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Sonntag, 19. April 2015

Romantische Wege

Unterhalb des Pomeranzengartens in Leonberg
Dieser Tage kann man mal alles hinter sich und die Seele baumeln lassen! Selbst das Schreiben lasse ich dort, wo es gut aufgehoben ist. Parallel dazu habe ich ein Buch über die schwäbischen Dichter gelesen, kürzlich gefunden im wunderschönen Kloster Heiligkreuztal, einem meiner Lieblingsklöster. Und abends geht es weiter mit der Romantik: In Calw habe ich das Buch "Der Neckar. Eine Literaturreise" von Jan Bürger (Ch.Beck Verlag) erstanden. Da geht es um süddeutsche Literaten vom 16. Jahrhundert bis heute. Eine herrliche Ergänzung zu meinem neuen historischen Kriminalroman - und es verkürzt die Wartezeit, bis es zurück ist aus dem Korrektorat.

Samstag, 7. Februar 2015

Verstaubtes Leben und Schreiben

Impression aus dem botanischen Garten in Tübingen
Wenn man sich einmal an seinem Arbeitsplatz umsieht, an dem man jahre-, wenn nicht jahrzehntelang geschafft, sich gefreut, gelitten, betreut, diskutiert und geschrieben hat, bemerkt man irgendwann, dass alles irgendwie verstaubt und eingerostet wirkt. Bei mir ist ja von zwei Arbeitsplätzen die Rede, einer besteht aus mehreren Häusern, einigen Klienten und Kollegen, der zweite aus einer Ecke meines Wohnzimmers. Da genügt es nicht, den Staublappen zu nehmen oder einen von diesen modernen Mops, denn darunter kommt das Ewigalte und Gleiche wieder zum Vorschein. In meiner beruflichen Arbeit sind es die immergleichen Themen, die "Problemtrancen" und das SichimKreisedrehen. In den Foren, in den Blogs, ja auch im gesamten Social Media sind es irgendwann ebenfalls die immergleichen Themen. Und ab einem gewissen Punkt ist man sicher auch als Autor mit der Gefahr konfrontiert, sich zu wiederholen. Da gibt es dann ähnliche Konflikte, vielleicht Figuren, die sich ähneln, ein Aufbau, der sich wiederholt. Das Verharren in einem Genre oder einer bestimmten literarischen Form. Kurz und gut, es geht darum, dass sich alles abnutzt, dasselbe des Immergleichen ist, Staub und Rost ansetzt. In der Beziehung zum Partner, zu Freunden und zur Familie macht sich Gewöhnung breit. Es nützt wenig oder nur für kurze Zeit, wenn die Möbel erneuert, das TV-Gerät, der Computer ausgetauscht werden, wenn eine Auszeit genommen wird oder ein Paar auf eine ungewöhnliche Reise geht. Neuer Wein in alten Schläuchen! Auch strategische Diskussionen darüber, was alles anders werden muss, verlaufen oft im Sande. Selbst bei der täglichen Kocherei macht sich Einerlei breit, kommen in schöner Regelmäßigkeit Spagetti Bolognaise, Linsen mit Spätzle oder Bratkartoffeln auf den Tisch. Wie wäre es denn, mal wieder Königsberger Klopse zu kochen?

Wirklich wirkungsvoll und änderungsaffin sind zum Beispiel neue Kollegen, neue Klienten, neue Ideen, eine andere Betrachtungsweise, die von außen angeregt werden kann. Bei mir war es die Beschäftigung mit den Grenzen, die etwas ausgelöst haben könnte. Heute war alles anders und neu, jeder Baum am Straßenrand wirkte wie eben erst dahingesetzt, jedes Glitzern des Schnees war noch niemals da gewesen, hinter jeder Biegung öffnete sich wie von Zauberhand eine neue, andere, schönere Welt. Und dazwischen, an warmen, trockenen Plätzen in den Gärten, schauten schon die ersten Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge aus dem halb gefrorenen Boden.Wir waren im Land des Romans unterwegs, für den ich nun endlich ein klares und aufschlussreiches Exposé geschrieben habe. Ob das nun wirklich eine Änderung des Zustands ist, in dem ich wochenlang verharrte? Der Roman ist mein absolut eigener, er wartet mit einer Zeit und mit Figuren auf, die alles andere als "gängig" sind. Aber das ist im Augenblick zweitrangig. Wichtig ist, dass etwas wieder in den Fluss gekommen ist, und das strahlt auf alle anderen Bereiche aus.



Samstag, 8. Juni 2013

Biss im Abendgrauen-oder was ich von Friedrich Schiller lernte

Schillers Geburtshaus in Marbach

Wie es manchmal so geht im Schreiberleben: Beim Anschauen eines Interviews mit Ingrid Noll in Weinheim und später einer Expedition ins Wasgau und die Nordvogesen kam es angeflogen. Ein Fragment aus Recherchen, Bildern und Überlegungen. Schillers "Geisterseher" spielen dabei eine Rolle sowie der "Ordo Bucintoro", eine Geheimgesellschaft, die im Venedig des 16. Jahrhunderts entstand. Schiller veröffentlichte die "Geisterseher" in den Jahren 1787 bis 1789 in seiner Zeitschrift "Thalia", und es war sein kommerziell erfolgreichstes Werk, weil es dem Bedürfnis seiner Zeit nach Geheimbünden, Geisterbeschwörung usw. nahekam. Als Professor in Weimar verdiente er auf jeden Fall zu dieser Zeit nichts, bis seine Freundin Charlotte von Kalb beim Herzog Karl August vorstellig wurde und ihm 800 Gulden Jahreseinkommen verschaffte (ein Gulden entsprach etwa 100 Euro). Karl August war übrigens auch der Herzog, mit dem Goethe in Weimar soff und wilde Reitereien unternahm.

Schillermuseum in Marbach
Meine erste Lektorin hätte mir einen Roman über Schiller zugetraut, doch wegen des anstehenden Schillerjahres war es schon zu spät. Nächstes Jahr ist wieder ein Schillerjahr, aber ich möchte immer noch keinen Roman über ihn schreiben. Statt dessen hat mir diese kurze Begegnung mit dem Dichter meinen Roman "Feuer im Bauch" wieder näher gebracht. Von ihm existieren bisher nur eine Idee und etwa 30 Seiten. Es sollte ein historischer Kriminalroman werden, über eine Viererbeziehung, über Feuer und eine Geheimgesellschaft des 18. Jahrhunderts. Dieses Jahrhundert gehe gar nicht, die Zeit der französischen Revolution überhaupt nicht, hatte mir mein Agent gesagt. Und so hatte ich die Handlung verändert und ins 15. Jahrhundert verlegt. Das ging nun um so weniger. Warum also jetzt nicht diesen Gedanken wieder aufgreifen? Ich bin schon eifrig am Plotten, und ehrlich gesagt, geht es mir dabei schon zehnmal besser als in den letzten Wochen, in denen ich nur auf das Erscheinen meines neuen Romans gewartet und kein Schreibziel vor Augen hatte.