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Samstag, 26. April 2025

Verlagssuche im Frühling

Kirschblüte in Mönchberg bei Herrenberg

 Wer einmal einen Roman veröffentlicht hat, dem weitere folgten, der hat Blut geleckt und kann nicht mehr davon lassen. So ging es auch mir in diesem grauen, feuchten Winter, und auch der Frühling mit seinen Blüten und dem Vogelzwitschern hat dieses Grundgefühl weiter beflügelt. Wie ist es weitergegangen mit der Suche nach einem Verlag? Im Februar gab es einen sehr fruchtbaren Austausch der Plots/Exposés im Forum, der Nachfolgeband von "Tod im Glaswald" ist also perfekt skizziert. Der E-Book-Verlag hat sich erst im April, und erst durch intensive Nachfrage wieder gemeldet. Der Roman hat gut gefallen, erfülle aber nicht die Kriterien des Lesepublikums. Interesse besteht aber an der Wiederauflage der Backlist, den Krimis von Ullstein, evtl. auch an den Aufbau-Büchern. Ein historischer Kleinverlag hat Interesse bekundet ("interessanter und spannender Vorschlag"), ein anderer wegen Überfüllung abgesagt. Ebenso Rowohlt, der Lektorin hat der Roman gefallen, er passe jedoch nicht in Verlagsprogramm. Ich könnte es mit Neobooks versuchen, einer Plattform von großen Verlagen, wo man seinen Roman einstellen, bewerben und von Lektoren entdecken lassen kann. Nach intensiver Prüfung kommt das für mich aber nicht in Frage, da der Aufwand an Werbung und Vernetzung genauso groß ist wie bei Amazon und Tolino, wenn nicht größer. Self-Publishing habe ich dreimal gemacht, zwei Verlagsbücher und einen neuen, das ist  inzwischen aber wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen oder das Angeln eines Wals mit einer simplen Weidenrute. Es gibt einfach zu viele Leute, die Bücher schreiben und zu wenig Buchkäufer, um diese Flut zu bewältigen. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit Ausflügen in die Umgebung, mit Diskussionen im Forum und der Entwicklung neuer Projekte (Ostseeroman mit düsterem Familiengeheimnis, Survival-Thriller vor der Kulisse der schwäbischen Alb).

Sonntag, 2. Februar 2025

Neuer Roman "Mord in der Seelhausgasse"

Seitdem ich meinen Roman "Tod im Glaswald" an einige Verlage geschickt habe, sind zwei Antworten gekommen. Ein Verlag meldete sich sofort nach Erhalt des "Pitches", als der Kurzbeschreibung. Die Programmleiterin schrieb, der Titel sei vielversprechend und passe gut ins Verlagsprogramm. Im Januar wollte die Lektoratskollegin ihn lesen, bis jetzt habe ich nichts mehr gehört, kann aber, wie schon gesagt, drei Monate dauern. Ein anderer Verlag (Emons) schrieb, der Roman habe vom Ambiente und Thema her gefallen, es sei aber auf absehbare Zeit kein Programmplatz da.

Ich habe jetzt einen neuen Roman angefangen, quasi die Fortsetzung, und werde das Exposé/den Plot in einer Gruppe meines Autorenforums "Montségur" bearbeiten (Start:24. Februar).

Worum es geht: 


Tübingen im Jahr 1522/23


Maria und die Kräuterkrämerin Agathe wollen in der Universitätsstadt Tübingen eine Apotheke errichten. Vorbilder für sie sind der Arzt Paracelsus und Hildegard von Bingen. Maria hat eine Essenz entwickelt, die herzstärkend wirkt und in der Apotheke reißenden Absatz findet. Als eine der Patientinnen stirbt, wird Maria des Mordes verdächtigt, ihr droht das Ertränken im Neckar. Wer steckt hinter diesem Todesfall, wer will sie und ihre Kollegin Agathe  mundtot machen? Beim Versuch, den wahren Mörder zu finden, gerät Maria immer mehr in den Blickfang des Täters und damit in tödliche Gefahr.




    




Donnerstag, 17. Oktober 2024

Tod im Glaswald

Mein neuer Roman "Tod im Glaswald", ein historischer Krimi aus dem späten Mittelalter, spielt im tiefsten Schwarzwald in einem bedeutenden Kloster. Er ist fertig geschrieben, und ich habe ihn mitsamt Exposé, Leseprobe, Vita und Bibliografie an einige größere Verlage geschickt. Die Wartezeit beträgt durchschnittlich drei Monate. Zwischenzeitlich möchte ich ihn hier einmal vorstellen. Die historischen Hintergründe sind belegt, die Geschichte selbst fiktional. Worum es geht:
Alpirsbach 1522. In der Stadt  tobt ein heftiger Glaubenskampf zwischen Katholiken und Lutheranern,  als auf unerklärliche Weise immer wieder Kinder verschwinden. Die 18-jährige Maria glaubt, während eines schweren Wintersturms, bei dem sie fast ums Leben gekommen wäre, schemenhaft den Mord an einem Kind gesehen zu haben. Am nächsten Tag kehrt sie an den Ort zurück und findet die Leiche des kleinen Hans. Maria schwört bei Gott,  den Mörder vor den Richter zu bringen. Doch dann kommt sie einem teuflischen Intrigenspiel auf die Spur und gerät dabei selbst ins Visier des Täters. 

Das Buch ist in einer Zeit großer Umbrüche angesiedelt und an den historischen Kontext angepasst, so dass auch in der Zeit lebende Persönlichkeiten wie Martin Luther, Philipp Melanchthon und Erasmus von Rotterdam eine Rolle spielen. 

 Hier noch ein paar Bilder aus der Gegend, in der dieser Roman spielt.


Kloster Alpirsbach



Der rote Fingerhut

 







Die schwarzen Flüsse 




Herbst
Typische Feldhütten
Granitblöcke auf dem Kniebis


Samstag, 11. Mai 2024

Neulich beim Zahnarzt

 

Fahrt nach Marbach und über den Stromberg an Himmelfahrt

Mein Zahnarzt kennt mich seit mehr als zwanzig Jahren, und so fragte er mich bei der letzten Zahnreinigung nach dem Fortgang meines Schreibens und nach meinen Büchern.
"Was haben Sie denn zuletzt geschrieben?"

"Einen historischen Kriminalroma, der im 16. Jahrhundert in einem Schwarzwälder Kloster spielt.
"Wie lange schreiben Sie an so einem Roman?", wollte er wissen. "Täglich? Und wie viele Seiten?"
"Die meisten Romane habe ich innerhalb von vier, fünf Monaten geschrieben. Zwei, fünf oder auch mal zehn Seiten am Tag. Beim letzten Roman hat es ein ganzes Jahr gedauert, bei 430 Seiten also eineinhalb am Tag."
"Und wie sieht es mit einer Veröffentlichung aus?"
"Ich habe den Roman noch keinem Verlag angeboten, weil Mittelalter und frühe Neuzeit momentan nicht gehen."
"Naja, vielleicht kommt es ja wieder."
"Vielleicht schreibe ich in der Zwischenzeit noch etwas anderes."

"Der Harry Potter ist ja gegangen wie geschnitten Brot! Den haben sie sich doch gegenseitig aus den Händen gerissen.
"Ich bin mitten in der Nacht aufgestanden wenn der neue Harry Potter ausgeliefert wurde", warf die junge Zahnarzthelferin ein.

Der Zahnarzt und ich gestanden, ihn nicht gelesen zu haben.

"Und heute, mit dreißig, ist man selbst für die Disco zu alt", neckte er sie.

Da fiel mir etwas ein.

"Als wir Mitte dreißig waren, tönte es uns aus der Nagolder Disco entgegen: "Oje, das kommt das Altersheim!"

