Ach, wie berauschend musste es einst gewesen sein, als Frau ein Buch zu veröffentlichen! Fast verspürt man das Bedürfnis, im 18. oder 19. Jahrhundert geboren worden zu sein, der Zeit der Romantik. Eine Dame von Stand, Caroline von Wolzogen, schrieb einen Roman namens "Agnes von Lilien" - über eine junge Frau, die sich in der realen Welt fremd und unverstanden fühlt, sich selber sucht und einen idealisierten Mann gefunden hat. Dafür musste sie sich nicht etwa nach einem Verlag umsehen, und sie musste auch kein Geld damit verdienen. Ruhm war damals alles. Statt einen Verlag zu suchen, gab sie ihn ihrem Schwager Friedrich Schiller zu lesen, der ihn begeistert in seinen "Horen" veröffentlichte. Der Roman wurde Goethe zugeschrieben, später auch Schiller, bis die Identität gelüftet war. Ganz Weimar redete über kein anderes Thema, eine Flut von posiven Rezensionen erreichte die Autorin, berühmte Männer und Frauen der Zeit waren voll des Lobes. Herzog Karl August schickte ihr einen reich verzierten Schrank mit Schubfächern für die weiteren Manuskripte. Sie genoss diesen Ruhm unendlich. Bald geriet sie unter Druck, den nächsten Roman folgen zu lassen, auf den alle Welt schon wartete. Doch was geschah? Schillers Frau wurde schwer krank, und da man das Genie, das gerade an der "Johanna von Orléans" saß, nicht belästigen durfte, wurden ihr Schillers vier Kinder zusätzlich zu ihrem eigenen aufgebürdet, inklusiv der Pflege der Schwester und einem Umzug der Familie. Das hat sie alles geschafft, betrieb auch weiterhin ihren Salon mit den großen Geistern ihrer Zeit. Ernüchtert musste sie feststellen, dass ihr Gatte von Wolzogen mit einer erfolgreichen russischen Brautwerbung für den Herzogsohn zehnmal mehr verdiente als Schiller mit seinen Werken, und für den Rest seines Lebens ausgesorgt hatte. Da musste Caroline nun wirklich nichts hinzuverdienen. Anders war es bekanntlich bei Sophie de la Roche, die als erste finanziell unabhängige Autorin gilt und sich und ihre fünf Kinder mit dem Schreiben durchbrachte. Caroline von Wolzogen und ihr Ehemann wurden von der Weimarer Gesellschaft geächtet, weil sie mit Goethe und seiner Frau Christiane Vulpius verkehrten. Es wurde einsamer um sie. Die Einsamkeit kam ihr aber zu Pass, denn so konnte sie sich immer mehr dem Schreiben widmen. Eines Tages stellte Caroline von Wolzogen fest, dass sie plötzlich 59 Jahre alt geworden war. Die meisten ihrer Lieben - Schiller, ihre Schwester, ihr Ehemann -waren gestorben. Später sollte auch noch ihr Sohn Adolf folgen. Doch es gab immer noch Größen wie Goethe, Alexander von Humboldt oder Charlotte von Stein, die ihre Hand über die Autorin hielten. (Frau von Stein wurde übriges steinalt!) So vollendete Caroline eine Biografie über Schiller und einen zweiten Roman namens "Cordelia". Damit geriet sie aber bald in Vergessenheit.
Heute haben wir keine Herzöge und berühmte Genies, die unsere Bücher fördern und bekannt machen und uns mit Ruhm und Geschenken überhäufen. Wir schreiben Bücher und stellen uns damit an-in der Bücherfabrik. Würden eine Caroline von Wolzogen oder eine Sophie de la Roche heute leben, würden sie einen Salon bei Facebook betreiben, sich von ihren Männern ernähren lassen oder selbst für ihren Unterhalt geradestehen. Auf jeden Fall würden sie ihren Haushalt und ihre Kinder selbst versorgen. Sie würden Bücher und Ebooks bei Verlagen herausgeben oder selber veröffentlichen. Den Platz an der Sonne, den Marmorkuchen müssten sie sich mit tausenden anderer schreibender Männer und Frauen teilen.
