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Dienstag, 13. März 2018

Die Elster

Leberblümchen
Als ich vorhin vom Schwimmen zurückkam, saß eine Elster auf der Straße und stolzierte mit wippendem Schwanz zum Randstein hin. Ich lebe mit diesen Vögeln schon seit mehr als siebzehn Jahren in enger Nachbarschaft. Morgens höre ich sie schon in meinem Nussbaum tschackern. Bei Wikipedia und beim NaBu kann man mehr über diese intelligenten Tiere erfahren. Offensichtlich hat die Zersiedelung der Landschaft viele dazu gezwungen, sich in Gärten und Städten niederzulassen und sich von dem zu ernähren, was Komposthaufen und Abfalleimer hergeben. Dazu Spinnen und Würmer, Vogeleier, Kleinvögel und Echsen. Sie klauen keine glänzenden Gegenstände, sondern haben eine sogenannte Objektpermanenz, das heißt, sie merken sich, wo sie etwas versteckt haben und fressen es innerhalb von zehn Tagen auf. Diese Objektpermanenz haben sie nur mit anderen Rabenvögeln, mit Hunden und Affen gemeinsam. Wenn sie sich in einem Spiegel sehen, gucken sie dahinter, weil sie einen Artgenossen vermuten, bekämpfen ihn bisweilen auch. Mein Nussbaum scheint ihnen manchmal als Schlafbaum zu dienen, denn tagsüber zeigen sie sich weniger.

Beim Anblick dieser Elster auf der Straße musste ich an das vergangene Wochenende denken, an dem ich mich verzweifelt damit herumschlug, das Elster-Formular vom Finanzamt herunterzuladen. Ich konnte es einfach nicht fassen: Schon mindestens dreimal habe ich dieses Onlineformular mühelos ausgefüllt, die Vorschau ausgedruckt und alles ans Finanzamt übermittelt. Aber es kam zwei Stunden lang immer nur das Formular von 2016, nicht editierbar. Die Passwörter für ein neues 2017 stimmten angeblich nicht. Irgendwann stand ich mit senkrecht gerauften Haaren inmitten eines Chaos und wusste nicht mehr aus noch ein. Schließlich konnte ich doch keinen Steuerberater engagieren, nur um das elende Ding herunterzuladen. Dann ging es plötzlich doch, wie von selbst. Vielleicht hatte die kluge neckische Elster ein Einsehen gehabt. Bauchschmerzen machten nur noch die Stellen, die ich nicht auf Anhieb ausfüllen konnte. Da wird die betreffende Stelle rot, und nichts geht mehr. Gestern Abend hatte ich dann das letzte fehlende Aktenzeichen gefunden, und ab ging die Elsterpost. Heute den Brief mit dem gedruckten Formular in den Briefkasten gesteckt, und fertig war die Chose.  Als nächstes kommen dann die Exposés zum Verlag.

Morgen gibt es einen Halbfrühlingstag, bevor der Winter erneut zurückkehrt. Den werden wir in Haslach im Kinzigtal verbringen. Wenn man es doch machen könnte wie die Veilchen: Eins blühte heute unverdrossen im Eiswind am Fuße des Schlossbergs. Gestern besuchten wir einen Garten im Neckartal wie in jedem Frühjahr. Hinter einem Drahtzaun blüht es da immer ganz früh ganz blau. Neben Schneeglöckchen Krokusse und die Anemone blanda (Scilla haben wir letztes Wochenende unter einer Magnolie der Neckartenzlinger St. Jakobs-Kirche gesehen, einem prächtigen romanischen Bau aus dem Mittelalter). Der botanische Garten in Tübingen war noch sehr winterlich, bis auf ein paar Märzenbecher, Alpenveilchen und Leberblümchen - an geschützter Stelle unter Buchen. Gestern im Neckartal nun wartete schon der alte Besitzer an der Straße auf uns, als hätte er gewusst, dass wir vorbeikommen. "Der Winter war lang und schrecklich dieses Jahr" sagte er.

