Sonntag, 19. Mai 2019

Dein ökologischer Fußbdruck



Heuhütten in einem abgelegenen Schwarzwaldtal
Vor einiger Zeit bekam ich Besuch von einer sehr netten Freiburger Studentin. Normalerweise  verhandle ich keine Angelegenheiten an der Haustür, aber sie kam, um für den Beitritt im B.U.N.D zu werben. Und sie erwies sich auch als absolut fachkundig, selbst, was Adressen für den Kauf von Kleidung betraf, die nicht in Bangladesch oder einem ähnlichen Land hergestellt wird. Ich unterschrieb also den Beitrittsvertrag und bekam gestern die erste Ausgabe des B.U.N.D-Magazins. Da waren die Stellungnahmen der Parteien zu den großen Themen wie Klimaschutz bei der Europawahl aufgeführt. Es gab eigentlich keine Partei, der ich da eine große Kompetenz zutrauen würde, am ehesten noch den Linken, ein wenig den Grünen und der SPD. Die Frage der Landschaftszersiedelung und der Bodenversiegelung durch immer neuen Straßen- und Häuserbau tauchte eigentlich nirgendwo auf. Und doch ist dieser menschengemachte Flächenverbrauch -neben vielen anderen Kriterien -mitverantwortlich für das Artensterben und auch für den Klimawandel. Der langen Rede kurzer Sinn: Auch wenn die Europawahl früher mehr oder weniger an mir vorbeiging, halte ich sie diesmal für sehr wichtig, auch wegen der sozialen Gerechtigkeit und der Ausbreitung des Rechtspopulismus. Und habe die Briefwahlunterlagen bestellt, weil ich noch nicht weiß, ob ich am 26. Mai da sein werde. Eines ist auf jeden Fall klar: Die gegenwärtige Nässe- und Gewitterperiode ist genauso wenig "normal" wie die vorhergehende und sicher folgende Dürreperiode, so sehr die AfD das auch klein zu sülzen versucht.

Im Zuge dieser Überlegungen bin ich auf einen Test gestoßen, mit dem man seinen ökologischen Fußabdruck messen kann. Das heißt, inwieweit man mit seinem Konsumverhalten selbst zum Klimawandel beiträgt. Ich teile mir mein Auto voll und ganz mit jemandem, der 8 Km entfernt wohnt, ich verursache nicht viel Müll, den ich recyceln lassen, esse weniger tierische Produkte als früher, bin in den letzten zehn Jahren nur einmal geflogen und habe in meinem Garten Blumen wie Lavendel, Rosmarin, Primeln, Traubenhyazinthen u.a., die den Bienen als Futter dienen. Ein Fahrrad kann ich leider nicht unterbringen, aber lange Strecken in Deutschland fahre ich mit der Bahn. Alte Geräte und Möbel werden erst ausgetauscht, wenn sie kaputt sind. Trotzdem ist mein ökologischer Fußabdruck so groß, dass, wenn jeder so handelt,  man 2,6 Erden benötigen würde, um die kollektiven Bedürfnisse zu erfüllen. Mach diesen Test mal,/ machen Sie diesen Test einmal (alle Sprachen), und sie werden staunen, was das Konsumverhalten des Einzelnen für eine Auswirkung auf das Ganze hat.

