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Dienstag, 14. April 2026

Mal wieder bei Facebook und Instagram

 





Das oben ist der heutige Bodensee, unten eine Lädine, ein Passagier-und Frachtboot, das früher dort und anderswo eingesetzt wurde. Sie kommt auch in meinem Hexenkinder-Roman vor. Um diesem etwas mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen, habe ich mich vor einiger Zeit wieder bei Facebook und Instagram stärker gemacht. Ist auch ganz lustig! Viele alte Bekannte, Freunde und Verwandte sind aufgetaucht. Es läuft nach diesem Schema ab wie schon immer. Einmal will ich echtes Interesse und den  Wunsch nach Austausch gar nicht in Abrede stellen. Aber die meisten sind doch nur darauf aus, mehr Beachtung zu finden, möglichst viele Likes zu bekommen und ihren Roman, ihre Idee oder Person in den Vordergrund zu bringen. Wird man persönlich (wie früher geschehen), kann es passieren, dass jemand (ein Mann) einen unbedingt treffen will und öffentlich darüber klagt, dass man ihn nicht besucht habe. Autoren wollen meist, dass man ihr Buch kauft oder wenigstens liest (wie ich auch!) Nach wenigen Wochen wirkt es wieder ermüdend - dann kann man sich auf diejenigen Menschen beschränken, die einem sowieso lieb und vertraut sind.

Sichtbar werden ist immer mehr zum Sisyphusunterfangen geworden. Die Buchwelt wird beherrscht von TikTok - BookTok, der Chinagigant beherrscht den Umsatz, der jetzt noch gemacht werden kann. Aber ich bin ja nie angetreten, um an vorderster Front mitzuspielen und bin zufrieden mit meinem bisherigen langjährigen Output. 

 Zusammen mit meiner Freundin habe ich jetzt einen Beitrag zur Hochzeitszeitung meines Sohnes erstellt. Anekdoten aus Kindheit und Jugend sowie Fotos. Am 27. Juni steigt die Feier auf Schloss Diedersdorf bei Berlin. Wohnen tun wir zusammen mit anderen bekannten Gästen im Diedershof gleich daneben und neben der kleinen Dorfkirche. Der dürfte dann ausgebucht sein wie auch das Schloss. EinenTag nehmen wir uns für die Museumsinsel in Berlin.


Freitag, 22. März 2024

Digitales und reales Leben-und das Schreiben

 


Kürzlich sah ich einen Beitrag im Fernsehen - kann sein, es war bei "Nuhr im Ersten", der mir immer wieder gute Laune macht - , in dem davon die Rede war, dass fast jeder von uns so ziemlich neben dem realen auch im digitalen Leben zuhause sei. Das stimmt, und es trifft auch auf mich zu, seit etwas mehr als 20 Jahren. Mein Partner hat keinen Computer und kein Smartphone und verweigert sich auch weiterhin allem Digitalen. Das hat seine Vor-, aber natürlich auch seine großen Nachteile. Er steht mit beiden Beinen fest auf der Erde, redet gern fremde Menschen an, ordnet die regionalen Bücherschränke und ist frei von jeder digitalen Belästigung. Auf der anderen Seite weiß er nicht mehr, wieviel auf seinem Konto ist, weil keine Papierauszüge mehr verschickt werden. Und es kommt zu partnerschaftlichen Spannungen, wenn ich mich zu lange in den digitalen Räumen aufhalte. Dabei habe ich die sozialen Medien schon stark in den Hintergrund geschoben, bin vor allem in einem der größten deutschen Autorenforen unterwegs. Und bin auch dem damit verbundenen Stress ausgesetzt. Eigentlich finde ich es blöd, nicht mal schnell auf einen Kontoauszug blicken zu können. Ich finde es stressig, ständig neue Updates machen zu müssen, den Spam zu verschieben und zu löschen und meine richtigen Mails daraus hervor zu picken. Aber ich kann überall, im Café und sonst wo, auf meinem Smartphone die neuesten Nachrichten und so weiter abrufen. Selbst das Schreiben von Romanen habe ich vor mehr als 20 Jahren durch den Computer gelernt-in einer Schreibwerkstatt.

Mit dem Veröffentlichen der Romane war dann das große Fieber erwacht, dass mich immer wieder dazu angetrieben hat, weiterzuschreiben, aus einem unendlichen Pool von Ideen zu schöpfen. Doch je mehr im Lauf der Jahre der Buchhandel in die Krise geriet, desto mehr gerieten auch wir Autoren und Autorinnen in die Bredouille. Es ging und geht immer mehr um Sichtbarkeit, um die großen und kleineren Verlage und darum, die Verlage von weiteren Romanen zu überzeugen. Die sich schließlich finanziell auch für sie lohnen mussten. Viele sind ins Self Publishing gegangen, auch ich habe zwei Verlagsbücher und einen weiteren neuen Roman im SP herausgebracht. Das ist aber mit noch viel mehr Stress verbunden, wenn man nicht sofort mit einem Thriller auf Platz eins der Charts landet. Immer aber ist es nicht etwa damit getan, mit Lust und Freude zu recherchieren und den Roman bestmöglich zum Abschluss zu bringen, sondern man muss ihn auch auf den sozialen Kanälen bewerben. Habe ich gemacht, aber die Verkäufe liefen doch vor allem über den Buchhandel und das Internet. Alles, was man seinem Roman noch Gutes antun will, indem man Leserunden bei Lovelybooks organisiert-die neuerdings um die 99 Euro pro Session kosten, falls man eine Verlosung startet. Manche bewerben die Bücher auch bei Tiktok, Instagram usw., schreiben Buchblogger an und sind dermaßen involviert, dass ich mich manchmal frage, wie sie überhaupt noch zum Leben kommen. 

