Posts mit dem Label Regionalkrimis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Regionalkrimis werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 21. Mai 2025

Schreiben macht glücklich!

 Als ich vor mehr als zwanzig Jahren mit dem Schreiben und Veröffentlichen anfing, war ich noch ziemlich naiv und dachte, nach der ersten Veröffentlichung würde alles so leicht weitergehen. Die ersten Veröffentlichungen waren Beiträge in Anthologien und in der Zeitschrift "Federwelt". Es folgten "Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht" sowie "Aufbruch nach Blaubeuren" in kleineren Verlagen. Fünf Jahre Schreibwerkstatt "Fiction Writing", danach das Montségur-Autorenforum, wo ich heute noch bin. Sechs Jahre mit einer Agentur, dabei entstanden vier historische Romane im Publikumsverlag sowie ein historischer Krimi im Kleinverlag. Jahre später drei Regionalkrimis im Imprint eines Großverlags und drei Veröffentlichungen im Self Publishing, davon zwei Verlagsbücher.

Ein großer Familienroman blieb in der Schublade, und mein jetziger historischer Krimi hat noch keinen Verlag gefunden. Vier Ideen bzw. Plots sind schon halbwegs im Kasten. Warum ich dabei geblieben bin, trotz aller Hemmnisse und Schwierigkeiten? Einfach, weil Schreiben glücklich macht. Und weil ich das Glück hatte, so viele Verleger und Lektoren und Lektorinnen (und letztendlich auch Leser und Leserinnen) von meinem Schreiben überzeugt zu haben.



Sonntag, 10. September 2023

Reise in die Vergangenheit

 Bei einer Fahrt zu einem Rechercheort musste ich kürzlich bitteres Lehrgeld bezahlen. Das Kloster Alpirsbach, das mir schon einmal als Romanvorlage gedient hatte ("Die Pilgerin von Montserrat") hat mir keinerlei Gefühl von dem vermitteln können, wie ich es damals bei der Recherche empfunden habe. Überhaupt scheint das Gespür für die Orte und Personen verlorengegangen zu sein. Ich sah nur Baustellen vorm Kloster, Verkehr ohne Ende im Kinzigtal, und das einzig Schöne war der Besuch in Wolfach (auch ein Spielort meines neuen historischen Kriminalromans), aber viel zu heiß und vom Verkehr durchjagd wie eine Straße der Landeshauptstadt. Für das Foto musste ich lange warten, bis kein Auto mehr kam.



In Freudenstadt mit dem arkadengesäumten Marktplatz von Heinrich Schickart dann das nächste Übel. Ich weiß, dass seit Corona überall Personal in den Gastwirtschaften fehlt und viele auch schließen mussten. Leider hat das zu einem fast völligen Verlust von dem geführt, was man früher einmal "gutes Essen" nannte. Was für herrliche Braten und Schnitzel gab es früher in dem Gasthaus unter den Arkaden, dessen Namen ich vergessen habe, und aus dem uns nun Leere entgegengähnt. Im bayerischen Stüberl, in dem ich einst versehentlich eine Papierserviette an der Kerze entzündete und die Kellnerin das mit dem Bier meines Partners löschte (wir lachen heute noch darüber) war das Essen damals noch genießbar. Jetzt weist ein Schild den hungrigen Gast an, stehen zu bleiben und sich einweisen zu lassen. In Dornstetten ist der Grieche mit seinem Spitzengyros kein Grieche mehr, statt dessen riecht es schon so übel, dass wir gleich wieder aufstehen und gehen. Beim Chinesen das Gleiche. Kein Büffet mehr, und kaum Gäste.
Freudenstadt im Schwarzwald



Wo ist die alte Zeit geblieben, die Zeit des freien Wählens, der Kulinarik, der Lebensfreude? Heute Abend haben wir es gesehen und erlebt. Sie hat sich in stille Winkel zurückgezogen, in Nischen, wo etwas von dem überlebt hat, was mich einmal zu ganzen Romanen angeregt hat. Wandern auf der Alb? Fehlanzeige! Nicht nur wegen der Hitze, der schöne alte Traufweg war verdorrt, verbreitert und von abgeholztem Gebüsch umgeben. Nur in Ebingen gab es erstaunlich viele Cafés und Wirtschaften und ein fröhliches Leben. 
Heute, nach einem wieder sehr heißen Tag (es gab in diesem  Sommer wohl, laut eines Zeitungsberichtes, 72 Tage, die zu heiß waren und ca. 25 Tage, die zu kalt waren) sind wir abends noch auf die Gündringer Höhe gefahren. Da saßen ein paar Alteingesessene vor ihrem Bier und ihrem Korn. Wir setzten uns an einen Tisch daneben, und bald kamen die Erinnerungen. Das Dorf mit seinen ganz besonderen Leuten, mit seiner ganz besonderen Wirtschaft, die seit Corona ebenfalls geschlossen ist. Hier, im Biergarten weitab von allem, genießen alle noch eine Narrenfreiheit, die Luft ist lau, die Sterne sind nicht zu sehen, die Wirtin ist müde, sie schuftet Tag und Nacht, aber sie macht das, weil sie ihre Gäste glücklich sehen will. Alle Figuren dieses Dorfes steigen vor unseren Augen wieder empor, die Lebenden und die Toten, die Nächte in den beiden Wirtschaften, der Martinsritt, die Silvesterfeiern der Jugend, die alles zerdonnerte und vernebelte, die Streiche  in der Nacht zum 1. Mai, der Waldschrat, der täglich mit seinem Rucksack in die Stadt wanderte und zurück und sich versteckte, wenn man ihn am Waldrand antraf. Die alte Frau mit den Katzen in ihrem Hexenhäuschen, das jetzt verfallen ist. All das hat mal gelebt und geblüht und gefeiert und ist mir so eingebrannt, dass ich vor einigen Jahren einen Krimi darüber geschrieben habe. Einen Mord gab es nämlich auch in dem Dorf, nach einer Feier im Festzelt. Da wurde eine Mutter von fünf Kindern nachts am Wegesrand von einem Mitzecher ermordet. Und das hat mich dazu gebracht, meinem Krimi "Martinsmorde" zu schreiben.

Sonntag, 6. August 2023

Kleine Oasen im Schwarzwald

 




Wir leben in einer Gegend, die total zersiedelt, zubetoniert, von Autobahnen und Straßen zerschnitten ist, und täglich kommen neue Fertighäuserschachteln dazu, neue Baustellen, Umleitungen, Sperrungen und eine Vielzahl von Autos. Letzteres ist u.a. der Daimler-AG im nahen Sindelfingen geschuldet. In der Stadt gibt es an Hitzetagen wenig Schatten, nur der Fluss Nagold spendet etwas Kühle. Wo ist der klimagerechte Umbau geblieben? Wohin kann man sich retten, wenn sich doch seit Corona und dem Kriegsausbruch ziemlich alles noch verschlechtert hat? Fehlendes Personal in den Gaststätten, Bäckereien, im Freibad und sogar im Autohaus. Die Verteuerung, die ewigen Kriege und Katastrophen.

