Dienstag, 21. Mai 2013

Fluchtpunkte-mit dem Schreiben weiterkommen

Weg zur Heuneburg
Wie war das mit den Ressourcen? Wer nichts wagt, gewinnt auch nichts. Man muss doch immer mal wieder über seinen Froschteichrand schauen, um neue Perspektiven zu erhalten. Zeit: Pfingstmontag. Ort: Pflummern in Oberschwaben, dort, wo Mörikes Frühlingsgedicht entstand. Um die Ecke rum steht die Heuneburg, ein keltischer Fürstensitz bei Hundersingen/Donauried. Und in Mengen standen wir wieder einmal vor der Posthalterei, wo Eduard Mörike häufiger mit seinem Bruder einkehrte.
Heuneburg
Frühling lässt sein blaues Band ...

Das Pfarrhaus in Pflummern bei Riedlingen


Idylle in Pflummern


Posthalterei in Mengen, heute Museum
Warum hat Mörike in Pflummern gedichtet, statt sich ausschließlich seinen Aufgaben als Vikar zu widmen? Warum haben die Kelten an dieser Stelle ein Oppidum errichtet? Der Dichter war eben ein Dichter, er konnte gar nicht anders. Die Kelten wollten überleben, wollten die Donau kontrollieren, Schätze anhäufen und Handel mit dem Süden betreiben. Eines Tages waren sie verschwunden, man weiß nicht, warum. Ich habe mit dem Schreiben richtig angefangen, um einen Ausgleich zu meinem Beruf zu haben. Das Schreiben wurde semi-professionell. Ein Bestseller ist dabei nicht herausgekommen, der Verdienst ist gering. Warum will ich es weiter betreiben? Weil es zu meinen Fluchtpunkten gehört und mich gleichzeitig stabilisiert und erdet.



Montag, 20. Mai 2013

Kalendergeschichten

Was machen Autoren, die gerade nicht schreiben? Noch dazu an einem kalten, grauen, stürmischen Pfingstsonntag, an dem man nichts, aber auch gar nichts unternehmen kann, ohne sich die Hacken abzufrieren? Also, ich habe eine ganze Zeit lang den Hasenmarsch gesungen (von Floh de Cologne):
Hoch die Löffel, Brüder Hasen,
hoch die stolzen Hasennasen ...
Weil mir auch am frühen Abend noch kein Plot eingefallen war, begann ich, eine Pfingstgeschichte aus meinen Dateien zu überarbeiten. Ich könnte doch einen neuen Blog einrichten, dachte ich mir, ihn Kalendergeschichten nennen und jeden Monat eine passende Geschichte einstellen. Dabei geriet das Layout dermaßen durcheinander, dass ich ihn gleich wieder löschen wollte. Natürlich ist das Beschäftigungstherapie, und natürlich wird den niemand finden. Aber immerhin habe ich ihn heute so hingekriegt, dass er lesbar ist. Eine Zeit lang werde ich ihn stehen lassen. Die Geschichte habe ich mehrfach überarbeitet. Sie hieß zunächst "Pfingsten ohne Ochsen", dann "Das Haar in der Suppe" und jetzt "Die Pfingstkatastrophe". Im Jahr 2010 wurde sie, zusammen mit zwei anderen, in der Anthologie "Gezeiten. Hin-und-weg-Geschichten" veröffentlicht. Dann habe ich jetzt, zusammen mit den Büchern, drei Blogs: einen fürs Schreiben, einen für Ausflüge und Wanderungen, einen für Geschichten. Dort könnte ich natürlich auch Leseproben platzieren, um das Schreibteufelchen nicht zu sehr zu überlasten.

