Schreibteufelchen

Autorenblog von Christa S. Lotz

Schreibteufelchen

Sonntag, 29. Januar 2012

Auf Hölderlins Spuren

Nach sechs Wochen Dauerregen und Kälte wünscht man sich nach Sevilla oder Tanger-da scheint die Sonne und es hat gegen 17°! Für uns reicht es nur nach Tübingen, aber eben da schleichen sich ein paar Strahlen aus den Wolkenlücken. Tübingen ist alt und doch immer wieder neu. Es ist eine Stadt zum Leben, so verlautet es offiziell, und ich kann das bestätigen. Hier ist man immer den Dichtern und Gelehrten nah, die besonders im 19. Jahrhundert diesen Ort bevölkerten. Von der Stiftskirche, in der alles begraben ist, was in Baden-Württemberg Herrscherwürde besaß, kommt man hinunter zum Neckarbad und am Stift vorbei zum Hölderlinturm. Wenn Friedrich Hölderlin (1770-1843) nur ein paar Schritte aus seinem Turm heraustrat, konnte er sich an diesen Platz stellen und zur Platanenallee hinüberblicken.



Im Sommer liegen hier die Stocherkähne, alles ist mit Leben erfüllt. Schon zu den Zeiten, in denen Hölderlin im Turm wohnte (1806-1843) ging es im Stift hoch her. Eduard Mörike kam häufig in den Karzer, wegen Tabakrauchens und Zuspätkommens nach Kneipentouren. Sein Freund Wilhelm Waiblinger stand ihm in nichts nach. Wegen seiner Affäre mit der Jüdin Julie und wegen seines renitenten Verhaltens musste er Stift und Universiät verlassen. Immer aber hat er sich um Hölderlin gekümmert, ihn zu Besuchen des "Presselschen Gartenhauses" auf dem Österberg abgeholt.



Auf dieser Mauer sitzen bei wärmerem Wetter Studenten und Touristen. Apropos wärmeres Wetter: In den Gärten vor dieses Häusern blühen jetzt schon Schneeglöckchen und Winterlinge

Hölderlinturm und Relikte aus längst versunkenen Zeiten.



Google Maps-Tübingen

Donnerstag, 26. Januar 2012

Drei Tage im Off

Bin ich eigentlich abhängig von dem Ding? Die letzten drei Tage haben es gezeigt.
Erstmal war der Kontakt zu meinem Text irgendwie weg, denn er ist ja nur in den Dateien. Da hätte ich jetzt nicht einfach per Hand weiterschreiben können, glaube ich.
Da, wo der Rechner stand, gähnte ein Loch. Und es waren doch ein paar Stunden, die
ich immer vor dem PC verbracht habe, die jetzt ausgefüllt werden mussten. Wie schon gesagt, ist meine Bude jetzt schön aufgeräumt, sogar unnütze Bücher, die ich nie wieder lesen werde, haben wir heute zur Sammelstelle bei Edeka gebracht. Und einmal habe ich mich dabei erwischt, dass ich eine Auswanderer-Soap angeschaut habe, die ich eigentlich doof fand. Aber ist vieles, was ich im Netz mache, nicht auch doof?
Eigentlich haben mir die Tage im Off aber sehr gut gefallen, und von mir aus hätte es auch noch so weitergehen können. Allerdings hätte ich mir dann vielleicht noch ein paar Bücher übers Wochenende bsorgen müssen. Im Großen und Ganzen habe ich aber etwas entdeckt, was durch die partielle PC-Hörigkeit unter den Tisch gefallen war: die Außenwelt. So viel davon bei diesem Sauwetter eben zu entdecken ist. Aber ohne PC wird selbst ein Tripp zum Bäcker ein Erlebnis! Wir entdecken, wie man echte regionale Produkte von scheinechten unterscheiden kann, zum Beispiel. Wusstet ihr/ wussten Sie, dass 80% der Schweine für den echten Schwarzwälder Schinken aus EU-Ländern kommen? Und dass in den Nürnberger Bratwürsten gleichfalls nichts Nürnbergerisches steckt außer dem Namen?
Jetzt noch zur Frage, was dem armen Apparat denn gefehlt hat. Es war nur ein Netzteil kaputt, wofür ich auch nur wenig berappen musste. Zur Sicherheit habe ich noch einen Test zur Computerabhängigkeit gemacht: (ein sehr vorsichtiger Test)
http://www.psychotherapiepraxis.at/surveys/test_internet-sucht.phtml
Das Ergebnis ist beruhigend und zeigt mir genau die Stelle, die bei mir im Argen liegt: Dass ich oft herumsurfe, wenn mir grad nichts Besseres einfällt. Und dass ich vor allem vom Arbeitstinstrument PC abhängig bin wie der Bäcker von seiner Knetmaschine. Alles andere ist Beiwerk, das mir nicht wirklich fehlt, wenn ich es nicht habe.