Dienstag, 4. August 2015

Bücher veröffentlichen heute

So, die Rabattaktion ist beendet. Und sie hat mir den Effekt gebracht, den ich damit verfolgte: Das Ebook ist jetzt in seiner Kategorie sichtbar geworden, hat dabei das vorige Buch ein wenig mitgezogen. Neuerdings können wir als Autoren ja direkt mitverfolgen, wieviele Seiten der Bücher gelesen werden. Dabei entsteht lustigerweise ein Konkurrenzspielchen zwischen "Nacht des Wolfes" und "Teufelswerk". Im letzten Monat lief der Teufel dem Wolf davon, jetzt sammelt Letzterer doppelt so viel gelesene Seiten! Amazon kümmert sich sehr um seine Autoren, das muss man ihm lassen. Wahrscheinlich hat es auch allen Grund dazu, denn wie ich gerade wieder einmal in der Selfpulisherbibel gesehen habe, eröffnete kürzlich sogar die Mayersche Buchhandlung eine Self Publishing-Plattform, nach Tolino und diversen anderen. Die Mayersche kannte ich, seit dort ein Buch von mir erhältlich und auf der Plattform "Lies mich" gelistet war. Welche Ziele diese Verlage und die Buchhandlungen damit wohl verfolgen? Erst einmal dem Monopolisten etwas entgegensetzen, das erscheint absolut logisch, und dabei den Autoren mit den Konditonen entgegenzukommen. Außerdem werden sie versuchen, neue, für die Verlagslandschaft hoffnungsvolle Talente zu entdecken. Das Prinzip ist immer dasselbe: Für wen am meisten gevoted wird, wer am meisten Bücher verkauft, dem wird gegeben. So kann man bei der Mayerschen auch ein Buchcover gewinnen, wenn man viel verkauft. Ich schätze aber mal, dass die Leistungen durch Lektorat, Korrektorat, Covergestaltung und Vermarktung dabei in Anspruch genommen werden sollten-und das sicher nicht bei allen umsonst! Es war also für einen Autor nie so einfach wie heute, seine Werke an die Leser zu bringen. Aber der Weg zur nachhaltigen Etablierung hat sich wenig geändert. Außer einem handwerklich einwandfreien Manuskript muss der Autor eine zündende Idee rüberbringen, bereit sein, an seinem Text zu arbeiten. Das Ganze scheint mir ein wenig wie diese Wandlung beim Einkaufen innerhalb der letzten Jahrzehnte: Während früher der Kunde vor der Theke stand und aus den Regalen auswählte, was er brauchte, fährt er jetzt mit einem überdimensionierten Einkaufswagen durch endlose Reihen von Regalen. Auf diesem Weg, der mittlerweile zu einer Fußreise von einer halben Stunde ausarten kann, hat der Kunde (wie auch im übertragenen Sinn der Autor) eine unendliche Menge von Möglichkeiten. Aber seine Ware musste schon immer so gut sein, dass sie Leser überzeugte, und sie muss auch heute noch so gut sein.

Nach Versorgung meines E-Books, die sich einige Zeit hinzog, habe ich mich endlich wieder an meinen neuen Roman gemacht. Ein erstes Kapitel ist entstanden, das Exposé ist im Werden. Für meine bisherigen Bücher hatte ich nie "professionelle" Exposés verfasst, eher Klappentexte. Erst kurz vorm Lektorat bekam der Lektor das gesamte Exposé. Da ich den neuen Roman aber nicht mehr im SP veröffentlichen, sondern eine Agentur oder einen Verlag suchen möchte, komme ich wohl nicht drum herum. Dabei habe ich gelernt, dass ein Exposé kein Handlungsabriss ist, sondern eine Vorstellung der Idee, der Charaktere und des dramatischen Aufbaus. Manche Agenturen und Verlage wollen bis zu drei Seiten, manche nur eine, aber alle wünschen bis zu dreißig Seiten Probetext. Ich finde diese Situation sehr reizvoll. Muss keine Markterwartungen bedienen, kann das Buch schreiben, das ich schon immer mal schreiben wollte. Und mich dann im Supermarkt der Möglichkeiten umschauen, wer den Zuschlag erhalten soll.

