Montag, 26. Februar 2024

Irrfahrt

 Ein Frühlingstag nach langen grauen, kalten Wochen, da schwärmen wieder alle aus, und auch wir machten uns heute auf zu unserem Lieblingskurpark in Bad Imnau im Eyachtal. Es ist einer der schönsten kleinen Parks in der ganzen Umgebung, diente früher einmal als Heilstätte, als Stahlbad - mit allen Annehmlichkeiten, die Kuranlagen zu bieten haben. Dann nahm, zuletzt wegen Corona, die Frequenz der Besucher ab, und heute sind dort nur noch die schönen alten Häuser, die Parkanlagen und die tausende von Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge zu bewundern. 





Auf der Suche nach einem nicht überfüllten Café gerieten wir dann arg in die Bredouille. Unterhalb der Hohenzollernburg folgten wir einem Weg, der sich schließlich als Waldweg entpuppte und auf dem man nicht mehr wenden konnte. Mehrmals begegneten wir Autos, an denen wir nur haarscharf vorbeikamen. Und landeten schließlich bei einer Kapelle, die wir von früher her kannten und bei der wir schon schöne Wander-und Vesperstunden verbrachten. Jetzt hatte sich der Himmel zugezogen, alles grau in grau, und ein eisiger Wind trieb uns bald wieder in den Wagen. Wer war nun schuld an dieser ganzen Misere? Ich, du? Wer hat die falschen Entscheidungen getroffen? Warum hängt uns alles zum Hals heraus? Die Politiker und durchgeknallten Typen, die unsere Welt immer unbewohnbarer machen? Die Menschen, die nicht mehr lesen und keine Livemusiik mehr hören wollen, sondern ständig Spaß brauchen - mit Kreufahrtschiffen die Meere verunsichern, im Jet um die Erde düsen, mit Bill Gates ins All abheben? Was, wenn Putin Polen angreift? Was, wenn wir keinen Platz mehr finden, an dem man sich wohl fühlen kann? Ein Streitgespräch! Man kann sich von den Spaßvögeln was abgucken: einfach mal den Dreck ausblenden und das Leben wie früher genießen! Und die Plätze finden wir wieder, heute war es der Italiener neben dem Rathaus in Rottenburg. Italien ist das Land, wo die Zitronen blühn. Und wie hieß das Lied in diesem Stück von Brecht? "Am Grunde der Moldau, da rollen die Steine  es liegen drei Kaiser begraben in Prag. :.. Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne, es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt."








Samstag, 3. Februar 2024

Im Auge des Sturms


Gestern, bei schon fast frühlingshaften Temperaturen, haben wir uns mal wieder aufgerafft und sind ins Neckartal hinuntergefahren, wo schon die ersten Winterlinge ihre  Köpfchen aus den Beeten steckten, goldgelb und kugelig prall gefüllt. Gefühlt hundert oder tausend mal erfahren ist diese Landschaft für uns, und doch kann man immer wieder staunen über die Ruhe, die stillen Orte und die Pappeln mit ihren gewaltigen Mistelbüschen an den Zweigen. In Rottenburg die Frage, wo man in Ruhe und angenehmer Gesellschaft seinen Kaffee trinken könnte. Dabei kommt es zu Irritationen. Wo sind die Kneipen und Cafés, in denen wir uns früher immer so wohl gefühlt hatten, vor allem jetzt im Winter, wenn der Wind eisig um die Ecken pfeift? Der Italiener am Marktplatz ist proppenvoll, also geht es zum Bäckereicafé, wo sich nichts verändert hat. Auf dem Rückweg dann ein kleiner Buchladen, in dem wir vor Corona schon mal waren.

Ich krutschle draußen in den Büchern und entdecke Namen und Titel, die ein ganzes Leseimperium in mir wachrufen. Ja, es ist ein kleines Antiquariat, und ich erstehe ein Buch von Ehrenfried Kluckert über Tübingen und das Ammertal sowie eins über die Schwabenkinder von Elmar Bereuter. Dann winkt mein Freund mich in die Buchhandlung hinein. Dort sitzen drei ältere Herren und schauen mir freundlich-erwartungsvoll entgegen. Bestimmt hat mein Partner erzählt, dass ich Bücher veröffentlicht habe und eins schon in der Buchhandlung gestanden hätte. "Das hab ich mir schon gedacht", sage ich, worauf alle in Lachen ausbrechen. Die Print-Bücher sind natürlich alle vergriffen, sage ich zu den Ladeninhabern. Nach einem wechselseitigen Gespräch über die Schwierigkeiten, heute noch in den Buchhandlungen fündig zu werden- die anderen Gäste sind inzwischen gegangen - laden die beiden uns zu einem Kaffee ein. Es war ein halbe Stunde, die mich aus der Welt heraushoben wie im Auge eines Sturms, der gerade über die Welt hinwegfegt. Über das Streiten, das gleichzeitig größte Nähe und größte Distanz hervorruft und die Fronten klärt. Über Hermann Hesse, der ihr Lieblingsschriftsteller ist und auch unserer, und ich sage, dass ich immer, wenn ich nichts mehr zum Lesen finde, wieder zu ihm greife. Insgeheim denke ich auch an den Absatz, den Hesse-Bücher gerade bei Amazon erfahren. Wir reden über das Calwer Hesse-Museum, über Kloster Maulbronn und Montagnola, wo wir im Garten der Casa Camuzzi alles so vorfanden wie in "Klingsors letzter Sommer" beschrieben. Im "Knulp" fand ich gerade einen  Traum, der einem von mir total glich, nämlich eine ruinöse Welt, in der ich und andere Menschen nach Sinn, einem Haltepunkt und Heimat suchten.

