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Mittwoch, 22. November 2017

Heimat finden


Elfinger Berge bei Maulbronn-auch ein Stück Heimat
Gestern sind wir, nach einer langen dunklen Nebelperiode, mal wieder ausgeflogen. In den Schwarzwald, der ja gleich vor unserer Haustür liegt. Ein wenig Sonne hatte sich durch die Schleier gekämpft, und je weiter wir nach Süden fuhren, desto klarer wurden die Umrisse der Berge, desto hübscher die Häuserfassaden, desto lebendiger die Läufe der Flüsse und Bäche. In einer Bäckerei naschte ich vom Kuchen meines Gegenübers -ich selbst bestelle mir fast niemals einen, weil ich lieber Deftiges mag. Es war mir, als hätten diese Heidelbeeren, Melonenschnitze und Himbeeren noch nie so intensiv geschmeckt. In einer anderen Stadt stellten wir das Auto an den Rand der Fußgängerzone und liefen in eine märchenhafte Lichterzone hinein. Schramberg, das war bisher immer die Stadt der Uhren gewesen, Industriestadt, allenfalls noch interessant durch die rußgeschwärzte Burg weit oben, die wir schon einmal für Recherchen durchstreift hatten. Jetzt war es wie eine Offenbarung, als hätten wir diese Straße noch niemals gesehen. Rechts und links Geschäfte aller Arten, Kuchen und bunt verzierte Torten, glänzender Schmuck, Kleidung, Cafés, Restaurants, Kneipen, in denen die Gäste wie Könige im Schaufenster thronten. Und überall gelassen schlendernde Menschen, die noch nicht vom Weihnachtstrubel erfasst waren.

Dann eine kleine Buchhandlung. Da gab es merkwürdigerweise keine Riesenauslage von Krimis und Thrillern, auch keine Regionalkrimis, sondern eine Abteilung "Heimat". Was ist das eigentlich, Heimat, wie konnte der Begriff von einem so verstaubten und belasteten zu einem immer mehr gebräuchlichen werden? Heimat ist, wo man herkommt, wurde früher oft gesagt, hat was mit der Kindheit zu tun, mit dem Geschmack und Geruch der alten Zeiten. Ich hatte früher immer gedacht, es sei der Ort, wo man sich am meisten zuhause fühlt und wo die leben, die einem am liebsten sind. Inzwischen würde ich den Begriff anders definieren, und das erklärt auch dieses Gefühl, das ich während der Fahrt in den Schwarzwald empfand. Es ist das Gefühl, mit sich selber im Einklang, ganz da zu sein und die Welt mit allen Sinnen zu erfahren. Es ist kein immer währendes Gefühl, ähnlich dem Glück, es kann sehr schnell durch den Einbruch der schnöden Außenwelt wieder zerstört werden.

Parallel dazu las ich, dass die Besitzer von Smartphones nur noch acht Minuten täglich telefonieren würden, alles verlagere sich zunehmend auf die Online-Kommunikation. Dass die Kids es aber neuerdings genießen würden, Unkraut zu jäten. Der Wald stehe in der Werteskala der Deutschen inzwischen auf Platz eins, noch vor Gesundheit und Familie. Wald aber eher als Event, in dem man sich schnell und effektiv erholen wolle. Mir ist schon klar, woher das alles kommt, man braucht sich nur die Bestenlisten anzusehen. Wald und Bäume bei den Büchern, bei den Kalendern, gestern war sogar ein ganzes Schaufenster als Wald eingerichtet, mit Wolf, Wildschwein, Hase und Igel darin. In Pforzheim gibt es ein Schnellrestaurant, in dem die Gäste zwischen Holzstämmen sitzen, ich glaube, es servieren sogar Kellner und Kellnerinnen mit Dirndln und Lederhosen. Seit Dörte Hansens "Altes Land" ist der Heimatbegriff wohl endgültig salonfähig geworden. Und der Titel "Das Kind in dir muss Heimat finden" steht schon monatelang auf der Bestenliste. Ich persönlich habe meine Heimat in der Natur und in der Kultur, finde sie in Büchern, im Schreiben und bei Menschen, die ähnlich denken und empfinden wie ich. Gerade vorgestern habe ich meinen Roman beendet und ihn noch nicht irgendwohin geschickt. Denn solange er noch bei mir ist, gehört er zu meinem "Heimatgefüge".

Donnerstag, 25. Februar 2016

Im dunklen Tal

Momentan ist es nicht einfach, in den sozialen Medien unterwegs zu sein, ja, auch nur seinen Blog mit etwas zu bestücken, mit dem das Interesse anderer auch nur ansatzweise geweckt werden könnte. Eine Durchsicht meiner Blogstatistik ergab, dass im letzten Jahr die meisten Besucher an solchen Themen interessiert waren: "Grenzerfahrung", "Besser werden", "Osterspaziergang" "Romantische Wege", "Endlich Rente!", "Der Flatrateautor" als "Spitzentitel", "Das Weißkitteldrama", "Kleine Freuden" sowie "Martinsgans"und "Oasen". Im Großen und Ganzen zeigt das Resultat, dass meine Blogleser nach Auszeit-Themen suchen und nicht mit denselben Dingen konfrontiert werden wollen, die ihnen tagtäglich kaum noch erträglich aus Fernsehen, Radio, der Zeitung und den sozialen Medien entgegenschreien. Ich hörte sogar jemanden sagen, er schaue sich inzwischen die Katzen- und Hundebilder bei Facebook lieber an als die Nachrichten und Diskussionen der Medien. Ach ja, meine Besucherkatzenbeiträge waren natürlich auch recht beliebt.

Als ich nun heute so überlegte, was ich in meinen Blog reinschreiben könnte, hörte ich draußen einen Riesenkrach. Ob die Katzen mal wieder einen ihrer herrlichen, verrückten Veitstänze aufführten? Beim Blick aus dem Fenster merkte ich, dass es eine gewaltige Menge Schnee gewesen war, die vom photovoltaikten Dach herabrutschte. Vor lauter Schreck darüber saßen jetzt mindestens zwanzig Meisen am Meisenknödel, so dass er aussah wie ein Igel. Ja, auch die Tierwelt leidet unter vermeintlichen und echten Katastrophen und eilt sich, etwas für ihr Wohlbefinden zu tun. (Für das wir laut Schopenhauer sowieso selber sorgen müssen, weil die Natur uns nur das Dasein gegeben habe). In dieser Situation beschloss ich, die Zeitung heute mal nicht zu lesen, die 12-Uhr-Ausgabe der Tagesschau nicht anzusehen, auch nicht raus und schwimmen zu gehen, sondern stattdessen etwas in meinen Blog zu schreiben. Vorher aber schaute ich noch bei meinen Nachbarblogs vorbei. Und stieß auf zwei Artikel, die in der Lage waren, mich ein wenig zu "erden". Einmal auf den sehr treffenden Beitrag von Annette Weber Elternschock, dann auf Petra van Cronenburgs Blog, in dem ich etwas über meine Situation wiederfand. Launisch, grummelig und trotzdem gut. Aus den Beiträgen ergibt sich für mich, dass sich immer wieder etwas ändert, auch wenn man in der Tiefe des dunklen Tales nicht daran glauben mag. Und dass es gut ist, nicht eingleisig zu fahren, in jeder Beziehung. Gerade habe ich die Lektüre eines Buches beendet, das ich am Schluss ungern aus der Hand legte, was bei mir nicht jedesmal so ist. Und zwar war es das Buch einer Engländerin, die zusammen mit Hape Kerkeling den Jakobsweg gegangen war und diese Erfahrung mit dem Fahrrad wiederholen wollte. Ich bin da noch mal hin. Das Fahrrad hat sie dann irgendwann stehen lassen, weil sie nur noch im Regen auf Autobahnen fuhr, und von da an hatte sie sich das angetan, was sich schon Tausende von Pilgern angetan haben. Die Reise muss ich jetzt nicht selbst, sondern konnte ich mit dieser Autorin machen und auch ihren Erkenntniswert für mich verbuchen. Auf der ersten Reise hatte sie sich nämlich vorgenommen, mehr für andere dasein zu wollen, auf der zweiten merkte sie, dass sie eigentich andere Menschen brauchte, die für sie da sind. Noch ein Fall von dunklem Tal und Wohlsein, das wir uns selbst verschaffen müssen!