Auf der anderen Seite leben wir in einer der schönsten Ecken Deutschlands. Zwischen Schwarzwald, Neckar und schwäbischer Alb, dort, wo andre Leute jetzt gerade Urlaub machen. Der Bodensee ist auch nur eineinhalb Fahrstunden entfernt. Wenn man nicht mit dem Auto oder dem Flugzeug in die Ferien flüchtet, gibt es hier noch viel vom Ursprünglichen zu sehen. Und es gibt auch noch kleine, feine Kultur ohne Massenansturm. Neulich fand in Horb, einer Nachbarstadt, das so genannte Brückenfest statt, acht Bands spielten an verschiedenen Stellen des Ortes. Die Karibik-Klänge am Bahnhof haben uns nicht so gelockt, aber es gab auch sonst viel zu sehen und zu hören.  Am lustigsten waren die Älteren drauf, die in einer Gasse Richtung Neckar das Tanzbein schwangen. Rock in der Hirschgasse und E-Gitarren im Biergarten des Klosters. Dass es keinen großen Besucherandrang gab, liegt an der neuen Zeit. Vor allem die Jüngeren sind medial unterwegs oder hängen auf den Parkplätzen und Tiefgaragen mit Bierdosen herum.

Von ganz oben, vom Rathaus in Horb, kann man die Stäffele hinuntersteigen


Nächste Station war dann die Nachbarstadt im Westen: Altensteig, geprägt von der Flößerei. Stimmte mich hervorragend auf das Mittelalter/ die frühe Neuzeit ein, in der mein neuer Roman "Tod im Glaswald" spielt. Auch wenn Altensteig nicht der Spielort ist, sondern die Klosterstadt Alpirsbach, wo wir schon sehr oft gewesen sind.
Altensteiger Schloss mit schönem Museum




Die Königsbank von Wilhelm I. von Württemberg

Eine der schönsten Oasen habe ich in meinem Garten mit dem großen Nussbaum und beim Schreiben dort und anderswo. Schreiben ist eine Leidenschaft, die nicht nur Leiden schafft, sondern auch sehr motivierend und erfreulich sein kann! 




Das ist eine Seite aus meinem Schreibprogramm "Papyrus Autor". Rechts und links vom Text kann man sich Bilder und Links wechselnd speichern, (insgesamt achtmal), so dass man immer die Szenen und Personen vor Augen hat. Mit dem Programm habe ich schon viele Romane geschrieben und kann es nur empfehlen!


Sonntag, 23. August 2020

Müssen Romanfiguren sympathisch sein?

 Hier ist ein Artikel von Hans Peter Roentgen, der mir in meiner Blogroll aufgefallen ist.

Es geht darum, welche Figuren in Romanen uns faszinieren und nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Denn es sind nicht die vordergründig "sympathischen", das heißt "netten" Charaktere, die man dutzendweise auch im wahren Leben findet. Sondern diejenigen, die zum Beispiel von einer Leidenschaft beherrscht werden, ein Ziel haben, das sie unbedingt erreichen wollen. Und dabei auch scheitern können.

https://hproentgen.wordpress.com/2020/08/22/mussen-romanfiguren-sympathisch-sein/

Samstag, 10. März 2018

Neuer Verlag, neues Glück

Im Schloss Gochsheim/Kraichtal
Am vergangenen Dienstag habe ich den Verlagsvertrag zur Rückzeichnung in den Postkasten geworfen, kurz bevor ich mich unter das Skalpell des Zahnarztes begab. Im Bewusstsein, dass wieder Bewegung in das Schreiben gekommen ist, ließ sich das alles besser ertragen. Gestern fand ich einen Artikel über den Ullstein Verlag, bei dem mir klar wurde, wie der neue Leiter Gunnar Cynybulk im letzten Herbst zu diesem Verlag gekommen ist, in welche Richtung er sich entwickeln könnte und warum ich mich dort gut aufgehoben fühlen kann.

Als nächsten Schritt habe ich mir meine drei Exposés vorgenommen, die in den letzten Jahren keine Heimat fanden. Und fast scheint es mir, dass es an ihnen gelegen hat, warum keine Agentur anbeißen wollte. Ich las mir noch einmal die Exposékritik einer Agentin durch. Und da fiel mal wieder ein kleiner Groschen. Die Exposés waren überladen mit Handlung, Personen und Konflikten. Die habe ich jetzt eingedampft, den zentralen Konflikt und die zentralen Personen stehen lassen und alles, was nicht zum Verständnis beiträgt, gestrichen. Im nächsten Schritt kommt dann das Lektorat, parallell dazu ein Cover, das mir vorgelegt werden soll.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Mein Schwarzwaldkrimi ist gelandet!

Der düstere Schwarzwald vor zwei Wochen
Es ist tatsächlich wahr geworden: Mein Schwarzwaldkrimi "Martinsmorde" wurde von einem Verlag angenommen, und zwar von Midnight/Ullstein! Der Vertrag, den ich schon im Voraus geprüft habe, wird mir demnächst zugestellt. Voraussichtlich wird das E-Book im Sommer 2018 erscheinen, das Printbuch soll im Herbst folgen. Parallel zum Lektorat wird ein Cover erstellt, das mir vorgelegt wird, weil die Autoren in die Entwicklung einbezogen werden sollen. Heute kam eine weitere Mail der Lektorin, in der sie mir anbietet, auch andere Exposés und Texte zur Prüfung zu schicken. Ich hatte nach Fertigstellung des Romans schon mehr Ideen im Kopf, drei bis fünf Folgen. Weil ein Verlag und ein paar Agenturen letztendlich kein Interesse an dem MS zeigten, hatte ich das nicht weiter verfolgt. Es gibt aber eine Idee, die ich nur noch in aller Ruhe ausführen und in Exposéform bringen müsste. Demnächst bekomme ich von meinem Sohn ein schönes Notizbuch, in das ich alles hineinschreiben kann, was mir durch den Kopf geht.