Dann wieder hinaus in diese Welt, mit ihren Autokolonnen und ihrem ganzen Chaos. Im "Krokodil" in Rottenburg hatten wir früher schöne Stunden verbracht, mehr noch in dem Mössinger Krokodil oder im Gleis Süd in Horb, also ließen wir uns einen großen Cheeseburger mit Speck bringen. Enttäuschung. Der Tee war lauwarm, der Käse des Cheeseburger kalt. Und das für 35 Euronen! Aber es bleibt dabei: Es gibt noch Inseln im Auge des Sturms, in denen man sich von den Gegenwartsschrecken erholen kann. Den Protesten und der Gewalt in der Welt begegnet man ja eh tagtäglich in den Nachrichten, den Medien und auf der Straße- Traktoren, Menschenmassen gegen rechts und immer neuen Klima-und sonstigen Katastrophen.



Dienstag, 26. Dezember 2023

Frohe Weihnachten


 Am Heiligen Abend zeigt sich die Stadt Nagold als ein Weihnachtsmärchen. Auch wenn alle Geschäfte geschlossen sind und nur ein paar Dutzend Menschen durch  die beleuchteten Gassen schweifen, liegt ein Schimmer von Frieden über der Szenerie.


Das Rathaus erstrahlt in den Farben eines Lebkuchens, Musik ertönt, und Worte des Kleinen Prinzen werden über Lautsprecher vorgetragen.

""Man kennt nur die Dinge, die man zähmt", sagte der Fuchs. "Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgendetwas kennen zu lernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!"



Weiter an den Schaufenstern und am ständigen Weihnachtsmarkt mit der verlassenen Eisbahn vorbei. Angesichts der alten Mauern fällt mir das Weihnachtsgedicht ein, das ich als Kind unterm Baum aufgesagt habe.

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt‘s wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit! 

Joseph von Eichendorff (1788-1857)


Freitag, 17. November 2023

Der endgültige Niedergang der Gastronomie

Früher war alles besser -zumindest in der Gastronomie! Vor Corona konnte man an vielen Orten noch passabel speisen, die Highlights von früher fand man da schon kaum noch mehr. Wenn ich an Restaurants und Biergärten denke, kommen mir immer die bayerischen Lokale in Erinnerung, die Schweinsbraten mit Knödeln und Kutschergulasch-zum Reinlegen-servierten. In meiner Stadt gab es verschiedene sehr gute Restaurants, deutsche, chinesische, italienische, die hervorragend jahrelang ihre Süppchen, Braten, Schnitzel, Spieße, Salate ihren Reis, die Pasta, Pizza und so weiter mundgerecht auf den Gästetisch brachten. Damit ist es nun anscheinend endgültig aus. Nur ein paar Beispiele aus den letzten Wochen, in denen wir im Kreis Calw unterwegs waren. Bei einem Griechen mit schöner Außenterrasse gab es Gummigyros, im Kurcafé Bad Liebenzell Gulaschsuppe aus der Dose. Ein Restaurant in Calw bot schwedische Woche an: Die Entenbrust konnte man mit der Lupe suchen, zudem war sie zäh, und das panierte Schnitzel war hart mit herabfallender Panade, die Pommes halb kalt und geschmacklos. Nur einer der Beilagensalate hat geschmeckt. Dazu ohrenbetäubender Lärm von zwei Feiergruppen, die merkwürdiger weise immer neue Platten mit Salat bestellten. Nicht ohne Grund!

 Selbst die Chinarestaurants haben nachgelassen. Verbrannte Ente, Maultäschchen nicht mehr mit Hack, sondern mit Kunstzeugs gefüllt, rüde Behandlung und auch hier oft lärmende Gruppen. Nur die Italiener backen ihre Pizze noch nach altem Rezept, die Bolognese schmeckt mir jedoch zuhause besser. Selbst die berühmte Mühle im Kreis bekommt jetzt nur noch das Zertifikat: Der gute alte Ruf ist dahin! Ich weiß, dass durch Corona viele gute Köche und Angestellte abgewandert sind und kaum Nachwuchs da ist. Die nicht ausgebildeten Kräfte erkennt man leider an ihrer Unhöflichkeit. Ganz sicher sind auch die schlimmen Kriege dafür mitverantwortlich, die unser Leben allgemein sehr belasten und teurer machen.

