Was ist eigentlich eine kreative Pause? Normalerweise habe ich darunter immer eine Phase verstanden, während der sich der Schaffende erholt und wieder neue Kräfte schöpft. Ich habe wenig dazu im Netz gefunden. Nur bei Wikipedia gibt es eine Definition, die ich einmal zusammenfassen könnte, obwohl sie als nicht ausreichend belegt bezeichnet wird. Eine kreative Pause sei aus gestaltpsychologischer
Sicht eine Pause unterschiedlicher Länge im kreativen Schaffensprozess
von Künstlern, Wissenschaftlern und Geisteswissenschaftlern. Dabei sei
die Pause selbst nicht mit kreativen Tätigkeiten angefüllt. Sie
solle eher der Erholung des Geistes und der Wiederherstellung der
Schaffenskraft dienen. Die Notwendigkeit dieser Pausen in kreativen Schaffensprozessen sei jedoch nicht belegt. Wenn sich der Kreative mit
themenfremden Gegenständen beschäftige, einfache Tätigkeiten zur
Ablenkung wähle oder Spaziergänge mache, ende irgendwann die kreative Pause mit dem kreativen Ausbruch, die Produktivität
nehme zu, neue Ideen entstünden, die Nachtruhe werde verkürzt oder durch
Einfälle unterbrochen, die sofort skizziert werden müssten. Eine kreative Pause könne von unterschiedlicher Dauer sein. Manche
Personen benötigten lediglich Stunden, um an den Schreibtisch
zurückzukehren, bei anderen dauere es Tage und Wochen, gar Monate, bis
der Geist wieder in der Lage sei, neue Ideen zu produzieren. Allerdings könne die Rückkehr in den Schaffensprozess extrem schwierig werden.
Ich selbst weiß nichts von alledem. Kann es sein, dass ich während der letzten sechzehn Jahre überhaupt keine Pause, schon gar nicht eine kreative, gemacht habe? Und ist das denn wirklich notwendig? Der Schriftsteller Henri Miller zum Beispiel lebte von 1944 bis 1962 in Big Sur in Kalifornien, als Aussteiger unter Gleichgesinnten. Meines Wissens schrieb er zehn Jahre lang nichts und veröffentlichte 1957 einen Aufsatz über diese Zeit (Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch).Die anderen Einträge, die ich zum Thema "kreative Pausen" gefunden habe, stammten meist von Bloggern, von Studenten oder Professoren. Für Autoren scheint das Thema also, zumindest im Netz, keines zu sein. Irgendwo las ich auch, eine solche Pause brauche natürlich nicht darin zu bestehen, stunden-, tage - und wochenlang die Wände anzustarren oder mit dem Kopf dagegenzuschlagen. Man könne sich ruhig eine Auszeit draußen oder drinnen oder ganz anderswo gönnen. Natürlich! Alle Prozesse bei mir waren immer von ständigen Pausen unterbrochen, Arbeitspausen, Wanderpausen, Essenspausen, Urlaubspausen, Stadtbummelpausen. Deshalb brauche ich auch keine reine, abgegrenzte kreative Pause. Denn was sollte das anderes sein als eine ewige Wiederholung der immerselben Pausen?
Nein, ich brauche einfach mal eine andere Sicht der Dinge. Sollte mal wieder etwas anderes machen als diese ewigen Romane zu schreiben, die ja heutzutage immer schwerer an die Verlage, Agenten und LeserInnen zu bringen sind. Gleichzeitig haben sich die Bedingungen im Self Publishing verschlechtert. Manche Autoren, die ich kenne, sind dabei, eigene Verlage aufzubauen oder haben das schon getan. Zu dem Ganzen ist mir etwas eingefallen: Ich habe in meinen Dateien aufgeräumt und die Hälfte meiner Kurzgeschichten aus den Jahren 2000-2006 als unbrauchbar rausgeschmissen. Drei davon wurden in einer Anthologie veröffentlicht, sind noch 23 von 50 übrig. Dazu habe ich einen neuen Blog eingerichtet, in dem ab und zu eine dieser Geschichten erscheinen könnte. Heute habe ich angefangen mit der Geschichte "Wenn der Schäfer mit dem Dackel", die vielleicht dem einen oder anderen aus der Vergangenheit noch bekannt sein könnte. Dabei geht es um das Leben mit einem treuen Hund, der eine Mischung aus Schäferhund und Dackel war. Ähnlich werde ich mit der Halde von zwei oder drei unveröffentlichten Romanen, Exposés und Ideen verfahren, das heißt, das Unbrauchbare löschen und das Recycelbare behalten. Diese "ordnende" Tätigkeit bewahrt mich davor, das "Kreative" allzu schmerzlich zu vermissen und hat damit eine nicht-kreative Funktion.Und was meine Blogs angeht: Die sind von der Pause natürlich ausgenommen - es ist eine Pause des Veröffentlichens.
Kopf hoch! Es gibt noch eine Welt da draußen
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Dienstag, 24. Mai 2016
Freitag, 1. April 2016
Blaue Stunden
Eigentlich wollte ich diesen Beitrag mit den Worten "Blaue Blumen " betiteln, merkte dann aber, dass der Begriff nicht das trifft, was ich sagen wollte. Die Blaue Blume ist ein Begriff der Romantik und bezeichnet die Sehnsucht nach etwas Unerreichbarem, Unendlichen. Dabei ist sie ein Symbol für die Verbindung von Mensch und Natur sowie des Wanderns geworden. Geprägt wurde er durch den Dichter Novalis, der den frühen Tod seiner jungen Geliebten in seinem Roman "Heinrich von Ofterdingen" verarbeitete. Der kleine Ort Ofterdingen liegt übrigens nicht weit von hier: Wenn wir zur schwäbischen Alb hinüberfahren, durchqueren wir häufig diesen schmucken Platz, an dem inzwischen auch eine Gedenktafel für den "Heinrich" aufgestellt wurde. Nicht nur deswegen ist Ofterdingen ein besonderer Ort (auch wenn die Gestalt des mittelalterlichen Heinrich natürlich fiktiv sein müsste), sondern auch wegen der großen Ammoniten, die hinter der Brücke im Fluss zu sehen sind, allerdings nicht bei Hochwasser. Es sind die Tintenfische der Urzeit, die hier vor Jahrmillionen im Jurameer wohnten und allmählich versteinerten (um nicht zu sagen: verkalkten). Die blaue Blume bedeutet auch eine Art von Todessehnsucht, und die habe ich nicht gemeint. Eher Sehnsucht nach Leben.

Die blaue Stunde dagegen ist die Zeit zwischen Dämmerung und Nacht, wenn Himmel und Landschaft in einem besonders intensiven Blau erscheinen. Das hat für Fotografen eine besondere Bedeutung, aber war auch für Dichter und Schriftsteller schon immer eine, wenn auch melancholisch gefärbte, Inspiration. Der Übergang zur Nacht - darin liegt wohl das Gemeinsame der beiden Begriffe. Ich hingegen habe dieses Bild schon immer anders interpretiert. Die blaue Stunde war stets
der Moment, an dem sich etwas wandelte und etwas Neues entstand. Ein magischer Augenblick, in dem das Innere nach außen trat, wie aus einem Traum heraus. Das ist das eigentlich Romantische daran. Aber es kann auch ein seelischer Wandlungsprozess sein, der uns hilft, die vielbesprochene Resilienz zu erreichen und damit einen Schutzzaun gegen die zeitweise unerträglichen Außenbedingungen aufzubauen. Magische Momente und blaue Stunden habe ich in meiner Studentenzeit erlebt, wenn ich mich auf einer Reise frühmorgens oder abends mit dem Schiff einem fremden Land näherte. Oder wenn wir zur Dämmerstunde in einen Landgasthof fuhren, um mit Freunden zu tafeln. Eine Nacht auf einem Felsen hoch oben in der Provence, mit einem kleinen Ballon Rosé und den Lichterketten unter unseren Füßen. Die Fledermäuse, Nachtigallen und Glühwürmchen auf dem Zeltplatz. Blaue Stunden waren die Spaziergänge und Wanderungen durch Löwenzahnwiesen, Rosengärten und Blaukissenwälder, in denen es später nach Bärlauch duftete. Es waren Besuche in Kirchen mit Figuren, die in hellblaue Himmel aufstiegen oder mit streng gotischen Gewölben, Begegnungen mit Menschen, das gemeinsame Lachen über komische Situationen oder auch Bücher oder Blogeinträge, die auf irgendeine Weise berührt haben und unvergesslich wurden.

In den letzten zwei Wochen waren die blauen Stunden wie Perlen einer Kette, die selten auftraten, aber nachhaltig alles Trübe verdrängen konnten. Eine Wanderung wie jedes Jahr im Donautal, an dessen Hängen Millionen von Leberblümchen und Märzenbechern in voller Blüte standen. Ein Essen in einem traditionellen Gasthof, wo es noch so schmeckte wie früher. Eine Fahrt in den Klosterort Gengenbach, mit explodierenden Magnolien, Forsithien und Veilchen und einem bunten Leben und Treiben. Die blauen Scillawiesen bei Herrenberg. Ein Buch über den "Winter der Welt" von Ken Follet, den ich lange Zeit links liegen gelassen hatte. Und nach jeder blauen Stunde musste man wieder eintauchen in diesen Winter. Dann stöberte ich mit roten Ohren in den Büchern eines literarisch-unterhaltsamen Agenten. Dachte an die Stunden, in denen Ideen zu Romanen entstanden waren, die Stunden des rauschhaften Schreibens. Das alles hat dazu beigetragen, dass sich mit einem Mal die Schreiblust wieder regte.
Ich legte meinen Neonazi-Südamerikaroman erst mal beiseite, kramte meinen dreieinhalb Jahre alten Schwarzwaldkrimi heraus und überlegte, was mir der einzige Verlag, den ich bisher kontaktiert hatte, dazu gesagt hatte. An einigen Stellen nicht spannend genug. Ich druckte mir den Text 20-seitenweise aus und begann zu lesen. Ich dachte, die Lektorin hätte die Beschreibungen gemeint, dass die einen Krimi bremsen würden. Aber das Ambiente wurde ja durchaus gelobt. Nicht schlecht, was ich da las, aber da waren ja ganz schön viel Dialoge, vielleicht die Hälfte. Das lese ich selbst nicht gern, wenn das ganze Buch nur daraus besteht. Und - eine uralte Schwäche von mir - in diesen Dialogen wird an einigen Stellen zu viel wiederholt. Also machte ich mich daran, diese Stellen zu straffen und zu kürzen, mindestens fünf Seiten sind dadurch schon auf der Strecke geblieben. Außerdem bekommt der Roman noch eine wichtige neue Perspektive, die mir damals die ganze Zeit im Hinterkopf herumgeisterte, die ich aber nicht realisieren konnte. Genauso wird es mir mit dem anderen Roman ergehen. Wenn ich ihn eine Weile liegen lasse und dann wieder lese, wird es mir wie Schuppen von den Augen fallen. Ich ahne schon jetzt, welche Perspektiven, Schauplätze und Zeitläufte fehlen, um ihn richtig rund zu machen. Solche Dinge, solche Erlebnisse und auch solche Erkenntnisse sind für mich blaue Stunden.


Die blaue Stunde dagegen ist die Zeit zwischen Dämmerung und Nacht, wenn Himmel und Landschaft in einem besonders intensiven Blau erscheinen. Das hat für Fotografen eine besondere Bedeutung, aber war auch für Dichter und Schriftsteller schon immer eine, wenn auch melancholisch gefärbte, Inspiration. Der Übergang zur Nacht - darin liegt wohl das Gemeinsame der beiden Begriffe. Ich hingegen habe dieses Bild schon immer anders interpretiert. Die blaue Stunde war stets
der Moment, an dem sich etwas wandelte und etwas Neues entstand. Ein magischer Augenblick, in dem das Innere nach außen trat, wie aus einem Traum heraus. Das ist das eigentlich Romantische daran. Aber es kann auch ein seelischer Wandlungsprozess sein, der uns hilft, die vielbesprochene Resilienz zu erreichen und damit einen Schutzzaun gegen die zeitweise unerträglichen Außenbedingungen aufzubauen. Magische Momente und blaue Stunden habe ich in meiner Studentenzeit erlebt, wenn ich mich auf einer Reise frühmorgens oder abends mit dem Schiff einem fremden Land näherte. Oder wenn wir zur Dämmerstunde in einen Landgasthof fuhren, um mit Freunden zu tafeln. Eine Nacht auf einem Felsen hoch oben in der Provence, mit einem kleinen Ballon Rosé und den Lichterketten unter unseren Füßen. Die Fledermäuse, Nachtigallen und Glühwürmchen auf dem Zeltplatz. Blaue Stunden waren die Spaziergänge und Wanderungen durch Löwenzahnwiesen, Rosengärten und Blaukissenwälder, in denen es später nach Bärlauch duftete. Es waren Besuche in Kirchen mit Figuren, die in hellblaue Himmel aufstiegen oder mit streng gotischen Gewölben, Begegnungen mit Menschen, das gemeinsame Lachen über komische Situationen oder auch Bücher oder Blogeinträge, die auf irgendeine Weise berührt haben und unvergesslich wurden.

