Montag, 5. Oktober 2020

Rezension zum Krimi "Mörderische Förde"

 

Ist mir noch nie passiert: Gleich am ersten Tag der Erscheinung eines Buches war heute schon die erste 5-Sterne-Rezension da! Ist bei Lovelybooks, Thalia, Weltbild usw. gelistet.

Aufregend

Sonntag, 27. September 2020

Herbst in der Krise



Der Sommer war sehr groß, sehr heiß und trocken. Hat uns über die Krise hinweggetröstet. Dem Klima einerseits genutzt durch weniger Emissionen, andererseits durch Dürre der Natur geschadet. Nun stehen uns Herbst und Winter bevor, und alles wird noch ein wenig kritischer. Die Kultur ist größtenteils auf der Strecke geblieben. Diese Jahr sollte dem schwäbischen Dichter Hölderlin gewidmet sein. Von ihm stammt der Spruch:

Wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch.

Und das unvergessliche Gedicht vom Neckar:

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne;
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm' ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Friedrich Hölderlin, 170-1843





Sonntag, 13. September 2020

Schreiben in Zeiten der Pandemie


 Über welche Zeit scheibt ein Romanautor in Zeiten der Pandemie? Beschränkt er sich auf alles, was vor dem Januar 2020 geschah? Mein jetziger Roman spielt im Sommer 2019. Mit Masken, Abstandspflicht, Ausfüllen von Kontaktdaten in den Cafés und Restaurants sowie den Reisebeschränkungen hätte er nicht funktioniert. Ich weiß nicht, wie man weiterhin Romane schreiben kann. Alles vordatieren? Tun, als wenn nichts wäre? Erstmal bin ich erleichtert, dass ich heute, nach einem halben Jahr Arbeit an meinem Roman, mit dem Korrekturexemplar fertig geworden bin. Meine Situation ist ja sehr privilegiert. Andere Kollegen sind da viel stärker betroffen, besonders durch Ausfall von Lesungen u.a. Ein mir bekannter süddeutscher Schriftsteller musste sich einen neuen Verlag suchen, so las ich in einer Zeitung. Die Frankfurter Buchmesse wurde kürzlich doch noch abgesagt, nachdem sie lange für Mitte Oktober - in abgespeckter Hallenform und vor allem digital - stattfinden sollte. https://bit.ly/2GRzQhX

Das Schreiben ist seit zwanzig Jahren zu meinem Lebensalltag geworden. Unvorstellbar, wie die langen Herbst-und Wintermonate in der Pandemie ohne das zu überstehen sind. Aber ich kann mich auch in andere Richtungen orientieren. Da die kulturellen Angebote eingeschränkt sind und mein geliebtes Schwimmen nur noch mit digitalem Code und abgezählt in Bahnen stattfinden kann, sind das kaum noch Alternativen. Sie gehen mehr ins Digitale, in die Medien und den Austausch in Foren.






Sonntag, 30. August 2020

Mörderische Förde

Mein Ostseekrimi hat vom Verlag einen neuen Titel erhalten: "Mörderische Förde".
Das Manuskript habe ich am Donnerstag weggeschickt. Danach hat sich der Computer so lange aufgehängt, dass ich ihn noch am selben Tag auf Werkseinstellungen zurückgesetzt habe. Glücklicherweise kann ich hier in meinem Blog (Googlekonto) wieder Bilder herunterladen. Ein paar andere Funktionen sind verlorengegangen, die Dateien, die Medienverbindungen und die meisten anderen zum Glück nicht. Jetzt plätschert der Regen schon den ganzen Tag aus einem tiefgrauen Himmel. Die Natur kann aufatmen.


Vorgestern bei einem Abendspaziergang im nördlichen Schwarzwald

Sonntag, 23. August 2020

Müssen Romanfiguren sympathisch sein?

 Hier ist ein Artikel von Hans Peter Roentgen, der mir in meiner Blogroll aufgefallen ist.

