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Samstag, 6. Dezember 2014

Autoren wie Orchideen

Gestern las ich einen Artikel über das, was wirklich wichtig sein kann im Leben eines Menschen. Da konnte man sondieren, ob wohl das abendliche Fernsehprogramm wichtig ist und was die Leute von mir denken. Ob nicht die Beziehungen zur Familie und zu Freunden wichtiger ist als, jetzt mal frei Schnauze, das Ranking bei Amazon oder die Höhe des Bücherstapels im Buchladen. Und die Gesundheit, natürlich. Also habe ich mal über die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben nachgedacht. Dazu gehören, abgesehen von den oben genannten Dingen, die Arbeit mit Menschen, die in ihrer Entwicklung auf irgendeine Weise gestört sind sowie selbstverständlich das Schreiben. Für jemanden, der vom Schreiben lebt, ergeben sich ganz andere Gewichtungen. Für den kann der Bücherstapel oder das Ranking überlebenswichtig sein. Oder die Präsenz als Self Publisher in anderen Läden als dem Riesen Amazon.

Die Sichtung des einen oder anderen Distributors hat für mich ergeben, dass ich mich eigentlich bei keinem so richtig heimisch fühlen würde. Nichtsdestoweniger bin ich da weiterhin offen. Das Jahr 2014, das jetzt allmählich zu Ende geht, hat meine "Karriere" als "Hybridautorin" gefestigt. Das heißt, ich habe ein zweites Verlagsbuch selbst als E-Book herausgebracht und bin mit der Entwicklung sehr zufrieden. Die Verkäufe sind kontinuierlich, es gibt keine August-, November- oder Urlaubseinbrüche. Der finanziell erfolgreichste war allerdings der Ferienmonat Juli. Jetzt stehe ich kurz vor Beendigung meines historischen Krimis, der wie mein Schwarzwaldkrimi in keine Verlagsschubladen zu passen scheint. Den werde ich im neuen Jahr als ersten in Angriff nehmen. Werde mir einen passenden Lektor/ eine passende Lektorin suchen, eine gute Grafikerin habe ich ja schon. Die müssen natürlch auch Kapazitäten frei haben. Der historische Krimi wird an die 350 Seiten haben, der andere Krimi knapp 300.

In diese Überlegungen fiel dann wie ein reifer Apfel der Gastbeitrag des Schriftstellers und Bloggers Stefan Waldscheidt: Der Hybridautor als Modell für die Zukunft in Matthias Mattings Selfpublisherbibel. Beim Wort "Hybrid" denke ich immer zuallererst an Orchideen. Auch unsere heimischen Orchideen wie die Ragwurz können Hybriden bilden. Nehmen wir einmal die Bienenragwurz, die inmitten ihrer Blüte eine Biene nachgebildet hat, um Insekten anzulocken. Diese Ragwurz kann mutieren zu einem Mischling oder Bastard aus Bienen- und Hummelragwurz. Oder Spiegel - und Spinnenragwurz. Eine Fliegenragwurz kann breitere Fliegen hervorbringen und ist somit eine Hybride. Aber kommen wir wieder weg von der Botanik. Ein Hybridautor ist ein Misch-Autor, der sowohl bei Verlagen als auch selbst veröffentlicht. Die Vorteile beider Seiten und vor allem der Mischung hat Stefan Waldscheidt noch einmal sehr schön zusammengefasst. Es geht ja nicht um die Veröffentlichung um jeden Preis, sondern auch um Selbstbestimmung. Diese Vorteile habe ich auf sehr angenehme Weise erfahren. Vor allem kann man meist viel stärker hinter dem eigenen Cover und Klappentext stehen als hinter dem von Verlagen. Einen weiteren gewaltigen Vorteil möchte ich noch hinzufügen: Die Bücher in den Buchhandlungen verschwinden heutzutage innerhalb von ein bis zwei Monaten wieder. Am längsten lag meine Nonne und Hure dort, nämlich neun Monate. Aber das ist Schnee von gestern. Die E-Books haben zumindest die Chance, dauerhaft gesehen zu werden. In welchen Fenstern sie dann liegen, ist eine Frage der Quantität und der Vermarktung. Und das Wichtigste ist und bleibt für mich das Schreiben.

