Mittwoch, 17. Dezember 2014

Der Biss des Skorpions

Gerade ist die Weihnachtskarte meines ersten Verlages eingetroffen. Seit zehn Jahren, seit ich 2004 dort einen Roman veröffentlichte, bekomme ich diese Grußkarten zugeschickt, obwohl ich die Rechte an dem Buch schon längst zurück bekommen habe. Es zeigt mir, dass es noch Verlage gibt, die ihre Autoren regelrecht "pflegen". Um diese Zeit schreiben ja manche von uns gern ihren Jahresrückblick und ihren Ausblick auf das kommende Jahr. Ich möchte einfach nur mal sagen, wie ich mich momentan mit dem fühle, was ich mache. Gestern hat mich ein Skorpion gebissen. Ja, ich weiß, das ist der Titel eines bekannten Thrillers, aber so weit ist das Thema dann auch gar nicht weg von mir. Ich habe mir überlegt, was ich in der Zeit, in der ich auf die nächste Verlagsanwort warte, anfangen soll. Und kramte eine Idee heraus. Die schlummert schon seit Veröffentlichung dieses ersten Romans in mir. Ich war nur nie in der Lage, sie in eine passgerechte Form zu bringen. Das immer wieder neue Aufbranden von Gewalt in dieser Welt und das Wachsen des braunen Sumpfes haben mir dieses alte, immer gültige Thema wieder ins Bewusstsein gebracht. Dazu fiel mir eine Geschichte ein, die ich ebenfalls vor zehn Jahren schrieb und die von einem mysteriösen Flugzeugabsturz im südamerikanischen Urwald erzählte. Ich fing an zu recherchieren und bekam dabei immer heißere Ohren. Und schon war ich gebissen! Das Gift des Skorpions verbreitet sich langsam, aber unaufhaltsam in meinem Blut. Den ungefähren Verlauf habe ich im Kopf, die Idee ist aufgeschrieben. So viel sei verraten, dass die Geschichte in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts spielt und mit einer Reise nach Argentinien verbunden ist. In dieser Zeit wanderte mein Onkel nach Argentinien aus und betrieb als Verwalter eine Estancia. Ich war 1969 einige Monate dort und bereiste das Land bis in den äußersten Westen und den Norden. Ich erinnere mich genau daran, wie die Luft während der Überfahrt in einem Frachter nach Salz schmeckte, dass alles klebte, wie der Skunk in der Pampa aussah, wie sich das Gürteltier davon machte, höre noch das Krächzen der Papageien im Urwald, sehe den Wasserfall in die Tiefe donnern und schmecke die Sauce, die von den Gauchos zum Asado serviert wurde (Öl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Chili).

Und wie war das Jahr, das unaufhaltsam seinem Ende entgegen geht? Allgemein, ich schrieb es schon, hat es mir beruflich-persönlich noch einmal einen richtigen Aufschwung gebracht. Bis April hatte ich meinen Schwarzwaldkrimi beendet und schickte ihn an meinen Hausverlag und eine Agentur. Keine Antwort des ersteren bzw. eine abschlägige der zweiten. Bis Juni war ich mit Herausgabe meines Verlagsebooks beschäftigt. Mit dem Verlauf bin ich, ehrlich gesagt, zufriedener als mit allem anderen davor. Aber es war ja auch fix und fertig lektoriert und korrekturiert. Bis Ende November, also sechs Monate lang, schrieb ich an meinem neuen historischen Krimi. Den habe ich vor  etwa einer Stunde, nach nochmaliger Korrektur des Exposés, zu einem E-Bookverlag geschickt. Bleibt noch die Frage, ob ich mich bei meinem "Teufelswerk" an einen Distributor wende oder ihn demnächst wieder bei Amazon KDP select anmelde. Es sind gerade (ohne select) keine Ausleihen mehr zu verzeichnen, dafür teilweise ein Ansteigen der Verkäufe. Der Ebookverlag arbeitet auch mit Kindle unlimited, wegen der Sichtbarkeit und Bekanntmachnung, so habe ich es verstanden.

Hier noch ein Interview mit Carla Berling, die von der Kleinverlagsautorin zur Selfpublisherin wurde: Autorin-Carla-Berling-kommt-ohne-Verlag-aus-und-setzt-stattdessen-auf-Amazon

Kommentare:

Christa S. Lotz hat gesagt…

Zur Information: Schon einen Tag nach dem Absenden ist eine Standartabsage des E-Bookverlages gekommen.

Herzlichst
Christa

PvC hat gesagt…

Muss ja nichts Schlechtes heißen, liebe Christa,
denn die haben in der Geschwindigkeit garantiert nichts gelesen ... vielleicht fährst du selbst besser damit!

Autorenpflege: Ich erinnere mich an eine Diskussion um Weihnachtskarten in einem Autorenforum, wo man das Fazit ziehen konnte: An den Weihnachtskarten siehst du, wie dich dein Verlag schätzt.
Klingt kurios, kann ich aber auch nur bestätigen. Und als Übersetzerin erlebe ich Ähnliches - entweder muss man Mahnungen verschicken oder man bekommt plötzlich ein Buch vom Verlag geschenkt mit einer Karte, dass sie sich bedanken, wie schnell man gearbeitet hat. Da weiß man dann, für wen man am liebsten arbeitet.
Herzlichst,
Petra

Christa S. Lotz hat gesagt…

Ja, stimmt, es war ja ein Kurzfragebogen mit Kurzbeschreibung-und sie erhielten vor zwei Jahren schon 40 MSse am Tag, vor Weihnachten noch viel mehr. Ich lasse mich jetzt noch von einer neu gegründeten Agentur, Gründer mir wohlbekannt, beraten. Und dann geht`s vielleicht wirklich ins Selbstverlegen.

Das mit der Autorenpflege kommt einem inzwischen fast schon historisch vor. Die kleinen Verlage ticken manchmal heute noch so, wirklich sehr motivierend und herzerfrischend. Übrigens auch die Buchhändler-heute wieder neben der Zeitung in Tübingen das Antiquariat - da trete ich ein und fühle mich sofort heimisch-zwischen Dichtern und Denkern und vielen vertrauten Namen und Köpfen.

Herzlichst
Christa

PvC hat gesagt…

Nun ja, über kleine Verleger kann z.B. Carla Berling ein ganz anderes Lied singen (in ihrem Buch). Trau, schau, wem ...
Herzlichst, Petra

Christa S. Lotz hat gesagt…

Über Carla Berling habe ich gerade ein interessantes Interview gefunden: http://www.beta.nw-news.de/nachrichten/wirtschaft/20284210_Autorin-Carla-Berling-kommt-ohne-Verlag-aus-und-setzt-stattdessen-auf-Amazon.html
(Ich setze ihn auch noch unter den Beitrag). Sie hat, außer mit einem, nur schlechte Erfahrungen gemacht. Und mit einem hat sie sich über das Gericht getrennt. Wenn man ihre SP-Erfahrungen so liest, kriegt man wirklich unbändige Lust, es auch zu machen.

Herzlichst
Christa