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Montag, 7. März 2016
Mittwoch, 1. Oktober 2014
Ein Fantasyautor des 18./19. Jahrhunderts
Oder sagen wir lieber "Phantastikautor". Der Schriftsteller E.T.A. Hoffmann (1777-1822) hat mich schon seit meiner frühesten Jugend angezogen, vor allem seine "Nachtseite der menschlichen Existenz". Immer wieder habe ich einiges von ihm gelesen, zuletzt "Die Elixiere des Teufels". Jetzt fiel mir, von irgendeinem Antiquariat, eine Biografie über E.T.A. Hoffmann von Rüdiger Safranski in die Finger. Zugegeben, es war nicht immer einfach zu lesen, aber es war zehnmal spannender, über diesen kleinen, von der Natur so benachteiligten Autor zu lesen als die Ausflüge, die ich zwischendurch in die Spiegel-Bestseller-Thrillerliteratur gemacht habe. Seine Werke entstanden mehr "nebenbei", denn sein Hauptanliegen war es, große Musikwerke zu schaffen, das heißt, Texte anderer in Opern umzukomponieren. Seine "Undine" schaffte es schließlich auch, etliche Male gespielt zu werden. Nach kargen Jahren stellte sich der Erfolg ein, neben seiner Tätigkeit als preußischer Regierungsrat war er in Berlin ein gefeierter Autor und kannte alle literarischen Größen seiner Zeit. Einer Zeit, in welcher der Unterhaltungsroman in Mode kam, geprägt von der napoleonischen Besatzung und den ersten Burschenschaften, die auf die Einheit der Deutschen hinarbeiteten. So musste Hoffmann auch ein Gutachten über Turnvater Jahn erstellen, was aber zu Gunsten Jahns ausfiel. Das und einige andere aufrührerische Dinge führten dazu, ihn an eine entfernte Stelle zu versetzen, was er nicht lange überlebte. Eine vom Rücken ausgehende Lähmung machte sich wieder bemerkbar, die im Jahr 1822 zu seinem Tode führte. Noch auf dem Totenbett komponierte er Opern und diktierte die Neufassung eines Textes, die er schon lange hinausgeschoben hatte.
Sein Vorbild war die Gotic Novel des Matthew Gregory Lewis. Meine Bewunderung gilt Hoffmann nicht nur wegen seines unermüdlichen Schaffens, seines Humors, seiner überschäumenden Phantasie und seiner Verdichtungen der Nachtseite des menschlichen Lebens. Ich habe mich in seinen Texten immer irgendwie wiedergefunden, gerade weil es dort auch Mord und Totschlag, Gespenster und psychiatrisch auffällige Gestalten gibt. Letztere konnte er aufgrund der Freundschaft mit zwei Ärzten so gut beschreiben. Auf jeden Fall werde ich mich noch ein wenig mit seinen Werken beschäftigen, derweil ich weiter im 18. Jahrhundert, vielleicht auch bald wieder im 19. Jahrhundert herumwildere.
