Samstag, 8. September 2018

Das Printbuch der "Martinsmorde" ist da!

Gestern erschien die gedruckte Ausgabe meiner "Martinsmorde" - es ist jetzt überall im Handel zu bestellen, in den Onlineshops und in den Buchhandlungen. Zwei hervorragende Rezensionen sind bereits erschienen. Irgendwie habe ich das Gefühl, als hätte ich meine Zielgruppe diesmal voll erreicht, ähnlich wie bei meinen Klein-und Mittelverlagsbüchern.

Auch das Gesamtfeeling ist ähnlich wie damals. Wenn ich durch den Schwarzwald fahre, laufe oder einfach nur aus dem Fenster schaue, sind mein Buch, mein Schreiben und mein Leben auf einer Linie. Erstaunt bin ich über die Tatsache, dass mein Krimi trotz der unübersehbaren Konkurrenz so viel Aufmerksamkeit erregt. Das habe ich den Aktivitäten des Verlags sowie der von Bloggerinnen und Autorenkollegen zu verdanken. Hätte ich das Buch im Self Publishing herausgebracht, wäre es wahrscheinlich in der Masse untergegangen!

Inzwischen sind schon mehr als fünfzig Seiten des Folgebandes fertig. Dabei geht es um Geschehnisse und Morde in einem Schwarzwaldtal mit einem Fluss, der wie so vieles im Schwarzwald ganz schwarz erscheint.

Hier die Rezensionen

Donnerstag, 30. August 2018

Aus - Flug weg vom Schreibtisch

In den letzten Jahren wurde viel über die sogenannte Achtsamkeit  publiziert. Vor einigen Jahren habe ich im Kloster Heiligkreuztal nahe Riedlingen ein dreitägiges Achtsamkeitstraining gemacht. Und zwei Jahre davor einen Kurs über Resilienz (seelische Widerstandskraft). Das war alles sehr schön und wohltuend, wobei ich sagen muss, dass das Achtsamkeitstraining nicht viel Spaß gemacht hat. Ewig lang dahocken und in sich hineinhorchen, verlangsamt gehen, das waren die Sachen, die mich vorher immer als ein wenig spirituell und esoterisch abgeschreckt hatten.

Kürzlich habe ich jedoch eine Erfahrung gemacht, die mir zeigte, wie man auch ohne langwierige Übungen zu mehr Achtsamkeit kommen kann. Achtsamkeit im Sinne von aufmerksam zu leben und eine Beziehung zu einer Umwelt zu bekommen. Ich hatte geträumt, dass meine Wohnung leergeräumt war. Alles weg, Bett, Schrank, Sofa, Stühle - alles bis auf den Schreibtisch. Später war das Zimmer in Schieflage, und durch irgendeinen Trick sah die Wohnung dann wieder wie vorher aus. Aha, dachte ich mir, was will mir mein UB damit wohl sagen? Ist dein Leben nicht allzu sehr auf den Schreibtisch reduziert?

Wir machten dann einen Ausflug ins Obere Donautal und wanderten vom Rauen Stein bei Irndorf zum Eichfelsen hinüber. Keine weite Tour, aber überaus heilsam. Wie früher, wie vor zwanzig Jahren sagte mein Begleiter. Atemberaubende Aussichten auf die Burgen und die Kalkfelsen des Donaudurchbruchtales, ein Wiesenpfad, Skabiosen, Kalkastern und Bläulinge. Sonne und Hitze im Wechsel mit Schatten und kühlen Traufgängen. In diesen Stunden habe ich gemerkt, wo die Beziehung zur Welt, wo "Heimat" ist.

Dienstag, 14. August 2018

Durchatmen!

