwendet hatte. Dabei stieß ich auf einen meiner Blogartikel aus dem Jahr 2010, in dem zwar von der Ungeduld des Autors die Rede, der Titel aber ein anderer war. Es ging um Genrewechsel und Pseudonym. Zwei Mitautoren rieten mir zum Pseudonym, Petra van Cronenburg ermunterte mich zum eigenen Namen, zur eigenen Marke. Und eine eigene Marke ist sie auch geblieben, wie man ihrem neuesten Beitrag entnehmen kann! Diesen Kreativitätsrausch kenne ich ebenfalls, und mein Phänomen der "glühenden Ohren" hatte ich in dem Artikel beschrieben; "Grenzen der Geduld" hätte ich es auch nennen können. Ich persönlich bin eigentlich ein grenzenlos geduldiger Mensch, und in diesem Sinne wurde meine Arbeit der vegangenen mehr als dreißig Jahre auch gebührend gewürdigt. Gleichzeitig bin ich aber ein wahnsinnig ungeduldiger Zeitgenosse. Schon als Kind habe ich Bastelarbeiten, die mir nicht gleich gelangen, an die Wand geschmissen. Das änderte sich schlagartig, als ich zu schreiben und zu veröffentlichen begann. Es gehört schon eine gewaltige Portion an Geduld - oder sagen wir lieber Ausdauer und "langer Atem"- dazu, Tausende von Seiten zu füllen, dafür Verlage und Agenturen zu suchen und das über einen Zeitraum von fast fünfzehn Jahren durchzuhalten. Das noch länger zu tun grenzt vordergründig schon an grenzenlose Selbstmarter, wenn man sich die heutigen Bedingungen der Veröffentlichung näher besieht. Die großen Buchhandlungen ordern offensichtlich nur noch Taschenbücher, die von den Verlagen massiv beworben werden. Am Self Publishing ist momantan wohl nur die Tatsache motivierend, dass Amazon pünktlich zahlt und dass man jeden Tag gucken kann, wie viele hundert Seiten heute denn wieder gelesen wurden. Manch ein Autor hat die Gelegenheit ergriffen und einen eigenen Verlag gegründet. Das Ende der Fahnenstange und das der Geduld scheint erreicht. Man könnte es auch als das Erreichen einer Belastungsgenze bezeichnen. Für mich ist es aber auch das Ende der Ungeduld, denn ich kann nicht mehr bekommen, als ich schon erhalten habe. Es gibt keinen Fortschritt mehr außer dem, den ich selber mache.
Das Ganze ist aber völlig zweitrangig, wenn man die Kulturschaffenden, die Autoren betrachtet. Ich höre nichts davon, dass sie massenweise aufgeben oder sich mit dem Gedanken tragen, aufzuhören. Nein, mit jedem neuen Buch brechen sie wieder auf in die von ihnen selbst geschaffene Welt. Und es wird immer Leser geben, die ihnen dorthin folgen. Auch ich habe ein Projekt, dessen Anfänge fast zehn Jahre zurückreichen. Vor einiger Zeit hat es mich gebissen, dann war ich wieder abgelenkt. Wunderte mich, dass es mich nicht mehr zum Schreibtisch gezogen hat. Bis ich (nach einigen Fragen meines Testlesers) darauf kam, dass das Vorhaben nicht schlüssig war und deshalb nicht funktionierte. Ich habe dann zwei Figuren und einen überflüssigen Mord rausgeworfen, die hatten den Handlungsfluss gestört. So richtig reinstürzen kann ich mich zwar immer noch nicht, weil ich für ein paar Tage in einer familiären Angelegenheit nach Hamburg muss. Aber vielleicht lässt mich die Zugfahrt auch ein wenig kreativ sein. In Hamburg kann ich einige Schauplätze meines Romans in Augenschein nehmen. Und dann gibt es noch den Krimi, der von einem kleineren Publikusverlag nicht veröffentlicht wurde, weil er an einigen Stellen nicht spannend genug gewesen sei. Ob sie damit meinten, die Polizeiarbeit hätte zu wenig im Vordergrund gestanden? Waren es zu wenig Dialoge, die ich beim Lesen gar nicht schätze, wenn das ganze Buch nur daraus besteht?
Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur weiterzuschreiben, sondern auch an "meinen Themen" Achtsamkeit, Resilienz (Belastbarkeit), Burnout, Grenzen und soiale Medien dranzubleiben. Und so werde ich mich für Mitte Oktober wieder im Kloster Heiligkreuztal anmelden. Da geht es um die Grenzen gegenüber anderen, aber auch um Belastbarkeitsgrenzen. Durchgeführt wird das Seminar von einer Psychotherapeutin mit einem Lehrauftrag in Innsbruck, die sich ebenfalls mit Burnout, Trauma und ähnlichen Themen beschäftigt. Ich erwarte mir davon Abstand und die Erfahrung von Grenzen, meinen Grenzen und denen der anderen.
Das Ganze ist aber völlig zweitrangig, wenn man die Kulturschaffenden, die Autoren betrachtet. Ich höre nichts davon, dass sie massenweise aufgeben oder sich mit dem Gedanken tragen, aufzuhören. Nein, mit jedem neuen Buch brechen sie wieder auf in die von ihnen selbst geschaffene Welt. Und es wird immer Leser geben, die ihnen dorthin folgen. Auch ich habe ein Projekt, dessen Anfänge fast zehn Jahre zurückreichen. Vor einiger Zeit hat es mich gebissen, dann war ich wieder abgelenkt. Wunderte mich, dass es mich nicht mehr zum Schreibtisch gezogen hat. Bis ich (nach einigen Fragen meines Testlesers) darauf kam, dass das Vorhaben nicht schlüssig war und deshalb nicht funktionierte. Ich habe dann zwei Figuren und einen überflüssigen Mord rausgeworfen, die hatten den Handlungsfluss gestört. So richtig reinstürzen kann ich mich zwar immer noch nicht, weil ich für ein paar Tage in einer familiären Angelegenheit nach Hamburg muss. Aber vielleicht lässt mich die Zugfahrt auch ein wenig kreativ sein. In Hamburg kann ich einige Schauplätze meines Romans in Augenschein nehmen. Und dann gibt es noch den Krimi, der von einem kleineren Publikusverlag nicht veröffentlicht wurde, weil er an einigen Stellen nicht spannend genug gewesen sei. Ob sie damit meinten, die Polizeiarbeit hätte zu wenig im Vordergrund gestanden? Waren es zu wenig Dialoge, die ich beim Lesen gar nicht schätze, wenn das ganze Buch nur daraus besteht?
Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur weiterzuschreiben, sondern auch an "meinen Themen" Achtsamkeit, Resilienz (Belastbarkeit), Burnout, Grenzen und soiale Medien dranzubleiben. Und so werde ich mich für Mitte Oktober wieder im Kloster Heiligkreuztal anmelden. Da geht es um die Grenzen gegenüber anderen, aber auch um Belastbarkeitsgrenzen. Durchgeführt wird das Seminar von einer Psychotherapeutin mit einem Lehrauftrag in Innsbruck, die sich ebenfalls mit Burnout, Trauma und ähnlichen Themen beschäftigt. Ich erwarte mir davon Abstand und die Erfahrung von Grenzen, meinen Grenzen und denen der anderen.
Sonntag, 16. August 2015
Der Flatrate-Autor
Mit einem Paukenschlag ist der Glutofensommer nun zu Ende gegangen. Zeit, um durchzuatmen und sich wieder auf alles zu besinnen, was vorher da gewesen war. In den letzten Tagen haben wir unseren traditionellen Zug durch die Buchhandlungen wieder aufgenommen. Ach was, Buchhandlungen, dazu zählen ja auch Antiquariate und die so genannten Bücherbäume. Bücherbäume sind das, was im Internet "Tausch-Gnom", "Tausch-Ticket" und so weiter genannt wird. In Städten wie Rottenburg, Bräunlingen, Obersontheim und Reutlingen gibt es Bücherregale, -stände und -bäume, in die man seine gebrauchten Bücher stellen und wieder welche mitnehmen kann Auch wenn da viel Verstaubtes von teils schon verstorbenen Unterhatungsliteraten steht, kann man doch immer mal wieder eine kleine Perle entdecken. Und ab und zu stelle ich dort eins meiner Autorenexemplare ein, zwecks diskreter Werbung. In den Buchhandlungen und sogar in den größeren Supermärkten nun ist mir aufgefallen, dass es dort inzwischen, wie bei Amazon, eine Flatrate zu geben scheint. Bücher, vor allem Hardcover, werden von 12,99 auf 3,99 Euro runtergesetzt. Bei Osiander in Reutlingen gibt es eine Riesenfläche, auf der Suhrkamp-Titel für einen Euro angeboten werden. In dem Zusammenhang muss ich noch sagen, dass die nächste kleinere unabhängige Buchhandlung in meiner Nähe vor allem Papierwaren verkauft und die Buchtitel relativ ungeordnet sind. Manchmal stoßen wir während unserer Touren noch auf diese kleinen, schönen Läden, zuletzt in Ehingen an der Donau. Die Buchhänderin erinnerte sich sogar an meinen letzten Aufbau-Roman.