 Wenn wir jetzt auswärts essen, bleiben und nur die großen, schön eingerichteten Backstuben allerdorten mit Fleischkäsweckle, Zwiebelkuchen, Schwarzwälder Kirschtorte, Brezel und Brötchen, wenn sie mal frisch aus dem Ofen kommen. Sonst sind sie immer hart. Auch den Kebab, vornehmlich Yufka, kann man überall noch essen, bei mir kommen aber nur Zwiebel, Salat, Tomate und das rote Gewürz darauf-die Soßen machen leicht eine tropfende Angelegenheit daraus. 

 Immer zahlt man für ein Essen im Restaurant zwischen 30 und 50 Euro. Die Regierung hat vor, zum Jahreswechsel wieder 19% Mehrwertsteuer draufzuschlagen. Ob sich dann noch etwas "lohnt" außer Kebab, der jetzt 7,50 Euro kostet? Vielleicht noch die chinesischen/Thai-Woks in Tübingen und Sigmaringen und -ein Geheimtipp für das "gute alte deutsche Restaurant"-nämlich die Gaststätte Luginsland in Stuttgart, die wir auf unseren Reisen und Ausflügen immer wieder besucht haben. Bis aufs Mobiliar ist alles wie früher, der große Salatteller und der Fleischkäse schmeckten wunderbar. Und die Umgebung, Weinberge, Wälder und großartige Aussichten auf Stuttgart umrahmen das auf Schönste.

Mittwoch, 18. Oktober 2023

Die neue Masche der Enkeltrick-Betrüger

Ich hatte neulich schon mal was über die Enkeltrickbetrüger geschrieben. Beispielsweise wurde mein Partner einmal angeblich von der Polizei Herrenberg angerufen, weil sein Sohn einen Unfall mit schwer verletzter Person verursacht habe. Er sagte geistesgegenwärtig, er würde selbst vorbeikommen, woraufhin Stille im Apparat herrschte. Heute Vormittag rief mich jemand an mit einem südländischen Dialekt. "Wir sind die Italiener", sagte er. Ja, meine Nachbarn sind Italiener, die ich gut kenne, dachte ich. "Die Nachbarn?", fragte ich. " ... ja. Christa, hier ist Angelo. Wir sind im Urlaub in Norditalien und wollen dir ein Paket mit Biowaren schicken." Da klingelte es bei mir. Wir duzen uns nicht, und die Stimme war mir auch nicht bekannt. "Nee, kein Interesse", sagte ich und legte auf. Und wenn es doch die Nachbarn gewesen waren? Ich schaute hinüber, das Auto stand da, und der Nachbar heißt Antonio und nicht Angelo. Wie haben die sich das bloß zusammengehäkelt? Aus dem Telefonbuch? Oder haben sie und sbei der Sparkasse gesehen und unsere Türschilder ausspioniert? Wahrscheinlich hätte ich einem Boten für das Paket Geld geben sollen, und es wäre nichts drin gewesen. Wozu dieser Aufwand? Als wenn es in dieser Zeit der gewaltsamen Umbrühe und Kriege nichts anderes zu tun gäbe als Leute reinzulegen!

Dienstag, 3. Oktober 2023

Herbstbeginn

Der Herbst streut weiße Nebel aus, Es kann nicht immer Sommer sein!
Der Abend lockt mit Lampenschein 
Mich aus der Kühle früh ins Haus. 
Bald stehen Baum und Garten leer, 
Dann glüht nur noch der wilde Wein Ums Haus,
und bald verglüht auch der, 
Es kann nicht immer Sommer sein. 
Was mich zur Jugendzeit erfreut, 
Es hat den alten frohen Schein Nicht mehr
und freut mich nimmer heut - 
Es kann nicht immer Sommer sein. 
O Liebe, wundersame Glut, 
Die durch der Jahre Lust und Mühn 
Mir immer hat gebrannt im Blut - 

O Liebe, kannst auch du verglühn?


 Hermann Hesse ((1877 - 1962)), Sämtliche Werke, herausgegeben von Volker Michels, Band 10 Die Gedichte, bearbeitet von Peter Huber, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2002, pages 163-164.

