Posts mit dem Label Leben und Schreiben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Leben und Schreiben werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 7. Februar 2015

Verstaubtes Leben und Schreiben

Impression aus dem botanischen Garten in Tübingen
Wenn man sich einmal an seinem Arbeitsplatz umsieht, an dem man jahre-, wenn nicht jahrzehntelang geschafft, sich gefreut, gelitten, betreut, diskutiert und geschrieben hat, bemerkt man irgendwann, dass alles irgendwie verstaubt und eingerostet wirkt. Bei mir ist ja von zwei Arbeitsplätzen die Rede, einer besteht aus mehreren Häusern, einigen Klienten und Kollegen, der zweite aus einer Ecke meines Wohnzimmers. Da genügt es nicht, den Staublappen zu nehmen oder einen von diesen modernen Mops, denn darunter kommt das Ewigalte und Gleiche wieder zum Vorschein. In meiner beruflichen Arbeit sind es die immergleichen Themen, die "Problemtrancen" und das SichimKreisedrehen. In den Foren, in den Blogs, ja auch im gesamten Social Media sind es irgendwann ebenfalls die immergleichen Themen. Und ab einem gewissen Punkt ist man sicher auch als Autor mit der Gefahr konfrontiert, sich zu wiederholen. Da gibt es dann ähnliche Konflikte, vielleicht Figuren, die sich ähneln, ein Aufbau, der sich wiederholt. Das Verharren in einem Genre oder einer bestimmten literarischen Form. Kurz und gut, es geht darum, dass sich alles abnutzt, dasselbe des Immergleichen ist, Staub und Rost ansetzt. In der Beziehung zum Partner, zu Freunden und zur Familie macht sich Gewöhnung breit. Es nützt wenig oder nur für kurze Zeit, wenn die Möbel erneuert, das TV-Gerät, der Computer ausgetauscht werden, wenn eine Auszeit genommen wird oder ein Paar auf eine ungewöhnliche Reise geht. Neuer Wein in alten Schläuchen! Auch strategische Diskussionen darüber, was alles anders werden muss, verlaufen oft im Sande. Selbst bei der täglichen Kocherei macht sich Einerlei breit, kommen in schöner Regelmäßigkeit Spagetti Bolognaise, Linsen mit Spätzle oder Bratkartoffeln auf den Tisch. Wie wäre es denn, mal wieder Königsberger Klopse zu kochen?

Wirklich wirkungsvoll und änderungsaffin sind zum Beispiel neue Kollegen, neue Klienten, neue Ideen, eine andere Betrachtungsweise, die von außen angeregt werden kann. Bei mir war es die Beschäftigung mit den Grenzen, die etwas ausgelöst haben könnte. Heute war alles anders und neu, jeder Baum am Straßenrand wirkte wie eben erst dahingesetzt, jedes Glitzern des Schnees war noch niemals da gewesen, hinter jeder Biegung öffnete sich wie von Zauberhand eine neue, andere, schönere Welt. Und dazwischen, an warmen, trockenen Plätzen in den Gärten, schauten schon die ersten Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge aus dem halb gefrorenen Boden.Wir waren im Land des Romans unterwegs, für den ich nun endlich ein klares und aufschlussreiches Exposé geschrieben habe. Ob das nun wirklich eine Änderung des Zustands ist, in dem ich wochenlang verharrte? Der Roman ist mein absolut eigener, er wartet mit einer Zeit und mit Figuren auf, die alles andere als "gängig" sind. Aber das ist im Augenblick zweitrangig. Wichtig ist, dass etwas wieder in den Fluss gekommen ist, und das strahlt auf alle anderen Bereiche aus.