Sonntag, 6. August 2023

Kleine Oasen im Schwarzwald

 




Wir leben in einer Gegend, die total zersiedelt, zubetoniert, von Autobahnen und Straßen zerschnitten ist, und täglich kommen neue Fertighäuserschachteln dazu, neue Baustellen, Umleitungen, Sperrungen und eine Vielzahl von Autos. Letzteres ist u.a. der Daimler-AG im nahen Sindelfingen geschuldet. In der Stadt gibt es an Hitzetagen wenig Schatten, nur der Fluss Nagold spendet etwas Kühle. Wo ist der klimagerechte Umbau geblieben? Wohin kann man sich retten, wenn sich doch seit Corona und dem Kriegsausbruch ziemlich alles noch verschlechtert hat? Fehlendes Personal in den Gaststätten, Bäckereien, im Freibad und sogar im Autohaus. Die Verteuerung, die ewigen Kriege und Katastrophen.

Auf der anderen Seite leben wir in einer der schönsten Ecken Deutschlands. Zwischen Schwarzwald, Neckar und schwäbischer Alb, dort, wo andre Leute jetzt gerade Urlaub machen. Der Bodensee ist auch nur eineinhalb Fahrstunden entfernt. Wenn man nicht mit dem Auto oder dem Flugzeug in die Ferien flüchtet, gibt es hier noch viel vom Ursprünglichen zu sehen. Und es gibt auch noch kleine, feine Kultur ohne Massenansturm. Neulich fand in Horb, einer Nachbarstadt, das so genannte Brückenfest statt, acht Bands spielten an verschiedenen Stellen des Ortes. Die Karibik-Klänge am Bahnhof haben uns nicht so gelockt, aber es gab auch sonst viel zu sehen und zu hören.  Am lustigsten waren die Älteren drauf, die in einer Gasse Richtung Neckar das Tanzbein schwangen. Rock in der Hirschgasse und E-Gitarren im Biergarten des Klosters. Dass es keinen großen Besucherandrang gab, liegt an der neuen Zeit. Vor allem die Jüngeren sind medial unterwegs oder hängen auf den Parkplätzen und Tiefgaragen mit Bierdosen herum.

Von ganz oben, vom Rathaus in Horb, kann man die Stäffele hinuntersteigen


Nächste Station war dann die Nachbarstadt im Westen: Altensteig, geprägt von der Flößerei. Stimmte mich hervorragend auf das Mittelalter/ die frühe Neuzeit ein, in der mein neuer Roman "Tod im Glaswald" spielt. Auch wenn Altensteig nicht der Spielort ist, sondern die Klosterstadt Alpirsbach, wo wir schon sehr oft gewesen sind.
Altensteiger Schloss mit schönem Museum




Die Königsbank von Wilhelm I. von Württemberg

Eine der schönsten Oasen habe ich in meinem Garten mit dem großen Nussbaum und beim Schreiben dort und anderswo. Schreiben ist eine Leidenschaft, die nicht nur Leiden schafft, sondern auch sehr motivierend und erfreulich sein kann! 




Das ist eine Seite aus meinem Schreibprogramm "Papyrus Autor". Rechts und links vom Text kann man sich Bilder und Links wechselnd speichern, (insgesamt achtmal), so dass man immer die Szenen und Personen vor Augen hat. Mit dem Programm habe ich schon viele Romane geschrieben und kann es nur empfehlen!


Donnerstag, 22. Juni 2023

Dass es sowas noch gibt!

Gerade war ich auf unserem kleinen Postamt und habe gestaunt. War länger nicht dort gewesen und erwartete -naja, nicht gerade einen Roboter hinter dem Tresen, aber auch nicht so eine nette ältere Dame mit Mundschutz, die einen wie früher bediente und mein Päckchen an die Telekom als Brief deklarierte. Dieses Päckchen beinhaltete einen SmartstickS, den mir ein Telekom-Mitarbeiter vor einer Woche am Telefon aufgeschwatzt hat. Obwohl ich beteuerte, so einen Stick zum Streamen und zum schnellen DSL gar nicht zu brauchen, wurde der Vertrag vorläufig abgeschlossen. Ich schlich dann tagelang um diesen Stick herum, weil ich einfach keine Lust hatte, mich mit noch mehr solchem Krempel zu beschäftigen. Ja, in Corona-Zeiten hätte ich das vielleicht gebraucht, ein Freund schwärmte mir auch damals am Telefon vor, wieviele weitere Serien und Filme man alternativ zum öden TV-Programm noch sehen könne. Also, nach dem Vertragswiderruf per Email musste ich diesen Stick, der mir eigentlich geschenkt wurde, wieder verpacken und zum Postamt tragen. Uff, Gott sei Dank ist das jetzt aus der Welt!

Ein Lächeln setzte sich unwillkürlich auf meinen Lippen fest, das die Hereinkommenden freudig erwiderten. Simplify your Life!, hieß einmal ein Buchtitel. Und eine weitere Freundin schrieb mir kürzlich, was ChatGPT betrifft, dass man doch sein Leben lieber vereinfachen als komplizieren solle.
  Ich habe, wie schon einmal erwähnt, ChatGPT für meinen momentanen Roman ausprobiert und kam immer wieder zu dem Schluss, dass das Programm letztendlich schreibhemmend wirkt. Es ist lediglich dazu geeignet, Ideen zu produzieren, die einem beim Plotten und manchmal auch beim Schreiben weiterhelfen. Auf jeden Fall habe ich-bei 120 Normseiten - höchstens zehn Sätze übernommen, und auch die sind noch überarbeitungsbedürftig, weil ChatGPT einfach hölzern und ohne jeden tieferen Sinn und Begreifen schreibt. Erst wenn ich die Sätze der KI gelöscht habe, kann ich im alten Flow weiterschreiben, mit Bildern und Szenen im Kopf und zum Weiterspinnen auf dem Sofa oder unterwegs.

Ich glaube also nicht, dass ChatGPT jemals Romane schreibt, die ich selber gern lesen würde.(Was für ein Genuss ist es zum Beispiel, einen biografischen Roman über Paracelsus zu lesen, den mein Freund mir von einem öffentlichen Bücherschrank mitgebracht hat!) Was die Vereinfachung des Lebens angeht, kann man auch noch weitere Bereiche in Betracht ziehen. Wer wie wir mit Mallorca-Gedöns, Menschenmengen, Lärm und schnöder Event-Kultur nichts anfangen kann, der fängt manchmal schon an zu verzweifeln. Kommt man von einer Wanderung auf der menschenleeren, immer gleich schönen schwäbischen Alb zurück, wird man im pittoresken historischen Pfullingen von einem vollen Marktplatz und einer dröhnenden Lautsprecherstimme empfangen und versteht sein eigenes Wort nicht mehr. In Reutlingen gab es noch nicht einmal einen Parkplatz, und Tübingen präsentierte sich als stadtweites Open-Air-Restaurant mit Hunderten, wenn nicht Tausenden von bier-und genussseligen Menschen. Dazwischen eingeklemmt, mit einer Gruppe kreischender Nachbarn, waren wir froh, diesen Ort schleunigst wieder verlassen zu können. Und der Grieche, bei dem wir saßen, scheint vegetarisch geworden zu sein, dazu schmeckte das Taramas nicht mal nach Taramas.(habe ich mir dann gestern bei Edeka geholt).