Die Wochen der großen Hitze sind jetzt Gott sei dank vorüber. Ein paar sehr heftige Gewitter haben der Glut den Garaus gemacht. Man kann durchatmen und sich draußen wieder bewegen. So, wie man es sich für die sommerliche Jahreszeit wünscht. So lange wir noch auf einem Parkplatz des "Dreifürstensteins" (schwäbische Alb) aussteigen und unsere Wanderrunden drehen können, ist die Welt noch in Ordnung. Dort zumindest. Die Einkaufszentren mit ihrer Hektik und der Rücksichtslosigkeit der Menschen meiden wir, so oft es geht.

Was das Schreiben betrifft, kann ich ebenfalls wieder durchatmen. Vor einiger Zeit hatte ich ein Exposé an meine Lektorin geschickt. Es geht um einen Folgekrimi zu den "Martinsmorden" und er spielt im Schwarzwälder Enztal. Die Zeit, bis ich ihn fertig geschrieben habe, konnte ich selber bestimmen und bekomme dafür einen Vertrag. Jetzt recherchiere ich und schreibe abwechselnd, und es macht genauso viel Spaß wie beim ersten Buch!

Noch ein Wort an meine amerikanischen, französischen und portugiesischen Leser, die hier täglich ihre Kommentare abgeben. Danke für das Lob meiner Webseite und für das Teilen in den sozialen Medien! Dabei hätte ich aber eine Bitte: Ich kann mir nicht sicher sein, ob die Kommentare echt sind, weil sie anonym verfasst werden. Aus dem Grund veröffentliche und beantworte ich sie auch nicht. Wenn jemand also ernst genommen werden will, sollte er sich mit Realnamen melden.

Mittwoch, 11. Juli 2018

Von Schlitz nach Spalt

Was im Titel wie eine Gratwanderung in den Felsen klingt, war in Wahrheit eine dreitägige Rundtour durch deutsche Lande. Nicht immer bekleckert man sich bei solchen Touren mit Ruhm, aber immer bereichert es die Erfahrungen. Man lernt eben nie aus, und wirklich "vernünftig" wird man offensichtlich auch nicht in seinem Leben. Irr- und Lehrreise von Süd nach Nord nach Ost nach Süd.

Aufgrund der Wetterlage und weil am Samstag keine tonnenschweren Lastwagen unterwegs sind, beschlossen wir spontan, nach Flensburg zu fahren. Dort haben wir eine kleine Ferienwohnung nahe der Krusau in Kupfermühle, wo mein Vater früher eine Kupfer - und Messingfabrik geleitet hat. Es sind fast 900 Km bis dorthin, die früher immer, etwa zu Weihnachten und an Geburtstagen, problemlos zu bewältigen waren. Hinter Fulda merkten wir, dass es langsam Nachmittag wurde und das Ziel heute eben nicht mehr problemlos zu erreichen sein würde. Zumal in Hamburg eine mehrstündige Sperrung des Elbtunnels geplant war. Mein Partner meinte sich zu erinnern, dass wir schon einmal in Schlitz gewesen seien, einem kleinen Ort auf dem Vogelsberg. Waren wir aber nicht, dafür waren wir beeindruckt von dem mittelalterlichen Erscheinungsbild und dem Schloss.
Marktplatz von Schlitz

