Das fragte mich vor längerer Zeit ein Kollege und Freund aus Studienzeiten. Ich drückte ihm das Buch "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" von James F. Frey in die Hand. Ich weiß nicht, ob es ihm was gebracht hat, müsste ihn mal fragen.
Mir hat das Buch vor zehn Jahren so viel gebracht, dass ich überhaupt mit dem Schreiben eines Romans begonnen habe. Und der Rat, dass man einen roten Faden haben sollte, der einen die ganze Zeit begleitet und auf den man sich immer wieder besinnt. Damals war ich mehr oder weniger Bauchschreiberin, die gerade mal Kurzgeschichten im Kopf vorausplanen und dafür recherchieren konnte. Was dabei herausgekommen ist?
Der erste Roman war vom Plot her vorgegeben, da musste ich sehr viel recherchieren und das Gesamtwerk des Dichters lesen und für mich interpretieren.
Dieses hier war das dritte Buch, da gab es viel Überarbeitung, Recherche und ein umfangreicheres Exposé.
Und das schließlich ist mein vorletztes erschienenes Buch. Dazu gab es einen umfangreichen Plot, Kapitelexposé und Figurenentwicklung. Es ist, neben der "Nonne und der Hure", mein erfolgreichstes Buch.
Bei meinem jetzigen Projekt, nennen wir es der Einfachheit halber mal "Feindliche Liebe", habe ich im letzten November innerhalb von zehn Tagen einen Plot entwickelt. Das war notwendig, weil Agent und Verlag nach einem weiteren Roman gefragt hatten. Dabei habe ich schon eine ganze Menge recherchiert. Schließlich begann ich zu schreiben, immer wieder zu recherchieren, zu schreiben. Ich denke mir die Szenen für die nächsten Kapitel aus, träume sie, schreibe sie auf. Immer wieder gibt es Phasen, wo ich nur nachdenke. Das ist dann die Zeit, in der ich manchmal wie in Trance durch die Gegend laufe. Aber der Plot, das Gerüst, das Exposé und die Kapitel- und Figurenplanung halten mich zusammen, sie "erden" mich. Es tauchen durchaus noch neue Nebenfiguren auf, manches geschieht früher oder später als geplant, aber so wächst es allmählich zu einem runden Ganzen zusammen. Zwischendurch werden ganze Kapitel überarbeitet, auch, um die Zusammenhänge zu sehen. Wie oft die Schlussüberarbeitung stattfinden wird, weiß ich noch nicht. Ich glaube, beim letzten Mal waren es, ohne Lektorat, so an die zehn Durchgänge.
Lohnt sich so viel Aufwand und Mühe denn überhaupt, könnte sich jetzt jemand, der einen Roman schreiben will, fragen. Nachher liegt es ja doch bloß einige Monate im Buchladen. Doch, es lohnt sich, schon allein, dieses Buch wachsen zu sehen, und es lohnt sich immer mehr, je länger man schreibt. Und ob der Roman, den man geschrieben hat, dann auch einen Verlag oder zunächst eine Agentur findet, liegt einzig und allein an der eigenen Kritikfähigkeit, an der Fähigkeit und Bereitschaft zur Weiterentwicklung und am Durchhaltevermögen, sowohl beim Schreiben als auch beim Suchen.