Zum Schluss noch etwas für meine Mitautoren und die Blogleser, die nach Wohlfühloasen, romantischen Wegen und kleinen Freuden suchen. Und zu den Oasen, ganz profan. Gestern sind wir bei Wind und trübkaltem Wetter in die alte Bischofsstadt Rottenburg gefahren. Zu unserem Erstaunen war der lebhaft besuchte Bücherschrank verschwunden, statt dessen gähnte ein riesiges Bauloch. Hier wird ein Betonklotz errichtet, der die städtische Bücherei aufnehmen soll. Beim kleinen Osiander auf dem Marktplatz war der Computer ausgefallen, Bücher konnte man nur in bar und ohne Quittung kaufen. Weiter unten ein kleiner Bücherladen, den wir bisher nie beachtet hatten, weil wir ihn gar nicht als solchen erkannt hatten. Das war eine richtige Oase, mit vielen Titeln aller Richtungen und einem Teetisch zum Schmökern. Und als ich nach Hause kam, war auf wunderbare Weise mein "Teufelswerk" sichtbar geworden, ohne dass ich die Rabattaktion irgendwo anders als bei Amazon und Tolino angekündigt hatte.

Möge das Schreiben selbst wieder zu einer Oase werden!

Rottenburger Marktplatz im Sommer, eine Oase

Sonntag, 11. Oktober 2015

"Der eilige Gral der Ebookwelt"

In den letzten Tagen habe ich mir wiederholt überlegt, warum in letzter Zeit alles zu stagnieren scheint. Und kam zu dem Schluss, dass es nicht die Umstände sind wie der Herbst, der jetzt mit Macht und Hochnebeln angedampft kommt. Es scheint alles zu stagnieren, weil sich bei mir zu viel um die Sichtbarkeit (und damit die Vermarktung) der E-Books dreht. Das und die Veröffentlichungsprozesse haben seit Monaten meinen Schreibfluss, in dem ich eigentlich so dreizehn, vierzehn Jahre lang drin war, paralysiert. Dazu fand ich noch einen erhellenden Artikel der Plattform Sobooks vom Januar dieses Jahres. Ein Blogger namens Sascha Lobo beschreibt das Problem, wie Bücher, insbesondere Ebooks, vom Leser eigentlich gefunden werden sollen. Man kann sie ja nicht hochhalten oder sehen, wie andere Leute es lesen. Es liegt in keiner Buchhandlung oder wenn, dann nur in den digialen Regalen dieser Buchhandlungen via Tolino und anderer Distributoren. Und auch dort sind sie schwer zu entdecken, weil es keinen Stapel gibt. In den Buchhandlungen entdecke ich Bücher, wenn ich mir sehr viel Zeit nehme beim Stöbern. Wenn ich wenig Zeit habe, nehme ich die Bücher, die mir ins Auge fallen. Und darum dreht sich der Großteil des Problems, nachdem alle anderen Hürden erfolgreich genommen sind: Das Schreiben eines Buches, das Finden eines Verlages oder einer Agentur, das Lektorat, das Cover, der Klappentext. Und dann eben die Vermarktung. Das Gleiche gilt für die selbst publizierten Ebooks. Schreiben, Lektorat, Korrektorat, Cover, Klappentext. Und dann eben wieder die Vermarktung. In dem Blogartikel kommt der Autor zum Schluss, dass folgende Kriterien wichtig wären, um Bücher/ Ebooks sichtbarer zu machen:

. soziale Medien und E-Books müssen viel näher zusammenrücken: Bücher in den Newsfeed!
• die (digitale, soziale) Beziehung zwischen Autoren und Publikum ist einer der wichtigsten Schlüssel
• die Empfehlungsmöglichkeiten zwischen Lesern müssen technisch vereinfacht und qualitativ verbessert werden
• die essentiellen Diskussionen um Bücher brauchen einen organischen, nachvollziehbaren Ort
• und das E-Book braucht eine neue, zusätzliche Form des Leseerlebnisses, weil bisher Abgeschiedenheit Trumpf ist.

Das klingt plausibel. Und ich meine, so etwas schon vor Jahren bei einer meiner werten Blognachbarinnen gelesen zu haben. In den zahlreichen Kommentaren zu dem Artikel die ich quergelesen habe, kommt der Einwand: Ich lese aber im Zug und sonstwo nicht, um das Erlebnis mit anderen zu teilen! Ich will meine Ruhe haben beim Lesen. Nehmen wir einmal an, ich nehme mit meinem Buch an verschiedenen Leseforen teil und teile auch meine Erfahrungen als Leserin in solchen Foren. Dazu unternehme ich andere Aktivitäten, um mein Buch unter die Leute zu bringen. Das Ergebnis wäre eindeutig: Ich hätte noch viel weniger Zeit und Energie, neue Bücher zu schreiben. Es sei denn, ich würde das mit anderen zusammen machen. Ich will aber auch beim Schreiben meine Ruhe haben, denn sonst wäre ich ziemlich total in der digitalen Welt gefangen, was ich nicht will. Habe ich nicht immer gesagt, es gebe eine Realwelt neben der digitalen?

Ich weiß noch nicht so richtig, was ich machen werde. Ein Satz haftet mir im Gedächtnis, den ich einst bei unserer Kollegin Sabine Schäfers las: Autoren, die aufs Ranking starren. Und ich meine, Matthias Matting habe kürzlich erwähnt, dass er jemanden kenne, der nicht mehr schreiben könne vor lauter Rankinggucken. Vielleicht sollte ich alle Favoriten löschen, die sich damit befassen. Und mich in Zukunft nur noch mit den Dientleistern verbinden, die meinen Büchern die für sie maximale Sichtbarkeit verschaffen können, egal ob digital oder gedruckt.