Es geht darum, welche Figuren in Romanen uns faszinieren und nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Denn es sind nicht die vordergründig "sympathischen", das heißt "netten" Charaktere, die man dutzendweise auch im wahren Leben findet. Sondern diejenigen, die zum Beispiel von einer Leidenschaft beherrscht werden, ein Ziel haben, das sie unbedingt erreichen wollen. Und dabei auch scheitern können.

https://hproentgen.wordpress.com/2020/08/22/mussen-romanfiguren-sympathisch-sein/

Montag, 10. August 2020

Die Ostsee kann sehr kalt sein


                                                                              

Am letzten Donnerstag habe ich meinen Ostseekrimi an die Lektorin im Verlag geschickt. Heute kam die Bestätigung: wohlbehalten angekommen. Mit einer ersten Rückmeldung kann ich Ende der Woche/ Anfang nächster Woche rechnen. Um ehrlich zu sein: Das Schreiben dieses Romans hat mir die Monate der Pandemie, des Lockdowns und der weltweiten Geschehnisse erleichtert! In den derzeitigen Hundstagen lasse ich tagsüber meine Rollläden herunter, trinke viel Mineralwasser mit Zitronenspritz, und wir gehen nur abends m kühleren Tal spazieren. Angesichts der Urlaubermassen im Schwarzwald und überall verzichten wir dieses Jahr darauf wegzufahren. Wir haben in der Nähe einiges neu entdeckt: die Kneipe einer bekannten oben auf der Höhe, Wander-wege gleich um die Ecke, idyllische Fleckchen an der Steinach und der Nagold und ein Restaurant-Café mitten in Nagold am Fluss. Da kann man ewig lang sitzen, Kleinigkeiten wie Bruschetta futtern und mit alten bekannten quatschen die vorbeikommen. Mein kleiner Garten und die Terrasse sind in diesem Sommer das absolute Paradies! 

Das Leben ist trotz oder gerade wegen Corona einfach geworden.

Mittwoch, 1. Juli 2020

Von Mäusen und Menschen

Während ich gestern Abend die Terrassentür zum Lüften geöffnet hatte, sah ich aus dem Augenwinkel eine kleine Hausmaus hereinhuschen. Sie verschwand unter dem Bücheregal. Irgendwie fand ich sie süß. aber es war mir auch nicht ganz wohl dabei, eine Maus im Haus zu haben. Vor ein paar Tagen war sie in der Küche an der herunterhängenden Schürze hochgeklettert und dann ebenfalls verschwunden. Erst unter dem Kühlschrank, dann hinterm Grill. Ich habe überall nachgeguckt, aber sie war und blieb verschwunden. Mit Speck fängt man Mäuse, dachte ich und legte ein Stück Käse draußen vor die halb offene Tür. Das heißt, ich gab ihr Gelegenheit zu entkommen. Der Käse war noch da, die Maus nicht mehr. Ich frage mich, was sie in meiner Wohnung sucht, wenn nicht was zum Fressen. Kühle, Sicherheit? Und was aus dieser Mäusebeziehung wird, weiß ich auch noch nicht. Ich kann meine Fenster und Türen nämlich nicht dauerhaft verschließen.

Bei geschlossenen Fenstern und Türen kann nämlich Folgendes passieren:
Neulich saß ich einige Stunden auf der heißen Terrasse und schrieb an meinem Roman. Alles idyllisch, umrahmt von grünwuchernden Pflanzen, Rosen, Feuerlilien und den Blüten des Oleanders. Ein kleiner blaugrüner Strandschirm über mir, ein kaltes Getränk neben mir. Plötzlich hörte ich ein lautes Klatschen, einen Knall, der mich hochschrecken ließ. Ein Spatz landete mit ausgestreckten Flügeln auf der Gartenbank. Da blieb er liegen, anscheinend innerlich unverletzt, aber in Schockstarre. Ich brachte ihn in den Schatten und stellte ein Schälchen Wasser neben ihn. Den ganzen Nachmittag dachte ich, der stirbt jetzt. Was sollte ich nur tun? Und ein Tierarzt war wegen des Feiertages nicht zu erreichen. Gegen Abend richtete er sich auf und stand einfach da. Stundenlang. Ich flößte ihm etwas Wasser ein und legte Brotbröckchen neben ihn. Daraufhin drehte er das Köpfchen und steckte es nach hinten ins Gefieder. Er schlief. Er schlief den ganzen Abend. Um ihn vor den Nachbarkatzen zu retten, brachte ich ihn auf einem Tuch in die Küche, er hatte gekackt, das war gut so. Am Morgen flatterte er an meinem Schlafzimmerfenster herum. Ich brachte ihn nach draußen, wo er wieder saß und schlief. Kurze Zeit später war er verschwunden. Und eine Stunde später hörte ich es in den Büschen: Tschilp, tschilp, tschilp!