Und hier noch das Schmankerl des Tages, in aller Munde: Was ist Schreiben von Nina George, gehalten als Rede zur Eröffnung der Schreibtage 2014 in Berlin-Wannsee, veröffentlicht bei den Bücherfrauen. Super guter Artikel, in dem sich jeder Autor wiederfinden kann. Besonders auch die Kleinmacher und der Gedanke "Das will je eh keiner lesen." als Folge davon. Eine umfangreiche, spannende Lektüre für Gefühl und Verstand, eine geschichte zu dem Phänomen, wie man seinen Schreib-Raum gegen den Rest der Welt verteidigt.


Dienstag, 4. Februar 2014

Self Publishing - eine Erfolgsgeschichte

In der Selfpublisherbibel von Matthias Matting erschien am vergangenen Freitag die Geschichte von Siegfried Langer, einem Verlagsautor, dem irgendwann beim Warten auf Verlagsentscheidungen der Kragen platzte -sein nächstes Buch publizierte er selbst. Und die Rechnung ging auf! ...vom Verlagsautor zum Self Publisher. Ich weiß noch sehr gut, wie wir zusammen in einer Exposé-Arbeitsgruppe unsere Werke bearbeiteten (Bei mir war es "Die Pilgerin von Montserrat", die demnächst vom Verlag her als E-Book erscheint). Seitdem sah ich immer wieder mit Freude, wie er vorankam. Entscheidend ist wohl sicher die Menge und Qualität seiner Kontakte, die ihm jetzt auch bei dem selbst publizierten E-Book "Leide!" zugute kamen. Es geht also nicht ohne weitreichenden Einsatz.

Allerdings glaube ich, dass es auch auf das vielzitierte Genre ankommt, denn bei meinem eigenen E-Book hatte ich ebenfalls lange Zeit eine große Zahl von Unterstützern. Und doch ist es sehr schnell untergegangen. Einfach, weil so eine kleine Dichterbiografie nur selten eine Massensogwirkung entfalten kann. Oder nur, wenn es das umsonst gibt - wie schon berichtet, wurde es im September 2012 innerhalb zweier Tage 3250 mal runtergeladen und stand auf Platz 2 der Umsonst-E-Books. Nach diesen Erfahrungen bin ich natürlich vorsichtig geworden. Mit meinen zwei, drei Händen voll Kontakten würde ich niemals ein neues E-Book auf den Markt werfen. In meinem Job arbeiten wir im Team, aber wir treffen uns, wenn's hochkommt, höchstens einmal wöchentlich. Ansonsten sind wir Einzelkämpfer, werden aber gut betreut und beraten. Beim Schreiben bin ich naturgemäß ebenfalls Einzelkämpfer, wurde aber von Anfang an -mit Ausnahmen - ebenfalls gut begleitet und beraten. Was ich damit sagen will: Ich bin durch und durch kein Mensch der Masse, war es noch nie. Deshalb kann ich auch nicht für die Massen schreiben. Und ich lese nicht so gerne, was für die Massen geschrieben wurde. Höchstens das, was für das Individuum geschrieben wurde und später Massen begeisterte.

Mir ist übrigens heute in einer ruhigen Stunde noch ein anderes Interview ins Auge gefallen, das zeigt, wie sich alles, was in der letzten Zeit Autoren und Leser bewegte, miteinander vermischen kann. Da hat jemand sein erstes Buch den Piraten gegeben, wurde bekannt, lernte von ihnen, selber E-Books zu machen und erfreut sich mit seinen Büchern jetzt großer Beliebtheit. Viel Neues gibt es ansonsten nicht an Berichten und Interviews. Auf jeden Fall scheint sich gerade eine ganze Industrie von Dienstleistungsunternehmen um den SP-Bereich herum aufzubauen. Gestern Abend habe ich mal ausführlich einen von ihnen untersucht: Die leselupe.de. Ich kannte den Namen von einer Buchbloggerin, die sich meinen letzten Titel vom Verlag geholt und eine sehr schöne Rezension geschrieben hat. Dieses Forum bietet eine Reihe von Lektoren, die sich dort mit ihren Schwerpunkten vorstellen und genau sagen, ob sie Kapazitäten haben oder nicht, welche Vorlieben und wieviele Seiten sie ehrenamtlich bearbeiten können. Es gibt sogar eine semiprofessionelle Literaturagentur und natürlich jede Menge Unterforen, an denen man sich beteiligen kann. Man muss aber überall genau hinschauen: Für 99 Euro kann man sein eigenes Buch mitsamt marginaler PR, Lektorat usw. haben. Das rückt doch schon wieder in die Nähe der Dienstleistungsanbieter, möchte man meinen. Aber wirklich umsonst bekommt man es wirklich nirgends!