Siehe auch "Baden-Baden - eine Stadt zum Sterben schön"
Sonntag, 2. März 2014
Das kalte Herz
Was veranlasst einen jungen Regisseur unserer Tage, durch den nördlichen Schwarzwald zu reisen, sich mit der Geschichte des Kohlenmunkpeters, des Glasmännleins und des Holländer-Michel zu beschäftigen und dann das Experiment zu wagen, es auf die Bühne des Stuttgarter Schauspiels zu bringen? Warum fasziniert mich dieses Märchen von Wilhelm Hauff seit Kindesbeinen so sehr, dass ich selbst meinem Schwarzwald-Krimi ein Zitat aus dem "kalten Herz" vorangestellt habe? Und was macht diese Geschichte so zeitlos, dass sie auch heute noch auf Monate ausverkaufte Plätze garantiert? Der Regisseur Armin Petras fasst es selber zusammen, indem er fragt, wieviel Heimat in uns stecke, wie viel Wald und wieviel Autobahn? Auf der gleichen Seite gibt es einen Hinweis auf die Schwarzwälder Dorfgeschichten von Berthold Auerbach, seinerzeit einer der meistgelesenen Autoren, von Schriftstellern wie Honoré de Balsac, Leo Tolstoi, Iwan Sergejewitsch Turgenew und Mark Twain hochgelobt. Diese Märchen und Geschichten bringen uns die Zeit der beginnenden industriellen Revolution, der Hungersnot, der Auswanderungen und dem realitätsnahen Leben der Landbevölkerung näher. Dem einen, Wilhelm Hauff, war nur ein kurzes, schaffensreiches Leben vergönnt. Er starb mit 25 Jahren an Typhus. Aber viele werden noch seine Märchen kennen, das "Wirtshaus im Spessart" oder den Roman über "Lichtenstein", nach dessen Vorbild Schloss Lichtenstein, eines der berühmtesten Schlösser Deutschlands, gebaut wurde. Berthold Auerbach (1812-1882) lebte immerhin 70 Jahre, ein wechselvolles, bewegtes Leben. Vor etwa zehn Jahren hatte ich sogar die Absicht, einen biografischen Roman über ihn zu schreiben, was der Verlag aber mit der Bemerkung abwies, er sei doch nur regional bekannt. Es hätte sich gut angelassen, zumal Auerbach in meiner nächsten Umgebung (in Horb-Nordstetten) geboren wurde und begraben ist. Diese Dichter und Schriftsteller des neunzehnten Jahrhunderts werden mir immer nahe stehen, und ich wünsche der Inszenierung Das kalte Herz in Stuttgart auch weiterhin viel Erfolg und eine allmähliche Erwärmung der Herzen!
Das kalte Herz im Museum Schloss Neuenbürg, zwischen Pforzheim und Freudenstadt.
Das kalte Herz im Museum Schloss Neuenbürg, zwischen Pforzheim und Freudenstadt.
"Draußen
im Wald heulte der Sturm und raste in den Tannen, man hörte da und
dort sehr heftige Schläge, und es schien oft, als ob ganze Bäume
abgeknickt würden und zusammenkrachten. Die furchtlosen Jungen
wollten hinaus in den Wald laufen und dieses furchtbar schöne
Schauspiel mit ansehen, ihr Großvater aber hielt sie mit strengem
Wort und Blick zurück. »Ich will keinem raten, daß er jetzt vor
die Tür geht«, rief er ihnen zu."
Wilhelm
Hauff (1802-1827), „Das kalte Herz“
Sonntag, 23. Februar 2014
Das E-Book meines Ur-, Ur-, Ur-Großvaters
Hier ein kleines Schmankerl, gefunden bei Amazon: Bekanntlich war mein Vorfahre Georg Lotz aus Hamburg (1784-1844) ein Schriftsteller, der in den literarischen Salons seiner Zeit verkehrte und u.a. mit Heinrich Heine korrespondierte und von ihm rezensiert wurde. Einige Exemplare seines Schaffens hatte ich aus der großväterlichen Bibliothek hinübergerettet. (U.a "Die Jüdin von York", das recht spannend geschrieben ist und bei dem man merkt, dass Lotz auch Sir Walter Scott übersetzt hat). Im Internet tauchen immer wieder neue Werke von ihm auf. Zum Beispiel ist das Buch "Wanderungen eines jungen Norddeutschen durch Portugal, Spanien und Nordamerika" jetzt auch als E-Book für 2,98 Euro zu erhalten, aufgelegt im Mai 2013 vom Vero-Verlag. Ein anderes Buch "Die Schreckenszeit" spielt in Frankreich zur Zeit der französischen Revolution. Überhaupt schreibt mein Vorfahre über dieselben Jahrhunderte wie ich, nämlich über das Mittelalter, die Renaissance in Florenz und die Neuzeit. Ein E-Book mit Rezensionen u.a. zu der "Schreckenszeit" aus den Blättern für literarische Unterhaltung kostet allerdings 1.290, Euro. Selbst bei Lovely Books taucht ein Titel von Georg Lotz auf. Mich erheitert es sehr, einen solchen Vorfahren im mentalen Gepäck zu haben. Krimis hat er allerdings nicht geschrieben, allenfalls Kriminalromane im weiteren Sinne. Für mich fehlt dann jetzt noch ein Titel wie "Wanderungen einer Reingeschmeckten in Deutschlands wildem Süden". Oder so. Noch einige Daten zum Leben von Georg Lotz: Er wirkte zunächst als
Kaufmann in Marseille, dann als Agent mehrerer Handelshäuser in
Berlin und Leipzig, bevor er sich endgültig in seiner Heimatstadt
Hamburg niederliess.1817 gründete er die Zeitschrift "Originalien", die ihn über die Grenzen seiner Stadt hinaus bekannt machte. Außer den Romanen schrieb er Gedichte,
Novellen, Märchen und kritische Aufsätze.