Samstag, 18. Mai 2013

Zerschlagen auf der Krimi-Couch

Ja, es liegt eine recht harte Woche hinter mir. Am Montag früh eine Irrfahrt durch den kalten, nassen Schwarzwald, um den Ort eines Familientreffens zu finden, der einfach nicht zu finden war. Kalte Füße, Niesen, Gliederschmerzen. Eine relativ anstrengende Arbeitswoche, mit Neuaufnahme, Krisenintervention, noch einmal einer Fahrt durch den kalten, nassen Schwarzwald, um in der Landesklinik ein anstrengendes Gespräch zu führen. Supervision am Morgen, dabei gekrächzte Botschaften meinerseits. Immerhin gab es eine Botschaft, nämlich die eines Mantras, das jeder mit sich rumschleppt: Ich muss schnell sein, ich muss erfolgreich sein, ich darf keine eigenen Bedürfnisse äußern ...dagegen kann man eigene Mantras setzen, wie: Ich darf selbst bestimmen, wie schnell ich etwas erledige. Das wirkte schon mal ganz positiv nach. Freitag, 15.00, endlich Feierabend, endlich Pfingsten! Das Autothermometer zeigt 11°. Nichts wie weg!
Aber selbst das Auswandern war keine Alterenative mehr, denn auch in Spanien ist es kalt und nass. In Norditalien hat es ihnen die Brücken und Fahrzeuge weggerissen. Wir gehen zu unserem Lieblingsitaliener in Herrenberg, schenken ihm das Foto vom letzten Jahr. Mamma mia, höre ich es von drinnen rufen. Dann kommen sie beide heraus. Der Italiener ist für mich immer eine Wärmequelle, weil er so sonnig und mit sich und der Welt zufrieden aussieht und als sei er gutem Essen nicht abgeneigt. Ja, er kennt das Vitello Tonnato, mit dem ich unvergessliche Momente in Verona verbinde. Dann muss er weg, hart arbeiten und Möbel schleppen. Wir landen in einem riesigen Antiquariat in einer Seitengasse, an dem wir schon seit zwanzig Jahren vorbeigestiefelt sind. Ich staune: Da stehen nicht nur die Klassiker, die ich aus meines Großvaters Bibliothek kenne, sondern auch alles, was ich an Krimis mag. Gleich vier habe ich davon eingesackt. Zuhause sinke ich auf die Couch, mit einer Decke und einem Becher heißen Zitronensaft mit Honig. Im Fernsehen läuft eine Sendung über Oberitalien (ohne Überschwemmung). Erinnerungen an einen Tag am Comer See steigen auf, das kleine Hotel am Ufer. Oder am Luganer See, die Wanderung von Hesses Casa Camuzzi durch den Wald. Inzwischen ist mir warm geworden. Vor mir liegt der angefangene Krimi von P.D.James. Viele wunderbare, manchmal auch etwas langatmige Beschreibungen, skurille Typen (zum Beispiel Adam Dalgliesh, der Kommissar mit seinen Dichtungen), eine düstere Kulisse mit Abteiruine, Meer und AKW). (P.D. James: Vorsatz und Begierde). Da merke ich, dass ich allmählich zur Ruhe komme und ausdampfe. Ich werde es Krimi-Couch-Therapie nennen und es immer dann anwenden, wenn ich eine anstrengende, düstere, kalte, nasse Woche hinter mir habe, ob mit oder ohne Schnupfen und Husten.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Warum ich meinen Krimi nicht selbst publiziere

Einige Leser dieses Blogs wissen, dass ich mit meinem Schwarzwaldkrimi, der seit einiger Zeit im Rohbau fertig ist, einen Generewechsel vollziehe. Dass sei immer eine riskante Sache, wird gesagt, und zwar sagen das Agenten, Verleger als auch Autorenkollegen. Viele haben sich Pseudonyme zugelegt und quasi einen Neuanfang gestartet. Ich habe immer darauf gesetzt, dass ich es wagen kann, wenn ich schon einen gewissen Namen habe. Aber werden die Leser meiner historischen Romane diesen Sprung mitvollziehen? Wohl nicht unbedingt. Krimileser sind eine ganz andere Klientel, das weiß ich aus Erfahrung, denn ich bin selbst begeisterte Krimi- und vor allem Thrillerleserin. Historische Romane habe ich sehr viele gelesen und werde von diesem Fach als solches auch nicht so schnell wegkommen. Nach den Erfahrungen mit meinem E-Book, das ich im letzten September wiederaufgelegt habe, würde ich mich jetzt niemals in das Abenteuer stürzen, es selbst zu veröffentlichen. Weil ich nämlich um die Erfahrung reicher bin, dass alle Werbung und alles Bekanntmachenwollen in den Social Media sich nicht auf die Sichtbarkeit und die Verkäufe auswirkt. Und das habe ich gelernt, sowohl in meinem Beruf als auch beim Schreiben und Veröffentlichen: Ich strampele mich nicht mehr ab für Dinge, die ich bei näherer Betrachtung als aussichtslos empfinden würde! Was macht sie denn jetzt mit ihrem Krimi, wird sich mancher fragen, der dessen Werdegang hier verfolgt hat. Zur Erinnerung: Im letzten November habe ich ihn begonnen und im April abgeschlossen. Ein ganzes Jahr wollte ich mir Zeit dafür nehmen. Dann einen langen Anlauf nehmen - und springen. Beziehungsweise ihn vermitteln lassen. Er gehört nämlich meiner Agentur. Zwischendurch war ich drauf und dran, mich da herauszulösen und ihn als E-Book zu vermarkten. Davon bin ich durch diverse Diskussionen abgekommen. Im Grunde meines Herzens nämlich habe ich meine Bücher immer noch lieber in den Händen, die E-Books überlasse ich gern den Profis, den Verlagen. Ich bin mir sicher, dass der Krimi untergehen würde, wenn ich ihn selbst herausbringe. Das kann mir mit einem Verlag natürlich genauso passieren. Aber dann hätte ich mir die ganze Arbeit auf jeden Fall nicht umsonst gemacht, wenigstens die nicht, die über das reine Schreiben hinausgeht. Ich werde also warten, obwohl ich das so sehr hasse, werde einen Polizeikommissar kontaktieren, den ich vor einiger Zeit kennengelernt habe, und das Ganze noch mal durchgehen. Dann biete ich den Krimi an, entweder der Agentur oder ausgewählten Verlagen. Und muss wieder warten, obwohl ich das so sehr liebe.

