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Samstag, 18. März 2017

Frühlingsgedicht

Bevor ich mich wieder einem anderen Thema zuwenden kann, hier ein Frühlingsgedicht "für zwischendurch"
- vom alten Meister Mörike:

Im Frühling

Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag mir, alleinzige Liebe,
Wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,
Sehnend,
Sich dehnend
In Lieben und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wann werd ich gestillt?

Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
Es dringt der Sonne goldener Kuss
Mir tief ins Geblüt hinein;
Die Augen, wunderbar berauschet,
Tun, als schliefen sie ein,
Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.

Ich denke dies und denke das,
Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was.
Halb ist es Lust, halb ist es Klage.
Mein Herr, o sage,

Was webst du für Erinnerung
In golden grüner Zweige Dämmerung?
Alte unnennbare Tage.

Eduard Mörike, 1804-1875

Mittwoch, 11. März 2015

Besser werden

Derweil alle anderen mit Schreiben, Vorbereitung auf die Leipziger Messe und anderem beschäftigt sind, während von draußen das blaue Band des Frühlings hereinflattert, sitze ich hier vor meinem Monitor und fühle mich glücklich, weil ich das Lektorat meines historischen Kriminalromans soeben beendet habe. Es ist rundum rund in meinen Augen, und selbst wenn später Leser noch irgendwelche Fehler finden sollten, so finden sie die auch nach einem Verlagslektorat. Den Text drucke ich peu á peu aus und werde noch einmal sorgfältig darübergehen. Nächste Woche gibt es noch die letzte Runde des Lektorats.

Kürzlich habe ich bei Andreas Eschbach und anderen etwas zum Thema "Besser werden" gelesen. Das kann man mit entsprechender Suche nachlesen. Dann verfolgte ich in einer Pause die Diskussion in der KDP-Community mit einem Autor, der um Tipps zum Vermarkten bat, weil sein Ebook sich nur einmal verkauft hatte. Die anderen stiegen darauf ein, schauten sich das Cover an, das selbst gestrickt wirkte und fanden auch prompt Fehler in der Interpunktion. Darüber möchte ich mich gar nicht erheben. Mit Schrecken fiel mir ein, dass ich vor gefühlten Ewigkeiten mit einer lustigen Geschichte in die Schreibwerkstatt einstieg. Jemand fiel fast vom Stuhl vor Lachen, aber ein anderer meinte, ich solle doch die Weihnachtsbaumkerzen ohne Aal -- und Krabbenduft brennen lassen. Und hinter eine wörtliche Rede gehöre ein Komma hinter die Anführungszeichen. Das hatte ich in der Schule nicht gelernt. Ich war sowieso ein vollkommener Analphabet, was das Schreiben von Kurzgeschichten wie auch das von Romanen betrifft. Feuilletonschreiben, ja, das hatte ich gelernt. So eignete ich mir von der Pike auf alles an, was an Handwerk dazu gehört, einschließlich der Veröffentlichung bei Verlagen, dem Schreiben von Exposés und dem Kontakt mit einer Agentur. Und wenn ich glaubte, ich hätte den Stein der Weisen des Exposés endlich gefunden, dann war das noch lange nicht genug. Genug wird auch jetzt nicht genug sein, wie Konstantin Wecker sang.

Durch das alles bin ich im Laufe der Jahre besser geworden, vor allem durch Lesen ohne Ende, durch Kritik von Kollegen, Agent, Lektoren, selbst die Kritiken bei Amazon haben  mich weiter gebracht, wenn sie den Finger auf eine bestimmte Wunde legten und nicht nur beklagten, dass die Bücher von Autor Y ihnen aber besser gefallen. Mein Roman, den ich gerade beendet habe, erscheint mir (wie öfter schon) als der Beste, den ich je schrieb. Dabei weiß ich genau, dass es eine Art Verliebtheit in das eigene Werk ist, das andere durch eine ganz andere Brille sehen. Und es ist noch lange nicht genug mit dem Besserwerden. Da hätte ich noch eine Empfehlung für Autoren, die nichts anderes wollen, als ihr Buch zu veröffentlichen und dabei die Verlagshürde mit all ihren Dornen nicht nehmen wollen: Wartet, bis der Text reif ist, legt ihn immer wieder beiseite und arbeitet ihn nochmal durch, lasst Profis drüberschauen, lest, bildet euch fort. Dann könnt ihr mit der Zeit immer besser werden und immer mehr Leser erreichen, die sich auf eure kommenden Bücher freuen.