Demnächst in den Onlineshops von Thalia, Weltbild, Hugendubel und vielen mehr:

Samstag, 4. Juli 2015

Vernetzt, gefangen, ausgespäht


Einen Vorteil hat diese Sommergluthitze ja: Man kann zuhause im abgedunkelten Zimmer sitzen und sich auf das Wesentliche konzentieren. So bin ich auf eine Diskussion bei Facebook gestoßen, die den Finger auf genau die Wunde legt, die Amazon seinen Autoren (und Lesern!) mit seinem neuen Abrechnungsmodus beschert hat. In einem Interview weist Nina George auch noch auf andere Dinge hin, die im Zusammenhang damit aufgeworfen werden können. Literatur-wird-eine-andere
Worum geht es? Vielleicht kann ich es mal aus ganz naiv-persönlicher Sicht schildern: Als ich gestern von einem erfrischenden dreitätigen Ausflug ins Allgäu zurückkam, erwartete mich eine herbe Überraschung. Die Ausleihanzeigen meiner Ebooks waren vollkommen verschwunden, da war nur ein langer Strich, wie diese Lethal-Anzeigen im Krankenhaus, ein langgezogenes Piiiiiiiep und aus. Für den 1., 2. und 3. Juli gab es die gewohnten blauen Kurven, aber nicht mit der Anzahl der Ausleihen, sondern mit der Zahl der Seiten, die von den Lesern gelesen wurden. Hat da einer tatsächlich 515 Seiten gelesen, in einem Rutsch? Oder haben 10 Leser jeweils 51,5 Seiten gelesen? Aber so viele Ausleihen auf einmal gab es doch früher nicht? Wenn Amazon wirklich mehr Gerechtigkeit ins SP-System bringen wollte, dann hätte der Konzern das für alle durchsichtiger machen müssen. So, wie es bis jetzt aussieht, fühlt es sich an wie wachsende Kontrolle (und damit Macht) des Konzerns, Ausspähen von Lesegewohnheiten und weniger Kontrolle und Übersicht für den Autor. Liest der Leser weniger als 10%, erscheint das Buch gar nicht in der Ausleihe und wird auch nicht vergütet. Angeblich sollte es für die Autoren mit längeren Texten einen Ausgleich schaffen, weil solche mit 99-Cent-Büchern das Gleiche an Tantiemen bekamen. Kontrolle, Macht, Ausspähen, Eigenkonrolle - das führt mich unweigerlich zum Nächsten.

Ein Interview mit dem Informatiker, Komponisten,  bildendenden Künstler, Autor und Träger des Friedenspreises des deutschen Buchhandels Jaron Lanier im FAZ-Feuilleton: Warum wollt ihr unseren Quatsch? Da geht es um die sozialen Netzwerke und Konzerne wie Facebook, Amazon und Google. Ursprünglich einmal von jungen, begeisterten Technikfreaks erfunden, um den Leuten das Leben zu erleichtern und vielleicht sogar die Welt zu verändern. Während du früher umständlich auf den Nachbarn zugehen musstest, kannst du dich heute mit der ganzen Welt verbrüdern, dir deine Ware ins Haus bestellen (mich stört es übrigens eher, wenn die Briefträgerin dauernd klingelt!) und an Selbst-und Globalbewusstsein gewinnen. Dich selbst schneller, besser, intensiver verwirklichen. Für dich und deine Produkte problemlos werben. Der Nachteil ist schon jetzt, dass du ausgespäht, selber als Werbeobjekt und Geldspeier ausgepresst wirst. Oder woher kommen diese Tausende von Spammails, warum haben die Anrufe obskurer Umfragen so rasant zugenommen? Über den guten alten Briefkasten lohnt es sich ja schon nicht mehr, da guckt wohl kaum noch jemand rein. Es ist ein super stimmiges Bild vom "Silicon Valley", von dem aus die Menschen und sogar Politiker gesteuert werden. Hätte es diese Netzwerke im dritten Reich schon gegeben, hätten die Macht und die Tötungsmaschinerie noch viel effektiver ausgebaut werden können. Selbst Terroristen mussten früher ans Telefon gehen, um sich zu verabreden. Da fällt mir gerade auf, wie rasant schnell sich die Welt verändert hat: Ich schreibe gerade an einem Exposé, dass in den Jahren 1969 und 1934 spielt, in Hamburg, Buenos Aires und im Urwald von Misiones. Völlig unbedacht haben sich da eine "Kita" und eine Kommunikation per Facebook eingeschlichen! Dabei war ich doch 1969 selbst in Argentinien und habe gesehen, dass der Strom von einem brummenden Gerät im Garten geliefert wurde. Und die Grüße an die Lieben daheim wurden per Telegramm übermittelt. Ob ein heutiger Jugendlicher das Wort überhaupt noch kennt?

Ich habe ja schon viel über Social Media geschrieben und es nie grundsätzlich verteufelt. Das mache ich auch jetzt nicht. Es wird immer das bleiben, was die Einzelnen daraus machen. Die Informationsübertragung hat sich für mich eindeutig verbessert, als Autorin sind mir Emails eh lieber als ständige Telefonate. Aber man sollte sich überlegen, wem man sich jeweils ausliefert und was man von sich preisgibt. Und was einem wirklich bei der Weiterentwicklung hilft. Deshalb ist auch dieser ein Lieblingssatz für mich: Wenn du dich selbst kennenlernen willst, solltest du Facebook verlassen, für eine ausreichende Zeit. Nicht aus dem Glauben heraus, dass es falsch oder böse ist. Sondern einfach als ein Experiment. Um herauszufinden, was Facebook wirklich ist. Und wer du wirklich bist." In den letzten drei Tagen im Allgäu habe ich zwar ein Handy dabeigehabt, es wurde aber nur einmal wegen eines Treffens benutzt. Drei Tage lang war ich mit keinem Netz verbunden. Statt uns weiter dem Touristenzirkus auszuliefern, haben wir eine Nische gefunden. Ich habe den Vögeln und Schmetterlingen an einem grün schäumenden Gebirgsfluss zugeschaut und die erhitzten Glieder im eiskalten Wasser gekühlt. Abends saßen wir auf dem Balkon unserer Ferienwohnung und schauten dem Mond zu, der als ein riesiger Ball über die Bergspitze stieg. Es geschah nichts und doch so viel, dass es keinen Moment langweilig wurde, bis die Kälte vom Gebirge herabkroch und uns in die Betten trieb. Die Grillen zirpten unermüdlich, zerfetzte Wolken zogen vorüber, der Mond stieg höher und verschwand hinter dem Dachgiebel. Drei Kühe standen unbeweglich in der Wiese, ich wusste gar nicht mehr, dass sie im Stehen schlafen. Ihre Glocken hatten aufgehört zu bimmeln. Und über allen Gipfeln war Ruh.
                                                                      

Freitag, 26. Juni 2015

Warum können wir nicht mehr lesen?

Heute gab es zwei Ereignisse, die mich beeindruckt haben, einmal auf der persönlichen Ebene, dann auf einer allgemeineren. Gemeint ist ein Artikel, den ich bei Nikola Hotel und anderen auf Facebook verlinkt fand: Warum können  wir nicht mehr lesen?  Um meine potentiellen Blogleser nicht mit ellenlangen Worten und Sätzen anzustrengen, möchte ich mich dabei möglichst kurz halten. In dem Beitrag auf dem Verlagsblog wird ein Hugh McGuire zitiert, der sein eigenes Verhalten und seinen Umgang mit der Welt kritisch beleuchtet. Da ist die Rede von seiner Tochter, die in reizendem Kostüm auf einer Bühne herummarschiert. Und statt ihr in diesem wichtigen Moment die notwendige Aufmerksamkeit zu schenken, twittert er nebenbei und checkt seine Emails. Da ist die Rede von Dopaminen, die entstehen, wenn man kurze Adrenalinausstöße wie beim Öffnen einer Email oder bei der schnellen medialen Kommunikation hat. Und dass er in diesem Jahr nur vier Bücher gelesen hätte. Beim Lesen tauche man ganz in die Welt des Autors ein; das sei intensiver und mehr entschleunigend als alles sonstige Mediale. Ich lasse diesen Artikel einfach mal für sich sprechen, er bringt das Dilemma des modernen Menschen pefekt auf den Punkt.

