Dienstag, 12. Januar 2021

Der Blick nach vorn - 2021

 Heute hatte ich endlich einmal wieder Muße, in anderen Blogs zu schmökern und bin gleich auf einen sehr menschlichen Artikel in Petra van Cronenburgs Blog gestoßen.

Das Jahr der Heilung

Petra fragt sich unter anderem, was dieses Jahr der Pandemie eigentlich mit uns gemacht hat. Dass es uns verändert hat, und sie überlegt und bemerkt, dass es Ansätze zu einem allmählichen Ausstieg aus der Entfremdung gibt, neue Möglichkeiten, das Leben auf diesem gebeutelten Planeten zu gestalten. Wenn ich an die Zeit um Weihnachten herum denke, sehe ich Parallelen zu dem Bericht. An Heiligabend sind wir -nach dem traditionellen Coq au Vin - trotz des Schmuddelwetters durchs Dorf gelaufen. Einmal in Richtung Spielplatz, vorbei am Dorfplatz mit dem neuen Backhäuschen, das Murmeln der Steinach im Ohr. Vor einem der hingeduckten Häuser hatte jemand eine Tonne mit Holzscheiten befüllt, die jetzt lustig und wärmend loderten. Ein paar Kinder fuhren auf ihren Rollern herum, eine Dame führte ihren Hund spazieren. Wir wechselten ein paar Worte mit ihr. Dann ging es in die andere Richtung. auf das einzige Fabrikchen zu, das dieser Ort zu bieten hatte. Jedes dritte Haus war festlich mit Lichtergirlanden geschmückt, mit Weihnachtsbäumen und sonstigem Glanz. Wir überlegten bei jedem Haus, wer wohl da drin wohnen mochte und wie es ihnen ging. An Silvester haben die Nachbarn bloß ein paar Böller gezündet, es klang wie ein Maschinengewehr. Nur eine einzige verlorene Rakete habe ich in der Ferne gesehen. Ja, ich mag dieses globale Verschwendungs-Freudenfeuer in der Regel auch nicht und habe es doch schmerzlich vermisst. Es gab wahrlich keinen Grund zum Feiern, aber man hätte dieses verdammte Jahr auch mit Rasseln und Weihrauch verabschieden können!

Ja, und es sind Kontakte zustande gekommen, auch mit Fremden. Nie werde ich die Schülerin vergessen, die sich neben mich im Freien auf eine Bank setzte und mir ihr Leid in der Berufsschule mit den Masken klagte und von ihrem Leben mit der Großmutter erzählte. Der Sommer in der Stadt mit dem Fahrrad, als alles wieder so halbwegs normal erschien. Heute musste ich  mein Auto in die Werkstatt bringen. Zurück an meinen Wohnort fuhr mich eine junge Frau-in einem desinfizierten Mercedes-Bus-, ich hinten, sie vorn am Steuer. Sie hätten keine Kurzarbeit, sagte sie, es seien alle da, und sie sei froh, dass sie überhaupt arbeiten könne. Manchmal, wenn ich mal wieder zu Hause bin, gucke ich aus dem Fenster wie diese alten Damen mit den weißen Ringellöckchen, die ich früher immer so belächelt habe. Ich beobachte, was draußen vor sich geht, wer vorbeidefiliert, mit oder ohne Sportstöcke. Wann die Arztfamilie von gegenüber spazieren geht, wann sie kurz auf den nächsten Hügel zum Schlittenfahren düst. Umgekehrt werde auch ich beobachtet, wenn ich zum Einkaufen losziehe oder meinen Partner besuche. Manche Nachbarn sehe ich nur noch selten. Aber ich höre es, wenn der Sohn Trompete spielt oder auf dem Schlagzeug herumtrommelt. Aber das wird alles immer seltener. Die alte Frau mit dem Rollator, die es sich bei gutem Wetter nie nehmen ließ, herumzufahren und die Frühlingsprimeln und Krokusse in meinem Garten zu bewundern oder auch mal auf ein Schwätzchen stehenzubleiben, hütet bei den Wetterverhältnissen lieber das Haus. Was wohl aus der anderen alten Damen geworden ist, die letztes Jahr beim Metzger neben mir stand? Mit der ich mich über das Rentendasein unterhalten habe, während sie einen Fünfkilobrocken Rindfleisch kaufte. Das Weihnachtsessen für die ganze Familie! Ja, es ist still geworden, und viele werden über zunehmende Antriebslosigkeit klagen.