Wie herrlich ließ es sich in Tübingen in meiner Studentenzeit leben - davon findet man heute nur noch sehr wenig und auch nur, wenn man lange sucht. Wir haben jetzt unsere Nischen bei Italienern, in Ergenzingen und auch gestern in Altensteig, direkt am Ufer der Nagold. Erfrischend wie an einem Urlaubstag und geeignet, einen stress-und streitgeladenen Nachmittag geruhsam ausklingen zu lassen. Der dritte Punkt. Schreiben in Cafés. Das habe ich früher oft gemacht, selbst in einem Supermarkt-Café, wo ich abseits unter Palmen meine ersten Romane mit der Hand schrieb. Auch mal am See oder am Ufer eines klaren Baches. Im Winter sind durchaus auch diese neuen großen Cafés geeignet, wo man neben alten Stichen von der Flößerei abseits sitzen kann, sein Smartphone checken und dem ferneren Gemurmel lauschen.Jetzt im Sommer draußen, bei dieser Affenhitze, ist das völlig unmöglich geworden, dazu kommen Personalmangel und unfreundliche Bedienungen. Der beste Platz zurzeit ist wieder auf meiner Terrasse unter dem Nussbaum, mit seinem blühenden Umfeld ein Paradies!

Dienstag, 24. Januar 2023

Eiskalte Förde

Das Schreibteufelchen und mein Sohn David haben mir offensichtlich einen Anstoß gegeben! Von den drei, vier Ideen, die ich seit Monaten mit mir herumtrage, habe ich jetzt mal zwei herausgefischt und dafür Projekte bei Papyrus Autor, dem kreativen Schreibprogramm, angelegt. Die Titel lauten

1. Tod im Glaswald

Ein historischer Krimi aus dem Schwarzwald  von 1521. Vorbilder sind die Umgebung der Klöster Alpirsbach und Wittichen im Kinzigtal.

Bei Wittichen

Heustadel im Schwarzwald

Glaswaldsee
In dem Programm "Papyrus Autor" bekommt jede Figur einen Platz in der Figurendatenbank. Recherchematerial kommt in die Recherchedatenbank, dann gibt es noch ein Denkbrett. Neu angewendet habe ich diesmal das Klemmbrett rechts und links vom Text. 8 Stück habe ich angelegt- rechts Fotos, links Schnipsel und Notizen sowie externe Links zu Internetseiten. So muss ich nicht - wie bei meinen ersten Büchern - dauernd in Zetteln und Büchern herumkramen oder mich aus dem Schreibprozess rausreißen, um ins Internet zu gehen.

Das zweite Projekt, das mir schon seit zwei Jahren im Kopf rumgeht, heißt jetzt: "Eiskalte Förde", als Fortsetzung der "Mörderischen Förde". Auch dafür habe ich ein Projekt angelegt und sammle nebenher Material dazu. Darauf gebracht hat mich ein Zeitungsartikel, der die Zustände in Flensburg im Mai 1945 beschreibt, als sich hier das ganze Nazigesindel und unvorstellbar viele Flüchtlinge befanden. Ein weiterer Zeitungsartikel über gestohlenes Raubgut (Bilder) wies dann die Richtung: Eine Biografin in Wassersleben wird gebeten, in einer familiären Sache zu ermitteln ...

Eiskalte Förde

(Reise mit David 2916)


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An der Schusterkate ff.




Flensburger Hafen


Roman Nr. 3 mit dem Arbeitstitel: "Tod in der Marmorsäge" spielt wieder im Schwarzwald des 19. Jahrhunderts, in einem Sanatorium für Tuberkulosekranke. Da habe ich aber noch kein stimmiges Konzept. Und last not least hätte ich auch Lust, irgendwann mal über die gesammelten Wander-und Reiseabenteuer zu schreiben-vom Schwarzwald über die schwäbische Alb, den Bodensee, den Neckarraum, das Fränkische, wo es auch heute noch stille Flecken gibt, über bayerische Städte, Kirchen, Klöster und Biergärten bis hin zu Weimar und den Norden, Flensburg inklusiv! Hier noch ein Screenshot vom Papyrus-Dokument

Montag, 26. Dezember 2022

Rückkehr des Schreibteufelchens

😈Heute ist mein alter Freund, das Schreibteufelchen, auf meiner Seite vorbeigekommen und hat sein Näschen, noch vom Ruß geschwärzt, hinter die Kulissen gesteckt. Seit mehr als einem Jahr nichts mehr los hier, hat es sich gesagt und die Statistiken betrachtet. 760 Einträge in ca. 14 Jahren, seit Oktober 2008, das sind pro Jahr etwa 50, das heißt einmal wöchentlich erschien hier durchschnittlich ein Eintrag. Chapeau!, ruft das Schreibteufelchen. Und wieso hat es dann plötzlich aufgehört? Letzten Monat gab es noch über 2000 Zugriffe, obwohl kein Input mehr reinkam. Auch wenn das Robots gewesen sein sollten.

Naja, kann mir schon denken, was los war. Es passierte ja nix mehr, als Corona auftrat, man konnte nirgends mehr hin, nichts erleben. Dann noch der Krieg, die Klimakrise, die schwäbische Alb war so vertrocknet, dass man sie nicht mal mehr fotografieren mochte. Schreibkrise, weil der letzte Verlag dicht gemacht hat. Und die Ideen wollten dann nicht mehr so purzeln bzw. die schienen alle so banal. Mittelalterkrimi im Schwarzwald? Sanatoriumsgeschichte aus dem 19Jahrhundert? Noch ein Ostseekrimi mit Wurzeln in den Wirren des 2. Weltkriegs? Die Leser und Leserinnen haben die Schnauze voll von Krieg, Seuchen und Problemen, hat es in der Buchwelt geheißen. Und schönreden kann man die Wirklichkeit auch nicht. Du musst aber wieder schreiben, flüstert mir das Teufelchen ins Ohr, denn das war und ist dein Leben! Ich habe es ihm versprochen, jawohl, direkt ins schwarze Händchen hinein. 



Dann die obligatorische Weihnachtstagswanderung über den Egenhauser Kapf, früher mal mit Schnee und "Schmetterling", mit Sonne oder im Regen und Sturm, dass die Haare flogen. Gestern mutete es fast frühlingshaft an, und dann so ein Sonnenuntergangsspektakel! Ich habe auch meinem Sohn David versprochen, mal wieder was in den Blog zu schreiben, denn den hätten doch so viele gelesen, nicht nur Lektor`innen, Fernsehanstalten, Journalisten, alte Freunde und Kollegìnnen, sondern sogar der "Hausmeister" in Kupfermühle bei Flensburg. Ach ja, und letztes Jahr sprach mich der Feuerwehrmeister des Dorfes darauf an, in dem wir uns die Booster-Impfung abgeholt hatten.



Abschluss im China Garden in Altensteig, einem hübschen, etwas verschlafenen Schwarzwaldstädtchen mit viel schwarz-weißem Fachwerk. Hier gibt es in der Nähe eine original wiederaufgebaute Flößerstube, die schon Kulisse für Filme abgab sowie ein Erinnerungsschaufenster an das "Altensteigerle" eine Schmalspurbahn, die früher von Nagold nach Altensteig führte. Natürlich gab es Gemüsesuppe, Wan Tan, Eierreis mit Ente und verschiedene Schätze, denn sonst gönnt man sich ja nicht viel Fleischliches mehr.👿

Freitag, 16. März 2018

Schmeck den Süden

Kloster in Haslach
Heute mal ein Eintrag ganz profan und ohne speziellen Bezug in eigener Sache. Momentan scheinen alle Autoren und Verlagsmenschen auf der Leipziger Buchmesse zu sein. Ich selbst habe die Gelegenheit ergriffen, meine drei Manuskripte nochmal auf Vordermann zu bringen. Denn sie werden zusammen mit den eingedampften Exposés noch vom Lektorat geprüft. Eigentlich ist es sehr entspannend, erstmal nichts Neues schreiben zu müssen. Am Plot für einen weiteren Schwarzwaldkrimi denke ich noch herum, aber es ist nicht eilig. Es ist Zeit, sich mal wieder dem realen Leben zuzuwenden. Der Ausflug nach Haslach im Kinzigtal war irgendwie berauschend. Bei Temperaturen von 15° und Sonnenschein flanierten die Menschen durch die Stadt und durch die weite, frühlingshafte badische Landschaft. Neben der Fachwerkstadt erweist sich das Kloster mit dem Park und der Statue des badischen Dichters und Pfarrers Heinrich Hansjakob als die schönste Meile (der wird auch in meinem Schwarzwaldkrimi erwähnt, denn ein Teil davon spielt im Kinzigtal). An den Straßenrändern zeigten sich die ersten Anemonen.