Ich selbst kann von mir nicht behaupten, dass ich nicht mehr lesen könne. Ich tue es jeden Abend, als Übergang zum Schlafengehen. Aber bis dann bin ich ebenfalls ein Opfer der schenllen Kommunikation. Auch ich kann es mir nicht verkneifen, immer wieder reinzugucken, was so los ist in den Foren und auf den Plattformen. Allerdings kann ich das nuir, wenn ich zu Hause bei meinem PC bin, ich habe kein Smartphone und benutze das Handy nur für Absprachen. Heute Vormittag sah ich nach langer Zeit mal wieder eine von diesen Serien mit systemischer Therapeutin: "Hilf mir doch", das jeden Morgen um 9.50 auf Vox ausgestrahlt wird. Da ging es um eine junge Frau, die nicht nein sagen konnte und sich selbst und ihre Familie in die allergrößten Schwierigkeiten brachte. Dahinter stecke der Wunsch, nicht abgelehnt zu werden, sich Zuneigung zu erhalten. Die Therapeutin riet dazu, sich die Zuneigung an den Stellen zu holen, wo sie auch zuverlässig zu bekommen sei (zum Beispiel beim eigenen Mann) und nicht bei Leuten, die sie letztendlich nur für ihre Zwecke eingespannt und ausgenutzt haben. Meine Frage: Könnte das moderne Dilemma etwas mit diesem "Nicht-Nein-Sagen-Können" zu tun haben? Muss man immer gleich ansHandy rangehen oder Emails öffnen und beantworten? Sucht man Bestätigung in diesen Kontakten? Denkt man, nicht mehr dazuzugehören, wenn man sich partiell ausschließt? Dabei spreche ich nicht über Informationsaustausch und wirkliche Kommunikation, sondern über dieses Doping-Verhalten.

Freitag, 7. November 2014

Die Woche im Off

Am Donnerstag vor einer Woche kam eine junge Klientin von mir aus einer psychosomatischen Klinik zurück. Sie hätte dort unter anderem gelernt, dass man auch ohne Fernsehen und Handy leben könnte. Dabei wirkte sie kolossal entspannt. Zwei Tage später ließ sich mein Computer nicht mehr starten, nachdem er schon einige Zeit vor sich hin gezickt hatte. Alle Bemühungen, ihn wieder zum Leben zu erwecken, scheiterten. Und so empfand ich es als wohlmeinende Geste des Himmels, dass sich das ganze Wochenende arbeitnehmerfreundlich warm und herbstlich schön gestaltete. An Schreiben war eh nicht zu denken, da sich alle Unterlagen im Wrack des Computers befanden. So kam es noch zu einer letzten Superwanderung auf dem Burgenweg/schwäbische Alb. Die Natur bleibt, wie sie war, auch wenn immer mal wieder erstaunlich kontraindizierte Dinge wie ein Plastikdrachen auf der Ruine Greifenstein auftauchen. My Home is my Castle, denken deutsche Familien wohl heute wie einst, denn beim Erscheinen des schon zweiten Störers meinte ein kleines Mädchen, das dort mit seiner Familie beim Picknick saß: Wir wollen jetzt ESSEN! Nun ja, auch wir konnten uns des Eindrucks nicht erwehren, dass es Tage gab und gibt, an denen man mit sämtlichen Wanderfreunden des Ländles konfrontiert wird.

Am Abend war die Autorin dann wieder zu Hause und starrte wehmütig auf den Fleck, an dem der Computer gestanden hatte. Mannomann und -frau, hat der einen Platz in meinem Leben eingenommen! Ich konnte nicht weiterschreiben, ich konnte keine Mails abrufen, nicht in meine Blogs schauen und noch nicht mal gucken, ob man geräucherten Lachs einfrieren kann! Am Montag nahm ein Freund meines Sohnes ihn in Reparatur. In der Woche danach durchlief ich alle denkbaren Gefühle der Entbehrung und des herbsten Verlustes, aber auch der Befreiung und Wiederversinnlichung der mich umgebenden Welt. Fast sehnte ich mich nach einem Smartphone; ich beneidete unseren Azubi um seins, dem er ganz schnell die Züge entlocken konnte, die noch fuhren oder den Namen des Kürbisses, der aussieht wie eine Birne. Nun ja, der Lachs ist eingefroren und ich werde schon merken, ob er nach dem Auftauen noch schmeckt. Irgendein Ersatz musste natürlich her. So griff ich nach der liebsten Freizeitbeschäftigung der Deutschen, was durchaus nicht Computern oder Smartphonen ist, sondern FERNSEHEN. Und dabei verging mir zwischendurch das Hören und Sehen. Einmal zeigten sie ein junges Mädchen, das in Heidelberg mit Ohrstöpseln Fahrrad fuhr, um Musik zu hören. Sie stieß mit einer Straßenbahn zusammen und kam knapp mit dem Leben davon. Dann kamen Bilder einer Überwachungskamera in einem U-Bahnhof. Sie präsentierte hintereinander drei Menschen mit Handy oder Smartphone, die plötzlich vom Rand wegkippten und auf die Gleise fielen. So ging es gerade weiter. Gestern kam im Odysso eine Sendung über Lärm. Das kann alles in Dezibel gemessen werden und reicht vom Ticken der Uhr bis zum Presslufthammer und dem Düsenjet in niedriger Höhe, die ab einem bestimmten Pegel und einer bestimmten Dauer krank machen. Da allerdings würde der Computer gut abschneiden, denn das Brausen des Browsers entspräche einem Flüstern oder einem Blätterwerk im Wind, während der Fernseher mit 70 Dezibel auf einer Stufe mit Schreien und dem Lärm eines Rasenmähers steht. Das kann man jedoch selber kontrollieren, während die Leute an den Einflugschneisen der Jets, an stark befahrenen Straßen und an häufig benutzten Bahnlinien nicht entkommen können.