Meine Wohnung ist ein Anziehungspunkt für Tiere. Vor ein paar Jahren war es eine weiße, extrem anhängliche Katze, die auf Teufel komm raus bei mir einziehen wollte. Sie trommelte Tag und Nacht ans Fenster und schaffte es auch, immer wieder hier zu wohnen und zu speisen. Sie gehörte aber nachweislich jemand anderem. Dann wieder war es eine Kröte, die nachts unter meinem Sofa hervorkroch. Immer war es die Hitze oder andere Gründe, die Tiere in meine Wohnung trieb. Die anderen - Elstern, Amseln, Meisen, Igel, Bläulinge und Zitronenfalter, Hummeln, Bienen, Nachbarkatzen - bleiben tunlichst draußen, außer sie bauen ihr Nest wie eine Zeisigfamilie im Rosenbusch. Nur die naschhaften Wespen verirren sich gern mal hinein.

Die Menschen haben sich in Coronazeiten bei mir rarer gemacht. Außer meinem Partner natürlich, den sehe ich so gut wie jeden Tag, und er führt mich, leutselig und witzig, wie er ist, auch immer wieder in die "reale" Welt zurück. Ab und zu ein Schwätzchen mit Nachbarn oder im Supermarkt, beim Wandern und in der Stadt. Der Postbote klingelt auch nicht mehr, meist ist Ruhe, kein Fußballgedonner mehr gegen die Garagentür, nur das Lachen und die Spielgeräusche von Kindern. Das ist die angenehme Seite der Zeit. Es gibt sottige und sottige Menschen. Die meisten sind angenehm und verständig. Wenn man zunehmend wieder in die sogenannte Realität zurückkehrt und in der Stadt eine Latte oder ein Holunderschorle trinkt, kann man auch Männer beobachten, die angetrunken in einem Café sitzen und lauthals alles kommentieren und über jeden lachen, der vorbeigeht oder in der Nähe sitzt. Manche gewinnen durch die Krise, anderen hat es anscheinend das Hirn vernebelt (damit meine ich jetzt durchaus auch Leute wie die durchgeknallten Jungs aus Stuttgart, von denen jetzt 13 in Haft sitzen).

Donnerstag, 11. Juni 2020

Schock und Zeitenwende

Es war, als wäre ich aus einem irren, verstörenden, vorher nie geträumtem Traum erwacht. Eine mögliche Antwort auf meine Fragen fand ich gestern während einer Dokumentation im 3Sat. Da wurde noch einmal zusammengefasst, was ich und viele Millionen Menschen in den letzten drei Monaten erlebt haben. Einen scheinbaren Zusammenbruch der gesamten Welt. Der Sprecher redete von der "Vor-Corona-Zeit", und da wurde mir wieder bewusst, dass wirklich eine Welt versunken ist. Ein unsichtbarer Feind hat alles hinweggefegt. Die drei Monate haben mir wie in einem Prisma gezeigt, wo die wahren weltweiten Probleme stecken. Die Bilder von den Lastwagen, die in der Nacht durch Bergamo fuhren, die Massengräber überall, die Sterbenden auf den Bänken der Krankenhäuser. Die gespenstische Stille auf der ganzen Welt, die leeren Gassen und Plätze in Venedig. Die Sonne, die wochenlang auf unser Land niederknallte, die Staubwolken auf den Feldern, vernichtete Existenzen. Fazit dieser Sendung: Wer glaubt, auf das Level der Vor-Corona-Zeit zurückkehren zu müssen, wird zu den Verlierern gehören. Mit den Lockerungen kamen die Verkehrsströme zurück, das Verlangen der Urlauber nach europäischen Zielen. Kreuzfahrschiffe, diese Dickmonstren pervertierter Expansion und Flugzeuge lauern am Boden und auf der Reede. Es strebt vieles wieder nach den alten Verhältnissen. Und das sehe ich mit Sorgenfalten auf der Stirn.
Corona-Schock und Zeitenwende