Gestern kam dann, das ist man schon gewohnt bei dem Extremklima, der Absturz in die graue Kälte. Doch alles Jammern nützt ja nichts. Was tun, fragten wir uns. Die Polarkälte wird möglicherweise noch die ganze nächste Woche andauern. Überall, bis runter nach Venedig und Marseille. Flucht ist unmöglich, auch wenn uns hier eigentlich gar nichts hält.

Um dem vollkommenen winterlichen Einrosten vorzubeugen, schwamm ich zunächst einmal meine Runden im neuen Neckarbad in Horb am Neckar. Dort gibt es einen Italiener, der eine Gaststätte betreibt, und an der Wand hängt das farbenfreudige Bild einer italienischen Hafenstadt. Die Pizza-und Pasta-Düfte regten den Appetit an, der in letzter Zeit fast vollkommen abhanden gekommen ist. Der lebensfrohe Wirt erzählte uns einiges, unter anderem, dass man nach Meran und Südtirol am besten über den Reschenpass fährt. Wir hatten beschlossen, mal wieder eine renommierte Gaststätte im Eyachtal zu besuchen. Sie gehört dem Verband "Schmeck den Süden"an und verspricht wirklich nicht zu viel. Meine anvisierten weißen Bratwürste mit dem traumhaften schwäbischen Kartoffelsalat, grünem Salat und Brot waren leider ausgegangen. Stattdessen bekam ich einen kleinen Braten mit Spätzle, Soße und Gemüse, mein Partner entschied sich für Putenmedaillons mit Rahmsoße, Früchten und Mandelreis. Und aus seinem Salat war der legendäre Kartoffelsalat schnell verschwunden. Am besten war die selbst gemachte Hollandaise, die das Gemüse umgab. Der eingeschlafene Appetit war wieder zum Leben erwacht! Ich hatte schon mal eine Liste mit guten Lokalen in der näheren Umgebung erstellt. Die sollten wir weiter ausprobieren, sammeln und zusammen mit dem gesamten Material an Wanderungen, Fahrten, Geschichten und Historischem irgendwann einmal doch noch irgendwo herausgeben.

Flößerstadt Wolfach

Mittwoch, 14. Februar 2018

Erntezeit und neues Leben

In grauer Vorzeit, ich habe es heute noch in den Ohren, sang die Kölner Gruppe BAB"Am Äschermittwoch is alles vorbei." Jetzt ist der Tag wieder gekommen, und die Blumenläden machen gute Geschäfte, weil auf diesen Mittwoch gleichzeitig der Valentinstag fällt. Und es ist mal wieder Zeit für eine Zwischenbilanz. Inzwischen zieht sich geradezu eine Elefantenspur von mir durchs Internet. Die dürfte aber, im Vergleich mit den Spuren anderer, eine Schmalspur sein. Die Bücher, die ich veröffentlicht habe, sind nicht verschwunden, im Gegenteil, sie breiten sich immer weiter aus. In unzähligen Shops weltweit werden sie angeboten (selbst bei Barnes&Noble in New York), täglich tauchen sie in neuen Bibliotheken auf und werden auch gelesen - leider auch von Lesern, die sich bei Umsonst-Plattformen bedienen. Ich habe alle Ideen, die ich in den letzten siebzehn, achtzehn Jahren hatte, verwirklicht. Jetzt ist irgendwie das Ende der Fahnenstange erreicht. Es kommen keine Antworten mehr, weder von Verlagen noch von Agenturen. Dafür haben sich im Virtuellen viele wertvolle Kontakte entwickelt, die genauso real sind wie die in der Wirklichkeit. Doch gab es nicht auch einmal ein Leben vor der Virtualität?

Naja, ganz draußen war ich glücklicherweise nie. Parallel zu der Parallelwelt bin ich weit herumgekommen, wie einige meiner Blogleser noch wissen werden. Das ist wiederum in das Schreiben und in die Blogbeiträge eingeflossen. Es war schon immer eine andere Welt gewesen als die der "Normalbürger", nämlich die der Literatur, der Kultur und der Natur. Ich muss nicht fasten, muss nicht auf Süßigkeiten oder das Internet verzichten, muss kein neues Leben beginnen. Statt dessen sollte ich beides besser miteinander in Einklang bringen. Durch den Hamburger Kontakt erfahre ich mehr über meine Familiengeschichte als jemals zuvor. Das ist sozusagen die Folge der Elefantenspur, die sich hinter mir herzieht. Neben dem Bücherangebot in der Welt und den Lesern wachsen auch die Besucherzahlen im Blog kontinuierlich, je nach Input.

Donnerstag, 3. August 2017

Der neue Kindle - ein Lob der Technik


Vor zwei, drei Jahren hatte ich schon mal einen Kindle Reader gekauft. Da ich selbst E-Books veröffentlicht hatte, wollte ich auch selber ausprobieren, wie sich auf einem Reader lesen würden. Es hat bloß damals nicht geklappt, weil ich keinen WLAN-Anschluss hatte. Ich brauche sicher nicht zu beschreiben, wie ich nach den telefonischen Anweisungen von 1&1 bei 30° unter dem Computertisch herumgekrochen bin und in den Kabeln wühlte. Schließlich hatte ich den Reader völlig entnervt meinem Sohn geschenkt, der ihn jetzt bei Flugreisen um die Welt als Zeitung nutzt. Inzwischen besitze ich ja ein neues Telefon und das WLAN (mit vielen Tücken und Pannen und Nervtoden durch Telekom serviert, wie berichtet!) Aber dann war alles in Ordnung und funktionierte, und dann war es an der Zeit, mir einen neuen Reader zu beschaffen. Und zwar den Kinde Paperwhite von Amazon. Es dauerte ca. 2-3 Stunden, bis ich das Wichtigste verstanden hatte, zum Beispiel auch Sonderzeichen für die Emailadresse einzutippen. Die damals von mir gekauften E-Books waren schon drauf (die hatte ich alle am Monitor gelesen). Mein erstes Buch, das ich heruntergeladen habe, war "Der Dichter des Teufels" von Tanja Schurkus. Weil ich von ihr mal einen sagenhaft schönen biografischen Roman über Matthias Claudius gelesen habe. Remember: "Der Mond ist aufgegangen ..."

