Mittwoch, 4. August 2010

Und immer wieder: Die Verkaufszahlen

Eigentlich ist es ja schon bekannt, wie das mit den Büchern, den Vertretern und dem Buchhandel funktioniert. Trotzdem habe ich diese Nachricht (Sendung des NDR vom April des Jahres) mit Interesse gelesen.
Ich finde, es fällt schwer, sich bei diesen Tatsachen zu sagen: Es kommt nicht auf die Verkaufszahlen an, denn wenn du die als Autor nicht bringst, nimmt der Verlag dich nicht mehr und dein Buch steht in keiner Buchhandlung. Anscheinend sind es die Titel (und Cover), die den Buchhändler von der Verkäuflichkeit eines Buches überzeugen müssen, damit er es bestellt. Also doch Anpassung an den Buchmarkt - um jeden Preis? Oder darauf verzichten, ewig im Wettbewerb zu stehen und bei den Kleineren oder gar nicht veröffentlichen?
Tannöd wird als gegenteiliges Beispiel genannt - es kam aus einem kleinen Verlag und hat sich explosionsartig hochgearbeitet. Aber selbst, wenn man einen Buchpreis gewinnt und zum Bestsellerautor wird, kann schon das nächste Buch ein Flop sein. Das kommt dann zurück, und alle machen lange Gesichter. Nehmen wir mal den Krimi, den ich gern schreiben würde. Ich lese gerade einen, der absoluten Bestsellerstatus hat ("Tiefe Wunden"von Nele Neuhaus), und er gefällt mir auch nicht schlecht, aber ich würde so einen Krimi nie schreiben. Kürzlich hat mir hier der Verlagsmensch geraten, unabhängig von irgendwelchen Genrevorstellungen zu schreiben. Das würde ich auch gern tun, aber ich habe ehrlich gesagt etwas Angst, dann darauf sitzen zu bleiben. Alle Krimis, die ich lese, sind Kommissar- und Ermittlungskrimis. Auch die Regionalkrimis. Sollte ich nicht doch lieber die Finger davon lassen?

Kommentare:

Verlagsmensch hat gesagt…

Ihre Bedenken sind verständlich, klar - und trotzdem würde ich Ihnen zuraten.

Sie nennen ja selbst das Beispiel Tannöd - ein Krimi ohne die herkömmlichen Zutaten, vermutlich einfach geschrieben, weil die Autorin vom Stoff fasziniert war, das Buch schreiben mußte.

Und der Erfolg gab ihr recht. Nachträglich hat sie über die vielen Absagen vermutlich nur gelächelt.
Aber ich gebe zu, hinterher lächeln ist leicht.
Mut kostet es schon.
Den wünsch ich Ihnen!

teamor hat gesagt…

Liebe Christa,

lass dich nicht vom Schielen auf einen Markt (der sowieso ein unberechenbar-unzuverlässiger Ratgeber ist) von einer Idee abbringen, die offenbar in dir brennt und brütet. Ich hab die letzten Tage genau darüber intensiv nachgedacht. Ganz neu von einer Agentur vertreten will ich beweisen, dass das Vertrauen in mich gerechtfertigt ist. Ich will GENAU das RICHTIGE abliefern. Den Marktnerv treffen. Und ich mach mich total verrückt mit einer Anforderung an mich, die ich nicht erfüllen kann - zumindest so lange nicht, bis ich endlich das Ding mit dem Hellsehen im Griff habe ;-)

Was ich damit sagen will (und zu diesem Schluss bin ich genau heute gekommen): Schreib deinen Krimi, wenn du ihn in dir fühlst. Und schreib ihn genau so, wie du ihn vor dir siehst. Egal, ob "man" sowas "normalerweise" mit Kommissar, mit Hund oder mit Sondereinsatzkommando schreibt. Was ist schon normal?
Für dich als Autor gibt es nur eine Instanz - DU. Wenn es das ist, was dir vorschwebt, dann wird es gut! Und was gut ist, wird auch ankommen. Und basta!

