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Freitag, 22. März 2024

Digitales und reales Leben-und das Schreiben

 


Kürzlich sah ich einen Beitrag im Fernsehen - kann sein, es war bei "Nuhr im Ersten", der mir immer wieder gute Laune macht - , in dem davon die Rede war, dass fast jeder von uns so ziemlich neben dem realen auch im digitalen Leben zuhause sei. Das stimmt, und es trifft auch auf mich zu, seit etwas mehr als 20 Jahren. Mein Partner hat keinen Computer und kein Smartphone und verweigert sich auch weiterhin allem Digitalen. Das hat seine Vor-, aber natürlich auch seine großen Nachteile. Er steht mit beiden Beinen fest auf der Erde, redet gern fremde Menschen an, ordnet die regionalen Bücherschränke und ist frei von jeder digitalen Belästigung. Auf der anderen Seite weiß er nicht mehr, wieviel auf seinem Konto ist, weil keine Papierauszüge mehr verschickt werden. Und es kommt zu partnerschaftlichen Spannungen, wenn ich mich zu lange in den digitalen Räumen aufhalte. Dabei habe ich die sozialen Medien schon stark in den Hintergrund geschoben, bin vor allem in einem der größten deutschen Autorenforen unterwegs. Und bin auch dem damit verbundenen Stress ausgesetzt. Eigentlich finde ich es blöd, nicht mal schnell auf einen Kontoauszug blicken zu können. Ich finde es stressig, ständig neue Updates machen zu müssen, den Spam zu verschieben und zu löschen und meine richtigen Mails daraus hervor zu picken. Aber ich kann überall, im Café und sonst wo, auf meinem Smartphone die neuesten Nachrichten und so weiter abrufen. Selbst das Schreiben von Romanen habe ich vor mehr als 20 Jahren durch den Computer gelernt-in einer Schreibwerkstatt.

Mit dem Veröffentlichen der Romane war dann das große Fieber erwacht, dass mich immer wieder dazu angetrieben hat, weiterzuschreiben, aus einem unendlichen Pool von Ideen zu schöpfen. Doch je mehr im Lauf der Jahre der Buchhandel in die Krise geriet, desto mehr gerieten auch wir Autoren und Autorinnen in die Bredouille. Es ging und geht immer mehr um Sichtbarkeit, um die großen und kleineren Verlage und darum, die Verlage von weiteren Romanen zu überzeugen. Die sich schließlich finanziell auch für sie lohnen mussten. Viele sind ins Self Publishing gegangen, auch ich habe zwei Verlagsbücher und einen weiteren neuen Roman im SP herausgebracht. Das ist aber mit noch viel mehr Stress verbunden, wenn man nicht sofort mit einem Thriller auf Platz eins der Charts landet. Immer aber ist es nicht etwa damit getan, mit Lust und Freude zu recherchieren und den Roman bestmöglich zum Abschluss zu bringen, sondern man muss ihn auch auf den sozialen Kanälen bewerben. Habe ich gemacht, aber die Verkäufe liefen doch vor allem über den Buchhandel und das Internet. Alles, was man seinem Roman noch Gutes antun will, indem man Leserunden bei Lovelybooks organisiert-die neuerdings um die 99 Euro pro Session kosten, falls man eine Verlosung startet. Manche bewerben die Bücher auch bei Tiktok, Instagram usw., schreiben Buchblogger an und sind dermaßen involviert, dass ich mich manchmal frage, wie sie überhaupt noch zum Leben kommen. 

Heute hat mich eine Unterhaltung in einem Forum dazu gebracht darüber nachzudenken, was eigentlich wesentlich ist im Leben. Beim Schreiben ist es wesentlich, Spaß an der Gestaltung eines Werkes zu haben. Wenn man es veröffentlichen kann, stellt man es sich ins Regal und geht ins Leben zurück und schreibt weiter. Im Leben sind es die Familie und die sozialen Beziehungen und vor allem das Vertrauen in die Menschen und in den Staat, wie es die Finnen gerade mal wieder als "Glücksnation Nr. 1" bewiesen haben.



Samstag, 12. November 2016

An Weihnachten wirst du wieder zum Kind

Ein jeder von uns wird sich an die Weihnachten seiner Kinder - und Jugendzeit erinnern. Damals, als die Zeit noch viel langsamer voranging als heute. Als es geheimnisvoll raschelte in der Wohnung, wochenlang Adventskalendertürchen geöffnet wurden, der Duft nach Vanillekipferln aus allen Häusern drang und ein als Nikolaus verkleideter Vater an den Schuhen erkannt wurde. Die Glocke, die zur Bescherung ertönte, der Weihnachsbaum mit seinen knisternden Kerzen, die Weihnachtsgedichte, die Pute und der Karpfen, der immer so schleimig schmeckte, dass man nach Protest statt dessen ein Beefsteak erhielt. Diese Kinderweihnachten scheinen sich ganz tief ins Bewusstsein vieler Menschen eingegraben zu haben. Und ich glaube nicht, dass es heute so viel anders sein wird - würden sonst schon Mitte November Advenskränze und Weihnachtsbäume auftauchen mitsamt allem Flitter, Tand und Süßigkeiten? Nur die Auswahl der Geschenke wird eine andere sein, sie wird sich eher auf elektronische Geräte, Parfüm und Bücher beschränken.