Jetzt habe ich erstmal aufgeräumt, die ganzen Papiere von der Familienforschung verstaut und die gesamte Ablage ausgemistet. Die letzte Woche war unterirdisch kalt, auf der Zugspitze herrschten gestern Nacht -30°, eine nie gemessene Temperatur um diese Jahreszeit! Beim Rausgehen pfeift mir ein so eiskalter Wind um die Nase, dass ich fast alle Aktivitäten im Freien eingestellt habe. Ich freue mich auf wärmere Temperaturen, und ich freue mich auf die schreiberischen Aktivitäten, die vor mir liegen. (Das Foto habe ich übrigens nicht weit von meiner Wohnung entfernt aufgenommen).

Montag, 2. März 2015

Heute schon gezweifelt?

Es war ein langer Prozess des Zweifelns, der kritischen Analyse, des Wiederaufrichtens und Weitergehens, bis ich mich vor einigen Tagen entschloss, mein nächstes Buch als Self Publisher herauszugeben. Es ist mein achter fertiger Roman, der neunte liegt startbereit auf der Festplatte. Und jetzt habe ich begonnen, den zehnten zu schreiben. Warum dieser lange Atem, diese Immerwiederbegeisterung für einen Text, für das Schreiben überhaupt? Das Schreiben liegt ihr im Blut, sagte eine Journalistin, als sie mich bei mir zu Hause für die hiesige Zeitung interviewte. Woher konnte sie das wissen? Woher konnte sie wissen, dass ich "unermüdlich" bin? Ein paar schöne Antworten darauf habe ich bei diesen Autoren gefunden:
Schreibtipps für Bauchschreiber-sechster Streich von Sabine Schäfers
Schriftzeit von Stefan Waldscheidt
Alice Gabathuler beschreibt, wie enthusiastisch der Jugendliteraturtag in Baden angenommen wurde: 1. Jugendliteraturtag Baden
Sabine Schäfers und Stefan Waldscheidt kommen zu dem Schluss, dass ein Ende des Selbstzweifels, der für Schriftsteller eine absolute Bremse, aber auch ein Motor, ein Füllhorn der Inspiration sein kann, durch das Weiterschreiben erreicht wird. Und das gilt nicht nur für das Schreiben. Ganz philosophisch sagte doch schon Camus, dass der Sinn des Lebens darin besteht, weiterzuleben. Und das Beste daraus zu machen, natürlich, denn es gibt keine Zeit zu verschenken, weil es das Einzige ist, was uns gegeben wurde. Sagte Benjamin Franklin. Bei einem Rückschlag: Aufstehen, Krone richten, weitergehen (Sabine Schäfers). Nicht verzweifelt bei Facebook, Twitter und Co. posten, dass man ein Buch geschrieben hat, keine Umsonst-Lesungen organisieren, zu denen neben den Verwandten und Freunden vielleicht noch drei Interessierte kommen, sondern: weiterschreiben. Schriftsteller, die ich am meisten bewundere, sind die, die ihr Schreiben innerhalb ihres Leben inszenieren, ihr Leben eins wird damit. Und so werde auch ich es halten: Selbst wenn der Buchhimmel über uns einstürzen sollte, selbst wenn die Verlage zu Flatratedienstleistern werden, wie Bastei Lübbe es jetzt mit Heftromanen beginnt, selbst wenn es immer schwieriger wird, etwas vom Riesenkuchen, den sich immer mehr Autoren teilen müssen, abzubekommen, werden wir Autoren immer schreiben, solange es Menschen gibt, die lesen!

Ran den SP-eck. Selbstbestimmt schreiben

Dienstag, 16. Juli 2013

Nein, ich esse meinen Sugo nicht!

Die Kampagne, die ich mir vorgenommen hatte, ist schon im Ansatz erstickt. Ja, ich verstehe diejenigen, die selbst publizieren, immer besser! Sechs Agenturen habe ich mir rausgesucht und ebenso viele Verlage, mit denen ich mir eine Zusammenarbeit hätte vorstellen können. Und fing mit einer Agentur an, mit der ich schon einmal einen guten Kontakt hatte. Dort sollte man sich ausschließlich per Email melden. Man kann über meinen Ex-Agenten sagen, was man will, aber wenn ich ihm eine Email schrieb, konnte ich sicher sein, nach zwei Stunden eine Antwort zu haben. Dort aber scheint man nicht einmal regelmäßig das Postfach zu checken. Was so anfängt, kann auch nichts auf Dauer werden. Es kann sich nur eine Ochsentour daraus entwickeln (siehe vorigen Beitrag). Dieses Spiel habe ich nun so oft gespielt, dass es nur noch müde macht. Die Frage ist, welche Konsequenzen man daraus zieht. Aussteigen aus diesem Karussell der Eitelkeiten? Kann man das überhaupt noch, oder ist man nicht schon dabei, herauszufliegen, weil es sich immer schneller dreht?

Während meines Urlaubs habe ich einiges erlebt und auch gewisse Beobachtungen machen können. Zum Beispiel mit dem Einkehren in Gasthäuser.
Das war zugegebenermaßen ungeplant, weil es uns mal da, mal dorthin verschlug. Mindestens die Hälfte dieser Gasthausbesuche war ein Schlag in die Magengrube. Und das Groteske war: Allen anderen Gästen schien es vorzüglich zu schmecken! Oder sind die eben nichts anderes gewohnt in der McDonalds-Kultur? Der Ziehsohn einer alten Freundin sagte mal zu ihr: Brigitte, dein Essen schmeckt fast so gut wie aus der Dose! Und der alte Zeitschmecker Wolfram Siebeck nannte schon vor mehr als dreißig Jahren den deutschen Salat eine "nasskalte Beleidigung heißen Fleisches." Den Vogel schoss für uns ein Italiener in einer wunderschönen, vielbesuchten Touristenstadt ab. Bei Italienern kann eigentlich nichts schiefgehen, hatten wir uns gedacht, die können das aus dem ff. Ich bestellte mir Spagetti Napoli, etwas ganz einfaches. Es kam ein großer Teller mit dicken Spagetti, die in einer roten Soße schwammen. Schwammen! War ich bisher blind durch die Welt gegangen und hatte nicht gewusst, dass Spagetti Napoli so aussehen (und schmecken) müssen? Wieder daheim, packte mich der Ehrgeiz. Ich fand einen Artikel aus dem Stern, in dem eine Italienerin beschreibt, wie sie Spagetti Napoli macht. Wie sie den Sugo zubereitet, aus vollreifen Romatomaten, Zwiebeln andünstet, ein Zweiglein Basilikum dazu, eine Prise Zucker, Salz, Pfeffer, lange köcheln lässt und schließlich alles durch ein Sieb streicht. Und natürlich ist die Wahl des Olivenöls eine wichtige Sache. Das ist dann der Sugo, die Grundlage für viele Variationen. Ich kochte es nach und verstieg mich zu einem gewagten Vergleich: Diese Gaststättenesser sind doch wie viele Leser, die sich mit "Futter" abspeisen lassen, Hauptsache, der Magen ist voll. Ob ich eine schnellgedachte Bilanz aus diesen Erfahrungen ziehen kann? Ja, unterwegs lieber eine Brezel beim Bäcker kaufen, als sich die deutschen und ausländischen Brocken reinzuziehen, nur weil der Magen knurrt. Lieber die Romane in den Dateien schmoren lassen, als dass viele Köche sie verderben.