Mittwoch, 15. Mai 2013

Das Fohlen scharrt im Stall

Nein, ich habe das Ei des Kolumbus noch nicht auf den Kopf gestellt. Wenn es nur so einfach wäre! Den Traum vom Schreiben habe ich peu á peu verwirklicht, aber sagte nicht schon der alte Goethe: Endet mein Streben, endet mein Sein ...? Alle Aufräumarbeiten sind erledigt, so gut wie alles Wissenswerte über Autoren und ihre Möglichkeiten des Publizierens wurde von mir gelesen. Aus dem Chaos schwebt nicht Phönix mit Ascheresten an den Federn empor, sondern schafft noch größeres Wirrwarr. Die Schubladen mit den drei Romanen habe ich wieder zugemacht und dabei etwas entdeckt, was wie der Anfang eines Krimis der ganz anderen Art klingt. Nur ein kleines Exposé und vier Seiten Text. In einer wahnwitzigen Minute zwickt mich der Hafer und ich überlege, ob ich den nicht bei Diogenes anbieten soll. Die lesen ja alles, hatte mir mal eine Lektorin geschrieben. Dann hörte ich nie mehr etwas von ihr. Aber heute bin ich ja neun oder zehn Bücher weiter, denke ich.

Ich kann nicht warten. Die Wände könnte ich mal wieder hoch - und runtergehen! Von der Lektorin, der ich ein Beispiel-Exposé geschickt hatte, ist auch noch keine Antwort da. Einen neuen Roman kann und will ich mir nicht aus den Rippen schneiden. Wie wäre es mit einem Thriller namens "Trauma"? Den Titel gibt's noch nicht, würde sich doch gut machen mit einem Blutfleck auf weißem Untergrund, oder? Aber dazu müsste ich erst mal eine zündende Idee haben. Vielleicht sollte ich mich doch beim Trauma-Seminar in meinem Lieblings-Kloster anmelden. Das interessiert mich aber eigentlich viel weniger als das im November mit dem Titel "Reduzieren und gewinnen-Ballast abwerfen." Wenn ich nach meinen beliebtesten Postings aller Zeiten gehen würde, müsste ich Bücher mit Titeln wie "Auf Wolframs Spuren","Fluchtpunkte", "Worum sich Menschen sorgen" oder "Eduard Mörike im lieblichen Taubertal" schreiben, aber das erwähnte ich ja früher schon. Ich bin einfach rat- und rastlos. Glücklicherweise habe ich noch meinen Beruf und meinen Partner, sonst würde mir nämlich die Decke auf den Kopf fallen. Insbersondere bei den Wetteraussichten, die uns für Pfingsten wieder angekündigt werden. Die Blogs der anderen sind für mich eine willkommene Ablenkung und Bereicherung. Dagegen nützt es überhaupt nichts, den Computer immer wieder auszuwringen, um auf Deubel komm raus irgendwo etwas wirklich Nützliches zu  finden. Das regt nämlich nicht an, sondern vielleicht - auf, im Übrigen macht es unendlich müde.

Dienstag, 14. Mai 2013

Lebensträume - und der Traum vom Schreiben!