Wenn ich also das nächste Mal wieder in einem Verlag veröffentlichen würde, hätte ich auf jeden Fall die Chance, nach ein paar Monaten oder Jahren unter diese Flatrate zu fallen, wie auch bei der Verramschung. *Edit: Das ist natürlich keine Flatrate, sondern ein Preisrabatt, wenn der Ladenpreis aufgehoben wurde. Nur habe ich nichts davon, denn selbst wenn ich vertraglich daran beteiligt würde, übersteigen die Verwaltungskosten meist das Resultat. Nicht so bei Amazon, sollte man denken. Seit Einführung der Flatrate im letzten Oktober sind die Einnahmen der Self Publisher kontinuierlich gesunken, bei mir seit Januar. Auch der, der nicht aufs Geld schauen will oder muss, ist darauf angewiesen, zumal er die Investitionskosten für das E-Book wieder reinkriegen muss. Jetzt ist die mit großer Spannung erwartete Juli-Abrechnung von Amazon gekommen. Die große Frage war für alle, mit wieviel Prozent aus dem Millionentopf die Autoren pro gelesener Seite vergütet werden. Es sind 0,06%. Und da kommt dann bei mehr als 10 000 gelesenen Seiten soviel raus wie vorher, also im Jahr 2015, für die Verkäufe. Gerecht, weil jetzt die Autoren mit mehr Seitenumfang mehr bekommen als die mit Kurzgeschichten? Gerecht, weil die lektorierten, korrektorierten, mit einem professionellen Cover versehenen und "spannenden" Bücher weniger verkauft, dafür mehr ausgeliehen und gelesen werden? Die meisten Verlage und deren Autoren haben sich bisher gegen das Flatratemodell gesperrt. Bei den Printbüchern kann man ja auch gar nicht erfassen, wieviele Seiten der Leser liest. Ob jemand, außer in einem Science-Fiction-Roman, wohl jemals daran gedacht hat, das Leserverhalten "auszuspähen"? Ich selbst lese übrigens immer noch am liebsten gedruckte Bücher, und wie ich hörte, soll es den meisten anderen Lesern auch so gehen. Mein persönliches Fazit aus der Situation ist folgendes: Ich werde meine drei E-Books weiter in diesem Programm laufen lassen und die wenn auch gesunkenen Tantiemen mitnehmen. Aber es hat sich definitiv etwas verschlechtert: Vor einem Jahr hatte ich die Kosten für das Buch in sechs Wochen wieder drin, diesmal wird es vorraussichtlich 8-9 Monate dauern, weil vierfache Kosten dazugekommen sind. Und wer weiß, wie schnell der Topf immer kleiner wird, weil immer mehr Autoren auf den Markt wollen! Für mich persönlich ist auch die Frage der Sichtbarkeit existentiell. So wie die Bücher in den Buchhandlungen gesehen werden müssen, um gekauft zu werden, müssen die Amazon-Kunden das Buch ebenfalls im Shop sehen, um es zu kaufen oder auszuleihen. Mit den Verkäufen war die Sichtbarkeit immer wieder gegeben, mit den Ausleihen kaum noch. Selbst wenn mir der Support versicherte, auch die gelesenen Seiten hätten einen Einfuss auf das Ranking. Für andere mag dieses Modell noch seinen Reiz haben, bei mir war es jetzt mit dem dritten Buch ein Auslaufmodell.
