Posts mit dem Label Theodor Fontane werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Theodor Fontane werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 30. Dezember 2018

Ende des Jahres

An dieser Stelle möchte ich allen Lesern meines Blogs ein gesundes, interessantes und lebenswertes Jahr 2019 wünschen! Von mir eine ganz kurze Bilanz: Die Weihnachtszeit und die Zeit zwischen den Jahren habe ich in einer Art Mini-Winterschlaf verbracht (ziemliche Erkältung), und dadurch ist mir das meiste an Trubel erspart geblieben. Das Extremwetterjahr 2018 stand für mich persönlich unter dem Stern des Regionalkrimis. "Martinsmorde" wurde als E-Book und als Taschenbuch veröffentlicht, meinen neuen Schwarzwaldkrimi habe ich jetzt bis auf die letzten Seiten fertig - bis zum 1. Februar muss er dann noch überarbeitet werden.

Einige Zeit lang habe ich nach einem passenden Gedicht für die Zeit "zwischen den Jahren" gesucht. War nicht einfach. Vorhin bin ich auf eins von Theodor Fontane gestoßen. Das umschreibt die Lage ein kleines bisschen.

Und wieder hier draußen...
Und wieder hier draußen ein neues Jahr -
Was werden die Tage bringen?!
Wird's werden, wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?
Wird's fördern das, worauf ich gebaut,
Oder vollends es verderben?
Gleichviel, was es im Kessel braut,
Nur wünsch' ich nicht zu sterben.
Ich möchte noch wieder im Vaterland
Die Gläser klingen lassen
Und wieder noch des Freundes Hand
Im Einverständnis fassen.
Ich möchte noch wirken und schaffen und tun
Und atmen eine Weile,
Denn um im Grabe auszuruhn,
Hat's nimmer Not noch Eile.

Freitag, 16. September 2016

Wie ein Schreiber zu Potte kommt

Immer, wenn ich in den beiden letzten Wochen an meinen Blog dachte und daran, dass es mal wieder Zeit würde, einen Beitrag zu schreiben, verwarf ich diesen Gedanken wieder. Der letzte Beitrag war ein Herbstgedicht von Theodor Fontane, was merkwürdigerweise geradezu zu einem Hype von Besuchern führte. Als würden viele Menschen nach Sinn-Gedichten oder Dingen suchen, die sie mental aufbauen. Das kann natürlich nicht zur Folge haben, dass mein Blog künftig nur noch aus Zitaten bestehen würde und ich nichts mehr aus meiner Feder fließen lasse. Ja, für wen schreibe ich jetzt seit zehn Jahren diesen Blog? Für alle, die meinen Blick auf das Leben (und auf das Schreiben) teilen. Gestern habe ich kurz in einen Fernsehbericht reingeschaut, in dem es um Hass im Netz ging. Radikalisierung entstehe, wenn sich eine Gruppe bildet, die eine Meinung teilt und alles andere ausschließt. Solidarität entsteht umgekehrt genauso, nur lässt sie abweichende Meinungen zu oder kann sie absorbieren. Des Weiteren habe ich überlegt, ob ich für meine Altersgruppe, die Rentner, einen Beitrag schreiben sollte. Wie es sich anfühlt, nach etwas mehr als einem Jahr richtig angekommen zu sein, sich von den Vorstellungen, die das Berufsleben bestimmten, verabschiedet zu haben. Und eine ganz neue, entspanntere Identität gefunden zu haben.

Wenn du in Rente gehst, wirst du sicher froh sein, mehr Zeit zum Schreiben zu haben, sagte damals eine Klientin zu mir. Wir wünschen dir noch viele Bestseller, schrieben die Kollegen auf das Abschiedskärtchen. Was schreibst du denn gerade, und wie geht es sonst mit deinen Büchern?, wollte die Vorstandsrunde beim Abschiedsessen wissen. Da komme ich immer in Erklärungsnot. Das Buchgeschäft ist auch nicht mehr das, was es einmal war, versuche ich dann auszuweichen. Ich schreibe jetzt E-Books. Das war die große Unbekannte und in den Kreisen durchaus kein erstrebenswertes Mittel, um Bücher zu lesen. Sie alle gehören allerdings zu meiner "Zielgruppe", denn sowohl Klienten als auch Kollegen haben meine Bücher immer sehr gern gelesen.

Was ich mit meinem "Rentnerbeitrag" hätte erreichen wollen? Vielleicht anderen in einer ähnichen Situation Mut zu machen, andere, kreativere Wege zu gehen als bisher. Ich hatte nur noch nicht die Worte dafür gefunden. Heute Morgen besuchte ich den Blog einer lieben Autorenkollegin, die genau das schrieb, was mir die ganze Zeit im Kopf herumgegangen ist. Tausend und ein Gedanke. Das gilt nicht nur für das Schreiben, sondern für das eigene Leben, das man unabhängig von der Meinung anderer so gestaltet, wie es für einen passt und was einen "glücklich" macht. "Erfolg", so denke ich gerade, ist eine Art dicke Kuh, die einen aufs Eis zum Tanzen verführen will. (Da höre ich im Hintergrund Protest der vielen Leser, die meine Bücher gelesen haben-hallo, hier, hier ist deine Zielgruppe!, monieren sie). Dem Ruf dieser tanzenden Kuh bin ich nicht mehr gefolgt, habe mich nirgends mehr beworben, sondern schreibe an meinem neuen Roman, dessen verknotete Strukturen ich vor ein paar Tagen aufgelöst und neu zusammengesetzt habe. Ich kann wieder schreiben, ohne zu wissen, ob sich dafür eine Agentur, ein Verlag oder eine Zielgruppe im Self Publishing finden wird. Und das ist einfach beglückend.

Dienstag, 30. August 2016

Altweibersommer

                                                         
O trübe diese Tage nicht

              O trübe diese Tage nicht,
 Sie sind der letzte Sonnenschein,
Wie lange, und es lischt das Licht
   Und unser Winter bricht herein.

   Dies ist die Zeit, wo jeder Tag
    Viel Tage gilt in seinem Wert,
Weil man's nicht mehr erhoffen mag,
Dass so die Stunde wiederkehrt.

Die Flut des Lebens ist dahin,
Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,
Und sieh, es schleicht in unsern Sinn
Ein banger, nie gekannter Geiz;

Ein süßer Geiz, der Stunden zählt
Und jede prüft auf ihren Glanz,
O sorge, daß uns keine fehlt
Und gönn' uns jede Stunde ganz.
(1819 - 1898), dt. Schriftsteller, Journalist, Erzähler und Theaterkritiker