Mittwoch, 26. Juni 2013

Beim "Wittwer" in Stuttgart


Wettermäßig haben wir fast noch Glück gehabt - es gab jeden Tag eine Unternehmung, die Spaß gemacht hat und mehr Distanz zum Arbeitsleben mit sich brachte. Gestern nun verschlug es uns mal wieder nach Stuttgart. Von unserem geheimen Parkplatz aus unterquerten wir die sechsspurige Straße beim Theater, schlenderten durch den Schlosspark, und schon waren wir auf dem riesigen, einmaligen Schlossplatz, der vor Leben nur so überquillt. Da Stuttgart im Talkessel liegt, ist es hier immer einen Tick wärmer - 14,5° hatten wir beim Losfahren, 17° beim Kaffee vor dem Kunsthaus. Wenn wir schon mal hier sind, können wir natürlich auch nach dem neuen Roman schauen, es gibt ja einige Buchäuser, die noch erhalten und gut bestückt sind. Rechts die Straße runter Hugendubel, links der alteingessene "Wittwer". Es steht immer ein Exemplar im Regal, bei Wittwer war es ganz vorne auf dem Tisch mit den Neuerscheinungen. Das ist schön zu sehen. Inzwischen ist das E-Book auch schon bei den Piraten gelandet. Für Juni erwartet Spiegelbest angeblich 7 Millionen Downloads, das wären im Durchschnitt auf jeden der 10 000 Autoren umgerechnet 963 Downloads. (Es ist fast schon verwunderlich, dass es keine Piraten-Bestsellerlisten gibt!). Wenn ich jetzt anfange, weniger gängige Bücher zu schreiben, werden die in den Listen nicht mehr auftauchen - es sind nämlich nur meine beiden letzten Romane aufgeführt. Und alle, die unter die Self Publisher gegangen sind, können sich freuen: Ihre Bücher werden sicher nicht piratisiert. Halt, ich muss mich korrigieren, nach einer kurzen Stichprobe: Das sehr erfolgreiche Buch einer Indie-Kollegin taucht dort ebenfalls auf!

Samstag, 22. Juni 2013

Die Zukunft meiner Bücher

Bei Facebook habe ich es schon erwähnt: Gestern sahen wir in Reutlingen, dass die Thalia-Filiale am 28. Juni dieses Jahres schließen wird. Sie hätte sich als unrentabel erwiesen. Und so ergeht es vielen Standortfilialen von Hugendubel, Weltbild und anderen. Nur Osiander scheint davon noch nicht so betroffen (dort gibt es auch immer noch mehr Bücher als Krimskrams zu sehen). Meiner Meinung nach werden sich die Buchhandlungen den Onlinewünschen der Kunden anpassen und viele Bücher nur noch auf Bestellung vorhalten (eine Art Buchhandlung-on-Demand!). Wünschenswert wäre, dass die kleineren Buchhandlungen wieder mehr Luft bekämen. Die großen kündigen ebenfalls an, abspecken zu wollen. Die Verlage bringen ein Drittel weniger Neuerscheinungen heraus. Was für Anfänger eine noch größere Hürde darstellen wird-und sie werden weiter auf den Self Publishing-Markt drängen. Die absolute Nr. 1 unter den Topp 100 bei Amazon ist ein Blogroman! Weiter höre ich, dass die kleineren Verlage peu á peu eingehen sollen, die großen fangen an umzudenken und richten E-Book-Portale wie Neobooks ein. Das alles ist eigentlich gar nicht so schrecklich und beklagenswert. Für mich als Autorin bleibt zu konstatieren:
Ich schreibe weiter und zwar ohne jeden Zeit- und Abgabedruck.
Ich vergesse die "Regeln" des Buchmarktes und schreibe weiter Bücher, die ich auch selber lesen würde. Was ich während meiner Agenturzeit lernen musste: Es gebe sogenannte No-Gos bei historischen Romanen, als da sind:
Ein Mann als Hauptfigur
Keine Liebesgeschichte im Vordergrund
Eine Liebesgeschichte, die nicht zu einem Happy End führt
Handlungsstränge, die sich mit politischen oder sozialen Themen beschäftigen
Das alte Rom, Ägypten und die Zeit vor dem Mittelalter
Das 18. Jahrhundert, insbesondere die Zeit der französischen Revolution
Romane, in denen Bauern eine Rolle spielen

Herausgekommen sind bei mir immer Geschichten, bei denen zum Beispiel der erste Kuss zu spät kam. Nur an das Gebot der Jahrhunderte habe ich mich gehalten. Die Enden waren häufig offen. Die Geschichte, die damals vom Agenten abgelehnt wurde, ist eine solche No-Go-Geschichte. Ich schreibe sie mit viel Bedacht, sie muss noch sehr im  Kopf gewendet werden. Dann ist da noch der Krimi. Der soll, um als Regionalkrimi zu gelten, einen kauzigen Kommissar enthalten und eine Gegenspielerin mit großer Klappe, aber weichem Kern. Und das Ganze muss serienmäßig ausbaubar sein. Inzwischen denke ich aber, dass das nur für Stapelware gilt. Und da die bald nicht mehr oder nicht mehr in dem Umfang vorhanden sein wird, kann ich mir getrost meine eigenen Kriterien aufstellen, nämlich die für Bücher, die ich selbst gern lese.