Wenn ich also das nächste Mal wieder in einem Verlag veröffentlichen würde, hätte ich auf jeden Fall die Chance, nach ein paar Monaten oder Jahren unter diese Flatrate zu fallen, wie auch bei der Verramschung. *Edit: Das ist natürlich keine Flatrate, sondern ein Preisrabatt, wenn der Ladenpreis aufgehoben wurde. Nur habe ich nichts davon, denn selbst wenn ich vertraglich daran beteiligt würde, übersteigen die Verwaltungskosten meist das Resultat. Nicht so bei Amazon, sollte man denken. Seit Einführung der Flatrate im letzten Oktober sind die Einnahmen der Self Publisher kontinuierlich gesunken, bei mir seit Januar. Auch der, der nicht aufs Geld schauen will oder muss, ist darauf angewiesen, zumal er die Investitionskosten für das E-Book wieder reinkriegen muss. Jetzt ist die mit großer Spannung erwartete Juli-Abrechnung von Amazon gekommen. Die große Frage war für alle, mit wieviel Prozent aus dem Millionentopf die Autoren pro gelesener Seite vergütet werden. Es sind 0,06%. Und da kommt dann bei mehr als 10 000 gelesenen Seiten soviel raus wie vorher, also im Jahr 2015, für die Verkäufe. Gerecht, weil jetzt die Autoren mit mehr Seitenumfang mehr bekommen als die mit Kurzgeschichten? Gerecht, weil die lektorierten, korrektorierten, mit einem professionellen Cover versehenen und "spannenden" Bücher weniger verkauft, dafür mehr ausgeliehen und gelesen werden? Die meisten Verlage und deren Autoren haben sich bisher gegen das Flatratemodell gesperrt. Bei den Printbüchern kann man ja auch gar nicht erfassen, wieviele Seiten der Leser liest. Ob jemand, außer in einem Science-Fiction-Roman, wohl jemals daran gedacht hat, das Leserverhalten "auszuspähen"? Ich selbst lese übrigens immer noch am liebsten gedruckte Bücher, und wie ich hörte, soll es den meisten anderen Lesern auch so gehen. Mein persönliches Fazit aus der Situation ist folgendes: Ich werde meine drei E-Books weiter in diesem Programm laufen lassen und die wenn auch gesunkenen Tantiemen mitnehmen. Aber es hat sich definitiv etwas verschlechtert: Vor einem Jahr hatte ich die Kosten für das Buch in sechs Wochen wieder drin, diesmal wird es vorraussichtlich 8-9 Monate dauern, weil vierfache Kosten dazugekommen sind. Und wer weiß, wie schnell der Topf immer kleiner wird, weil immer mehr Autoren auf den Markt wollen! Für mich persönlich ist auch die Frage der Sichtbarkeit existentiell. So wie die Bücher in den Buchhandlungen gesehen werden müssen, um gekauft zu werden, müssen die Amazon-Kunden das Buch ebenfalls im Shop sehen, um es zu kaufen oder auszuleihen. Mit den Verkäufen war die Sichtbarkeit immer wieder gegeben, mit den Ausleihen kaum noch. Selbst wenn mir der Support versicherte, auch die gelesenen Seiten hätten einen Einfuss auf das Ranking. Für andere mag dieses Modell noch seinen Reiz haben, bei mir war es jetzt mit dem dritten Buch ein Auslaufmodell.
Dienstag, 14. Juli 2015
Fünf Tage im Abseits
Jetzt ist es schon zehn Tage her, dass ich zuletzt einen Beitrag geschrieben habe. Das war nicht freiwillig und hing auch nicht mit Überlastung irgendeiner Art zusammen. In meinem alten Acer-Laptop, einem jahrelang hilfreichen Erbstück, war nämlich seit Monaten der Wurm drin. Vorne links war so ein blaues Licht, ein Strich und ein Kreis, die den Betrieb des PCs anzeigten. Das hatte mit der Zeit einen immer stärkeren Wackelkontakt. Die nötigen Konsequenzen habe ich so lange wie möglich rausgeschoben, denn ich wusste, was mir geblüht