Die Technik dieses Gerätes begeistert mich als T-Banause sehr. Es bringt auch Spaß, die Funktionen auszuprobieren. Gelesen habe ich darauf noch nicht, weil ich noch andere Print-Bücher zum Lesen habe. Der Grund für die Anschaffung war vor allem der, dass ich bei den vielen Kurztripps, die wir unternehmen, nicht immer so dicke Bücher mitschleppen will, besonders bei Bahnfahrten. Darüber hinaus mag ich diesen Kleindruck vor allem bei älteren Büchern nicht mehr entziffern -auf dem Reader kann die Schrift vergrößern und vor allem ohne die Tranfunzeln in vielen Hotels lesen, da er gut beleuchtet ist. Mir ist auch aufgefallen, dass die neuen Bücher alle eine größere Schrift haben und dadurch das Buch auch dicker machen. Last not least spare ich natürlich eine Menge Geld, wenn ich die Bücher, die ich bisher nach Hause schleppte, nun als E-Books lesen kann. Zwei Nachteile sehe ich dabei, eigentlich drei: Ich kann das Dingens nicht mehr ausschalten, dabei geht mit der Zeit auch immer was vom Akku verloren. Für unterwegs muss ich mir noch ein Extra-Ladegerät bestellen, bisher kann ich es nur am Computer aufladen. Was mich aber am meisten stört: Mir werden ständig, beim Aus - und Anmachen und zwischendurch andere E-Books angeboten und zwar solche, zu deren Zielgruppe ich überhaupt nicht gehöre, wie: "Liebesromane zum Mitfiebern" oder "historische Liebesromane zum Dahinschmelzen"!
Vielleicht ändert sich das ja noch, wenn ich meine Lieblingsbücher bestellt habe? Möglicherweise bekomme ich dann Angebote, die auf mich zugeschnitten sind. Auf jeden Fall ist das ein Schritt für mich, um gegen Ende des Jahres wieder zu veröffentlichen. Ich habe vor, die vier dann fertigen Bücher zu dem Zeitpunkt im Abstand von 3-4 Monaten zu veröffentlichen - in den Pausen kümmere ich mich um Lektorat und Korrektorat, und das wird bei zweien der Bücher nötig sein. Cover und neue Klappentexte brauche ich für alle, vielleicht sogar für meinen Mörike. Das würde dann etwa so aussehen:

1. Historischer Roman, 1632, Thema Hexenkinder
2. Historischer Krimi, 1787, Tübingen und Umgebung, "Wolfskind" (neues Cover, neuer Klappentext)
3. Zeitgenössich-historischer Roman, Thriller. 1934, 1969 Hamburg-Argentinien, Nazis und Neonazis
4. Jetztzeit-Krimi Schwarzwald (oder zuerst, weil Ende des Jahres das Schwarzwald-Thema durch den Tatort und das E-Book-Bundle vom Verlag wieder hochkommen wird).

                                                                     

Dienstag, 21. Februar 2017

Reich und berühmt bin ich nicht geworden



Blick auf das Weindorf Uhlbach
Meine Autorenkollegin Helene Luise Köppel hat mich auf Facebook dazu nominiert, am Liebster Award teilzunehmen und dazu Fragen bezüglich des Bloggens gestellt. Die beantworte ich an dieser Stelle. Wer von meinen Nachbarbloggern und Bloggerinnen gern an diesem Award teilnehmen möchte, melde sich bitte hier. Werde es dann auch bei Facebook einstellen.

  1. Blogger sind neugierige Menschen. Wie sieht Dein Alltag für gewöhnlich aus?

    Vorab muss ich sagen, dass ich gerade einen Roman fertiggeschrieben habe – den zehnten, wenn ich mich nicht irre. Deshalb geht es beim Schreiben gerade etwas ruhiger zu. (Muss auch meine geplagten Arme etwas schonen). Jetzt im Winter, bei dem schwer herabhängenden Himmel, spielt sich das meiste drinnen ab. Ich stehe nicht zu früh auf, mache mir einen Espresso und ein bisschen was zum Essen und hocke mich vor meinen geliebten Laptop. Ich stöbere in meinem Autorenforum, gucke in benachbarte Blogs und natürlich auch regelmäßig bei Facebook rein. Dann hole ich die Papierzeitung aus dem Briefkasten und lese so richtig altmodisch gemütlich, besonders die menschelnden Berichte aus dem Ländle. Nachmittags sind mein Partner und ich immer unterwegs. Sei es zum Einkaufen, zum Stadtbummel in der Umgebung, in Museen und Buchhandlungen/ Antiquariaten. Dort sind wir (als Rentner) Dauergäste. Auch im Fernsehen erhalte ich Anregungen durch Kultur/Natursendungen und Krimis. Darüber hinaus bin ich auch noch Vielleserin. Nach einem Großteil der Weltiteratur jetzt vor allem gute Krimis und Thtiller, am liebsten von deutschen Autoren. Aber auch gern Romane und Biografien über das 19. und 20. Jahrhundert. Im Sommer kommen Wanderungen, Ausflüge, Aufenthalte an Badeseen und Kurzreisen hinzu. Meine Hirnzellen bekommen also genügend Anreize, wie man sieht.

  1. Den Seinen gibt`s der HERR im Schlaf? Wie kamst du zum Bloggen?

     Da muss ich wirklich überlegen, ist schon so lange her, über zehn Jahre glaube ich. Wahrscheinlich haben mich AutorenkollegInnen dazu angeregt, die ebenfalls in der Zeit zu bloggen begannen.

  1. Gibt es Vorbilder, die Dein Leben und Deine Arbeit beeinflusst haben?

     In meiner Jugend waren es Albert Schweizer, Hermann Hesse und Max Frisch. Später Bruno Bettelheim. Mahatma Gandhi und noch später viele Schriftsteller und alle, die etwas aus ihrem Leben gemacht und etwas bewirkt hatten.


  1. Ich bin ein Mensch. Nichts Menschliches ist mir fremd … Gestattest Du Dir gelegentlich die eine oder andere Torheit?

     Ich gestatte mir seit vielen Jahren die Torheit zu schreiben. Das macht mich glücklich, aber es ist eine noch größere Torheit zu glauben, dass man auch nur annähernd reich und berühmt damit wird.

  1. Über welches Thema brütest Du am liebsten?

     Über allen Themen, die tagtäglich anfallen-gesellschaftliche, psychologische, eigenes Leben und Schreiben, politische mehr am Rande, damit habe ich mich früher jahrzehntelang beschäftigt und aktiv dafür gekämpft.

  1. Hannibal überquerte die Alpen. Welche Reisen haben Dich nachdrücklich beeinflusst?

     Am meisten wohl die Reise mit dem Frachter nach Südamerika, zu Verwandten in Argentinien. Die hatten mir meine Eltern zum Abitur geschenkt. Dort war ich vier Monate unterwegs, auf der Pampa, an den Wasserfällen des Iguazu und in den Anden.
     Außerdem die Reisen nach Mexiko und Venezuela, quer durch Europa, durch Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und durch fast ganz Deutschland. Das fließt immer auch in meine Romane ein, zuletzt die Argentinienreise in meinen neuesten.
  1. Nichts ist so schwierig, als dass es nicht erforscht werden könnte! Wieviel Kraft und Zeit steckst du für gewöhnlich in die Recherche für Deinen Blog?

     Bei längeren Artikeln kann es schon mal zwei, drei Stunden dauern, auch das Schreiben selbst und das Verlinken nimmt bei einem kurzen Artikel oft mindestens eine Stunde in Anspruch.

  1. Welche Hobbies pflegst Du außerhalb des Bloggens?

    Wie oben schon erwähnt, Wandern, Schwimmen, Lesen, dazu Fotografieren und Reisen. Das Kochen und der Garten stehen nicht mehr so im Vordergrund wie früher, durch das Schreiben bleibt vieles, was man früher gern getan hat, auf der Strecke.

  1. Luxuria. Was zählt für dich zu den Annehmlichkeiten des Lebens?

     Die frei verfügbare Zeit, seit ich nicht mehr angestellt arbeite. Ausschlafen, tun, wozu ich Lust habe. Schreiben, was mir gefällt und was mich glücklich macht. Gutes Essen, schöne Landschaften, Städte, Schlösser und Burgen.

  1. Frisch begonnen, ist halb gewonnen? – Bist du ein Morgen- oder ein Nachtblogger?

Meistens am Mittag oder später am Abend.

  1. Hast du ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch deine Blogs zieht?
Das Schreiben, das Leben, gesellschaftliche Trends, Psychologisches, Natur und Kultur und alles, was sich so um mich herum abspielt.