In den letzten zwei Wochen waren die blauen Stunden wie Perlen einer Kette, die selten auftraten, aber nachhaltig alles Trübe verdrängen konnten. Eine Wanderung wie jedes Jahr im Donautal, an dessen Hängen Millionen von Leberblümchen und Märzenbechern in voller Blüte standen. Ein Essen in einem traditionellen Gasthof, wo es noch so schmeckte wie früher. Eine Fahrt in den Klosterort Gengenbach, mit explodierenden Magnolien, Forsithien und Veilchen und einem bunten Leben und Treiben. Die blauen Scillawiesen bei Herrenberg. Ein Buch über den "Winter der Welt" von Ken Follet, den ich lange Zeit links liegen gelassen hatte. Und nach jeder blauen Stunde musste man wieder eintauchen in diesen Winter. Dann stöberte ich mit roten Ohren in den Büchern eines literarisch-unterhaltsamen Agenten. Dachte an die Stunden, in denen Ideen zu Romanen entstanden waren, die Stunden des rauschhaften Schreibens. Das alles hat dazu beigetragen, dass sich mit einem Mal die Schreiblust wieder regte.
Ich legte meinen Neonazi-Südamerikaroman erst mal beiseite, kramte meinen dreieinhalb Jahre alten Schwarzwaldkrimi heraus und überlegte, was mir der einzige Verlag, den ich bisher kontaktiert hatte, dazu gesagt hatte. An einigen Stellen nicht spannend genug. Ich druckte mir den Text 20-seitenweise aus und begann zu lesen. Ich dachte, die Lektorin hätte die Beschreibungen gemeint, dass die einen Krimi bremsen würden. Aber das Ambiente wurde ja durchaus gelobt. Nicht schlecht, was ich da las, aber da waren ja ganz schön viel Dialoge, vielleicht die Hälfte. Das lese ich selbst nicht gern, wenn das ganze Buch nur daraus besteht. Und - eine uralte Schwäche von mir - in diesen Dialogen wird an einigen Stellen zu viel wiederholt. Also machte ich mich daran, diese Stellen zu straffen und zu kürzen, mindestens fünf Seiten sind dadurch schon auf der Strecke geblieben. Außerdem bekommt der Roman noch eine wichtige neue Perspektive, die mir damals die ganze Zeit im Hinterkopf herumgeisterte, die ich aber nicht realisieren konnte. Genauso wird es mir mit dem anderen Roman ergehen. Wenn ich ihn eine Weile liegen lasse und dann wieder lese, wird es mir wie Schuppen von den Augen fallen. Ich ahne schon jetzt, welche Perspektiven, Schauplätze und Zeitläufte fehlen, um ihn richtig rund zu machen. Solche Dinge, solche Erlebnisse und auch solche Erkenntnisse sind für mich blaue Stunden.
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Montag, 21. Dezember 2015
Die Wertschätzung der Verlage
Dienstag, 25. August 2015
Das Ende der Ungeduld
Gerade wollte ich schauen, ob ich den Titel "Das Ende der Ungeduld" nicht schon einmal verwendet hatte. Dabei stieß ich auf einen meiner Blogartikel aus dem Jahr 2010, in dem zwar von der Ungeduld des Autors die Rede, der Titel aber ein anderer war. Es ging um Genrewechsel und Pseudonym. Zwei Mitautoren rieten mir zum Pseudonym, Petra van Cronenburg ermunterte mich zum eigenen Namen, zur eigenen Marke. Und eine eigene Marke ist sie auch geblieben, wie man ihrem neuesten Beitrag entnehmen kann! Diesen Kreativitätsrausch kenne ich ebenfalls, und mein Phänomen der "glühenden Ohren" hatte ich in dem Artikel beschrieben; "Grenzen der Geduld" hätte ich es auch nennen können. Ich persönlich bin eigentlich ein grenzenlos geduldiger Mensch, und in diesem Sinne wurde meine Arbeit der vegangenen mehr als dreißig Jahre auch gebührend gewürdigt. Gleichzeitig bin ich aber ein wahnsinnig ungeduldiger Zeitgenosse. Schon als Kind habe ich Bastelarbeiten, die mir nicht gleich gelangen, an die Wand geschmissen. Das änderte sich schlagartig, als ich zu schreiben und zu veröffentlichen begann. Es gehört schon eine gewaltige Portion an Geduld - oder sagen wir lieber Ausdauer und "langer Atem"- dazu, Tausende von Seiten zu füllen, dafür Verlage und Agenturen zu suchen und das über einen Zeitraum von fast fünfzehn Jahren durchzuhalten. Das noch länger zu tun grenzt vordergründig schon an grenzenlose Selbstmarter, wenn man sich die heutigen Bedingungen der Veröffentlichung näher besieht. Die großen Buchhandlungen ordern offensichtlich nur noch Taschenbücher, die von den Verlagen massiv beworben werden. Am Self Publishing ist momantan wohl nur die Tatsache motivierend, dass Amazon pünktlich zahlt und dass man jeden Tag gucken kann, wie viele hundert Seiten heute denn wieder gelesen wurden. Manch ein Autor hat die Gelegenheit ergriffen und einen eigenen Verlag gegründet. Das Ende der Fahnenstange und das der Geduld scheint erreicht. Man könnte es auch als das Erreichen einer Belastungsgenze bezeichnen. Für mich ist es aber auch das Ende der Ungeduld, denn ich kann nicht mehr bekommen, als ich schon erhalten habe. Es gibt keinen Fortschritt mehr außer dem, den ich selber mache.
Das Ganze ist aber völlig zweitrangig, wenn man die Kulturschaffenden, die Autoren betrachtet. Ich höre nichts davon, dass sie massenweise aufgeben oder sich mit dem Gedanken tragen, aufzuhören. Nein, mit jedem neuen Buch brechen sie wieder auf in die von ihnen selbst geschaffene Welt. Und es wird immer Leser geben, die ihnen dorthin folgen. Auch ich habe ein Projekt, dessen Anfänge fast zehn Jahre zurückreichen. Vor einiger Zeit hat es mich gebissen, dann war ich wieder abgelenkt. Wunderte mich, dass es mich nicht mehr zum Schreibtisch gezogen hat. Bis ich (nach einigen Fragen meines Testlesers) darauf kam, dass das Vorhaben nicht schlüssig war und deshalb nicht funktionierte. Ich habe dann zwei Figuren und einen überflüssigen Mord rausgeworfen, die hatten den Handlungsfluss gestört. So richtig reinstürzen kann ich mich zwar immer noch nicht, weil ich für ein paar Tage in einer familiären Angelegenheit nach Hamburg muss. Aber vielleicht lässt mich die Zugfahrt auch ein wenig kreativ sein. In Hamburg kann ich einige Schauplätze meines Romans in Augenschein nehmen. Und dann gibt es noch den Krimi, der von einem kleineren Publikusverlag nicht veröffentlicht wurde, weil er an einigen Stellen nicht spannend genug gewesen sei. Ob sie damit meinten, die Polizeiarbeit hätte zu wenig im Vordergrund gestanden? Waren es zu wenig Dialoge, die ich beim Lesen gar nicht schätze, wenn das ganze Buch nur daraus besteht?
Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur weiterzuschreiben, sondern auch an "meinen Themen" Achtsamkeit, Resilienz (Belastbarkeit), Burnout, Grenzen und soiale Medien dranzubleiben. Und so werde ich mich für Mitte Oktober wieder im Kloster Heiligkreuztal anmelden. Da geht es um die Grenzen gegenüber anderen, aber auch um Belastbarkeitsgrenzen. Durchgeführt wird das Seminar von einer Psychotherapeutin mit einem Lehrauftrag in Innsbruck, die sich ebenfalls mit Burnout, Trauma und ähnlichen Themen beschäftigt. Ich erwarte mir davon Abstand und die Erfahrung von Grenzen, meinen Grenzen und denen der anderen.
Das Ganze ist aber völlig zweitrangig, wenn man die Kulturschaffenden, die Autoren betrachtet. Ich höre nichts davon, dass sie massenweise aufgeben oder sich mit dem Gedanken tragen, aufzuhören. Nein, mit jedem neuen Buch brechen sie wieder auf in die von ihnen selbst geschaffene Welt. Und es wird immer Leser geben, die ihnen dorthin folgen. Auch ich habe ein Projekt, dessen Anfänge fast zehn Jahre zurückreichen. Vor einiger Zeit hat es mich gebissen, dann war ich wieder abgelenkt. Wunderte mich, dass es mich nicht mehr zum Schreibtisch gezogen hat. Bis ich (nach einigen Fragen meines Testlesers) darauf kam, dass das Vorhaben nicht schlüssig war und deshalb nicht funktionierte. Ich habe dann zwei Figuren und einen überflüssigen Mord rausgeworfen, die hatten den Handlungsfluss gestört. So richtig reinstürzen kann ich mich zwar immer noch nicht, weil ich für ein paar Tage in einer familiären Angelegenheit nach Hamburg muss. Aber vielleicht lässt mich die Zugfahrt auch ein wenig kreativ sein. In Hamburg kann ich einige Schauplätze meines Romans in Augenschein nehmen. Und dann gibt es noch den Krimi, der von einem kleineren Publikusverlag nicht veröffentlicht wurde, weil er an einigen Stellen nicht spannend genug gewesen sei. Ob sie damit meinten, die Polizeiarbeit hätte zu wenig im Vordergrund gestanden? Waren es zu wenig Dialoge, die ich beim Lesen gar nicht schätze, wenn das ganze Buch nur daraus besteht?
Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur weiterzuschreiben, sondern auch an "meinen Themen" Achtsamkeit, Resilienz (Belastbarkeit), Burnout, Grenzen und soiale Medien dranzubleiben. Und so werde ich mich für Mitte Oktober wieder im Kloster Heiligkreuztal anmelden. Da geht es um die Grenzen gegenüber anderen, aber auch um Belastbarkeitsgrenzen. Durchgeführt wird das Seminar von einer Psychotherapeutin mit einem Lehrauftrag in Innsbruck, die sich ebenfalls mit Burnout, Trauma und ähnlichen Themen beschäftigt. Ich erwarte mir davon Abstand und die Erfahrung von Grenzen, meinen Grenzen und denen der anderen.
Dienstag, 4. August 2015
Bücher veröffentlichen heute
So, die Rabattaktion ist beendet. Und sie hat mir den Effekt gebracht, den ich damit verfolgte: Das Ebook ist jetzt in seiner Kategorie sichtbar geworden, hat dabei das vorige Buch ein wenig mitgezogen. Neuerdings können wir als Autoren ja direkt mitverfolgen, wieviele Seiten der Bücher gelesen werden. Dabei entsteht lustigerweise ein Konkurrenzspielchen zwischen "Nacht des Wolfes" und "Teufelswerk". Im letzten Monat lief der Teufel dem Wolf davon, jetzt sammelt Letzterer doppelt so viel gelesene Seiten! Amazon kümmert sich sehr um seine Autoren, das muss man ihm lassen. Wahrscheinlich hat es auch allen Grund dazu, denn wie ich gerade wieder einmal in der Selfpulisherbibel gesehen habe, eröffnete kürzlich sogar die Mayersche Buchhandlung eine Self Publishing-Plattform, nach Tolino und diversen anderen. Die Mayersche kannte ich, seit dort ein Buch von mir erhältlich und auf der Plattform "Lies mich" gelistet war. Welche Ziele diese Verlage und die Buchhandlungen damit wohl verfolgen? Erst einmal dem Monopolisten etwas entgegensetzen, das erscheint absolut logisch, und dabei den Autoren mit den Konditonen entgegenzukommen. Außerdem werden sie versuchen, neue, für die Verlagslandschaft hoffnungsvolle Talente zu entdecken. Das Prinzip ist immer dasselbe: Für wen am meisten gevoted wird, wer am meisten Bücher verkauft, dem wird gegeben. So kann man bei der Mayerschen auch ein Buchcover gewinnen, wenn man viel verkauft. Ich schätze aber mal, dass die Leistungen durch Lektorat, Korrektorat, Covergestaltung und Vermarktung dabei in Anspruch genommen werden sollten-und das sicher nicht bei allen umsonst! Es war also für einen Autor nie so einfach wie heute, seine Werke an die Leser zu bringen. Aber der Weg zur nachhaltigen Etablierung hat sich wenig geändert. Außer einem handwerklich einwandfreien Manuskript muss der Autor eine zündende Idee rüberbringen, bereit sein, an seinem Text zu arbeiten. Das Ganze scheint mir ein wenig wie diese Wandlung beim Einkaufen innerhalb der letzten Jahrzehnte: Während früher der Kunde vor der Theke stand und aus den Regalen auswählte, was er brauchte, fährt er jetzt mit einem überdimensionierten Einkaufswagen durch endlose Reihen von Regalen. Auf diesem Weg, der mittlerweile zu einer Fußreise von einer halben Stunde ausarten kann, hat der Kunde (wie auch im übertragenen Sinn der Autor) eine unendliche Menge von Möglichkeiten. Aber seine Ware musste schon immer so gut sein, dass sie Leser überzeugte, und sie muss auch heute noch so gut sein.
Nach Versorgung meines E-Books, die sich einige Zeit hinzog, habe ich mich endlich wieder an meinen neuen Roman gemacht. Ein erstes Kapitel ist entstanden, das Exposé ist im Werden. Für meine bisherigen Bücher hatte ich nie "professionelle" Exposés verfasst, eher Klappentexte. Erst kurz vorm Lektorat bekam der Lektor das gesamte Exposé. Da ich den neuen Roman aber nicht mehr im SP veröffentlichen, sondern eine Agentur oder einen Verlag suchen möchte, komme ich wohl nicht drum herum. Dabei habe ich gelernt, dass ein Exposé kein Handlungsabriss ist, sondern eine Vorstellung der Idee, der Charaktere und des dramatischen Aufbaus. Manche Agenturen und Verlage wollen bis zu drei Seiten, manche nur eine, aber alle wünschen bis zu dreißig Seiten Probetext. Ich finde diese Situation sehr reizvoll. Muss keine Markterwartungen bedienen, kann das Buch schreiben, das ich schon immer mal schreiben wollte. Und mich dann im Supermarkt der Möglichkeiten umschauen, wer den Zuschlag erhalten soll.