https://www.fussabdruck.de/fussabdrucktest/#/start/index/

Weitere, ergänzende Tests:
https://bit.ly/2EjbU36

https://www.atmosfair.de/de/

Donnerstag, 2. Mai 2019

Nichts bleibt, wie es war

Bericht über eine Ausflugsfahrt

Gestern, am 1. Mai, überkam uns die Lust, mal wieder einen kurzen Abstecher in die Schweiz zu machen. Zum Wandern war es überall noch zu nass, und die lustigen Trecker mit den fröhlichen Menschen sind auch nicht so ganz unsere Sache. Leider ist in Bayern ein solcher Traktor mit mehreren Anhängern verunglückt, es wurden zahlreiche Menschen verletzt. Die Schweiz, insbesondere St. Gallen mit seinem Klosterviertel und die Bodenseestadt Arbon, sind uns vom letzten Jahr her noch in bester Erinnerung. So kamen wir auch in flotter Fahrt über Schaffhausen in die Schweiz hinein. Es herrschte Kaiserwetter, die Landschaft des Thurgau glänzte feiertäglich, alles schien einen guten Anfang zu nehmen. Wir wollten die Städte Baden bei Zürich, Brugg und eventuell noch das schöne Aarau besuchen. Für eine oder zwei Übernachtungen hatten wir die übliche Reisetasche dabei. Je mehr wir uns Zürich näherten, desto dichter wurde der Verkehr. Und hier erlitten wir dann den ersten Kulturschock. In einer - wunderschönen - Raststätte mit Naturlehrpfad mussten wir für zwei Latte Macchiato, eine Schnecke, ein trockenes Hefebrötchen und einen Saft sage und schreibe fünfundzwanzig Fränkli löhnen, bei einem Wechselkurs von 1 zu 1! Natürlich weiß jeder Schweiz-Tourist, dass dieses Land ein teures Pflaster ist, aber das hatten wir wohl verdrängt. In abgelegenen Gegenden wie dem Emmental hatten wir schon recht günstig zu Mittag gegessen.

Dann wollten wir in Baden, das einmal zu den berühmtesten Bädern Europas zählte, nach dem Kurpark und dem Hotel Verenahof schauen, in dem Hermann Hesse entscheidende Jahre seines Lebens weilte und die glossenhafte Erzählung "Der Kurgast" schrieb.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kurgast . Es war nichts mehr von dem zu finden oder zu spüren, was hier einmal gewesen war. Eine hässliche, hektische Industriestadt mit Staus und verwirrender Straßenführung! Den Kurpark haben wir nur im Vorbeifahren vorüber gleiten sehen, eine Kurterrasse mit gelben Schirmen wehte eine Erinnerung herüber, bevor wir durch eine endlose industrialisierte und zersiedelte Wildwestlandschaft wieder zurück nach Deutschland flohen.

Ankommen in Tiengen bei Waldshut: Am Bahnhof kann man seinen Wagen abstellen, sich in der warmen Sonne niederlassen und sich wie im Urlaub fühlen. Wir waren länger nicht dort gewesen und entdeckten die Stadt wieder ganz neu.
Schloss in Waldshut-Tiengen


Bernhard von Clairveaux weilte 1146 in dieser Herberge und heilte Kranke

Fundstücke


Das letzte Foto zeigt den unteren Innenraum eines Antiquitäten- und Trödelhändlers. Es war ein echtes Abenteuer, sich vom Händler durch die kleinen Räume führen zu lassen, die sich übereinander befanden, nur über steile Eisentreppen zu erreichen. Es war, als steige man in ein Labyrint hinein und steige immer höher, umgeben von Tausenden Sammelstücken eines Lebens!

Weiter ging es nach Bad Säckingen, dem Trompeterstädtchen. Auch hier ein ruhiges, verheißungsvolles Ankommen, auch hier entdeckten wir ein schon bekanntes Städtchen ganz neu.
Das "Trompeterschlösschen" diente dem Schriftsteller Viktor von Scheffel als Kulisse für seinen Roman "Der Trompeter von Säckingen" mit dem Kater Hidigeigei"https://www.trompeter-von saeckingen.de/scheffel/trompeter.htm
Durch den wunderschönen Park gelangt man schnell an den Rhein mit seiner bekannten Holzbrücke. Zur Krönung des Tages speisten wir im "Kater Hidigeigei"; dort erhielt ich für 14,90 Euro einen voluminösen Salat mit vier leckeren Rumpsteakschnitten. Das Lokal hat einen sonnig-schattigen Biergarten und großzügige Innenräume, man kann dort auch übernachten. Die Qualität ist laut Gästekritiken seit Jahren gleichbleibend gut. Ein paar Tische weiter saß ein englisches oder amerikanisches Pärchen, plauderte über "The Trumpeter" und ließ sich riesige panierte Schitzel auf Pommes schmecken.

Die Rückfahrt machten wir durch das wildromantische Albtal, durch den Hotzenwald und St. Blasien zurück ins Neckartal und zur Autobahn. Fazit dieser kurzen Reise: Das Gute liegt so nah, manches bleibt so, wie es war, vieles ist nicht so geblieben, und manches bleibt in Büchern oder anderen Zeugnissen für die Nachwelt bestehen.