Dienstag, 19. März 2013

Neuer Kontakt mit einem Verlag

Ach, es ist irgendwie wie beim ersten Mal! Vor ein paar Tagen hatte ich Kontakt mit dem Lektorat eines Verlages aufgenommen und gestern eine Antwort bekommen. Die Lektoratsleiterin hat grundsätzliches Interesse an meinen regional verorteten Krimis und historischen Krimis gezeigt und mir dabei noch Tipps gegeben. Die Palette dieses Verlags sagt mir auch zu. Da gibt es zum Beispiel einen Krimi aus dem Berlin der Weimarer Zeit, mit allen Zutaten wie Grieben usw. Und eine ganze Reihe von historisch interessanten, regional verankerten Büchern. So hätte ich evtl. ein weiteres Standbein, wenn der Genrewechsel beim Publikums- oder einem anderen Verlag nicht klappen sollte.

Was jetzt wichtig ist:
Testlesen lassen und weiter überarbeiten.
Bei meinen Recherchen hat sich das Wissen über die Ereignisse, die meinem Schwarzwaldkrimi zugrundeliegen, noch vertieft.

Weiterer achtsamer Umgang mit mir selbst und den Kollegen, dazu gehört auch
achtsamer Umgang mit Social Media.

Dazu gehört auch weiterhin nein sagen. Nein zu allem, was meine Ressourcen, die ich doch so dringend brauche, unnötig verschleißt.

Ja zu allem, was mich aufbaut und die Passion des Schreibens (der Arbeit und des Lebens) fördert (in brainstormhafter Reihenfolge):
-Team-schöne Ausflüge-Zeit zum Schreiben-Kommunikation auf allen Ebenen-Filme-Wanderungen-Bücher-Natur-alles,was blüht-Kultur-Reisen-Sonne-Historie-Geheimnisse und Abgründe-vielelesermeinerbücher.


Dienstag, 12. März 2013

Schreib-Entscheidung: der Schwarzwald

Seit Samstag ist er da, der große Regen, und die Kälte ist da, wenn auch ohne Schnee und Blitzeis. Unser Versuch, dem Zugriff des rauen Gesellen zu entfliehen, endete in Lahr im Schwarzwald. Dort, wo alles begann mit dem Veröffentlichen. Vor etwa 11 Jahren saß ich dort zehn Stunden mit einer Lektorin im Verlag und bearbeitete mein erstes Romanmanuskript. (Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht). Geben Sie nur Ihren Brotberuf nicht auf, sagte mir die Lektorin während des Mittagessens (beim Metzger, um Zeit zu sparen). Seitdem bin ich nun zuhause und ruhe mich aus von getaner Arbeit, gehe manchmal schwimmen und sortiere mein Leben und mein Schreiben.

Vor ein paar Tagen wurde ich zu einer Facebook-Gruppe namhafter Autoren eingeladen. Sie rankt sich um die Gründung einer Vereinigung von Autoren historischer Romane mit Namen Homer, die am1. Februar 2013 in Ulm stattfand. In dieser Gruppe ist ein grundlegender Austausch möglich. Jetzt habe ich ja gerade ein sehr schönes Lektorat hinter mir, wie berichtet, und mit sieben historischen Romanen bin ich meinem Genre, wenn auch nicht immer freiwillig, treu geblieben. Der nächste Schritt, den ich tun wollte, war die Einstellung meines Mörike-E-Books bei neobooks, einer Plattform von Droemer-Knaur. Die soll bisher unveröffentlichten Autoren ermöglichen, durch einen Wettbewerb zu einem Lektor und einem Verlagsvertrag zu kommen. Das war ja nun nicht meine Intention, aber mir wurde geraten, mein E-Book dort einzustellen, weil die Reichweite der Plattformen (Thalia, Weltbild usw.) viel größer sei. Also habe ich mich einmal mit neobooks auseinandergesetzt. Mein Fazit ist - das bestätigt auch eine Diskussion, die schon 2010 im Montsegur Autorenforum geführt wurde -, dass ein bisschen Bauern - äh, Autorenfängerei dabei ist. Je mehr Kommentare man nämlich zu anderen Büchern schreibt, desto mehr steigt die Chance, dass der Verlag dem jeweiligen Autor entgegenkommt. Und das gilt sicher auch für diejenigen, die nur einfach mal ihr fertig lektoriertes E-Book einstellen wollen. In diesem Augenblick fiel die erste Entscheidung: Ich möchte mit meinem Buch nicht mehr hausieren gehen müssen! Es ist bei Amazon select abgemeldet und hängt quasi wieder in der Luft.