Freitag, 13. Januar 2017

Vor dem Sturm

Gestern Nacht bin ich, wie so oft, auf meine Terrasse hinausgetreten. Es war alles still, der Schnee der letzten Tage war schon geschmolzen. Dann hörte ich ein Sausen hoch oben in der Luft, als würden mehrere Düsenjägervon allen Seiten heranfliegen. Wenig später rasten weiße, ausgefranste Wolken über das Haus hinweg, andere, dunklere, folgten und verdeckten immer wieder den Mond, den ein Halo umgab wie ein kleiner, runder Regenbogen. Die wilde Schar kam vom nordwestlichen Schwarzwald her, hastete weiter, als wäre sie von allen Nachtmahren der Welt verfolgt, und flog in südöstlicher Richtung davon. Das Brausen am Himmel verstärkte sich, ein Inferno kündigte sich an.

Vor langen Jahren habe ich schon einmal eine solche Nacht erlebt. Und schrieb darüber eine Kurzgeschichte, aus der wiederum später ein Roman entstand. In der Nacht im Milleniumsjahr 2000, ungefähr um dieselbe Zeit, las ich in den "Nachtwachen des Bonaventura" Folgendes:
Es war eine von jenen unheimlichen Nächten, wo Licht und Finsternis schnell und seltsam miteinander abwechseln. Am Himmel flogen die Wolken, vom Winde getrieben, wie wunderliche Reisebilder vorbei, und der Mond erschien und verschwand in raschem Wechsel. Unten in den Straßen herrschte Totenstille, nur hoch oben in der Luft hauste der Sturm wie ein unsichtbarer Geist. Dann ging die Straßenlaterne aus, und es gab nur noch dieses Sausen des Windes, ein kurzes Blinken von Sternen und den bangen Ruf eines Käuzchens. Jetzt ist er da, der Sturm. Der Himmel stahlgrau, das Gerippe des Nussbaums vor mir, Regen peitscht mir ins Gesicht, es tobt und wütet, poltert und scheppert. Ein Klirren, das Thermometer, ein Klatschen, die Matte ist weggeweht, Äste schlagen gegen das Fenster. Ich denke an die zweite Weihnachtsnacht des Jahres 1999, die Nacht des Lothar, der europaweit für ungeheure Zerstörungen sorgte. Auf dem Kamm waren die Fichte wie ein Mikadospiel weggeknickt, die Regentonne war ums Haus geflogen und ein Baum im Garten hatte sich quer über die Straße gelegt. Diesmal geht es glimpflich aus, aber wahrscheinlich müssen wir in diesem Jahr mit weiteren, stärkeren Unwettern rechnen. Ich gehe zurück in die wohlige Wärme des Hauses. Wohl dem, der jetzt noch Heimat hat, sagte einst Nietzsche in einem Gedicht. Hier ein anderes Gedicht von Gottfried Keller, dessen "Grünen Heinrich" ich sehr gern gelesen habe:

                                                               Im Schnee
                                                    Wie naht das finster türmende
                                                    Gewölk so schwarz und schwer!
                                                    Wie jagt der Wind, der stürmende,
                                                    Das Schneegestöber her!
                                                    Verschwunden ist die blühende
                                                    Und grüne Weltgestalt;
                                                    Es eilt der Fuss, der fliehende,
                                                    Im Schneefeld nass und kalt.
                                                    Wohl dem, der nun zufrieden ist
                                                    Und innerlich sich kennt!
                                                    Dem warm ein Herz beschieden ist,
                                                    Das heimlich loht und brennt!
                                                    Wo, traulich sich dran schmiegend, es
                                                    Die wache Seele schürt,
                                                    Ein perlend, nie versiegendes
                                                    Gedankenbrauwerk rührt!

                                                      Gottfried Keller, 1819-1890

Sonntag, 26. Juni 2016

Auszeit: Reisen, Romane schreiben, Rosen züchten

Vor einigen Tagen, genauer gesagt am bisher heißesten Tag des Jahres, fuhren wir bei ca. 34° ein Stück in den Schwarzwald hinein, Richtung Alpirsbach. Dabei landeten wir ganz unvermutet in einem kleinen Paradies. Ein Moorsee mit Felswänden und Wasserfall, vorne ein weißer Sandstrand, eine Hütte und ein Badesteg. Natürlich waren wir nicht alleine da. Aber das wäre so ein Ort für eine kleine Auszeit. Daneben ist mir ein altes Buch in die Hände gefallen, von einem Vater, der in den vierziger, fünfziger Jahren mit seinen drei Söhnen durch den Schwarzwald, durch die Vogesen, den Bregenzer Wald und durch das Schweizer Jura gewandert ist. Das waren noch echte Auszeiten, ein Leben nur in der Natur, in Hütten und auf Bauernhöfen, Sonne, Regen und Stürmen ausgesetzt. Der Autor namens Fritz Hockenjos wurde 1927 in Lahr geboren und war seit 1947 Förster in St. Märgen im Schwarzwald. Er beschreibt diese Wanderungen, die Flora und Fauna, die Erlebnisse und Begegnungen in einer fast expressionistischen Sprache, bei der man das Gefühl hat, alles zu sehen, zu hören, zu riechen und mitzuerleben. Aber auch damals schon kündigte sich das Desaster der Menschen an: die zerschossene Gräberstätte am Hartmannsweiler Kopf, die Düsenjets, der allmählich aufkommende Massentourismus auch in den Vogesen und im Schwarzwald. Und auch damals gab es Extremregen und Gewitter, nur nicht so zerstörerisch wie gerade jetzt. Das alles zu lesen, und überhaupt Bücher zu lesen bedeutet eine echte Auszeit. Der menschliche Organismus und vor allem seine psychischen Strukturen sind nicht darauf angelegt, sich wochen -, monate - und jahrelang ständig negativeren Bildern und Informationen auszusetzen, ohne irgendwann zu streiken. Irgendwann muss er mal ein Ventil auf den Dampfdrucktopf setzen, um die Flut von Gewalt, Morden, Elend, Flucht, Brexit und immer verhehrenderen Naturkatastrophen zumindest zeitweise auszusperren, um nicht zu verzweifeln. Gestern sind wir mit knapper Not einem Unwetter entkommen, das sich wie eine überdimensionale Krake von allen Seiten über der Stadt zusammenbraute, tintenfischschwarz und kurz davor, Tentakeln oder Tornadorüssel zu bilden. Abends dann die Bilder von weinenden Menschen in Pfullingen, in Stromberg, flüchtende Besucher des Southsidefestivals in Neuhausen, ein entgleister Zug, Verletzte und tausende total Frustrierte. Unwetter in Deutschland. Die entgleiste Natur macht jetzt eine Pause, aber es ist nicht abzusehen, wie es tatsächlich weitergeht. Deshalb sollte jeder eine Nische finden, in der er wieder atmen kann, um sich gestärkt seinen Aufgaben widmen zu können.

Früher gab es das sogenannte Sabbatjahr, in dem man ein halbes oder ein Jahr lang mit der Arbeit aussetzen und sich in dieser Zeit ganz anderen Dingen widmen konnte. Ein Buch habe ich dazu gefunden, dessen Titel lautet: "Reisen, Romane schreiben, Rosen züchten" mit Tipps für eine solche Zeit. Reisen ist immer o.k., das habe ich sehr viel getan in meinem Leben. Und Romane geschrieben. Romane schreiben könnte eine gute Beschäftigung während einer Auszeit sein, doch das Veröffentlichen derselben sollte man nicht da hineinlegen. Und Rosen züchten bedeutet ganz viel Fachwissen und Arbeit - ich habe zwar welche in meinem Garten, erfreue mich aber lieber an ihren Blüten, als sie zu züchten. Nach dem Probelektorat habe ich den Krimi erstmal in die Dateien zurückgeschickt und den neuen Roman nicht weiterentwickelt. Im Self Publishing würden sie niemals die Kosten wieder einspielen, abgesehen davon, dass kaum jemand sie in den Shops wahrnehmen würde. Aber ich finde den Gedanken faszinierend, dass man einzelnen Lesern mit seinen Büchern eine Auszeit verschaffen kann - wie es dieser so lebendig schreibende Förster bei mir erreicht hat. Und deshalb werde ich den Gedanken, Bücher zu schreiben, nie ganz aufgeben.