Nach Versorgung meines E-Books, die sich einige Zeit hinzog, habe ich mich endlich wieder an meinen neuen Roman gemacht. Ein erstes Kapitel ist entstanden, das Exposé ist im Werden. Für meine bisherigen Bücher hatte ich nie "professionelle" Exposés verfasst, eher Klappentexte. Erst kurz vorm Lektorat bekam der Lektor das gesamte Exposé. Da ich den neuen Roman aber nicht mehr im SP veröffentlichen, sondern eine Agentur oder einen Verlag suchen möchte, komme ich wohl nicht drum herum. Dabei habe ich gelernt, dass ein Exposé kein Handlungsabriss ist, sondern eine Vorstellung der Idee, der Charaktere und des dramatischen Aufbaus. Manche Agenturen und Verlage wollen bis zu drei Seiten, manche nur eine, aber alle wünschen bis zu dreißig Seiten Probetext. Ich finde diese Situation sehr reizvoll. Muss keine Markterwartungen bedienen, kann das Buch schreiben, das ich schon immer mal schreiben wollte. Und mich dann im Supermarkt der Möglichkeiten umschauen, wer den Zuschlag erhalten soll.
Mittwoch, 11. März 2015
Besser werden
Derweil alle anderen mit Schreiben, Vorbereitung auf die Leipziger Messe und anderem beschäftigt sind, während von draußen das blaue Band des Frühlings hereinflattert, sitze ich hier vor meinem Monitor und fühle mich glücklich, weil ich das Lektorat meines historischen Kriminalromans soeben beendet habe. Es ist rundum rund in meinen Augen, und selbst wenn später Leser noch irgendwelche Fehler finden sollten, so finden sie die auch nach einem Verlagslektorat. Den Text drucke ich peu á peu aus und werde noch einmal sorgfältig darübergehen. Nächste Woche gibt es noch die letzte Runde des Lektorats.
Kürzlich habe ich bei Andreas Eschbach und anderen etwas zum Thema "Besser werden" gelesen. Das kann man mit entsprechender Suche nachlesen. Dann verfolgte ich in einer Pause die Diskussion in der KDP-Community mit einem Autor, der um Tipps zum Vermarkten bat, weil sein Ebook sich nur einmal verkauft hatte. Die anderen stiegen darauf ein, schauten sich das Cover an, das selbst gestrickt wirkte und fanden auch prompt Fehler in der Interpunktion. Darüber möchte ich mich gar nicht erheben. Mit Schrecken fiel mir ein, dass ich vor gefühlten Ewigkeiten mit einer lustigen Geschichte in die Schreibwerkstatt einstieg. Jemand fiel fast vom Stuhl vor Lachen, aber ein anderer meinte, ich solle doch die Weihnachtsbaumkerzen ohne Aal -- und Krabbenduft brennen lassen. Und hinter eine wörtliche Rede gehöre ein Komma hinter die Anführungszeichen. Das hatte ich in der Schule nicht gelernt. Ich war sowieso ein vollkommener Analphabet, was das Schreiben von Kurzgeschichten wie auch das von Romanen betrifft. Feuilletonschreiben, ja, das hatte ich gelernt. So eignete ich mir von der Pike auf alles an, was an Handwerk dazu gehört, einschließlich der Veröffentlichung bei Verlagen, dem Schreiben von Exposés und dem Kontakt mit einer Agentur. Und wenn ich glaubte, ich hätte den Stein der Weisen des Exposés endlich gefunden, dann war das noch lange nicht genug. Genug wird auch jetzt nicht genug sein, wie Konstantin Wecker sang.
Durch das alles bin ich im Laufe der Jahre besser geworden, vor allem durch Lesen ohne Ende, durch Kritik von Kollegen, Agent, Lektoren, selbst die Kritiken bei Amazon haben mich weiter gebracht, wenn sie den Finger auf eine bestimmte Wunde legten und nicht nur beklagten, dass die Bücher von Autor Y ihnen aber besser gefallen. Mein Roman, den ich gerade beendet habe, erscheint mir (wie öfter schon) als der Beste, den ich je schrieb. Dabei weiß ich genau, dass es eine Art Verliebtheit in das eigene Werk ist, das andere durch eine ganz andere Brille sehen. Und es ist noch lange nicht genug mit dem Besserwerden. Da hätte ich noch eine Empfehlung für Autoren, die nichts anderes wollen, als ihr Buch zu veröffentlichen und dabei die Verlagshürde mit all ihren Dornen nicht nehmen wollen: Wartet, bis der Text reif ist, legt ihn immer wieder beiseite und arbeitet ihn nochmal durch, lasst Profis drüberschauen, lest, bildet euch fort. Dann könnt ihr mit der Zeit immer besser werden und immer mehr Leser erreichen, die sich auf eure kommenden Bücher freuen.
Kürzlich habe ich bei Andreas Eschbach und anderen etwas zum Thema "Besser werden" gelesen. Das kann man mit entsprechender Suche nachlesen. Dann verfolgte ich in einer Pause die Diskussion in der KDP-Community mit einem Autor, der um Tipps zum Vermarkten bat, weil sein Ebook sich nur einmal verkauft hatte. Die anderen stiegen darauf ein, schauten sich das Cover an, das selbst gestrickt wirkte und fanden auch prompt Fehler in der Interpunktion. Darüber möchte ich mich gar nicht erheben. Mit Schrecken fiel mir ein, dass ich vor gefühlten Ewigkeiten mit einer lustigen Geschichte in die Schreibwerkstatt einstieg. Jemand fiel fast vom Stuhl vor Lachen, aber ein anderer meinte, ich solle doch die Weihnachtsbaumkerzen ohne Aal -- und Krabbenduft brennen lassen. Und hinter eine wörtliche Rede gehöre ein Komma hinter die Anführungszeichen. Das hatte ich in der Schule nicht gelernt. Ich war sowieso ein vollkommener Analphabet, was das Schreiben von Kurzgeschichten wie auch das von Romanen betrifft. Feuilletonschreiben, ja, das hatte ich gelernt. So eignete ich mir von der Pike auf alles an, was an Handwerk dazu gehört, einschließlich der Veröffentlichung bei Verlagen, dem Schreiben von Exposés und dem Kontakt mit einer Agentur. Und wenn ich glaubte, ich hätte den Stein der Weisen des Exposés endlich gefunden, dann war das noch lange nicht genug. Genug wird auch jetzt nicht genug sein, wie Konstantin Wecker sang.
Durch das alles bin ich im Laufe der Jahre besser geworden, vor allem durch Lesen ohne Ende, durch Kritik von Kollegen, Agent, Lektoren, selbst die Kritiken bei Amazon haben mich weiter gebracht, wenn sie den Finger auf eine bestimmte Wunde legten und nicht nur beklagten, dass die Bücher von Autor Y ihnen aber besser gefallen. Mein Roman, den ich gerade beendet habe, erscheint mir (wie öfter schon) als der Beste, den ich je schrieb. Dabei weiß ich genau, dass es eine Art Verliebtheit in das eigene Werk ist, das andere durch eine ganz andere Brille sehen. Und es ist noch lange nicht genug mit dem Besserwerden. Da hätte ich noch eine Empfehlung für Autoren, die nichts anderes wollen, als ihr Buch zu veröffentlichen und dabei die Verlagshürde mit all ihren Dornen nicht nehmen wollen: Wartet, bis der Text reif ist, legt ihn immer wieder beiseite und arbeitet ihn nochmal durch, lasst Profis drüberschauen, lest, bildet euch fort. Dann könnt ihr mit der Zeit immer besser werden und immer mehr Leser erreichen, die sich auf eure kommenden Bücher freuen.
Mittwoch, 25. Februar 2015
Ran an den SP-eck! Selbstbestimmt schreiben
In den letzten Tagen habe ich mich mit meiner Steuererklärung für 2014 beschäftigt. Das Elster-Formular geht mir dabei immer leichter von der Hand. Habe sie auch fertig, bis auf ein Formular, das mir noch geschickt werden muss. Dabei habe ich mir wieder einmal an den Kopf geschlagen. Das Verlagskonto wies einen dreistelligen Minusbetrag auf, während sich die Self-Publisher-Einnahmen (eines einzigen Buches) in acht Monaten auf mehr als die Gesamtjahreseinnahme eines durchschnittlichen Verlagsbuches summierten. Den durchschnittlichen Erlös von einem größeren Verlag, wohlgemerkt. Die Kleinverlagsbücher sind schon weg oder befinden sich im modernen Antiquariat. Ich wiederhole mich gern: Was nützen mir einige zehntausend verkaufte Bücher, die ein paar Monate auf dem Stapel lagen, wenn davon nichts bleibt, nicht einmal eine Einnahme? Und auch keinerlei Einnahmen aus der Verramschung.
Jetzt kam gestern die Standardabsage einer Agentur, der zweiten, der ich meinen historischen Kriminalroman geschickt hatte. Sechs Tage hatte es gedauert, bis eine Eingangsbestätigung kam, zwölf Tage bis zur Absage. Die dritte Agentur schickt grundsätzlich keine Absagen, womit das Thema denn auch erledigt wäre. Ich möchte das Manuskript jetzt nicht mehr herumschicken, das geht allmählich an die Schreibsubstanz und an die Lebenszeit. So habe ich Exposé und Leseprobe jetzt an eine befreundete Lektorin geschickt, um zunächst ein Probelektorat zu machen. Die Erfahrung mit dem E-Book "Teufelswerk" hat mir Mut dazu gemacht. Eine einmalige Rabattaktion im Juni 14 brachte die Geschichte zum Laufen, bis heute. Die Abhängigkeit von Amazon ist mir durchaus angenehm. Bei keinem meiner Bücher habe ich bisher dieses tolle Gefühl genossen, alles selber entscheiden zu können. Mich nicht unter Druck setzen zu müssen. Reklame musste ich keine mehr machen, und ich weiß auch nicht, ob sie was gebracht hätte. Auf Facebook hatte ich das Buch vorgestellt, und ein paar Leute wollten es kaufen und lesen. Ob sie es getan haben, weiß ich nicht. Auf jeden Fall habe ich es den Verlagen und der Agentur zu verdanken, dass ich mir einen gewissen Namen gemacht habe. Selbst mein Ebook erscheint auf einer Piratenplattform, hört, hört. Aber so kann ich nicht ewig weitermachen, es ist einfach zermürbend. Und deshalb freue ich mich, jetzt endlich den Entschluss gefasst zu haben.
Ab Anfang Juni habe ich Urlaub und muss danach den ganzen Sommer nicht und nie mehr arbeiten für meinen Unterhalt. Da ist es eine gute Perspektive, wenn ich frei beweglich bin und Zeit habe, meine Autorentätigkeit weiterzuentwickeln. In diesem Sommer könnte ich mein erstes ganz eigenes Ebook herausbringen, später dann den Schwarzwaldkrimi. Und ich schreibe schon wieder, einen alt gehegten Wunschroman über eine Begebenheit aus den dreißiger Jahren, über das alte und neue Hamburg und die Steppen und Urwälder Argentiniens. Am Wochenende war mal wieder Trübsalwetter angesagt. Beim Kruschteln in meinem Schreibtischarchiv entdeckte ich Briefe, die ich als Neunzehnjährige an meine Familie aus Argentinien geschrieben hatte. Auf Pergament mit einer alten Reiseschreibmaschine. Die Reiserouten konnte ich dabei gut verfolgen-nach Puerto Iguaçu und nach Bariloche. Dabei könnte ich mir gut vorstellen, auch wieder für Verlage zu schreiben, ein Wander-und Reisebuch zum Beispiel, biografische Romane und psychologische Ratgeber.
Jetzt kam gestern die Standardabsage einer Agentur, der zweiten, der ich meinen historischen Kriminalroman geschickt hatte. Sechs Tage hatte es gedauert, bis eine Eingangsbestätigung kam, zwölf Tage bis zur Absage. Die dritte Agentur schickt grundsätzlich keine Absagen, womit das Thema denn auch erledigt wäre. Ich möchte das Manuskript jetzt nicht mehr herumschicken, das geht allmählich an die Schreibsubstanz und an die Lebenszeit. So habe ich Exposé und Leseprobe jetzt an eine befreundete Lektorin geschickt, um zunächst ein Probelektorat zu machen. Die Erfahrung mit dem E-Book "Teufelswerk" hat mir Mut dazu gemacht. Eine einmalige Rabattaktion im Juni 14 brachte die Geschichte zum Laufen, bis heute. Die Abhängigkeit von Amazon ist mir durchaus angenehm. Bei keinem meiner Bücher habe ich bisher dieses tolle Gefühl genossen, alles selber entscheiden zu können. Mich nicht unter Druck setzen zu müssen. Reklame musste ich keine mehr machen, und ich weiß auch nicht, ob sie was gebracht hätte. Auf Facebook hatte ich das Buch vorgestellt, und ein paar Leute wollten es kaufen und lesen. Ob sie es getan haben, weiß ich nicht. Auf jeden Fall habe ich es den Verlagen und der Agentur zu verdanken, dass ich mir einen gewissen Namen gemacht habe. Selbst mein Ebook erscheint auf einer Piratenplattform, hört, hört. Aber so kann ich nicht ewig weitermachen, es ist einfach zermürbend. Und deshalb freue ich mich, jetzt endlich den Entschluss gefasst zu haben.