Herzlich (und gerade sehr kämpferisch!)
Gabi

P.S.: Nachdem ich jetzt schon so lange still bei dir mitlese, würde ich mich freuen, wenn ich dich mit meinem Blog verlinken dürfte (und umgekehrt wäre es mir natürlich eine Ehre!)

Christa hat gesagt…

Danke für den Zuspruch!

@Verlagsmensch:

"Nachträglich hat sie über die vielen Absagen vermutlich nur gelächelt."

Natürlich ist auch da was dran. Ich habe über die vielen Absagen und die lange Zeit, die mein erster Roman bei einem großen Verlag überstehen musste, gewiss nicht gelächelt. Ich war drauf und dran aufzuhören. Dann wurde er ein unerwarteter Erfolg. Da konnte ich natürlich lächeln - oder eher grinsen. Aber sowas lässt sich nicht einfach wiederholen. Die Frage, die ich mir stelle, ist die: bin ich noch einmal so mutig, trotz der Absagen nicht aufzugeben?

@Gabi: Die Idee "brennt" schon seit Jahren, sie war sogar die Grundlage für weitere Romane, die daraus hervorgegangen sind, einschließlich des erfolgreichen. Aber das Feuer knistert gerade noch so, und man muss schon kräfig pusten, um da wieder ein richtiges Knattern zu hören.:-)
"Genau das Richtige"-ja, was ist das eigentlich? Einerseits variierte Kopien bereits erfolgreicher Bücher, andererseits dann wieder die Treffer, die niemand vorhersagen konnte. Mein Agent hat mich bei der Entwicklung des ersten Plots unterstützt, den zweiten habe ich völlig unabhängig geschrieben, weil die Idee in mir brannte. Und welches Buch war erfolgreicher? Oder lag das nur an dem Titel? Ich muss real damit rechnen, auf meinem letzten historischen Krimi sitzen zu bleiben, gerade weil er so ganz nach meinem eigenen "Feuer" geschrieben ist. Kann man nicht auch an seinen Schreibideen ausbrennen?
"Wenn es das ist, was dir vorschwebt, dann wird es gut! Und was gut ist, wird auch ankommen."

Dass es gut wird, kann schon möglich sein. Aber eben nicht "gut genug", um den Geschmack vieler tausender Leser zu treffen. Natürlich könnte ich es auch machen wie gehabt: Bisher wurde fast alles, was ich geschrieben habe, veröffentlicht, irgendwer wird es dann also schon nehmen, so, wie es bei den beiden letzten der Fall war, beim allerletzten wie gesagt noch ohne Ergebnis. Anders kann man wohl damit nicht umgehen.
Ich habe den Markt immer beobachtet, mich nie angepasst, sondern nur das geschrieben, was ich selber auch gern gelesen habe. Aber auch nicht völlig "danebengeschrieben", an der Zielgruppe vorbei, wie man immer so schön sagt.
Ach, Gabi, ich wünsche uns, dass wir etwas freier von solchen Gedanken werden könnten! Ich habe bei dir auch schon mitgelesen, und werde dich gern verlinken, so wie du mich auch gern verlinken kannst. Vielleicht können wir uns gegenseitig die Stange halten bei diesen Aufs und Abs?

Ganz herzlich
Christa

Verlagsmensch hat gesagt…

<<...damit rechnen, auf meinem letzten historischen Krimi sitzen zu bleiben, gerade weil er so ganz nach meinem eigenen "Feuer" geschrieben ist.<<<

Die Schlußfolgerung halte ich für falsch, liebe Frau Lotz.
Das hat eher etwas mit genretypischen Marktbedingungen, die sich rasch ändern können, zu tun.

Sich anpassen oder sich ganz davon freimachen - das ist die Frage, die jeder selbst entscheiden muß.
Ersteres ist vielleicht bequemer - bis der Markt sich erneut ändert...