Sonntag, 21. April 2013

Weil deine Leser dich nicht sehen

In Abwandlung eines Krimititels von Mary Higgins Clark (aus der Bücherei) möchte ich einmal versuchen, die Freuden und Ärgernisse beim Bekanntmachen seiner Person als Autor und als Mensch zu schildern. Gestern, an einem mal wieder trüben, kalten und regnerischen Wintertag wollten wir nach Reutlingen fahren, um dort in der Stadt, ihren Geschäften und Buchhandlungen herumzustöbern. Dieser Ort empfing uns jedoch mit derartigen Nebelschwaden und Regenschauern, dass wir gleich nach Stuttgart weitergefahren sind. Dort regnete es nicht. Ungeheure Massen wälzten sich über die Königstraße, über den Kleinen Schlossplatz und durch die unzähligen Passagen. (Das Bild oben ist übrigens vom Dezember, da war es weitaus sommerlicher als jetzt!) Im neuen Einkaufszentrum "Saturn" glaubte ich mich in einen Sience Fiction versetzt zu sehen. In einem Markt für alle möglichen Medien gab es etwa zwanzig gleichartige, gelbblaue Kassen, an denen die Menschen Schlange standen. Und jeder Einzelne wird durch Videokameras überwacht, damit er nicht etwa Waren an der Kassiererin vorbeischmuggeln kann. Wahrscheinlich hatte auch ein jeder sein Smartphone vor sich, um bei Facebook zu melden, dass er sich jetzt in einer Schlange des Super-Super-Markts im Saturn in Stuttgart befinde. Und dass er die neueste Version des Smartphones gekauft habe, um sich noch besser bei Facebook und Co. einklinken zu können. Und so ging es weiter. Hugendubel, früher ein einfacher Großmarkt für Bücher, scheint sein Konzept umgestellt zu haben. Riesige Hallen, über drei Etagen, eine ganze Wand nur mit Krimis, speziell Regionalkrimis, dazu Wohlfühlecken, lauschige Cafeteria, spezielle Regale mit Lyrik und Nischenliteratur, Sprüche von Hermann Hesse an der Wand, viel weniger Kruscht, den man verstärkt in anderen Buchhandlungen zu sehen bekommt. Das alles kann man bequem mit Rolltreppen durchschweben. Ich muss zugeben, das hat etwas Verführerisches! Und auch hier war es ebenso voll wie in den großen Modegalerien. Dagegen gibt sich der Witwer, früher als größte Buchandlung Stuttgarts bekann, fast altmodisch. Als Autorin stellt man sich natürlich die Frage: Wie soll man als in solchen Kultpalästen überhaupt wahrgenommen werden, dazu mit einem völlig neuen Genre? Wie soll man in den großen virtuellen Palästen der Social Media wahrgenommen werden, in denen der Einzelne ebenso mit Produkten, Informationen, Bildern und Büchern überschwemmt wird? Soll man darauf reagieren, indem man selber diese Medien mit seinen Infos, Büchern, Bildern und sonstigen ideellen und materiellen Produkten überschwemmt? Wie viel Likes und Kommentare muss ich absetzen, um selber welche zu bekommen? Nein, nein, so hart geht es doch in der virtuellen Wirklichkeit nicht zu. Man ist bei einigen Händen voller Leute bekannt, die interessiert deinen Weg verfolgen, deren Wege du ebenfalls interessiert verfolgst. Wer dich kennt und dein Buch noch nicht gelesen hat, wird es kaufen oder er kauft die Printversion, weil er keinen Reader haben möchte. Ich selbst kaufe ebenfalls Bücher von Leuten, die ich schon länger kenne. In der Buchhandlung probiere ich natürlich auch ständig Neues aus. So ließen wir das alles auf uns wirken und machten uns dazu unsere Gedanken.

Als der Großstadttag sich seinem Ende näherte, landeten wir noch gezielt im lange heiß umstrittenen und immer noch umstrittenen Bahnhof. Lange waren wir nicht dort gewesen, nur einmal im letzten Jahr hatte ich meine Fahrt nach Frankfurt hier kurz unterbrochen. Dort hatte sich innen nichts verändert. Ja, der Bahnhof ist zu klein, daran beißt die Maus keinen Faden ab. Aber warum unter die Erde? Draußen war nichts, aber auch nichts wiederzuerkennen. Der Park plattgewalzt, sogar den vielgeliebten Eberhard im Barte haben sie an eine andere Stelle versetzt, der Bauzaun ist mit offiziellen Maulwurfskarikaturen und Entwürfen einer schöneren, gigantischeren Stadt gepflastert, und zwar so dicht, dass niemand sehen kann, was sich dahinter verbirgt. Was meinen Sie, was erst los ist, wenn das Loch kommt!, sagte eine ältere Frau zu uns. Mit dem Loch ist die Grube für den unterirdischen Bahnhof gemeint. Statt 55 Minuten wird der ICE dann nur noch 28 Minuten von Stuttgart nach Ulm brauchen. Aber nicht wegen des Tiefbahnhofs, sondern wegen einer neuen Trasse. Hat mal irgendwer irgendwas von Entschleunigung gesagt?

Was ich damit sagen will: Die sozialen Medien haben sich für mich entzaubert, weil sie keine Gegenwelt, sondern ein Abbild der realen sind, in der es auch nicht viel anders zugeht. Nämlich gigantomanisch. Mit Betonung auf manisch. Meine Aufgabe wird es sein, nicht einfach zu entschleunigen, denn das trifft es nicht auf den Punkt, sondern dieser Gigantomanie für mich selbst Einhalt zu gebieten. Es müssen nicht Tausende von Büchern sein, die Tausende von Lesern erreichen, weder im Buchhandel noch im Netz. Ich muss nicht tausende von Freunden haben, die mir nichts zu sagen haben, als was ihre eigene Welt ihnen gebietet. Es gibt eine Reihe von bisher unbekannten Leuten, die gern meinen Krimi lesen würden. Soll ich jetzt deren Interesse enttäuschen und ihn gar nicht herausbringen? Und es gibt eine Reihe von Leuten, die an mir und meinen Büchern interessiert sind und an deren Werdegang ich interessiert bin. Es gibt Leser, die meinen historischen Roman vorgemerkt haben. Auf dieser Basis kann ich weitermachen, sowohl in meinem Blog, bei FB und mit den Verlagen. Wie hieß noch dieses Sprichwort? Man sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht? Bei weniger Masse und weniger Gigantomanie sieht man die Bäume sehr wohl.

Hier noch zwei Beiträge, die ganz eng mit diesem zusammenhängen:
Der Verlust der Unschuld oder wann platzt die Blase von Petra van Cronenburg
Gigantomanisch oder haben sich die Social Media entzaubert 
von Alice Gabathuler
Ballast abwerfen! 1. Der Veröffentlichungszwang 
Wer verdient an meinen Büchern?

Dienstag, 19. März 2013

Neuer Kontakt mit einem Verlag

Ach, es ist irgendwie wie beim ersten Mal! Vor ein paar Tagen hatte ich Kontakt mit dem Lektorat eines Verlages aufgenommen und gestern eine Antwort bekommen. Die Lektoratsleiterin hat grundsätzliches Interesse an meinen regional verorteten Krimis und historischen Krimis gezeigt und mir dabei noch Tipps gegeben. Die Palette dieses Verlags sagt mir auch zu. Da gibt es zum Beispiel einen Krimi aus dem Berlin der Weimarer Zeit, mit allen Zutaten wie Grieben usw. Und eine ganze Reihe von historisch interessanten, regional verankerten Büchern. So hätte ich evtl. ein weiteres Standbein, wenn der Genrewechsel beim Publikums- oder einem anderen Verlag nicht klappen sollte.

