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Sonntag, 21. November 2010

Ausflugstipps im November III: Wo alles anfing


Vor etwa zehn Jahren kam ich das erste Mal ins Kloster Maulbronn. Seitdem ist es zur Brutstätte von Ideen und eine Wiege der Inspirationen geworden. Statt durch das Haupttor kann man vom Parkplatz aus links an der Mauer entlanggehen, ein Stück den Weinlehrpfad hinauf und auf einem Weg zum Tiefen See, oberhalb des Klosters.
(Bilder kann man durch Klicken vergrößern)



Der Tiefe See, einst von den Zisterziensern als Fischplatz angelegt, heute im Sommer eine herrliche Badestelle.



Beim Faustturm kommt man wieder in das Klostergelände hinein. Hier soll Dr. Faust aus dem benachbarten Knittlingen, beauftragt vom Abt Entenfuß, alchemistische Experimente gemacht haben. Natürlich war auch Goethe dort zu Besuch.



Blick ins "Paradies", die Vorhalle zur Kirche.









Und das ist das Kloster in seiner Gesamtansicht. Bedeutende Schüler der Klosterschule waren Johannes Kepler, Friedrich Hölderlin, Justinus Kerner, Hermann Kurz, Caroline Schelling, Hermann Hesse und Georg Herwegh. Maulbronn diente Herman Hesse als Vorlage für "Unterm Rad", "Narziss und Goldmund" sowie "Das Glasperlenspiel".


An diesem Torturm erfolgte im Jahr 1504 der Angriff durch Herzog Ulrich von Württemberg. Links befindet sich heute eine Buchhandlung mit Klosterbüchern, Maulbronn-Krimis, historischen Romanen, Hesse und Mörike. Und hier gab mir der Buchhändler den entscheidenden Tipp für meinen ersten Verlag.



Man kann das gesamte Kloster, mit oder ohne Führung, besichtigen. Am beeindruckendsten sind für mich die Refektorien, der Kreuzgang und das Dormitorium. Gegenüber dem Buchladen, völlig unbeachtet, gibt es ein weiteres kleines Museum zur Klostergeschichte, im ehemaligen Frühmesserhaus.



Klosterbau vor fast tausend Jahren.






Wer der Legende Glauben schenkt, dass in Maulbronn die Maultaschen erfunden worden seien, damit der Herrgott nicht sehe, dass am Fastentag Fleisch gegessen wurde, kann sich auf die Suche in den Maulbronner Gasthöfen machen. Diese Legende besagt, dass die Mönche, wie alle anderen Menschen auch, nach dem Dreißigjährigen Krieg sehr unter Hunger zu leiden hatten. Während der Fastenzeit erhielten sie, wahrscheinlich von einem Bauern, ein großes Stück Fleisch. Das konnten sie nicht verderben lassen oder gar den Hunden geben! Einer von ihnen hatte einen Einfall. Er hackte das Fleisch in kleine Stücke, mischte es mit Kräutern und Spinat aus dem Klostergarten und versteckte die Fleischmasse in Teigtaschen, dmit der Hergott ihm nicht auf die Schliche komme. So entstand die Maultasche, die sich nach wie vor größter Beliebtheit in Schwaben erfreut. Hier eines der vielen Rezepte:
Rezept für Maultaschen
6-8 Portionen:
Teig:
500 Gramm Mehl
4 Eier
Salz
Aus diesen Zutaten einen glatten, festen Teig kneten, in sechs Teile schneiden und messerdick ausrollen. Wer sich die Herstellung des Teigs sparen will, kann diesen auch beim Bäcker oder Metzger kaufen.
Füllung:
4 Zwiebeln
100 Gramm Petersilie
2 Eier
250 Gramm Schweinefleisch
250 Gramm Spinat
2-3 alte Brötchen ( in Würfel geschnitten)
Salz, Pfeffer und Muskat zum Abschmecken,
Zubereitung
Zwiebeln und Petersilie andünsten und mit allen Zutaten mischen. Diese Masse gleichmäßig und dünn auf die Teigblätter verteilen, zusammenrollen und die Ränder zusammendrücken. Mit der Hand schräg sechs Zentimeter lange Stücke drücken und so auseinander schneiden, dass sich die Außenkanten beim Kochen nicht öffnen. Die Maultaschen in kochende Brühe legen, mit Suppenwürze und Muskat abschmecken. Auf kleiner Flamme ziehen lassen, bis sie obenauf schwimmen. In der Brühe mit viel gebräunten Zwiebeln auftragen.
"‚s geht halt nix über
a Herrgottsbscheißerle"

(Brigitte Mischke 2010)



Stilleben mit Walnüssen von meinem Baum, Orangen aus Spanien und der Schwäbischen Maultasche, geschmälzt








Merkwürdig, aber wahr: Nach der dumpf-brütenden Novemberstimmung der letzten Tage und Wochen weht einen hier ein frisches Lüftchen an, und man ist versucht, ein Schillerlied herauszuschmettern. Maulbronn wird für mich ein Ort der Inspiration bleiben. Hier entstanden der erste Verlagskontakt, ein Roman und die Idee für ein erzählendes Sachbuch, das wohl schon an die 50 Seiten umfasst. Zurück im Schwarzwald, ruft mein neues Romanprojekt.