Während dieser Woche gab es nun eine seltsame, ich will nicht sagen märchenhafte Veränderung bei mir. Ab dem dritten Tag bemerkte ich die Stelle mit dem fehlenden PC gar nicht mehr. Die Außenwelt wurde bunter, selbst die Menschen, Kollegen, Nachbarn, Freunde rückten in ein helleres Licht. Die Zeit verlangsamte sich. Nach ein paar Tagen war die Wohnung geputzt, ich war mindestens zwei mal im Schwimmbad gewesen und hatte plötzlich Zeit, auf einem kleinen Markt einzukaufen. Kartoffeln vom Bauern mit Erde dran, richtige einzelne, dicke Zitronen, Bauernbratwurst und anderes vom Metzger, und beim Bäcker gab es Zwiebelkuchen, und die Kaffetrinker unterhielten sich über die Arbeitsweise des Roten Kreuzes. Auf der Rückfahrt dann das Erwachen aus diesem langsamen, bunten Traum: Ein Fahrer, wahrscheinlich mit Handy am Ohr, kam uns entgegen, überholte und drängte dabei brutal einen Radfahrer von der Straße. Kreidebleich und fassungslos sah der dem Wagen hinterher. Nein, ich möchte nicht so abhängig von diesen Geräten werden, dass ich mich selbst oder andere Leute damit gefährde! Deshalb darf der PC ruhig ab und zu streiken und auch mal kaputtgehen, damit ich weiß, wie es auch mal ohne ging und geht. Dann tauchen vor dem inneren Auge Zeiten auf, als man mit dem Telefon an der Wand stand, mit der es verkabelt war, als man Geld in die Schlitze von gelben Zellen werfen konnte, Walkmen der neueste Schrei waren und die Leute in den Kneipen noch miteinander redeten und nicht auf ihre Smartphones starrten. Das erlebe ich fast nur noch in der Großstadt, nämlich dass Leute in den Kneipen miteinander reden.

Wie dem auch sei, heute Abend war die Auszeit dann zu Ende. Der PC war repariert, ich kam nach einem langsamen, bunten Nachmittag nach Hause und fuhr ihn hoch. Die Mails hatte ich im Büro kaum lesen können, das Dashboard meines E-Books hatte mehr Ausschläge als in den Zeiten, als ich es täglich kontrollierte. Es waren Kommentare da, und meine Mitautoren waren alle aktiv gewesen. Jetzt endlich konnte ich auch die Verbesserungsvorschläge meines Testlesers begutachten. Der Browser braust wieder leise vor sich hin, es ist, als rausche in der Ferne ein Bach. Ich bin froh, dass ich ihn wiederhabe, aber ich bin ebenfalls froh über die Woche, in der ich so viele Dinge außerhalb gesehen habe, und ich hoffe, dass ich einiges davon mit rübernehmen kann, auch ins Schreiben, das ich jetzt endlich fortsetzen kann. Früher hätte ich mit der Hand geschrieben, doch ist der PC inzwischen mein Arbeitsinstrument ersten Ranges, und ich bin ein drittes Mal froh, nicht gerade in einem Lektorat oder in einer Abgabephase gewesen zu sein. Dann hätte ich das wohl nicht so genießen können, und es hätte sich zumindest der Erscheinungstermin des Buches verschoben.

Sonntag, 15. Juni 2014

Der gierige Hamster

Angeregt von einem Beitrag Petra van Cronenburgs nebenan möchte ich auch ein Traumerlebnis zum Besten geben, das meine Situation mit allem, was im Moment von Wichtigkeit ist, widerspiegelt. Als langjährig therapeutisch Arbeitende habe ich natürlich einen direkten Draht zu den dunklen Stuben, die auch heute noch da unten dräuen wie zu Armeweberzeiten. Nur die Bilder, die in diesen Stuben entstehen, wandeln ihr Antlitz im Lauf der Geschichte. Ich bin, wie so oft, mit vielen Leuten in einem Haus unterwegs. Alles ist im Aufruhr, im Umbruch, Neues soll entstehen. Und es ist ein richtiges, großes Haus, keine Burg wie noch vor zehn Jahren, in der wir treppauf, treppab herumirrten und keinen Ausgang fanden. Daraus entwickelten sich wahrscheinlich die historischen Romane. Nun, wir sind also unterwegs in diesem Haus, und mit einem Mal merke ich, dass ich meine Sachen nicht mehr finde, insbesondere meine Jacke nicht mehr. Ich suche und suche und finde weder Taschen noch Einrichtung noch sonst irgendwas. So weit, so gut. Wir versammeln uns in einem Raum, vielleicht ist es der Frühstücksraum. Da habe ich die Behausung meines Hamsters, eine kleine Burg für ein kleines Lebewesen. Ich streue ihm einen Berg seines Futters vor die Hütte und klopfe an, um ihn zu wecken. Der kleine schwarze Hamster wuselt heraus, eilt auf den Futterberg zu und frisst ihn innerhalb von Sekunden auf!

Was können wir, als wieder Erwachte, daraus lernen? Vielleicht dies: Sei achtsam mit dir und deinen Sachen! Zu leicht gehen die Bedürfnisse unter, wenn man mit zu vielen Leuten in einem zu großen Haus unterwegs ist. Und bedenke, was mit dem Futter passiert, wenn du den Hamster weckst. Hier war es noch vollkommen in Ordnung, aber was würde geschehen, wenn ein riesiggroßer schwarzer Hamster herauskäme und alles auffressen würde?

Samstag, 4. Januar 2014

Raus aus der digitalen Falle!

Die Weihnachts- und Silvestertage habe ich in sehr intensivem Kontakt mit realen Personen verbracht, mit kulinarischen Sinnenreizen, mit Stadt- und Einkaufstripps, Wanderungen in der Sonne und einem Besuch in Bad Wildbad im Nordschwarzwald, vielleicht eine halbe Stunde von hier entfernt. Im "Palais Thermal, einer der schönsten Thermen Europas, die ich schon immer mal besuchen wollte, war aufgrund des schlechten Wetters ein Riesenstau entstanden. Es half nichts, wir mussten in die Vitalis-Therme ausweichen, die im Vergleich mit dem maurischen Badetempel und den Fürstenbädern doch etwas karg wirkte. Aber auch sie war sinnenreizend. Am Tag darauf, gestern, fühlte ich mich leer und ausgelaugt. Irgendwie hatte ich keine Lust, den PC hochzufahren, stattdessen stellte ich lieber das Radio an. Als ich den Computer dann doch hochgefahren hatte, langweilte mich fast alles, was ich zu sehen bekam, über alle Maßen. Warum schreibe ich nicht einfach weiter?, dachte ich. Ich habe keine Lust, sagte mein Alter Ego. Es ist so sinnlos. Was war geschehen?

Heute lese ich bei meiner Blognachbarin Nikola Hotel (Verstummt) , dass sie ganz ähnlich empfunden und sich jetzt bei Facebook ausgeloggt hat. Spontan habe ich meinen Account wenigstens mal von den Favoriten gelöscht. Dann fand ich noch einen neueren Artikel der NZZ: Die Bilder und die Leere. Dessen Fazit ist zumindest, dass labile und schüchterne Menschen davon krank und depressiv werden können. "Gesunde"Menschen können nur "glücklich" damit werden, indem sie sondieren und eindeutige kommunikative Schwerpunkte setzen. Mich hat man gestern ins Auto gesetzt und in die nächstgrößere Stadt verbracht, wo wieder Gesichter, Düfte, Bücher und Kaffee an mich herangebracht wurden. Und siehe da, die paralysenhafte Erstarrung wich fast sofort, ich konnte mich wieder bewegen.