Alsfeld
Schlosshotel Schlitz

Im Schlosshotel fand eine geschlossene Gesellschaft statt, trotzdem durften wir einchecken. Das Zimmer wie immer viel zu klein, aber alles edel und neuwertig mit Blick auf den Fluss und das Städtchen. Abends besuchten wir Alsfeld, das wir aus dem hessischen Fernsehen kannten und immer schon mal besuchen wollten. Und waren überwältigt von dem geschlossenen Stadtbild und dem kunstvollen alten Fachwerk überall. Zurück in Schlitz, konnten wir den Abend bei einem Bier und Musik der Bigband von HR3 genießen - die zufällig dort im Schlossgarten spielte. Am Rande gestand uns ein Althippie, der zu den Roadies gehörte, dass er eigentlich auch lieber Rockmusik hören würde. Oben im Schlosshotel ging das Fest der Gesellschaft eben seinem Höhepunkt entgegen. Ein Graf aus einem Hochadelsgeschlecht lade hier alljährlich zum Familientreffen, erklärte uns die freundliche Bedienung. Nachher würden sie alle zum Kaffee auf die Terrasse hinauskommen, aber wir könnten uns gern auf die Bank an der Seite setzen und etwas trinken. Derweil sie drinnen auf ihr Dessert warteten, fragte mein Partner die Bedienung ganz frech, ob sie nicht ein paar von den Krebsen übrig hätten. Die wir dann auch formvollendet serviert bekamen. Ist ja nicht viel dran an den Dingern, und die Finger riechen danach stundenlang, aber es war ein großartiges Erlebnis. Später kamen die Herrschaften, um sich dem legeren Teil des Abends zu widmen. Die Kaffeetassen blieben unangerührt, und man hörte schon mal ein "Hau weg!" Alles in allem waren wir aber sehr positiv vom Verhalten dieser Menschen eingenommen, keine Pöbelei, kein Streit, kein lautes Wort. Ein lustiger Abend bis spät in die Nacht, unvergesslich.

Am zweiten Tag fuhren wir schon um 8 Uhr los. Wieder ein heißer Tag. Die Auswirkungen der Dürre machten sich immer mehr bemerkbar. Wochenlang hatte es hier nicht geregnet, oft sah man die Leute zum Himmel schauen und klagen. Der Ort Fritzlar (auch ein "Sehnsuchtsort") empfing uns eher enttäuschend, der Dom war geschlossen, und auch sonst war nicht viel los. Bei Hannover ereilte uns dann der Super-Gau. Ewig lange Baustellen und Staus nervten solange, bis wir beschlossen, unser ursprüngliches Ziel aufzugeben. Stattdessen wandten wir uns gen Osten. Erinnerungen an Weimar und Goethes Gartenhäuschen, an die Wartburg, Gotha, Erfurt und das Bachstädtchen amen auf. Quedlinburg, voller Kulturtouristen, war sehr schön und beeindruckend. Der Dom thront ganz oben mit Weitblicken in die verdorrte Landschaft. Die Quedlinger Bratwurst mit Schalenkartoffeln war auch nicht zu verachten.
Dom von Quedlinburg

Gasse in Quedlinburg
Die Weiterfahrt dann aber schon. Wir greifen uns jetzt noch an den Kopf, dass wir nicht gleich wieder nach Hause gefahren sind. Quer durch den Harz, mit schönen Wäldern und Flüssen, aber umständlich zu fahrenden Straßen, wenig Infastruktur und vielen aufgemotzten Sehenswürdigkeiten. Fast jedes Dorf hat sein Schloss, aber als einziger von der Schlossverwalterin empfohlene Übernachtungsmöglichkeit erwies sich ein Campingplatz ohne versprochenen See und ausgebucht. So landeten wir nach vielem Hin und Her in Melsungen, einem ebenfalls sehr schönen Städtchen, das wir von der Durchreise her schon kannten.

Gleich hinter dem Eulenturm am Stadteingang landeten wir im Hof einer Pension. deren Besitzer empfing uns schon auf dem Parkplatz, erklärte, dass der Eulenturm früher Gefängnis und das Fremdenzimmer in der Pension jüdischer Betsaal gewesen sei. Gefiel mir ganz gut, mit schwarzem Gebälk, etwas geräumiger als das im Schlosshotel und preiswert. Die Stadt Melsungen ist wunderschön, doch die Gastlichkeit lässt ein wenig zu wünschen übrig. Die empfohlenen Gaststätten waren schon um 19.00 geschlossen, das von einem Wirt empfohlene hatte edle und teure Speisen auf der Karte, die aber unserem Empfinden nach aus Aldi-Zutaten hergestellt waren. Auch der abendliche Ausklang beim Bier erwies sich als kontraindiziert. Es gab nur eine einzige Kneipe, die offen hatte, dort wurde man mit de Hitparade der Volksmusik und Mallorca-Gedöns unterhalten. Also blieb nur der frühe Gang ins Bett.