Ich spüre diese Zermürbung ebenfalls. Aber ich weiß aus meiner beruflichen Zeit noch sehr gut, was hilft, wenn man angeschlagen ist. Nicht nur Ausschlafen, Erholen und Auftanken sind wichtig, sondern auch ein geregelter Tagesablauf. Für sich selber sorgen mit gutem Essen, interessanten Büchern und Filmen, Spaziergängen, Telefonaten und digitalen Kontakten. Nicht zu viele Nachrichten gucken, aber immer informiert sein. Auch wenn das nicht direkt nützt wie in dem Fall, dass das südafrikanische Virus jetzt im Zollernalbkreis angekommen ist. Es nützt nur zu wissen, dass ich selbst Teil dieses globalen Prozesses bin, bei dem sich Menschen auf der ganzen Welt dem gleichen Ziel verschrieben haben, nämlich diese Pandemie zu besiegen.




Und es sei eine humanitäre Leistung ungeahnten Ausmaßes, so hörte ich kürzlich in einer Sendung, dass sie sich dem Ziel verschrieben haben, ihre Alten und vulnerablen Gruppen zu retten. Ich habe auch noch eine ganz persönliche Methode gefunden, damit umzugehen. Immer, wenn ich Filme über Landschaften, Städte, Kunstschätze, Kirchen, Klöster sehe, wenn ich lese oder auch Wandersendungen sehe, habe ich so ein kleines Gefühl von Verlorenheit im Bauch. Selbst Wörter wirken als Trigger. Ich sehe das alles vor mir und sage mir dann, dass ich das alles, alles gehabt und gesehen habe. Bis ich mir die Fotos ansehe oder auch wieder schreibe, wird wohl noch eine Zeit vergehen.
Die Birnau am Bodensee

Bodensee



Leberblümchen am Donau-Wanderweg

Schloss Lindich bei Hechingen

Wanderung auf der schwäbischen Alb

Der Blautopf bei Blaubeuren

Alte Kapelle bei Grüningen

Schloss Bronnen

Küchenschellen

Hier bei uns ums Eck (Walddorf)

Sonntag, 27. Dezember 2020

Eine Wanderung zwischen den Jahren

 Nur wenige Kilometer von meinem Wohnort entfernt gibt es ein Gebiet, das ich seit Anbeginn kenne wie meine Westentasche. Es ist der Egenhauser Kapf, eine Anhöhe am Rand des Schwarzwaldes, die seit 1969 als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Auf ihren Muschelkalkböden wachsen seltene und vom Aussterben bedrohte Pflanzen wie Orchideen, Enziane und Silberdisteln. In diesen Corona- Zeiten ist das Gebiet bei schönem Wetter besonders überlaufen, aber die Menge verstreut sich bald wieder in der weiträumigen Fläche. Egenhauser Kapf

Gestern, am zweiten Weihnachtsfeiertag, unternahm ich zusammen mit meinem Sohn David und Dany, seiner Verlobten, eine größere Wanderung auf diesem Kapf. Das ist inzwischen eine Weihnachts-Tradition geworden. Wir sind schon zu dieser Zeit im Tiefschnee herumgestapft, haben uns Wind und Wetter ins Gesicht blasen lassen, den Schmetterling gemacht und sind immer wieder denselben oder andere, neue Wege gegangen.