Christa hat gesagt…

"Sich anpassen oder sich ganz davon freimachen - das ist die Frage, die jeder selbst entscheiden muß.
Ersteres ist vielleicht bequemer - bis der Markt sich erneut ändert..."

Für mich war bisher, wie gesagt, das eigene Leseverhalten ausschlaggebend. Wenn man diesen Satz oben bis zur Neige auskostet, würde das bedeuten: Wir sollten für uns und für die Schublade schreiben und immer dann was herausziehen, wenn sich der Markt geändert hat ...:-)
Spaß beiseite, ich weiß, was Sie meinen. Der Markt ist so vergänglich wie die Nachrichten oder die Zeitung, wo schon morgen keiner mehr weiß, was er am Vortag gesagt hat. Das, was wir schreiben, könnte überdauernd sein. Es könnte.

Herzlichst
Christa S. Lotz

PvC hat gesagt…

Mein kurzes Fazit, liebe Christa: Hör auf den Verlagsmensch, etwas anderes kann ich dir auch nicht sagen.

Du lässt dich meiner Meinung nach noch viel zu sehr von irgendwelchen Nachrichten und angeblichen Märkten beeinflussen und immer wieder beuteln, die so viel wert sind wie der morgendliche Kaffeesatz in der Tasse - und die sich von heute auf morgen ändern können.

Ich bin heute noch dem Leiter eines großen Konzerns der Konsumgüterbranche dankbar, der mir einmal sagte: "Wenn wir unsere Produkte mit so wenig echter Marktforschung und so viel abstruser Zielgruppenmagie anbieten würden wie Verlage, gäbe es unsere Firma längst nicht mehr."
Er war sich natürlich bewusst, dass Kulturgüter nicht mit Konsumgütern vergleichbar sind, aber *wir* sollten uns bewusst sein, dass dieses ganze Marktgeschwätz unserer Branche auf reichlich tönernen Füßen steht. Wir als Autoren also erst recht zaubern dürfen.

Wir können uns natürlich täglich das Hirn zermartern, warum in einem Verlag 1000 Exemplare als Erfolg gelten und im anderen 10.000 als Flop angesichts des Werbeaufwands. Wir können uns wochenlang wundern, warum der riesige Publikumsverlag X Autor Y mit 560 abverkauften Thrillern noch eine Chance gibt, aber die Freche-Mädchen-Autorin bei 25.000 Exemplaren im Honorar drückt (wahre Begebenheiten). Und wenn wir dann auch noch erfahren, wie Auflagenzahlen kräftig geschönt werden, um Buchhändler zu kapern ... ja was dann?

In dieser Zeit könnten wir auch unser Buch schreiben. UNSER Buch.

Die Frage ist doch nicht: "Wie schreibe ich ein Buch, damit es Erfolg hat?"
Vorausgesetzt, es ist ein gutes Buch, ist der Erfolg eine Sache des Marketings und Vertriebs. Dazu muss das Buch aber erst mal geschrieben sein. Und der andere Teil des Erfolgs, ob das Buch nun gut ist oder nicht, hängt am Glück. Das können wir so wenig beeinflussen wie eine Roulettekugel.

Räum den Ballast all der Bedenken weg, nähre deine Idee - dann brennt sie auch wieder lichterloh.
Du weißt, im Roulette gewinnen manchmal diejenigen, die gar keine Ahnung vom Spiel haben und einfach fröhlich mitmachen. Diejenigen, die intensiv an Systemen arbeiten und glauben, die Kugel berechnen zu können, verzehren sich irgendwann selbst...

Was hast du denn eigentlich zu verlieren??? Wenn nicht jetzt, wann dann?

Herzlichst,
Petra

Anni Bürkl hat gesagt…

Liebe Christa,

also nicht alle Ermittler ermitteln beruflicher-dings. ;-) (Meine Teelady hatte es ja auch nicht leicht bei Verlagen, aber Schwarztee & Ausgetanzt verkaufen sich respektabel.)