Dienstag, 24. Januar 2012

Zwangspause

Gott sei Dank konnte ich gerade noch eine mehrtägige produktive Schreibphase nutzen, bevor sich mein PC verabschiedet hat. Ist es der Rechner, ist es der Monitor? Wird es nicht mal Zeit für einen niegelnagelneuen Laptop? Und gerade wollte ich auch eine kurze schöpferische Pause machen. Habe das Dingens gleich weggebracht, zum Glück steht mir seit mehr als zehn Jahren ein Freund meines Sohnes zur Seite. Die PC-freie Zeit nutze ich, um meine Wohnung aufzuräumen, mich von Staubfänger-Nippes, uralten Unterlagen und allem Zeugs zu trennen, von dem ich immer dachte, ich müsste es aufbewahren dem zuliebe, der es mir mal geschenkt hat, der aber nie wieder erscheinen wird, um zu gucken, ob es noch da ist. Und wenn es zu lange dauern und mich wieder ein Schreibanfall überkommen sollte, dann gibt es ja immer noch Papier und Stift!

Freitag, 20. Januar 2012

Wie schreibt man einen Roman?

Das fragte mich vor längerer Zeit ein Kollege und Freund aus Studienzeiten. Ich drückte ihm das Buch "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" von James F. Frey in die Hand. Ich weiß nicht, ob es ihm was gebracht hat, müsste ihn mal fragen.
Mir hat das Buch vor zehn Jahren so viel gebracht, dass ich überhaupt mit dem Schreiben eines Romans begonnen habe. Und der Rat, dass man einen roten Faden haben sollte, der einen die ganze Zeit begleitet und auf den man sich immer wieder besinnt. Damals war ich mehr oder weniger Bauchschreiberin, die gerade mal Kurzgeschichten im Kopf vorausplanen und dafür recherchieren konnte. Was dabei herausgekommen ist?




Der erste Roman war vom Plot her vorgegeben, da musste ich sehr viel recherchieren und das Gesamtwerk des Dichters lesen und für mich interpretieren.


Dieses hier war das dritte Buch, da gab es viel Überarbeitung, Recherche und ein umfangreicheres Exposé.




Und das schließlich ist mein vorletztes erschienenes Buch. Dazu gab es einen umfangreichen Plot, Kapitelexposé und Figurenentwicklung. Es ist, neben der "Nonne und der Hure", mein erfolgreichstes Buch.
Bei meinem jetzigen Projekt, nennen wir es der Einfachheit halber mal "Feindliche Liebe", habe ich im letzten November innerhalb von zehn Tagen einen Plot entwickelt. Das war notwendig, weil Agent und Verlag nach einem weiteren Roman gefragt hatten. Dabei habe ich schon eine ganze Menge recherchiert. Schließlich begann ich zu schreiben, immer wieder zu recherchieren, zu schreiben. Ich denke mir die Szenen für die nächsten Kapitel aus, träume sie, schreibe sie auf. Immer wieder gibt es Phasen, wo ich nur nachdenke. Das ist dann die Zeit, in der ich manchmal wie in Trance durch die Gegend laufe. Aber der Plot, das Gerüst, das Exposé und die Kapitel- und Figurenplanung halten mich zusammen, sie "erden" mich. Es tauchen durchaus noch neue Nebenfiguren auf, manches geschieht früher oder später als geplant, aber so wächst es allmählich zu einem runden Ganzen zusammen. Zwischendurch werden ganze Kapitel überarbeitet, auch, um die Zusammenhänge zu sehen. Wie oft die Schlussüberarbeitung stattfinden wird, weiß ich noch nicht. Ich glaube, beim letzten Mal waren es, ohne Lektorat, so an die zehn Durchgänge.
Lohnt sich so viel Aufwand und Mühe denn überhaupt, könnte sich jetzt jemand, der einen Roman schreiben will, fragen. Nachher liegt es ja doch bloß einige Monate im Buchladen. Doch, es lohnt sich, schon allein, dieses Buch wachsen zu sehen, und es lohnt sich immer mehr, je länger man schreibt. Und ob der Roman, den man geschrieben hat, dann auch einen Verlag oder zunächst eine Agentur findet, liegt einzig und allein an der eigenen Kritikfähigkeit, an der Fähigkeit und Bereitschaft zur Weiterentwicklung und am Durchhaltevermögen, sowohl beim Schreiben als auch beim Suchen.