                                                   Der verschneite Kapf im Jahr 2014


 

Ein Stück bergauf hinter der Klinik gibt es einen größeren Parkplatz, von dem aus man die Tour starten kann. Wir haben dann den traditionellen Weg gewählt. Man kann entweder durch die Heide nach oben gehen, aber das ist nur zu anderen Jahreszeiten wirklich reizvoll. Hier stehen nämlich im Frühling, im Sommer und im Herbst viele seltene Pflanzen. Wir sind die geteerte Straße hinaufgelaufen bis zu einem weiteren Parkplatz. Links sieht man einen verwitterten Gartenzaun. Dort unten steht ein altes Ausflugslokal, das bis vor etwa zehn Jahren noch bewirtschaftet war. Inhaber waren eine ältere Frau und ihr Sohn. Beide waren das, was man "Unikate" nennt. Es gab kleinere Speisen, Eis aus der Gefriertruhe, Kaffee und eine Terrasse, die von großen Volieren mit Wellensittichen umringt war. Die waren sogar im Winter draußen. Was bei einigen zum Kältetod führte. Auf der anderen Seite vom Parkplatz oben geht es zu einer zerklüfteten Steinbruchlandschaft. Er war ein Lieblingsspielplatz meines Sohnes, mit Höhlen, Klettersteigen und einer kleinen Ruine. Dort hatten wir kurz nach dem Atomunfall in Tschernobyl ein Feuer gemacht und gegrillt, ohne etwas vom radioaktiven Fallout zu wissen. In der Folge durfte man nur noch Gemüse und Salat aus Gewächshäusern essen. Einige werden diese Zeit noch kennen. Sie war nicht so einschneidend wie die jetzige Krise und auch nicht so sehr wie Fukushima.


Wenn man dem geteerten Weg weiter folgt, vorbei an einem christlichen Freizeitheim, über die Kreuzung hinweg, läuft man auf Walddorf zu. Rechts zwischen den mächtigen Kiefern stand diesmal ein geschmückter Weihnachtsbaum, Gruß eines lieben Menschen. 

Walddorf liegt hübsch eingebettet inmitten von Obstwiesen. Vor Corona gab es meiner Erinnerung jedes Jahr Apfel- und Mostfeste. 

Man kann, bei trockenem Wetter, einem Weg quer über die Felder bis zum Waldrand folgen. Dort beginnt neben einer Bank der Weg in den Wald. Wir sind weiter geradeaus gelaufen, links abgebogen und haben eine Abkürzung über die Wiese genommen, wo wir auf denselben Weg trafen. Kurzes Stück nach rechts, dann führt ein schmaler Pfad nach unten. 

Beim Austritt aus dem Wald steht man oberhalb einer Heide und hat einen herrlichen Bick auf den Ort Egenhausen und die Ausläufer des Schwarzwalds. Beim Hinabgehen sieht man kleine Wacholderbüsche am Waldrand, die schon fast von den Bäumen erstickt worden sind. Bekanntlich halten Schafe die Heiden frei von der Baumvegetation, und wir haben auch schon oft Schafherden auf dem Kapf gesehen.

Unten geht es immer panoramamäßig auf Halbhöhe entlang, bis man nach insgesamt ca. zwei Stunden den Ausgangsparkpatz erreicht. Es war für uns nicht nur eine Wanderung mit Sonne und ein wenig Schnee inmitten regen-und matschreicher Tage, sondern auch eine zwischen den Zeiten.

Donnerstag, 24. Dezember 2020

Weihnachten 2020

Allen Lesern und Leseinnen, die hier noch ab und zu vorbeikommen, wünsche ich ein friedliches und besinnliches Fest! Es ist ein Weihnachten, wie es bestimmt kaum keiner bisher erlebt hat. Zugegeben habe ich die letzten Jahre und Jahrzehnte das Brimborium um diesen Termin herum nicht gerade genossen. Die Hektik, die Staus und der massive Druck, der selbst dann aufgebaut wurde, wenn man gar nicht richtig mitgemacht hat. Im Frühjahr war der Lockdown noch weltweit gespenstisch anzusehen. Diesmal haben wir in Baden-Württemberg sogar eine Ausgangssperre ab 20 Uhr. Es war merkwürdig, in gewisser Hinsicht fast feierlich, um diesen Zeitpunkt herum von einem Besuch nach Hause zu fahren. Alles dunkel, kaum ein Auto unterwegs, die Tankstellen und die Parkplätze der Supermärkte wie leergefegt. Ein paar kleine Geschenke und den Vorrat für die vier Feiertage habe ich mir in den Geschäften geholt, die noch offen hatten, also in Supermärkten und Drogerien. Dabei sah ich jedoch auch manche Menschen, die ordentlich gehamstert hatten. Einkaufswägen voll mit Bierkästen, Klopapier, Nudeln und Partyzeugs. Und ich hoffe sehr, dass das Verhalten mancher Leute nicht zu einer weiteren Steigerung der Zahlen beiträgt. 