Kirche St. Emmeran in Spalt
Gegen Mittag des dritten Tages wurden wir dann endlich fündig. Im Fränkischen Seenland. Nicht weit von Gunzenhausen und dem Brombachsee liegt der ursprüngliche, unverdorbene Ort SPALT, den mein Partner im Auge gehabt hatte. Hie gibt es mehrere Kirchen, sehr katholisch, sehr barock, dazu ein uraltes Brauhaus und den besten Schweinbraten an der Seite eines Wirtshauses, den wir seit langem zu uns genommen hatten. Die Sauce besteht aus reinem Fleischsaft, die Knödel habe ich beide verdrückt, obwohl ich sie früher nie gemocht habe.


 Rund um den Großen und den Kleinen Brombachsee ist eine künstliche Ferienlandschaft entstanden, die leider nicht besonders attraktiv wirkt. Durch Stauung der Altmühl hatte man sich ein gutes Urlaubsgeschäft versprochen, was wohl auch funktioniert. Aber es gibt nichts Gewachsenes, zu allen Plätzen am See führen extra angelegte Stra0en hinunter. Einzig der Natursee bei Merkendorf ist zwar verändert worden, dort gibt es jetzt alle Schwimmbadutensilien mit Café und Kindergeschrei, aber er ist noch in seinen Grundzügen zu erkennen. Auch die Wiese, auf der wir ml eine Nacht mit jungen Leuten am Lagerfeuer verbracht hatten, gibt es noch. Und das schöne Wolframs-Eschenbach, Heimatort des Wolfram von Eschenbach. Die Ferienwohnung von damals gab es nicht mehr, das Café hatte zu, und zum Übernachten gab es schon gar nichts. Inzwischen bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es nicht nur die ehemaligen Orte der DDR sind, in denen nichts geboten wird, die tot wirken und wo abends um sieben die Stühle hochgeklappt werden. Wie sehr genossen wir es, in Backnang wenigstens noch - an diesem warmen Sonntagabend - in der Flaniermeile sitzen zu können und ein gutes Thai-Gericht zu verzehren! Von der vielen, teils wirklich überflüssigen Fahrerei nach einem Ferienort taten uns alle Knochen weh. Ich glaube aber, dass wir doch etwas aus der Reise gelernt haben. Man musste sich schon früher in der Kutschenzeit sehr anstrengen, wenn man reisen wollte, nur ging es da viel langsamer.

Freitag, 6. Juli 2018

Leseexemplare für Rezensenten

Von meiner Lektorin erhielt ich ein digitales Leseexemplar, das für die professionellen Leser und Leserinnen bei Netgalley gedacht ist. Netgalley funktioniert so, dass Verlage dort Neuerscheinungen einstellen. Professionelle Besucher wie Buchhändler (40%), Buchbloggerinnen und andere Rezensenten suchen sich dort ihren Lesestoff heraus, die Rezensenten (die bestimmte qualitative Anforderungen erfüllen müssen) fragen dann beim  Verlag nach einem Rezensionsexemplar. Falls es hier unter meinen Blogbesuchern BuchbloggerInnen gibt, die Interesse an einem Exemplar hätten, können sie bei mir anfragen. Demnächst erhalte ich auch noch ein paar gedruckte Exemplare per Post. Die Rezensionen werden dann auch bei Amazon, Thalia, Weltbild usw. eingestellt, so weit ich es verstanden habe. Hier sind die am meisten nachgefragten Exemplare unter der Kategorie "Krimis, Mystery und Thriller" aufgeführt. Meine Martinsmorde befinden sich auf Seite drei von insgesamt 58 Titeln und wurden achtmal positiv für das Cover bewertet.

https://www.netgalley.de/catalog/category/16/mostRequested?sort=b.reqCount&direction=desc&page=3