Sonntag, 1. Oktober 2023

Bücherflohmarkt und Hamburger Fischmarkt

Was unterscheidet einen Bücherflohmarkt vonm Hamburger Fischmarkt? Gestern haben wir es erfahren und mit allen Sinnen erlebt. Am Vortag hatte ich im Vorbeifahren einen gelben Zettel mit dem Hinweis: "30. September 2023 - Büchermarkt in Horb" gesehen. Da ist doch immer eine schöne Stimmung, sagte ich, gehen wir mal wieder hin! Der ganze Flößerwasen am Neckar war mit bunten Buden, Sonnensegeln und Bücherständen bestückt. Am meisten schien sich beim Klassik-Stand zu tun, mit Werken von Thomas Mann, Hermann Hesse und vielen anderen Werken aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Ich erstand einen Band mit Reisebeschreibungen aus dem 18./19. Jahrhundert und den Roman "Emma" von Jane Austen. Die anderen Stände boten alte Comic-Hefte, Gemälde mit alte Rahmen, CDs, Bibeln, Antiquarisches und viele, viele Krimis, Thriller und Liebesromane, die in den Jahren zuvor in den Buchhandlungen standen. Es ist ein stilles Bücherfest mit netten Leuten, die sich für diesen einen Tag engangieren und bald wieder abbauen müssen. Für diesen Einsatz gebührt ihnen ein großes Dankeschön.
Auf dem Rückweg, den wir wie meist durchs schöne Neckartal nahmen, wollten wir noch einen Kaffee bei unserem Rottenburger Italiener am gotischen Brunnen einnehmen. Das ist auch gelungen, jedoch war auf dem Platz zwischen Dom und Busbahnhof ein goßer Jahrmarkt zugange. Einem Plakat an einem Geschäft entnahm ich, dass es sich um den "Hamburger Fischmarkt" handle. Hamburger Fischmarkt, das war doch eine legendäre Einrichtung in Hamburg St. Pauli, wo in den frühen Morgenstunden der Sonntage Nachtschwärmer, Frühausteher und Touristen in Schwärmen durchziehen, um frischen Fisch zu kaufen, Aal-und Krabbenbrötchen zu essen und womöglich hinerher erst schlafen zu gehen. Einmal hatten wir einen Stand vom Hamburger Fischmarkt in Calw. Dort bekam icht zwei kleine Aale, zusammen mit anderen Räucherfischen in der Tüte. Ich bin eine absolute Liebhaberin von geräuchertem Aal, weil wir den früher immer zu Weihnachten als Teil der Fischplatte bekamen, heißt begehrt und heiß umkämpft. Später habe ich mir den im Brötchen am Frankfurter Hauptbahnhof gekauft oder von Verwandten über Amazon zum Geburtstag schicken lassen. Ob ich hier auch einen Aal finden würde? Das "Neckareck" von Rottenburg, der romantischste Platz am Ort
Es gab Volkmusikklänge, einen starken Fischgeruch, viele, viele Leute, die dichtgedrängt auf Bänken beieinandersaßen und panierte Fischstücke mit gebackenen Kartoffel aßen, lange Schlangen vor jedem Stand, auch vor dme Bratwurstgrill. Zwischen Hunderten von Leuten erhaschte ich einen Blick auf einen Räucheraal, von dem 100g 6,80 Euro kosteten. Und dafür eine halbe Stunde anstehen? Ach nee. Statt dessen erhielt ich an einem Stand, wo kaum jemand war, ein Brötchen mit Fischsalat, Zwiebeln und gegrilltem Roastbeef (für 12 Euro). Also, mit dem Hamburger Fischmarkt hatte das nicht das Gerinsgte zu tun. Aber vielleicht irre ich mich auch, und inzwischen geht es dort genauso zu. Ich verstehe die Leute ja, dass sie auf Weihnachts-und allen anderen Märkten und Events in Hundertschaften auftreten, sich die Beine in den Bauch stehen und alles mit sich machen lassen. Es ist die Nachfolgezeit und das Ergebnis von Corona, Krieg und Klimakrise, denke ich - so wie man in Zeiten der Pest auch feierte, dass die Schwarten krachten. Am Ende des Tages sahen wir noch einen Riesenhaufen Kürbisse zum Verkaufen am Straßenrand, daneben ein Ausflugslokal, wo die Leute schon wieder Schlange standen und sich aus großen aufgereihten Schüsseln reihenweise bedienten. Konsum ist möglichweise zum Lebensersatz geworden, Bücher kann man zwar auch konsumieren, aber man wird im Glücksfall davon nur geistig satt.

Sonntag, 17. September 2023

Besuch von Alt-Tübingen

Vor ein paar Tagen habe ich "mein Tübingen", wie ich es vom Studium her kannte, wiederentdeckt: Man muss nur abseits der modernen Pfade schreiten. Was vor Hunderten von Jahren erbaut wurde und seitdem Generationen von Menschen, Studenten, Professoren, Dichtern und Denkern als Kulisse und Lernort diente, ist unvergänglich. Beginnen wir mal auf dem Schloss Hohen-Tübingen.
Vom Schloss aus stieg ich am Schlosskeller eine schmale Steige hinunter zum Faulen Eck. Über das evangelische Stift, ehemaliges Augustinerkloster, gelangte ich zum Neckarbad. Dort haben die Leute aber früher nicht im Neckar gebadet, sondern konnten sich in Badehütten mit dem Wasser des Flusses waschen. Nahe dem Hölderlinturm liegen die Stocherkähne, es sind zehnmal mehr als zu meiner Zeit. Aber wie früher sitzen die Studenten und Studentinnen auf dem Neckarmäuerle und reden friedlich miteinander.
Alle diese Plätze sind zugleich auch Schauplätze meines neuen historischen Kriminalromans "Tod im Glaswald" oder "Die Tochter des Apothekers", der im Schwarzwald nd auch in Tübingen spielte. Die Tante der Protagonistin wohnt in der Burgsteige 10, wo auch ich mein erstes Studiensemester verbracht habe.