Montag, 2. Dezember 2013
Weg von der Fiktion
Wir müssen für einen Text brennen, schrieb mir kürzlich ein Agent, sonst können wir ihn nicht engagiert anbieten. Genauso geht es uns Autoren. Wenn wir nicht für unseren Text brennen, können wir ihn nicht engagiert Verlagen und Agenturen anbieten. Da ist aber doch ein kleiner Unterschied. Erstmal sind die Agenten- und Verlagskerzen aus unterschiedlichem Material gemacht. Da gibt es Wachs, Stearin, echtes Bienenwachs und sonst noch Materialien, die ich nicht kenne. Neulich haben sie erst Kerzen in so einem Verbrauchermagazin verglichen - wobei natürlich die meisten schlecht abschnitten. Es muss also ein Funke zur Kerze springen, der sie auch entzündet. Und viel wichtiger: Es muss ein Funke zu den Lesern überspringen. Als Leserin habe ich das gerade gemerkt: Ich habe einen Roman über das 19. Jahrhundert gelesen, ja, es war das Buch aus dem öffentlichen Regal in Obersontheim. Es hieß "Das Medaillon" und war von Gina Mayer. Über die Neandertaler-Funde, über Apotheker und Bibliothekare, auf zwei Zeitebenen und wahnsinnig spannend. Solche Bücher möchte ich wieder lesen.
Ich selbst habe mich momentan vom fiktiven Schreiben abgewendet, wie schon gesagt, und mich auf die Spuren von Köpfen aus dem 18./19. Jahrhundert begeben. Es ist fast wie am Anfang, als ich über den Dichter Mörike recherchiert hatte: Ein absoluter Film, der da abgeht, ein immer tieferes Eindringen in ein Leben, das um so mehr fasziniert, je mehr man darüber erfährt. Dazu die Recherche vor Ort, in diesem Fall auf dem Hohenasperg bei Ludwigsburg. Ein trauriger, grauer, abweisender Ort. Mauern, Nato-Draht, eine Kanone und ein kleines Mädchen, das verloren über das Plateau lief und ins Land schaute. Und ein verlorener Ort sollte es auch sein, für die Gefangenen, die dort in den vergangenen Jahrhunderten einsaßen. Gestern habe ich einen Bericht darüber geschrieben (Orte zum Reinschmecken)-und konnte kaum noch aufhören. Kurz vor Mitternacht habe ich ihn veröffentlicht und mich dann glücklich zurückgelehnt. Es muss gar kein Buch daraus werden, ist mir momentan viel zu anstrengend. Viel lieber spiele ich zur Zeit mit vielen Möglichkeiten.