Sonntag, 16. März 2014

Die blaue Blume



Manchmal, wenn es Frühling wird, juckt es mich in den Füßen und ich mache mich auf die Suche nach der blauen Blume. Sie war ursprünglich ein Sehnsuchtsbild der Romantik, das Novalis in seinem "Heinrich von Ofterdingen" beschrieb, auch Symbol für Aufbruch und Wanderschaft. Vorgestern, an einem warmen Hang des Schönbuchs, wurden wir fündig, und zwar überreichlich. Da wuchsen lila Veilchen am Wegrand, auf den Obstwiesen breiteten sich Teppiche von Scilla aus, vereinzelt schauten Traubenhyazinthen aus dem noch gelben Gras, und im Wald explodierten die blauen Blüten des Immergrüns. Später, auf den Felsköpfen über einem Flusstal, steckten massenweise Küchenschellen ihre Köpfe aus dem Boden. Die romantischen Dichter gingen offenbar von der Kornblume aus oder vom Heliotrop. Für mich ist es ein Konglomerat aller blauen und sonstigen Blumen. Mit der Suche nach dieser Blume sind wir offensichtlich nicht allein. In einer Buchhandlung fiel mir ein Buch in die Hand (es lag bei den Wander-, Spazier - und Fahrradführern), das von einer Wanderung über den Schwarzwald berichtet, ebenfalls auf der Suche nach dieser Blume. Johannes Schweikle: Westwegs. Über den Schwarzwald. Zu Fuß durch eine deutsche Landschaft, erschienen 2014 beim kleinen Tübinger Verlag Klöpfer&Meyer. Schweikle schreibt u.a. für die Zeit, für Geo und Merian. Es ist eine außerordentlich vergnügliche Lektüre. Wir erleben nicht nur das, was der Autor mit allen Sinnen erfährt, sondern auch Begegnungen mit Gegenwart und Vergangenheit. Alles, was der Schwarzwald an Dichtern, Denkern und Machern gesehen hat, taucht auf und untermalt höchst amüsant diesen Ausflug aus der Zivilisation. Wilhelm Hauff kommt ebenso zu Wort wie Hermann Hesse, Grimmelshausen, Eduard Mörike ("Die Geister vom Mummelsee"), Mark Twain und Hemingway. Mark Twain schrieb über die Misthaufen vor den Türen, die den sozialen Status der Besitzer anzeigten, Hemnigway wurde mit Angelvorschriften gequält. Und überall gab es Misstrauen gegen "die Ausländer". Da ist von den Ursprüngen der Holzflößerei die Rede, vom Glasblasen, von den großen Michelin-Hotels, die mal ganz klein angefangen haben, vom sauren Regen und dem Führerbunker. Die blaue Blume fand Schweikle noch nicht auf einem Felsen mitten im Glaswaldsee, sondern erst später auf dem Feldberg. Für mich ist die blaue Blume Ausdruck einer Nische, die sich im Gewühl und in der Plastikmentalität unserer Welt immer wieder auftun kann, manchmal ganz überraschend und dort, wo wir es gar nicht erwartet hätten. Die blaue Blume und ihren Duft fand ich auch in Mörikes Gedicht "Frühling lässt sein blaues Band ..."



Donnerstag, 7. März 2013

Zitronenfalter

 Nun ist er endlich auch hierher in den Schwarzwald gekommen, und ich darf einen Moment erleben, in dem ich auf der Terrasse sitze, meine Spagetti mit Garnelen und Knoblauch esse und im Garten die Primeln, Krokusse und den ersten Märzenbecher sehe. Ein Zitronenfalter flattert über die letzten Schneereste. Der ist für mich der absolute Einläuter der wärmeren Jahreszeit!

          

        

            Mörike, Eduard (1804-1875)

Frühling läßt sein blaues Band

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!
 
Doch was künden die Unwetterberichte? Ab dem Wochenende kehrt der Winter mit eisiger Faust zurück, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem ich meinen Resturlaub eingereicht habe! Ganz Europa, so sehe ich in den Karten, liege die nächsten 10 Tage unter einem Kältetief, das von der Ostsee kommt. Erst in Marokko kommen die Temperaturen auf etwa 20°. Und wie soll man da hinkommen, wenn einer der Reisenden nicht fliegt?