Aber wahrsch. meinst Du ganz was Anderes ... auch dafür gibts Beispiele.

LG aus Wien
Anni

Alice Gabathuler hat gesagt…

Ich bin überzeugt: Wir schreiben das am besten, das wir schreiben WOLLEN, ohne auf wen oder was auch immer zu horchen.

Ich weiss: Ich wäre keine gute Autorin für ein Buch, das ich nach dem schreiben würde, von dem ich glaube, der Markt brauche es. Das Thema würde dann vielleicht passen, aber meine Erzählsprache nicht.

In diesem Sinne: Schreib, was DU erzählen möchtest, so, wie du es erzählen möchtest. Und: Krimis brauchen durchaus nicht immer den klassischen Ermittler!

rena.tram hat gesagt…

Hallöchen Christa & alle anderen,:-)

ich lese schon eine ganze Weile bei euch mit; eure Themen sind deshalb so interessant für mich, weil ich auch regelmäßig in die Tasten "haue". In der Welt der Literatur herrcht ein kühler, manchmal auch eisiger Wind; finde ich zumindest.
Nachdem ich viele Sachbücher ausgesaugt habe, bin ich mir sicher, dass ich mich nie dem Markt anpassen würde. Ich schreibe die Geschichte, die ich schreiben muss. Und wenn es ein Flop wird - na und?! Dann bin ich vielleicht enttäuscht, vielleicht ein bisschen wütend und vielleicht sogar ein bisschen am Boden zerstört. Aber - ich stehe wieder auf und schreibe die nächste Geschichte, weil es gar nicht anders geht.
Demnächst erscheint mein erstes Kinderbuch (Fantasy), in einem kleinen Verlag. Ich habe keine Ahnung, wohin diese Reise gehen wird; aber das wusste ich auch noch nicht, als ich vor drei Jahren mit der Geschichte begann.
Aber eines weiß ich mit Sicherheit: Aufhören mit Schreiben werde ich nie, solange ich atmen kann.
Ich wünsche Euch allen einen schönen Abend und drücke die Daumen für alles, was Ihr Euch vorgenommen habt.

Grüßlies von Rena

Christa hat gesagt…

Danke für die aufschlussreichen Antworten!
Hinter meinen Fragen steckt einzig und allein die Befürchtung, immer wieder mal Bücher für die Halde zu schreiben. Also, wenn man sich sehr reinvertieft und viel Zeit, Energie und Konflikte mit der Umwelt auf sich genommen hat, dann evtl. zu hören: Nehmen wir nicht, dass die Zahlen beim letzten Buch ...usw. Auf den Markt gucke ich kaum noch und will auch nicht für kurzlebige Trends schreiben. Ich wollte schon immer schreiben, was ich schreiben w o l l t e, und dann sollten ja, wie ihr wisst, meine Bücher in der Buchhandlung stehen.

@Petra: Du hast uns immer davor gewarnt, uns von irgendwas vereinnahmen zu lassen. Ja, es fällt nicht immer leicht, eine Linie konsequent durchzuhalten. Nein, ich habe nichts zu verlieren, nur Zeit, die nicht sinnvoll genutzt wurde.

@Anni: Das habe ich an deiner Leseprobe gesehen, und es war mir sehr angenehm!

@Alice: Bei jedem Buch, das ich lese, von dem ich den Eindruck habe, es sei nach den Marktgesetzen geschrieben, sage ich mir: Das möchte ich nicht. Ich werde heute Abend
noch mindestens den zweiten und dritten Satz des Krimis schreiben, denn der erste ist schon geschrieben.

Herzliche Grüße an alle
Christa

Christa hat gesagt…

@Rena: Deinen Kommentar habe ich erst nachher gesehen. Ich finde es total spannend, wie aus allen Ecken Antworten kommen, wenn ich hier mal ein bisschen rumjammere!:-)
Na und?, zu sagen, wenn ein Buch ein Flop wird, ja, das muss ich noch lernen.