Es scheint, als sei die ganze Welt in einem Viereck erstarrt. Natürlich gehört das Fernsehen auch dazu, selbst die Zeitung, die ich in letzter Zeit nur noch oberflächlich gelesen habe, wenn überhaupt. Aber ich weiß jetzt wenigstens, woher mein zunehmendes Unbehagen kommt. Es liegt nicht an den Social Media an sich, sondern in meinem Umgang damit, auch mit den falschen Erwartungen und Hoffnungen, die ich vielleicht einmal damit verknüpft habe. Mein vorläufiges Fazit: Die Kontakte der letzten zehn, dreizehn Jahre haben mich in vielem, vor allem als Autorin, weitergebracht, auch die realen Kontakte, die daraus entstanden sind. Mindestens die Hälfte davon aber war, das gebe ich ehrlich zu, reine Zeitverschwendung, manchmal spaßig, manchmal zermürbend. Und ich will und werde in Zukunft lernen, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Social Media - ausgespäht

Als ich heute Morgen endlich mal wieder Muße hatte, in den Social Media-Bereich zu schauen, fand ich Petra van Cronenburgs Artikel Prolls oder Publikum? über eben diese Medien, und applaudierte innerlich.Seit ein paar Monaten beobachte ich nämlich bei mir dieselben Phänomene von Ärger und gefühlter Sinnlosigkeit, was die Kommunikation dort betrifft. Jetzt war ich ein paar Tage gar nicht bei Facebook und klickte die Seite probehalber mal wieder an.
Es hatten sich Spiele angesammelt, Seitenfeed, jede Menge Content und rechts die Anzeigen, die geschaltet werden. Man kann diese Spiele nicht löschen, nur unsichtbar machen und soll dann auch noch begründen, warum man sie nicht haben will. Seit Beginn meiner Zeit dort halte ich mich in Berlin auf und will gar nicht wissen, wie ich das wieder wegkriege. Dabei bin ich seit zig Jahren nicht in Berlin gewesen. Ob es stimmt, dass mein Sohn dort heute an einem Veteranenstammtisch teilnimmt? Ich dachte, der wäre ganz woanders? Den Seitenfeed kann ich ebenfalls nicht löschen,und ich habe auch keine Lust mehr, damit meine Zeit zu verschwenden. Die Anzeigen werden nach den Google-Suchanfragen geschaltet, die ich in letzter Zeit gestartet habe. Ach, und ich dachte, Thalia hätte eine Anzeige zu meinem Buch gebracht! Da stehen jetzt Hotels von Städten, in die ich fahren möchte, dort standen Anzeigen aus meiner Heimatstadt,bis ich die gelöscht habe mit dem Ergebnis, dass FB mich täglich auffordert, mein Profil zu vervollständigen. Schöne neue Welt, Big Brother is watching all your life! Ständig sollen meine Freunde im Chat sein und wenn einer zu einer Veranstaltung einlädt, wird behauptet, diese und diese Freunde würden hingehen, obwohl sie es gar nicht tun. Was soll das? Für die Anzeigen habe ich ja noch Verständnis, umsonst ist eben auch Social Media nicht zu haben. Es gibt allerdings auch Leute, die es richtig machen, nämlich nur mit Freunden und Verwandten Nachrichten austauschen. Aber dafür gibt es doch eigentlich Email und Telefon?

Bei einem Umzug kürzlich ist das (Festnetz-)Telefon ausgefallen. Zwecks einfacherer Kommunikation kaufte ich ein neues Handy. Es war ein Smartphone, wie sich herausstellte. Das zweite, das alte Handy, lud ich mit 50 Euro auf. Innerhalb von drei Tagen war es leer. Da guckte ich aber dumm in die Röhre. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Funktionen des Smartphones auszuprobieren, mal zu FB damit zu gehen usw., aber bis heute liegt es stumm in meinem Rucksack und wird nur hervorgezogen, wenn ich mit jemandem kommunizieren will oder muss. Ich habe keine Lust mehr, mir von Robotern die Zeit stehlen zu lassen!
(Sobald ich solche Sprüche loslasse, kommen übrigens diese Roboter mit Phantasienamen wie Vampirestat oder Secretsearch, vornehmlich aus den USA und aus der russischen Föderation. Also sind die meisten Leser hier auch nicht echt, seufz :-)) Oder werde ich einfach nur, wie so viele andere, ausgespäht?

Montag, 7. Oktober 2013

Zwänge im Internet

Die letzten zwei Wochen habe ich intensiv genutzt, um mal wieder überflüssigen Ballast loszuwerden. Das heißt, ein Drittel aller alten Papierbücher, die Hälfte der Papiere und Gebrauchsanweisungen, Bilder, Klamotten, Schuhe, Fotos ...und dann endlich auch mal durch was Neues ersetzt. Durch einen Umzug im engeren Freundeskreis bin ich überhaupt erst darauf gekommen. Zu diesem Zweck mussten wir ein neues Handy kaufen, weil es heutzutage drei Wochen dauert, bis Telekom das Telefon ummeldet. Es stellte sich als I-Phone heraus, und damit kann man auch fotografieren, Videos drehen, bei Facebook teilnehmen und noch tausend andere Sachen. Dabei wollte man doch bloß telefonieren ...Dann gings an den PC. In Facebook fand ich etwa fünfzig Spiele, Dutzende Like-Anfragen und allen möglichen Mist, den ich niemals angefordert habe. Irgendwelche Firmen drängen sich dazwischen und wollen, dass man ihre Seite liked. Und vieles davon kann man überhaupt nicht mehr entfernen, nur unsichtbar machen. Und wird dann auch noch gefragt, warum einem dieses Foto, dieser Beitrag nicht gefällt. Ehrlich gesagt, finde ich das fast schon eine Nötigung. Bei Readern soll es so sein, dass man am Ende gefragt wird, wie einem das Buch gefallen hat - und sogar per Email daran erinnert wird, einen Kommentar zu schreiben. Was dann zu Zweisatzkommentaren führt, mit denen man wenig bis gar nichts anfangen kann. Heute ist der ganze Vormittag nur mit Papieren und Facebook-Bereinigung draufgegangen. Allmählich merke ich, dass ich anfange, mich zu verweigern. Einen Vorteil haben ja die modernen Medien: Meist genügt ein Klick, und es ist weg.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Social Media -ein Entfremdungsmodell?

Wann ist genug genug?

In den letzten Tagen las ich vermehrt in den umgebenden Blogs, dass Autoren bei Facebook&Co ausgestiegen seien, sich zumindest mit dem Gedanken daran tragen oder gar nicht erst auf den fahrenden Zug aufspringen-zum Beispiel bei Alice Gabathuler, Schreibblockade  und Jutta Wilke. Bei mir ist es so, dass ich zwar durch Autorenforen und Blogs am meisten gelernt habe. Sowohl Twitter als auch FB waren und sind Mechanismen für mich, die mich anfänglich begeisterten, teilweise aber auch zu häufigem Kopfschütteln führten. Dann wurde ich mehr und mehr hineingesogen, stellte fest, dass die Zeit mindestens doppelt so schnell verging und ich das eigene Leben letztendlich versäumte. Jeweils nach einem halben Jahr habe ich festgestellt, dass meine ursprüngliche Intention, nämlich eine Buchidee oder ein E-Book bekannt zu machen, fehlgeschlagen war. Und es war für mich immer wieder enttäuschend zu sehen, dass die mit viel Mühe und Zeit angefertigten Blogbeiträge, die ich dort verlinkt hatte, von kaum jemandem gelesen werden. Ich selbst lese zwar verlinkte Blogbeiträge anderer, aber keine Zeitungsartikel oder Hintergrundinformationen zu Dingen, die mich eigentlich nicht interessieren müssen. Wo war ich denn, bevor dieser Hype begann? In Autorenforen, noch früher in gesellschaftlichen Gruppen, die etwas bewegen wollten, wie bei den Grünen. Da habe ich mit Begeisterung Zeitungsartikel geschrieben, mit den Parteifreunden in der Wirtschaft gesessen und Feste gefeiert. Ich habe glücklicherwiese keine 2000 Freunde bei Facebook (dafür kommen jetzt täglich neue Follower bei Twitter dazu), sondern 119, die ich auf 96 reduziert habe. Man kann so viele Freundschaften nicht pflegen, ohne sich völlig von sich selbst zu entfernen!