Mittwoch, 11. Februar 2015

Das Verkaufsexposé und die Ebookleser

Seit dem letzten Eintrag habe ich Schwerstarbeit geleistet, so scheint es mir, vielleicht bin ich aber auch nur vom Wetterwechsel so müde. Ich habe nicht gewusst, dass es eine derartige Wissenschaft für sich ist, ein Verkaufsexposé zu schreiben. In meinen bisherigen Verlagen ging es da immer recht gemütlich zu, das muss ich sagen. Dem ersten Verleger schrieb ich ein paar Sätze, die ihn schon völlig davon überzeugten, dass er das Buch nehmen würde, beim zweiten lief es ähnlich. Dann gings zum Agenten, der mich dann sieben Jahre lang vertrat. Auch hier genügte eine kürzere Inhaltsbeschreibung und eine Leseprobe, die ihn grundsätzlich davon überzeugten, dass da ein Potenzial wäre. Und später genügten halbseitige Beschreibungen mit Cliffhanger für den Lektor, der immer erst kurz vor dem Lektorat das Langexposé mit Auflösung bekam. Jetzt habe ich ein bis zwei Wochen intensiv an einem Verkaufsexposé gearbeitet. Und diesmal scheint es auch ziemlich professionell zu sein. Ca. zwei Normseiten, mit allem Drum und Dran. Wertvolle Hinweise dazu erhielt ich bei der Autorin und Lektorin Anni Bürkl: Was in ein Exposé gehört und was nicht. Gut sind auch die Tipps auf der Webseite der Agentur Thomas Schlück. Dort habe ich mich heute nicht beworben, sondern bei zwei anderen, zwei von den vielen, die ich ganz genau geprüft habe - mitsamt den Autoren, die dort vertreten sind und ihren Büchern.

Wer meine Entwicklung bis hierher verfolgt hat, wird sich jetzt fragen: Steht denn die Entscheidung zwischen Verlagsautor und Self Publisher immer noch an? Jein, würde ich antworten. Was ich bei einem Rundumgucker bei Buchreport usw. gesehen habe, zeigt mir, dass ich mit SP weiterhin die unschätzbaren Vorteile der Cover- und Klappentextgestaltung habe und mehr verdiene als mit Verlagsbüchern. Was beiden Veröffentlichungsformen gleich ist, wäre die Notwendigkeit der Sichtbarkeit und die Schnelligkeit, mit der man neue Bücher produzieren muss. Dazu habe ich einmal die andere Sicht gesehen, nämlich die der Ebookleser. Was halten die eigentlich von den Self Publishern?
  • Selbst ist der Autor 
  • 29% sagen, dass der Buchmarkt durch Selfpublishing größer und vielfältiger wird
  • 25% der Befragten stimmt der Aussage zu, dass es durch Eigenpublikationen der Autoren mehr Bücher gibt, die ihrem persönlichen Geschmack entsprechen
  • 31% finden gut, dass die Texte preiswerter sind als andere Publikationen
  • 22% sind der Ansicht, dass die Beziehung zwischen Lesern und Autoren von Selfpublishing-Texten intensiver ist
  • Auf der anderen Seite vermissen 24% die Qualitätskontrolle der Verlage
  • 15% sind der Meinung, dass durch Selfpublishing zu viele schlechte Bücher auf den Markt kommen. 
Die Verlage sollten mit Self Publishern zusammenarbeiten statt über Monopolisten zu jammern, meint die Erfolgautorin Virginia Fox. Es geschieht jetzt auch immer häufiger, dass Verlage erfolgreiche Self Publisher einkaufen. Nur am Rande: Damit wären wir wieder beim Bestseller-Prinzip. Nur, wer möglichst viel verkauft, hat eine Chance, alle anderen werden abgestraft. Auf der anderen Seite entdecken die Verlage auf diese Weise Talente, die sie vorher abgelehnt haben. Es ist nicht einfach, diesen Spagat auszuhalten. Wenn ich innerhalb der nächsten zwei Wochen erfahren sollte, dass meine beiden letzten Bücher nicht marktfähig wären, gehe ich ins Self Publishing, wohin sonst. *zwinker*



    Samstag, 7. Februar 2015

    Verstaubtes Leben und Schreiben

    Impression aus dem botanischen Garten in Tübingen
    Wenn man sich einmal an seinem Arbeitsplatz umsieht, an dem man jahre-, wenn nicht jahrzehntelang geschafft, sich gefreut, gelitten, betreut, diskutiert und geschrieben hat, bemerkt man irgendwann, dass alles irgendwie verstaubt und eingerostet wirkt. Bei mir ist ja von zwei Arbeitsplätzen die Rede, einer besteht aus mehreren Häusern, einigen Klienten und Kollegen, der zweite aus einer Ecke meines Wohnzimmers. Da genügt es nicht, den Staublappen zu nehmen oder einen von diesen modernen Mops, denn darunter kommt das Ewigalte und Gleiche wieder zum Vorschein. In meiner beruflichen Arbeit sind es die immergleichen Themen, die "Problemtrancen" und das SichimKreisedrehen. In den Foren, in den Blogs, ja auch im gesamten Social Media sind es irgendwann ebenfalls die immergleichen Themen. Und ab einem gewissen Punkt ist man sicher auch als Autor mit der Gefahr konfrontiert, sich zu wiederholen. Da gibt es dann ähnliche Konflikte, vielleicht Figuren, die sich ähneln, ein Aufbau, der sich wiederholt. Das Verharren in einem Genre oder einer bestimmten literarischen Form. Kurz und gut, es geht darum, dass sich alles abnutzt, dasselbe des Immergleichen ist, Staub und Rost ansetzt. In der Beziehung zum Partner, zu Freunden und zur Familie macht sich Gewöhnung breit. Es nützt wenig oder nur für kurze Zeit, wenn die Möbel erneuert, das TV-Gerät, der Computer ausgetauscht werden, wenn eine Auszeit genommen wird oder ein Paar auf eine ungewöhnliche Reise geht. Neuer Wein in alten Schläuchen! Auch strategische Diskussionen darüber, was alles anders werden muss, verlaufen oft im Sande. Selbst bei der täglichen Kocherei macht sich Einerlei breit, kommen in schöner Regelmäßigkeit Spagetti Bolognaise, Linsen mit Spätzle oder Bratkartoffeln auf den Tisch. Wie wäre es denn, mal wieder Königsberger Klopse zu kochen?