Was jetzt wichtig ist:
Testlesen lassen und weiter überarbeiten.
Bei meinen Recherchen hat sich das Wissen über die Ereignisse, die meinem Schwarzwaldkrimi zugrundeliegen, noch vertieft.

Weiterer achtsamer Umgang mit mir selbst und den Kollegen, dazu gehört auch
achtsamer Umgang mit Social Media.

Dazu gehört auch weiterhin nein sagen. Nein zu allem, was meine Ressourcen, die ich doch so dringend brauche, unnötig verschleißt.

Ja zu allem, was mich aufbaut und die Passion des Schreibens (der Arbeit und des Lebens) fördert (in brainstormhafter Reihenfolge):
-Team-schöne Ausflüge-Zeit zum Schreiben-Kommunikation auf allen Ebenen-Filme-Wanderungen-Bücher-Natur-alles,was blüht-Kultur-Reisen-Sonne-Historie-Geheimnisse und Abgründe-vielelesermeinerbücher.


Sonntag, 28. Oktober 2012

Meinen Krimi, aber keinen Heimatkrimi schreiben!

Heute war ich nicht nur, gelinde gesagt, entsetzt über die Kapriolen des Wetters, es schneite nämlich seit dem frühen Morgen ununterbrochen, sondern auch über das, was wir bei einem Ausflug nach Reutlingen in den großen Buchläden sahen. Es gibt immer mehr Weihnachtsschokolade statt Bücher, und in den Krimi- und Regionalkrimiecken sahen wir immer dieselben nebeneinander aufgereihten Einheitsbücher, gerade auch von den kleinen, sich jetzt aufschwingenden Verlagen. Oben eine Reihe mit einem deftigen Blutstropfen als Logo. Nö, da will ich mal nicht dabeistehen, sagte ich mir spontan. Ein einziger Verlag hat noch individuelle Cover gehabt. Trotzdem verbrachten wir den Tag äußerst zufriedenstellend. Bei Osiander gibt es ein Café und ein Restaurant, das hatten wir bisher übersehen. Wenn ich nicht mittags schon Geflügelleber mit Äpfeln und Zwiebeln gebraten hätte (und mir am Abend vorher selber Muscheln in Weißwein gekocht), wären wir sicher auf Kalbsgulasch für 15 oder Muscheln für 11.90 Euro reingefallen (meine kosteten 3,50, waren gewaschen und geputzt). Auch zur Erneuerung des Mobiliars meiner Wohnung habe ich in den letzten Tagen beigetragen. Abends sah ich in der Fernsehzeitschrift, dass es zwei Heimatkrimis gebe, über Bamberg und Würzburg, mit viel Lokalkolorit. Den zweiten habe ich angefangen anzuschauen: Das Lokalkolorit, nämlich Ansichten von Würzburg, reichte nicht aus. Es war einfach nur sterbenslangweilig. Solche Krimis wollte ich doch gar nicht schreiben! Ob ich einst, wenn ich meinen Krimi wirklich zustande kriege, an diese Verlage vermittelt werde und dann so als Einheitsbrei dastehen muss? Nein, lieber biete ich ihn gar nicht an oder veröffentliche ihn dann selbst im Kindle Shop! Zwei Buchkäufe habe ich heute noch getätigt, die ersten Printbücher seit Langem: "Grafeneck" von Rainer Gross, das ich schon immer mal lesen wollte und "Sterbenskalt" von Tana French. Beide haben bei Amazon teilweise schlechte Rezensionen. Vielleicht hängt das ja mit einem veränderten Leseverhalten zusammen-ich werde es noch herausbekommen. Tröstlich ein 1-Rang bei den Kunst-und Architekturbiographien von Amazon für meinen Mörike, das wärmt irgendwie.

Samstag, 20. Oktober 2012

Wie man einen Krimi schreibt

Ich wollte nie regionale Serienkrimis schreiben ala "Kommissar Bienzles 5. Fall". Wie es das zu umgehen möglich ist, lerne ich gerade. Also die Genrevorgaben erfüllen und trotzdem schreiben, was man gern möchte. So streiche ich und setze neu ein, plotte neu und um und verwende alles vom alten Plot, was genau hineinpasst. Die Grundidee bleibt dieselbe, nur muss sie gestrafft werden, alles, was zu sehr hinwegführt, kommt raus. Die ersten zehn Seiten habe ich nun schon verdichtet, jetzt formuliere ich Schritt für schritt neu - und die Grundidee entwickelt sich immer weiter und wird immer stimmiger, ebenso die Charakere.
Alles dreht sich momentan noch um den Martinsritt, Martinshörnchen und -Brezeln. Vielleicht spielt die Martinsgans auch noch eine Rolle.
Dann wird ein Mord entdeckt.