Sonntag, 10. September 2023

Reise in die Vergangenheit

 Bei einer Fahrt zu einem Rechercheort musste ich kürzlich bitteres Lehrgeld bezahlen. Das Kloster Alpirsbach, das mir schon einmal als Romanvorlage gedient hatte ("Die Pilgerin von Montserrat") hat mir keinerlei Gefühl von dem vermitteln können, wie ich es damals bei der Recherche empfunden habe. Überhaupt scheint das Gespür für die Orte und Personen verlorengegangen zu sein. Ich sah nur Baustellen vorm Kloster, Verkehr ohne Ende im Kinzigtal, und das einzig Schöne war der Besuch in Wolfach (auch ein Spielort meines neuen historischen Kriminalromans), aber viel zu heiß und vom Verkehr durchjagd wie eine Straße der Landeshauptstadt. Für das Foto musste ich lange warten, bis kein Auto mehr kam.



In Freudenstadt mit dem arkadengesäumten Marktplatz von Heinrich Schickart dann das nächste Übel. Ich weiß, dass seit Corona überall Personal in den Gastwirtschaften fehlt und viele auch schließen mussten. Leider hat das zu einem fast völligen Verlust von dem geführt, was man früher einmal "gutes Essen" nannte. Was für herrliche Braten und Schnitzel gab es früher in dem Gasthaus unter den Arkaden, dessen Namen ich vergessen habe, und aus dem uns nun Leere entgegengähnt. Im bayerischen Stüberl, in dem ich einst versehentlich eine Papierserviette an der Kerze entzündete und die Kellnerin das mit dem Bier meines Partners löschte (wir lachen heute noch darüber) war das Essen damals noch genießbar. Jetzt weist ein Schild den hungrigen Gast an, stehen zu bleiben und sich einweisen zu lassen. In Dornstetten ist der Grieche mit seinem Spitzengyros kein Grieche mehr, statt dessen riecht es schon so übel, dass wir gleich wieder aufstehen und gehen. Beim Chinesen das Gleiche. Kein Büffet mehr, und kaum Gäste.
Freudenstadt im Schwarzwald



Wo ist die alte Zeit geblieben, die Zeit des freien Wählens, der Kulinarik, der Lebensfreude? Heute Abend haben wir es gesehen und erlebt. Sie hat sich in stille Winkel zurückgezogen, in Nischen, wo etwas von dem überlebt hat, was mich einmal zu ganzen Romanen angeregt hat. Wandern auf der Alb? Fehlanzeige! Nicht nur wegen der Hitze, der schöne alte Traufweg war verdorrt, verbreitert und von abgeholztem Gebüsch umgeben. Nur in Ebingen gab es erstaunlich viele Cafés und Wirtschaften und ein fröhliches Leben. 
Heute, nach einem wieder sehr heißen Tag (es gab in diesem  Sommer wohl, laut eines Zeitungsberichtes, 72 Tage, die zu heiß waren und ca. 25 Tage, die zu kalt waren) sind wir abends noch auf die Gündringer Höhe gefahren. Da saßen ein paar Alteingesessene vor ihrem Bier und ihrem Korn. Wir setzten uns an einen Tisch daneben, und bald kamen die Erinnerungen. Das Dorf mit seinen ganz besonderen Leuten, mit seiner ganz besonderen Wirtschaft, die seit Corona ebenfalls geschlossen ist. Hier, im Biergarten weitab von allem, genießen alle noch eine Narrenfreiheit, die Luft ist lau, die Sterne sind nicht zu sehen, die Wirtin ist müde, sie schuftet Tag und Nacht, aber sie macht das, weil sie ihre Gäste glücklich sehen will. Alle Figuren dieses Dorfes steigen vor unseren Augen wieder empor, die Lebenden und die Toten, die Nächte in den beiden Wirtschaften, der Martinsritt, die Silvesterfeiern der Jugend, die alles zerdonnerte und vernebelte, die Streiche  in der Nacht zum 1. Mai, der Waldschrat, der täglich mit seinem Rucksack in die Stadt wanderte und zurück und sich versteckte, wenn man ihn am Waldrand antraf. Die alte Frau mit den Katzen in ihrem Hexenhäuschen, das jetzt verfallen ist. All das hat mal gelebt und geblüht und gefeiert und ist mir so eingebrannt, dass ich vor einigen Jahren einen Krimi darüber geschrieben habe. Einen Mord gab es nämlich auch in dem Dorf, nach einer Feier im Festzelt. Da wurde eine Mutter von fünf Kindern nachts am Wegesrand von einem Mitzecher ermordet. Und das hat mich dazu gebracht, meinem Krimi "Martinsmorde" zu schreiben.

