Samstag, 19. Oktober 2013

Wer nicht schreibt, wird vergessen

Bei Facebook ist es mir zuerst aufgefallen: Bist du einmal eine Weile nicht da und kommst dann wieder rein und postet, nehmen das weniger Freunde wahr als in der Zeit, als du noch "dicht dran" warst. Umgekehrt stelle ich ab und zu fest, dass irgendwer ja schon lange nichts mehr beigetragen hat. Und beeile mich dann, etwas hinzuschreiben, wenn er wieder auftaucht, und sei es auch nur ein "gefällt mir"zu klicken! Nein, vergessen wird man nicht, wenn man eine Basis zu den Betreffenden hat, und ich vergesse diejenigen nicht, die ich kenne. Ähnlich verhält es sich wohl mit den Büchern, die man schreibt. Es gibt Autoren, die jährlich mindestens zwei Bücher raushauen, einmal wegen des Verdienstes, dann aber auch, um im Gedächtnis der Leser zu bleiben. Das ist ein zweischneidiges Schwert. Gab es nicht viele Autoren, die nur ein Buch in zehn Jahren schrieben? Oder alle zwei, drei Jahre eins? Ich glaube nicht, dass es die Masse macht, allenfalls für den Geldbeutel. Und ja, den Autoren, die viele Bücher geschrieben haben, wurden ganze Regalreihen in den Buchhandlungen eingeräumt. Die neuen kommen auf den Stapel, bis sie in zwei Monaten abverkauft sind, dann ab in die Reihe. Wo aber bleiben die Bücher, die es nicht auf die Buchhandlungstapete gebracht haben? Stehen sie in den Regalen der Leser, wurden sie entsorgt? Ich habe wirklich keine Ahnung, denn sie sind für die Augen des Autors, des Urhebers, des Buchherstellers unsichtbar geworden. Er findet sich in Rezensionen wieder oder er steht, wie in meinem Fall des letzten historischen Romans, vielleicht in einer Bücherstube im Norden- zwischen Siegfried Lenz und der australischen Autorin Tamara MacKinley. Und dann sind da noch die Träume, die durch keine Erfahrungen, keine Verlagsinsolvenzen, keine Kündigungen bei Agenturen, keine Kommerzialisierung von E-Books, keine Unkenrufe über das Ende des gedruckten Buches zu widerlegen sind: Der Autor schreibt, und er wird vergessen, und er schreibt nicht mehr und wird nicht vergessen.

Mein Schwarzwaldkrimi wird jetzt noch zweiMal gebürstet und dann, mit 30 Seiten Leseprobe und Exposé, an etwa sechs ausgewählte Adressen verschickt. Die "Wartezeit" von ein paar Wochen oder Monaten kann ich dann dazu nutzen, etwas Neues in Angriff zu nehmen. Sei es der historische Krimi, der Psychothriller, ein Reisejournal oder ein Ratgeber in Sachen Psyche.

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