Samstag, 17. März 2012

Das finstere Tal

 Heute verzichten wir einmal auf den Besuch in Tübingen, man weiß ja längst, was einen da,auch in den Buchhandlungen, erwartet. Statt dessen landen wir in Nürtingen, der Hölderlin- und Mörikestadt. Aber auch dort gibt es eine gut sortierte Buchhandlung, an der wir nicht vorbeikommen. Schön, dass meine Hure und der Mönch dort immer noch zwischen den Spitzentiteln liegt. Mein historischer Krimi wurde von der Buchhändlerin von den Historischen zu den Regionalkrimis gestellt. Durch diesen Akt wiederum wurde ich fündig mit "Das finstere Tal" von Thomas Willmann, ausgezeichnet mit dem Stuttgarter Krimipreis, ein Genremix erster Güte, heißt es. Nach dem Klappentext klingt er genau so, wie ich Krimis gern habe (und wie ich liebend gern mal einen schreiben würde, wenn ich könnte!). Ein Maler kommt in ein abgelegenes Alpental, von den Bewohnern misstrauisch beäugt Sie werden vom Schnee eingeschlossen und dann geschehen Morde ...Ich habe es noch nicht angefangen, werde es gleich tun, aber es hat unsere Phantasie schon angeheizt. Bei einer Wanderung auf der Schwäbischen Alb entdeckten wir ein so genanntes Höllenloch, gleich darauf ein totes Reh, das mit einem Pfeil erschossen zu sein schien. Am nächsten Tag wird eine Leiche in dem Höllenloch entdeckt. Was verschweigen die Einwohner des Dörfchens? Welche Geheimnisse sind in ihrer Kirche verborgen, dass sie uns nicht reinlassen wollen, und warum ist der Reporter fluchtartig weggelaufen, als wir kamen? Da sieht man wieder einmal, wie die Themen auf der Straße bzw. im Wald und auf der Wiese liegen!
Edit: Inzwischen habe ich das Buch von Willmann schon gelesen, konnte es nicht mehr aus der Hand legen, wie man so schön sagt. Es hat vom ersten Augenblick an reingerissen, schon durch die archaisch anmutende Sprache, die sehr dicht am Geschehen ist, wenn auch nicht in der Perspektive ihrer Figuren. Das atmet alles, es rennt, qualmt, tut weh, es rinnt der getaute Schnee. Alles beginnt ganz harmlos,
ist aber zunehmend von Schatten überdüstert, die den Showdown ahnen lassen. Dieser Roman ist nicht nur eine Mischung aus Alpenroman, Krimi und Western, da schauen nicht nur Ludwig Ganghofer und Sergio Leone heraus, sondern auch Patrick Süskind, "Spiel mir das Lied vom Tod" und Thriller, die in den Bergen spielen. Dass es völlig ohne Ermittler auskommt, ist der Tatsache geopfert,dass manches wenige doch ein wenig zu unglaubwürfig erscheint. Ich war mir nie sicher, ob die Geschichte im 18. Jahrhundert spielt oder am Anfang des 20.Jahrhunderts (Na ja, elektrisches Licht werden sie in den Alpenhochtälern lange nicht gehabt haben).
Aber bis wann gab es das Recht der ersten Nacht? Bis Anfang des 19.JH, und Zigaretten gab es seit 1850, die man aber sicher nicht mit Zunderschwamm und Feuerstein anzündete. Zwischendurch dachte ich auch an Parodie und an Sebastian Fitzek, bei dem ich mich auch manchmal gefragt habe, wozu eigentlich der ganze tolle Plot. Na, wenn, dann eben zur uneingeschränkten Unterhaltung! Eigentlich hat Willmann auch alles parodiert, was je zu dem Thema geschrieben wurde, Preise einheimste und Besteseller wurde ("Tannöd"). Für alle, die ermittlerlose Krimis und Thriller, in einer atemberaubenden Landschaft hautnah geschildert, lieben, die sich durch eine ewige, etwas verwirrende Rückblende und durch Perspektivenwechsel nicht drausbringen lassen und die sich auf einen gefahrvollen Ritt in ein düsteres, in jeder Hinsicht rückständiges und von der Außenwelt abgeschnittenes Tal begeben wollen, in dem kaum gesprochen wird, was sich in spärlichen Dialogen niederschlägt. Das finstere Tal werde ich auf jeden Fall nie wieder vergessen!

"Höllenloch" auf der Schwäbischen Alb

Montag, 22. November 2010

Krimis-über alles und jedes?

In der Klosterbuchhandlung von Maulbronn sah ich einen neuen Krimi zu
"Stuttgart 21". Warum müssen die eigentlich alles zu Krimis verwursteln, dachte ich, könnte man dann nicht auch einen zur aktuellen Bedrohung durch Terroranschläge, einen über die Castortransporte und einen über die Banker in Irland schreiben? Der Fußballweltmeisterschaftskrimi, so nehme ich an, verkauft sich immer zu den Meisterschaften gut. Ich selbst mochte schon immer Krimis und Thriller, am meisten die mit zeitlosen Themen. So fand ich hier eine kleine Auswahl zu "hintergründigen" Thrillern, der ich mich zum großen Teil anschließen könnte. Mein absoluter Favorit war immer "Psycho" von Hitchcock, aber auch "Der dritte Mann" oder "Das Fenster zum Hof". "Rebecca" fand ich sehr spannend und von den neuen möchte ich nochmal Wulf Dorn mit "Trigger" erwähnen. (Der nächste, Kalte Stille, ist schon länger in den Buchläden).Früher habe ich auch alles von Patricia Highsmith gelesen und von Georges Simenon. Ach ja, Fred Vargas bis vor Kurzem und immer gern P.D. James.
Von der Bücherei hatte ich allein drei Bücher von Stefan Fitzek ausgeliehen und jage schon seit zwei Tagen durch irre Plots. Ich glaube, dass Fitzek ein Trendsetter ist. Im ersten Moment wirken die Romane trashig, sind aber psychologisch geradezu genial konstruiert. Um so weit zu kommen, müsste ich ein weiteres Jahr allein über den Plot meines nächsten Romans nachdenken. Wenn ich ihn schreiben würde, müsste ich damit rechnen, verrückt zu werden. Nicht umsonst haben sie Sebastian Fitzek in einem Rollstuhl zur Lesung gebracht und verbreitet, sein letzter Roman habe ihn in den Wahnsinn getrieben. In seinen Büchern bleibt überhaupt nichts ganz, er demontiert alles, bis es sich zu einem neuen Sinn zusammenfügt. Keine Sorge, ich will dem auf keinen Fall nacheifern, ich habe genügend Bühne, um meinen eigenen Wahnsinn auszutoben. Mein nächster Roman ist ein Experiment, das ich abbrechen oder unterbrechen werde, sobald das Gefühl aufkommt, dass es mir mehr schadet als nützt. Und übrigens: Es gibt eine wahnsinnige Kurzgeschichte von mir zum Thema Frankfurt/ Towers-aus dem Jahr 2004.

Samstag, 16. Oktober 2010

Zielgroupie (Heimat-) Krimi

Heute hat mich wieder einmal der Hafer gestochen: Ich habe mich als Zielgroupie verkleidet. Lodenjacke, darunter ein schwarzes Tshirt mit Totenkopf, Gamshut, Handschuhe und schwere Springerstiefel. Auf herausspritzendes Blut, Maden und surrende Fliegen habe ich aus Gründen verzichtet, die sicher verzeihlich sind. Möglicherweise wäre ich nämlich abgeführt worden. Dafür zeigte mein Gesicht die erforderliche Leichenblässe. Tatort sollten zwei große Buchhandlungen einer schwäbischen Großstadt sein. Und wirklich: Da lagen all die Werke, die zu meinem Outfit passten, und mein Herz, das sich nun infiziert ähm identifiziert hatte, schlug höher, als es die passenden Gegenstücke fand. Dabei sind die Regionalkrimiregale weiter gewachsen. Zu den Eifelkrimis kamen Allgäu-, Alb-,Schwarzwald-und Gäu-Krimis, mit jeweils wechselnden einheimischen Ermittlern. Die grauenvolle Tat beging ich-zum Leidwesen der Zielgruppenforscher: Ich winkte mit meinem Klappmesser, ließ es klirrend kreisen, nahm meine Springerstiefel in die Hand und entfernt mich vom Tatort, ohne Spuren in der Kasse hinterlassen zu haben. Hoffentlich hat mich niemand beobachtet. Denn ich weiß, dass ich mich frevelhaft verhalten habe:
Inzwischen füllen Lesungen dieser Bücher ganze Säle, es sind immer sehr lustige Abende, Heimatabende möchte man fast sagen. Da hats mich fast gewundert, dass keine Kuh muhte, als wir in den strömenden Regen hinaustraten. Abends entledigte ich mich des Groupie-Outfits, das hätte ich aber schön bleiben lassen können, denn es ging grad so weiter. Heimatkrimis schlagen inzwischen selbst die Einschaltquoten von Stuttgart21-Berichten. Eigentlich wäre es doch ein Leichtes und Schönes, sich auf diese populären Züge aufzuschwingen und einfach mitzufahren, das sagte ich ja schon mal. Nun ging es also weiter. Heimatkrimiabend im Bayrischen Fernsehen, einmal um die Stadt Kempten, dann Würzburg. Ja, das schaue ich mir gern an, schon wegen der Landschaften und Städte. Und schließlich soll der Kluftinger auch Grimmepreis-verdächtig sein. Warum nur gab es vor ein, zwei Jahren dann schon warnende Stimmen zu den Zielgruppen? Und ausführliche Analysen zu den Regionalkrimis?Ist es wieder ein Pferd, das angezogen hat undviele, viele galoppieren hinterdrein?