Heute hat mich eine Unterhaltung in einem Forum dazu gebracht darüber nachzudenken, was eigentlich wesentlich ist im Leben. Beim Schreiben ist es wesentlich, Spaß an der Gestaltung eines Werkes zu haben. Wenn man es veröffentlichen kann, stellt man es sich ins Regal und geht ins Leben zurück und schreibt weiter. Im Leben sind es die Familie und die sozialen Beziehungen und vor allem das Vertrauen in die Menschen und in den Staat, wie es die Finnen gerade mal wieder als "Glücksnation Nr. 1" bewiesen haben.



Freitag, 27. Dezember 2019

Digitale Depression

Vor langer Zeit hatte ich hier mal einen Artikel geschrieben, in dem vom sogenannten digitalen Suizid die Rede war. Bei den Mitgliedern der sozialen Medien herrschte damals die Meinung vor, man begehe einen sozialen Suizid, wenn man sich den Medien entzieht oder sie wieder verlässt. Das Phänomen hat sich nicht verändert. Vor ein paar Jahren ist das Buch von Frau Prof. Sarah Diefenbach mit dem Titel "Digitale Depression" erschienen.
Digitale Depression
Es handelt davon, wie die sozialen Medien unsere Beziehungen und unser Glücksempfinden beeinflusst haben. Früher hat man nach einem Urlaub Freunden und Verwandten Fotos gezeigt oder etwas Landestypisches mitgebracht. Nicht zu vergessen diese manchmal recht langweiligen Diaabende (ein Bekannter hatte mal zirka 10 Diakästen über Bali zeigen wollen, bis alle protestierten!). Heute werden Fotos vor allem deshalb gemacht, damit sie in den sozialen Medien geliked werden. Ich werde nie vergessen, wie ich auf der Burg Hohenemmendingen mal aus der Ferne ein hübsches Foto von einer Hochzeitsgesellschaft zwischen Ruinen gemacht hatte und einer von ihnen mir nicht etwa zurief "Fotografieren von Personen verboten", sondern "Aber nicht vor uns bei Facebook einstellen!" Da war mir die Macht dieser Medien noch nicht so bewusst. Aber ich habe es am eigenen Leib erfahren. Nach sieben Jahren Facebook, einem halben Jahr 2011 bei Twitter und mit einem wenig benutzten Account bei Instagram  kann ich sagen, dass die Kommunikation und die Likes einen kurzfristigen Kick hervorrufen, der sofort wieder verrauscht und süchtig danach macht. Aus den Gründen habe ich Twitter schon lange auf Eis gelegt und melde mich bei Facebook nur noch alle zwei, drei Wochen. Denn die sozialen Medien verdrängen das reale Leben. Und meine Bücher sind dadurch vielleicht bekannt gemacht, aber kaum verkauft worden.

Nun habe ich seit ein paar Wochen (neben einem kleineren, nicht internetfähigen Handy) auch ein Smartphone. Auf der Harzreise im November tat es mir gute Dienste: Ich konnte Anschlusszüge bei Verspätungen heraussuchen, mein Autorenforum checken, Fotos machen und mit meinem Sohn austauschen. Da sind wir auch schon bei einer der wenigen positiven Funktionen: Man kann mit Menschen, die man gut kennt, in intensivem Austausch bleiben. Nachteil beim Fotografieren ist: Die Fotos meiner Digitalkamera kann ich dort nicht verwenden, muss also dafür mit dem Smartphone Bilder machen.

Die Smartphonebenutzer hatte ich oft als ziemlich unangenehm erlebt. Das laute Gequake plötzlich, dauernd dachte ich, jemand rufe nach mir oder meine mich. Dann die Geschichten mit den Unfällen und dass viele das Smartphone sogar neben dem Bett liegen haben, um erreichbar zu sein. Ich sah Fernsehberichte über Entzugsbehandlungen in der Klinik. Daneben fand und finde ich es immer als unhöflich, wenn jemand mitten im Gespräch oder während des Essens ans Handy geht. Das tue ich jetzt allerdings auch nicht, ganz bewusst nicht, meistens ist das Smartphone aus. Es ist zwar schwierig, sich heutzutage ohne Smartphone durch die Welt zu bewegen, aber es ist machbar sogar auf Reisen. Man kann immer noch normal in Hotels einchecken, wenn man rechtzeitig da ist und nicht alle schon von unterwegs gebucht haben. Und eines ist mir jetzt ganz klar geworden: Die anderen in den Medien sind auch nicht permanent glücklich und haben ein ach so tolles Leben und ständig Urlaub unter Palmen. Gespräche mit Menschen direkt und gemeinsame Erlebnisse sind wesentlich nachhaltiger und klingen dauerhafter nach.

Hier noch ein Link zum Blogbericht eines Musikers, der sich aus der digitalen Depressionsfalle befreit hat:
Digitale Depression
Reale Erlebnisse, hier: merkwürdige Figuren am Eulenturm im Kloster Hirsau/ Schwarzwald
Jagdschloss im Kloster Hirsau