Ab Anfang Juni habe ich Urlaub und muss danach den ganzen Sommer nicht und nie mehr arbeiten für meinen Unterhalt. Da ist es eine gute Perspektive, wenn ich frei beweglich bin und Zeit habe, meine Autorentätigkeit weiterzuentwickeln. In diesem Sommer könnte ich mein erstes ganz eigenes Ebook herausbringen, später dann den Schwarzwaldkrimi. Und ich schreibe schon wieder, einen alt gehegten Wunschroman über eine Begebenheit aus den dreißiger Jahren, über das alte und neue Hamburg und die Steppen und Urwälder Argentiniens. Am Wochenende war mal wieder Trübsalwetter angesagt. Beim Kruschteln in meinem Schreibtischarchiv entdeckte ich Briefe, die ich als Neunzehnjährige an meine Familie aus Argentinien geschrieben hatte. Auf Pergament mit einer alten Reiseschreibmaschine. Die Reiserouten konnte ich dabei gut verfolgen-nach Puerto Iguaçu und nach Bariloche. Dabei könnte ich mir gut vorstellen, auch wieder für Verlage zu schreiben, ein Wander-und Reisebuch zum Beispiel, biografische Romane und psychologische Ratgeber.
Mittwoch, 11. Februar 2015
Das Verkaufsexposé und die Ebookleser
Seit dem letzten Eintrag habe ich Schwerstarbeit geleistet, so scheint es mir, vielleicht bin ich aber auch nur vom Wetterwechsel so müde. Ich habe nicht gewusst, dass es eine derartige Wissenschaft für sich ist, ein Verkaufsexposé zu schreiben. In meinen bisherigen Verlagen ging es da immer recht gemütlich zu, das muss ich sagen. Dem ersten Verleger schrieb ich ein paar Sätze, die ihn schon völlig davon überzeugten, dass er das Buch nehmen würde, beim zweiten lief es ähnlich. Dann gings zum Agenten, der mich dann sieben Jahre lang vertrat. Auch hier genügte eine kürzere Inhaltsbeschreibung und eine Leseprobe, die ihn grundsätzlich davon überzeugten, dass da ein Potenzial wäre. Und später genügten halbseitige Beschreibungen mit Cliffhanger für den Lektor, der immer erst kurz vor dem Lektorat das Langexposé mit Auflösung bekam. Jetzt habe ich ein bis zwei Wochen intensiv an einem Verkaufsexposé gearbeitet. Und diesmal scheint es auch ziemlich professionell zu sein. Ca. zwei Normseiten, mit allem Drum und Dran. Wertvolle Hinweise dazu erhielt ich bei der Autorin und Lektorin Anni Bürkl: Was in ein Exposé gehört und was nicht. Gut sind auch die Tipps auf der Webseite der Agentur Thomas Schlück. Dort habe ich mich heute nicht beworben, sondern bei zwei anderen, zwei von den vielen, die ich ganz genau geprüft habe - mitsamt den Autoren, die dort vertreten sind und ihren Büchern.
Wer meine Entwicklung bis hierher verfolgt hat, wird sich jetzt fragen: Steht denn die Entscheidung zwischen Verlagsautor und Self Publisher immer noch an? Jein, würde ich antworten. Was ich bei einem Rundumgucker bei Buchreport usw. gesehen habe, zeigt mir, dass ich mit SP weiterhin die unschätzbaren Vorteile der Cover- und Klappentextgestaltung habe und mehr verdiene als mit Verlagsbüchern. Was beiden Veröffentlichungsformen gleich ist, wäre die Notwendigkeit der Sichtbarkeit und die Schnelligkeit, mit der man neue Bücher produzieren muss. Dazu habe ich einmal die andere Sicht gesehen, nämlich die der Ebookleser. Was halten die eigentlich von den Self Publishern?
Wer meine Entwicklung bis hierher verfolgt hat, wird sich jetzt fragen: Steht denn die Entscheidung zwischen Verlagsautor und Self Publisher immer noch an? Jein, würde ich antworten. Was ich bei einem Rundumgucker bei Buchreport usw. gesehen habe, zeigt mir, dass ich mit SP weiterhin die unschätzbaren Vorteile der Cover- und Klappentextgestaltung habe und mehr verdiene als mit Verlagsbüchern. Was beiden Veröffentlichungsformen gleich ist, wäre die Notwendigkeit der Sichtbarkeit und die Schnelligkeit, mit der man neue Bücher produzieren muss. Dazu habe ich einmal die andere Sicht gesehen, nämlich die der Ebookleser. Was halten die eigentlich von den Self Publishern?
- Selbst ist der Autor
- 29% sagen, dass der Buchmarkt durch Selfpublishing größer und vielfältiger wird
- 25% der Befragten stimmt der Aussage zu, dass es durch Eigenpublikationen der Autoren mehr Bücher gibt, die ihrem persönlichen Geschmack entsprechen
- 31% finden gut, dass die Texte preiswerter sind als andere Publikationen
- 22% sind der Ansicht, dass die Beziehung zwischen Lesern und Autoren von Selfpublishing-Texten intensiver ist
- Auf der anderen Seite vermissen 24% die Qualitätskontrolle der Verlage
- 15% sind der Meinung, dass durch Selfpublishing zu viele schlechte Bücher auf den Markt kommen.
Montag, 8. Dezember 2014
Vom Glück "Ende" schreiben zu können!
Unabhängig von allen Irritationen habe ich, wie Sabine Schäfers es so schön in ihrem Blog Dies ist das Ende beschreibt, in der letzten Zeit weiter an meinem historischen Krimi aus dem 18. Jahrhundert geschrieben. Titel wird noch nicht preisgegeben. Dieser Roman hat mich die ganzen letzten Jahre begleitet, wurde dreimal neu konzipiert. Ursprünglich als Revolutionsroman einer Viererbeziehung geplant, auf süddeutschem Boden angesiedelt, ist es jetzt ein Roman in der vorrevolutionären Zeit, und es ist letztendlich eine Viererbeziehung darin zu erkennen. Die Figuren waren nämlich alle schon da, nur eine wurde rausgeworfen, eine kam neu hinzu. Eine Blogleserin namens Alexina hatte mich immer wieder ermutigt, ihn zu schreiben. Bis mein damaliger Agent den Riegel vorschob und meinte "Das geht gar nicht!" Nach der Veröffentlichung meines E-Books im Juni hatte ich mich wieder an diesen Roman gemacht. Und bin durch ganz spannende Prozesse und historisch dunkle Zeiten gegangen. Bis zum Schluss wusste ich nicht, wer von den Beteiligten sterben würde. Jetzt ist er für mich rund, und ich bin so zufrieden und happy wie immer nach Beendigung eines größeren Textes. Es ist mein neunter Roman, der zweite Unveröffentlichte.
Den Versuch, selbst ein Buch bei einem Verlag unterzubringen, habe ich nun endgültig aufgegeben. Ohne Agent wird man nicht wahrgenommen, außer bei sehr kleinen Verlagen. Der neue historische Krimi wurde bisher noch nirgends angeboten, der Jetztzeitkrimi beim Hausverlag, einer Agentur und bei Emons. Bevor ich beide selbst veröffentliche, versuche ich es mit dem Neuen wahrscheinlich noch einmal bei zwei Agenturen. Doch das ist Zukunftsmusik. Erst einmal genieße ich das Gefühl, wieder einmal etwas zu einem Ende gebracht und eine ganze Zeit mit meinen Figuren gelebt zu haben. Musik, Kochen, Aufräumen, Einkaufen, Kaffee trinken, Wandern im Schwarzwald, das ist jetzt die Devise!
Den Versuch, selbst ein Buch bei einem Verlag unterzubringen, habe ich nun endgültig aufgegeben. Ohne Agent wird man nicht wahrgenommen, außer bei sehr kleinen Verlagen. Der neue historische Krimi wurde bisher noch nirgends angeboten, der Jetztzeitkrimi beim Hausverlag, einer Agentur und bei Emons. Bevor ich beide selbst veröffentliche, versuche ich es mit dem Neuen wahrscheinlich noch einmal bei zwei Agenturen. Doch das ist Zukunftsmusik. Erst einmal genieße ich das Gefühl, wieder einmal etwas zu einem Ende gebracht und eine ganze Zeit mit meinen Figuren gelebt zu haben. Musik, Kochen, Aufräumen, Einkaufen, Kaffee trinken, Wandern im Schwarzwald, das ist jetzt die Devise!
Freitag, 14. November 2014
Rückblenden
Ich weiß, dass es für normale Blogleser eher langweilig ist, über das schreiberische Tun eines Autors zu lesen. Und auch ich selbst lese bei anderen nicht besonders gern über diese Vorgänge. Aber draußen ist tiefster, trüber November, und ich habe nichts anderes zu berichten außer darüber vielleicht, dass wir morgen wieder eine Supervision haben und dass ich mir dringend gefütterte Winterstiefel kaufen muss. Die Winterreifen sind gestern auch draufgekommen, teuer genug. Und dann wollen wir mal hoffen, dass es sich dieses Jahr auch lohnt.Nach meiner Erinnerung hatten wir im letzten Oktober Schnee und dann für den Rest des Winters nur noch gemischte Pampe. Aber immerhin hatte ich in jenem Winter den Krimi abgeschlossen und im Frühjahr mein E-Book bearbeitet und am 8. Juni veröffentlicht.
Nun bin ich in einen Schreibfluss geraten, dessen ich längere Zeit entbehren
musste. Und in diesem Schreibfluss tut sich das erste Mal in meinem Leben die Frage auf, ob ich nicht eine oder zwei Rückblenden verwenden muss, um die Geschichte rund zu machen. Dazu muss ich sagen, dass ich Rückblenden hasse. Ich habe es immer gehasst, wenn in einem Roman eine Person eingeführt wurde und dann gleich eine Rückblende kam, warum und wie sie geworden ist, wie sie jetzt ist. Einmal las ich einen Thriller, der damit begann, dass auf jemanden geschossen wurde. Anstatt nun zu erfahren,was mit dieser armen Person weiter geschieht, kam eine Rückblende über viele Seiten, darüber, was der Mann alles erlebt hatte, das dazu führte, dass es nun kam, wie es kam. Niemlas würde ich meine tatsächlichen und potentiellen Leser mit so etwas langweilen, das hatte ich mir geschworen. Und nun gehöre ich selbst zu den Autoren, die diese Mittel einsetzen müssen, um Handlung und innersten Kern einer Geschichte voranzutreiben und sichtbar zu machen. Ich habe vor dieser Notwendigkeit kapituliert und werde es angehen. Und ich gehe es, entgegen meiner Befürchtungen, mit großer Spannung und Begeisterung an. Mögen spätere potentielle Leser, Lektoren, Agenten auch einst etwas daran auszusetzen haben. Diesmal will ich's!
Nun bin ich in einen Schreibfluss geraten, dessen ich längere Zeit entbehren
musste. Und in diesem Schreibfluss tut sich das erste Mal in meinem Leben die Frage auf, ob ich nicht eine oder zwei Rückblenden verwenden muss, um die Geschichte rund zu machen. Dazu muss ich sagen, dass ich Rückblenden hasse. Ich habe es immer gehasst, wenn in einem Roman eine Person eingeführt wurde und dann gleich eine Rückblende kam, warum und wie sie geworden ist, wie sie jetzt ist. Einmal las ich einen Thriller, der damit begann, dass auf jemanden geschossen wurde. Anstatt nun zu erfahren,was mit dieser armen Person weiter geschieht, kam eine Rückblende über viele Seiten, darüber, was der Mann alles erlebt hatte, das dazu führte, dass es nun kam, wie es kam. Niemlas würde ich meine tatsächlichen und potentiellen Leser mit so etwas langweilen, das hatte ich mir geschworen. Und nun gehöre ich selbst zu den Autoren, die diese Mittel einsetzen müssen, um Handlung und innersten Kern einer Geschichte voranzutreiben und sichtbar zu machen. Ich habe vor dieser Notwendigkeit kapituliert und werde es angehen. Und ich gehe es, entgegen meiner Befürchtungen, mit großer Spannung und Begeisterung an. Mögen spätere potentielle Leser, Lektoren, Agenten auch einst etwas daran auszusetzen haben. Diesmal will ich's!
Donnerstag, 30. Oktober 2014
Schreibteufelchens Flucht
Mir träumte gestern Morgen, jemand hätte "Schreibteufelchens Flucht" in
meinen Blog geschrieben, und zwar rechts im Layout, gut sichtbar für
jedermann und -frau und -kind. Da könnte durchaus etwas dran sein. Es
suggeriert mir Bilder, die in den letzten vierzehn Jahren entstanden
sind. Mein Schreibteufelchen ist wirklich seit geraumer Zeit spurlos
verschwunden. Was waren das für heimelige Zeiten, als es noch regelmäßig
hinter dem Vorhang hervor kam oder durchs Fenster hereinritt, Pech und
Schwefelgeruch im Gepäck. Es hat mich immer begleitet, und seine
Ratschläge waren nicht nur witzig, sondern oft auch richtig gut. Ist es
geflohen, weil schon alles gesagt ist? Weil ihm keiner mehr zuhört? Es
hat sich eine Menge ansehen und -hören müssen. Da waren zunächst die
Verlage, die immer so lange auf sich warten ließen. Du bist einfach nur
zu ungeduldig, hat es damals gesagt. Dann kam der Agent, der es gern
frauenlastig und happyendmäßig haben wollte. Schreib dein eigenes Ding,
hat es immer gesagt und sich kaputt gelacht über die Reihen der ewig
gleichen Cover und Klappentexte in den heiligen Hallen der Bücher. Es
hat den Kopf geschüttelt über die Monopolisten, die alles an sich
rafften, und ist schnaubend den Schornstein hinaufgefahren, als der
nächste Monopolgigant kam und sich breit machte in der Bücherwelt. Ja,
es hätte genickt und den Daumen hoch gehalten, als die Autoren sich
langsam emanzipierten. Doch da war das Teufelchen schon gar nicht mehr
da. Es hatte die Flucht ergriffen, weil es wusste, dass die Autoren
schon selber wüssten, wie sie dem Sumpf der Abhängigkeit entfliehen
würden. Die Verlage sicherten sich die E-Bookrechte, weil sie einen
guten Absatz witterten. Doch eine Schar von ritterlichen Befreiern
machte ihnen weniger oder mehr einen Strich durch die Rechnung. Wie eine
wilde Räuberbande fielen sie über die Bücher her, scannten wie die
Teufel und rissen sich alles, was nicht niet-und nagelfest in der
Buchladenecke verstaubte, digitalisierend unter den Diebesnagel. Doch am Grunde der Moldau, da wandern die Steine, was groß ist bleibt groß
nicht und klein nicht das Kleine (B. Brecht). Hört man heute noch
jemanden über die Bücherklauer jammern? Nein, denn es gab die große
Revolution.