Mittwoch, 23. Mai 2012

Abgrenzung - im Leben und beim Schreiben

Abt Pirmin auf der Reichenau
Abgrenzung ist gerade das heißeste Thema bei meinen Kollegen und Klienten- und bei mir selbst. Es klingt so einfach, mal eben "nein zu sagen - denn was könnte dann passieren? Die Mutter, die sich nicht von ihrer destruktiven Tochter abgrenzen kann, wird selbst immer tiefer hineingezogen. Schuldgefühle blockieren jeden Ansatz auf Selbstbestimmung-und ihr Leben zerrinnt unter ihren hilflosen Anstrengungen, die Tochter zu retten. Dabei hat die genügend Ressourcen, um für sich selbst zu sorgen. Wenn man immer "nein" sagt, kann einen am Schluss sicher niemand mehr leiden. Man kommt nicht voran, landet im Abseits. Es stimmt, der Jasager erfreut sich einer gewissen Beliebtheit-weil man ihn immer für seine Zwecke einspannen kann.
Wenn ich merke, dass andere über meine Grenze gehen und ich selbst meine Grenzen überschreite, ist es Zeit, die Notbremse zu ziehen. In meinem Beruf kann ich die Rolle der Neinsagerin übernehmen. Aber kann ich das auch selbst? In meinem Leben und bei meinem Schreiben? Immer, wenn ich merke, dass ich elementare Bedürfnisse vernachlässige, weil ich mich zu sehr für andere (ja, und auch für das Schreiben mit allem Drumherum) einsetze, halte ich inne. Und überlege: Brauche ich das wirklich für mein Leben? Brauchen andere das für ihr Leben? Ich habe festgestellt, dass meine Klienten sehr schnell selbstständiger wurden, wenn man ihnen nicht immer alles abgenommen hat. Man schwächt ihr Ich, schrieb Wolfgang Schmidbauer in seinem Buch "Die hilflosen Helfer". Man muss nicht immer für alle erreichbar sein, auch in meinem Beruf nicht. Wenn jetzt etwas in der Gruppe passiert, rufen die Bewohner selbst den Krankenwagen.

Was das Schreiben betrifft, ist das schon ein wenig differenzierter. Ich kann zum Beispiel nicht mit Hunderten von Kontakten, die ich im Internet habe, täglich kommunizieren. Ich kann ihnen etwas zum Lesen anbieten, so wie ich meinen Klienten ein Angebot mache. Beim Schreiben verwischen sich alle Grenzen. Wenn ich einmal im Fluss bin, gibt es kein Halten und kein Neinsagen mehr. Wohl aber kann ich die "Umwelt" des Schreibens beeinflussen. Ich kann nein sagen zu übermäßigem Bloggen, Twittern und Facebuchen. Das kann man so dosieren, dass regelmäßige und beidseitig befruchtende Kontakte zustandekommen, so, wie ich es hier im Blog und bei anderen erlebt habe, auch in Foren. Gegenseitig Texte und Bücher auszutauschen kann sehr inspirierend sein! Wenn mich heute jemand fragt, was ich mit den Verlagen anders machen würde, würde ich sagen: Nicht mehr nehmen, was kommt, und nicht mehr alles akzeptieren! Die Kollegen, die selbst ihre Ebooks produzieren und erfolgreich vertreiben, haben da einen möglichen Weg gewiesen. An der Stelle, an der ich inzwischen angelangt bin, frage ich mich: Für wen habe ich die Bücher tatsächlich geschrieben? Was bedeuten sie mir? Bin ich bereit, dafür in einer lebenslangen Warteschleife zu hängen? Gestern sagte mir eine Klientin, sie hätte mein Buch dabeigehabt, als sie mit dem Zug nach X fuhr - und sie hätte fast den Ausstiegsbahnhof verpasst. In solchen Momenten weiß ich,warum ich das alles getan habe. Ja, ich bin dazu bereit, auch wenn ich nicht existenziell abhängig davon bin. Ich sage Nein zu Projekten, zu denen ich keine Lust habe. Ich schreibe keine Bücher, die ich selbst nicht lesen würde. Daneben mache ich mein eigenes Ding, im Leben und beim Schreiben, sage mal ja und mal nein. (Ich hoffe doch, dass ich das einigermaßen durchhalten kann, wir sind ja keine Roboter:-)