Nun wollte ich es wissen. Mit Feuereifer stürzte ich mich auf meinen Schwarzwaldkrimi, den ich am 24. Januar 2013 das erste mal fertig überarbeitet hatte. Dann speicherte ich ihn falsch, so dass die Version verloren ging. Gestern gelang es mir, diese Version wiederherzustellen. Und siehe da, sie war gut! Ich habe vier Kapitel noch einmal überarbeitet, auch nach dem, was ich im letzten Lektorat gelernt habe. Nämlich schönere Formulierungen, Streichen von immer denselben Füllwörtern (bei mir ist es das Wörtchen "jetzt"!) und Formatierung bei der wörtlichen Rede. Die vier Kapitel habe ich heute an meinen Testleser in Österreich geschickt, der schon lange darauf gewartet hat. Und jetzt-nun-bin ich endlich wieder geerdet, habe eine Entscheidung getroffen und weiß, wie es weitergehen wird. Ob dabei nun eine Schwarzwald-Krimi-Serie, ein weiterer historischer Roman oder etwas ganz anderes herauskommt, ist zweitrangig. Ich bin wieder drin im Schreiben! Und zwar auf der Verlagsschiene. Mein Hausverlag ist mir nun schon vier Bücher lang treu geblieben, und falls ich dort mal etwas nicht unterbringen sollte, habe ich einen anderen Verlag gefunden, der genau die Bücher sucht, die ich schreibe: Der Sutton-Verlag. Dort habe ich auch dasBuch "Neckarbrücken" von Eckard Schörle aus Nagold entdeckt, einem Historiker aus einer Familie, die mir sehr gut bekannt ist.

Dienstag, 5. März 2013

Das schönste Lektorat

Kloster Lorch im Remstal
Am Freitagabend kam - einigermaßen überraschend - das lektorierte Manuskript von "Die Köchin und der Kardinal" mit der Bitte, es so rasch wie möglich zu überarbeiten, dazu die Klappentexte zu korrigieren und ein Nachwort zu erstellen. Der Text habe gut gefallen, so dass nur wenig anzumerken war. Darüber war ich sehr glücklich - und habe das alles dann auch bis Montag Mittag geschafft, ohne in totale Hektik zu verfallen. Allerdings war ich in der Zeit für andere kaum erreichbar, gerade für einen kleinen Ausflug zum Kloster Lorch hat es gereicht (darüber später etwas in den "Orten zum Reinschmecken"). Bei der Durchsicht und Korrektur dieses Romans habe ich gemerkt, dass dieses Thema bei mir schon seit mehr als zehn Jahren "brannte"-und deshalb ist es wohl auch so rund geworden. Normalerweise dauern Lektorate bei mir immer mindestens 1 1/2 Wochen. Nachdem ich fertig war, schwebte ich den ganzen Abend unter der Decke. Das sind die Momente, die alles Bemühen, alle Zweifel, allen Frust, der schon aufgekommen ist, aufheben und einfach nur leicht machen. Und es ist auch das, was mich weiterhin antreibt. Dabei fällt mir auf, dass wir dieses Mal nur das Kurzexposé verwendet haben.