Seit einigen Jahren sind Autoren dazu übergegangen, den Verlagen nicht mehr hinterherzurennen. Auch etablierte Autoren veröffentlichen selbst, profimäßig, was sie bei Verlagen nicht unterkriegen. Viele sind es auch einfach leid, nach Vorgaben arbeiten zu müssen. Gut, nun waren die E-Books da und die Autoren konnten selber bestimmen, was auf ihren Covern und in ihren Klappentexten stand. Doch wie es das Leben nun mal will, gibt es keinen Stillstand. Wie sagt man noch, wenn man den Partner wechselt und irgendwann merkt, dass dort auch nur mit Wasser gekocht und oder mit Geldscheinen gewedelt wird: Es kommt nichts Besseres nach. Der Autorenprinz, der die Freiheit versprach, der viel Geld unter viele Autoren brachte und viel Ruhm für einige wenige, ist möglicherweise auch nur ein Frosch, der die Backen aufbläst, um imposanter zu erscheinen. Noch ist er besser als alle analogen Verlage, noch hat er schnelle Abrechnungen, schnellen Support, schnelles Hochladen des Buches und schnelles Runterladen desselben. Und es bleibt im Schaufenster, wenn es nur genügend Aufmerksamkeit bekommen hat. Die Verlage legen vor, verlegen Bücher nach Schonfrist, rechnen im Mittelaltertempo ab und verkaufen die Stapel im Monatstakt, die dann meistens niemals, niemals mehr gesehen werden außer auf Flohmärkten und im Antiquariat.
Das Schreibteufelchen hat die Flucht ergriffen. Es hat sich am Rand seines Höllenloches versteckt und mit tellergroßen Augen zugeschaut, was sich in der Bücher-, Autoren-, Verlags-, Agenten-, Buchhandlungs- und Leserwelt tut. Es hat keine schnelle Eingreiftruppe von Teufelchen geschickt, um alle auf den rechten Weg zu bringen. Der Markt schafft sich seine eigenen Gesetze, gegen die kommt keiner an, auch nicht mit Macht. Heißt: Wer nicht gesehen wird, wird auch nicht gekauft. Wer nicht gekauft wird, hat auch kein Ranking, wird also auch nicht gesehen und also auch nicht gekauft. Hier wie da, beim Verlag und im Handel, bei Amazon und anderen, bei E-Books und bei Druckausgaben. Das Karussel fliegt am Teufelchen vorüber. Und es hat schon immer gewusst, was die Quintessenz des Ganzen ist: Papier ist nicht mehr so geduldig wie zu Gutenbergs Zeiten, Reader und Smartphone sind auch nicht geduldig. Geduldig, das wäre eine Botschaft des Teufelchens, sind weiterhin nur die Leser, die mehr als 10% ihrer Bücher lesen und Autoren, die weiterhin 100% dessen schreiben, was ihnen in den Kopf gekommen ist. Unabhängig davon, in welcher Form die Leser es zu lesen bekommen und unabhängig davon, wo sie es herhaben.
Edit: Und nun ist es heraus, wie diese Flucht des Schreibteufelchens ins Layout kam: Petra van Cronenburg hat ihre Blaue Fluchten sehr eindruckvoll in meinem Traumgedächtnis hinterlassen!
Zwei interessante Kommentare zu "Das eigene Buch drucken lassen" von Petra van Cronenburg und Elli H. Radinger!
Seit einigen Jahren sind Autoren dazu übergegangen, den Verlagen nicht mehr hinterherzurennen. Auch etablierte Autoren veröffentlichen selbst, profimäßig, was sie bei Verlagen nicht unterkriegen. Viele sind es auch einfach leid, nach Vorgaben arbeiten zu müssen. Gut, nun waren die E-Books da und die Autoren konnten selber bestimmen, was auf ihren Covern und in ihren Klappentexten stand. Doch wie es das Leben nun mal will, gibt es keinen Stillstand. Wie sagt man noch, wenn man den Partner wechselt und irgendwann merkt, dass dort auch nur mit Wasser gekocht und oder mit Geldscheinen gewedelt wird: Es kommt nichts Besseres nach. Der Autorenprinz, der die Freiheit versprach, der viel Geld unter viele Autoren brachte und viel Ruhm für einige wenige, ist möglicherweise auch nur ein Frosch, der die Backen aufbläst, um imposanter zu erscheinen. Noch ist er besser als alle analogen Verlage, noch hat er schnelle Abrechnungen, schnellen Support, schnelles Hochladen des Buches und schnelles Runterladen desselben. Und es bleibt im Schaufenster, wenn es nur genügend Aufmerksamkeit bekommen hat. Die Verlage legen vor, verlegen Bücher nach Schonfrist, rechnen im Mittelaltertempo ab und verkaufen die Stapel im Monatstakt, die dann meistens niemals, niemals mehr gesehen werden außer auf Flohmärkten und im Antiquariat.
Das Schreibteufelchen hat die Flucht ergriffen. Es hat sich am Rand seines Höllenloches versteckt und mit tellergroßen Augen zugeschaut, was sich in der Bücher-, Autoren-, Verlags-, Agenten-, Buchhandlungs- und Leserwelt tut. Es hat keine schnelle Eingreiftruppe von Teufelchen geschickt, um alle auf den rechten Weg zu bringen. Der Markt schafft sich seine eigenen Gesetze, gegen die kommt keiner an, auch nicht mit Macht. Heißt: Wer nicht gesehen wird, wird auch nicht gekauft. Wer nicht gekauft wird, hat auch kein Ranking, wird also auch nicht gesehen und also auch nicht gekauft. Hier wie da, beim Verlag und im Handel, bei Amazon und anderen, bei E-Books und bei Druckausgaben. Das Karussel fliegt am Teufelchen vorüber. Und es hat schon immer gewusst, was die Quintessenz des Ganzen ist: Papier ist nicht mehr so geduldig wie zu Gutenbergs Zeiten, Reader und Smartphone sind auch nicht geduldig. Geduldig, das wäre eine Botschaft des Teufelchens, sind weiterhin nur die Leser, die mehr als 10% ihrer Bücher lesen und Autoren, die weiterhin 100% dessen schreiben, was ihnen in den Kopf gekommen ist. Unabhängig davon, in welcher Form die Leser es zu lesen bekommen und unabhängig davon, wo sie es herhaben.
Edit: Und nun ist es heraus, wie diese Flucht des Schreibteufelchens ins Layout kam: Petra van Cronenburg hat ihre Blaue Fluchten sehr eindruckvoll in meinem Traumgedächtnis hinterlassen!
Zwei interessante Kommentare zu "Das eigene Buch drucken lassen" von Petra van Cronenburg und Elli H. Radinger!
Sonntag, 3. August 2014
Vom Scheitern und vom Neuanfang
Im Februar saß ich da mit einem Manuskript, einem Krimi aus dem 18. Jahrhundert, mit dem es weder vor noch zurück ging. Kein Esel hätte den Karren da herausholen können, worin er steckte. Schreibblockade total. Auch eine Neukonzipierung brachte nichts. Einfach keine Lust mehr. Vielleicht war ich auch nur erschöpft? Im März begann ich damit, meine E-Bookrechte am historischen Krimi "Das Vermächtnis des Bischofs" zu klären. Mit der vereinten Hilfe von zwei Autorenfreunden gelang es mir dann, im Juni das E-Book herauszubringen. Das Ergebnis sieht man hier rechts im Layout. Seitdem ist es eine Bereicherung meines Lebens, wenn ich das mal so pathetisch sagen darf. Ein Buch, das mehr meins ist als fast alle anderen, das ursprünglich niemand haben wollte und das jetzt so erfreulich sichtbar heruntergeladen wird, ein Buch, das bleibt über die Wochen und Monate, ein Buch, für das ich kaum Werbemaßnahmen anstoßen musste.
Ein Urlaub und eine Verlagsanfrage nach dem Jetztzeit-Krimi "Martinsmorde" später war es dann endlich so weit. Mir war klar, dass der Roman, den ich hatte schreiben wollen, schon fast 200 Jahre zuvor geschrieben worden war: von Hermann Kurz mit seinem "Schillers Heimatjahre. Die Wanderungen des Heinrich Roller." Da traten alle Figuren auf, die auch bei mir eine Rolle hätten spielen können: Friedrich Daniel Christoph Schubart, Herzog Carl Eugen, der Räuber Hannikel und Friedrich Schiller. Aber es gab ja auch eine Krimihandlung, die unentwirrbar schien. Ich habe mir einfach einen Ruck gegeben und zwei Handlungsstränge sowie eine weitere Figur aus dem historischen Krimi vom Februar rausgeschmissen, die Handlung an einem späteren, spannenderen Zeitpunkt eingesetzt, die ersten 35 Seiten abgetrennt, überarbeitet und die restlichen 40 Seiten als Recyclingstation gespeichert. Jetzt zählt allein wieder der Text und nicht die Verlage, die späteren Leser oder die Kritiken oder die Frage, warum man das Ganze überhaupt noch macht -warum man das alles mit sich machen lässt. Und es bleibt der Schauplatz Schwarzwald, diesmal mit dem Tübinger Schloss im Zentrum.
Donnerstag, 29. Mai 2014
Das Interview: Verlagsautorin und Self Publisherin
Das Interview, das Sabine Schäfers mit mir geführt hat, ist jetzt online. Das soziale Netzwerk, das mich begleitet, solange ich schreibe und veröffentliche, hat mir viele interessante und wertvolle Begegnungen gebracht, darunter eine der liebsten mit dieser Autorin. Sabine Schäfers wuchs in den
1970/80ern in der Kurpfalz auf, im Südwesten Deutschlands. Bis 2001
war sie als Rechtsanwältin tätig und studierte Informatik. Heute
lebt und arbeitet sie als freie Autorin am Rand des Münsterlands. Sie schrieb das Buch Himmelsmacht, "Eine sehr gelungene Mischung aus Thriller und einem Hauch Mystery"(ebookmeter. info), das sie selbst erfolgreich als E-Book herausbrachte. Im Juli erscheint ein weiteres E-Book, ein Jugendroman. Dazu werde ich Sabine ebenfalls interviewen. Ergänzend zu Sabines Interview mit mir möchte ich noch anmerken, dass die Urversion des "Mörike" vergriffen ist und ich selbst dazu 2012 ein E-Book herausgegeben habe. Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht. Die Fragen für das Interview mit der Buchbloggerin Tintenhexe liegen inzwischen ebenfalls vor. Es soll Anfang Juli online gestellt werden.
Nächste Woche wird es endlich soweit sein: Dann kann ich mein zweites selbst publiziertes E-Book veröffentlichen: Teufelswerk, ein historischer Krimi aus der süddeutschen Region. Wenn mich jemand fragen würde, was für mich ein grundlegender Unterschied zum Publizieren im Verlag ist, würde ich sagen: Das E-Book, das ja schon fertig geschrieben und als Print veröffentlicht war, hat 2-3 Monate gedauert, bis es veröffentlicht werden konnte. Genausolange braucht unter Umständen ein Verlag, um sich zu entscheiden, ob er ein MS überhaupt annimmt-auch wenn der Autor schon viele Veröffentlichungen vorzuweisen hat.
Nächste Woche wird es endlich soweit sein: Dann kann ich mein zweites selbst publiziertes E-Book veröffentlichen: Teufelswerk, ein historischer Krimi aus der süddeutschen Region. Wenn mich jemand fragen würde, was für mich ein grundlegender Unterschied zum Publizieren im Verlag ist, würde ich sagen: Das E-Book, das ja schon fertig geschrieben und als Print veröffentlicht war, hat 2-3 Monate gedauert, bis es veröffentlicht werden konnte. Genausolange braucht unter Umständen ein Verlag, um sich zu entscheiden, ob er ein MS überhaupt annimmt-auch wenn der Autor schon viele Veröffentlichungen vorzuweisen hat.
Freitag, 2. Mai 2014
Wie ich zum Self Publishing kam
Mein letzter Artikel Was haben die Buchpiraten mit Schund zu tun? führte in den letzten Tagen zu einem steilen Anstieg der Besucherzahlen meines Blogs. Der Artikel war an entsprechender Stelle verlinkt worden. Vielleicht laden sich deshalb ein paar mehr Leser das indirekt beworbene Buch von mir auf ihren Reader. So what. Wenn die illegalen Downloads den Autoren und Verlagen auch nur geringfügigen Schaden zufügen, wie sich erwiesen hat, so helfen sie ihnen im Gegenzug auch nicht, sie bekannter zu machen oder die Verkäufe anzukurbeln. Sie haben die gedachte Größe eingebüßt, die ihnen von den Autoren selbst, von Verlagen, Polizei, Richtern usw. eingeräumt wurde. Da habe ich meine Meinung nun, in einem langen Lernprozess, geändert. Auch, was das Schreiben und Veröffentlichen angeht, habe ich meine Meinung geändert. Durch Zufall stieß ich auf einen alten Beitrag von mir, der 2009 hier in diesem Blog entstand:
Unter der Überschrift: Wie finde ich einen Verlag?, schrieb ich:
"Mein erstes Manuskript war alles andere als druckreif-heute würde ich es in dieser Form nicht mehr anbieten. Eine Lektorin von Klett -Cotta gab mir wertvolle Hinweise, und bald hatte sich ein Verlag gefunden, der es dann genommen, lektoriert und gedruckt hat. Das nächste Buch wurde auf Anhieb genommen. Ich habe sehr viel Werbung gemacht,die Verlage ebenfalls, was sich allerdings auf den Absatz kaum auswirkte. Die Bücher waren im Buchhandel einfach nicht präsent, nur vereinzelt. Ich lernte dann, dass es die Vertreter der Verlage sind, die das Buch zu den Buchhändlern bringen, und die Anzahl der Seiten im Katalog. Ich kaufte mir das Uschtrin-Handbuch für Autoren und fand eine Agentur.