Man müsse aus einem Traum erst einmal erwachen, bevor man ihn verwirklichen kann, sagt ein Sprichwort. Wie viele ungelebte, unverwirklichte Lebensträume mögen auf dem Grund so vieler Leben begrabenliegen! Wenn ich mich einmal ganz persönlich frage, welche Träume ich hatte und vieviele davon ich verwirklichen konnte, dann fällt mir doch eine Menge ein. Mit 15 träumte ich davon, eine Familie und drei Kinder zu haben. Dieses Soll wurde nicht ganz erfüllt, aber immerhin heiratete ich, viel zu jung, mit 21 Jahren und bekam später einen wundervollen Sohn. Mit 19 träumte ich davon, Buchhändlerin zu werden, um die Welt zu fahren und ein Buch zu schreiben. Im gleichen Jahr fuhr ich mit einem Frachter nach Argentinien, ritt über die Pampa und reiste mit den Verwandten nach Misiones, zu den Wasserfällen des Iguacu. Aus der Buchhänderin wurde nichts, da man damals bei Thalia einfach zu wenig verdiente. Statt dessen studierte ich an der Uni Tübingen Sozialpädagogik und Sozialpsychiatrie. Und machte Reisen in ganz Europa. Mit 27 war ich fertig und übe den Beruf bis heute aus. Teilweise unter Traumbedingungen, teilweise ganz schön schlauchend. Einige Zeit arbeitete ich in einer multinationalen Kindertagesstätte und wollte Kinderbuchautorin werden. Immerhin wurden Fotos und Texte von mir bei Ravensburger veröffentlicht. Meinem Traum vom Schreiben war ich aber noch kein Stück näher gekommen. Das kam erst viel später. Jahrelang erschienen Artikel von mir in regionalen und überregionalen Zeitungen, darauf folgten Wanderungen für den Kalender des Albvereins. 2004 veröffentlichte ich meinen ersten (biografischen) Roman, bis heute folgten sechs weitere Romane, eine Anthologie und ein Almanach. Der Traum von früher lebte wieder auf: Ich wollte reisen, in einem Haus im Süden wohnen und schreiben. Gereist bin ich weiterhin, das Haus im Süden stand am Gardasee, aber nur für ein paar Tage. Eigentlich muss ich mich mal ganz kräftig in die Nase kneifen und mich fragen: Habe ich den Traum nun verwirklicht oder nicht?

Sonntag, 12. Mai 2013

Ballast abwerfen - zwanzig Jahre Leben!

Heute ist der heilige Pankratius ins Land gegangen. Und hat wahrlich eine Eiszeit mit sich gebracht. Mit einer Schniefnase und Husten liege ich
auf dem Sofa und schaue dem Ast des Quittenbaums zu. Dessen rote Blüten werden mal vom Regen gegen die Scheibe gepeitscht, dann wieder sanft im Sonnenlicht gewiegt. Die ganze Zeit weht ein Wind, der mir eine Gänsehaut macht. Also keim Schwimmen und kein Spaziergang heute, sondern ich tue etwas, das ich mir schon sehr lange vorgenommen habe: Ich nehme die zehn Kästen mit den alten Dias, ziehe sie einzeln heraus, begucke sie durch einen kleinen Apparat und trage nach und nach 95% davon in den Müll. Zwanzig Jahre sind darin eingefangen, Reisen nach Korsika, Venezuela, Mexiko, Spanien, Umbrien, Venedig. Betriebsausflüge und Gruppenfreizeiten, Grillparties, Wanderungen und Städtetripps ohne Ende. Blumen und Burgen, Schlösser und Ruinen, Felsen und klare Bäche, Menschen, Tiere und Bäume. Die besten habe ich natürlich in einem der Kästen gesammelt und werde sie abziehen oder digitalisieren lassen. Viele von ihnen habe ich als Papierausdruck vorliegen oder schon digitalisiert. Erstaunlich, wie sich im Lauf der Jahre nicht nur das Schreiben und der ganze Mensch, sondern auch die Art des Fotografierens verändert. Viele Bilder von damals sind einfach nichtssagend, von der Qualität her sind sie meist schlechter oder wenigstens nicht besser als die heutigen Digitalfotos. Zur Belohnung gönne ich mir jetzt einen Espresso! Und als nächstes sind dann Bücher dran, die ich nicht mehr lese, die Bilderdatei im Computer und überflüssiges Geschirr.