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Freitag, 27. März 2026

Mit Alice Schwarzer in Tübingen


Für Mittwoch, den 25. März, hatte die Buchhandlung Osiander Alice Schwarzer ins Kino Museum in Tübingen eingeladen. Zusammen mit meiner Freundin Hildegard machte ich mich gespannt auf den Weg. Auch wenn das lange her ist: Alice Schwarzer ist mir immer noch ein stehender Begriff - sie hat mir in den Zwanziger Jahren Mut zum Aufbruch gemacht, mich dazu gebracht, einen Doppelnamen anzunehmen (damals galt ja noch der Mann als Herr aller Dinge wie Arbeitserlaubnis der Frau oder Rücknahme von Geschäften wie der Kauf einer Waschmaschine auf eigene Faust!) Meine Mutter brachte "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen" so weit, dass sie eine ganze Zeit lang im Frauenhaus mitarbeitete.

In Tübingen, am Schimpfeck, sah es noch genauso aus wie vor 30 Jahren, nur musste man ständig aufpassen, dass man nicht von einem Fahrrad umgenietet wurde. Die dreispurige Straße war nur noch einspurig befahrbar, der Rest für die Zweier reserviert. Immerhin ist Tübingen eine der lebenswertesten Städte Deutschlands, und der Oberbürgermeister Palmer hält sich seit Jahrzehnten im Rathaussessel-trotz und gerade wegen seiner Ehrlichkeit und seinen offenen Worten zur Ausländerpolitik. Und gegen den Willen der Grünen, bei denen ich lange Parteimitglied war und die ich jetzt auch nicht mehr wähle (außer Cem Özdemir). Das alles hat Palmer sicher bei seinem Vater, dem "Rebell vom Remstal", gelernt.

Das Kino Museum war noch das alte, aber innen ganz neu. Eine ganz andere Welt-glänzend, mit beleuchteten Nischen, wo Sitze zum Verweilen bei einem Latte Macchiato einluden. Bald bildete sich eine lange Schlange, viele graue und weiße Frisuren, aber auch junge Leute, alles in allem 400 Menschen, Bodygards, die die Taschen durchleuchteten. Draußen war nämlich eine Demo der queeren Szene angemeldet, die Alice Schwarzer Rassismus vorwerfen.

Davon war in den nächsten eineinhalb Stunden nicht die Rede. Alice Schwarzer stellte ihr neues Buch "99 Worte" vor und führte vergnüglich und verständlich durch ihr ganzes Autor(innen)leben und die Stationen der Frauenbewegung. Vom Gendern, das auch mich bis zur Weißglut genervt hat über die Gewalt gegen Frauen in jeder Form, in Form des Kopftuchs bis zu den jüngsten Enthüllungen der Giséle Pélicot und Collien Fernandez. Ich wusste auch nicht, was für Qualen Transmenschen auf sich nehmen, um endlich in der richtigen Haut zu sein. Ihnen muss geholfen werden. Es wurden Fragen gestellt, eine lebhafte Unterhaltung, Zuspruch von jungen Frauen und Männern, ständig tosender Applaus.

Meine eigene Meinung: Das, was ich mit dem Gendern und anderen Dingen erlebt habe, beruht darauf, dass sich die so genannte "queere" Bewegung an die Frauenbewegung angehängt hat und ihre eigenen Themen nicht genügend  berücksichtigt fand. Also Thema Migration, Trans, Homosexualität und Diversität. Am Schluss konnte ich ganz nah am Signiertisch vorbeigehen, vor dem sich eine 20 Meter lange Schlange gebildet hatte. Alice war noch ganz die alte, mit ihrem Haarwust, dem schwarzen Kleid und dem typischen Grinsen im Gesicht.

Anmerkung: Die Ansicht über Putins Angriffskrieg, die Alice Schwarzer zusammen mit Sahra Wagenknecht vertritt, teile ich nicht!


 



Donnerstag, 26. Februar 2026

Unsere Kneipen-einst und jetzt





Kneipen im Wandel der Zeit. Was war einmal, was ist geblieben?

 Kürzlich waren wir mal wieder in einer Wirtschaft, im "Bahnhöfle" in Nagold. Alles noch wie früher, der Kanonenofen, mollige Wärme und eine Gulaschsuppe, die ihresgleichen sucht. Aber es ist etwas anders geworden. Die alten Leute sind nicht mehr da, verstorben oder weggeblieben. Eine lange Reihe mit einem Verein oder Kollegen, die solange lärmten, bis das Essen kam.👦

Meine erste Kneipe in Schülertagen war das "Porticus 1740" in Flensburg. Die "1740" bezieht sich auf das Baujahr des Hauses, glaube ich mich zu erinnern. Korblampen, die einen leuchtenden Kreis auf die rotkarierten Decken warfen, der Duft nach französischer Zwiebelsuppe, Rockmusik und Spaßgedichte über und und mit meinen Bruder. Später schaukelten wir dann mit Alains (einem der Hilfslehrer an der Goetheschule) Ente hinfort, die mich zum ZOB und dann mit dem "Affi" (AFAG)-Bus nach Hause brachte. Hier lernte ich auch einen meiner ersten Freunde kennen. Dazu gab es noch den Börsenkeller und den Gnomenkeller, wo man sich nach der Schule traf.

Während des Studiums waren wir Stammgäste in verschiedenen Tübinger Kneipen. Die Köhlerei gibt es nicht mehr, aber historisch verbürgt ist der so genannte Kohlenbumser, ein Kohlenlieferer, der jeden Abend einen Kasten Bier trank und dann auch bald verstarb. Das Rebstöckle mit seinem Rostbraten und den Kutteln existiert ebenfalls nicht mehr, dafür aber der Ammerschlag Ammerschlag und der Storchen. Legendär ist auch das Schwärzloch weiter draußen im  Tal, mit uraltem Bauernhof und Pfauen und Schmalzbrot und schwäbischen Spezialitäten. Wirtschaft und Biergarten gibt es heute noch. Scwärzlocher Hof Unvergesslich auch der Hirsch in Derendingen, direkt neben unserem Wohnhaus am kleinen Bahnhof, in der Alb- bzw. jetzt Jurastraße. Fast allabendlich kam man hier zusammen, aß Schnitzel, Rostbraten oder "Böhmer Scheiterhaufen", trank Bier und konnte dann gemütlich die paar Schritte ach Hause gehen. Hirsch Dorfgasthaus Lassie hieß eine panamesische Freundin von uns, aufgrund dessen ein Mittrinker ständig "Lassie" und "Fury" rief und dabei aus voller Kehle wieherte. Nicht alle haben diese Zeiten gut überlebt-der Wieherer starb mit Anfang 30 nachts im Winter auf einer Parkbank. Heute kehren wir eigentlich nur noch im Café Haag am Haagtor ein  (Kino Atelier). Schöner kleiner Biergarten mit immer netter Bedienung.