Sonntag, 6. August 2023

Kleine Oasen im Schwarzwald

 




Wir leben in einer Gegend, die total zersiedelt, zubetoniert, von Autobahnen und Straßen zerschnitten ist, und täglich kommen neue Fertighäuserschachteln dazu, neue Baustellen, Umleitungen, Sperrungen und eine Vielzahl von Autos. Letzteres ist u.a. der Daimler-AG im nahen Sindelfingen geschuldet. In der Stadt gibt es an Hitzetagen wenig Schatten, nur der Fluss Nagold spendet etwas Kühle. Wo ist der klimagerechte Umbau geblieben? Wohin kann man sich retten, wenn sich doch seit Corona und dem Kriegsausbruch ziemlich alles noch verschlechtert hat? Fehlendes Personal in den Gaststätten, Bäckereien, im Freibad und sogar im Autohaus. Die Verteuerung, die ewigen Kriege und Katastrophen.

Auf der anderen Seite leben wir in einer der schönsten Ecken Deutschlands. Zwischen Schwarzwald, Neckar und schwäbischer Alb, dort, wo andre Leute jetzt gerade Urlaub machen. Der Bodensee ist auch nur eineinhalb Fahrstunden entfernt. Wenn man nicht mit dem Auto oder dem Flugzeug in die Ferien flüchtet, gibt es hier noch viel vom Ursprünglichen zu sehen. Und es gibt auch noch kleine, feine Kultur ohne Massenansturm. Neulich fand in Horb, einer Nachbarstadt, das so genannte Brückenfest statt, acht Bands spielten an verschiedenen Stellen des Ortes. Die Karibik-Klänge am Bahnhof haben uns nicht so gelockt, aber es gab auch sonst viel zu sehen und zu hören.  Am lustigsten waren die Älteren drauf, die in einer Gasse Richtung Neckar das Tanzbein schwangen. Rock in der Hirschgasse und E-Gitarren im Biergarten des Klosters. Dass es keinen großen Besucherandrang gab, liegt an der neuen Zeit. Vor allem die Jüngeren sind medial unterwegs oder hängen auf den Parkplätzen und Tiefgaragen mit Bierdosen herum.

Von ganz oben, vom Rathaus in Horb, kann man die Stäffele hinuntersteigen


Nächste Station war dann die Nachbarstadt im Westen: Altensteig, geprägt von der Flößerei. Stimmte mich hervorragend auf das Mittelalter/ die frühe Neuzeit ein, in der mein neuer Roman "Tod im Glaswald" spielt. Auch wenn Altensteig nicht der Spielort ist, sondern die Klosterstadt Alpirsbach, wo wir schon sehr oft gewesen sind.
Altensteiger Schloss mit schönem Museum




Die Königsbank von Wilhelm I. von Württemberg

Eine der schönsten Oasen habe ich in meinem Garten mit dem großen Nussbaum und beim Schreiben dort und anderswo. Schreiben ist eine Leidenschaft, die nicht nur Leiden schafft, sondern auch sehr motivierend und erfreulich sein kann! 




Das ist eine Seite aus meinem Schreibprogramm "Papyrus Autor". Rechts und links vom Text kann man sich Bilder und Links wechselnd speichern, (insgesamt achtmal), so dass man immer die Szenen und Personen vor Augen hat. Mit dem Programm habe ich schon viele Romane geschrieben und kann es nur empfehlen!


Donnerstag, 22. Juni 2023

Dass es sowas noch gibt!

Gerade war ich auf unserem kleinen Postamt und habe gestaunt. War länger nicht dort gewesen und erwartete -naja, nicht gerade einen Roboter hinter dem Tresen, aber auch nicht so eine nette ältere Dame mit Mundschutz, die einen wie früher bediente und mein Päckchen an die Telekom als Brief deklarierte. Dieses Päckchen beinhaltete einen SmartstickS, den mir ein Telekom-Mitarbeiter vor einer Woche am Telefon aufgeschwatzt hat. Obwohl ich beteuerte, so einen Stick zum Streamen und zum schnellen DSL gar nicht zu brauchen, wurde der Vertrag vorläufig abgeschlossen. Ich schlich dann tagelang um diesen Stick herum, weil ich einfach keine Lust hatte, mich mit noch mehr solchem Krempel zu beschäftigen. Ja, in Corona-Zeiten hätte ich das vielleicht gebraucht, ein Freund schwärmte mir auch damals am Telefon vor, wieviele weitere Serien und Filme man alternativ zum öden TV-Programm noch sehen könne. Also, nach dem Vertragswiderruf per Email musste ich diesen Stick, der mir eigentlich geschenkt wurde, wieder verpacken und zum Postamt tragen. Uff, Gott sei Dank ist das jetzt aus der Welt!