Schönen Abend ebenfalls
Christa

Petra hat gesagt…

Nein, ich habe nichts zu verlieren, nur Zeit, die nicht sinnvoll genutzt wurde.

Wie verbringt man Zeit mit Garantie und Sicherheitssiegel sinn-voll?
fragt sich Petra

Christa hat gesagt…

@Petra: Ich kann es so schlecht ausdrücken. Ich meine, ich möchte für eine Arbeit, die ich mir -mit aller Freude und allem Enthusiasmus und allem Sinn-gemacht habe, auch irgendwie anerkannt werden. Wenn ein solcher Roman in der Schublade verschwinden muss, habe ich das Gefühl, ihn umsonst geschrieben zu haben.

Herzlich
Christa

Rabenblut hat gesagt…

Liebe Christa,
ich möchte keine unqualifizierten Ratschläge erteilen. Aber bei Friederike Schmöe las ich ein Zitat von Philip Larkin:
"One reason for writing is that no one has written what you want to read."
Das ist für mich überhaupt der beste Grund zu schreiben. Natürlich schreibt man auch für seine Leser, aber vor allem sollte man das schreiben, was man gerne lesen möchte. Ansonsten gibt es nur noch Alle-Age-Einheitsbrei-Geschreibsel. Das wäre für mich, wie jeden Tag nur Top 10-Popcharts hören - grauenvoll.
Hab Vertrauen in Deinen Geschmack und in Deine Fähigkeiten.
Eines der beliebtesten Klavierstücke aller Zeiten ist Beethovens "Mondscheinsonate", das war schon zu seinen Lebzeiten so. Beethoven bemerkte dazu, dass er doch wahrlich besseres geschrieben habe. Selbst Genies wie er, konnten nicht hellsehen.;-)

Liebe Grüße,
Nikola

Christa hat gesagt…

Nikola,

Das schreiben, was noch niemals vorher jemand geschrieben hat, oder s o vorher noch niemand geschrieben hat, das ist der absolute Gedanke: Du musst Hellseherin oder Autorencoach sein!:-) Wobei wir das mit dem Genie mal nicht übertreiben wollen ... ich schreibe gut, aber niemals genial.
Und ich hoffe, dass wir dir nicht die letzten Illusionen über das Schreiben und Veröffentlichen geraubt haben.

Liebe Grüße
Christa

Rabenblut hat gesagt…

Illusionen schon, aber nicht die Hoffnungen.;-)

rena.tram hat gesagt…

Hallöchen Christa,

ich muss mich noch mal kurz melden. :-)
Gestern Abend habe ich mir diesen Artikel ein zweites Mal durchgelesen und bin überzeugter denn je, dass größere Verlage nicht (zwingend) die besseren Bücher produzieren. Die Fakten sprechen ja für sich.
Wenn die "GROßEN" soviel Geld für Werbezuschüsse ausgeben, frage ich mich ernsthaft, ob das mit Qualität zu tun hat und ob die auch wirklich hinter ihren Autoren stehen. Hätten alle (kleine, mittlere und größere)Verlage dieselben Startbedingungen, würde das Ergebnis mit Sicherheit ein anderes sein. Und die suchende Hand im Buchladen griffe nach einem Buch, das nicht unbedingt den Namen "Carlsen" oder "Heyne" trägt. (z.Bsp.)
Klar, wenn man etwas veröffentlicht, würde man sich auch riesig freuen, es im Buchladen vorzufinden. Aber wenn ich wüsste, das Buch gelangt nur dorthin, weil genug vom Verlag dafür bezahlt wird, wüsste ich nicht, ob mir persönlich das so gefallen würde.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag.

Grüßlies Rena

Christa hat gesagt…

"...no one has written what you want to read.""