Ich selbst hatte dieses Weihnachtsmodell auf die eigene Familie übertragen. Nur musste alles noch einen Tick interessanter, intensiver, schöner und duftender sein. Da waren es Bienenwachskerzen und selbstgebastelte Sterne an der Edeltanne, ein Rehbraten statt des Karpfens und mindestens sieben verschiedene Plätzchen, die gebacken werden mussten. Irgendwie merkte ich irgendwann, unter welchem Stress meine Eltern gestanden haben mussten, auch wenn sie nur halb so viel Weihnachtsaufwand betrieben. Und auch dann, als statt der Familie eine Patchwork-Familie entstand, ging es so weiter und so fort. Weihnachten wurde man wieder zum Kind, die Rollen wurden unweigerlich wieder die alten. Was so weit führte, dass mein Vater die Pute, die ich selber stundenlang in der eigenen Küche gebraten hatte, ohne Widerrede am Tisch zerteilte und jeder nur ein kleines Stück bekam. Das war die Initialzündung.

Etwa zwanzig Jahre später schrieb ich meine erste Kurzgeschichte - ein Weihnachtsmelodram und eine Humoreske, die sich über viele Jahre erstreckte. Das brachte ein wenig Distanz hinein, und doch war die Angelegenheit noch lange nicht zuende. Alljährlich zur Weihnachtszeit wälzen sich die Gedanken im Kopf herum: Wer, wo, mit wem und wie? Der eine will eine Fichte, der andere die Edeltanne. Rituale ja oder nein, Vatermutterkind und andere Vätermütterkinder, und was wird gegessen, und warum fährt man nicht endlich mal auf eine Berghütte oder in ein warmes Land, um all dem Trubel, dem Stress und Lärm, den kilometerlangen Staus zu entgehen? Alles nur dazu gedacht, die Menschen bis zur Entschöpfung anzutreiben, bis sie sich schließlich unter dem Tannenbaum anschreien oder versehentlich ein Feuer entfachen. Was ist der Grund dafür, dass sie sich derartig unter einen Zwang begeben, ohne dass sie jemand dazu gezwungen hätte?

In diesem Zusammenhang stieß ich auf einen Blog, der persönliche Dinge ausführlich, nicht nur in 140 Zeichen erklärt und nicht verspricht, dass es schnelle Lösungen gibt. Auf diesen Artikel: Weihnachten können Sie feststellen, wie erwachsen Sie sind. Da geht es um Erwartungen, Wünsche und Forderungen anderer, mit denen man sich entweder kindlich oder erwachsen auseinandersetzen kann. Kindlich sind Strategien wie Anpassung oder Rebellion, weil der Betreffende darin stecken bleibt wie in einem zu klein gewordenen Anzug. Man sollte sich einmal fragen, wie man selbst eigentlich am liebsten Weihnachten feiern (oder auch nicht feiern) würde. Und wie man das mit den (kindlichen?) Wünschen der anderen unter einen Hut bringen kann. Ich selbst bin noch am Überlegen. Wie immer mit reduzierten Edeltannenzweigen, Kerzen, Fondue Bourgignonne und Schneewanderung? Kinderbesuch, Weihnachtstrompetenblasen auf dem Kirchplatz oder Fackelfeuer? Und wenn es gar keinen Schnee gibt, wie meist? Wenn man im Regen und im Matsch stehen muss, um Rituale durchzuziehen? Oder Essen gehen? Sollte man einfach mal gar nichts tun, ohne Rituale? (Gerade wird im Radio von Weihnachten geredet, Weihnachtslieder werden gespielt! Das ist die Suggestion, mitmachen zu müssen.) Eines ist für mich auf jeden Fall sicher: Auf Tannenzweige und Kerzen werde ich nie verzichten, denn das Licht symbolisiert die Wintersonnenwende und damit das Näherrücken des Frühlings.