Das andere Szenarium ist folgendes: Was das Schreiben betrifft, stehe ich an einer Kreuzung mit vier Astgabeln. Einer weist auf den Verlag, der im Sommer einen Roman von mir herausbringt. Wenn der floppt, brauche ich mir um weitere Verträge keine Hoffnung machen, auch der Krimi wird dann wohl nicht mehr untergebracht. Die zweite Astgabel ist das Self Publishing, das aber wie ein Berg vor mir steht. Wie soll ich das alles bewältigen? Irgendwie habe ich auch den Eindruck, als spielten meine Bücher im Internet so gut wie keine Rolle. Wenigstens habe ich jetzt mal bei KDP SElect gekündigt, um mein E-Book ab 3. März auch woanders einstellen zu können. Die dritte Astgabel wären Klein- und andere Verlage, die ich ohne Agentur suchen könnte. Und die vierte wäre die Option, bloß noch Blogbeiträge zu schreiben und alles, was sonst noch so aus meiner Feder fließt (siehe auch "Orte zum Reinschmecken") einfach ins Netz zu stellen. Irgendwann könnte ja mal jemand vorbeikommen und es drucken wollen ...
Siehe dazu auch "Und immer wieder: die Verkaufszahlen", vor zweieinhalb Jahren  im Blog geschrieben, als das Wünschen noch geholfen hat und die Situation gar nicht so viel anders war.

Dienstag, 29. Januar 2013

Hat der Burnout dich oder hast du den Burnout?

Er ist ja jetzt schon seit Monaten, wenn nicht seit Jahren in aller Munde: Der Burnout. Inzwischen gibt es über 42 Millionen Einträge bei Google. Ursula von der Leyen hatte ihm schon 2011 den Kampf angesagt, vor allem, um das Geld für die Arbeitsausfälle zu sparen. Jetzt tagt eine große Konferenz in Berlin, Tagesschau und Presse wie die Süddeutsche berichten ausführlich darüber, auch über die Hintergründe: Was die Deutschen stresst. Die Politik ist also gefordert, die Arbeitgeber, aber auch die Arbeitnehmer selbst. Es solle nicht mehr verlangt werden, dass der Mitarbeiter immer erreichbar ist, Handy und Emails sollen am Wochenende, am Feierabend und im Urlaub tabu sein. Das ist natürlich nur ein Aspekt der Medaille. Nicht nur Arbeitnehmer, potentiell jeder in einer Gesellschaft kann ausbrennen. Die Arbeit allein ist es also nicht. Die Politik kann bessere Bedingungen schaffen, indem sie das Geld so verteilt, dass zum Beispiel im Gesundheits- und Sozialbereich eine bessere Versorgung stattfinden kann. Mit Entsetzen sah ich vor einigen Tagen Bilder im Fernsehen, wie Leute in Altersheimen geschlagen, geschubst und und an den Haaren gerissen wurden. Hausfrauen können ausbrennen, weil es ihnen an gesellschaftlicher Anerkennung mangelt, egal wie sehr sie sich anstrengen. Auch Führungskräfte, Selbstständige, Verkäufer, Eltern, Computerfachleute, Autoren können ausbrennen, wenn sie ständig über ihre Grenzen gehen müssen.

Jetzt zu der obig gestellten Frage: Hat der Burnout dich oder hast du ihn?
Eine gewisse Belastung gehört bekanntlich zum Leben, ohne sie gäbe es kein Weiterkommen und keinen Fortschritt. Problematisch wird es, wenn die Akkus nicht mehr aufgeladen, sondern ständig weiter belastet werden. Was ist die Folge?
Akku leer. Es geht also darum, eine Balance herzustellen zwischen Belastung und Entlastung, um die Resilianz zu erhalten oder wiederherzustellen. In meinem Betrieb gibt es gerade sehr gute Ansätze, um die Mitarbeiter zu entlasten. Eine Gefahr war für mich persönlich das Schreiben und die Social Media Präsenz, eben Dinge, die ich nebenher noch betrieben habe. Was habe ich erreicht, was hat mir geholfen oder hilft mir am besten, wo hapert es noch?

1. Das erste und wichtigste war für mich, "nein" sagen zu lernen. Das gilt für den Beruf und für alle anderen Bereiche. Beispielsweise brauchte ein Verleger einmal drei Monate, bis er meine Emails beantwortet hatte. Darin stand dann nur: "Ich sage: nein!" Umgekehrt wurde immer erwartet, dass Lektorate und MS-Abgaben lieber gestern als heute stattfanden, und zwar in einem raketenhaften Tempo. Da sage ich inzwischen auch öfter mal "nein" und liefere keine weiteren Manuskripte mehr oder stecke sie zwischendurch in die Schublade, siehe unten. Das können sich Vollberufsautoren gar nicht leisten, höre ich oft. Aber auch sie müssen auf sich selber achten, finde ich.

2. Mein Umgang mit den modernen Kommunikationsmitteln verändert sich gerade. Ich habe sowieso nicht bei jedem Hype mitgemacht, nur das angeschafft, was ich auch wirklich brauchte. Mein Handy führe ich immer bei mir, aber es ist ausgeschaltet. Und der Akku ist nie leer. Wenn ich es brauche, kann ich es benutzen. Ich habe einen Laptop zum Schreiben und bin mit der digitalen Welt verbunden. Woran es noch hapert: dass ich mich noch zu oft zu lange mit den Postings anderer beschäftige, muss ich noch mehr fokussieren, auch meine eigenen Beiträge.

3. Ich ernähre mich ausgewogen, schlafe genug, mache Pausen und unternehme am Wochenende schöne Dinge. Hier hapert es in diesem Super-Wechsel-Winter an Bewegung, kann mich oft nicht aufraffen, bin zu müde, um rauszugehen oder zu schwimmen wie früher. Dabei ist das Vertrackte dieses: exzessives Schreiben zum Beispiel macht mich glücklich, es erschöpft mich aber auch total. Wie hat mich denn da der Burnout? Da ich halbtags berufstätig bin, muss ich es sowieso immer wieder in Scheibchen schneiden. So mache ich jetzt, nach der Überarbeitung, einfach wieder eine Pause. Und schaue mal wieder nach meinen anderen Bedürfnissen. Dabei habe ich in der Wohnung einiges verändert, neue Bilder aufgehängt, einen neuen Computertisch und Schränkchen gekauft. Ganz vieles habe ich auch schon rausgeschmissen, unter anderem Bücherwälzer, die ich nie mehr lesen würde. So kann man sich innerlich und äußerlich von Ballast befreien. Ein Helfersyndrom habe ich übrigens nicht mehr - Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