Einen Roman später führte das auch zum gewünschten Erfolg.Viele Informationen und Unterstützung erhielt ich im Autorenforum Montsegur. Aus diesen Erfahrungen heraus rate ich jedem, der veröffentlichen möchte, zu einem langen Atem! Bevor man sein Manuskript an einen BoD-Verlag gibt oder gar noch dafür bezahlt, sollte man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, an sich glauben und den oft etwas steinigen, aber "lohnenden" Weg der Agentur-und Verlagssuche gehen. Man sollte lernen, den Roman wirklich reifen zu lassen, ob mit oder ohne Exposé."
Das würde ich heute nicht mehr so unterstreichen. Ist man erst einmal bei einem Verlag gelandet und hat einige Bücher als Hausautor veröffentlicht, heißt das nicht, dass man bevorzugt behandelt wird. Es wird immer auf die Verkaufszahlen der letzten Bücher geschaut und danach entschieden, ob man ein neues Projekt nimmt. So liegt mein Krimi jetzt schon seit Ende März zur Begutachtung dort. Diese Wartezeiten fallen durch Self Publishing weg, die Verdienstmöglichkeiten sind besser. Ein E-Book bleibt erhalten, Bücher verschwinden aus den Regalen. Allerdings müssen die E-Book sichtbar sein, um wahrgenommen zu werden, das ist dasselbe wie bei Prints. Meine Erfahrung sieht so aus: Die Bücher, die sich als Prints gut verkauft haben, verkaufen sich auch als E-Books gut und umgekehrt. Ich kenne einen Autor, der in der gleichen Lage war wie ich: Nach zwei Monaten Wartezeit bei seinem Verlag setzte er eine Frist und veröffentlichte dann selbst, mit gutem Ergebnis.
Unter der Überschrift: Wie finde ich einen Verlag?, schrieb ich:
"Mein erstes Manuskript war alles andere als druckreif-heute würde ich es in dieser Form nicht mehr anbieten. Eine Lektorin von Klett -Cotta gab mir wertvolle Hinweise, und bald hatte sich ein Verlag gefunden, der es dann genommen, lektoriert und gedruckt hat. Das nächste Buch wurde auf Anhieb genommen. Ich habe sehr viel Werbung gemacht,die Verlage ebenfalls, was sich allerdings auf den Absatz kaum auswirkte. Die Bücher waren im Buchhandel einfach nicht präsent, nur vereinzelt. Ich lernte dann, dass es die Vertreter der Verlage sind, die das Buch zu den Buchhändlern bringen, und die Anzahl der Seiten im Katalog. Ich kaufte mir das Uschtrin-Handbuch für Autoren und fand eine Agentur.
Einen Roman später führte das auch zum gewünschten Erfolg.Viele Informationen und Unterstützung erhielt ich im Autorenforum Montsegur. Aus diesen Erfahrungen heraus rate ich jedem, der veröffentlichen möchte, zu einem langen Atem! Bevor man sein Manuskript an einen BoD-Verlag gibt oder gar noch dafür bezahlt, sollte man sein Licht nicht unter den Scheffel stellen, an sich glauben und den oft etwas steinigen, aber "lohnenden" Weg der Agentur-und Verlagssuche gehen. Man sollte lernen, den Roman wirklich reifen zu lassen, ob mit oder ohne Exposé."
Das würde ich heute nicht mehr so unterstreichen. Ist man erst einmal bei einem Verlag gelandet und hat einige Bücher als Hausautor veröffentlicht, heißt das nicht, dass man bevorzugt behandelt wird. Es wird immer auf die Verkaufszahlen der letzten Bücher geschaut und danach entschieden, ob man ein neues Projekt nimmt. So liegt mein Krimi jetzt schon seit Ende März zur Begutachtung dort. Diese Wartezeiten fallen durch Self Publishing weg, die Verdienstmöglichkeiten sind besser. Ein E-Book bleibt erhalten, Bücher verschwinden aus den Regalen. Allerdings müssen die E-Book sichtbar sein, um wahrgenommen zu werden, das ist dasselbe wie bei Prints. Meine Erfahrung sieht so aus: Die Bücher, die sich als Prints gut verkauft haben, verkaufen sich auch als E-Books gut und umgekehrt. Ich kenne einen Autor, der in der gleichen Lage war wie ich: Nach zwei Monaten Wartezeit bei seinem Verlag setzte er eine Frist und veröffentlichte dann selbst, mit gutem Ergebnis.
Dienstag, 22. April 2014
Eigene Stimme oder Orientierung am Markt?
Eine alte und meist heftig diskutierte Frage unter Autoren ist die, ob man nun schreiben soll, was man will bzw. was man selbst gern lesen würde oder ob man sich an den Bedürfnissen des "Marktes" orientiert. Zu dieser Frage hat Hans - Peter Roentgen den Erfolgsautor Sebastian Fitzek interviewt, nachzulesen im Tempest Newsletter vom 21. April 2014. Ich konnte es nicht verlinken, deshalb fasse ich die entscheidenden Passagen einmal zusammen.
Zu einem Mythos über den Buchmarkt gehört die Annahme vieler Autoren, dass es eine Formel für einen Bestseller geben würde. Oder dass man mit Marketing alles verkaufen könnte. Fitzeks Erstlingswerk "Die Therapie" wurde allein durch Mundpropaganda zu einem Überraschungshit. Das zweite verkaufte sich trotz intensiver Werbekampagnen nur halb so gut. Sein Agent hatte ihm den Rat gegeben, die Geschichte nicht in den USA, sondern dort spielen zu lassen, wo er sich auskenne, also spielte sie in Berlin. Der Durchbruch strafte die Ansicht Lügen, dass Psychothriller nicht in Deutschland spielen könnten.Wer immer in den Fußstapfen anderer geht, hinterlässt nie eine eigene Spur (oder wird nie Erster). Man muss seine eigene Stimme, seine eigenen Themen finden. In Verlagen und von Agenten würde aber häufig darauf hingewiesen, dass man sich daran orientieren solle, was sich gerade verkauft. Was ist nun richtig? Es sei verdammt hart, sich gegen diese gängigen Vorurteile durchzusetzen, meint Fitzek. Genau so hart sei es aber, sich als der tausendste Autor am Markt zu behaupten, der wie die 999 anderen vor ihm versucht habe, den Erfolg von Harry Potter, Twilight oder Shades of Grey zu kopieren. Hier noch der Link zu einem vollständigen Interview in der Krimi-Couch zum Thema "Trends": Ich schreibe nicht nach Trends, sondern nach Ideen.
Ich selbst habe nie versucht, jemanden zu kopieren (außer in jungen Jahren in meinem Tagebuch, in dem ich einmal den Stil von Max Frisch kopierte). Wohl aber hatte ich, sobald ich zu einem größeren Verlag kam, gewisse Genre-Vorgaben zu erfüllen. Und die führten auch zu den erwarteten Verkäufen. Die mit den eigensten Ideen führten eher ein Schattendasein. Auch mein Krimi entspricht nicht den klassischen Genre-Erwartungen, auch mein historischer Krimi nicht. Es kann also durchaus passieren, dass sie mehr oder weniger unsichtbar bleiben, wenn es mir nicht gelingt, sie sichtbar zu machen. Dazu habe ich aber schon einige Ideen.
Zu den Vorgaben ist mir noch etwas aufgefallen. In meiner blutigen Anfängerzeit in einer Autorenwerkstatt, (wo ich übrigens Nika Lubitsch kennen- und schätzen lernte, wir haben gegenseitig viele unserer Geschichten kommentiert), gab es jeden Monat eine Schreibaufgabe. Anfangs waren es Begriffe wie "Wasser" oder "Stein" oder "Grenzen", zu denen man sich etwas einfallen lassen sollte. Meiner Erfahrung nach waren die Geschichten desto schlechter, je enger die Vorgaben waren. Gestern habe ich mal ein paar meiner etwa 60-70 Kurzgeschichten, Fragmente usw. gelesen, die dabei herausgekommen sind, und gleich 10-20 rausgeschmissen. Sehr gut sind die mit der großzügig und frei interpretierbaren Aufgabe geworden, wenn sie aber enger gefasst war, kamen dabei ziemlich ähnliche Geschichten heraus. Oft leisteten die Autoren (auch ich) Widerstand, indem sie am Thema vorbeischrieben. Aus all dem (und von nicht marktorientiert denkenden Kollegen) habe ich gelernt, eine eigene Stimme zu entwickeln. Ohne rot zu werden kann ich sagen, dass ich mich in den vierzehn Jahren seitdem enorm weiterentwickelt habe.
Zu einem Mythos über den Buchmarkt gehört die Annahme vieler Autoren, dass es eine Formel für einen Bestseller geben würde. Oder dass man mit Marketing alles verkaufen könnte. Fitzeks Erstlingswerk "Die Therapie" wurde allein durch Mundpropaganda zu einem Überraschungshit. Das zweite verkaufte sich trotz intensiver Werbekampagnen nur halb so gut. Sein Agent hatte ihm den Rat gegeben, die Geschichte nicht in den USA, sondern dort spielen zu lassen, wo er sich auskenne, also spielte sie in Berlin. Der Durchbruch strafte die Ansicht Lügen, dass Psychothriller nicht in Deutschland spielen könnten.Wer immer in den Fußstapfen anderer geht, hinterlässt nie eine eigene Spur (oder wird nie Erster). Man muss seine eigene Stimme, seine eigenen Themen finden. In Verlagen und von Agenten würde aber häufig darauf hingewiesen, dass man sich daran orientieren solle, was sich gerade verkauft. Was ist nun richtig? Es sei verdammt hart, sich gegen diese gängigen Vorurteile durchzusetzen, meint Fitzek. Genau so hart sei es aber, sich als der tausendste Autor am Markt zu behaupten, der wie die 999 anderen vor ihm versucht habe, den Erfolg von Harry Potter, Twilight oder Shades of Grey zu kopieren. Hier noch der Link zu einem vollständigen Interview in der Krimi-Couch zum Thema "Trends": Ich schreibe nicht nach Trends, sondern nach Ideen.
Ich selbst habe nie versucht, jemanden zu kopieren (außer in jungen Jahren in meinem Tagebuch, in dem ich einmal den Stil von Max Frisch kopierte). Wohl aber hatte ich, sobald ich zu einem größeren Verlag kam, gewisse Genre-Vorgaben zu erfüllen. Und die führten auch zu den erwarteten Verkäufen. Die mit den eigensten Ideen führten eher ein Schattendasein. Auch mein Krimi entspricht nicht den klassischen Genre-Erwartungen, auch mein historischer Krimi nicht. Es kann also durchaus passieren, dass sie mehr oder weniger unsichtbar bleiben, wenn es mir nicht gelingt, sie sichtbar zu machen. Dazu habe ich aber schon einige Ideen.
Zu den Vorgaben ist mir noch etwas aufgefallen. In meiner blutigen Anfängerzeit in einer Autorenwerkstatt, (wo ich übrigens Nika Lubitsch kennen- und schätzen lernte, wir haben gegenseitig viele unserer Geschichten kommentiert), gab es jeden Monat eine Schreibaufgabe. Anfangs waren es Begriffe wie "Wasser" oder "Stein" oder "Grenzen", zu denen man sich etwas einfallen lassen sollte. Meiner Erfahrung nach waren die Geschichten desto schlechter, je enger die Vorgaben waren. Gestern habe ich mal ein paar meiner etwa 60-70 Kurzgeschichten, Fragmente usw. gelesen, die dabei herausgekommen sind, und gleich 10-20 rausgeschmissen. Sehr gut sind die mit der großzügig und frei interpretierbaren Aufgabe geworden, wenn sie aber enger gefasst war, kamen dabei ziemlich ähnliche Geschichten heraus. Oft leisteten die Autoren (auch ich) Widerstand, indem sie am Thema vorbeischrieben. Aus all dem (und von nicht marktorientiert denkenden Kollegen) habe ich gelernt, eine eigene Stimme zu entwickeln. Ohne rot zu werden kann ich sagen, dass ich mich in den vierzehn Jahren seitdem enorm weiterentwickelt habe.
Dienstag, 15. April 2014
Wie man todsicher nicht reich und berühmt wird!
Vor ein paar Tagen habe ich im Autorenforum Montsegur im öffentlichen Bereich
einen Link kommentiert: Über Pseudoverlage und halbseidene Literaturagenten.
Und dabei erfahren, dass es sogar Pseudo-Rezensionsplattformen gibt, für die man 178,- Euro berappen muss. Dabei will mir scheinen, dass die Öffentlichkeitsarbeit und alle Aufklärung über diese Pseudoverlage wirkungslos verpufft ist. Es gab sogar einmal eine Spiegel-Kampagne: Bezahl-Verlage: die schönsten Seiten des Schwachsinns.