Samstag, 30. Juni 2018

Abenteuer am Bodensee und in der Schweiz



Der "Traum vom Süden" ist noch nicht ausgeträumt! Und es muss Fleckchen auf dieser Erde geben, die gut erreichbar sind und an denen man Abstand vom Stress und der Hektik dieser Welt finden kann. Wir wählten diesmal die Route in den Süden, an den Bodensee, das viel frequentierte schwäbische Meer. Und dort auf die Höri, die Halbinsel, an deren Ende der Rhein wieder in sein altes Flussbett zurücktritt. Schon beim Singener Kreuz lag ein Licht über der Landschaft, das sich nur in der Nähe von großen Seen und auf der Fahrt durch das Rhonetal zeigt. Erstmal sah es gar nicht gut aus. Die Ferienwohnung in Gundholzen, in der wir schon interessante und geruhsame Tage verbracht hatten, gab es nicht mehr, alles andere war besetzt. In Gaienhofen wurden wir dann fündig. Direkt hinter dem Haus von Hermann Hesse mieteten wir für zwei Tage eine Ferienwohnung mit südländisch anmutender Terrasse. Runter an den Steg, so hat es schon immer ausgesehen, wenn man irgendwo angekommen ist. Und Schwimmen an meinem Lieblingsbadeplatz. Am Abend noch ein Besuch des mittelalterlichen Städtchens Stein am Rhein, das wir schon lange nicht mehr gesehen hatten. An der Grenze zur Schweiz waren die Zollhäuschen unbesetzt. Also scheinen die Schweizer auf ihr Nachbarland zu vertrauen. Bis zur Dunkelheit wanderten wir staunend durch die Gassen und am Rhein entlang, saßen auf einer Terrasse und schauten dem Sonnenuntergang zu. Auf dem Rückweg bogen wir um eine Gasse und liefen einem Mann in die Arme, der wie ein Handwerker aus dem Mittelalter wirkte, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Er stellte uns eine Frage, die wir lösen sollten. Was die eingravierte Zahl auf der romanischen Säule wohl bedeute? Sie begann mit einem V, und ich konnte sehr schnell sagen, dass es 1544 heiße. Daraufhin mussten wir ein Glas hiesigen Rotwein probieren, das zog sich eine lustige Schweizer Stunde auch mit anderen lustigen Gästen des Imbisses hin. Obwohl ich mich auf ein Glas beschränkte (bin keine Weintrinkerin), spürte ich es beim Weitergehen doch in den Beinen.
Am nächsten, einem sonnigen, heißen Tag, wollten wir die Schweizer Berge sehen. In der Schweiz ist es so, dass man sehr viel langsamer fährt als bei uns. Und das Verkehrsaufkommen ist auf dem Land nicht so hoch wie in Deutschland, wo man ständig im Stau steht, gedrängelt und gemobbt wird. Allerdings kommt man kaum durch, wenn man keine Vignette hat, man landet unweigerlich immer bald auf einer Autobahn. Also haben wir die in einer Tankstelle gekauft, wir werden sie dieses Jahr sicher noch für weitere Fahrten nutzen. Denn die Schweiz zeigte sich uns von ihrer besten Seite: schöne Landschaften, zum großen Teil noch unverbaut, mit freundlichen, gelassenen Menschen und gutem kulinarischen Angebot. Das aber wie eh und je sehr teuer, ein Eiskaffee kostet zum Beispiel 12,90 Euro. Sie geben es auch zu, vor allem die Mieten seien für viele Schweizer nicht erschwinglich. Da wir nun schon auf der Autobahn waren, fuhren wir die 60Km nach St. Gallen, wo ich schon immer einmal hinwollte. Eine ziemlich große Stadt, doch wir fanden fast auf Anhieb einen Parkplatz. Dieses St. Gallen hat uns umgehauen, eine quirlige, offene Stadt mit einer einmaligen Atmosphäre! Im Klosterviertel stehen mittelalterliche Gebäude mit Fresken, im gewaltigen Dom stand eine Gruppe japanischer Touristen andächtig und blickte zu den Kuppeln und den stuckverzierten Säulen und Kapitellen empor. Erfrischt und gestärkt von so viel Schönheit traten wir den Rückweg an. Von Rorschach bis Kreuzlingen-Konstanz wurde der Verkehr immer dichter, immer mehr Autos mit deutschen Kennzeichen tauchten auf. Die Landschaft war zunehmend durch Beton verwüstet. So waren wir erleichtert, als wir wieder im beschaulichen Gaienhofen ankamen. Das ist fast wie eine Faustformel: je mehr Industrie, desto mehr Autos, desto mehr Neubauten, desto mehr unfreundliche, gehetzte, drängelnde Menschen.