Albtal




Mittwoch, 17. April 2019

Das Cover für den neuen Krimi ist da!

Das Cover für meinen zweiten Schwarzwaldkrimi "Tod am schwarzen Fluss" ist jetzt da, außerdem ist der Roman als E-Book ab sofort in den Shops und kann vorbestellt werden. Was mit einer harmlosen Wanderung und den Ostertraditionen beginnt, entwickelt sich zu einem Kampf um Leben oder Tod. Der Wolf spielt zwar eine untergeordnete, aber tragisch-symbolische Rolle.

Der Roman erscheint am 6. Mai 2019 als E-Book, im Juli 2019 als Print. E-Book jetzt vorbestellbar bei
Amazon https://amzn.to/2L18YOh
Thalia https://bit.ly/2Vg8jN1
Osiander https://bit.ly/2W35FHj

usw.

Offizieller Klappentext:

Was gibt es Besseres, als einen Urlaub im Schwarzwald? Das denkt sich auch die Journalistin Lisa Faber, die gemeinsam mit dem befreundeten Hauptkommissar Steidle eine Wanderung durch das große Enztal unternimmt. Nebenbei recherchiert sie über den Schwarzwald und seine Traditionen, denn sie hat sich in den Kopf gesetzt, ein Buch darüber zu schreiben. Dabei stößt Lisa auf ein Tagebuch, das einer Frau gehörte, die die letzten Kriegstage im Tal miterlebt hat. Als dann bei den Bauarbeiten eines neuen Supermarktes die Leichen einer ganzen Familie zum Vorschein kommen, erkennt Lisa einen Zusammenhang. Doch Steidle will davon nichts wissen. Und so begibt sich die Journalistin auf eigene Faust auf die Spuren der Vergangenheit …

Dienstag, 2. April 2019

Kreative Werke als Gemeineigentum?

Steile Weinbergtreppe bei Herrenberg
Kürzlich habe ich an einer Diskussion über die Bücherflut teilgenommen, die über die Menschheit hereingebrochen ist. Man findet sie überall, an jeder Ecke, diese ausrangierten Bücher, die oft keiner mehr haben will. Die Antiquariate sind voll davon und die Bücherkisten bei den Adventsbasaren, sie quellen aus öffentlichen Bücherschränken, und manchmal stehen sie einfach so an der Straße "zum Mitnehmen." Auch online gibt es viele solcher Angebote. Ich kannte einen Laden, der sozial in Not geratenen Menschen eine Arbeitsmöglichkeit bot. Der musste irgendwann ein Schild an die Tür hängen mit den Worten: "Bücher in Kisten vor die Tür stellen verboten!" Ja, es gibt zu viele Bücher, und es gibt zu viele Autoren, die zu viele Bücher schreiben. Aber unabhängig davon gibt es zu viele Leser*innen, die meinen, kreative Menschen machten sich aus Jux und Tollerei jahrelange Arbeit mit Recherchen, Lektorat, Korrektorat und allem, was mit dem Schreiben eines Buches zusammenhängt. Das gilt auch für alle anderen Kreativen. Kreativität gehöre allen, war jüngst offiziell von einem Mitglied der Piratenpartei zu hören.

Im Gegensatz zu den Büchern, die kaum noch einer haben will, floriert der Piratenhandel mit neueren Verlagsbüchern weiterhin grandios. Gerade bin ich erschrocken, als ich bei Google nach langer Zeit mal wieder meinen Titel "Martinsmorde" aufrief. Anfangs tauchten da Buchhandlungen auf, in denen
der Titel vertrieben wurde, dazu Onleihe-Links, die den Krimi meinen historischen Romanen zuordneten und die auch fleißig ausgeliehen wurden. Inzwischen gibt es Dutzende von Anbietern, die es herunterladen und umsonst anbieten. Es waren mindestens zwanzig! Bei einer solchen Seite stand dabei:

Kostet normalerweise 3,99 Euro, jetzt können Sie eine Kopie umsonst beziehen!