    Wirklich wirkungsvoll und änderungsaffin sind zum Beispiel neue Kollegen, neue Klienten, neue Ideen, eine andere Betrachtungsweise, die von außen angeregt werden kann. Bei mir war es die Beschäftigung mit den Grenzen, die etwas ausgelöst haben könnte. Heute war alles anders und neu, jeder Baum am Straßenrand wirkte wie eben erst dahingesetzt, jedes Glitzern des Schnees war noch niemals da gewesen, hinter jeder Biegung öffnete sich wie von Zauberhand eine neue, andere, schönere Welt. Und dazwischen, an warmen, trockenen Plätzen in den Gärten, schauten schon die ersten Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge aus dem halb gefrorenen Boden.Wir waren im Land des Romans unterwegs, für den ich nun endlich ein klares und aufschlussreiches Exposé geschrieben habe. Ob das nun wirklich eine Änderung des Zustands ist, in dem ich wochenlang verharrte? Der Roman ist mein absolut eigener, er wartet mit einer Zeit und mit Figuren auf, die alles andere als "gängig" sind. Aber das ist im Augenblick zweitrangig. Wichtig ist, dass etwas wieder in den Fluss gekommen ist, und das strahlt auf alle anderen Bereiche aus.



    Mittwoch, 17. Dezember 2014

    Der Biss des Skorpions

    Gerade ist die Weihnachtskarte meines ersten Verlages eingetroffen. Seit zehn Jahren, seit ich 2004 dort einen Roman veröffentlichte, bekomme ich diese Grußkarten zugeschickt, obwohl ich die Rechte an dem Buch schon längst zurück bekommen habe. Es zeigt mir, dass es noch Verlage gibt, die ihre Autoren regelrecht "pflegen". Um diese Zeit schreiben ja manche von uns gern ihren Jahresrückblick und ihren Ausblick auf das kommende Jahr. Ich möchte einfach nur mal sagen, wie ich mich momentan mit dem fühle, was ich mache. Gestern hat mich ein Skorpion gebissen. Ja, ich weiß, das ist der Titel eines bekannten Thrillers, aber so weit ist das Thema dann auch gar nicht weg von mir. Ich habe mir überlegt, was ich in der Zeit, in der ich auf die nächste Verlagsanwort warte, anfangen soll. Und kramte eine Idee heraus. Die schlummert schon seit Veröffentlichung dieses ersten Romans in mir. Ich war nur nie in der Lage, sie in eine passgerechte Form zu bringen. Das immer wieder neue Aufbranden von Gewalt in dieser Welt und das Wachsen des braunen Sumpfes haben mir dieses alte, immer gültige Thema wieder ins Bewusstsein gebracht. Dazu fiel mir eine Geschichte ein, die ich ebenfalls vor zehn Jahren schrieb und die von einem mysteriösen Flugzeugabsturz im südamerikanischen Urwald erzählte. Ich fing an zu recherchieren und bekam dabei immer heißere Ohren. Und schon war ich gebissen! Das Gift des Skorpions verbreitet sich langsam, aber unaufhaltsam in meinem Blut. Den ungefähren Verlauf habe ich im Kopf, die Idee ist aufgeschrieben. So viel sei verraten, dass die Geschichte in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts spielt und mit einer Reise nach Argentinien verbunden ist. In dieser Zeit wanderte mein Onkel nach Argentinien aus und betrieb als Verwalter eine Estancia. Ich war 1969 einige Monate dort und bereiste das Land bis in den äußersten Westen und den Norden. Ich erinnere mich genau daran, wie die Luft während der Überfahrt in einem Frachter nach Salz schmeckte, dass alles klebte, wie der Skunk in der Pampa aussah, wie sich das Gürteltier davon machte, höre noch das Krächzen der Papageien im Urwald, sehe den Wasserfall in die Tiefe donnern und schmecke die Sauce, die von den Gauchos zum Asado serviert wurde (Öl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Chili).