Es ist zwar traurig, einem weiteren Lockdown - mehr oder weniger - bis Ostern entgegenzusehen, doch man kann sich auch darin einrichten. Über die Stille und die ausbleibende Hetze dieser Jahreszeit freue ich mich auf der anderen Seite ganz besonders. Wir feiern zu zweit, am 26. 12. kommen mein Sohn und seine Freundin zu einem Kurzbesuch.



Hier noch ein Adventsgedicht von Rainer Maria Rilke:

Advent

Es treibt der Wind im Winterwalde
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird.
Und lauscht hinaus: den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin – bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit.

Rainer Maria Rilke, 1875 - 1926

Freitag, 4. Dezember 2020

Plötzlich Hotspot

 Jetzt ist unser Kreis Calw auch ein Hotspot geworden, neben Pforzheim, Karlsruhe und weiteren Städten und Kreisen in Baden-Württemberg. Unsere Nachbarländer und viele Millionen Menschen haben das ja schon erlebt. Man weiß nie, wie es dazu kam, aber ich las in der Zeitung, dass der Oberbürgermeister unserer Nachbarstadt Nagold erschrocken war, wie viele Leute sich kürzlich beim "Weihnachtsbaumleuchten" und der langen Einkaufsnacht in den Geschäften drängten. Darüber hinaus gibt es neue Infektionen in Altenheimen der Umgebung. Für uns ändert sich nicht viel, selbst wenn eine nächtliche Ausgangssperre kommt. Wir gehen nachts schon lange nicht mehr aus. Das Leben hat sich in einem bestimmten Rhythmus eingespielt und umfasst in der Regel so 20 bis 30 Quadratkilometer Stadt und Land. Man ist enger zusammengerückt, redet mit Nachbarn und alten Bekannten, und auch Weihnachten wird kaum anders verlaufen als sonst. Ich habe mir ein Adventssträußchen aus dem Garten zusammengebastelt, aus Edeltannenzweigen, Kirschlorbeerblättern und Hagebutten, und noch ein paar mattrote Kugeln und Silbersterne drangehängt. Kerzen in einer Schale drapiert. November und Dezember waren schon immer Monate, in denen ich mich mehr zu Hause aufhielt als anderswo. Ich pendle zwischen meinem Wohnort, dem Supermarkt und dem Ort, an dem mein Partner wohnt. Doch so wie im Frühling, im Sommer und im Herbst zu wandern, Fahrrad zu fahren, irgendwo eine Kleinigkeit zu essen oder einen Kaffee zu trinken - das vermisse ich schon. Die Natur noch mehr als die Kultur, denn letztere kann ich auch digital oder beim Bücherlesen erleben. Gute Filme sehen. Einige unserer besten Sendungen sind manchmal die von Markus Lanz. Und inzwischen sind die Städte schon wieder geisterhaft leer, wie ich kürzlich zusammen mit meinem Zahnarzt feststellte.

Ursprünglich hatte ich richtig Angst vor diesem Corona-Winter. Jetzt ist er da, und ich weiß, dass es für alle hart ist. Für viele extrem. Doch weil dieser Winter da ist, habe ich auch keine Angst mehr. Die Pandemie ist Alltag geworden, so war es stellenweise auch im Krieg. Wie man dem entgegensteuern kann, indem man rausgeht und sozusagen einen anderen Blick auf seine Umgebung wirft, hat Petra van Cronenburg vor ein paar Tagen in ihrem Blog beschrieben. Schönheit. Der andere Blick

Montag, 5. Oktober 2020

Rezension zum Krimi "Mörderische Förde"

 

Ist mir noch nie passiert: Gleich am ersten Tag der Erscheinung eines Buches war heute schon die erste 5-Sterne-Rezension da! Ist bei Lovelybooks, Thalia, Weltbild usw. gelistet.