Hier in Nagold war es der König, ein Grieche, bei dem sich alles traf, was in Nagold Rang und Namen im politischen Umfeld hatte. (Abgerissen, ebenso der Nachfolger Pflug, wo mein Partner häufig Auftritte als Rock-Blues-Drummer mit Band hatte.) Der "Grüne Baum", lange Zeit In-Kneipe, fiel einem Gebäudeabriss zum Opfer. Der "Zwickel" blieb erhalten, ist aber heute vor allem Jugendkneipe.
So bleibt uns nur noch das schon erwähnte Bahnhöfle, der Italiener in Ergenzingen und im Sommer das Bistro am Busbahnhof, nicht weit von der Nagold entfernt. In Horb am Bahnhof gibt es ein türkisches Bier-und Kaffeelokal, wo wir gestern die ersten warmen Sonnenstrahlen draußen genießen konnten.

Hier: "Klein-Paris" in Ergenzingen, zwei Dörfer weiter  besonders im Sommer sehr schöne Terasse mit gutem Eis, Latte. Pizza und Salat Italiana.

Sonntag, 27. Juli 2025

Starkregenereignis in Reutlingen

 Gestern machten wir uns mal wieder in eine unserer Lieblingsstädte auf: In die alte Reichsstadt Reutlingen. Sie ist neben Stuttgart und Baden-Baden die Stadt mit den meisten Millionären Baden-Württembergs, aber auch eine mit sehr viel alter, liebenswürdiger Bausubstanz. Vor Herrenberg wollten wir schon umkehren, weil es an die Autoscheibe tropfte und sich Richtung Tübingen drohende Wolkengebirge zusammengeballt hatten. Nein, wir wollten es versuchen, besser unterwegs sein als zu Hause auf dem Sofa zu versacken. Tübingen hat einen neuen, millionenschweren Fahrradweg mit Brücke, alles blau angemalt, aber heute hatte es auch die Radfahrer vertrieben, die es einem als Autofahrer immer schwerer machen, irgendwo in den Gassen durchzukommen. Ist alles klimabedingt, das wissen wir, aber das Verkehrsproblem hat Tübingen dadurch nicht gelöst. Vom Tunnel bis zur Blauen Brücke stauten sich die Autos, wechselten hektisch die Spuren und versuchten offensichtlich, Richtung Nürtingen-Stuttgart zu entkommen. So war die Schnellstraße nach Reutlingen dann auch bald wieder frei. Doch was zunächst über der Schwäbischen Alb hell geleuchtet hatte, war verschwunden, und tiefste Schwärze raste auf uns zu, entlud sich erst allmählich, dann immer heftiger. Schließlich prasselte ein derartiger Starkregen auf uns nieder, dass wir die Straße nicht mehr erkennen konnten und ich zunehmend fürchtete, mitsamt dem Auto fortgespült zu werden-wie damals in der Unterführung in Stuttgart, wo mehrere Menschen starben. Mit letzter Anstrengung erreichte wir eine Tankstelle, wo schon andere Verkehrsteilnehmer angstvoll harrten, ein Mädchen mit einem Fahrrad meinte, sie müsste abgeholt werden. Mindestens zwanzig Minuten hämmerte es aufs Dach, dann konnten wir allmählich weiterfahren und landeten erstmal in Pfullingen, wo der Regen nachließ und wir neben einem Italiener parken konnten. Oh  Wunder, die Sonne kam heraus, und wir ließen uns von den lieben Menschen Kuchen, Eis und Kaffee bringen.


Über die Alb zurückzufahren machte keinen Sinn, also kehrten wir noch einmal nach Reutlingen zurück und fanden tatsächlich einen Parkplatz. Die Stadt war leerer als sonst, alles war wohl gerannt und geflüchtet, und so konnten wir so richtig lustwandeln wie früher. Beim Osiander hat sich nicht viel verändert, es gibt immer noch sehr viele Nippes, Romance und wenig Regionales. In solchen Momenten verstehe ich immer mehr, warum die Verlage mein neues Buch nicht veröffentlichen: Regional, historischer Krimi, gibt es da einfach nicht. Ich fuhr nach oben und kaufte mir eine Karte von der Alb für meine Recherchen, beim Butler eine schone graue Vase. Und so aßen wir wie ehedem auf dem Reutlinger Marktplatz, nicht mehr beim Alexandre, dem die neuen Cafés wohl den Rang abgelaufen haben. Die Leute scheinen hier offener und gelassener zu sein als bei uns im Schwarzwald, in der Großstadt kann man das Leben eben doch anders genießen als im kleinen Schwarzwaldstädtchen.

                            

Straße zum Marktplatz, rechts der Osiander

Das städtische Museum
Café am Marktplatz, der Red Bull steht als Zierde da


Marienkirche


Mittwoch, 21. Mai 2025

Schreiben macht glücklich!

 Als ich vor mehr als zwanzig Jahren mit dem Schreiben und Veröffentlichen anfing, war ich noch ziemlich naiv und dachte, nach der ersten Veröffentlichung würde alles so leicht weitergehen. Die ersten Veröffentlichungen waren Beiträge in Anthologien und in der Zeitschrift "Federwelt". Es folgten "Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht" sowie "Aufbruch nach Blaubeuren" in kleineren Verlagen. Fünf Jahre Schreibwerkstatt "Fiction Writing", danach das Montségur-Autorenforum, wo ich heute noch bin. Sechs Jahre mit einer Agentur, dabei entstanden vier historische Romane im Publikumsverlag sowie ein historischer Krimi im Kleinverlag. Jahre später drei Regionalkrimis im Imprint eines Großverlags und drei Veröffentlichungen im Self Publishing, davon zwei Verlagsbücher.

Ein großer Familienroman blieb in der Schublade, und mein jetziger historischer Krimi hat noch keinen Verlag gefunden. Vier Ideen bzw. Plots sind schon halbwegs im Kasten. Warum ich dabei geblieben bin, trotz aller Hemmnisse und Schwierigkeiten? Einfach, weil Schreiben glücklich macht. Und weil ich das Glück hatte, so viele Verleger und Lektoren und Lektorinnen (und letztendlich auch Leser und Leserinnen) von meinem Schreiben überzeugt zu haben.



Sonntag, 2. Februar 2025

Neuer Roman "Mord in der Seelhausgasse"

Seitdem ich meinen Roman "Tod im Glaswald" an einige Verlage geschickt habe, sind zwei Antworten gekommen. Ein Verlag meldete sich sofort nach Erhalt des "Pitches", als der Kurzbeschreibung. Die Programmleiterin schrieb, der Titel sei vielversprechend und passe gut ins Verlagsprogramm. Im Januar wollte die Lektoratskollegin ihn lesen, bis jetzt habe ich nichts mehr gehört, kann aber, wie schon gesagt, drei Monate dauern. Ein anderer Verlag (Emons) schrieb, der Roman habe vom Ambiente und Thema her gefallen, es sei aber auf absehbare Zeit kein Programmplatz da.

Ich habe jetzt einen neuen Roman angefangen, quasi die Fortsetzung, und werde das Exposé/den Plot in einer Gruppe meines Autorenforums "Montségur" bearbeiten (Start:24. Februar).

Worum es geht: 


Tübingen im Jahr 1522/23


Maria und die Kräuterkrämerin Agathe wollen in der Universitätsstadt Tübingen eine Apotheke errichten. Vorbilder für sie sind der Arzt Paracelsus und Hildegard von Bingen. Maria hat eine Essenz entwickelt, die herzstärkend wirkt und in der Apotheke reißenden Absatz findet. Als eine der Patientinnen stirbt, wird Maria des Mordes verdächtigt, ihr droht das Ertränken im Neckar. Wer steckt hinter diesem Todesfall, wer will sie und ihre Kollegin Agathe  mundtot machen? Beim Versuch, den wahren Mörder zu finden, gerät Maria immer mehr in den Blickfang des Täters und damit in tödliche Gefahr.