Und die Massentouristen gibt es natürlich auch hier, sie sitzen gern bei Sonnenuntergang auf den Terrassen und glauben, sie seien auf Mallorca. Auf unserer südländisch anmutenden Terrasse hinter dem Hesse-Haus saßen wir noch lange und quatschten darüber, was Hermann Hesse in unserem Leben für uns bedeutet hat. Heute ist er fast vergessen, wenn auch die Abiturienten sich wieder mit dem Steppenwolf beschäftigen müssen. Eines habe ich begriffen: dass die Quintessenz des "Gasperlenspiels" die ist, dass man nicht die ganze Welt retten kann, sondern immer nur einzelne. Und sich auch an Einzelne wendet, wenn man schreibt oder sonst wie in den Musen aktiv ist. Zwischendurch schien es, als sei eines der Fenster des Hessehauses erleuchtet. Da die kleine Kapelle dahinter neben der riesigen Linde und dem Brunnen angezündet und ausgeraubt wurde, kam es uns ein wenig geisterhaft-kriminell vor. Schließlich fanden wir heraus, dass es eine Spiegelung unseres eigenen Lichtes war. In mir war eine ganz große Ruhe, kein Lärm, keine Störung, kein Telefon, kein Computer, der Fernseher wurde nur für die Nachrichten angemacht. Dort hörten wir, dass die deutsche Nationalmannschaft kläglich verloren hatte und noch vor dem Achtelfinale ausscheiden musste. Im ganzen Ort war eine tödliche Ruhe eingekehrt, niemand zeigte sich auf den Straßen. Der Mond löste sich aus der Linde, hinter der er halb verborgen war, und zog seine stille Bahn über den Horizont.

Bildergalerie:
Die Terrasse

Am Untersee in Gaienhofen

Badeplatz


St. Gallen Klosterviertel

Der Dom von St. Gallen


In der City von St. Gallen


Dienstag, 19. Juni 2018

Mein Schwarzwaldkrimi "Martinsmorde" ist da!



Ein Traum ist wahr geworden: Der Schwarzwaldkrimi "Martinsmorde" erscheint am 2. Juli 2018 und ist jetzt schon bei Amazon, bei Hugendubel, bei Weltbild und anderen Shops online vorbestellbar. Im September erscheint dann die Printausgabe. Klappentext:

Der erste Fall für Lisa Faber

Die Journalistin Lisa Faber besucht das kleine Dorf Niederweiler, um für den Schwarzwaldkurier einen Artikel über die Traditionen zum Martinstag zu schreiben. Doch die Dorfbewohner begegnen ihr mit Argwohn. Als nach dem Martinsritt der örtliche Pfarrer ermordet aufgefunden wird, ist die Feindseligkeit kaum noch zu übersehen. Hauptkommissar Steidle übernimmt den Fall, doch Lisa wittert eine Story. Sie findet heraus, dass vor vielen Jahren im Dorf schon einmal ein Pfarrer verschwand. Während sie auf eigene Faust ermittelt, stößt sie auf ein düsteres Geheimnis und gerät schließlich selbst ins Visier des Täters ...
Martinsmorde bei Ullstein
https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/martinsmorde-9783958191570.html
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