hätte. Tagelang hätte ich ohne meine Arbeitsinstrumente auskommen müssen. Am Schluss hatte ich das Kabel mit Tesafilm festgeklebt. Als er dann wieder abstürzte, war es soweit. Ich rief meinen Spezialisten an, einen Computerfachmann aus den Jugendtagen meines Sohnes, der mir schon oft weitergeholfen hatte. Ja, ich soll ihn vorbeibringen. Bis zum Zeitpunt der Übergabe ließ ich auch noch den Servicemann vom Media-Markt draufgucken. Nein, es sei nicht das Kabel, sondern drinnen die Buchse sei kaputt, womöglich über das ganze Board, das könne teuer werden. Beim Herumstochern mit dem Schraubenzieher ging dann der Rest auch noch kaputt. Auf jeden Fall, langer Rede kurzer Sinn, der Computer blieb zur Begutachtung bei meinem PC-Fachmann. Obwohl ich mitten in einer Rabattaktion für mein Ebook stand und dafür gerade das Cover zusammen mit meiner Designerin neu gestaltete. Passen tut es sowieso nie! Nach zwei Tagen stand fest: Der alte Laptop war eigentlich nicht mehr zu gebrauchen, ein neuer musste her. Ich hatte schon Entzugserscheinungen und manchmal schlechte Laune. Glücklicherweise fand am Freitag ein wunderbares Fest des Vereins statt, bei dem ich fünfzehn Jahre lang beschäftigt war, ganz romantisch auf einer Burg mit blauem Himmel, blühenden Winterlinden, Musik und dem Duft nach gegrilltem Fleisch und Würsten. Ich hatte einmal angeboten, dem Verein auch weiterhin behilflich zu sein mit Zeitungsartikeln und so, und schon war ich schwuppdiwupp zur Pressefrau ernannt worden. Aber wie sollte ich diesen Artikel schreiben bzw. an die richtigen Stellen und zur Redaktion befördern? Ich schrieb ihn mit der Hand, immer mit der Option vor Augen, ihn per Auto in die Stadt befördern und dort abgeben zu müssen, in der Hoffnung dass jemand meine Klaue lesen könnte, zu der meine Handschrift verkommen ist. Derweil dauerte die Übertragung der alten Dateien auf den neuen Computer und dauerte. Mein Spezialist musste sich das ganze Wochenende damit herumschlagen. Allmählich begann ich mich an den Zustand zu gewöhnen. Ich schrieb sogar die ersten Seiten meines neuen Romans per Hand in einen DIN A4-Block mit kariertem Papier, wohl darauf achtend, dass ich es später selber noch lesen konnte. Ja, man könnte ohne Computer leben. Man muss nur längere Wege in Kauf nehmen. Nicht mal geschwind nach etwas gucken, wonach einem gerade ist, eine Recherche, wie das Wetter wird, wer eine Mail geschrieben hat oder was in dem und dem Forum gepostet wurde. Wie sich denn die Bücher verkaufen und ausleihen. Man müsste sein Leben komplett wieder umstellen und auf das Niveau der sechziger bis achtziger Jahre zurückschrauben. Als dann gestern der neue Laptop kam, etwas kleiner, leistungsstark und schnuckelig, war ich überglücklich. Schrieb den Artikel und schickte ihn per Mail ab, schaute in alle Foren und Blogs. Und ich muss sagen: Eigentlich hatte sich nicht viel getan in den fünf Tagen. Eine Mail wegen des Covers, eine Einladung zu einem Treffen. Fazit: Als Arbeitsinstrument ist der PC unentbehrlich, auch für Recherchen. Auch für die Kommunikation, aber mit Abstrichen. Ich habe festgestellt, dass ich am Samstag die Zeitung (ich habe sie nur am Samstag) ganz gelesen habe, dass mein Garten viel besser gestaltet aussieht und dass ich offline einiges gelernt, mehr mit Realmenschen gesprochen habe. Und trotzdem ist es ein beruhigendes Gefühl, dass der Neue jetzt da steht, wo er steht. Denn man kann, wann immer man will, etwas mit ihm anfangen.