Mittwoch, 14. Juli 2010

Das Grauen im Sommer 2010

Da ich, wie schon an anderer Stelle erwähnt, nur noch heißes Stroh im Kopf habe und das Thermometer schon wieder über die gefährliche Marke hinaus ist, habe ich mal blind nach den beliebtesten Büchern des letzten Jahres geforscht, mit anderen Worten, den Bestsellern.. Reiner Zeitvertreib, denn geordnetes Schreiben ist nicht mehr möglich. Die von mir erwähnte "Chemie des Todes" wird dort auch so angepriesen: Man müsse einen starken Magen haben, um das unbeschadet zu überstehen. Es ist alles voller Grauen und Blut, einschließlich der Vampire. Ein Kind wird an die verwesende Leiche seiner Verwandten gekettet. Die harmlosesten sind noch die Alpen- und Allgäu-Krimis (einen Fall von Kluftinger habe ich mal gelesen). Woher kommt dieser ungeheure Blutdurst? Sind die Leser zu abgestumpft, um immer stärkere Reize zu brauchen? Inzwischen glaube ich etwas ganz anderes. Sie brauchen Märchen. Märchen sind grausam. Das, was die Märchen verschweigen, wird heute als Bestseller gekauft-da läuft einem das kalte Gruseln den Rücken hinunter, nicht nur bei tropischen Temperaturen!

Montag, 29. März 2010

Nachricht vom Schreibteufelchen

Das Leben als Autorin (und als Betreuerin psychisch Kranker) wird nie langweilig, ständig ist etwas los, gibt es neue Perspektiven, viel zu bedenken.
Am Samstag flüsterte mir das geheimnisvolle Männchen etwas zu. War es vielleicht mein Schreibteufelchen? Auf jeden Fall saß es in einer Buchhandlung in Reutlingen, kramte in einer Schublade unter dem Regal, in dem mein Buch steht, winkte mich mit einer Bewegung seiner kleinen schwarzen Hand heran und sagte leise: Da drin ist nichts mehr, deine Bücher haben sich komplett verkauft! Das da oben ist das Letzte.
Und, muss ich jetzt wieder eins nachwerfen?
So sieht es aus. Aber du bist ja am Ball, hast noch andere Projekte laufen. Mach es nicht wie Frau Meckel, die aus lauter Selbstdarstellungsgier dort landete, wo sie jetzt ist.
Ich werde mit mir Haus halten, Teufelchen. Apropos Haushalt. Wusstest du, dass frische Eier gar nicht frisch sein müssen? Ich hatte eine alte und eine neue Eierpackung, freilaufend selbstredend, und das Ei von der alten Packung schwamm tiefer im Wasser als das von der neuen.
Die Welt will betrogen sein. Man darf nicht immer glauben,was auf den Packungen steht.
Ja, soll ich die Eier denn mit einem Becher Wasser in der Hand kaufen?
Am besten selber Hühner halten. Was planst du?
Ich würde mir gern einen Regionalkrimi kaufen. Den da: "Rauhnacht" von Volker Klüpfel, ein Allgäu-Krimi.
Willst du etwa selber Regio-Krimis schreiben?
Nein, keine Kommissar-Serien. Will nur wissen, ob ich Lust dazu hätte. Und "Rauhnacht" ist ein toller Titel, finde ich.
Nimm lieber das erste der Reihe, "Milchgeld", das kostet auch weniger. Dann kannst du immer noch entscheiden. Und deine literarischen Ambitionen?
Dafür habe ich dies hier gekauft. Stolz zeige ich ihm meine Erwerbung:
"Die Kunst des Wanderns. Ein literarisches Lesebuch." Mit Texten von Flaubert über Hölderlin bis Adorno.
Gut, gut. Das Teufelchen nimmt das Buch und setzt sich in einen der plüschigen Sessel. Ich bringe ihm eine Tasse Kaffe, und mir ebenfalls eine.
Also, fängt es an, wohin soll die Reise gehen?
Ich schreibe mein Reisebuch, mach das andere fertig und dann ...
Und dann?
Dann kommt noch ein Kalender, und ich kenne inzwischen eine Lyrikerin mit Koch-Gedichten, und dann...
Und dann?
Ach Teufelchen, ich weiß es noch nicht, sag du mir doch, wo es langgehen soll. Genreschreiben ist trendabhängig, Genrewechseln geht nur mit Pseudonym, sagt man, meinen Thriller muss ich bestimmt in einer Erzählung verwursteln, die ich vergeblich zu Literaturwettbewerben senden werde.
Du wirst deinen Weg schon gehen, sagt das Teufelchen und bläst die Backen auf. Wird es jetzt gleich in die Luft gehen, Schwefel um sich verbreiten, Purzelbäume schlagen, mich mit seiner kleinen schwarzen Gabel pieken? Alle würden herschauen, wie peinlich. Nichts dergleichen geschieht.
Denk dran, Denis Scheck würde dich wohl nicht in die Tonne werfen, so er deine Bücher in die Hände bekäme.
Das läuft mir runter wie Öl.
Bis morgen, sagt das Teufelchen.
Wieso bis morgen?
Hast du es schon vergessen?
Ich merke, wir sind inzwischen in meiner Wohnung. Der alte PC grummelt vor sich hin.
Stimmt ja, ich bringe den Rechner heute zum Freund meines Sohnes, und morgen werde ich einen Windows7 haben, ganz günstig und in schwarzsilbernem Design. Bis morgen!