Mittwoch, 18. November 2009

Die Herkunft der Maultasche

Wie Petra schon anmerkte, ranken sich zahlreiche Legenden um die Herkunft der Maultasche. Eine besagt, dass es die Leibspeise der Gräfin Maultasch von Tirol gewesen sein soll. Nachforschungen ergaben jedoch, dass besagte Gräfin eine Bigamistin gewesen sei und Maultasch "Hure" heiße.
Die zweite Version spricht davon, dass die Schwaben es den italienischen Ravioli abgekupfert hätten.
Die dritte schließlich, dass die Maulbronner Mönche ein Stück Fleisch geschenkt bekommen hätten, es aber am Fastenfreitag nicht essen drften. So hackten sie es klein, tarnten es mit Spinat und schlossen es in die Teigtasche ein. Deshalb heißen Maultaschen hierzuland auch "Hergott's Bscheißerle".
Ich selber glaube, dass die Chinesen das schon kannten-hab selbst kürzlich mal so eine Teigtasche in der Brühe gegessen. Händler brachten die Maultasche überallhin, auch nach Italien, nach Russland und ins heilige Römische Reich. Die Österreicher, die lange Zeit in Schwaben waren, haben die Küche entscheidend mitgeprägt. Vielleicht ist aus dem Strudel da mal ganz schnell eine Tasche geworden? Die Maultasche ist also unser kulturelles Welterbe und schmeckt rund um den Globus!

Dienstag, 27. Oktober 2009

Maultaschen, saure Nierle und Ochsenkotelett

Ich merke einen großen Unterschied darin, wie es ist, Romane oder Sachbücher zu schreiben. Während der letzten acht Jahre war ich eigentlich immer irgendwie auf Tauchstation, und es ist mir nicht leicht gefallen, schnell in die Gegenwart rüberzuwechseln, brauchte dann Rituale wie ins Café gehen und dort lesen oder schreiben, bevor ich zur Arbeit gehen konnte. Es blieb auch viel liegen. Jetzt betrachte ich alles wirklich vom heutigen Standpunkt aus. Bei den historischen Romanen war ich mehr oder weniger in der entsprechenden Rolle drin, habe das erlebt und gelitten,was die Figuren erlebt und gelitten haben.
Heute Morgen habe ich die Konzeption für den Kalender so ziemlich fertig gemacht. Der Trend ist eindeutig: Es geht mehr hin zur Realität, in letzter Zeit habe ich wieder viel mehr mit realen Menschen zu tun. Es fand und findet ein Austausch statt, auch mit Kollegen, Arbeits-und Autorenkollegen. Ich habe das Gefühl, als sei ich irgendwie "geerdet"!
Dabei ist das Konzept noch sehr veränderbar, zum Beispiel habe ich mich heute spontan entschieden, keinen Besuch beim "Albbüffel-Bauern" in Hohenstein zu machen, sondern lieber das Lokal "Hirsch" in Gächingen zu besuchen, in dem diese Albbüffel zubereitet werden (Saure Nierle und Ochsenkotelett, zu moderaten Preisen) und mit den Wirtsleuten zu sprechen. Der Albbüffel-Cowboy, wie er sich selber nennt, ist nämlich schon ziemlich ausgebucht. Statt dessen werde ich gern am Wochenende etwas von meinem aufgelaufenen Urlaub nehmen, nach Hayingen gehen und dort über Bauern einst und jetzt mit einer Bäuerin reden, die sich schon vielfach eingesetzt hat und zudem noch über Kartoffelsalatwissen verfügt. Schön die Namen, die ich mir notiert habe: Goldener Ochsen in Hohenstaufen, Bäck-Schwarz in Altensteig, Rosengarten in Genkingen, Lamm und Sonne in Salmendingen, Eyachperle in Imnau sowie
Hirsch in St. Johann-Gächingen, wo wir einkehren wollen ...alles Wirtschaften, die
traditionell gut kochen (herrlich auch die Maultaschen im Goldenen Ochsen in Hohenstaufen, ein Königreich für das Rezept!)Das sind Geheimtipps, die sich diese Gasthäuser verdient haben.