Dienstag, 25. Dezember 2012

E-Books: viele kleine Eisen im Feuer

Via Twitter erhielt ich gestern ein paar Nachrichten, von denen ich zwei hier erwähnen will:
Manage your Taschengeld. Der Tübinger Autor Marcus Hammerschmidt beschreibt eine Langzeiterfahrung als E-Book-Autor. Interessant zu lesen! Was ich bestätigen kann: Zunächst einmal kommt normalerweise wirklich nicht viel mehr als ein Taschengeld rüber. Ich habe meine erste Amazon-Abrechnung erhalten, sie entspricht,umgerechnet auf den Monat, etwa dem, was ich anfangs von der VGWort erhielt -nämlich so viel, dass ich zu zweit ein paarmal beim Italiener essen gehen könnte. Bleibt man aber dran und veröffentlicht kontinuierlich, könnte schon etwas mehr dabei herauskommen, das bestätigten mir auch befreundete E-Book-Autoren. Ich fasse meine eigene Erfahrung noch einmal zusammen: Anfang September online gestellt, ein paar tausendmal verschenkt, danach zögerliche Verkäufe, zwei neue Rezensionen, davon eine wohlwollend, obwohl man lieber etwas ala "Michelangelo" von Irving Stone gehabt hätte, die zweite war eine 1-Stern-Rezension, weil keine Zeit zum Lesen da gewesen wäre.

Das zweite ist ein Artikel der Süddeutschen Zeitung:
Kommunikation im Internet-das Echo der Geschwätzigkeit . Darin fand ich einen Satz bemerkenswert, der besagt, dass das Drehen um die eigene digitale Kommunikationsachse die Nicht-Anwesenheit im analogen Leben nach sich ziehen könnte. Nun bin ich als permanente Autorin sowieso gefährdet, fast immer irgendwo anders zu sein als dort, wo ich mich gerade befinde. Das hat durchaus seine Auswirkungen. An anderer Stelle hatte ich schon auf das Social-Media-Burnout hingewiesen. Wie sollte man nun damit umgehen, um nicht eines Tages vollends rauszukippen aus der Wirklichkeit? Sollte man seine ganzen Kontakte, die man geknüpft hat, reinholen in sein reales Leben? Ich selbst merke, dass das vollends das Fass zum Überlaufen bringen würde. Dann würde das Leben nur noch aus Kommunikation bestehen, abgesehen von den vielen Fahrten, die man dann machen müsste. Am Schluss würde weder Zeit zum Arbeiten noch zum Schreiben noch für Beziehungen vor Ort übrig bleiben. Ich persönlich versuche es so zu halten, dass sich alles einigermaßen die Waage hält.

Mittwoch, 21. November 2012

Social-Media-Burnout?

Machen Facebook, Twitter&Co. krank? Anfang des Jahres 2012 kam bei der Technikerkrankenkasse und an einigen anderen Stellen der Verdacht auf, dass die Informationsüberflutung insbesondere bei jungen Leuten und denen, die immer erreichbar sein wollen, einen Burnout hervorrufen könnte. So u.a. beschrieben in der Welt. Dass Social Media einen Burnout hervorrufen könnte, ist allerdings durch keinerlei Studien erhärtet. Vergegenwärtigen wir uns noch einmal, was ein Burnout -den es fachlich gesehen so nicht gibt, es entspricht eher den Symptomen einer Depression-eigentlich ist. Das sogenannte Burnout-Syndrom ist ein anhaltender Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung. Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger hat diesen Begriff im Jahr 1974 eingeführt, nachdem er entsprechende Symptome bei professionellen Helfern beobachtete. Es sind oft helfende Berufe betroffen wie Pflegekräfte, Ärzte oder auch Lehrer, Rentner, Studenten und Hausfrauen. Schätzungen gehen von rund neun Millionen Betroffenen in Deutschland aus. Die Krankenkassen berichten über zunehmende Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen. Zufällig hatten wir gestern bei einer Betriebsversammlung ein ähnliches Thema im Fokus. Da ging es nicht nur darum, wie man den Belastungen Ent- Lastungen, Pausen und eventuell sogar Sabbatjahre entgegensetzen könnte, sondern auch darum, was der Einzelne zu seinem möglichen Ausbrennen beiträgt. Da gibt es durchaus eine Parallele. Jemand, der für andere wichtig sein will und wahrgenommen werden möchte, ist für diese anderen immer verfügbar. Er nimmt sich keine Auszeiten, weil er nichts verpassen und eigentlich seine Umwelt auch kontrollieren möchte. Es steckt also auf jeden Fall eine Angst dahinter, die Angst, vergessen zu werden und anderen nichts zu bedeuten.Auf der anderen Seite ist die verlässliche Beziehung in unserem Beruf ein tragender Pfeiler, was Social Media betrifft, ist es eine Goldgrube für das Anknüpfen von wertvollen Kontakten und gezieltem Informationsaustausch. Wo wäre nun die goldene Mitte, um die Motivation und die Arbeits-Kraft zu erhalten oder zu verbessern? Wo wäre die Mitte für Social Media, um ihre kommunikationsfördernde Bedeutung zu erhalten und der Nutzung bis zur Erschöpfung vorzubeugen? Es ist ja auch durchaus Suchtpotential in diesen Haltungen, zu was auch immer, enthalten! Dazu müsste man wahrscheinlich eine ganze Abhandlung schreiben. Ich persönlich bin noch zu keinem endgültigen Schluss gekommen und kann nur ein vorläufiges Fazit ziehen: Hohe Arbeitsbelastung, ständiger Zeitdruck, mangelnde Erholungsphasen und fehlende Anerkennung können einen Burnout hervorrufen.Facebook, Twitter &Co. können krank machen, wenn sie inflationär betrieben werden. Sie machen nicht per se krank, auch die Arbeit macht nicht per se krank, sondern die Art, wie die Menschen damit und mit sich selber umgehen. Es sind wahrscheinlich die zu hohen Erwartungen, die man an sich selbst und andere stellt, die einen dazu bringen, immer mehr einzusetzen, um immer weniger von dem zu bekommen, was man eigentlich in Wirklichkeit braucht.

Donnerstag, 24. Mai 2012

Der Autor ist tot - es lebe sein Facebook-Profil!

Gerade bei der Suche nach etwas anderem gefunden:
Der Autor ist tot-es lebe sein Facebookprofil! (Zeit Online vom Februar 2012)
Fast hätte ich geschrieben: Es lebe der Autor, das Facebookprofil muss erst mit Leben erfüllt werden. Da höre ich, dass Hermann Hesse inzwischen auch bei Facebook ist (hallo, Hermann!). Manche, besonders literarische Autoren, lassen die Facebookarbeit lieber von ihrem Verlag machen-oder wechseln sich ab. Manche Autoren, besonders die auf dem Unterhaltungssektor, sind selbst sehr aktiv. Dabei frage ich mich: Wie aktiv muss man eigentlich noch sein? Ich persönlich sitze jetzt nämlich schon seit Stunden am Computer, um mich zu informieren, zu lesen und  zu posten - und dabei habe ich keine einzige Zeile für mich selbst geschrieben! Wahrscheinlich bin ich als Autorin schon längst tot, als Social-Media-Medium jedoch höchst lebendig. Wahrscheinlich muss ich mich entscheiden, ob ich Bücher schreiben oder die schon geschriebenen oder noch zu schreibenden vertreiben soll.