Gestern habe ich das Lektorat meines neuen Schwarzwaldkrimis beendet und ans Lektorat geschickt. Es war eine hochbefriedigende, glückliche, anstrengende und langwierige Arbeit von einem dreiviertel Jahr. (Die Ideenfindung kann man noch mit zwei Monaten hinzurechnen.)
Die Lektorin schaut noch mal drüber, dann kommt er ins Korrektorat. In zwei Wochen gehe ich das noch mal durch, und vor Erscheinen korrigiere ich die Fahnen. Es wird beworben und bei Netgalley vorgestellt, da lesen Buchhändler, Blogger und andere Rezensenten mit. Viele Autoren machen auch Leserunden und vermarkten ihre Bücher im Netz. Ich bin immer wieder fassungslos, wie solche Raubkopierer zu einer solchen Einstellung kommen können! Dann müsste in deren Augen ja auch der Bäcker seine Brötchen umsonst hergeben, weil die Allgemeinheit die noch dringender braucht als Bücher. Ich verlinke hier mal auf meine Kollegin Annette Weber, die in etwa den klugen Satz gesprochen hat: Wenn sie in meinen Schuhen gehen, würden sie es begreifen.
http://annette-weber.blogspot.com/2019/03/gedanken-zum-urheberrecht.html

Dienstag, 19. März 2019

Das blaue Band

Frühlingsspaziergang am Neckar

Jetzt ist er endlich da, der "richtige" Frühling! Und tatsächlich liegt eine Art blaues Band über der Landschaft. Auf dem Ringmauerweg in Horb kann man ihn besonders früh und intensiv erleben. Oberhalb der Altheimer Straße steht die guterhaltene Wehrmauer mit drei Türmen. Der hier entlangführende Weg bringt den Besucher zu einer Hangheide, auf der von April bis Juli verschiedenartige Orchideen und andere seltene Pflanzen blühen. Im zeitigen Frühjahr ist die steile Wiese mit Küchenschellen übersät, und weiter oben, auf dem Kugler Hang, findet man Kugelblumen. Zuerst erscheint das Helmknabenkraut, in Mengen, die anderswo selten zu finden sind, die Fliegen-, Bienen- und Spinnenragwurz, die Bocksriemenzunge und das Zweiblatt. Später dann, ab August, folgen Fransenenzian und deutscher Enzian. Hinzu kommen Kalkaster, Dost, Silber-und Golddisteln. Vor dem 17. Jahrhundert wurde hier Weinbau betrieben, davon zeugen noch Steinriegel und verfallende Mauern. Bis 1966 wurde das Gebiet als Schafweide genutzt. Das jetzige Naturschutzgbiet ist nicht auf natürliche Weise entstanden. Bittere Pflanzen und Büsche wie der Wacholder, der deutsche Enzian und eben die Orchideen widerstanden der Fresswut der Schafe. So konnte ein Gebiet entstehen, das 145 Pflanzen- und 110 Tierarten beherbergt. Natürlich ist so ein einmaliges Gebiet, dabei so dicht an den Siedlungen, stark gefährdet.
Duftende Veilchen

Traubenhyazinthen

Blaue Anemone
Kuhschellen




Sonntag, 24. Februar 2019

Vom Sterben der Dörfer

Das beste Buch, das ich in der letzten Zeit gelesen habe, war die "Mittagsstunde" von Dörte Hansen. Es handelt vom langsamen Verfall eines Dorfes und seiner Bewohner, von Schuld, Versöhnungswillen, dem Nachhall von rauschenden Festen und einer unzerstörten Natur, die mit dem Erscheinen der Landvermesser in den 60er, 70er Jahren ebenfalls der Zerstörung anheimfiel. Vom Leben der Bauern und Wirte, der Verstrickung von Familien und dem "bisschen Mensch", der einer unzerstörbaren alten Welt entgegensteht.