Donnerstag, 4. Juni 2015
Der letzte Arbeitstag
Am Dienstag war es dann so weit: Nach dem Team saßen wir alle, Kollegen und Vorgesetzte, beisammen und feierten meinen Abschied aus dem Berufsleben. Ein duftender Blumenstrauß, Geschenkgutscheine für Bücher und Restaurantessen, leckere Blaubeertörtchen und Lachsspinatrollen, ein buntes, warmes Programm. Die großen Geschenkkörbe hatte ich ja in den Monaten vorher schon erhalten. Super, wenn man so gehen kann und mit allem im Reinen ist! Natürlich wurde ich auch gefragt, was ich denn so für die Zukunft plane. Und dass ich glücklich zu preisen sei. Erstmal an die neuen Strukturen gewöhnen, das Auto zur Inspektion bringen, ein Arztbesuch meines Partners, dann Urlaub wer weiß wohin. Weimar wäre mal wieder eine gute Adresse, unvergesslich das Goethehaus im Park an der Ilm und die lockere, "geistreiche" Atmosphäre der Stadt. Viele schöne und hochinteressante Orte in der Nähe. Und natürlich kann unter der Woche gefahren werden, wenn das Wetter stimmt. Die Vereine weit und breit hatte ich schon alle gecheckt, aber nur einen gefunden, für den ich vielleicht auch weiter tätig sein könnte: der, in dem ich nun schon seit vielen Jahren bin und für den ich fast sechzehn Jahre lang gearbeitet habe. Alle wollten wissen, wie es mit dem Schreiben weitergeht. Und staunten nicht schlecht, dass ich demnächst ein eigenes Ebook herausgeben will. Manche waren noch nicht so mit dem Reader vertraut, andere nehmen ihn schon lange auf Reisen oder zum Zelten mit. Wie geht das mit dem Loslassen, wenn man bis zum Schluss voll drin war in der Arbeit? Ich habe mich in den letzten Wochen, die noch sehr dicht und ereignisreich waren, an vielen Stellen gefragt, ob ich das noch weiter haben will. Und kam zu einem eindeutigen "nein"! Bei der Rückfahrt wollte ich gerade ein Plätzchen auf der Höhe suchen, um die Arme in den sommerlichen Himmel zu werfen, als mit einem Pling das Display aufleuchtete. Reifen hinten rechts verliert an Druck! Auweia, nicht auch das noch, bitte. Der Reifenhändler zog einen Nagel aus dem Reifen. Wir hatten mal ein Auto, in dessen Reifen fast jede Woche ein Nagel oder eine Schraube steckte. Wie kommen die Leute eigentlich dazu, solche Dinge auf die Straße zu werfen? Bei denen ist wohl eine Schraube locker!
Mittwoch, letzter Arbeitstag, natürlich mit vollem Programm, mit therapeutischem Team und Gruppe. Es war wie immer und doch wie von einem glänzenden Schleier überzogen. Helfen ist jetzt kein berufliches Werkzeug mehr, sondern ein humaner Wert. Die Gruppe hatte sich eine Auswahl meiner Bücher zum Abschied gewünscht. Da lagen sie nun, und ich erklärte kurz den Inhalt, die Bedeutung und auch ihr Schicksal in der Verlags- und Bücherwelt. Ja, Mörike, von dem hatte man mal Gedichte auswendig lernen müssen. Alle Augen glänzten. Ein letztes Zusammensitzen im Garten, bei einem bombastischen Renteneinstiegswetter, der Garten, in dem man so viele Grillfeste gefeiert, so viele Spiele gespielt und so viele Konflikte hat lösen helfen. Und dann Tür zu, Schlüssel in den Briefkasten, die eigene Tasse muss noch mit. Herzliche Umarmungen, kein Blick zurück. Ein total glückliches, freies Gefühl. Wie im Traum die Wanderung über den abendlich warmen Kapf. Heerscharen von Riemenzungen und Hummelragwurz stehen dort aufgereiht, dazu der weite Blick über die Kuppen des nördlichen Schwarzwaldes. Und die Sicherheit, dass Erfahren, Erwandern und Erschreiben weiterhin
die Eckpfeiler meiner Landkarte sein werden.
Vom Glück, eine Glückshaut zu haben
Mittwoch, letzter Arbeitstag, natürlich mit vollem Programm, mit therapeutischem Team und Gruppe. Es war wie immer und doch wie von einem glänzenden Schleier überzogen. Helfen ist jetzt kein berufliches Werkzeug mehr, sondern ein humaner Wert. Die Gruppe hatte sich eine Auswahl meiner Bücher zum Abschied gewünscht. Da lagen sie nun, und ich erklärte kurz den Inhalt, die Bedeutung und auch ihr Schicksal in der Verlags- und Bücherwelt. Ja, Mörike, von dem hatte man mal Gedichte auswendig lernen müssen. Alle Augen glänzten. Ein letztes Zusammensitzen im Garten, bei einem bombastischen Renteneinstiegswetter, der Garten, in dem man so viele Grillfeste gefeiert, so viele Spiele gespielt und so viele Konflikte hat lösen helfen. Und dann Tür zu, Schlüssel in den Briefkasten, die eigene Tasse muss noch mit. Herzliche Umarmungen, kein Blick zurück. Ein total glückliches, freies Gefühl. Wie im Traum die Wanderung über den abendlich warmen Kapf. Heerscharen von Riemenzungen und Hummelragwurz stehen dort aufgereiht, dazu der weite Blick über die Kuppen des nördlichen Schwarzwaldes. Und die Sicherheit, dass Erfahren, Erwandern und Erschreiben weiterhin
die Eckpfeiler meiner Landkarte sein werden.
Vom Glück, eine Glückshaut zu haben
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