Fazit: es ist nicht allgemein bekannt, dass diese Verlage mit falschen Versprechungen locken und den Autoren, die einmal im Leben ihr eigenes Buch in den Händen halten wollen, eine Menge Geld aus der Tasche ziehen. In dem ersten Bericht gipfelt das zum Schluss darin, dass der Betreffende ein Flugzeug chartert, das mit einem Banner seines Buchtitels über die Städte fliegt. Hätte er das nicht gemacht, wäre er jetzt leicht im Plus. Wie oft erntete ich ungläubiges Erstaunen, wenn meine Gesprächspartner erfuhren, dass man für eine professionelle Veröffentlichung nichts zahlen muss! Und ich selbst habe ja auch mal vor langen Jahren so ein Angebot bekommen, das ich gleich ausschlug, weil ich mir nicht "umsonst" die Mühe gemacht haben wollte. Es sind aber vor allem diejenigen, die genügend Absagen von Verlagen erhalten haben, die dann alles daran setzen, doch noch zu ihrem Ziel zu kommen. Und das wäre ja auch nicht verkehrt, wenn nicht so viele falsche Versprechungen dazukommen würden. Warum soll sich jemand nicht die Erfüllung eines Traumes kaufen?
Bei der Arbeit an meinem E-Book, das aus einem schon veröffentlichten Buch hervorgeht, merke ich, wieviel Arbeit die Verlage tatsächlich in so ein Ding stecken. Da kann man locker schon mal auf 10 000 Euro kommen, was Lektorat, Korrektorat (bei Xinxii würde mich das zum Beispiel allein 900 Euro kosten , das Lektorat bei einem versierten Lektor um die 3000). Kommen noch Cover und Plätze in der Buchhandlung dazu und sonstige Werbemaßnahmen, sind wir schon bei dieser Summe. Meine beiden letzten Verlags-E-Boks waren innerhalb von ca. 3 Wochen erstellt, ich brauche etwas länger, wie man sieht.
Jetzt könnte mich jemand, der dringend veröffentlichen will, ja fragen: Und was ist bei dir herausgekommen? Was hast du denn mit deinen Verlagsbüchern und deinem ersten E-Book erreicht? Bingo: Ich habe keinen Cent investieren müssen. Ich habe geschrieben und damit Geld verdient, das ich zwar bis auf den letzten Penny versteuern muss, aber es ist trotzdem mein selbst verdientes Geld. In den letzten zehn, zwölf Jahren war das eine Menge Arbeit, und allmählich konnte ich damit eine Marke aufbauen. Das ist etwas, das mir bleibt und das ich auch als Rentnerin noch betreiben kann. Deshalb rate ich zum wiederholten Mal allen Autoren, die veröffentlichen wollen, den traditionellen Weg über einen seriösen Verlag zu wählen oder es möglichst professionell mit Self Publishing zu versuchen. Bei Letzterem muss man zuerst investieren, Zeit und Geld, dafür fallen die endlosen Wartezeiten weg, und man hat die Möglichkeit, ein Vielfaches von dem zu verdienen, was bei einem Verlag anfällt. Ganz persönlich: Wenn mein Schwarzwaldkrimi, der immer noch auf eine Entscheidung meines Verlags wartet, nicht angenommen wird, werde ich ihn bei einem renommierten Regionalkrimiverlag anbieten, bevor ich mir dann überlege, ihn selbst zu publizieren. Ich bin todsicher nicht reich und berühmt geworden, kann aber auf eine höchst kreative Phase des Schaffens zurückblicken, die mir eine Menge, nicht aber einen leeren Geldbeutel gebracht hat. Und darauf kann ich auch in Zukunft bauen.
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Und dabei erfahren, dass es sogar Pseudo-Rezensionsplattformen gibt, für die man 178,- Euro berappen muss. Dabei will mir scheinen, dass die Öffentlichkeitsarbeit und alle Aufklärung über diese Pseudoverlage wirkungslos verpufft ist. Es gab sogar einmal eine Spiegel-Kampagne: Bezahl-Verlage: die schönsten Seiten des Schwachsinns.
Fazit: es ist nicht allgemein bekannt, dass diese Verlage mit falschen Versprechungen locken und den Autoren, die einmal im Leben ihr eigenes Buch in den Händen halten wollen, eine Menge Geld aus der Tasche ziehen. In dem ersten Bericht gipfelt das zum Schluss darin, dass der Betreffende ein Flugzeug chartert, das mit einem Banner seines Buchtitels über die Städte fliegt. Hätte er das nicht gemacht, wäre er jetzt leicht im Plus. Wie oft erntete ich ungläubiges Erstaunen, wenn meine Gesprächspartner erfuhren, dass man für eine professionelle Veröffentlichung nichts zahlen muss! Und ich selbst habe ja auch mal vor langen Jahren so ein Angebot bekommen, das ich gleich ausschlug, weil ich mir nicht "umsonst" die Mühe gemacht haben wollte. Es sind aber vor allem diejenigen, die genügend Absagen von Verlagen erhalten haben, die dann alles daran setzen, doch noch zu ihrem Ziel zu kommen. Und das wäre ja auch nicht verkehrt, wenn nicht so viele falsche Versprechungen dazukommen würden. Warum soll sich jemand nicht die Erfüllung eines Traumes kaufen?
Bei der Arbeit an meinem E-Book, das aus einem schon veröffentlichten Buch hervorgeht, merke ich, wieviel Arbeit die Verlage tatsächlich in so ein Ding stecken. Da kann man locker schon mal auf 10 000 Euro kommen, was Lektorat, Korrektorat (bei Xinxii würde mich das zum Beispiel allein 900 Euro kosten , das Lektorat bei einem versierten Lektor um die 3000). Kommen noch Cover und Plätze in der Buchhandlung dazu und sonstige Werbemaßnahmen, sind wir schon bei dieser Summe. Meine beiden letzten Verlags-E-Boks waren innerhalb von ca. 3 Wochen erstellt, ich brauche etwas länger, wie man sieht.
Jetzt könnte mich jemand, der dringend veröffentlichen will, ja fragen: Und was ist bei dir herausgekommen? Was hast du denn mit deinen Verlagsbüchern und deinem ersten E-Book erreicht? Bingo: Ich habe keinen Cent investieren müssen. Ich habe geschrieben und damit Geld verdient, das ich zwar bis auf den letzten Penny versteuern muss, aber es ist trotzdem mein selbst verdientes Geld. In den letzten zehn, zwölf Jahren war das eine Menge Arbeit, und allmählich konnte ich damit eine Marke aufbauen. Das ist etwas, das mir bleibt und das ich auch als Rentnerin noch betreiben kann. Deshalb rate ich zum wiederholten Mal allen Autoren, die veröffentlichen wollen, den traditionellen Weg über einen seriösen Verlag zu wählen oder es möglichst professionell mit Self Publishing zu versuchen. Bei Letzterem muss man zuerst investieren, Zeit und Geld, dafür fallen die endlosen Wartezeiten weg, und man hat die Möglichkeit, ein Vielfaches von dem zu verdienen, was bei einem Verlag anfällt. Ganz persönlich: Wenn mein Schwarzwaldkrimi, der immer noch auf eine Entscheidung meines Verlags wartet, nicht angenommen wird, werde ich ihn bei einem renommierten Regionalkrimiverlag anbieten, bevor ich mir dann überlege, ihn selbst zu publizieren. Ich bin todsicher nicht reich und berühmt geworden, kann aber auf eine höchst kreative Phase des Schaffens zurückblicken, die mir eine Menge, nicht aber einen leeren Geldbeutel gebracht hat. Und darauf kann ich auch in Zukunft bauen.
Samstag, 25. Januar 2014
Warum selbst renommierte Autoren selber publizieren
Noch etwas zum Thema Veröffentlichen und Self Publishing, gerade bei Buchreport vom Dezember 2013 gefunden. Der Autor Fred Breinersdorfer, seit mehr als dreißig Jahren erfolgreicher Krimi- und Politthriller-Autor, hat sich entschlossen, seinen neuesten Roman berlin.classified selbst als E-Book bei epubli zu produzieren. Was sind die Gründe, wenn sich jemand doch über Jahrzehnte kontinuierlich einen Namen gemacht hat? (Ich kenne ihn aus unserer Studentenzeit übrigens noch persönlich, von so mancher Party, und habe einige seiner Bücher gelesen.) Einmal, so zeigt das Interview bei Buchreport, wurde sein neues serielles Experiment von den großen Buchverlagen abgelehnt. Breinersdorfer meint auch, dass die Verlage darauf schauen, möglichst viele Bestseller hinzukriegen. Auf der anderen Seite, oder eigentlich passend dazu, trauen sich die meisten nicht an Experimente, sondern setzen auf die guten alten Genres. Schade eigentlich.
Dabei fiel mir ein anderer Schriftsteller ein, den ich vor langer Zeit persönlich kannte (umgekehrt erinnern sich diese Autoren natürlich nicht an mich, weil ich nicht berühmt georden bin!:-) Thomas Hürlimann, der Schweizer, hat seit fünf Jahren nichts mehr veröffentlicht, so weit ich bei Amazon sehen kann. Und es gibt auch keine E-Books seiner Werke. Und jetzt zaubere ich noch einen dritten aus dem Hut: Felix Huby, ebenfalls langjährig erfolgreicher Autor von Krimis und Schöpfer des Tatortkommissars Bienzle. Der geht so eine Art Mischweg, veröffentlicht bei Fischer, der auch die E-Books herstellt, aber es sind bisher nur zwei.
Nun könnte ich eine wilde Milchmädchenrechnung aufmachen. Und Vorsicht, in Mathe und Rechnen war ich nie besonders gut, man darf das also gerne korrigieren. Huby verkauft sein E-Book für 14.99, je nach Prozenten verdient er daran vielleicht 4,30 Euro pro Buch. Hürlimann kann ich nicht beurteilen, denn ich weiß nicht, was bekannte Literaten pro Buch bekommen und wie viel davon verkauft wird. Ein Buch von, sagen wir mal, 260 Seiten bei Epubli zu veröffentlichen kostet, oh Schreck, etwa 2500,-Euro. Ich nehme an, diese Summe zahlt man für das Lektorat. Jedes Buch der Serie kostet 2,99 als Kindle. Wenn er 1000 Bücher verkauft, bekommt er 2030 Euro, kommt also nicht voll auf seine Kosten. Was verdient nun der Durchschnitts-Verlagsautor mit seinen Büchern? Er bekommt einen Vorschuss, der erst wieder eingespielt werden muss. Von den 5 oder 6% weiterer Verkäufe sieht er dann oft nichts, weil sich alle Bücher blendend verkaufen müssten, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Am Verlags-E-Book verdient unser fiktiver Autor vielleicht 2 Euro, wenn es 7.99 kostet, also 2000 Euro bei 1000 Verkäufen. Bei dem Preis ist aber fraglich, ob es jemals zu 1000 Verkäufen kommt. Allerdings kenne ich vereinzelte Autoren, die auf 25 000 Verlagsebooks zu 7.99 bzw. 400 000 selbst publizierte E-Books kamen. Nehmen wir einmal an, ein Autor, der selbst ein E-Book produzieren möchte, bekäme im Tausch mit anderen Dienstleistungen ein kostenloses Lektorat. Ich glaube fast, der wäre am Besten dran. Denn wenn er 1000 Bücher für 2,99 verkauft, verdient er 70%, und das wären 2030,- Euro. Aber welcher Lektor lektoriert schon umsonst, und was könnte er dafür bekommen, das ihm nützen würde?
Geld ist nicht alles, wird nun jeder sagen. Bekommen all diese Autoren, unabhängig davon, wie sie es bewerkstelligen, denn auch Anerkennung für das, was sie geschaffen haben? Die Literaten werden in den Zeitungen besprochen und kommen ins Fernsehen. Die anderen nur dann, wenn sie Bestsellerautoren sind oder Preise gewonnen haben. Die große Masse freut sich über Rezensionen und mittlere Verkäufe. Es ist nicht leicht, heute Autor zu sein. Aber hatten unsere altvorderen Kollegen nicht auch die Qual der Wahl? Haben sie nicht auch Self Publishing gemacht, um ihr Werk überhaupt erst mal gedruckt zu sehen?
Dabei fiel mir ein anderer Schriftsteller ein, den ich vor langer Zeit persönlich kannte (umgekehrt erinnern sich diese Autoren natürlich nicht an mich, weil ich nicht berühmt georden bin!:-) Thomas Hürlimann, der Schweizer, hat seit fünf Jahren nichts mehr veröffentlicht, so weit ich bei Amazon sehen kann. Und es gibt auch keine E-Books seiner Werke. Und jetzt zaubere ich noch einen dritten aus dem Hut: Felix Huby, ebenfalls langjährig erfolgreicher Autor von Krimis und Schöpfer des Tatortkommissars Bienzle. Der geht so eine Art Mischweg, veröffentlicht bei Fischer, der auch die E-Books herstellt, aber es sind bisher nur zwei.