Aufregend

Sonntag, 27. September 2020

Herbst in der Krise



Der Sommer war sehr groß, sehr heiß und trocken. Hat uns über die Krise hinweggetröstet. Dem Klima einerseits genutzt durch weniger Emissionen, andererseits durch Dürre der Natur geschadet. Nun stehen uns Herbst und Winter bevor, und alles wird noch ein wenig kritischer. Die Kultur ist größtenteils auf der Strecke geblieben. Diese Jahr sollte dem schwäbischen Dichter Hölderlin gewidmet sein. Von ihm stammt der Spruch:

Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.

Und das unvergessliche Gedicht vom Neckar:

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne;
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm' ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin, 170-1843





Sonntag, 13. September 2020

Schreiben in Zeiten der Pandemie


 Über welche Zeit scheibt ein Romanautor in Zeiten der Pandemie? Beschränkt er sich auf alles, was vor dem Januar 2020 geschah? Mein jetziger Roman spielt im Sommer 2019. Mit Masken, Abstandspflicht, Ausfüllen von Kontaktdaten in den Cafés und Restaurants sowie den Reisebeschränkungen hätte er nicht funktioniert. Ich weiß nicht, wie man weiterhin Romane schreiben kann. Alles vordatieren? Tun, als wenn nichts wäre? Erstmal bin ich erleichtert, dass ich heute, nach einem halben Jahr Arbeit an meinem Roman, mit dem Korrekturexemplar fertig geworden bin. Meine Situation ist ja sehr privilegiert. Andere Kollegen sind da viel stärker betroffen, besonders durch Ausfall von Lesungen u.a. Ein mir bekannter süddeutscher Schriftsteller musste sich einen neuen Verlag suchen, so las ich in einer Zeitung. Die Frankfurter Buchmesse wurde kürzlich doch noch abgesagt, nachdem sie lange für Mitte Oktober - in abgespeckter Hallenform und vor allem digital - stattfinden sollte. https://bit.ly/2GRzQhX

Das Schreiben ist seit zwanzig Jahren zu meinem Lebensalltag geworden. Unvorstellbar, wie die langen Herbst-und Wintermonate in der Pandemie ohne das zu überstehen sind. Aber ich kann mich auch in andere Richtungen orientieren. Da die kulturellen Angebote eingeschränkt sind und mein geliebtes Schwimmen nur noch mit digitalem Code und abgezählt in Bahnen stattfinden kann, sind das kaum noch Alternativen. Sie gehen mehr ins Digitale, in die Medien und den Austausch in Foren.






Sonntag, 30. August 2020

Mörderische Förde

Mein Ostseekrimi hat vom Verlag einen neuen Titel erhalten: "Mörderische Förde".
Das Manuskript habe ich am Donnerstag weggeschickt. Danach hat sich der Computer so lange aufgehängt, dass ich ihn noch am selben Tag auf Werkseinstellungen zurückgesetzt habe. Glücklicherweise kann ich hier in meinem Blog (Googlekonto) wieder Bilder herunterladen. Ein paar andere Funktionen sind verlorengegangen, die Dateien, die Medienverbindungen und die meisten anderen zum Glück nicht. Jetzt plätschert der Regen schon den ganzen Tag aus einem tiefgrauen Himmel. Die Natur kann aufatmen.


Vorgestern bei einem Abendspaziergang im nördlichen Schwarzwald

Sonntag, 23. August 2020

Müssen Romanfiguren sympathisch sein?

 Hier ist ein Artikel von Hans Peter Roentgen, der mir in meiner Blogroll aufgefallen ist.

