Samstag, 3. Dezember 2011

Spontanes Signieren und ein Kapitelexposé

Zurück aus Reutlingen an diesem verregneten Dezembertag, fand ich später am Abend
wieder einen dieser großartigen Artikel von Petra van Cronenburg, der dazu anregt, sich wieder auf sich selbst und das, was man an eigenem Werk anbieten kann, zu besinnen.Occupy your Art
Ich gelange beim Schreiben immer wieder in Momente hinein, an denen ich so eine innere Leere fühle. Was bleibt am Ende von dem, was da in Monaten in mir herangereift ist? Und gleichzeitig weiß ich, dass es die falsche Sichtweise ist. Ich empfinde mich nun nicht als Schriftstellerin oder Künstlerin, sondern als Autorin von Romanen und evt. Sachbüchern. Trotzdem ist auch mir das Schreiben so wichtig, dass ich mir ein Ende dessen nicht vorstellen könnte. Man muss, wie auch Petra sagt, mit offenen Augen durch die Welt gehen und sich so auf sein Werk konzentrieren, dass auch Einflüsse von außen es nicht im fremden Sinne verändern können. Bei mir ist das so: Bin ich dem Schreiben fern, mache ich etwas ganz anderes, will ich das Buch am liebsten in die Ecke stellen. Setze ich mich dann wieder hin, ist alles sofort wieder da.
So erging es mir auch heute. In Reutlingen waren wir in unserer Lieblingsbuchhandlung, dem Osiander in der Wilhelmstraße. Morgens hatte ich noch gedacht, ich würde in der nächsten Zeit schreiberisch nichts mehr hinkriegen. Jetzt standen wir vor dem "Vermächtnis des Bischofs" und fragten uns, wo denn das andere Buch von dem Verlag sei, das daneben gestanden hatte. Ein Buchhändler trat hinzu und wollte wissen, ob wir etwas suchten. Mein Partner, wie immer der Advocatus Diaboli, meinte, wir suchten uns selbst, da -er zeigte neben sich-sei die Autorin. Der Buchhändler war sehr erfreut: So oft hätten sie nicht Autoren zu Gast, ob ich nicht einige Bücher signieren wolle? Das tat ich auch, wie die Jungfrau mit dem Kind, aber auch mit Vergnügen. Später standen die Bücher dann unter "Aktuell". Ich kaufte noch einen wunderschönen Bildband "Steiniges Paradies"-über die Schwäbische Alb.(Andere Bücher, die ich noch lesen möchte, lasse ich mir dann über den kostenlosen Bestellservice bringen). Mit einer anderen Buchhändlerin kamen wir ebenfalls ins Gespräch. Sie meinte, auch als Buchhändler oder Autor könne man mit Büchern nicht reich werden. Unseren Kalender 2011 habe sie erworben. Ja, das ist für mich ein In-Kontakt-Treten mit der Außenwelt! Wäre ich statt zu Osiander ausschließlich zu Thalia gegangen, hätte es mich schwer enttäuscht. Da liegen bei den Historischen nämlich nur noch Bestseller, aber nicht liebevoll platziert, sondern irgendwie "verödet".
Das Ganze muss mir doch ein wenig Schwung gegeben haben, denn am späteren Abend schaffte ich es tatsächlich, ein Kapitelexposé von etwa 40 Kapiteln anzufertigen (meine Bücher umfassen meist 400 Seiten oder etwas mehr). Die sind jetzt wie ein roter Faden für die nächsten Monate, und Text und Inhalt wandeln sich noch ständig dabei.

Kommentare:

PvC hat gesagt…

Danke für die Blumen, liebe Christa! Du schreibst:
"Morgens hatte ich noch gedacht, ich würde in der nächsten Zeit schreiberisch nichts mehr hinkriegen."

Ich weiß nicht, ob dich das tröstet, ich frage mich das auch ständig und bei jedem Buch neu. Und wenn das Buch fertig ist, liest es sich, als habe das ein völlig fremder Mensch geschrieben und ich kleiner Wurm würde das nie wieder hinkriegen. Und so geht es mir vor jeder neuen Recherche (ich finde unmöglich genug!) und jedem Auftritt (ich kann das doch eigentlich gar nicht!)...

Man kann versuchen, das umzuwidmen. Ohne Versagensängste würde man vielleicht viel zu sorglos werden und einfach Text herunterschmieren. So gibt man sein Bestes und strengt sich an.

Aber was rede ich da. Ich komme die nächsten Tage und vielleicht zwei Wochen gar nicht zum Schreiben. Und bin mir ganz sicher, dass ich es danach völlig verlernt haben werde. Ich werde nie wieder ein Buch hinkriegen, ich doch nicht! ;-)))

Es sei denn, ich nehme mir deinen Blogbeitrag zu Herzen und lerne daraus, dass es immer wieder weitergeht, wenn man nur will. Danke darum!

Herzlichst,
Petra

Christa hat gesagt…

Doch, das tröstet mich, Petra.
Beim nochmaligen Durchlesen
meiner beiden letzten Bücher vor Abgabe und bei den Lektoraten dachte ich: Wie konnte ich denn SO etwas schreiben, in einer Zeit, die beruflich SO belastet war! Und das soll ich jetzt noch toppen? Es kann doch nur ein Flopp werden! Ein dreiviertel Jahr hatte ich überhaupt nichts Neues geschrieben, abgesehen von den Lektoraten und 100 Seiten eines Jetztzeit-Krimis, der dann abgelehnt wurde, weil er nicht historisch war, glaube ich. Und eigentlich wollte ich bis Jahresende Pause machen, war aber wohl unausstehlich in der Zeit. Da kam der Wunsch von Agent und Verlag nach einem neuen Buch natürlich gerade recht!:-)
Manchmal schlägt das Pendel
auch nach der anderen Seite aus. Dann sage ich mir: schaffst du alles, und den Bauernkriegsroman von damals könntest du auch noch umschreiben. Nur im Schreibprozess selbst ist irgendwie die "Mitte".
Herzlichst
Christa

PvC hat gesagt…

Kann ich sehr gut nachfühlen, liebe Christa!