    




Samstag, 24. August 2024

Das alte Tübingen - immer wieder neu!

 Vor ein paar Tagen haben wir mal wieder die Universitätsstadt Tübingen besucht. Dort habe ich studiert und den ganzen Flair der 70er Jahre kennengelernt, einschließlich der politischen Kämpfe gegen den Krieg in Vietnam und den "Muff aus tausend Jahren". Das erste mal war ich hier auf Klassenfahrt ein Jahr vor dem Abitur, und wir haben alles angeschaut, einschließlich des Schlosses und der Wurmlinger Kapelle. Vorher ein Besuch in Stuttgart mit Fernsehturm, nachher im Wasserturm bei Konstanz, daer als Jugendherberge ausgebaut ist. Nach dem  Studienabschluss zogen mein Mann und ich dann in den Schwarzwald, wo ich heute noch nahe einer Kleinstadt lebe.

Kastanienallee im Februar 2023
Seit mehr als 20 Jahren ist Tübingen auch Handlungsort einiger meiner Bücher. Beim Mörike-Roman, beim historischen Krimi und den beiden Schwarzwaldkrimis. Und auch im neuen historischen Krimi "Tod im Glaswald" spielt Tübingen eine größere Rolle. Die Stadt ist mir wieder näher gekommen, weil sie an allen Ecken Kultur ausstrahlt. Natürlich ist vieles verschwunden, zum Beispiel zwei der Osiander-Läden. Der Gebrauchtwarenhändler an der Krummen Brücke mit seinen Büchern und CDs, den wir viele Jahre kannten, macht jetzt dicht und geht in Rente. Den Rimpo gibt es noch und die Antiquariate. Alle geistigen Größen, Philipp Melanchthon, Hermann Hesse, Eduard Mörike, Friedrich Hölderlin und Ernst Bloch waren hier. Die Tangente Jour, die schönen kleinen Biergärten nahe der Ammer sind noch da und bleiben es vermutlich. Als wir zurück zum Parkplatz am Haagtor schlenderten, sah ich einen Mann versteckt an einem Brunnen neben dem Bach sitzen. Mein Partner stoppte und unterhielt sich mit ihm, und plötzlich ertönte ein lautes Lachen. Ich ging zurück und erfuhr, dass der Mann über eine Frau lachte, die ihren Wagen nicht mehr gefunden hatte, was ihn an seine Mutter erinnerte. So wie er dasaß, erinnerte er mich irgendwie an Knulp, den Landstreicher  in Hesses Romanen. Er schwang sich dann auf sein Rad und sauste davon. Tübingen ist immer eine Reise wert, und irgendetwas kann man immer erleben..

Ammergasse

Der kleine Laden an der Krummen Brücke
Stocherkähne auf dem Neckar und am Hölderlinturm





Das Haus in der Neckarasse 2, in dem Mörike Kaffee getrunken und auf das Getriebe unter sich geschaut hat


Dienstag, 30. April 2024

Wie lebt man in einer Welt, in der plötzlich alles anders wurde?




 In der Welt wurde seit Anbeginn immer wieder alles anders, in allen Zeiten und für alle Menschen. Sie mussten sich mit Kriegen und Hungersnöten herumschlagen, mit Naturkatastrophen, Revolutionen, mit Tod und Verderben. Aber auch immer wieder mit Fortschritten der Kultur und der Menschlichkeit. Wir haben in den letzten Jahren eine weltweite Seuche erlebt, die alles zum Erliegen brachte. In der viele Fehler gemacht wurden, und in der ich keinen Roman und in keinem Blog mehr etwas schreiben konnte. 

Wir haben uns daran gewöhnt, in Nischen zu leben: Bei mir war und ist es das Schreiben, bei meinem Partner die Musik und für uns beide die Welt der Bücher, der Bilder und der sonstigen Künste. Dazu die kleinen Rückzugsorte in der Natur und in Städten. Das Kloster Alpirsbach war es kürzlich wieder, wo Mönche seit dem Mittelalter lebten, lehrten und Bier gebraut haben.




Andere Nischen finden wir in Pforzheim, in Nagold, in Horb, in Tübingen (letztes Wochenende war es dort allerdings so überfüllt mit Fahrrädern, dass an kein Fortkommen mehr zu denken war), in Reutlingen, Trochtelfingen wäre auch zu nennen, und vor allem in Horb. In den italienischen Eiscafés, im "Gleis Süd" in Horb und seit Jahrzehnten auch im Mössinger "Krokodil".


Sonntag, 17. September 2023

Besuch von Alt-Tübingen

Vor ein paar Tagen habe ich "mein Tübingen", wie ich es vom Studium her kannte, wiederentdeckt: Man muss nur abseits der modernen Pfade schreiten. Was vor Hunderten von Jahren erbaut wurde und seitdem Generationen von Menschen, Studenten, Professoren, Dichtern und Denkern als Kulisse und Lernort diente, ist unvergänglich. Beginnen wir mal auf dem Schloss Hohen-Tübingen.
Vom Schloss aus stieg ich am Schlosskeller eine schmale Steige hinunter zum Faulen Eck. Über das evangelische Stift, ehemaliges Augustinerkloster, gelangte ich zum Neckarbad. Dort haben die Leute aber früher nicht im Neckar gebadet, sondern konnten sich in Badehütten mit dem Wasser des Flusses waschen. Nahe dem Hölderlinturm liegen die Stocherkähne, es sind zehnmal mehr als zu meiner Zeit. Aber wie früher sitzen die Studenten und Studentinnen auf dem Neckarmäuerle und reden friedlich miteinander.
Alle diese Plätze sind zugleich auch Schauplätze meines neuen historischen Kriminalromans "Tod im Glaswald" oder "Die Tochter des Apothekers", der im Schwarzwald nd auch in Tübingen spielte. Die Tante der Protagonistin wohnt in der Burgsteige 10, wo auch ich mein erstes Studiensemester verbracht habe.

Donnerstag, 27. April 2017

Das Kind in dir muss Heimat finden



Tübingen, Neckaransicht
 Am letzten Samstag stand ich in einer großen Buchhandlung in Reutlingen, Abteilung Psychologie. Und da fiel es mir wieder ins Auge. Das Buch der Psychotherapeutin Stefanie Stahl, das zum absoluten Bestseller avanciert ist. Und ich weiß auch warum: Weil jeder versteht oder zumindest ahnt, was damit gemeint sein könnte. Und weil es so tröstlich klingt, denn ich glaube zutiefst, dass die Menschen heute trotz aller Vernetzung unbehauster sind als jemals zuvor. Es ist das. was ich in meinem persönlichen Leben erlebt, was ich studiert und womit ich mich beruflich beschäfigt habe. Da ich zu Hause noch einen ganzen Berg von Lektüre hatte, kaufte ich es vorerst nicht. Vor ein paar Tagen in Tübingen suchte ich es dann doch noch einmal, zusammen mit dem Krimi eines Kollegen, der inzwischen auf Platz 5 der Bestsellerliste gelandet war (Lost in Fuseta). Letzteres spricht mich deswegen so an, weil ich früher mal einen abenteuerlichen, unvergesslichen Urlaub in Fuseta (Portugal) gemacht habe, zusammen mit einem jungen Freund. Da gab es den Galaos, Galaosch gesprochen, einen Milchkaffee im Glas, es gab eine Riesenmeeresschildkröte am Strand, hohe Wellen, Einsamkeit, Fischrestaurants, den Geruch nach Macchia, herzliche Menschen und eine alte Vermieterin, die auf dem Dach ihres Hauses glucksend davon sprach, dass in Deutschland bald die Mauer fallen würde. Aber beide Bücher waren nicht zu finden. So machte ich mich zuhause daran, den Lektüreberg abzubauen.