Für mich/uns hat sich nichts Wesentliches verändert. Und doch hat sich viel verändert. Wir fahren nicht mehr in die weite Welt hinein, sondern bewegen uns im Nahkreis. Dort, auf den Höhen über den Dörfern, im Tal an der Steinach, trafen wir Bekannte, die wir jahrelang nicht gesehen hatten.





















Die Abstandsregeln sind den Menschen in Fleisch und Blut übergegangen. Im Supermarkt gibt es plötzlich Kängurufleisch, und bestimmte Tomaten schmecken weder nach Tomaten. In meinem ganzen Leben war ich wohl noch nie so viel zu Hause wie in diesen letzten drei Monaten. Habe auf der Terrasse, am Bistrotisch mit Mini-Sonnenschirm und auf meinem Laptop am Wohnzimmerfenster meinen neuen Roman jetzt fast zu Ende gebracht. War mit den Landschaften der Ostsee beschäftigt, mit meiner Heimat an der Flensburger Förde. Es ist nach Definition durch den Verlag ein "mörderischer Urlaubskrimi", Abgabetermin 1. August, Erscheinen voraussichtlich im November/Dezember 2020 als E-Book. Jetzt steht uns mit hoher Wahrscheinlichkeit ein superheißer und trockener Sommer in dritter Folge bevor. Und ich beobachte aus meinem Fenster, wie der Walnussbaum, der im Frühjahr sämtlicher Triebe beschnitten worden war, allmählich immer weiter austreibt und ein natürliches, schützendes Kältedach bildet.




Montag, 9. März 2020

Corona und kein Ende

Die Frühlingsblumen blühen trotz alledem








Vor etwa zehn Tagen las ich einen Artikel im Spiegel über einen Oberarzt, der im Klinikum Tübingen in Quarantäne saß. Er war einer der ersten Infizierten in Deutschland. Und hat vorausgesehen, was über die Krankheit hinaus passieren würde.
http://bit.ly/3cIMUln
Seitdem hat die Sache an Rasanz und Brisanz zugenommen, wie jeder auf der Welt inzwischen weiß.
Ich informiere mich auf allen Kanälen und verfalle nicht in die Panik, die so viele ergriffen hat. Die leeren Nudel-, Mehl- und Toilettenpapierregale habe ich überall dort gesehen, wo eingekauft wird. Wir waren an dem Tag des Interviews beim Chinesen essen. Geschockt haben mich Nachrichten gerade aus Tübingen, wo inzwischen Chinesen diskriminiert worden sind. Eine Kassiererin hielt einem chinesischen Studenten die Sprühflasche entgegen, bespritzte ihn und das Band mit den Lebensmitteln. Andere wurden mit "Corona" begrüßt, oder man wechselte die Straßenseite.

Ein Schock war dann tatsächlich die Abriegelung von 15 Provinzen in Norditalien und das Verbot, dort mobil zu sein. Offensichtlich wurde diese Methode gestern von einem Wissenschaftler auch für Deutschland angeregt, weil wir sonst bis Mai bei der Geschwindigkeit der Ausbreitung eine Millionen Infizierte hätten. Ich schüttele immer mal wieder den Kopf über die Panik (die Hälfte der Infizierten ist ja inzwischen wieder gesund, bei der Influenza-Wellen nach dem 1. Weltkrieg gab es mindestens 20 Millionen Tote, und sehr viele auch bei anderen Grippewellen.) Gleichzeitig aber ist es schon eine tiefgreifende Erfahrung, die zeigt, wie ein Virus die ganze Welt, die Wirtschaft, den Tourismus und fast alle Bereiche infizieren kann.