Dienstag, 13. Dezember 2011

Mutmacher - für sich selbst und das Schreiben

Die schwarzen Wasser der Enz
Heute, elf Tage vor Weihnachten, fand ich gleich zwei Beiträge, die mir noch einmal Mut gemacht haben, die ganzen Weihnachtspsychosen durchzustehen und mich auf die Zeit zu freuen, in der ich wieder aufatmen kann.
Die Mitte finden von Annette Weber und das Jahresabschluss-und Schreibresumé von Nikola Hotel. Es sind so ähnliche Erfahrungen, die die anderen machen und die man selbst immer wieder macht. Zur Zeit ist es so: Wenn ich nicht gerade arbeite, mache ich den Plot meines neuen Romans dichter, verwerfe Unnützes und das Zuviel. Dann schreibe ich wieder ein paar Seiten.
Kürzlich bekam ich eine Antwort auf meine Frage, was wohl ein Schriftsteller machen würde, wenn mitten im Roman ein Anruf kommt: Du musst sofort los, da will sich jemand umbringen oder hat Drachen im Bauch! Antwort: Das würde dem Schriftsteller gar nicht nicht passieren. Er hat sich nämlich entschieden. Ich dachte auch immer, dass ich mich eines Tages entscheiden müsste, aber das muss ich nicht. Da ich von meinem aufregenden, manchmal weit über die Grenzen gehenden, aber oftmals auch total befriedigendem und schönen Job lebe und dadurch meine aufregenden, anregenden, gleichgesinnten Kontakte habe, gebe ich ihn auch nicht auf. Das Schreiben dagegen ist zwar auch aufregend, wunderbar, das Leben vertiefend und bereichernd, aber es ist einsam. Bis auf die Momente, in denen ein Austausch mit anderen Schreibenden stattfindet. Ich denke an die Passage meines Mörike-Buches, in dem Wilhelm Waiblinger zu Eduard Mörike sagt: Wenn du nur schreibst, machst du dich nicht nass! Du musst das Leben mit seinen Abgründen und Verletzungen spüren, sonst kannst du auch nicht wirklich schreiben. Für mich gibt es immer Zeiten, die sich mehr mit dem Außen, dem brüllenden, glänzenden, harten und fordernden und solche, die sich mit dem Innen, dem ebenso, aber auf einer anderen Ebene lauten Leben befassen. Manchmal nacheinander, manchmal gleichzeitig-das ist das Hektischste-und manchmal zu einer Einheit verschmolzen.

Sonntag, 7. August 2011

I need to return to reality

Der Sommer macht gerade Pause, andere machen Pause, und ich habe jetzt auch eine Woche Pause gemacht. Diese Woche war die purste Arbeit, mit Krisen im Job und täglich Stunden am zweiten Teil des Lektorats zum "Vermächtnis des Bischofs".Kaum Zeit, mal zwischendurch wegzugehen oder zu -fahren. Ein einziges Mal erhaschten wir einen Sonnenzipfel - am letzten Wochenende im Hegau und am Randen (siehe unten).
Die Krisen der Klienten sind vorläufig gemeistert, aber es werden neue kommen. Das Manuskript habe ich heute, mit dem üblichen Glücksgefühl und "so, das wäre geschafft"weggeschickt, es kommt dann noch ein zweiter Durchgang. Aber die nächsten Tage kann ich mich erst mal wieder ein wenig ausruhen. Merkwürdig, irgendwie habe ich das Gefühl, "Die Hure und der Mönch" und noch mehr der Vorgänger, das "Vermächtnis", seien meine bisher mutigsten Bücher gewesen. Es tauchen auch immer wieder ähnliche Themen auf . Entsprechend wird es dann vielleicht auch aufgenommen werden. Gestern in Reutlingen, beim Osiander, habe ich den Plätze gesehen, an denen sie wahrscheinlich stehen/ liegen werden. Und ich habe zwar eine vage Idee, wie ich weitermachen könnte, muss sie aber noch gründlich ausreifen lassen.

In dem Zuammenhang ist mir der folgende Artikel in die Hände gefallen, der die Erfahrungen einer Fantasy-Autorin wiedergibt: "I need to return to reality". Die Autorin berichtet vom Stress des Schreiben-Müssens und davon, dass sie wieder in ihren alten Beruf als Lehrerin zurückkehren wolle. Und das trotz großen Erfolges und wachsender Beliebtheit bei den Fans. Dass das Internet Gift für Autoren sei, berichtet sie, die Anwesenheit bei Twitter, Facebook, in Autorenblogs usw. viel Kraft und Zeit kosteten.
In einigen Punkten habe ich mich wiedererkannt.
1. Ich muss immer zurück zur Realität finden, wenn ich scheibe.
2. Die Teilnahme an den sozialen Netzwerken war in der letzten Woche, eigentlich in den letzten zwei Monaten kaum möglich-und ich habe sie auch nicht zu sehr vermisst.
3. Das Blogschreiben und den Austausch mit anderen habe ich ziemlich vermisst.
4. In meinen Beruf brauche ich nicht zurückzukehren, ich bin ja noch drin. Und ich möchte auch nicht n u r schreiben. Wesentlich ist, dass man lernt, sich bei beidem nicht völlig zu verausgaben, denn sonst kann man die Früchte seines Schaffens nicht mehr genießen.

Jetzt ist wieder mal ein Meilenstein erreicht.

Blick vom Bergfried in Tengen

Mittwoch, 23. Juni 2010

Was schreibe ich heute?