Danach konnte ich erst mal kein anderes Buch mehr in die Hand nehmen, vor allem wegen der Sprachgewalt der Autorin, wegen der Metaphern, die mich vollkommen in den Bann geschlagen haben und wegen der Brandaktualität der Geschichte. Ich selbst beobachte ja schon seit Einführung des Euro im Jahr 2002, wie die Gastwirtschaften den Berg hinab gegangen sind. Anders als in Bayern, wo man heute noch fast überall in den Biergärten seinen Schweinsbraten und seine Brotzeit bekommt, muss man hier im Schwarzwald, im Neckartal und auf der schwäbischen Alb lange suchen, bis man etwas halbwegs Genießbares zu vernünftigen Preisen bekommt. In den 80er Jahren konnte man zum Beispiel von Nagold nach Tübingen fahren und hat in jeder Dorfwirtschaft ein paniertes Schnitzel mit Pommes bekommen. Auch wenn die Soße wahrscheinlich aus der Tüte war, vermisse ich das heute sehr. Wir müssen oft auf die Italiener und Chinesen ausweichen. Die Dörfer und kleineren Städte verödeten immer mehr, es gab immer weniger Einkaufsläden, die Wirtschaften haben nur noch an bestimmten Tagen geöffnet, und das dann nur für den Gesangverein. Dörte Hansen hat das in ihrem Buch sehr gut erklärt. Die Alten kommen kaum noch zu den Stammtischen s oder trauen sich bei den Extremwettern (und wegen der Kriminalität) nicht mehr aus dem Haus. Die Väter der jungen Familien, die von der Stadt aufs Land gezogen sind, gehen mit ihren Sprösslingen tagsüber ins Schwimmbad und abends nicht mehr in die Kneipe. Von daher werden die lieblos hochgezogenen Siedlungen um die Dörfer herum und die Supermärkte, die eilig für sie hingeknallt werden, auch nicht zur Wiederbelebung der Dörfer und kleinen Städte beitragen. Im Bayernfernsehen sah ich heute einen Bericht über verwaiste Plätze mit Holzbänken ohne Lehnen, auf denen niemand sitzt, und Schirmakazien zum Schattenspenden, an denen Landfrauen eilig vorüber radeln. Die neu geschaffenen Dorfläden schreiben rote Zahlen, weil es im Discounter billiger ist. Doch es gibt Ansätze, die Probleme anders zu lösen. Zum Beispiel, alte Gebäude nicht abzureißen, sondern zu sanieren und damit Wohn- oder Raum für kulturelle Aktivitäten zu schaffen. Eine Gemeinde in Bayern hat ein Kloster gekauft und will ein Bildungszentrum einrichten - was dem Ort wieder mehr Attraktivität verleihen soll.
Hier ein Video zu den neuen Ortsmitten in Bayern:
https://www.br.de/mediathek/video/unter-unserem-himmel-neue-ortsmitten-in-bayern-av:5c3f10ca7de1420018a72708

Auch viele alte Schwarzwaldbäder bieten einen traurigen Anblick. Einige wie Bad Wildbad haben Glück. Die Rossini-Festspiele und das Thermalbad hätten es nicht mehr retten können. Die haben jetzt ihre Hängebrücke und den neuen Freizeitpark oben auf dem Sommerberg. Es gibt auch Städtchen, die allein ihrer wertvollen historischen Substanz wegen nicht verbaut und von Industrieanlagen umzingelt werden. Rothenburg, Dinkelsbühl und Stein am Rhein zum Beispiel, Letzteres haben wir kürzlich besucht. Dort herrschte am Abend nach Abzug der Touristen eine lockere, entspannte Stimmung, die Fahrt durch das Stückchen Schweiz war ein Hochgenuss an unverbauter, unversiegelter und nicht von Autos plattgefahrener Landschaft.


Samstag, 26. Januar 2019

Wintertal

Da hilft alles Jammern und Klagen nichts: Die Sommer sind nicht mehr, was sie mal waren, die Winter sind feucht, ekelhaft nass, kalt und drückend grau, Frühling und Herbst gibt es in dieser Form nicht mehr. Das sagte uns schon vor fast zwanzig Jahren eine Signora oberhalb des Gardasees, bei der wir eine traumhafte Wohnung mit Oleanderterrasse und Blick auf das blauglitzernde Wasser gemietet hatten. Die kleinen Paradiese sind längst verschwunden wie zum Beispiel Kochel am See. Der war noch schöner als der Gardasee, man konnte auf einem Felsenweg und durch Moore wandern, barocke Prachtkirchen und fromme Klöster besuchen, in den Klöstergärten Schweinebraten essen und abends vor der Kneipe sitzen und Bauern auf ihren Treckern vorbeituckern sehen-mit wehendem Gamsbart auf dem Filzhut. Wenn es einmal regnete oder ein Gewitter gab, saß man auf dem Balkon und schmökerte die halbe Nacht. Das ist jetzt auch vorbei, denn kürzlich las ich in der Zeitung: Deutschland ist inzwischen nach Spanien das beliebteste Urlaubsland, in Kochel am See stehen sie Stoßstange an Stoßstange.