Samstag, 16. November 2013
Krimi-Reihen und sonstige Serien
Krimis und Thriller gehören, neben klassischen Texten aus dem 19. Jahrhundert, derzeit zu den von mir meistgelesenen Büchern. Wenn mir ein Autor gefällt, kaufe ich mir weitere Bücher von ihm/ihr. Dass da oft ein Kommissar/eine Kommissarin und seine/ihre Mannschaft über viele Fortsetzungen auftauchen, ist für mich kein Entscheidungskriterium. Natürlich hat das einen vertrauten Wiedererkennungseffekt. Ich mag aber nicht so sehr, wenn da steht ...Kommissar XXs vierter usw. Fall, denn ich frage mich, wie lange das denn gehen soll. Bis er alt und krank ist oder stirbt oder seine Gegenspielerin herumgekriegt hat? Für mich selbst könnte ich mir eine Art Jahreszyklus vorstellen, Osterwasser, Walpurgisnacht, Fronleichnam, Sommerfest, Erntedank und Allerheiligen -und das Ganze würde dann unter dem Motto laufen: "Schwarzwälder Dorfgeschichten" (in Anlehnung an Bertold Auerbachs Titel von 1843, mit dem ihm der Durchbruch gelang). Es wäre also eine Reihe, die von vornherein begrenzt ist.
Für den Thriller habe ich gestern schon angefangen zu plotten und zu recherchieren. Dabei sind mir ganze Lampen aufgegangen bei dem, was ich zum Beispiel über einen SS-Mann erfuhr, der 1948 in Argentinien den NS-Verbrechern geholfen hat und über die Jahre aktiv war - bis hin zur Unterstützung von Neonazis in Deutschland. Wenn ich auf dieser Schiene fahre, soll es keine Serie sein, es sei denn, die Fortsetzungen ergäben sich zwingend. Die dritte Option wären reine Pychothriller. Ein weiterer biografischer Roman. Und daneben Reiseberichte, Wanderungen und kleine Psychoratgeber-mit den aktuellsten Themen. Genug Stoff für die nächsten Jahre!
Für den Thriller habe ich gestern schon angefangen zu plotten und zu recherchieren. Dabei sind mir ganze Lampen aufgegangen bei dem, was ich zum Beispiel über einen SS-Mann erfuhr, der 1948 in Argentinien den NS-Verbrechern geholfen hat und über die Jahre aktiv war - bis hin zur Unterstützung von Neonazis in Deutschland. Wenn ich auf dieser Schiene fahre, soll es keine Serie sein, es sei denn, die Fortsetzungen ergäben sich zwingend. Die dritte Option wären reine Pychothriller. Ein weiterer biografischer Roman. Und daneben Reiseberichte, Wanderungen und kleine Psychoratgeber-mit den aktuellsten Themen. Genug Stoff für die nächsten Jahre!
Donnerstag, 14. Februar 2013
Georg Lotz und die "erbettelten Rezensionen" oder: ruhmsüchtige Autoren
![]() |
| Hamburg Jungfernstieg 19.JH, gemeinfreies Bild |
Mein Vorfahr Georg Lotz (1784-1844), war kein großer Schriftsteller, aber ein Literaturkritiker, Autor, Übersetzer und Verleger. Darüber hinaus vermittelte er Theateraufführungen in seinem Haus in Hamburg. In dem Buch über das Hamburger Biedermeier von Herrmann Blumenthal wird Lotz als "eine exemplarische literarische Existenz in der 'wenig aufgehellten Geistesgeschichte Hamburgs im neunzehnten Jahrhundert" gewürdigt.
Zitat Blumenthal: "Er war Kaufmann in Marseille, dann als Agent mehrerer Handelshäuser in Berlin und Leipzig tätig, bevor er sich wieder in seiner Heimatstadt Hamburg niederliess. Georg Lotz gründete 1817 die Zeitschrift "Originalien", mit der er über seine Heimatstadt hinaus Bedeutung erlangte. Ein Augenleiden liess ihn völlig erblinden. Mit einer umfassenden Würdigung von Lotz' Leben und Werk sowie einer umfangreichen Auswahl aus seinen damals vielgelesenen Schriften (Gedichte, Versspiele der Muße, Novellen (Die Jüdin von York. Stumme Liebe) und literarische und kritische Aufsätze über Veröffentlichungen (...)anderer Autoren."