Es gab mal einen Witz in einer Frauenzeitschrift. Da hält eine Frau auf dem Marktplatz ein Schild hoch, auf dem steht: Was soll ich heute kochen? Ähnlich geht`s mir heute mit dem Blogeintrag. Was könnte die Leser interessieren? Ist nicht alles eine Wiederholung des Immergleichen? Ich könnte dies schreiben, aber dann guckt bestimmt wieder mal kein Schwein, oder ich könnte das schreiben, und das lockt den Blogmäusen nur ein müdes Lächeln auf die Lefzen und wirbelt ein paar Staubflocken auf. Es kann auch nicht jeden Tag Schweinebraten geben oder Brägele. Genauso ist es mit dem "Großen Schreiben". Wiederholt sich auch dort nicht immer ein bestimmtes Strickmuster? Die Einschaltquoten sind zufriedenstellend, mein Lektor dachte kürzlich, die täglichen Besucherzahlen seien auf den Monat umgerechnet. Also ist die Blogautorin gefordert, und nicht nur die Blogautorin. Ich könnte schreiben, dass arbeitsmäßig viel auf meinen Schultern lastet, aber das wissen wir ja schon. Mein arbeitsintensivster Roman ist unterwegs, könnte ich schreiben, und vielleicht landet er in der Schublade. Dann könnte ich darüber spekulieren, ob das ein Grund zum Aufhören sei. Ist es natürlich nicht, denn Roman ist Roman auf meiner Leiter
Ich könnte-mal wieder-darüber schreiben, dass ich mit dem Ex im Café saß, um über den möglichen Einsatz des Sohnes in Afghanistan zu sprechen. Und dass mein Buch in Ex-Kreisen hochgeschätzt wird. Die Kalendervorschau rief großes Interesse hervor und wurde über den Emailverteiler übersandt. Was sonst noch gesprochen wurde, ist für keine Öffentlichkeit bestimmt. Ob ein Ohr mir bis hierher folgen mochte? Es geht nämlich noch weiter mit der Wiederholung des Ewiggleichen (und doch immer Neuen).
Das Wetter hat sich heute endlich-sommerlich-freigestrampelt. Das nutzen, immergleich, die Läuse auf den Rosen, und ich muss wieder Petras Geheimrezept ansetzen. Der Marder kommt nächtens in schöner Regelmäßigkeit, aber er zerbeißt immer noch keine Kabel, sondern guckt nach der Antenne, die seit einiger Zeit abgeschraubt ist. Vielleicht wird ihm das irgendwann zu langweilig. Dafür sind die Holzameisen noch nicht aufgetaucht. Sie werden sich doch nicht etwa meinen Schreckmaßnahmen gebeugt haben?
Schließlich und endlich die Lektüre. Die Krimis hat sie jetzt alle ausgelesen, sagte einmal die Büchereivorsitzende. An dem Buch "Tübingen, ein literarischer Spaziergang" interessieren mich weniger die Gebäudebeschreibungen als die Figuren: Hölderlin, der im Zwinger am Neckar mit dem Taschentuch auf Zweige schlug, Waiblinger, der ihm die Treue hielt, Mörike, Melanchton, David Friedrich Strauß, Ludwig Uhland, Hesse, Peter Härtling, dann der "böse" Herzog Ulrich von Württemberg und Graf Eberhard im Barte, die beide in der Stiftskirche begraben sind. Dass die Münzgasse, durch die wir kürzlich gingen, schon vor Jahrhunderten die sauberste war (Tübingen ein Drecknest, da waren sich alle einig, selbst Goethe). Und Cotta, ein feiner, redegewandter Herr, über den, ich glaube, es war Varnhagen von Ense, meinte, dass er seine Bücher in einem zu engen Rahmen präsentiere. Schön zu wissen, dass ich sieben Jahre lang in diesen hochdichterischen Gefilden wohnte und studierte, ganz nah dran. In meinem Seminar wurde Hölderlin u.a.in einen Rüttelkasten gesteckt. Kein Wunder, dass mich diese Gegend immer wieder zu Romanen und Geschichten inspiriert hat!
Jetzt habe ich den Faden verloren, wie es bei Schreibern so manchmal der Fall sein soll. Was schreibe ich heute? Was könnte den Leser interessieren? Was interessiert mich? Das ewig Gleiche und doch immer wieder Neue, nicht? Was wird aus der Autorin? Was wird aus den Büchern? Was wird aus dem Schreiben?