Es geht darum, welche Figuren in Romanen uns faszinieren und nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Denn es sind nicht die vordergründig "sympathischen", das heißt "netten" Charaktere, die man dutzendweise auch im wahren Leben findet. Sondern diejenigen, die zum Beispiel von einer Leidenschaft beherrscht werden, ein Ziel haben, das sie unbedingt erreichen wollen. Und dabei auch scheitern können.

https://hproentgen.wordpress.com/2020/08/22/mussen-romanfiguren-sympathisch-sein/

Montag, 10. August 2020

Die Ostsee kann sehr kalt sein


                                                                              

Am letzten Donnerstag habe ich meinen Ostseekrimi an die Lektorin im Verlag geschickt. Heute kam die Bestätigung: wohlbehalten angekommen. Mit einer ersten Rückmeldung kann ich Ende der Woche/ Anfang nächster Woche rechnen. Um ehrlich zu sein: Das Schreiben dieses Romans hat mir die Monate der Pandemie, des Lockdowns und der weltweiten Geschehnisse erleichtert! In den derzeitigen Hundstagen lasse ich tagsüber meine Rollläden herunter, trinke viel Mineralwasser mit Zitronenspritz, und wir gehen nur abends m kühleren Tal spazieren. Angesichts der Urlaubermassen im Schwarzwald und überall verzichten wir dieses Jahr darauf wegzufahren. Wir haben in der Nähe einiges neu entdeckt: die Kneipe einer bekannten oben auf der Höhe, Wander-wege gleich um die Ecke, idyllische Fleckchen an der Steinach und der Nagold und ein Restaurant-Café mitten in Nagold am Fluss. Da kann man ewig lang sitzen, Kleinigkeiten wie Bruschetta futtern und mit alten bekannten quatschen die vorbeikommen. Mein kleiner Garten und die Terrasse sind in diesem Sommer das absolute Paradies! 

Das Leben ist trotz oder gerade wegen Corona einfach geworden.

Mittwoch, 1. Juli 2020

Von Mäusen und Menschen

Während ich gestern Abend die Terrassentür zum Lüften geöffnet hatte, sah ich aus dem Augenwinkel eine kleine Hausmaus hereinhuschen. Sie verschwand unter dem Bücheregal. Irgendwie fand ich sie süß. aber es war mir auch nicht ganz wohl dabei, eine Maus im Haus zu haben. Vor ein paar Tagen war sie in der Küche an der herunterhängenden Schürze hochgeklettert und dann ebenfalls verschwunden. Erst unter dem Kühlschrank, dann hinterm Grill. Ich habe überall nachgeguckt, aber sie war und blieb verschwunden. Mit Speck fängt man Mäuse, dachte ich und legte ein Stück Käse draußen vor die halb offene Tür. Das heißt, ich gab ihr Gelegenheit zu entkommen. Der Käse war noch da, die Maus nicht mehr. Ich frage mich, was sie in meiner Wohnung sucht, wenn nicht was zum Fressen. Kühle, Sicherheit? Und was aus dieser Mäusebeziehung wird, weiß ich auch noch nicht. Ich kann meine Fenster und Türen nämlich nicht dauerhaft verschließen.

Bei geschlossenen Fenstern und Türen kann nämlich Folgendes passieren:
Neulich saß ich einige Stunden auf der heißen Terrasse und schrieb an meinem Roman. Alles idyllisch, umrahmt von grünwuchernden Pflanzen, Rosen, Feuerlilien und den Blüten des Oleanders. Ein kleiner blaugrüner Strandschirm über mir, ein kaltes Getränk neben mir. Plötzlich hörte ich ein lautes Klatschen, einen Knall, der mich hochschrecken ließ. Ein Spatz landete mit ausgestreckten Flügeln auf der Gartenbank. Da blieb er liegen, anscheinend innerlich unverletzt, aber in Schockstarre. Ich brachte ihn in den Schatten und stellte ein Schälchen Wasser neben ihn. Den ganzen Nachmittag dachte ich, der stirbt jetzt. Was sollte ich nur tun? Und ein Tierarzt war wegen des Feiertages nicht zu erreichen. Gegen Abend richtete er sich auf und stand einfach da. Stundenlang. Ich flößte ihm etwas Wasser ein und legte Brotbröckchen neben ihn. Daraufhin drehte er das Köpfchen und steckte es nach hinten ins Gefieder. Er schlief. Er schlief den ganzen Abend. Um ihn vor den Nachbarkatzen zu retten, brachte ich ihn auf einem Tuch in die Küche, er hatte gekackt, das war gut so. Am Morgen flatterte er an meinem Schlafzimmerfenster herum. Ich brachte ihn nach draußen, wo er wieder saß und schlief. Kurze Zeit später war er verschwunden. Und eine Stunde später hörte ich es in den Büschen: Tschilp, tschilp, tschilp!