Dienstag, 24. Mai 2016

Kreative Pause

Was ist eigentlich eine kreative Pause? Normalerweise habe ich darunter immer eine Phase verstanden, während der sich der Schaffende erholt und wieder neue Kräfte schöpft. Ich habe wenig dazu im Netz gefunden. Nur bei Wikipedia gibt es eine Definition, die ich einmal zusammenfassen könnte, obwohl sie als nicht ausreichend belegt bezeichnet wird. Eine kreative Pause sei aus gestaltpsychologischer Sicht eine Pause unterschiedlicher Länge im kreativen Schaffensprozess von Künstlern, Wissenschaftlern und Geisteswissenschaftlern. Dabei sei die Pause selbst nicht mit kreativen Tätigkeiten angefüllt. Sie solle eher der Erholung des Geistes und der Wiederherstellung der Schaffenskraft dienen. Die Notwendigkeit dieser Pausen in kreativen Schaffensprozessen sei jedoch nicht belegt. Wenn sich der Kreative mit themenfremden Gegenständen beschäftige, einfache Tätigkeiten zur Ablenkung wähle oder Spaziergänge mache, ende irgendwann die kreative Pause mit dem kreativen Ausbruch, die Produktivität nehme zu, neue Ideen entstünden, die Nachtruhe werde verkürzt oder durch Einfälle unterbrochen, die sofort skizziert werden müssten. Eine kreative Pause könne von unterschiedlicher Dauer sein. Manche Personen benötigten lediglich Stunden, um an den Schreibtisch zurückzukehren, bei anderen dauere es Tage und Wochen, gar Monate, bis der Geist wieder in der Lage sei, neue Ideen zu produzieren. Allerdings könne die Rückkehr in den Schaffensprozess extrem schwierig werden.

Ich selbst weiß nichts von alledem. Kann es sein, dass ich während der letzten sechzehn Jahre überhaupt keine Pause, schon gar nicht eine kreative, gemacht habe? Und ist das denn wirklich notwendig? Der Schriftsteller Henri Miller zum Beispiel lebte von 1944 bis 1962 in Big Sur in Kalifornien, als Aussteiger unter Gleichgesinnten. Meines Wissens schrieb er zehn Jahre lang nichts und veröffentlichte 1957 einen Aufsatz über diese Zeit (Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch).Die anderen Einträge, die ich zum Thema "kreative Pausen" gefunden habe, stammten meist von Bloggern, von Studenten oder Professoren. Für Autoren scheint das Thema also, zumindest im Netz, keines zu sein. Irgendwo las ich auch, eine solche Pause brauche natürlich nicht darin zu bestehen, stunden-, tage - und wochenlang die Wände anzustarren oder mit dem Kopf dagegenzuschlagen. Man könne sich ruhig eine Auszeit draußen oder drinnen oder ganz anderswo gönnen. Natürlich! Alle Prozesse bei mir waren immer von ständigen Pausen unterbrochen, Arbeitspausen, Wanderpausen, Essenspausen, Urlaubspausen, Stadtbummelpausen. Deshalb brauche ich auch keine reine, abgegrenzte kreative Pause. Denn was sollte das anderes sein als eine ewige Wiederholung der immerselben Pausen?

Nein, ich brauche einfach mal eine andere Sicht der Dinge. Sollte mal wieder etwas anderes machen als diese ewigen Romane zu schreiben, die ja heutzutage immer schwerer an die Verlage, Agenten und LeserInnen zu bringen sind. Gleichzeitig haben sich die Bedingungen im Self Publishing verschlechtert. Manche Autoren, die ich kenne, sind dabei, eigene Verlage aufzubauen oder haben das schon getan. Zu dem Ganzen ist mir etwas eingefallen: Ich habe in meinen Dateien aufgeräumt und die Hälfte meiner Kurzgeschichten aus den Jahren 2000-2006 als unbrauchbar rausgeschmissen. Drei davon wurden in einer Anthologie veröffentlicht, sind noch 23 von 50 übrig. Dazu habe ich einen neuen Blog eingerichtet, in dem ab und zu eine dieser Geschichten erscheinen könnte. Heute habe ich angefangen mit der Geschichte "Wenn der Schäfer mit dem Dackel", die vielleicht dem einen oder anderen aus der Vergangenheit noch bekannt sein könnte. Dabei geht es um das Leben mit einem treuen Hund, der eine Mischung aus Schäferhund und Dackel war. Ähnlich werde ich mit der Halde von zwei oder drei unveröffentlichten Romanen, Exposés und Ideen verfahren, das heißt, das Unbrauchbare löschen und das Recycelbare behalten. Diese "ordnende" Tätigkeit bewahrt mich davor, das "Kreative" allzu schmerzlich zu vermissen und hat damit eine nicht-kreative Funktion.Und was meine Blogs angeht: Die sind von der Pause natürlich ausgenommen - es ist eine Pause des Veröffentlichens.
Kopf hoch! Es gibt noch eine Welt da draußen

Donnerstag, 10. März 2016

Fahrt in die alte Heimat

Meine Schwester und ich (rechts)
Das Wort "Heimat" ist ja heute wieder salonfähig geworden, während man bisher damit etwas Dröges, Nationales, Eigenbrödlerisches und Langweiliges assoziierte. Im Fernsehen werden andauernd Expeditionen in die Heimat unternommen. Ich wollte mich nun für ein paar Tage verabschieden, weil ich morgen -via Frankfurt - in meine alte Heimat Wassersleben bei Flensburg fahre. Da bin ich geboren und kehrte mit sechs Jahren von Forchheim/Erlangen dorthin zurück. Seit sieben Jahren bin ich dort nicht gewesen. Das Elternhaus, umgeben von einem riesigen Garten und dem Wald, aus dem immer die Rehe und Igel kamen, ist schon lange "in gute Hände abgegeben". Sehr viel kann sich in Wassersleben/Kupfermühle nicht verändert haben, denn es war damals schon durch den starken Zustrom der Dänen verändert. Auf den Kaufladen, den Fleischer und den Bäcker meiner Kindheit folgten fast übergangslos die "Buden" für die Transitwaren Alkohol, Zigaretten, Kosmetika und Süßigkeiten, darauf wiederum zwei große Supermärkte mit diesem Angebot. Die Dänen, so erzählten wir uns unter vorgehaltener Hand, fuhren damals immer den ganzen Tag zwischen Flensburg und Kollund hin und her, weil der Alkohol in Dänemark zu teuer war, um sich ein Räuschlein anzutrinken. Der Naturstrand wurde aufgeschüttet, Ferienwohnungen und touristische Anlagen wurden gebaut, und schon lange führt eine Schnellstraße weit oberhalb des Strandes durch den Wald. Trotzdem war und ist es ein paradiesisches Gebiet, in dem wir Kinder aufgewachsen sind. Hügel, Buchenwälder, die blaue Flensburger Förde, der weiße Sand, eine alte Stadt in der Nähe, die im Krieg nie zerstört wurde, und vieles, was es zu entdecken gab.