Zitat Ende.
Diese Biografie über meinen Vorfahr habe ich aus der umfangreichen Bibliothek meines Vaters Johann Georg Lotz entnommen, der die vielen alten Bücher wiederum von seinem Vater Paul Lotz erhalten hatte. Die Bibliotek diente mir übrigens schon mal als Ausgangspunkt eines Romans, der nie veröffentlicht wurde, ebenso wie das Kontor meines Großvaters in der Ferdinandstraße nahe der Hamburger Alster. Paul Lotz war ein bibliophiler Antifaschist, der in die Niederlande emigrierte und deshalb bei uns immer "Opa Holland" hieß. Darin befinden sich auch Tagebücher von Friedrich Hebbel, dessen Erfolgsstück "Judith" Georg Lotz in seinem Haus in Hamburg aufführen ließ. Es ist von Streitereien mit der Dame eines Literatursalons die Rede, die davon sprach, die Rezensionen seien "erbettelt", was Hebbel zurückweist. Allerdings habe Lotz ihn mit Goethe verglichen, was man ja nun wirklich nicht tun dürfe (in Wirklichkeit hatte Lotz geschrieben, das Stück gefalle ihm am besten gleich nach "Faust II: Freund-und Feind-Stimmen zu Hebbel). Ist das nicht wie in einem Autorenforum? Da treten Franz Kafka, Sigmund Freud, Theodor Fontane, Theodor Storm auf und viele andere Schriftsteller ihrer Zeit, verreißen den armen Hebbel oder loben ihn hoch in den Himmel. Hebbel bedankt sich enthusiastisch in seinen Tagebüchern. Würde er heute leben, hätte er das wohl in einem Blog getan! :-)
Dasss es auch durchaus lustig zuging, zeigt der "poetische Scherz" von einem Adolf Müllner, den Lotz in den Originalien veröffentlichte: Lotz hatte Müllner ein Paket mit Hummern und Madeira geschickt. Daraus entspann sich folgender Dialog:
Lotz: "Glücklich, wenn unser Fleisch behaget dem tragischen Fürsten,
Und er lächelnd gesteht: siehe, die Bursche sind gut.
Denn wer genug getan hat seiner Mitlebenden Besten,
Der hat genug getan jeder folgenden Zeit."
Darauf Müllner: "Krebse verderben Verlegern den Magen,
Kurz vor der Leipziger Messe zumal;
Aber ein Autor kann Hummer vertragen
Bei dem madeiragefüllten Pokal. (...)"
![]() |
| Jungfernstieg-in der ersten Straße links befand sich das Kontor meines Großvaters |
Weitere Artikel dazu:
Georg Lotz und die E-Books
Verleger und Autoren-eine unendliche Beziehungsgeschichte!
Montag, 11. Februar 2013
Mein Vorfahre Lotz und die E-Books
Karl Kloiböck, mein langjähriger schreiberischer Begleiter und Testleser der ersten Stunde hat noch mehr Werke meines Schriftsteller-Vorfahren im Netz ausgegraben: Novellen, Erzählungen und Romane. Es gibt sogar eine Erzählung über Dante und Beatrice. Vielleicht ist der Schauplatz auf dem Weg der Archetypen zu mir gekommen? Denn auch ich habe ein Buch über die Stadt Florenz geschrieben. Georg Lotz würde sich allerdings wundern, wenn er wüsste, dass seine Bücher jetzt auch als kostenlose E-Books zu haben sind ...