Allein die Beschäftigung mit dem Thema "inneres Kind" ließ ein "Heimatgefühl" bei mir entstehen. Mir wurde klar, dass es nicht von außen kommen kann, denn die Defizite aus der Kindheit, das Gefühl, nicht gut oder liebenswert genug zu sein, kann auch durch äußere Erfolge nicht ausgebügelt werden und wenn, dann nur kurzfristig. In Kollegenkeisen wurde früher von "Selbst-Beelterung gesprochen, also die Fähigkeit, so für sich zu sorgen, dass eine innere Zufriedenheit entsteht. Für das Wohlsein müsse der Mensch selber sorgen, sagte schon Schopenhauer. So nutzten wir das sommerliche Wetter in Tübingen, um eine Art Urlaubstag zu verbringen. Das gelang weit besser als am Bodensee tags zuvor. Dort waren die Massen auf den Promenaden versammelt, es war nicht möglich, auch nr einen Augenblick zu sich selber zu kommen. Den Wintereinbruch seitdem nutze ich zur Überarbeitung meines Kleinverlagromans, den ich jetzt einfach umbenannt habe (A.T. Maikäfer flieg). Und als hätte das eine Signalwirkung gehabt, kam gestern - endlich nach mehr als vier Wochen - ein netter Brief von der früheren Verlegerin, sie gebe mir die Rechte an dem Titel zurück und wünsche mir alles Gute damit. Seitdem arbeite ich mit großem Vergnügen daran.

Am Strand von Bodman


    


 

Samstag, 22. April 2017

Es geschah beim Zahnarzt

Vor zwei Tagen hatte ich einen Termin. So einen Termin von der Art, bei der man froh ist, wenn er endlich hinter einem liegt. Meinen Zahnarzt kenne ich seit Jahren, ebenso die Fachkraft für die professionelle Zahnreinigung. Seitdem ich diesen Zahnarzt und diese Fachkraft für Zahnreinigung habe, war nichts Bemerkenswertes mehr mit den Zähnen. Die beiden wissen, dass ich Romane schreibe bzw. geschrieben habe. Mein Zahnarzt hat auch eine ganze Bücherwand mit Klassikern zu Hause stehen. Diesmal war die Behandlung nur eine mehr kosmetische Korrektur, die es aber in sich hatte. Da wurde sehr viel Wasser eingesetzt, viel mehr als früher, als es nur den langsamen, elend knirschenden und den schnelleren, in hohen Tönen kreischenden Bohrer gab. Natürlich hat es auch diesmal wieder nicht weh getan. Dafür machte mir das Wasser im Mund zunehmend zu schaffen, obwohl es ständig abgesaugt wurde. Da kam der Schluckreflex zum Einsatz. Nachdem ich gebeten worden war, die Augen zu schließen, ertönte mit einem Mal ein unterirdisches Grollen, als wenn ein Vulkan kurz vor dem Ausbrechen stünde. Lachend mussten wir feststellen, dass meinem Zahnarzt der Magen knurrte. Zwischendurch plauderten wir über das Schreiben, wenn mein Mund gerade mal frei zum Sprechen war. Wie es damit ginge? Ach, es wird immer schwieriger, gerade habe ich ein Manuskript an eine Agentur geschickt und keine Antwort erhalten. Da fiel ihm ein, dass man es ja auch ganz anders machen könne. Eine Studentin, zum Beispiel, sitze immer im Café und beobachte die Leute. Über das, was sie aufschnappt, schreibe sie Geschichten und habe ein Buch daraus gemacht. Ich habe auch schon im Café geschrieben, aber ganze Romane, fällt mir ein. Dann gäbe es ja auch noch diese Zahnarztgeschichten und ähnliche Events, meinte er, über die man berichten könne. Während ich so auf dem Schragen liege, denke ich an den Kleinverlagsroman, dessen Rechte ich zurückerbeten hatte, um es nochmal selbst aufzulegen. Ebenfalls keine Antwort. Die Welt ist so arm an Antworten geworden!

Warum tue ich mir das an, warum schreibe ich immer weiter, wenn die Welt doch immer weniger zu lesen und immer mehr draufzuhauen scheint? Warum haue ich nicht einfach ab wie neulich ins herrliche Taubertal, wo die Dörfer noch unverändert auf den Höhen stehen und keiner den anderen von der Straße drängeln will? Oder wie bei der Wanderung abseits vom Eyachtal, wo der Wald verwunschen und einsam dasteht, die Wegränder mit Wiesenschaumkraut, Anemonen und Veilchen gesäumt sind. Die Bücher, die mir in der letzten Zeit am besten gefallen haben, waren vom kleinen Verlag Klöpfer&Meyer in Tübingen, auch das von dem "Liebesgedächtnis".

Das unterirdische Grollen wiederholte sich noch ein zweites, ein drittes Mal. Auf meine Frage, ob er nichts zu Mittag gegessen hätte, antwortete er, im Gegenteil, er war beim Chinesen, und es sei fast zu viel gewesen. Ich kenne die chinesischen Restaurants gut, auch wenn ich nicht der absolute Fan davon bin. Meistens gehe ich aus Solidarität mit dorthin, esse eine Suppe mit Gemüse und Hühnerfleisch, eine mit köstlichen kleinen Maultaschen und/oder knusprig gebratene Ente. Jedesmal, wenn wir vom Chinesen zurückkommen, müssen wir sofort auf die Toilette. Bei einem der letzten chinesischen Essen hörten wir die Leute am Nebentisch darüber reden. Habt ihr auch wieder Durchfall davon bekommen?, wurde da gefragt. Sie glaubten und ich glaube, es ist das Glutamat, und deshalb schmeckt das auch so würzig.

Ja, ich könnte in Zukunft kleine Anektdoten des Alltags erzählen, anstatt über das Leben, das Schreiben und die Läufte der Welt zu berichten.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Rabattaktion für die "Nacht des Wolfes"

Jetzt ist es soweit! Ab sofort bis Sonntag 24 Uhr gibt es das E-Book "Nacht des Wolfes" für 99 Cent statt für 3,99 Euro. Süddeutschland im Jahr 1787. Ein Despot regiert das Land, zwei grausame Morde geschehen in Tübingen, ein weißer Wolf taucht auf. Intrigen, Gewalt und ein tödliches Geheimnis.
Hier ist die URL: goo.gl/8SANXk


Klappentext: Württemberg im Jahr 1787. In der kleinen Universitätsstadt Tübingen geschehen grausame Morde. Wer ist das unbekannte Mädchen mit dem weißen Wolf, das immer in der Nähe des Tatortes gesehen wird? Ist es eine Geistererscheinung oder ein Mensch aus Fleisch und Blut? Die Tübinger Studenten Andreas und Claudius, vom despotischen Herzog Carl Eugen von Württemberg verfolgt, versuchen das Rätsel zu lösen. Doch irgend jemand versucht mit allen Mitteln, das zu verhindern. Zusammen mit ihren Freunden Laura und deren Vater Professor Pfeiffer geraten sie in ein Netz aus Intrigen und Gewalt, und die Suche nach dem Mädchen wird für alle zu einer tödlichen Gefahr.