Meine Wohnung ist ein Anziehungspunkt für Tiere. Vor ein paar Jahren war es eine weiße, extrem anhängliche Katze, die auf Teufel komm raus bei mir einziehen wollte. Sie trommelte Tag und Nacht ans Fenster und schaffte es auch, immer wieder hier zu wohnen und zu speisen. Sie gehörte aber nachweislich jemand anderem. Dann wieder war es eine Kröte, die nachts unter meinem Sofa hervorkroch. Immer war es die Hitze oder andere Gründe, die Tiere in meine Wohnung trieb. Die anderen - Elstern, Amseln, Meisen, Igel, Bläulinge und Zitronenfalter, Hummeln, Bienen, Nachbarkatzen - bleiben tunlichst draußen, außer sie bauen ihr Nest wie eine Zeisigfamilie im Rosenbusch. Nur die naschhaften Wespen verirren sich gern mal hinein.

Die Menschen haben sich in Coronazeiten bei mir rarer gemacht. Außer meinem Partner natürlich, den sehe ich so gut wie jeden Tag, und er führt mich, leutselig und witzig, wie er ist, auch immer wieder in die "reale" Welt zurück. Ab und zu ein Schwätzchen mit Nachbarn oder im Supermarkt, beim Wandern und in der Stadt. Der Postbote klingelt auch nicht mehr, meist ist Ruhe, kein Fußballgedonner mehr gegen die Garagentür, nur das Lachen und die Spielgeräusche von Kindern. Das ist die angenehme Seite der Zeit. Es gibt sottige und sottige Menschen. Die meisten sind angenehm und verständig. Wenn man zunehmend wieder in die sogenannte Realität zurückkehrt und in der Stadt eine Latte oder ein Holunderschorle trinkt, kann man auch Männer beobachten, die angetrunken in einem Café sitzen und lauthals alles kommentieren und über jeden lachen, der vorbeigeht oder in der Nähe sitzt. Manche gewinnen durch die Krise, anderen hat es anscheinend das Hirn vernebelt (damit meine ich jetzt durchaus auch Leute wie die durchgeknallten Jungs aus Stuttgart, von denen jetzt 13 in Haft sitzen).

Donnerstag, 11. Juni 2020

Schock und Zeitenwende

Es war, als wäre ich aus einem irren, verstörenden, vorher nie geträumtem Traum erwacht. Eine mögliche Antwort auf meine Fragen fand ich gestern während einer Dokumentation im 3Sat. Da wurde noch einmal zusammengefasst, was ich und viele Millionen Menschen in den letzten drei Monaten erlebt haben. Einen scheinbaren Zusammenbruch der gesamten Welt. Der Sprecher redete von der "Vor-Corona-Zeit", und da wurde mir wieder bewusst, dass wirklich eine Welt versunken ist. Ein unsichtbarer Feind hat alles hinweggefegt. Die drei Monate haben mir wie in einem Prisma gezeigt, wo die wahren weltweiten Probleme stecken. Die Bilder von den Lastwagen, die in der Nacht durch Bergamo fuhren, die Massengräber überall, die Sterbenden auf den Bänken der Krankenhäuser. Die gespenstische Stille auf der ganzen Welt, die leeren Gassen und Plätze in Venedig. Die Sonne, die wochenlang auf unser Land niederknallte, die Staubwolken auf den Feldern, vernichtete Existenzen. Fazit dieser Sendung: Wer glaubt, auf das Level der Vor-Corona-Zeit zurückkehren zu müssen, wird zu den Verlierern gehören. Mit den Lockerungen kamen die Verkehrsströme zurück, das Verlangen der Urlauber nach europäischen Zielen. Kreuzfahrschiffe, diese Dickmonstren pervertierter Expansion und Flugzeuge lauern am Boden und auf der Reede. Es strebt vieles wieder nach den alten Verhältnissen. Und das sehe ich mit Sorgenfalten auf der Stirn.
Corona-Schock und Zeitenwende