Sonntag, 13. Mai 2012
Der Rabenstein - mein Psychokrimi aus dem Schwarzwald
Meine Laune hat sich schlagartig gebessert, nachdem ich gestern Abend mein Schwarzwald-Krimi-Konzept auf den Kopf gestellt habe. Alle unnötigen Stränge raus, ein neuer Arbeitstitel: Der Rabenstein. Zeit: etwa 1865 in einem Dorf im Schwarzwald. Rabensteine gibt es unzählige, Felsformationen heißen so, Burgen, Städte und alte Hinrichtungsstätten. In Bamberg zum Beispiel entdeckte man 2010 bei Erdarbeiten Rabensteine des Richtplatzes, an dem 1830 die letzte Hinrichtung stattfand. Der Legende nach legen auch Raben, die 100 Jahre zusammen sind, einen solchen Stein in ihr Nest, nachdem sie genügend Hingerichteten die Augen ausgehackt haben. BRR! Doch darum geht es natürlich in meinem historischen Psychokrimi nicht. Es geht um einen Mord, wie er vor Jahren hier in einem Dorf in der Nähe stattfand, das hatte mich zu der Idee angeregt, die mich schon lange beschäftigt und die nun endlich an die Oberfläche will. Ein Klappentext steht schon, jetzt müssen 130 Seiten neu bearbeitet werden. Das bringt allemal mehr Spaß als auf den Vertrag für den letzten Roman zu warten. Oder ihn noch zig Male zu überarbeiten, bevor er in trockenen Tüchern ist. Dann lieber etwas Neues-und ihr seht, im Leben eines Autors mangelt es nie an Spannung!
Mittwoch, 2. Mai 2012
Psychokrimi aus dem Schwarzwald des 19. Jahrhunderts
Es ist so weit: Ich habe mich an den historischen Krimi herangemacht, das heißt,
ich übertrage die 133 Seiten meines Jetztzeit-Krimis (der nicht erwünscht war) in das 19. Jahrhundert und habe schon zehn Seiten getrichen. Irre, was da alles wegfällt, es verlangsamt sich zunehmend. Ein paar Handlungsstränge muss ich rausnehmen, andere mache sich umso besser, dabei wird es immer dichter. Ich wusste gleich zu Anfang, dass dieser Plot vollkommen ins 19. Jahhundet passen würde! Jetzt spielen Hexen keine Rolle mehr, dafür ein roter Felsen mit knochigen Funden namens Rabenstein.
ich übertrage die 133 Seiten meines Jetztzeit-Krimis (der nicht erwünscht war) in das 19. Jahrhundert und habe schon zehn Seiten getrichen. Irre, was da alles wegfällt, es verlangsamt sich zunehmend. Ein paar Handlungsstränge muss ich rausnehmen, andere mache sich umso besser, dabei wird es immer dichter. Ich wusste gleich zu Anfang, dass dieser Plot vollkommen ins 19. Jahhundet passen würde! Jetzt spielen Hexen keine Rolle mehr, dafür ein roter Felsen mit knochigen Funden namens Rabenstein.
Montag, 2. April 2012
Das lange, aufregende 19. Jahrhundert
Das ist der Ausgang aus dem Renaissance-Schloss Haigerloch. Dahinter beginnt ein Rundweg hoch über dem Felsenstädtchen.
Pavillions zieren den Park, dies könnte ein Aussichtspunkt aus dem 19. Jahrhundert sein. Vielleicht haben sich dort einmal zwei Liebende getroffen, bei Nacht und Nebel, oder der Graf hat mit einem anderen eine teuflischen Plan ausgeheckt ...
Über diesen Weg gelang die Flucht. Ja, ich würde gern über das 19. Jahrhundert schreiben, da bin ich momentan zu Hause, oder über die Renaissance, wie schon öfter. Aber ich habe (noch) keine Worte dafür.
Pavillions zieren den Park, dies könnte ein Aussichtspunkt aus dem 19. Jahrhundert sein. Vielleicht haben sich dort einmal zwei Liebende getroffen, bei Nacht und Nebel, oder der Graf hat mit einem anderen eine teuflischen Plan ausgeheckt ...
Über diesen Weg gelang die Flucht. Ja, ich würde gern über das 19. Jahrhundert schreiben, da bin ich momentan zu Hause, oder über die Renaissance, wie schon öfter. Aber ich habe (noch) keine Worte dafür.
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