Den zweiten Halbsatz habe ich gestern überlesen: Das geht noch etwas weiter: Das man das schreibt, was man lesen möchte. Oder schon immer mal lesen wollte. Wenn man nicht gerade davon träumt, ein Shakespeare oder Hemningway zu werden -

Liebe Grüße
Christa

Christa hat gesagt…

Liebe Rena,

soweit ich informiert bin, taucht ein Buch im Buchhandel auf, wenn die Buchhändler genügend
Bücher vorbestellt haben. Danach richtet sich auch die Auflage. Bezahlen müssen die Verlage für Sonderaktionen, Büchertische usw. Das darf gern korrigiert werden. Wenn die Verlage für die Präsenz im Buchhandel bezahlen müssten, verstehe ich umso besser, wenn dann auch die Verkaufszahlen stimmen müssen.

Herzlichst
Christa

PvC hat gesagt…

Wenn ein solcher Roman in der Schublade verschwinden muss, habe ich das Gefühl, ihn umsonst geschrieben zu haben.

Ah, das ist ein eklatanter Unterschied zwischen uns beiden. Schreiben ist für mich Leben und wenn ich nicht schreibe, habe ich das Gefühl, eine Menge Leben verpasst zu haben. Ich brauch das wie Atmen.

Vielleicht bin ich durch die Sachbücher auch abgebrühter, eben weil nicht jedes Thema jederzeit geht, entwickelt man meist mehrere parallel und probiert. Natürlich liegt dann immer etwas in der Schublade, aber irgendwann verkauft es sich oder ändert sein Gesicht und wird ein neues Buch. Allerdings würde ich ein Sachbuch ohne Zusage nur dann schreiben, wenn ich's stattdessen auch bereit wäre, bei BoD herauszubringen.

Ich bin da vielleicht lockerer. Hab auch einen Krimi mit bisher 160 Seiten in der Schublade, hat riesig Spaß gemacht. Aber ich finde, da liegt er derzeit gut und wenn er sich in ein paar Jahren wieder meldet, wird er überarbeitet und fertig geschrieben. Meldet er sich nicht, ist auch gut, dann habe ich eine Menge gelernt.

Übrigens: Man kann auch Bücher verkaufen, die nicht in Buchhandelsketten ausliegen. Meist sogar ohne Verfallsdatum ;-)

Herzlichst,
Petra

Christa hat gesagt…

"Ah, das ist ein eklatanter Unterschied zwischen uns beiden. Schreiben ist für mich Leben und wenn ich nicht schreibe, habe ich das Gefühl, eine Menge Leben verpasst zu haben. Ich brauch das wie Atmen."

Ja, das ist unterschiedlich bei uns. Während ich das Buch schreibe, habe ich intensiver gelebt und geatmet, aber es ist sozusagen geboren worden, ohne das Licht der Welt zu erblicken. Wie ein Gedanke, den ich anderen gegenüber nicht ausgesprochen, sondern nur gedacht oder in mein Tagebuch geschrieben habe. Das Leben-daneben- ist dagegen vom Schreiben durchdrungen, nach einem Buch möchte ich mich wieder voll hineinstürzen.
Ansonsten liegt bei mir ja ebenfalls noch genug rum, was irgendwann zum Roman oder zum Sachbuch werden könnte.:-) Und natürlich verkaufen sich Bücher auch anders als über Ketten.
Ich muss jetzt gleich zur Arbeit, aber diese Diskussion hat mich sehr beflügelt, muss ich sagen, und ich werde bald wieder etwas über die weitere Entwicklung schreiben. Das mit dem Atmen, dem Leben und dem Schreiben fand ich schon immer hochinteressant!

Herzlichst
Christa

schreibix hat gesagt…

hallo christa,

mir fallen dazu drei dinge ein:

1. die wirklichen totalen knaller im buchmarkt waren sehr oft diejenigen, die die marktgesetze unterlaufen haben. es musst sich halt nur jemand finden, der den mut hat, diesen gesetzesbruch verlegerisch zu unterstützen. aber es sind doch alle immer auf der suche nach dem neuen, dem anderen, dem ungewöhnlichen, das behaupten sie jedenfalls. wenn du also etwas besonderes schreiben willst, dann kommst du irgendwie doch gar nicht drumherum, es anders zu machen, als alle anderen. dann musst du dich nur noch mit dem gedanken anfreunden, dass es länger dauern kann, bis du es unterbringen kannst. aber das war am anfang deiner karriere doch bestimmt auch schon so. back to the roots, quasi.