Ein Lächeln setzte sich unwillkürlich auf meinen Lippen fest, das die Hereinkommenden freudig erwiderten. Simplify your Life!, hieß einmal ein Buchtitel. Und eine weitere Freundin schrieb mir kürzlich, was ChatGPT betrifft, dass man doch sein Leben lieber vereinfachen als komplizieren solle.
  Ich habe, wie schon einmal erwähnt, ChatGPT für meinen momentanen Roman ausprobiert und kam immer wieder zu dem Schluss, dass das Programm letztendlich schreibhemmend wirkt. Es ist lediglich dazu geeignet, Ideen zu produzieren, die einem beim Plotten und manchmal auch beim Schreiben weiterhelfen. Auf jeden Fall habe ich-bei 120 Normseiten - höchstens zehn Sätze übernommen, und auch die sind noch überarbeitungsbedürftig, weil ChatGPT einfach hölzern und ohne jeden tieferen Sinn und Begreifen schreibt. Erst wenn ich die Sätze der KI gelöscht habe, kann ich im alten Flow weiterschreiben, mit Bildern und Szenen im Kopf und zum Weiterspinnen auf dem Sofa oder unterwegs.

Ich glaube also nicht, dass ChatGPT jemals Romane schreibt, die ich selber gern lesen würde.(Was für ein Genuss ist es zum Beispiel, einen biografischen Roman über Paracelsus zu lesen, den mein Freund mir von einem öffentlichen Bücherschrank mitgebracht hat!) Was die Vereinfachung des Lebens angeht, kann man auch noch weitere Bereiche in Betracht ziehen. Wer wie wir mit Mallorca-Gedöns, Menschenmengen, Lärm und schnöder Event-Kultur nichts anfangen kann, der fängt manchmal schon an zu verzweifeln. Kommt man von einer Wanderung auf der menschenleeren, immer gleich schönen schwäbischen Alb zurück, wird man im pittoresken historischen Pfullingen von einem vollen Marktplatz und einer dröhnenden Lautsprecherstimme empfangen und versteht sein eigenes Wort nicht mehr. In Reutlingen gab es noch nicht einmal einen Parkplatz, und Tübingen präsentierte sich als stadtweites Open-Air-Restaurant mit Hunderten, wenn nicht Tausenden von bier-und genussseligen Menschen. Dazwischen eingeklemmt, mit einer Gruppe kreischender Nachbarn, waren wir froh, diesen Ort schleunigst wieder verlassen zu können. Und der Grieche, bei dem wir saßen, scheint vegetarisch geworden zu sein, dazu schmeckte das Taramas nicht mal nach Taramas.(habe ich mir dann gestern bei Edeka geholt).

Wie herrlich ließ es sich in Tübingen in meiner Studentenzeit leben - davon findet man heute nur noch sehr wenig und auch nur, wenn man lange sucht. Wir haben jetzt unsere Nischen bei Italienern, in Ergenzingen und auch gestern in Altensteig, direkt am Ufer der Nagold. Erfrischend wie an einem Urlaubstag und geeignet, einen stress-und streitgeladenen Nachmittag geruhsam ausklingen zu lassen. Der dritte Punkt. Schreiben in Cafés. Das habe ich früher oft gemacht, selbst in einem Supermarkt-Café, wo ich abseits unter Palmen meine ersten Romane mit der Hand schrieb. Auch mal am See oder am Ufer eines klaren Baches. Im Winter sind durchaus auch diese neuen großen Cafés geeignet, wo man neben alten Stichen von der Flößerei abseits sitzen kann, sein Smartphone checken und dem ferneren Gemurmel lauschen.Jetzt im Sommer draußen, bei dieser Affenhitze, ist das völlig unmöglich geworden, dazu kommen Personalmangel und unfreundliche Bedienungen. Der beste Platz zurzeit ist wieder auf meiner Terrasse unter dem Nussbaum, mit seinem blühenden Umfeld ein Paradies!

Donnerstag, 8. Juni 2023

Der Ursprung im Kloster

Nach drei vier Jahren Pause waren wir jetzt mal wieder im Kloster Maulbronn. Über Pforzheim mit seinem sommerlichen großstädtischen Ambiente, dem Musikladen "City Music Voigt" und einem Früchtebecher kehrten wir an einen Ort zurück, an dem meine Autorenlaufbahn seinen Anfang nahm. Im Jahr 2004 wurde hier der 200ste Jahrestag der Einnahme des Klosters durch Herzog Ulrich gespielt, die Piken erschienen am Horizont der Straße, und vorm Torhaus standen die Truppen des Herzogs und forderten die Übergabe ds Klosters. Seltsam, diese Rückkehr, denn ich bin mit meinem Schreiben genau wieder in der Zeit gelandet. Ein anderes Kloster, ein anderes Jahr, aber dasselbe, das 16. Jahrhundert. Jetzt ist es das Kloster Alpirsbach, wo meine Geschichte spielt, und wir leben im Jahr 1522. "Tod im Glaswald" ist der Arbeitstitel des neuen historischen Krimis.
Am Aaalkistensee-von den Mönchen im Mittelalter angelegt mit einer reichhaltigen Flora und Fauna. Den Fischadler und zwei Graureiher konnten wir beobachten.
Der Torturm des Klosters Maulbronn
Die Klosterbuchhandlung - im Jahr 2002 gab mir der Buchhändler einen Verlagstipp, bei dem mein erster Roman 2004 erschien.