Freitag, 27. Dezember 2019

Digitale Depression

Vor langer Zeit hatte ich hier mal einen Artikel geschrieben, in dem vom sogenannten digitalen Suizid die Rede war. Bei den Mitgliedern der sozialen Medien herrschte damals die Meinung vor, man begehe einen sozialen Suizid, wenn man sich den Medien entzieht oder sie wieder verlässt. Das Phänomen hat sich nicht verändert. Vor ein paar Jahren ist das Buch von Frau Prof. Sarah Diefenbach mit dem Titel "Digitale Depression" erschienen.
Digitale Depression
Es handelt davon, wie die sozialen Medien unsere Beziehungen und unser Glücksempfinden beeinflusst haben. Früher hat man nach einem Urlaub Freunden und Verwandten Fotos gezeigt oder etwas Landestypisches mitgebracht. Nicht zu vergessen diese manchmal recht langweiligen Diaabende (ein Bekannter hatte mal zirka 10 Diakästen über Bali zeigen wollen, bis alle protestierten!). Heute werden Fotos vor allem deshalb gemacht, damit sie in den sozialen Medien geliked werden. Ich werde nie vergessen, wie ich auf der Burg Hohenemmendingen mal aus der Ferne ein hübsches Foto von einer Hochzeitsgesellschaft zwischen Ruinen gemacht hatte und einer von ihnen mir nicht etwa zurief "Fotografieren von Personen verboten", sondern "Aber nicht vor uns bei Facebook einstellen!" Da war mir die Macht dieser Medien noch nicht so bewusst. Aber ich habe es am eigenen Leib erfahren. Nach sieben Jahren Facebook, einem halben Jahr 2011 bei Twitter und mit einem wenig benutzten Account bei Instagram  kann ich sagen, dass die Kommunikation und die Likes einen kurzfristigen Kick hervorrufen, der sofort wieder verrauscht und süchtig danach macht. Aus den Gründen habe ich Twitter schon lange auf Eis gelegt und melde mich bei Facebook nur noch alle zwei, drei Wochen. Denn die sozialen Medien verdrängen das reale Leben. Und meine Bücher sind dadurch vielleicht bekannt gemacht, aber kaum verkauft worden.

Nun habe ich seit ein paar Wochen (neben einem kleineren, nicht internetfähigen Handy) auch ein Smartphone. Auf der Harzreise im November tat es mir gute Dienste: Ich konnte Anschlusszüge bei Verspätungen heraussuchen, mein Autorenforum checken, Fotos machen und mit meinem Sohn austauschen. Da sind wir auch schon bei einer der wenigen positiven Funktionen: Man kann mit Menschen, die man gut kennt, in intensivem Austausch bleiben. Nachteil beim Fotografieren ist: Die Fotos meiner Digitalkamera kann ich dort nicht verwenden, muss also dafür mit dem Smartphone Bilder machen.

Die Smartphonebenutzer hatte ich oft als ziemlich unangenehm erlebt. Das laute Gequake plötzlich, dauernd dachte ich, jemand rufe nach mir oder meine mich. Dann die Geschichten mit den Unfällen und dass viele das Smartphone sogar neben dem Bett liegen haben, um erreichbar zu sein. Ich sah Fernsehberichte über Entzugsbehandlungen in der Klinik. Daneben fand und finde ich es immer als unhöflich, wenn jemand mitten im Gespräch oder während des Essens ans Handy geht. Das tue ich jetzt allerdings auch nicht, ganz bewusst nicht, meistens ist das Smartphone aus. Es ist zwar schwierig, sich heutzutage ohne Smartphone durch die Welt zu bewegen, aber es ist machbar sogar auf Reisen. Man kann immer noch normal in Hotels einchecken, wenn man rechtzeitig da ist und nicht alle schon von unterwegs gebucht haben. Und eines ist mir jetzt ganz klar geworden: Die anderen in den Medien sind auch nicht permanent glücklich und haben ein ach so tolles Leben und ständig Urlaub unter Palmen. Gespräche mit Menschen direkt und gemeinsame Erlebnisse sind wesentlich nachhaltiger und klingen dauerhafter nach.