Freitag, 17. Juli 2015

Nacht des Wolfes-im neuen Gewand




Auf Anraten eines Self Publishing-Fachmanns haben meine Illustratorin und ich das Cover des Ebooks "Nacht des Wolfes" inzwischen umgestaltet. Anderer Hintergrund, größere Schrift.Vom 31.7. bis 2.8. gibt es dann eine Rabattaktion - 99 Cent statt 3.99. Ich werde noch mal an den Termin erinnern  bis dahin kann man das Ebook aber auch gern kaufen oder ausleihen!
http://tinyurl.com/pkvv8ew

Klappentext: Württemberg im Jahr 1787. Wer ist das unbekannte Mädchen mit dem weißen Wolf, das immer dann auftaucht, wenn in der Stadt ein grausamer Mord geschieht? Ist es eine Geistererscheinung oder ein Mensch aus Fleisch und Blut? Die Tübinger Studenten Andreas und Claudius, vom despotischen Herzog Carl Eugen von Württemberg verfolgt, versuchen das Rätsel zu lösen. Doch eine unsichtbare Kraft versucht mit allen Mitteln, das zu verhindern. Zusammen mit ihren Freunden Laura und deren Vater Professor Pfeiffer kommen sie einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur. Sie wissen nicht, dass sie sich damit in eine tödliche Gefahr begeben.

Sonntag, 21. Juni 2015

"Nacht des Wolfes" - jetzt veröffentlicht!



Heute war endlich der Tag gekommen, an dem ich mein neues E-Book bei Amazon runterladenkonnte. Um 15.30 habe ich auf "abschicken und veröffentlichen" gedrückt, nachdem ich alles einschließlich des Klappentextes noch einmal kontrolliert hatte. Die Kategorien sind bei Amazon meist nicht passend, so schrieb ich den Support an, der mir zwei gute Vorschläge machte. Außerdem setzten sie das Buch noch einmal auf Entwurf, weil ich meinen Realnamen reingeschrieben hatte und das "Pseudonym" doch bekannter und passender ist. Selbst der "Blick ins Buch" ist schon da,und das alles innerhalb von drei Stunden! Hier ist der Link zu Amazon: Nacht des Wolfes., ab sofort für 3,99,-Euro zu bestellen.





 Württemberg im Jahr 1787. Andreas und Claudius, Studenten am Tübinger Stift, erleben den Schrecken ihres Lebens: Der Schlossvogt, den sie am Abend zuvor während eines Unwetters besuchen wollten, wird tot im Burggraben aufgefunden, kurz darauf stirbt auch dessen Frau eines gewaltsamen Todes. Alles deutet darauf hin, dass sie von einem wilden Tier in den Nacken gebissen wurden. Die beiden Studenten sind davon überzeugt, einen weißen Wolf und eine junge Frau gesehen zu haben, die ihnen das Schlosstor vor der Nase zugeschlagen hatte. Waren das nur Spukerscheinungen, wie der städtische Inspektor Bertold zu glauben scheint? Zusammen mit ihren Freunden Professor Pfeiffer und dessen Tochter Laura versuchen die beiden, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei geraten sie in Lebensgefahr. Ein dritter Mord geschieht, und wieder werden das geheimnisvolle Mädchen und der Wolf in der Nähe gesehen.



Samstag, 7. Februar 2015

Verstaubtes Leben und Schreiben

Impression aus dem botanischen Garten in Tübingen
Wenn man sich einmal an seinem Arbeitsplatz umsieht, an dem man jahre-, wenn nicht jahrzehntelang geschafft, sich gefreut, gelitten, betreut, diskutiert und geschrieben hat, bemerkt man irgendwann, dass alles irgendwie verstaubt und eingerostet wirkt. Bei mir ist ja von zwei Arbeitsplätzen die Rede, einer besteht aus mehreren Häusern, einigen Klienten und Kollegen, der zweite aus einer Ecke meines Wohnzimmers. Da genügt es nicht, den Staublappen zu nehmen oder einen von diesen modernen Mops, denn darunter kommt das Ewigalte und Gleiche wieder zum Vorschein. In meiner beruflichen Arbeit sind es die immergleichen Themen, die "Problemtrancen" und das SichimKreisedrehen. In den Foren, in den Blogs, ja auch im gesamten Social Media sind es irgendwann ebenfalls die immergleichen Themen. Und ab einem gewissen Punkt ist man sicher auch als Autor mit der Gefahr konfrontiert, sich zu wiederholen. Da gibt es dann ähnliche Konflikte, vielleicht Figuren, die sich ähneln, ein Aufbau, der sich wiederholt. Das Verharren in einem Genre oder einer bestimmten literarischen Form. Kurz und gut, es geht darum, dass sich alles abnutzt, dasselbe des Immergleichen ist, Staub und Rost ansetzt. In der Beziehung zum Partner, zu Freunden und zur Familie macht sich Gewöhnung breit. Es nützt wenig oder nur für kurze Zeit, wenn die Möbel erneuert, das TV-Gerät, der Computer ausgetauscht werden, wenn eine Auszeit genommen wird oder ein Paar auf eine ungewöhnliche Reise geht. Neuer Wein in alten Schläuchen! Auch strategische Diskussionen darüber, was alles anders werden muss, verlaufen oft im Sande. Selbst bei der täglichen Kocherei macht sich Einerlei breit, kommen in schöner Regelmäßigkeit Spagetti Bolognaise, Linsen mit Spätzle oder Bratkartoffeln auf den Tisch. Wie wäre es denn, mal wieder Königsberger Klopse zu kochen?

Wirklich wirkungsvoll und änderungsaffin sind zum Beispiel neue Kollegen, neue Klienten, neue Ideen, eine andere Betrachtungsweise, die von außen angeregt werden kann. Bei mir war es die Beschäftigung mit den Grenzen, die etwas ausgelöst haben könnte. Heute war alles anders und neu, jeder Baum am Straßenrand wirkte wie eben erst dahingesetzt, jedes Glitzern des Schnees war noch niemals da gewesen, hinter jeder Biegung öffnete sich wie von Zauberhand eine neue, andere, schönere Welt. Und dazwischen, an warmen, trockenen Plätzen in den Gärten, schauten schon die ersten Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge aus dem halb gefrorenen Boden.Wir waren im Land des Romans unterwegs, für den ich nun endlich ein klares und aufschlussreiches Exposé geschrieben habe. Ob das nun wirklich eine Änderung des Zustands ist, in dem ich wochenlang verharrte? Der Roman ist mein absolut eigener, er wartet mit einer Zeit und mit Figuren auf, die alles andere als "gängig" sind. Aber das ist im Augenblick zweitrangig. Wichtig ist, dass etwas wieder in den Fluss gekommen ist, und das strahlt auf alle anderen Bereiche aus.