Für mich/uns hat sich nichts Wesentliches verändert. Und doch hat sich viel verändert. Wir fahren nicht mehr in die weite Welt hinein, sondern bewegen uns im Nahkreis. Dort, auf den Höhen über den Dörfern, im Tal an der Steinach, trafen wir Bekannte, die wir jahrelang nicht gesehen hatten.





















Die Abstandsregeln sind den Menschen in Fleisch und Blut übergegangen. Im Supermarkt gibt es plötzlich Kängurufleisch, und bestimmte Tomaten schmecken weder nach Tomaten. In meinem ganzen Leben war ich wohl noch nie so viel zu Hause wie in diesen letzten drei Monaten. Habe auf der Terrasse, am Bistrotisch mit Mini-Sonnenschirm und auf meinem Laptop am Wohnzimmerfenster meinen neuen Roman jetzt fast zu Ende gebracht. War mit den Landschaften der Ostsee beschäftigt, mit meiner Heimat an der Flensburger Förde. Es ist nach Definition durch den Verlag ein "mörderischer Urlaubskrimi", Abgabetermin 1. August, Erscheinen voraussichtlich im November/Dezember 2020 als E-Book. Jetzt steht uns mit hoher Wahrscheinlichkeit ein superheißer und trockener Sommer in dritter Folge bevor. Und ich beobachte aus meinem Fenster, wie der Walnussbaum, der im Frühjahr sämtlicher Triebe beschnitten worden war, allmählich immer weiter austreibt und ein natürliches, schützendes Kältedach bildet.




Montag, 9. März 2020

Corona und kein Ende

Die Frühlingsblumen blühen trotz alledem








Vor etwa zehn Tagen las ich einen Artikel im Spiegel über einen Oberarzt, der im Klinikum Tübingen in Quarantäne saß. Er war einer der ersten Infizierten in Deutschland. Und hat vorausgesehen, was über die Krankheit hinaus passieren würde.
http://bit.ly/3cIMUln
Seitdem hat die Sache an Rasanz und Brisanz zugenommen, wie jeder auf der Welt inzwischen weiß.
Ich informiere mich auf allen Kanälen und verfalle nicht in die Panik, die so viele ergriffen hat. Die leeren Nudel-, Mehl- und Toilettenpapierregale habe ich überall dort gesehen, wo eingekauft wird. Wir waren an dem Tag des Interviews beim Chinesen essen. Geschockt haben mich Nachrichten gerade aus Tübingen, wo inzwischen Chinesen diskriminiert worden sind. Eine Kassiererin hielt einem chinesischen Studenten die Sprühflasche entgegen, bespritzte ihn und das Band mit den Lebensmitteln. Andere wurden mit "Corona" begrüßt, oder man wechselte die Straßenseite.

Ein Schock war dann tatsächlich die Abriegelung von 15 Provinzen in Norditalien und das Verbot, dort mobil zu sein. Offensichtlich wurde diese Methode gestern von einem Wissenschaftler auch für Deutschland angeregt, weil wir sonst bis Mai bei der Geschwindigkeit der Ausbreitung eine Millionen Infizierte hätten. Ich schüttele immer mal wieder den Kopf über die Panik (die Hälfte der Infizierten ist ja inzwischen wieder gesund, bei der Influenza-Wellen nach dem 1. Weltkrieg gab es mindestens 20 Millionen Tote, und sehr viele auch bei anderen Grippewellen.) Gleichzeitig aber ist es schon eine tiefgreifende Erfahrung, die zeigt, wie ein Virus die ganze Welt, die Wirtschaft, den Tourismus und fast alle Bereiche infizieren kann.