Und es dümpeln noch immer die Segel- und Motorboote in der Krusaumündung, der Weg über die Schusterkate (frühere Grenzbrücke) ins dänische Kollund ist noch derselbe, die Möwen kreischen immer noch, und es riecht immer noch nach Muscheln und Seetang. Auch der Weg durch die Wälder und über die Felder zum Niehuser See hat sich nicht verändert. In Süderhaff, wo ich im Alter von sechs Jahren den Winter verbrachte, gibt es immer noch die besten Hotdogs von Dänemark - mit Senf, Röstzwiebeln, Remoulade, Agurkesalat und Ketchup, dazu die pappweichen Brötchen. Früher waren die Würstchen feuerrrot.

David, mein Sohn, und ich haben schöne Plätze mit Tisch und Fenster in der Bahn gebucht, der Rückweg am Montag wird mich über Heidelberg und Bruchsal führen. Wollen wir hoffen und beten, dass die Bahn sich unsere Beschwerden tatsächlich zu Herzen genommen und den Service verbessert hat. Dann kann ich endlich mal wieder in Ruhe lesen, plaudern und mir vielleicht sogar weitere Gedanken zu meinem aktuellen Romanprojekt machen. Früher war es gang und gäbe, dass ich auf Bahnfahrten neue Ideen ausgebrütet habe, bevor die Handyschreier und  Rollwagendrängler in die Großraumwagen kamen.
                                                        
Mein Elternhaus in Wassersleben


Sonntag, 28. Februar 2016

Ein Tag im Leben eines Self Publishers



Eigentlich wollte ich nicht schon wieder einen Artikel verfassen, aber beim Surfen nach Amazon Publishing bin ich auf eine richtig witzige Glosse gestoßen. Da spricht ein Autor kleiner, feiner Verlage von seinem Werdegang und wie es ihm dann mit dem Self Publishing erging. Beide Links stelle ich hier einfach mal ein und kommentiere sie dann mit eigenen Erfahrungen.
Warum Self Publisher nicht die schlechteren Autoren sein müssen.
Ein Tag im Leben eines Self Publishers
Auch wenn es satirisch eindeutig überspitzt ist, kann man sich als Autor mit Verlags- und Self Publishing-Erfahrungen durchaus darin wiederfinden. Es gab ja in der Pionierzeit des Self Publishing die bahnbrechenden Verschenkaktionen. Sie verhalfen einigen selbst Publizierenden zu hunderttausenden von verkauften Büchern mit Einzug in die Verlagswelt. Später waren es dann die Rabattaktionen, die getreu der Philosophie der Buchpiraten die Preise immer mehr verkommen ließen und die Ware Buch zu einem fast kostenlosen Gemeingut zu machen drohte. Bekanntlich habe auch ich es probiert und bin mit der Backlist zumindest eines Verlagstitels auch fast zwei Jahre gut damit gefahren, Rankinggucken inklusive.

Warum scheinen sich Autoren so wohl zu fühlen, wenn ihre Rankings nach oben gehen? Parallel dazu, wenn ihre Bücher in den Buchhandlungen liegen und sich auch gut verkaufen? Müssen sie alle vom Schreiben leben? Sind sie einfach nur geldgeil? Nein. Ich glaube, dass es hier um Wertschätzung der Arbeit geht. Ein Steigen des Rankings verursacht Wohlbefinden, ein Abfallen der Kurve Disharmonie und sinkende Schreibmotivation. Wozu soll ich denn noch schreiben, wenn es doch keiner lesen will? Oder wenn es keiner mehr findet in der Bücherflut? Man muss es benennen: Auch für mich sind die Goldgräberzeiten des SP vorüber. Gott sei`s gelobt und getrommelt hat sich bekanntlich die Tolino-Bücherallianz (April 2015) begründet. Sie will Amazon Flagge zeigen, unterstützt Autoren bei Marketingaktionen und wächst so ganz allmählich aus den Kinderschuhen heraus. Ich bin seit letzten Oktober dabei und durfte schon ein paarmal von diesen Aktionen profitieren. Gerade im Moment läuft noch eine Rabattaktion, die mir kurzfristig wieder rechten Schwung verleihen könnte. Bei Amazon werden die Rankings öfter am Tag aktualisiert, je nach Verkaufsrang. Bei Tolino kann man sich mit seinem Frühstückskaffee zwischen 10.10 und ca. 11.00 Uhr auf die Rankings freuen. Da sieht man dann auch, in welchen Shops sich das Buch verkauft hat. Diesmal waren es statt Weltbild vor allem Thalia und der Link zu Buch.de: http://goo.gl/jB0JJC ,die mein Herz höher schlagen ließen und mir den Tagesbeginn versüßten. WOW, Rankings um die 400 und sogar 48 hatte es bei mir noch nie gegeben! Die letzten beiden Tage der Aktion werde ich einfach nur genießen, denn wir alle wissen, dass es danach wieder ganz gemächlich in den Keller gehen wird.(So, wie die Bücher in den Buchhandlungen ja auch immer schneller wieder verschwinden.) So what, wenn jetzt jemand draufklickt, wird es schon wieder viel weiter unten sein. Aber immerhin ziehen sich Verlags- und Sp-Bücher insgesamt gegenseitig nach oben. So nach dem Motto: Wenn jemand ein Buch gefallen hat, schaut er auch nach anderen Büchern dieses Autors.

Was für einen Rat könnte man neuen Kollegen geben, wenn sie sich heutzutage zwischen Verlags- und Agentursuche oder Self Pubishing entscheiden müssten? Welchen Rat würde ich mir selber geben, wenn ich ganz neu anfangen würde? Ich würde mir sagen, dass ich sämtliche Illusionen, die ich damals hatte, fahren lassen und mir darüber im Klaren sein sollte, dass heute viele Türen zu sind, die damals noch offen waren. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, alles andere kann nur ein Zubrot sein. Da ich zur Zeit viel Zeit habe und weder arbeite noch Romane schreibe, habe ich mir mal das Vergnügen gemacht, die Optionen für die verschieden Wege auszurechnen. Lektorat, Korrektorat, Cover und Konvertierung kommen bei Tolino auf ca. 3000 Euro. Ratet mal, wie lange es dauern würde, bis das wieder im eigenen Geldbeutel ist? Mit eigenen Helfern und SP-Lektoren, -Korrektoren und Designern komme ich auf ca. 1000. Das würde bei der momentanen Geschwindigkeit eineinhalb Jahre bis zum Ausgleich brauchen. Rechnet man allerdings das Gesamteinkommen aus den inzwischen schwarzen Zahlen der Verlagsbücher und dem SP-Einkommen dazu, wäre das vielleicht schon wieder eine andere Option. Sozusagen eine Autoren-Selfie-Mischkalkulation. Es stehen ja immer noch der Schwarzwaldkrimi zur Debatte und mein neuer Abenteuer-Thriller.

Noch etwas würde ich Newcomern unter den Autoren ans Herz legen: Wenn sie anders schreiben als die Topp 100-Autoren bei Amazon, sollten sie die Messlatte für ihr SP-Buch niedrig legen. Eine Erfahrung ist beides Wert, Verlag und SP. Aber wenn ich Wertschätzung suche, dann schaue ich mich in meiner näheren Umgebung um. Und melde mich im Juni zu einem Seminar im Kloster Heiligkreuztal an, um etwas darüber herauszufinden, was uns alle so umtreibt.
Wertschätzung und Respekt - tiefste Sehnsucht des Menschen.Wenn ich meine unbesiegbare Schreibbegeisterung weiterhin austoben und Leser erreichen möchte, kann ich mich auch über die 2500 Blogleser monatlich berufen, abzüglich Robotern. Das wären im Jahr 30.000, ungefähr so viel wie alle verkauften Printbücher.