Montag, 5. Januar 2015

Heimatjahre

Es geschieht sehr selten, dass ich ein Buch, das ich gerade lese und das mich begeistert, hier vorstelle. Man erinnere sich an Felix Huby, langjähriger Autor und Publizist, Schöpfer von vielen Krimis, die im süddeutschen Raum spielen. Die Tatort-Kommissare Max Palu, Jan Casstorff und Ernst Bienzle sind seiner Feder entsprungen. Jetzt hat er beim Verlag Klöpfer&Meyer in Tübingen ein Werk herausgebracht, das so richtig in meine momentane Suche hineinpasst und mir unvergessliche Lesestunden am Abend verschafft. Vom selben Verlag begeisterte mich übrigens auch das Wanderabenteuer "Westwegs" von Johannes Schweikle.
"Heimatjahre", da möchte man doch gleich an "Schillers Heimatjahre" von Hermann Kurz denken, ein Buch, das er fast hundertfünfzig Jahre vorher schrieb. Es geht um ein kleines Dorf bei Tübingen gegen Ende des letzten Weltkriegs. Die Bewohner werden in ihrer ganzen Vielfalt beschrieben, es ist viel Autobiografisches dabei, und ich sehe Bilder aus meiner Kindheit aufsteigen. Den Ausscheller, habe ich den nicht auch noch erlebt, den Lumpensammler, den Schuster und diese komischen klapprigen Busse? Ganz baff war ich, als ein Einkaufsnetz erwähnt wurde. Da erstand vor meinem inneren Auge so ein gelbrotes Netz aus Nylon, das man früher mit zum Kaufmann an der Ecke nahm. Bei dem man einzeln Lollies für fünf Pfennige kaufen konnte und Lakritzrollen. Die Frigeo-Brause gibt es heute noch, ebenso den Pustefix, die Fabrik steht in einem Ort zwischen Tübingen und Rottenburg. Ganz großes Kino, muss ich sagen! Parallel dazu läuft im ZDF ein Dreiteiler über dieselbe Zeit - über Tannbach, ein geteiltes Dorf zwischen der Ex-DDR und Bayern. Ja, das ist sehr inspirierend. Eine ganze Weile werde ich mich noch inspirieren lassen, bevor ich mein nächstes Werk angehe. Und währenddessen registriere ich, dass die E-Bookverkäufe seit dem 1.1. 15 stagnieren, die Kindle Unlimited Ausleihen dagegen hochgehen. Es ist weiterhin ungewiss, wohin die Reise gehen wird. Ich bin auf jeden Fall mal in ein Boot gestiegen.



Freitag, 28. November 2014

Der virtuelle Selbstmord oder: Im Internet sind alle gleich

Anmerkung: Sollte auch dieser Text nicht lesbar sein (nach HTML_Bereinigung) kann ich ihn gern als Doc.-Datei per Email senden. Voriger Beitrag: KDP-Termine, E-Books werden teurer

Aufgrund eines Formatierungsfehlers war für einige der Beitrag, den ich vor einigen Tagen eingestellt hatte, nicht lesbar. Deshalb noch einmal, erweitert um einige Infos und Überlegungen zu den Ereignissen, die sich kürzlich in Tübingen bei einer Mädchenclique abgespielt haben. Vor Kurzem hatten wir uns im Team die Frage gestellt, wie sich intensive Internetnutzung auf Menschen auswirkt, die schon eine gestörte Beziehung zur realen Welt aufweisen. Via Internet bin ich auf einen Vortrag gestoßen, den der Diplom-Psychologe Kai W. Müller vor der Landespsychotherapeutenkammer Mainz im Jahr 2013 gehalten hat: Internet und virtuelle Beziehungen. Und versuche das für mich Wichtigste mal kurz zusammenzufassen. Fangen wir mit ein paar Fakten an.
99% der deutschen Jugendlichen nutzen das Internet regelmäßig. Sie verbringen durchschnittlich 132 Minuten am Tag im Netz 
65% der Erwachsenen verbringen durchschnittlich 115 Minuten im Netz.
Was sind die Vorteile?
Soziale Unterstützung kann unmittelbar erfolgen
Die Kommunikation mit Freunden wird erleichtert
Kontakte sind schneller verfügbar
Es fällt leichter, auf andere zuzugehen.
Facebook:
Es gibt 800 Millionen Facebooknutzer. Ein junger Mann hatte auf eine Frage nach der Bedeutung dieses sozialen Netzwerkes erklärt, wer nicht bei Facebook sei, existiere gar nicht wirklich. Das Aussteigen aus so einem sozialen Netzwerk kommt also einem "virtuellen Suizid" gleich. Du bist einfach nicht mehr da, wirst nicht mehr wahrgenommen. Die Bedeutung dessen hängt natürlich mit dem Stellenwert zusammen, den derjenige dem Netzwerk unterstellt. Und den seine soziale Bezugsgruppe ihm unterstellt. Hand aufs Herz: Ist heute nicht einer, der sein Handy ausgeschaltet lässt oder erst gar keins besitzt, von einem Großteil der allgemeinen Kommunikation ausgeschlossen? Twittert nicht auch ein Minister wichtige erste Botschaften, bevor sie in die Tagesschau kommen? Was unterscheidet nun diejenigen, die den "virtuellen Suizid" begangen haben und aus dem sozialen Netzwerk ausgestiegen sind von denen, die bleiben? Die Leute, die ihr Profil gelöscht haben, hätten eine höhere Fähigkeit zur Selbstregulation und legten mehr Wert auf ihre Privatsphäre. Wahrscheinlich überwiegen auch die realen Kontakte bzw. sind in genügender Form offline verfügbar.