Hier noch ein Link zum Blogbericht eines Musikers, der sich aus der digitalen Depressionsfalle befreit hat:
Digitale Depression
Reale Erlebnisse, hier: merkwürdige Figuren am Eulenturm im Kloster Hirsau/ Schwarzwald
Jagdschloss im Kloster Hirsau

Montag, 23. Dezember 2019

Weihnachten

Jetzt sind wir dicht davor, vor dem Fest und dem Wechsel zum neuen Jahrzehnt. Von der Beschaulichkeit früherer Tage ist nichts mehr vorhanden. Das Weihnachtsgeschäft boomte dieses Jahr wie selten zuvor, nur der Bücherverkauf durch die Buchhandlungen ist wegen des anhaltend schlechten Wetters eingebrochen. Statt dessen gehen elektronische Geräte und Kosmetika wie geschnitten Brot über den Ladentisch. In der Hektik wurde eine Frau auf einem Parkplatz angefahren, der Berliner Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz musste wieder wegen eines Bombenalarms teilgeräumt werden, was sich glücklicherweise als blinder Alarm entpuppte.

Manchmal, wenn ich so vor mich hin spaziere und sinniere, denke ich an den Tannenbaum meiner Kindheit, der schon längst verschwunden ist. Mit dem Lametta, den glänzenden Zweigen und den Kerzen, den Kringeln und dem Duft nach Harz. Erst viel später erfuhr ich, dass mein Weihnachtsgedicht vor diesem Baum eins von Eichendorf war.
Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!
(Joseph von Eichendorff)

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen eine entspannte Zeit zwischen den Jahren.
Und es ist auch wieder ein Krimi am Entstehen, der diesmal in meiner alten Heimat an der Ostsee spielt.

Donnerstag, 21. November 2019

Aufstieg auf den Brocken

 "Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine", soll der Dichter im Jahr 1824 in das Gipfelbuch des Brockens eingetragen haben. Er befand sich auf seiner "Harzreise", die er vor allem dazu nutzte, mit Deutschland abzurechnen. Wir beide, mein Sohn David und ich, haben einfach nur ein verlängertes Wochenende für eine Harzreise genutzt. Das sollte in erster Linie der Abwechslung und Entspannung dienen, mit schönem Hotel in Bad Harzburg, Sole-Therme, Spaziergängen, Wanderungen und Stadtausflügen. Dass wir schon am zweiten Tag den Brocken besteigen würden, hatte ich mir nicht träumen lassen!

Es war ein kalter, nebliger Tag, Samstag, der 16. November. Wir standen uns die Beine in den Bauch beim Warten auf den Dampfzug, der jährlich Tausende auf den Gipfel dieses berühmten Harzer Hexenberges bringt. Also entschlossen wir uns, zu Fuß weiterzugehen. Der Weg sah auch ganz gemütlich aus. Links liefen die Bahngleise, rechts ein aufsteigender Märchenwald mit Steinen, alten Tannen, Moosen und Bächen.
Der Zug kündigte sich mit einer dicken Rußwolke an, die uns und die anderen Wanderer umhüllte. Irgendwann kam dann ein Schild, das auf den Schwierigkeitsgrad des letzten Aufstiegs hinwies. Der kam dann auch wie mit einem Knall. Ein Felsenmeer, 200 Höhenmeter steil hinauf, glitschig, nass, teilweise schneebedeckt. Zwei- dreimal spürte ich meine Grenzen, um uns herum hörte ich Satzfetzen wie "Aber runter gehen wir da nicht!", "Hätten wir uns nicht einen anderen Steig aussuchen können?", und einmal haute es mich hin, als ich zur Seite trat und etwas fotografieren wollte. Die Rippe habe ich noch Tage später gespürt! Endlich waren wir oben auf der Straße, auf der Hunderte Leute Richtung Brockenwirt wanderten. Es zog und zog sich, dazu klirrte uns ein eiskalter Wind um die Ohren. Beim Brockenwirt standen die Leute schon auf der Straße, so voll war es. Nicht viel anders im Hotel weiter oben, aber dort bekamen wir wenigstens einen Sitzplatz und eine heiße Suppe.