Inzwischen habe ich auch mit den Kurzgeschichten und Romanen aufgeräumt, es waren allerdings nur wenige, die ich wirklich weggeschmissen habe. Für manche von ihnen wird noch ihre Zeit kommen, dessen bin ich gewiss. Da gibt es zum Beispiel noch diese Geschichte aus dem Bauernkrieg, spielt in Maulbronn, Herrenberg, Weinsberg und Nürnberg, darin kommen Maler wie Albrecht Dürer und der böse Herzog Ulrich von Württemberg vor. Oder die Geschichte von Eberhard im Barte, dem Kreuzfahrer, dem Vielgeliebten, dessen Motto war: Attempto, ich wag's! Ein unaufgeklärter Todesfall am Rande eines Abgrunds auf der schwäbischen Alb. Dann noch die Hamburg-Südamerika-Geschichte, einst als Thriller geplant. Und die Großmutter, die ihre Familie auf den Pfänder in Bregenz beruft. Sie teilt ihr mit, dass sie sich einen jungen Geliebten genommen hat und mit ihm auf Reisen das Erbe verprasst. Die alte Dame wird bald darauf tot im Schwimmbecken des Altersheims aufgefunden. Ihre Enkelin ermittelt.


Donnerstag, 28. Februar 2013

Genre oder Nische? Für wen schreiben wir?

Zur Zeit habe ich, da ich nicht schreibe und weder überarbeite noch plotte, viel Zeit, über mich und das Schreiben nachzudenken. Zumindest in den Stunden, die mir vom vermehrten Arbeitseinsatz im Beruf übrig bleiben.Wenn ich eine Bilanz ziehen will, was mein Schreiben im Genre und in den Nischen betrifft, so ist der Fall ganz klar: Meine beiden ersten Romane waren eindeutig Nischenthemen. Mit der Agentur kam dann ein Vertrag mit einem größeren Verlag, bei dem ich inzwischen den 4. Roman veröffentliche. Dazwischen erschienen noch ein regionales Buch und ein Kalender bei einem Kleinverlag sowie eine Anthologie mit drei Kurzgeschichten von mir. Den ersten Roman habe ich im letzten Jahr als E-Book wiederaufgelegt, der zweite erschien im Mai 2012 als E-Book seiten des Verlages. Zum Thema Genre, Nischen und Self Publishing habe ich einen interessanten Artikel bei Kerstin Brömer im Literaturjournal gefunden. Demnach hat man im Buchhandel eher Chancen, etwas zu verkaufen, wenn die Buchhändler wissen, wo sie es hinstellen sollen. Dank Cover und Klappentext wussten sie es bei meinen Büchern, aber schon der historische Roman "Das Vermächtnis des Bischofs" wanderte von den Regionalia über die historischen Romane zu den Regionalkrimis (und steht jetzt unter "Schwabenromane" im Regal). Offensichtlich sind Leser sehr kritisch, was Genres betrifft. Wenn auf einem Buch "Thriller" draufsteht, möchten sie keinen gemütlichen Krimi lesen. Und ehrlich gesagt, bin auch ich über so etwas schon enttäuscht gewesen. Fantasy im historischen Roman und im Krimi/Thriller mag ich zum Beispiel ebenfalls nicht.

Vor mehr als zehn Jahren schrieb ich in einer Schreibwerkstatt Kurzgeschichten. (insgesamt ca.50). Da gab es eine Zeitlang eine Werkstattleiterin, Jutta Miller-Waldner, die einzelne Geschichten kommentierte. Sie prophezeite mir, dass ich wohl niemals für die Massen schreiben würde. Das wollte ich auch nicht, und doch ist es soweit gekommen, dass es jetzt schon Vorbestellungen für meinen historischen Roman gibt, der im Juni erscheinen soll. Irgendwem müssen diese Geschichten also gefallen haben! Interessant ist auch, in welchen Kategorien ich diese Kurzgeschichten geschrieben habe. Aus einigen haben sich nämlich Romane entwickelt. Es waren belletristische Geschichten, Essays, Familiengeschichten, Märchen, Krimis und Thriller, Satiren, Horror, Sience Fiction und historische. Jetzt ist die Frage, wie ich auf der Tonleiter weiter spielen möchte/könnte/sollte.Gerade lese ich das Buch meiner Kollegin Tanja Schurkus über Matthias Claudius, eine Romanbiografie. Über ihn wusste ich nicht viel mehr, als dass er Lieder wie "Der Mond ist aufgegangen" geschrieben hat -und bin fasziniert von den zeitlichen Umständen, in denen dieser Dichter lebte, über die Schauplätze (Hamburg, Darmstadt), über die Kollegen, mit denen er verkehrte, seine Liebe und sein Festhalten am Glauben, gegen den Widerstand von Goethe, Herder und anderen Größen jener Zeit! Ob ich noch mal so eine Romanbiografie schreiben möchte? Über Annette von Droste-Hülshoff ist schon sehr viel geschrieben worden, über Martin Wieland und Sophie la Roche ebenfalls. Wie wäre es mal mit einem Maler wie Lucas Cranach, dessen Bilder mir jedesmal in den Museen entgegenspringen?