Nachteile sozialer Netzwerke: Sozialer Schaden entstehe eigentlich nur, wenn der User stark introvertiert ist. Dann kann es zur Abnahme realer Kommunikation in der Außenwelt kommen. Extrovertierte User korrigieren die Onlinezeiten nach unten und halten gleichzeitig den Kontakt zu Onlinebekanntschaften.
Vorteile: Man muss nicht gleich antworten, die Regeln sind weniger stringent (können MMn aber ganz schön streng sein, besonders in Gruppen. Und im Internet kann man jemanden durch Knopfdruck viel schneller entfernen als in der Realität!)  Im Internet sagten und täten Menschen Dinge, die sie im realen Kontakt so nicht sagen oder tun würden. Sie seien lockerer, ungezwungener, weniger gehemmt und drückten sich offener aus. Dieses Phänomen werde als der "Online Disinhibition Effect"bezeichnet. Was ist das für ein Effekt?
Durch die Anonymität kann ein anderes Selbst gebildet werden.
Man ist unsichtbar, im Internet sind anscheinend alle gleich.
Man muss nicht immer gleich reagieren.
Es gibt zwei Varianten dieses Effekts:
1. Ungefährliche Enthemmung
Der User gibt sich leichter preis, er kann Wünsche, Hoffnungen und Träume entwickeln,
die er in der realen Welt wahrscheinlich mit niemandem teilen würde.
2. Toxische Enthemmung
Es kommt zu Beschimpfungen, zu Bedrohungen und Beleidigungen,
sogar zu devianten und antisozialen Handlungen und zu Cybermobbing.
Jüngstes Beispiel: die Mädchenclique in Tübingen, die vor Kurzem eine gleichaltrige 14jaährige verprügelte, ins Gesicht und in den Magen trat, das reihum mit dem Handy filmte
und bei Facebook einstellte. Gestern wurde das in "Zur Sache Baden-Württemberg" noch einmal aufgerollt. Das Video wurde so oft geteilt, dass es bei FB inzwischen nicht mehr zu entfernen ist. Eines der Mädchen ist inzwischen selber verprügelt worden. Dem ging ein längeres Cybermobbing voraus, gegenseitig wurden die Eltern beleidigt usw. Ein Viertel aller Jugendlichen habe schon einmal erlebt, dass eine Clique jemanden fertig gemacht hat. Das Einstellen bei Facebook wurde von den Mädchen zunächst als "cool" empfunden, man wurde gesehen und beachtet. Später, als die Lawine ins Rollen gekommen war, schämten sie sich sehr und würden es nie wieder machen. Dazu fällt mir ein eigener Begriff ein: Es hat wahrscheinlich eine Entfremdung von sozialer Nähe und Empathie stattgefunden, die Gefühle scheinen oberflächlich oder verniedlicht. So haben wir einmal erlebt, dass zwei Mädchen am Albtrauf standen und die Gedenkschrift an einen Mountainbiker lasen, der hier senkrecht in die Tiefe gestürzt ist. Ich meine, sie hätten daraufhin "cool" oder "wow!" gesagt. Das sind die Auswüchse, die auch vorher schon bestanden, aber sich durch die Cyberwelt weiter entpersonalisiert haben.

Andererseits sieht Müller Chancen, angstgestörte, Patienten mit sozialer Phobie oder internetsüchtige Menschen zunächst über eben dieses Medium zu erreichen. Es ist weniger angstbesetzt. Das Fazit ist, dass sich durch das Internet die soziale Kommunikation verändert hat. Sie ist nicht schlechter, sondern anders geworden. Der Austausch mit anderen wird erleichtert, ersetzt allerdings nicht die Bezugspersonen, die man im Ernstfall dann wirklich physisch braucht. Für den durchschnittlich selbstbewussten Menschen dürfte das Internet kaum Gefahren bergen. Gefährlich wird es erst, wenn jemand Störungen wie eine soziale Phobie hat oder dazu neigt, sich in Parallelwelten zu flüchten, ohne sich davon distanzieren zu können. 
Mein persönliches Fazit:
Das Internet und der Computer haben mein Leben von Grund aus revolutioniert, verändert und bereichert. Durch diese Medien wurde es mir überhaupt erst möglich, meinen Traum vom Schreiben zu ermöglichen. Das Schreiben ist allerdings auch Schwerpunktthema gewesen und ist es noch. Ich habe das Internet also in der Regel mehr sach - als allgemein kommunikationsbezogen genutzt, habe nie gespielt oder Kontaktbörsen jeglicher Art besucht. Einmal war ich kurze Zeit Mitglied in einer Kochgruppe, deren Regeln mir aber zu rigid waren. Da musste man für das Kochen den Großteil seiner Zeit und seines Geldes einsetzen. Durch die Kommunikation mit anderen habe ich dieses Medium erst einmal begriffen. Der Austausch mit anderen Autoren führte zum regelmäßigen Schreiben, gegenseitigem Korrekturlesen und zu Veröffentlichungen. Einige Mitautoren habe ich auch im realen Leben kennengelernt. Mit Verlagen und mit der Agentur lief vieles über Emails ab, gerade auch Lektorate. Für Autoren ist dieses Medium ideal, fast schon unverzichtbar als Recherchequelle! Und solange ich über meine selbstregulierenden Mechanismen verfüge, brauche ich nicht zu befürchten, in der virtuellen Welt zu versinken.

Samstag, 18. Oktober 2014

Sprung ins SP-Vergnügen?

Gestern waren wir mal wieder in Tübingen, der alten Universitätsstadt, in der ich sieben Jahre lebte und studierte und die so manchem historischen Roman von mir als Kulisse diente. Die Farben der Gebäude und des Himmels sahen aus wie frisch gewaschen, im Gerberviertel prangten späte Rosen und Kalkastern in den Gärten, der Ammerkanal führte viel dunkel gefärbtes Wasser. Ich hatte in einem Second-Hand-Buch-und Musikladen bei der Jakobuskirche drei Bände von Dostojewski sowie einige andere gute Bücher erstanden. Da war doch mal was, dachte ich, als wir vor dem Rathaus saßen, Kaffee tranken und den Mädels zusahen, die sich auf Stöckelschuhen über das Kopfsteinpflaster quälten. Im "Lamm" da gegenüber, heute eine Begegnungsstätte, tummelten sich die Studenten und die schwäbischen Dichter, an der Ecke gegenüber der alten Mayerschen Apotheke hat der Dichter Hermann Kurz gewohnt. Ja, ich hatte vor meinem Urlaub achtzig Seiten eines historischen Krimis geschrieben, und ich wollte abwarten, ob sich der Verlag wegen meines Jetztzeit-Krimis (auch mit dem Schauplatz Tübingen) meldet. Der Verlag hat mich wohl vor lauter Buchmesse vergessen. Also packte ich gestern Abend meinen historischen Krimi aus, druckte die letzten zwanzig Seiten und korrigierte. Einige Tage hatte ich es noch vor mir hergeschoben, aber jetzt hat es mich wieder gepackt! Ich beweihräuchere mich nicht gern, aber ich finde den Text frisch, abenteuerlich, spannend und teilweise auch witzig. Also mache ich da weiter. Den Jetztzeitkrimi kann ich eigentlich zur Seite legen, denn so vielen Verlage und Agenten ich ihn auch anbiete, so wird doch keiner wagen, den Genrewechsel zu vollziehen. Es wird also der ideale Kandidat fürs SP-Vergnügen sein! Einen Roman fertigschreiben und gleichzeitig einen anderen zu veröffentlichen wäre mir zu mühsam. Vielleicht kann ich nächstes Jahr beide kurz hintereinander auf den SP-Markt werfen. Dann habe ich auch bloß noch einige Monate zu arbeiten und mein Berufsleben zu einem guten Ende zu bringen.

Auf der Suche nach dem neuesten Stand beim SP fand ich den Blog der Frankfurter Buchmesse vom September, in dem Trends des Self Publishing diskutiert werden. Allein 2014 sei der Marktanteil um 35% gestiegen, die Self Publisher würden immer professioneller, mit immer besser lektorierten Büchern und aussagekräftigen Covern. Und wichtig sei es, in möglichst vielen Kanälen die Bücher sichtbar zu machen. Gleichzeitg verliert Social Media nicht seine Bedeutung. Die Buchhändler müssten den Trend erkennen und für sich und die Autoren nutzen. Irgendwo habe ich ein Vögelchen zwitschern gehört, dass die ganzen Hebammen, Hexen und Henkerstöchter bei den Verlagen nicht mehr so gefragt seien, dafür andere historische Stoffe.