    Und wie war das Jahr, das unaufhaltsam seinem Ende entgegen geht? Allgemein, ich schrieb es schon, hat es mir beruflich-persönlich noch einmal einen richtigen Aufschwung gebracht. Bis April hatte ich meinen Schwarzwaldkrimi beendet und schickte ihn an meinen Hausverlag und eine Agentur. Keine Antwort des ersteren bzw. eine abschlägige der zweiten. Bis Juni war ich mit Herausgabe meines Verlagsebooks beschäftigt. Mit dem Verlauf bin ich, ehrlich gesagt, zufriedener als mit allem anderen davor. Aber es war ja auch fix und fertig lektoriert und korrekturiert. Bis Ende November, also sechs Monate lang, schrieb ich an meinem neuen historischen Krimi. Den habe ich vor  etwa einer Stunde, nach nochmaliger Korrektur des Exposés, zu einem E-Bookverlag geschickt. Bleibt noch die Frage, ob ich mich bei meinem "Teufelswerk" an einen Distributor wende oder ihn demnächst wieder bei Amazon KDP select anmelde. Es sind gerade (ohne select) keine Ausleihen mehr zu verzeichnen, dafür teilweise ein Ansteigen der Verkäufe. Der Ebookverlag arbeitet auch mit Kindle unlimited, wegen der Sichtbarkeit und Bekanntmachnung, so habe ich es verstanden.

    Hier noch ein Interview mit Carla Berling, die von der Kleinverlagsautorin zur Selfpublisherin wurde: Autorin-Carla-Berling-kommt-ohne-Verlag-aus-und-setzt-stattdessen-auf-Amazon

    Samstag, 1. November 2014

    Das Exposé, eine schwere Geburt

    Dieser Beitrag ist nur für Autoren interessant, die selber immer wieder mal ein Exposé erstellen müssen, sei es, um den Verlauf des Romans besser planen zu können, sei es, um sich damit bei einem Verlag oder einer Agentur zu bewerben.
    Der historische Krimi, an dem ich gerade schreibe, hat in den letzten Jahren schon einige Wandlungen erfahren. Einige Figuren mussten raus, andere kamen neu hinein. Die Zeit hatte ich schließlich auf das Jahr 1786 festgesetzt. Das ursprüngliche Bauernmädchen mit ihrem versoffenen Vater musste gehen, die meisten anderen Personen blieben. Es gibt zwei Studenten der Theologie, die im Stift zu Tübingen wohnen. Einer würde lieber Arzt werden, der andere ein Dichter. Dann ist da Laura, eines Professors Töchterchen. Und ein Mädchen mit einem weißen Wolf, von dem man nicht weiß, ob es real ist oder nur in den Köpfen der Betroffenen existiert. Und es gibt Räuber, Morde, Intrigen und Geisterbeschwörungen. Es gibt den verhassten Herzog Carl Eugen, der den Dichter Schubart auf dem Hohenasperg eingesperrt hat und schließlich einen fahrenden Medicus mit seinem Äffchen, das seine Grimassen schneidet. Das könnte die Grundlage für einen Klappentext sein.

    Jemand, der schon Exposés geschrieben hat, weiß wahrscheinlich, welche Klaviatur der Gefühle dessen Erstellung hervorbringen kann. Ich musste es heute zu Ende führen (von zwei auf vier Seiten), weil ich sonst mitten im Text, auf ca. S. 180 einfach nur stecken geblieben wäre. Bis dahin wollte ich mit dem Roman aufhören, alles hinschmeißen, und ich fand die Handlung einfach nur noch doof. Jetzt, wo es im Kopf geklingelt hat (auch mit Anregung meines Testlesers), bin ich superhappy und finde es, anderes Extrem, genial! Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