Nun könnte ich eine wilde Milchmädchenrechnung aufmachen. Und Vorsicht, in Mathe und Rechnen war ich nie besonders gut, man darf das also gerne korrigieren. Huby verkauft sein E-Book für 14.99, je nach Prozenten verdient er daran vielleicht 4,30 Euro pro Buch. Hürlimann kann ich nicht beurteilen, denn ich weiß nicht, was bekannte Literaten pro Buch bekommen und wie viel davon verkauft wird. Ein Buch von, sagen wir mal, 260 Seiten bei Epubli zu veröffentlichen kostet, oh Schreck, etwa 2500,-Euro. Ich nehme an, diese Summe zahlt man für das Lektorat. Jedes Buch der Serie kostet 2,99 als Kindle. Wenn er 1000 Bücher verkauft, bekommt er 2030 Euro, kommt also nicht voll auf seine Kosten. Was verdient nun der Durchschnitts-Verlagsautor mit seinen Büchern? Er bekommt einen Vorschuss, der erst wieder eingespielt werden muss. Von den 5 oder 6% weiterer Verkäufe sieht er dann oft nichts, weil sich alle Bücher blendend verkaufen müssten, um in die schwarzen Zahlen zu kommen. Am Verlags-E-Book verdient unser fiktiver Autor vielleicht 2 Euro, wenn es 7.99 kostet, also 2000 Euro bei 1000 Verkäufen. Bei dem Preis ist aber fraglich, ob es jemals zu 1000 Verkäufen kommt. Allerdings kenne ich vereinzelte Autoren, die auf 25 000 Verlagsebooks zu 7.99 bzw. 400 000 selbst publizierte E-Books kamen. Nehmen wir einmal an, ein Autor, der selbst ein E-Book produzieren möchte, bekäme im Tausch mit anderen Dienstleistungen ein kostenloses Lektorat. Ich glaube fast, der wäre am Besten dran. Denn wenn er 1000 Bücher für 2,99 verkauft, verdient er 70%, und das wären 2030,- Euro. Aber welcher Lektor lektoriert schon umsonst, und was könnte er dafür bekommen, das ihm nützen würde?
Geld ist nicht alles, wird nun jeder sagen. Bekommen all diese Autoren, unabhängig davon, wie sie es bewerkstelligen, denn auch Anerkennung für das, was sie geschaffen haben? Die Literaten werden in den Zeitungen besprochen und kommen ins Fernsehen. Die anderen nur dann, wenn sie Bestsellerautoren sind oder Preise gewonnen haben. Die große Masse freut sich über Rezensionen und mittlere Verkäufe. Es ist nicht leicht, heute Autor zu sein. Aber hatten unsere altvorderen Kollegen nicht auch die Qual der Wahl? Haben sie nicht auch Self Publishing gemacht, um ihr Werk überhaupt erst mal gedruckt zu sehen?
Mittwoch, 15. Januar 2014
Stimme verloren?
Ich weiß aus Erfahrung, weil es mir mit anderen ebenso geht, dass Blogbeiträge über das eigene Schreiben für Leser nicht besonders interessant sind. Ich gebe trotzdem einen Kommentar zu dem ab, was in den letzten Tagen geschehen ist, weil es eine für mich wichtige Phase war und ist. Ich habe mir also meinen sogenannten Krimi noch einmal vorgenommen. Es ist ein Text, den ich mindestens zehn Jahre in mir rumgetragen hatte, bevor ich damit begann, eine Geschichte daraus zu bauen. Am Anfang war ein Mord in einem Schwarzwalddorf, real, den der Sohn einer Messie begangen hatte. Dazu zwei Kneipen in eben jenem Dorf, eine davon gut-bürgerlich, die andere eine XXL-Kneipe, in denen Hamburger-und Schnitzelberge verkauft wurden neben unzähligen Colaweizen. Drum herum die Dorfbewohner, eine eingeschworene Gemeinschaft. Und mittendrin der Martinsritt mit seiner titelgebenden Bedeutung. Allmählich wuchs diese Geschichte und geriet schließlich auf den Tisch meines Ex-Agenten, der mir noch ein paar Tipps gab.
Seitdem ist ein weiterer historischer Roman erschienen und der Anfang eines neuen geschrieben. Der Schwarzwaldkrimi geriet immer mehr in Vergessenheit. Doch alle paar Monate zog ich ihn wieder hervor, um zu prüfen, wie weit er inzwischen gereift und fortgediehen war. So auch am vergangenen Wochenende. Und ich zergrübelte mir zum wiederholten Mal den Kopf, warum die ersten Kapitel, besonders der Anfang, so komisch klangen. Da bin ich zigmal drüber, und es klang immer noch komisch. Lag es am Getöse des Social Media oder an dem des Reallebens? Hatte ich meine Stimme verloren? War ich entmutigt und desillusioniert durch die negative Entwicklung der Buchbranche? Wahrscheinlich ist keins davon der Auslöser. Ich glaube inzwischen sogar an folgenden Satz:
Das Schreiben verlernt man so wenig wie das Schwimmen oder Fahrradfahren.
Man muss sich nur ein wenig warmlaufen, um wieder reinzukommen.
Was war nun eigentlich mit diesem Anfang passiert? Irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er war ca. drei bis vier Jahre alt, während ich den übrigen Roman im Jahr 2012 geschrieben habe. Außerdem war er noch Teilstück eines anderen Konzeptes, das nicht realisiert werden konnte. Wie sollte ich nun dieses komische Gebilde wegkriegen? Ich machte, für meine Verhältnisse, einen Quantensprung, denn ich versetzte den Anfang einfach mal in die Ich-Perspektive. Ausgerechnet ich, die ich diese Perspektive immer gehasst habe wie die Pest und Bücher gar nicht erst gekauft habe, wenn ich das mitbekam. Ich schrieb um, ließ die Teile durcheinanderpurzeln wie in einem Grabbelsack, druckte aus: Und siehe da, ein ganz neuer Roman entfaltete sich vor meinen Augen! Das Fieber hatte mich wieder ergriffen, das so lang entbehrte, und alles in meiner Umgebung änderte sich, wurde schöner, wärmer, sinnvoller, selbst die Arbeit ging mir leicht von der Hand wie selten. Das ist das Wesentliche am Schreiben. Und ich lernte daraus, dass eine Stimme sich auch verändern kann.
Seitdem ist ein weiterer historischer Roman erschienen und der Anfang eines neuen geschrieben. Der Schwarzwaldkrimi geriet immer mehr in Vergessenheit. Doch alle paar Monate zog ich ihn wieder hervor, um zu prüfen, wie weit er inzwischen gereift und fortgediehen war. So auch am vergangenen Wochenende. Und ich zergrübelte mir zum wiederholten Mal den Kopf, warum die ersten Kapitel, besonders der Anfang, so komisch klangen. Da bin ich zigmal drüber, und es klang immer noch komisch. Lag es am Getöse des Social Media oder an dem des Reallebens? Hatte ich meine Stimme verloren? War ich entmutigt und desillusioniert durch die negative Entwicklung der Buchbranche? Wahrscheinlich ist keins davon der Auslöser. Ich glaube inzwischen sogar an folgenden Satz:
Das Schreiben verlernt man so wenig wie das Schwimmen oder Fahrradfahren.
Man muss sich nur ein wenig warmlaufen, um wieder reinzukommen.
Was war nun eigentlich mit diesem Anfang passiert? Irgendwann fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Er war ca. drei bis vier Jahre alt, während ich den übrigen Roman im Jahr 2012 geschrieben habe. Außerdem war er noch Teilstück eines anderen Konzeptes, das nicht realisiert werden konnte. Wie sollte ich nun dieses komische Gebilde wegkriegen? Ich machte, für meine Verhältnisse, einen Quantensprung, denn ich versetzte den Anfang einfach mal in die Ich-Perspektive. Ausgerechnet ich, die ich diese Perspektive immer gehasst habe wie die Pest und Bücher gar nicht erst gekauft habe, wenn ich das mitbekam. Ich schrieb um, ließ die Teile durcheinanderpurzeln wie in einem Grabbelsack, druckte aus: Und siehe da, ein ganz neuer Roman entfaltete sich vor meinen Augen! Das Fieber hatte mich wieder ergriffen, das so lang entbehrte, und alles in meiner Umgebung änderte sich, wurde schöner, wärmer, sinnvoller, selbst die Arbeit ging mir leicht von der Hand wie selten. Das ist das Wesentliche am Schreiben. Und ich lernte daraus, dass eine Stimme sich auch verändern kann.
Samstag, 11. Januar 2014
Wann kommt denn dein Krimi raus?
Eine Szene vor zwei Tagen: Wir treffen uns mit meinem Sohn auf dem zentralen Platz der Stadt. Es ist frühlingshaft warm, nur ein eiskalter Wind macht uns etwas zu schaffen. In einem der Hauptcafés kann man sogar draußen sitzen. Mein Sohn fährt gleich anschließend nach Frankfurt zu einem Jungegesellenabschied, am Montag dann zurück nach Afghanistan. Man spricht über dies und das. Inzwischen haben sich zwei Freunde von ihm zu uns gesellt. Mein Freund holt meinen letzten Roman aus dem Auto, ich signiere ihn für meinen Sohn.
Ich freue mich schon auf deinen Krimi, meint er.
Ich weiß nicht, wem ich ihn anbieten soll. Es ist kein gewöhnlicher Krimi.
Was ist denn ein gewöhnlicher Krimi?, fragt einer seiner Freunde.
Na, ich habe von einer Kollegin gehört, dass sie mindestens zwei Morde mehr reinbauen sollte.
Den könnte man dann "Noch mehr Morde" nennen, sagt sein Freund. Alle lachen.
Und der erste Mord muss gleich am Anfang passieren, meine ich. Willst du ihn nicht mal probelesen, wenn du Zeit hast?
Den ganzen sicher nicht, aber so ein paar Kapitel ...
Seitdem habe ich mir schon wieder viele Szenarien ausgemalt. Welche Agenturen könnten dazu passen? Ach nein, die Agenturen, die ich anvisiere, wollen was ganz anderes. Soll ich ihn einfach an einen größeren Verlag wie Fischer schicken?
Oder an Emons? Haben die ähnliche Themen in ihrem Bestand? Was will ich eigentlich mit meinen "Martinsmorden"? Es gibt schon zu viele Krimis, sagen mein Freund und der Polizist, der mich beraten hat. Das finde ich auch. Auf jeden Fall werde ich obige Frage nicht beantworten können, solange ich mich nicht entscheide, ihn entweder zu kompostieren oder wegzuschicken. Wie würdet ihr entscheiden? Weg damit und dann ist Ruh oder auf den Weg bringen mit allen seinen Konsequenzen wie Warten und Absagen einkassieren?
Ich freue mich schon auf deinen Krimi, meint er.
Ich weiß nicht, wem ich ihn anbieten soll. Es ist kein gewöhnlicher Krimi.
Was ist denn ein gewöhnlicher Krimi?, fragt einer seiner Freunde.
Na, ich habe von einer Kollegin gehört, dass sie mindestens zwei Morde mehr reinbauen sollte.
Den könnte man dann "Noch mehr Morde" nennen, sagt sein Freund. Alle lachen.
Und der erste Mord muss gleich am Anfang passieren, meine ich. Willst du ihn nicht mal probelesen, wenn du Zeit hast?
Den ganzen sicher nicht, aber so ein paar Kapitel ...
Seitdem habe ich mir schon wieder viele Szenarien ausgemalt. Welche Agenturen könnten dazu passen? Ach nein, die Agenturen, die ich anvisiere, wollen was ganz anderes. Soll ich ihn einfach an einen größeren Verlag wie Fischer schicken?
Oder an Emons? Haben die ähnliche Themen in ihrem Bestand? Was will ich eigentlich mit meinen "Martinsmorden"? Es gibt schon zu viele Krimis, sagen mein Freund und der Polizist, der mich beraten hat. Das finde ich auch. Auf jeden Fall werde ich obige Frage nicht beantworten können, solange ich mich nicht entscheide, ihn entweder zu kompostieren oder wegzuschicken. Wie würdet ihr entscheiden? Weg damit und dann ist Ruh oder auf den Weg bringen mit allen seinen Konsequenzen wie Warten und Absagen einkassieren?
Montag, 2. Dezember 2013
Weg von der Fiktion
Wir müssen für einen Text brennen, schrieb mir kürzlich ein Agent, sonst können wir ihn nicht engagiert anbieten. Genauso geht es uns Autoren. Wenn wir nicht für unseren Text brennen, können wir ihn nicht engagiert Verlagen und Agenturen anbieten. Da ist aber doch ein kleiner Unterschied. Erstmal sind die Agenten- und Verlagskerzen aus unterschiedlichem Material gemacht. Da gibt es Wachs, Stearin, echtes Bienenwachs und sonst noch Materialien, die ich nicht kenne. Neulich haben sie erst Kerzen in so einem Verbrauchermagazin verglichen - wobei natürlich die meisten schlecht abschnitten. Es muss also ein Funke zur Kerze springen, der sie auch entzündet. Und viel wichtiger: Es muss ein Funke zu den Lesern überspringen. Als Leserin habe ich das gerade gemerkt: Ich habe einen Roman über das 19. Jahrhundert gelesen, ja, es war das Buch aus dem öffentlichen Regal in Obersontheim. Es hieß "Das Medaillon" und war von Gina Mayer. Über die Neandertaler-Funde, über Apotheker und Bibliothekare, auf zwei Zeitebenen und wahnsinnig spannend. Solche Bücher möchte ich wieder lesen.
Ich selbst habe mich momentan vom fiktiven Schreiben abgewendet, wie schon gesagt, und mich auf die Spuren von Köpfen aus dem 18./19. Jahrhundert begeben. Es ist fast wie am Anfang, als ich über den Dichter Mörike recherchiert hatte: Ein absoluter Film, der da abgeht, ein immer tieferes Eindringen in ein Leben, das um so mehr fasziniert, je mehr man darüber erfährt. Dazu die Recherche vor Ort, in diesem Fall auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg. Ein trauriger, grauer, abweisender Ort. Mauern, Nato-Draht, eine Kanone und ein kleines Mädchen, das verloren über das Plateau lief und ins Land schaute. Und ein verlorener Ort sollte es auch sein, für die Gefangenen, die dort in den vergangenen Jahrhunderten einsaßen. Gestern habe ich einen Bericht darüber geschrieben (Orte zum Reinschmecken)-und konnte kaum noch aufhören. Kurz vor Mitternacht habe ich ihn veröffentlicht und mich dann glücklich zurückgelehnt. Es muss gar kein Buch daraus werden, ist mir momentan viel zu anstrengend. Viel lieber spiele ich zur Zeit mit vielen Möglichkeiten.
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