Sonntag, 3. August 2014

Vom Scheitern und vom Neuanfang

Vor einem halben Jahr dachte ich noch, das war`s dann mit dem Schreiben. Kein Verlag mehr, keine Agentur und ein paar Manuskripte auf der Festplatte, mit denen man weder bei großen Verlagen noch bei Agenturen auf offene Türen stoßen würde. Und vor allem: keine Lust mehr, sich noch einmal auf die große Suche zu machen und alle Prozeduren wieder und wieder über sich ergehen zu lassen. Die Bücher in den Buchhandlungen zu begrüßen und sie (so war`s am Schluss) im Monat darauf gar nicht mehr zu finden, bei Amazon unter ferner liefen. Auf Abrechnungen zu warten, die immer viel zu spät kamen mit dem stummen Vorwurf: Hat sich nicht nach unseren Erwartungen verkauft.

Im Februar saß ich da mit einem Manuskript, einem Krimi aus dem 18. Jahrhundert, mit dem es weder vor noch zurück ging. Kein Esel hätte den Karren da herausholen können, worin er steckte. Schreibblockade total. Auch eine Neukonzipierung brachte nichts. Einfach keine Lust mehr. Vielleicht war ich auch nur erschöpft? Im März begann ich damit, meine E-Bookrechte am historischen Krimi "Das Vermächtnis des Bischofs" zu klären. Mit der vereinten Hilfe von zwei Autorenfreunden gelang es mir dann, im Juni das E-Book herauszubringen. Das Ergebnis sieht man hier rechts im Layout. Seitdem ist es eine Bereicherung meines Lebens, wenn ich das mal so pathetisch sagen darf. Ein Buch, das mehr meins ist als fast alle anderen, das ursprünglich niemand haben wollte und das jetzt so erfreulich sichtbar heruntergeladen wird, ein Buch, das bleibt über die Wochen und Monate, ein Buch, für das ich kaum Werbemaßnahmen anstoßen musste.

Ein Urlaub und eine Verlagsanfrage nach dem Jetztzeit-Krimi "Martinsmorde" später war es dann endlich so weit. Mir war klar, dass der Roman, den ich hatte schreiben wollen, schon fast 200 Jahre zuvor geschrieben worden war: von Hermann Kurz mit seinem "Schillers Heimatjahre. Die Wanderungen des Heinrich Roller." Da traten alle Figuren auf, die auch bei mir eine Rolle hätten spielen können: Friedrich Daniel Christoph Schubart, Herzog Carl Eugen, der Räuber Hannikel und Friedrich Schiller. Aber es gab ja auch eine Krimihandlung, die unentwirrbar schien. Ich habe mir einfach einen Ruck gegeben und zwei Handlungsstränge sowie eine weitere Figur aus dem historischen Krimi vom Februar rausgeschmissen, die Handlung an einem späteren, spannenderen Zeitpunkt eingesetzt, die ersten 35 Seiten abgetrennt, überarbeitet und die restlichen 40 Seiten als Recyclingstation gespeichert. Jetzt zählt allein wieder der Text und nicht die Verlage, die späteren Leser oder die Kritiken oder die Frage, warum man das Ganze überhaupt noch macht -warum man das alles mit sich machen lässt. Und es bleibt der Schauplatz Schwarzwald, diesmal mit dem Tübinger Schloss im Zentrum.


Donnerstag, 10. Oktober 2013

Schreibteufelchen feiert den 5. Geburtstag!

Voriger Post: Zwänge im Internet

Gerade habe ich mich in den Statistiken meiner beiden Blogs umgesehen und festgestellt, dass mein "Schreibteufelchen" gestern seinen 5. Geburtstag gefeiert hat! Am 9.Oktober 2008 bin ich von "Myblog" zu Google umgezogen, und wer war mein erster Gast und hat mich seitdem mit Rat und Tat, mit Witz und Eloquenz begleitet? Petra van Cronenburg! Darauf ein Prosit für alle Autoren, Leser und sonstige Gäste!
Zur Feier des Tages eine Übersicht über die beliebtesten Beiträge aller Zeiten. Beim Schreibteufelchen ist nach wie vor Wolfram von Eschenbach der absolute Renner. "Fluchtpunkte" war eine Reise in die Pfalz, nach Neustadt an der Weinstraße, dann kamen die vermeintliche Bibel, die Sorgen der Menschheit und ein Besuch in Schwäbisch Hall, der Perle des Hohenloher Landes. Fazit: Historisches, Reisen, Bücher und Psychologie.

31.05.2009
02.06.2010 

16.12.2012

Die "Orte zum Reinschmecken" dagegen sind erst vor drei Jahren entstanden. Hier dominieren eindeutig Wanderungen! Die meisten Besucher hier sind übrigens-zu meinem eigenen Erstaunen-über das Schreibteufelchen gekommen. Jetzt wird mir auch klar, warum: Wenn man die Blogs miteinander verbindet, zum Beispiel durch ein "zugkräftiges" Thema wie Schwäbisch Hall, bringt das eine Menge Besucher auf den anderen Blog! Ich werde mal die Probe aufs Exempel machen und die beiden Blogs mehr miteinander verlinken. Was auch noch sehr interessant ist: Kein einziger der Besucher hat sich je für meine Bücher interessiert, und meines Wissen wurde auch kaum eines über den Blog verkauft. Der Autorenblog bleibt also, was er war: eine Möglichkeit, mich schreiberisch warm zu halten, mit etwa einem Dutzend Menschen in Kontakt zu bleiben und eine Plattform für Gleichgesinnte, die einmalig oder immer mal wieder hier vorbeikommen.


Wanderung von Herrenberg nach Hohenentringen
10.06.2011





























































































Mittwoch, 31. Juli 2013

Räubergeschichten

Es ist schon ein ganz neues Gefühl, in Gefilden zu wildern, die mir bis dahin völlig unbekannt waren. Hätte ich mir jemals vorgestellt, freiwillig den ersten Akt  von Schillers "Räubern" zu lesen? In der Schule mussten wir Gedichte von ihm auswendig lernen (gluck, gluck, weg war sie) oder: Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich Damon, den Dolch im Gewande: Ihn schlugen die Häscher in Bande, "Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!"Entgegnet ihm finster der Wüterich. Und ich lese es nicht etwa in einem antiquarischen Buch, sondern beim Projekt Gutenberg des "Spiegel". Nur am Anfang war diese ganz große Freiheit da. Beim biografischen Roman musste ich mich an die Lebensdaten des Dichters halten, beim zweiten an die historischen Daten und Umstände. Diesmal gibt es nur zwei historische Ereignisse, dafür jede Menge kulturellen und stadtgeschichtlichen Hintergrund. Meine Romane habe ich alle erst fertig geschrieben, bevor ich sie angeboten habe, also gab es auch nie eine Deadline. Jetzt habe ich kein fertiges Exposé, die Handlung ist noch völlig offen, und ich kann alles verwerfen, was ich bei Kollegen und durch die Agentur gelernt habe. Es gibt keine Leser, die ich fokussiere, höchstens einen imaginären, dem ich die Geschichte erzähle. Dachte ich beim Schreiben des Krimis noch: Oh, das wird aber den eingefleischten Krimilesern nicht gefallen, entfällt diese Frage jetzt völlig. Denn ich schreibe es wirklich für mich.