Samstag, 26. Januar 2019

Wintertal

Da hilft alles Jammern und Klagen nichts: Die Sommer sind nicht mehr, was sie mal waren, die Winter sind feucht, ekelhaft nass, kalt und drückend grau, Frühling und Herbst gibt es in dieser Form nicht mehr. Das sagte uns schon vor fast zwanzig Jahren eine Signora oberhalb des Gardasees, bei der wir eine traumhafte Wohnung mit Oleanderterrasse und Blick auf das blauglitzernde Wasser gemietet hatten. Die kleinen Paradiese sind längst verschwunden wie zum Beispiel Kochel am See. Der war noch schöner als der Gardasee, man konnte auf einem Felsenweg und durch Moore wandern, barocke Prachtkirchen und fromme Klöster besuchen, in den Klöstergärten Schweinebraten essen und abends vor der Kneipe sitzen und Bauern auf ihren Treckern vorbeituckern sehen-mit wehendem Gamsbart auf dem Filzhut. Wenn es einmal regnete oder ein Gewitter gab, saß man auf dem Balkon und schmökerte die halbe Nacht. Das ist jetzt auch vorbei, denn kürzlich las ich in der Zeitung: Deutschland ist inzwischen nach Spanien das beliebteste Urlaubsland, in Kochel am See stehen sie Stoßstange an Stoßstange.

Wie gesagt, es hilft nichts, wir haben den Klimawandel mit aller Schuld und allen Folgen für alle. Die Braunkohleausstiegsverhandlungen, ob 2030 oder jetzt, sind nur ein Pflästerchen für das, was ich schon in den 80er, 90er Jahren las: Es ist für alles fast schon zu spät. Auch damals gab es schon Klimaschutzkonferenzen, wenn ich mich recht entsinne. Und zum Glück waren die letzten Paradiese da noch nicht entdeckt.

Da sitze ich nun und schaue hinaus in den grauen, trüben, kalten Tag. Mache einen Test, aber ich habe keine Winterdepression. Mir geht es immer so in dieser Jahreszeit. So dunkel es draußen ist, so dunkel wird es drinnen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Und es ist Jammern auf sehr hohem Niveau, denn andere Leute haben kaum das Geld für die dringendst benötigten Dinge. Ich langweile mich nur in diesem Wintertal, denn meinen neuen Roman habe ich vor zwei Tagen an die Lektorin geschickt - und jetzt habe ich einfach nichts mehr zu tun. Es ist so langweilig, als Rentnerin im Winter nichts zu tun zu haben.

Während ich dies schreibe, hat sich draußen vorsichtig der Himmel aufgezogen. Ein paar hellblaue Flecken und ein Schimmer von Sonnenlicht brechen durch. Zeit, doch mal wieder rauszugehen.

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