Wie gesagt, es hilft nichts, wir haben den Klimawandel mit aller Schuld und allen Folgen für alle. Die Braunkohleausstiegsverhandlungen, ob 2030 oder jetzt, sind nur ein Pflästerchen für das, was ich schon in den 80er, 90er Jahren las: Es ist für alles fast schon zu spät. Auch damals gab es schon Klimaschutzkonferenzen, wenn ich mich recht entsinne. Und zum Glück waren die letzten Paradiese da noch nicht entdeckt.

Da sitze ich nun und schaue hinaus in den grauen, trüben, kalten Tag. Mache einen Test, aber ich habe keine Winterdepression. Mir geht es immer so in dieser Jahreszeit. So dunkel es draußen ist, so dunkel wird es drinnen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Und es ist Jammern auf sehr hohem Niveau, denn andere Leute haben kaum das Geld für die dringendst benötigten Dinge. Ich langweile mich nur in diesem Wintertal, denn meinen neuen Roman habe ich vor zwei Tagen an die Lektorin geschickt - und jetzt habe ich einfach nichts mehr zu tun. Es ist so langweilig, als Rentnerin im Winter nichts zu tun zu haben.

Während ich dies schreibe, hat sich draußen vorsichtig der Himmel aufgezogen. Ein paar hellblaue Flecken und ein Schimmer von Sonnenlicht brechen durch. Zeit, doch mal wieder rauszugehen.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Ende des Jahres

An dieser Stelle möchte ich allen Lesern meines Blogs ein gesundes, interessantes und lebenswertes Jahr 2019 wünschen! Von mir eine ganz kurze Bilanz: Die Weihnachtszeit und die Zeit zwischen den Jahren habe ich in einer Art Mini-Winterschlaf verbracht (ziemliche Erkältung), und dadurch ist mir das meiste an Trubel erspart geblieben. Das Extremwetterjahr 2018 stand für mich persönlich unter dem Stern des Regionalkrimis. "Martinsmorde" wurde als E-Book und als Taschenbuch veröffentlicht, meinen neuen Schwarzwaldkrimi habe ich jetzt bis auf die letzten Seiten fertig - bis zum 1. Februar muss er dann noch überarbeitet werden.

Einige Zeit lang habe ich nach einem passenden Gedicht für die Zeit "zwischen den Jahren" gesucht. War nicht einfach. Vorhin bin ich auf eins von Theodor Fontane gestoßen. Das umschreibt die Lage ein kleines bisschen.

Und wieder hier draußen...
Und wieder hier draußen ein neues Jahr -
Was werden die Tage bringen?!
Wird's werden, wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?
Wird's fördern das, worauf ich gebaut,
Oder vollends es verderben?
Gleichviel, was es im Kessel braut,
Nur wünsch' ich nicht zu sterben.
Ich möchte noch wieder im Vaterland
Die Gläser klingen lassen
Und wieder noch des Freundes Hand
Im Einverständnis fassen.
Ich möchte noch wirken und schaffen und tun
Und atmen eine Weile,
Denn um im Grabe auszuruhn,
Hat's nimmer Not noch Eile.

Mittwoch, 28. November 2018

Peter Wohlleben: Der mit dem Wald spricht

Eigenes Foto: Oktober 2018 auf der schwäbischen Alb
Gestern kam die vorerst letzte Sendung über den Bestseller-Autor und Förster Peter Wohlleben: Diesmal war er mit Cordula Stratmann und Mickey Beisenherz unterwegs im Soonwald im Hunsrück. Nach den vorhergehenden Sendungen wieder ein absolutes Highlight! Zitterpappeln, die ihre Kinder in die umliegenden Wiesen schicken, Bäume, die ihren Unrat abwerfen und ihn dann mit Blätter-Klopapier abdecken, Baum-Familien, Hute-Eichen und eine Übernachtung bei 2° und einem eisigen Wind ...alle Folgen, unter anderem mit Denis Scheck, Sven Plöger, Pierre M. Krause usw. können noch ein Jahr lang in der Mediathek abgerufen werden.