    Dienstag, 5. März 2013

    Das schönste Lektorat

    Kloster Lorch im Remstal
    Am Freitagabend kam - einigermaßen überraschend - das lektorierte Manuskript von "Die Köchin und der Kardinal" mit der Bitte, es so rasch wie möglich zu überarbeiten, dazu die Klappentexte zu korrigieren und ein Nachwort zu erstellen. Der Text habe gut gefallen, so dass nur wenig anzumerken war. Darüber war ich sehr glücklich - und habe das alles dann auch bis Montag Mittag geschafft, ohne in totale Hektik zu verfallen. Allerdings war ich in der Zeit für andere kaum erreichbar, gerade für einen kleinen Ausflug zum Kloster Lorch hat es gereicht (darüber später etwas in den "Orten zum Reinschmecken"). Bei der Durchsicht und Korrektur dieses Romans habe ich gemerkt, dass dieses Thema bei mir schon seit mehr als zehn Jahren "brannte"-und deshalb ist es wohl auch so rund geworden. Normalerweise dauern Lektorate bei mir immer mindestens 1 1/2 Wochen. Nachdem ich fertig war, schwebte ich den ganzen Abend unter der Decke. Das sind die Momente, die alles Bemühen, alle Zweifel, allen Frust, der schon aufgekommen ist, aufheben und einfach nur leicht machen. Und es ist auch das, was mich weiterhin antreibt. Dabei fällt mir auf, dass wir dieses Mal nur das Kurzexposé verwendet haben.

    Inzwischen habe ich auch mit den Kurzgeschichten und Romanen aufgeräumt, es waren allerdings nur wenige, die ich wirklich weggeschmissen habe. Für manche von ihnen wird noch ihre Zeit kommen, dessen bin ich gewiss. Da gibt es zum Beispiel noch diese Geschichte aus dem Bauernkrieg, spielt in Maulbronn, Herrenberg, Weinsberg und Nürnberg, darin kommen Maler wie Albrecht Dürer und der böse Herzog Ulrich von Württemberg vor. Oder die Geschichte von Eberhard im Barte, dem Kreuzfahrer, dem Vielgeliebten, dessen Motto war: Attempto, ich wag's! Ein unaufgeklärter Todesfall am Rande eines Abgrunds auf der schwäbischen Alb. Dann noch die Hamburg-Südamerika-Geschichte, einst als Thriller geplant. Und die Großmutter, die ihre Familie auf den Pfänder in Bregenz beruft. Sie teilt ihr mit, dass sie sich einen jungen Geliebten genommen hat und mit ihm auf Reisen das Erbe verprasst. Die alte Dame wird bald darauf tot im Schwimmbecken des Altersheims aufgefunden. Ihre Enkelin ermittelt.


    Samstag, 3. Dezember 2011

    Spontanes Signieren und ein Kapitelexposé

    Zurück aus Reutlingen an diesem verregneten Dezembertag, fand ich später am Abend
    wieder einen dieser großartigen Artikel von Petra van Cronenburg, der dazu anregt, sich wieder auf sich selbst und das, was man an eigenem Werk anbieten kann, zu besinnen.Occupy your Art
    Ich gelange beim Schreiben immer wieder in Momente hinein, an denen ich so eine innere Leere fühle. Was bleibt am Ende von dem, was da in Monaten in mir herangereift ist? Und gleichzeitig weiß ich, dass es die falsche Sichtweise ist. Ich empfinde mich nun nicht als Schriftstellerin oder Künstlerin, sondern als Autorin von Romanen und evt. Sachbüchern. Trotzdem ist auch mir das Schreiben so wichtig, dass ich mir ein Ende dessen nicht vorstellen könnte. Man muss, wie auch Petra sagt, mit offenen Augen durch die Welt gehen und sich so auf sein Werk konzentrieren, dass auch Einflüsse von außen es nicht im fremden Sinne verändern können. Bei mir ist das so: Bin ich dem Schreiben fern, mache ich etwas ganz anderes, will ich das Buch am liebsten in die Ecke stellen. Setze ich mich dann wieder hin, ist alles sofort wieder da.
    So erging es mir auch heute. In Reutlingen waren wir in unserer Lieblingsbuchhandlung, dem Osiander in der Wilhelmstraße. Morgens hatte ich noch gedacht, ich würde in der nächsten Zeit schreiberisch nichts mehr hinkriegen. Jetzt standen wir vor dem "Vermächtnis des Bischofs" und fragten uns, wo denn das andere Buch von dem Verlag sei, das daneben gestanden hatte. Ein Buchhändler trat hinzu und wollte wissen, ob wir etwas suchten. Mein Partner, wie immer der Advocatus Diaboli, meinte, wir suchten uns selbst, da -er zeigte neben sich-sei die Autorin. Der Buchhändler war sehr erfreut: So oft hätten sie nicht Autoren zu Gast, ob ich nicht einige Bücher signieren wolle? Das tat ich auch, wie die Jungfrau mit dem Kind, aber auch mit Vergnügen. Später standen die Bücher dann unter "Aktuell". Ich kaufte noch einen wunderschönen Bildband "Steiniges Paradies"-über die Schwäbische Alb.(Andere Bücher, die ich noch lesen möchte, lasse ich mir dann über den kostenlosen Bestellservice bringen). Mit einer anderen Buchhändlerin kamen wir ebenfalls ins Gespräch. Sie meinte, auch als Buchhändler oder Autor könne man mit Büchern nicht reich werden. Unseren Kalender 2011 habe sie erworben. Ja, das ist für mich ein In-Kontakt-Treten mit der Außenwelt! Wäre ich statt zu Osiander ausschließlich zu Thalia gegangen, hätte es mich schwer enttäuscht. Da liegen bei den Historischen nämlich nur noch Bestseller, aber nicht liebevoll platziert, sondern irgendwie "verödet".
    Das Ganze muss mir doch ein wenig Schwung gegeben haben, denn am späteren Abend schaffte ich es tatsächlich, ein Kapitelexposé von etwa 40 Kapiteln anzufertigen (meine Bücher umfassen meist 400 Seiten oder etwas mehr). Die sind jetzt wie ein roter Faden für die nächsten Monate, und Text und Inhalt wandeln sich noch ständig dabei.

