Freitag, 10. Dezember 2010

Das goldene Schweinchen an der Wand


Anlässlich des gestrigen Weihnachtsessens mit unserer Gruppe (ich gebe zu, dass ich eine halbe Ente beim Chinesen verspeist habe!) fragte ich unsere tschechische Bewohnerin, was es denn in Tschechien für Weihnachtsbräuche gebe. Sie erzählte, dass man Kerzen in Walnusshälften stecke und sie dann schwimmen lasse, wo, wusste sie nicht genau zu sagen. Ich habe nachgesehen und es u.a. hier gefunden. In meiner Vorstellung schwammen die Kerzenbötchen einen Fluss hinunter. Wessen Boot am weitesten kommt, der wird es im nächsten Jahr am Weitesten bringen. Außerdem stecke man sich eine getrocknete Karpfenschuppe in den Geldbeutel, das bringt Reichtum. Wenn man einen Schuh hinter sich wirft und er mit der Spitze zur Tür zeigt, wird man bald heiraten. Und am Heiligen Abend darf auf keinen Fall Wäsche aufgehängt werden, das bringt Unglück! Wer den ganzen Tag fastet, sieht am Abend das goldene Schweinchen an der Wand.
Ich glaube, ich werde am Heiligen Abend Kerzenbötchen schwimmen lassen, die Waldach hinunter, und wenn es eines schafft, oben zu bleiben, dann wird es ein gutes Bücherjahr für mich geben.

Kommentare:

Petra hat gesagt…

Liebe Christa,
so etwas lese ich immer wieder gerne, danke!
Kommt mir noch in den Sinn: Wenn man zu tief in die Wodkaflasche schaut, kann der Karpfen in der Badewanne plötzlich sprechen und wahrscheinlich auch weissagen. In der Badewanne hält man das Vieh eine Woche lang, damit es all den Schmodder und die Chemie loswird und nicht so nach Ammoniak und Muff schmeckt (kein Witz in Osteuropa). Wie das abgehen kann s. die legendäre Pan-Tau-Folge "Schöne Bescherung"!

Und unbedingt "Drei Nüsse für Aschenbrödel" schauen - Nikola hat da etwas in ihrem Blog dazu.

QAus Polen und von meiner Oma kenne ich das Heulegen unter die Tischdecke am Hlg. Abend, das angeblich das Heu in der Krippe symbolisiert, aber ein heidnischer Wahrsagebrauch ist: Jeder zieht einen Halm und die Länge gibt Aufschluss über die Glückssträhne im nächsten Jahr. Außerdem legt man noch ein Gedeck zusätzlich auf. Das ist entweder für zufällig hereinschneiende Gäste und / oder für die Verstorbenen der Familie, die mitfeiern. Sprich, egal, wie viele Leute kommen, ein Gedeck muss immer unbenutzt auf dem Tisch stehen, sonst werden die Jenseitigen muffig wie ein Karpfen ;-)
Gute Wünsche für ein prachtvolles Buchjahr -

Herzlichst,
Petra

`Christa hat gesagt…

Das mit dem Karpfen und dem Wodka, dem Heu und dem Gedeck ist gut! Ich werde mich weiter nach diesen alten Bräuchen umschauen, finde ich spannend!

Herzlichst
Christa

Petra hat gesagt…

Vorsicht, der Teil mit dem Wodka ist Satire von mir, aber das mit der Badewanne stimmt. ;-)

`Christa hat gesagt…

Irgendwie habe ich das schon geahnt-und hätte das auch nicht in keinen Katalog aufgenommen:-)
"Drei Nüsse für Aschenbrödel" habe ich leider nicht gefunden.

Christa