Die Rückfahrt fand dann mit der Brockenbahn statt. Satte 58 Euro kostete die einfache Fahrt für zwei Personen nach Schierke. Dafür durften wir dann draußen auf der Plattform hinter der Lokomotive stehen, was natürlich ein Erlebnis für sich war. Heine ist den Weg nach Ilsenburg hinuntergelaufen, natürlich gab es die Bahn da noch nicht. Am nächsten Tag war -Kontrast! - die wunderschöne Stadt Wernigerode angesagt, die selbst bei Nebel und leichtem Regen ein großer Anziehungspunkt ist. Besonders schön das Café Wien und die Burg Wernigerode hoch über der Stadt. Da kann man ganz allein durch die vielen Prunkgemächer ziehen und die Aussicht auf die Stadt im Nebel genießen.


Länger der Wanderung: 11 Km. Ausgangspunkt Bahnhof Schierke

Mittwoch, 25. September 2019

Der Sommer war sehr groß



Pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang ist trübes, kälteres Wetter eingekehrt. Und es regnet, was für die ausgetrocknete Natur ein wahrer Segen ist. Es war ein großer, langer, heißer, schöner, unvergesslicher Sommer. Aber es war ein durch den Klimawandel unnatürlicher gewordener Sommer in Folge, und es musste jetzt eine Waldfläche dreimal so groß wie Berlin abgeholzt werden, wie ich gerade aus den Nachrichten erfuhr. Nicht nur die Natur und das Klima sind in äußerster Gefahr, auch kulturell verändert sich immer mehr zum Schlechteren. Die Klima-Anstrengungen haben sich durch die Fridays- for -Future-Bewegung, durch individuelle Ansätze und das Aufschrecken der Politik massiv vermehrt. Aber zu Recht fragte gestern ein Sprecher die Bundesministerin für Umwelt, ob das nicht alles schon seit dreißig Jahren bekannt ist und ob nicht ein globaler Schulterschluss unumgänglich sei, um überhaupt noch etwas auszurichten. Daraufhin gab es eine ausweichende Antwort, Deutschland gelte ja als Vorzeigenation, was die Klimapolitik betreffe. Ja, und Greta Thunberg wird für den alternativen Nobelpreis vorgeschlagen. Schon in den neunziger Jahren gingen Bilder um, die den weiträumig toten Harz (durch Borkenkäfer) zeigten.
                                                           
Ich persönlich sehe nicht viele Ergebnisse. In Berlin wurde ein Verbot der SUVs gefordert, bei Mac Donalds sei der Umsatz durch junge Leute zurückgegangen, man bringt dort jetzt älteren Menschen das Essen und die Getränke an den Tisch. Aber weiterhin wird unser Car-Sharing-Auto, das wir auf dem Land dringend benötigen, massiv von großen Autos bedrängt, weiterhin werden ländliche Gebiete in Industriezonen umgewandelt, werden in jedem Kuhdorf unzählige neue Eierkistenhäuser gebaut, statt den Immobilien-Preistreibern das Handwerk zu legen. Der Lastwagenverkehr nimmt zu statt ab (die Rufe: "Güter auf die Schiene!" von vor dreißig Jahren sind klanglos verhallt), es wird geflogen und es werden Kreuzfahrten gemacht, dass es kracht. An schönen Tagen ist der klare Himmel oft durch Kondensstreifen "bewölkt".

Und wie sieht es bei mir persönlich aus - seit dem letzten Eintrag im Juli? Seit fast einem halben Jahr erhole ich mich von den Freuden und Leiden des jahrzehntelangen Schreibens. Dieser Blogbeitrag soll ein kleiner Wiedereinstieg sein, worauf anderes folgen könnte. Ich habe Ideen für einen dritten und letzten Schwarzwaldkrimi, evtl. auch für die schwäbische Alb oder die Ostsee.


Zum Schluss noch eins meiner liebsten Herbstgedichte von Friedrich Hebbel /1813-1863).


Herbstbild
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
Friedrich Hebbel