2. wer will schon bei der krimi-couch eine bewertung von 50% haben? ala "naja, ganz nett, haben wir aber so schon hundert mal woanders gelesen"? lieber begeisterte rezensenten (und damit meine ich nicht die professionellen). oder eben gar keine.

3. ich bezweifle, dass man ein buch bis zum ende fertig schreiben kann, das einem nicht liegt, das man aber für marktgängig hält. oder man scheibt es fertig, findet es aber grauenhaft. kann man so ein manuskript einer agentur oder einem verlag "verkaufen"? oder noch besser: stell dir vor, du bringst es tatsächlich zu ende, es wird verlegt, weil es eben gängig ist, und dann sitzt du bei einer lesung und musst den leuten erklären, wie du auf die tolle idee zu deinem spannenden buch gekommen bist. spätestens dann könnt ich mich nicht mehr im spiegel anschauen. abgesehen davon, dass man jemandem meistens anmerkt, ob er sein herzblut in die sache gesteckt hat oder nicht.

gruß vom schreibix

P.S.: ich fühle mich wie ein elender klugscheißer, weil ich bis jetzt noch nicht mal einen einzigen roman veröffentlicht habe, gerade mal mit einer leseprobe bei zwei agenturen interesse geweckt. auch ein krimi übrigens.

Christa hat gesagt…

Hallo, Schreibix,

Es ganz anders machen zu wollen als andere kann aber auch einen Wolf auslösen, der dich hetzt. Am Anfang meiner "Karriere" stand einfach der Wunsch, ein Buch veröffentlichen zu wollen. Das war natürlich kein Knaller. Und die anderen auch nicht. Ich habe mich über die kleinen Erfolge gefreut. Wenn ich jetzt einen Krimi schreibe, denke ich nicht an die Krimicouch, sondern daran, dass ich tatsächlich back to the roots muss, nämlich nur den Wunsch zu haben, eben diesen Krimi zu schreiben.
Nein, es kommt mir nicht klugscheißerisch vor, an diesem Punkt stand ich ja auch einmal.

Herzlichst
Christa

Petra hat gesagt…

Christa, ich hätte noch eine sehr freche Anregung. Ich wage es, sie auszusprechen, weil ich das Spielchen schon mit mir selbst gespielt habe.

Es ganz anders machen zu wollen als andere kann aber auch einen Wolf auslösen, der dich hetzt.

Stell dir vor, es gibt eine Tätigkeit, mit der du ganz sicher und schnell Erfolg haben wirst, bei der du dir keinen Wolf holst, bei der dich keine Unsicherheiten, Bedenken und Zweifel quälen, bei der alles vorherberechenbar ist. Du bekommst Anerkennung, die Menschen lieben und loben dich. Suchst du nach dieser Tätigkeit?

Ganz einfach, hier ist sie: NICHT Schreiben.

Ich meine das im Ernst. Verbiete es dir. Gib es auf (vorerst). Widme dich dem wunderbaren Leben ohne all diese Zwänge und Grübeleien. Versage dir jede Buchidee, jede Arbeit an einem Manuskript. Schreibverbot - du allein bestimmst, wie lange. Ich meine damit ein vorsätzliches Schreibverbot, den bewussten Entschluss, nicht mehr zu schreiben. Nicht diese Zeiten, wo man "halt nicht dazu kommt".

Und dann schau mal, was nach einer Weile mit dir passiert, was es mit dir macht... Ich prophezeie dir, das Ergebnis wird überraschend sein und jede Menge Grübeleien ersparen.

Herzlichst,
Petra