Mittwoch, 18. Januar 2012

Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg

Diejenigen unter meinen Lesern, die selber schreiben, kennen das bestimmt: wenn einen die Geschichte erst einmal so richtig aufgesogen hat, wird sie zum Zentrum des Daseins, sozusagen, alles andere ist dann irgendwie zweitrangig. Die Figuren reden miteinander, man sieht alles szenisch vor sich und braucht es dann bloß noch in Worte zu fassen, dabei muss man allerdings das Ganze auch immer im Auge haben. Und das ist das Wesentliche, dieses Schreiben, diese Geschichten und diese Figuren im Kopf, dann sind Verkaufszahlen, Verlage, mögliche Flopps und schlechte Kritiken weit, weit weg. Man kann sich also immer wieder in diesen quasi paradiesischen Zustand, einen Unschuldzustand des Schreibens, hineinversetzen.
Die Schlacht ist nun auch geschlagen und zu meiner vollsten Zufriedenheit gelungen. Jetzt gibt es eine Fußreise durch den Südschwarzwald, anno März 1638. Da sind wir vor zwei Jahren im März gewesen. Mir ging die ganze Zeit der Lenz von Georg Büchner durch den Kopf, und das tut er auch jetzt, ebenso wie das Kirchenlied "Nun danket alle Gott", das Ende des 16. Jahrhunderts entstand.
Den 20. Jänner ging Lenz durchs Gebirg. 
Die Gipfel und hohen Bergflächen im Schnee, die Täler hinunter graues Gestein, grüne Flächen, Felsen und Tannen.
Es war nasskalt; das Wasser rieselte die Felsen hinunter und sprang über den Weg. Die Äste und Tannen hingen schwer herab in die feuchte Luft. Am Himmel zogen grau Wolken, aber so dicht – und dann dampfte der Nebel herauf und strich schwer und feucht durch das Gesträuch, so träg, so plump.
Er ging gleichgültig weiter, es lag ihm nichts am Weg, bald auf-, bald abwärts.  Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, dass er nicht auf dem Kopf gehen konnte.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Landesgartenschau Nagold 2012

Am 27. April ist es soweit: Da öffnet die Landesgartenschau Nagold ihre Pforten und ist einen ganzen Frühling, Sommer und Herbst lang zu bestaunen. Sensationelle Blumenschauen und 2000 Veranstaltungen erwarten die Besucher in der kleinen Stadt am Randes des Schwarzwalds. Vergessen ist die Treppe zum Schlossberg, die in einer Bücherberfragung abgelehnt wurde. Im Blättchen, das ich immer am Samstag beziehe, las ich, dass schon 14 000 Karten vorverkauft worden wären, mehr als bei irgendeiner Gartenschau davor.
Das bringt für uns Bewohner natürlich nicht nur Freude, sondern auch eine Menge Probleme mit sich. Schon jetzt staut sich der Verkehr durch die Baustellen bis ins Unermessliche. Zum Bad watet man durch Matsch, den die Baustellenfahrzeuge hinterlassen haben. Ich erkunde jetzt schon Fluchtwege bzw. Möglichkeiten, zu meinem Arbeitsplatz zu kommen, denn wahrscheinlich werden alle Fahrzeuge am Stadtrand abgefangen und mit Shuttle-Bussen weiterbefördert. Da gibt es Schleichwege hintenrum. Leid tut es mir nur um die schöne alte Klebwiese an der Nagold, da wurden so viele Bäume gefällt und durch Beton ersetzt. Ob das Wetter, der Gartenschau zuliebe, wohl besser wird, als es in den letzten Jahren war?
Ich selbst werde alles am Rande beobachten, mich in meinen Garten setzen und schreiben, mit der Kirche ums Dorf fahren und im Herbst, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist, mir besehen, was so viele hierher gelockt haben wird!