Sonntag, 14. Mai 2023

Reisen macht glücklich

Heute kam der Beitrag aus einem Newsletter in mein Postfach: Reise mache zufriedener. Ich kann das voll und ganz bestätigen. Es geht ja nicht darum, ständig in Flugzeuge zu steigen und um die halbe Welt zu fliegen. Obwohl ich das in der Vergangenheit natürlich-wie so viele-getan habe. Es gibt nun mal Ziele, die mit der Bahn, dem Auto oder dem Schiff schwer zu erreichen sind. Ich erinnere mich an eine Bahnreise mit dem TGV in den 70er Jahren. Es ging über Paris nach Nordspanien, nach Fuenterrabia, wo wir einen wunderbaren Urlaub verbracht haben. Weiter nach San Sebastian an der schalenförmigen Bucht mit seinen Häuserschluchten, den langen Nächten und den delikaten Tapas, Muschel-und Fischgerichten. Die sollten mir dann auch zum Verhängnis werden. Erstmal fuhr der TGV vorzeitig vom Bahnhof ab, woraufhin ältere Leute dem Zug nachzulaufen begannen, weil ihre Ehepartner schon drin und sie selbst abgehängt waren. Die Bahn rauschte fast geräuschlos durch die Nacht, und ich saß die meiste Zeit auf der Toilette, weil irgendein Muschelgericht wohl nicht verträglich gewesen war. Wie schön das Ankommen ist, merkte ich dann am nächsten Abend in unserem Lieblingsgasthaus im Schwarzwald. Noch nie hatte eine Flädlesuppe so hervorragend geschmeckt! 

Mit dem Flugzeug ging es nach Athen und nach Saloniki, von dort per schaukelndem Schiff auf die Inseln. Das waren Septemberabenteuer! Ins damalige Jugoslawien, nach Neapel und mit dem Auto quer durch Frankreich bis in die Bretagne, wo wir die Nacht im Regen auf einem Festival durchtanzten. Paris, Prag, Budapest, Venedig. Nicht zu vergessen die Tramp-Tour durch Irland und vieles mehr. Später, in den 90er Jahren, Flugreisen mit meiner Schwester nach Mexiko und Venezuela. Viel Urwald und viel Strand, ein roter Mond und eine Kokosnuss, die uns fast erschlagen hätte. Kurz vor dem Millenium mit dem Auto in die Provence, nahe des Mont Ventoux, was ewig unvergessen bleiben wird, in Spaniens Norden und ans Mittelmeer. Dort endeten die weiten Reisen mehr oder weniger. Weiter oben im Gebirge waren kurz zuvor viele Touristen umgekommen, nachdem ein verheerender Regensturm den Campingplatz geflutet hatte. Auch auf unserem Zeltplatz in Coma Ruga (ADAC) brach nachts so ein Unwetter aus, so dass wir panisch aus dem Zelt flüchteten. Es ging dann noch glimpflich aus, so dass wir noch einige herrliche Tage mit Erkundungen, Schwimmen und einer Fiesta in Sitges verbringen konnten. Dann das Aus: Ein nächtlicher Überfall, Aufschlitzen des Zelts wahrscheinlich durch Kinder und Verlust von einigem Geld, andere Gäste waren ebenso betroffen. 

Es war wie ein Blick in die Zukunft: Klima-und Armutskrise warfen ihre Schatten voraus. Aber es ist ja nicht die Entfernung, die glücklich oder zufriedener macht. Das klingt in dem oben verlinkten Artikel an: Auch die Kurztrips in die Nähe, die kleinen Aus-Zeiten können den Blick auf die Welt verändern, weil man eben draußen ist und nicht im Alltagstrott. Wir haben Baden-Württemberg, Bayern und Franken erfahren und erwandert, kennen die Schwäbische Alb, den Schwarzwald und den Bodensee wie unsere Westentaschen. Bis der Verkehr alles erstickte, die Bahn immer unpünktlicher wurde und Corona kam. Und das Wetter immer extremer wurde. Wegfliegen ist keine Alternative. Manchmal reicht schon ein Spaziergang an einem Lieblingsplatz auf der Schwäbischen Alb: An der Salmendinger Kapelle oberhalb von Mössingen, zum Beispiel (Fotos) Das Reisen und Wandern hat mich einst zum Schreiben gebracht. Und die Lust daran erhalten. Wie schon erwähnt schreibe ich gerade an einem historischen Schwarzwaldroman mit Krimi-Inhalt, und es macht mir mehr Spaß als jemals zuvor.