    Donnerstag, 27. Oktober 2011

    Vorm Abschicken eines Exposés

    Die dunkle Zeit - jetzt, Ende Oktober, muss man mogens schon wieder das Licht anmachen, die Heizung heizt, und immer besteht die Hoffnung, dass sich gegen Mittag die Sonne durchkämpft. Gestern brachte sie mich sogar noch einmal zum Schwitzen, mit ca. 18°. Und es ist auch eine dunkle Zeit, mit der ich mich gerade beschäftige. Die Vorrecherchen sind abgeschlossen, ich habe sogar einen Merian-Stich von 1634 gefunden, der die Stadt Calw, den Ausgangspunkt meines neuen Romans, in ihren alten Mauern zeigt. Sämtliche Dokumente und Bilder, die vor diesem Krieg existierten, sind vollständig vernichtet worden, wie ich dem Archiv der Satdt entnehmen konnte. Aber es gibt Berichte von Zeitzeugen. Wie schon einmal, im Jahr 2003, merke ich, dass ich zögere, mich mit einem solchen dunklen Kapitel auseinanderzusetzen. Aber der Prolog zu meinem Krimi hat mich einfach auf diese Spur gesetzt, ich konnte gar nicht anders, war in der letzten Woche total durchdrungen von der Handlung, den Figuren und Schauplätzen.Was ich noch dringend suche, sind Rezepte aus dem 17. Jahrhundert bzw. Links zu Seiten, die sich mit der Ernährung in der Zeit beschäftigen wie dieser hier. Krebse und Forellen in Wein, Mandelreis, solches würde ich mir auch in Fastenzeiten schmecken lassen wie der Bischof in Kärnten! Zwei Kochbücher habe ich schon gefunden: das 1598 erschienene "Köstlich new Kochbuch" von Anna Weckerin aus Basel- und der zu "meiner" Zeit herrschende Ludwig XIII. von Frankreich soll ebenfalls eines herausgegeben oder zumindest Rezepte gesammelt haben.
    Nun ist ein zweiseitiges Exposé geschrieben, dazu ein Kurzexposé, das alle Fragen, die es in diesem Roman geben wird, anreißt. Noch zögere ich, es wegzuschicken. Muss ich es nicht noch einmal anders, besser formulieren? Oder möchte ich es einfach noch nicht aus der Hand geben?