https://www.ardmediathek.de/tv/Der-mit-dem-Wald-spricht/Mit-Cordula-Stratmann-und-Mickey-Beisenh/SWR-Fernsehen/Video?bcastId=56966490&documentId=57997742

https://www.ardmediathek.de/tv/Der-mit-dem-Wald-spricht/Sendung?documentId=56966490&bcastId=56966490

Sonntag, 30. September 2018

Ich lieb den Herbst


Vor ein paar Tagen sind wir über die Hochfläche gelaufen, die sich über dem Tal der Steinach
erstreckt. Unten liegen das Dorf und die kleine Stadt, in denen wir leben. Die Landschaft ist vielfältig, man kann die schwäbische Alb als ferne blaue Mauer sehen und die Höhen des Schwarzwaldes mit den sich drehenden Spargeln. Einmal ist uns in der beginnenden Nacht eine große Eule entgegengeflogen. Heute dominieren die Herbstfarben, vergilbende Sonnenblumen, weiße Stiele der abgeernteten Maisfelder, dicke, zwanzig Meter lange Spinnenfäden segeln durch die Luft. Ein Schwarm von Staren kreischt in einer alten Kiefer, sie warnen vor uns, erheben sich wie eine riesige Wolke in die Luft und fallen von hinten wieder ein. Da kommt ein Mann mit einem Jagdhund, es ist ein freundlicher Hund. Er berichtet, dass er Jäger ist und nach einer Rotte Schwarzwild sucht, die sich hinten im Wald versteckt, die verwüsten die Felder der Bauern. Ja, er wird auch das eine oder andere Wildschwein abschießen. Wir wandern weiter, in einem Pferch stehen Schafe mit halbwüchsigen Lämmern. Die sind voller Ruhe, sie tun nichts als weiden und ihren Nachwuchs aufziehen. Es ist ein absoluter Einklang, hier stört nichts die Natur und die Menschen, die sich darin bewegen. Und es gibt ein schönes Herbstgedicht von Turgenjew, das mir gut zu passen scheint.

Iwan S. Turgenjew (1818-1883)


Ich lieb den Herbst


Ich lieb den Herbst, im Blicke Trauer.
In stillen Nebeltagen geh
Ich oft durch Fichtenwald und seh
Vor einem Himmel, bleich wie Schnee,
Durch Wipfel wehen dunkle Schauer.
Ich lieb, ein herbes Blatt zu Brei
Zu kauen, lächeln zu zerstören
Den Traum, dem wir so gern gehören.
Fern des Spechtes scharfer Schrei!
Das Gras schon welk...schon starr vor Kühle,
Von hellen Schleiern überhaucht.
In mir das Weben der Gefühle,
Das Herz in Bitternis getaucht...
Soll ich Vergangenes nicht beschwören?
Soll, was da war, nie wieder sein?
Die Fichten nicken dunkel, hören
Gelassen zu und flüstern Nein.
Und da: ein ungeheures Lärmen,
Ein Ineinanderwehn von Zweigen,
Ein Rauschen wie von Vogelschwärmen,
Die, einem Ruf gehorchend, steigen.

Samstag, 8. September 2018

Das Printbuch der "Martinsmorde" ist da!

Gestern erschien die gedruckte Ausgabe meiner "Martinsmorde" - es ist jetzt überall im Handel zu bestellen, in den Onlineshops und in den Buchhandlungen. Zwei hervorragende Rezensionen sind bereits erschienen. Irgendwie habe ich das Gefühl, als hätte ich meine Zielgruppe diesmal voll erreicht, ähnlich wie bei meinen Klein-und Mittelverlagsbüchern.

Auch das Gesamtfeeling ist ähnlich wie damals. Wenn ich durch den Schwarzwald fahre, laufe oder einfach nur aus dem Fenster schaue, sind mein Buch, mein Schreiben und mein Leben auf einer Linie. Erstaunt bin ich über die Tatsache, dass mein Krimi trotz der unübersehbaren Konkurrenz so viel Aufmerksamkeit erregt. Das habe ich den Aktivitäten des Verlags sowie der von Bloggerinnen und Autorenkollegen zu verdanken. Hätte ich das Buch im Self Publishing herausgebracht, wäre es wahrscheinlich in der Masse untergegangen!