Dienstag, 10. Januar 2012

Für wen ich schreibe

Ich kann schreiben,  habe aber  keine Ressourcen, mich selbst zu vermarkten, deshalb wollte ich immer meine Texte sprechen lassen. Für wen habe ich denn geschrieben in all den Jahren? Für viele, von denen ich nur weiß, dass ihnen die Präsentation im Buchhandel gut genug gefallen hat, um das Buch zu kaufen. Ein Autor sagte mal, stellt euch einen riesigen Platz vor, auf dem die Leute stehen, die euer Buch gekauft und zum größten Teil auch gelesen haben. Doch ist das Schreiben bekanntlich schon immer ein einsames Geschäft gewesen, so dass ich nicht weiß, ob denn den Lesern das Buch auch gefallen hat. Ich selber schreibe so gut wie nie Rezensionen, habe auch nie so viele erhalten wie viele meiner historischen Autorenkollegen, ich mag keine Liebesromane, wie schon gesagt, und ich mag auch keine zehn Seiten langen Dialoge. Deshalb tue ich mich immer schwerer damit, zielgruppengerechte Romane abzuliefern. Eigentlich bin ich schon seit Langem, wenn nicht schon seit dem dritten Buch, im falschen Genre unterwegs, nämlich dem der historischen Liebesromane. Wer oder was hat mich nur dazu gebracht? Es war der Mister mit der Verkaufswaage in der Hand. Ich mag nicht so schreiben, wie es für historische Romane vorgeschrieben ist. Deshalb schreibe ich gerade so, wie mir der schreiberische Schnabel gewachsen ist, und es bringt von Tag zu Tag mehr Spaß. Ich erfinde mit meinem Testleser neue Szenen, wo die alten nichts taugten, lege seine Worte in den Mund der Protagonisten. Jeden Tag, jeden Abend bin ich außerordentlich glücklich, wenn ich meine Seiten geschrieben, wenn ich durch langes Nachdenken beim Autofahren, bei der Hausarbeit, auf dem Sofa und am Computer die Fortsetzungsszenen meines Romans ausgedacht und niedergeschrieben habe. Nein, ich lasse mir von niemandem mehr sagen, was ich zu schreiben habe oder was ich zu tun habe, um das von mir Geschriebene zu verbreiten. Es war ein Fehler, zwei Romane auf einmal herauszubringen, das können nur absolute Profis. Ich kann nichts tun außer schreiben, und will auch nichts anderes tun. Für wen habe ich ganz konkret geschrieben, was weiß ich, was fällt mir da ein? Für Autorenfreunde erst, für meinen Partner, für einen Sprachwissenschaftler, für einen Theologen, einen Archivar, für Lektoren, Kolleginnen, für Männer und Frauen, die an einem bestimmten historischen Thema interessiert waren, für Freunde des Pilgerns, auch literarisch interessierte Jounalisten, für Blogleser, Leser, die meine früheren Bücher schon gern gelesen haben, Krimi-und Thriller-Fans, meine Geschwister, meinen Sohn, Freundinnen in Pforzheim und Saarbrücken, für meinen Testleser bei Wien, viele Jahre lang schon und künftig wohl für jeden, der sich von meiner Art des Schreibens, das meiner Art des Lesens von Büchern entspricht, gern in eine andere Welt entführen lässt, so wie ich mich durch mein Schreiben und Lesen gern in andere Welten entführen lasse, die das Leben hiezunieden etwas lichtvoller und duftiger machen können.