    Mittwoch, 14. Juli 2010

    Das verschollene Thriller-Exposé

    Möchten Sie wissen, liebe Leser und Leserinnen, warum ich hier so viel blogge und herumplappere? Weil ich noch nicht zu dem Punkt vorgedrungen bin, an dem ich wirklich weitermachen, weiterschreiben kann. Ich stelle mir das ein wenig so vor wie die Angsttriebe, die von Bäumen gebildet werden, denen es auf irgend eine Art an den Kragen geht. Und wenn ich nicht schreibe, ist mir eine wesentliche Grundlage entzogen. Und: Was wird aus meinem letzten Historischen Florenz-Roman? Heute habe ich geschaut, wie lange es im Jahr 2008 gedauert hat, bis der letzte vermittelt war. Etwa zweieinhalb Monate, und zwar nur für das Exposé. Bis Mitte August müsste ich Bescheid bekommen haben. Ich glaube auch, dass ich einen Schritt weitergekommen bin. Warum zieht mich der Bodensee so magisch an, habe ich mich gefragt. Antwort: Weil ich schon seit Jahren fasziniert von dieser Gegend bin (ich habe mal eine Kur in Allensbach gemacht) und weil fast alle meine Romane zu ihm hin oder an ihm vorbeiführen. Auch bei den Recherchen für mein "Großes Regionalprojekt" bin ich nicht daran vorbeigekommen. Und der variationsreiche "Thriller" hat natürlich ebenfalls damit zu tun, ohne ein Regionalkrimi oder -Thriller im üblichen Sinn zu sein.
    Jetzt habe ich mir einfach mal einen Tritt gegeben, nachdem ein schönes Gewitter niedergegangen ist, und habe mich meinen Dateien genähert. Auf die fast vergessenen "Offenen Schubladen" geklickt. Und was sehe ich da? Ein fast fertiges Exposé für ebendiesen Roman! Ohne Gedärm, das auch Bäuchen quillt und ohne Blut, das aus Halsschlagadern sprudelt. Ein paar Fliegen könnten allerdings schon eine Rolle spielen, in einem fernen Land, in dem ich schon einmal war ...Wenn dieses Exposé funktioniert, hätte ich weite Strecken davon schon fertig, müsste also nicht jahrelang recherchieren, sondern könnte mich zwischendurch immer wieder einer Einheit des anderen Werkes widmen-und anfangen an dem Ort, der alles bündelt: Dem Bodensee.

    Sonntag, 1. Februar 2009

    Das Exposéschreiben

    Nachdem ich das Interview mit Philipp Roth angesehen habe - ich habe einmal mit sehr großem Genuss sein Buch "Der menschliche Makel" gelesen - denke ich über das Exposéschreiben im Allgemeinen und im Besonderen nach. Ich glaube, dass viele lernen wollen, wie man das macht, und auch ich habe es erst im Forum von Montsegur gelernt. Bis dahin hatte ich etwa halbseitige
    Handlungsskizzen in meiner Kladde. Nun mag man einwenden, dass Literaten wie Roth oder Leo Tolstoi das einfach nicht nötig haben, weil sie die Handlung allmählich entwickeln.
    Ich brauche das Exposé, weil ich mich sonst verzettele. Gleichzeitig aber hemmt es mich auch. Die beiden ersten Romane habe ich viel zügiger aufs Papier gebracht als die folgenden. Meine Vorgehensweise ist jetzt so, dass ich ein Kurzexposé erstelle, das auch als Klappentext-Vorlage dient, dann eine längere Handlungskizze und eine Liste der beteiligten Figuren. Das Kapitelexposé macht mir immer noch die größten Schwierigkeiten. Das habe ich jetzt so gelöst: Ich schreibe ein Kapitel, lasse dann den Film weiterlaufen und skizziere das nächste Kapitel. Dann lege ich alles wieder weg und schreibe. Jetzt bin ich an einem Punkt, an dem es so läuft wie in der Anfangsphase. Das heißt, ich habe mich "warmgeschrieben".

    Montag, 17. November 2008

    Nachtschichten

    Jetzt erlebe ich endlich auch einmal, was ich von Kollegen immer wieder hörte: in der Endphase der Buchentstehung muss man offensichtlich manchmal Nachtschichten einlegen, um fertig zu werden. Was ich gelernt habe aus dem jetzigen und lerne für zukünftige Projekte:
    "Drauflosschreiben" gibt es nicht mehr. Wenn ich die "Nonne und die Hure" so geplant hätte wie "Die Pilgerin von Montserrat", müsste ich jetzt nicht diese Nachtschichten einlegen. Interessant auch, dass die Fragen des Lektors denen gleichen, die in der Exposé-Arbeitsgruppe zur "Pilgerin" gestellt wurden. Meine Devise seit Längerem: bei komplizierteren Manuskripten mit mehreren Handlungssträngen muss vorher alles geplant sein, sonst verzettelt man sich. Das heißt jetzt nicht, dass ich mich bei der "Nonne und der Hure" verzettelt hätte( sonst hätte Aufbau es auch nicht genommen). Es heißt, dass Motive, Handlungen und Entwicklungen manchmal noch zu unklar sind, dass Nebenschauplätze entstehen, die für die Handlung nicht relevant sind. Oder es gibt Beschreibungen, die zum Eigentlichen nichts beitragen. Insofern war und ist das jetzt eine wegweisende Erfahrung.