Inzwischen sind schon mehr als fünfzig Seiten des Folgebandes fertig. Dabei geht es um Geschehnisse und Morde in einem Schwarzwaldtal mit einem Fluss, der wie so vieles im Schwarzwald ganz schwarz erscheint.

Hier die Rezensionen

Donnerstag, 30. August 2018

Aus - Flug weg vom Schreibtisch

In den letzten Jahren wurde viel über die sogenannte Achtsamkeit  publiziert. Vor einigen Jahren habe ich im Kloster Heiligkreuztal nahe Riedlingen ein dreitägiges Achtsamkeitstraining gemacht. Und zwei Jahre davor einen Kurs über Resilienz (seelische Widerstandskraft). Das war alles sehr schön und wohltuend, wobei ich sagen muss, dass das Achtsamkeitstraining nicht viel Spaß gemacht hat. Ewig lang dahocken und in sich hineinhorchen, verlangsamt gehen, das waren die Sachen, die mich vorher immer als ein wenig spirituell und esoterisch abgeschreckt hatten.

Kürzlich habe ich jedoch eine Erfahrung gemacht, die mir zeigte, wie man auch ohne langwierige Übungen zu mehr Achtsamkeit kommen kann. Achtsamkeit im Sinne von aufmerksam zu leben und eine Beziehung zu einer Umwelt zu bekommen. Ich hatte geträumt, dass meine Wohnung leergeräumt war. Alles weg, Bett, Schrank, Sofa, Stühle - alles bis auf den Schreibtisch. Später war das Zimmer in Schieflage, und durch irgendeinen Trick sah die Wohnung dann wieder wie vorher aus. Aha, dachte ich mir, was will mir mein UB damit wohl sagen? Ist dein Leben nicht allzu sehr auf den Schreibtisch reduziert?

Wir machten dann einen Ausflug ins Obere Donautal und wanderten vom Rauen Stein bei Irndorf zum Eichfelsen hinüber. Keine weite Tour, aber überaus heilsam. Wie früher, wie vor zwanzig Jahren sagte mein Begleiter. Atemberaubende Aussichten auf die Burgen und die Kalkfelsen des Donaudurchbruchtales, ein Wiesenpfad, Skabiosen, Kalkastern und Bläulinge. Sonne und Hitze im Wechsel mit Schatten und kühlen Traufgängen. In diesen Stunden habe ich gemerkt, wo die Beziehung zur Welt, wo "Heimat" ist.

Dienstag, 14. August 2018

Durchatmen!

Die Wochen der großen Hitze sind jetzt Gott sei dank vorüber. Ein paar sehr heftige Gewitter haben der Glut den Garaus gemacht. Man kann durchatmen und sich draußen wieder bewegen. So, wie man es sich für die sommerliche Jahreszeit wünscht. So lange wir noch auf einem Parkplatz des "Dreifürstensteins" (schwäbische Alb) aussteigen und unsere Wanderrunden drehen können, ist die Welt noch in Ordnung. Dort zumindest. Die Einkaufszentren mit ihrer Hektik und der Rücksichtslosigkeit der Menschen meiden wir, so oft es geht.

Was das Schreiben betrifft, kann ich ebenfalls wieder durchatmen. Vor einiger Zeit hatte ich ein Exposé an meine Lektorin geschickt. Es geht um einen Folgekrimi zu den "Martinsmorden" und er spielt im Schwarzwälder Enztal. Die Zeit, bis ich ihn fertig geschrieben habe, konnte ich selber bestimmen und bekomme dafür einen Vertrag. Jetzt recherchiere ich und schreibe abwechselnd, und es macht genauso viel Spaß wie beim ersten Buch!

Noch ein Wort an meine amerikanischen, französischen und portugiesischen Leser, die hier täglich ihre Kommentare abgeben. Danke für das Lob meiner Webseite und für das Teilen in den sozialen Medien! Dabei hätte ich aber eine Bitte: Ich kann mir nicht sicher sein, ob die Kommentare echt sind, weil sie anonym verfasst werden. Aus dem Grund veröffentliche und beantworte ich sie auch nicht. Wenn jemand also ernst genommen werden will, sollte er sich mit Realnamen melden.