Ich werde in der nächsten Zeit noch ein wenig aufräumen. Alte Kurzgeschichten, die nichts Besonderes aussagen, werde ich endlich mal wegschmeißen und nur die Besten aufbewahren. Romanideen, die sich nicht ausbauen lassen oder zu denen ich keinen Zugang mehr habe, werden eliminiert. Und dabei merke ich, dass mein Kopf immer klarer wird für das, was ich eigentlich wirklich schreiben möchte, auch wenn ich es momentan noch nicht wirklich weiß.

Dienstag, 1. Mai 2012

Hobbyautor oder Hobbies eines Autors


Diese Schafherde haben wir heute bei einer Wanderung auf der Schwäbischen Alb getroffen. Die Schäferin erzählte uns, dass ihr Hütehund nichts anderes im Kopf habe als seine Schafe, er also gar nicht auf uns achten würde. Und dem war auch so. Er ist also kein Hobby-Hütehund, sondern ein leidenschaftlicher Vollzeit-Hütehund. Ich selbst bin nebenberufliche Romanautorin, schon längst keine Hobbyautorin mehr. Und alle Hobbies, die ich ausübe (nachzulesen hier im Blog), dienen, ich verrate es freiwillig, im Grunde immer nur dem Schreiben. Der Beruf steht auf einem anderen Blatt, der finanziert mir die Grundlagen als Autorin und ist darüber hinaus meine gleichberechtigte "zweite große Leidenschaft", könnte man sagen.
Ein Beispiel dafür, was Freizeit mit dem Schreiben und Veröffentlichen gemein hat: Gestern in Tübingen, eine Tour im Sinne der Erholung, da Urlaub. Das Mäuerchen am Neckar ist bunt von Studenten, alles stochert im Fluss mit den Stocherkähnen. Kaum bin ich in der Buchhandlung und habe einen Blick aufs Ganze geworfen, schaue ich nach meinem letzten Buch. Nur noch ein Exemplar da? Ist es jetzt, nach sieben Monaten, ausgelaufen? Dann der Weg zum Antiquariat, dort kaufe ich u.a. ein Buch von meinem Lektor, einen Krimi. Mal sehen, wie er schreibt! Beim Weitergehen stutzt mein Begleiter plötzlich. Da grinst mich mein letzter Roman aus einem Schaufenster an. Das Tübinger Wochenblatt.
"Wie geht denn "Das Vermächtnis des Bischofs?" ruft mein Begleiter in den Laden hinein. "Sehr gut!", kommt die Antwort zurück. Dann noch ein Milchcafé vor dem Storchen, Tatort meiner Studentenzeit, am munter dahinplätschernden Bach. Über diese Stimmung da am Bach vor dem Storchen hätte ich sofort wieder schreiben können. Merkt ihr, was ich damit sagen will? Auf Schritt und Tritt fällt das Schreiben auf dich zurück. Und besonders bei den Schritten und Tritten unterwegs in den Bergen und Städten.

Donnerstag, 14. Januar 2010

Ab die Post!

Es ist mal wieder vollbracht: Die Kalender-Datei ist vollständig und auf dem Weg zum Lektor. Die Arbeit am Roman schreitet zügig voran, denn heute habe ich, dank des Autos in der Werkstatt, "Stubenarrest". Na ja, bei den schon tauenden Schneemassen zieht einen ja auch nicht wirklich etwas hinaus. Ich muss schon sagen, dass ich meinen Roman sehr mag, und ich wundere mich manchmal, dass ich ihn geschrieben habe.
Er wird seinen Platz finden, und wenn nicht bei den Großen, dann bei den Kleinen. Meine neuen Verbindungen ermöglichen es mir, unabhängiger zu operieren. Auch wenn die Bücher aus den Regalen verschwunden sind, auch wenn keine neuen HRs mehr gebraucht werden, kann ich auf vielfältige Art weitermachen. Nach zwei, drei Jahren des Zweifelns bin ich nun wirklich dort angekommen, wo ich immer hinwollte.