Freitag, 1. Mai 2015

Resilienz - was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burnout

Das Wort Resilienz ist noch nicht so weit verbreitet wie die inzwischen gesellschaftlich anerkannten Gegenbegriffe Burnout oder Depressionen. Die sind in den letzten Jahren durch bekannte Persönlichkeiten salonfähig geworden. "Resilienz" kommt vom lateinischen Verb "resilire", was so viel bedeutet wie "zurücksetzen", "abprallen". Der Begriff ist mir in unserer letzten Supervision wieder begegnet. Schon vor Jahr und Tag hatte ich im wunderschönen Kloster Heiligkreuztal ein Wochenendseminar darüber absolviert. Das hatte mich mit dieser notwendigen psychischen Widerstandskraft so weit aufgetankt, dass ich eine ganze Weile davon zehren konnte. Später habe ich mir zwei Bücher zugelegt; über eins von ihnen wird im folgenden Artikel gesprochen.
 http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/resilienz-die-unsichtbare-kraft-13339688.html
Demnach ist Resilienz keine Gabe, die uns in die Wiege gelegt wurde. Besondere genetische und soziale Faktoren in der Kindheit begünstigen zwar die Stehaufmännchen-Mentalität, aber es könne ein jeder lernen, seine Ressourcen zur Resilienz zu stärken. Bei dem Artikel in der FAZ vom Januar würde ich aber bemängeln, dass sich Unternehmen nicht überlegen, wie sie die Arbeitsbedingungen stressärmer gestalten könnten, sondern die Angestellten vermehrt durch Resilienztrainings daran anpassen. Wie dem auch sei, es tut jedem gut, sich gegen Schicksalsschläge und negativen Stress jeder Art zu wappnen.

Wie geht man nun aber dabei vor? Es gibt ernstzunehmende Tests, mit denen jeder seine psychische Widerstandskraft und seine Schwachpunkte erkennen kann. Die kann er dann gezielt bearbeiten und stärken. Oder er ruft sich ins Gedächtnis, welche Schwierigkeiten er schon mit Resilienz gemeistert hat. Beim "Abprallen" von Stress, der durch starke Belastungen entsteht, scheinen mir unter anderem Humor, sowie die Fähigkeit zur Verdrängung und Ablenkung eine große Rolle zu spielen. Das mag manchen verwundern, hat man doch früher in der Psychotherapie so sehr darauf gesetzt, das Verdrängte an die Oberfläche zu holen, um es bearbeiten zu können. Aber wir gestalten unseren Alltag ja nicht als Psychoanalyse. Mir sagte mal einer von den Therapeuten, man müsse immer wieder den Deckel draufsetzen, wenn es zum Überdruck im Topf kommt. Sonst zischt der Dampf heraus und richtet womöglich Schaden an. Auch die Fähigkeit zur Kommunikation, sich Hilfe zu holen, sind dabei wichtige Faktoren. Und für sich selbst zu sorgen. In letzter Zeit habe ich selbst bemerkt, was mit den inneren Bildern passiert, wenn man sehr starken Belastungen ausgesetzt ist (zum Beispiel dem Besuch auf einer Station, auf der Patienten künstlich am Leben gehalten werden). Die Bilder brennen sich ein, aber je mehr man sich ablenkt, desto schneller verblassen sie wieder. Nebenbei gesagt: Ich habe mich heute mit einem Ausflug ins Museum der Alltagskultur in Waldenbuch, durch die sozialen Medien und mit dem Korrektorat meines Romans abgelenkt. Und mit den Themen "Resilienz" und "Achtsamkeit" (letzteres beinhaltet auch Entschleunigung) möchte ich mich weiter beschäftigen-habe schon ein paar junge und ältere Menschen getroffen, die ebenfalls großes Interesse an dem Thema haben.

Christina Berndt: Resilienz. Was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burnout

Freitag, 12. Dezember 2014

Weihnachten, das verlorene Paradies

Nun, da das Fest der Feste wieder naht, ist es an der Zeit, mal wieder ein paar weihnachtliche Gedanken aus der Kiste zu zaubern. Es gab eine Epoche, da stand ich klein und blond und wundergläubig vor dem Weihnachtsbaum. Es war immer eine Edeltanne, oben war immer ein Stern angebracht, der Baum war immer mit Kugeln, Lametta, Geleekringeln und diesen Kringeln aus Bitterschokolade mit bunten Streuseln behangen. Einmal hing sogar ein Würstchen unten dran, für unseren schwarzbraunen Dackel, der natürlich danach schnappte, daran zerrte und schließlich den ganzen Baum umriss. Es brannten immer echte Kerzen, draußen rieselte der Schnee, mein Vater spielte Geige, meine Mutter Klavier, wir spielten rundbackig auf den Blockflöten, und mein Bruder sang. Und nachher gab es Karpfen, der aber nicht so gut ankam bei uns Kindern, später waren es Räucheraal, kleine graurosa Krabben, frisch gepult und mit dem unnachahmlichen Geschmack der Nordsee, roter Kryddersild, Glyngöresild und Makrelsalat mit viel Mayonnaise oben drauf. Ja, man wohnte eben ganz dicht an der dänischen Grenze. Dabei musste man aufpassen, überhaupt etwas vom Aal zu erwischen, die Portionen waren minimal bemessen. Am ersten Feiertag wurde eine Pute gebraten, von der jeder aber nur ein kleines Stück erhielt, da sie ja lange, man denke an die Kriegsjahre, vorhalten musste. Da stand ich nun vor dem Weihnachtsbaum und sagte mein Gedicht auf.
                           Markt und Straßen stehn verlassen,
                           still erleuchtet jedes Haus,
                           sinnend geh ich durch die Gassen,
                           alles sieht so festlich aus!
Erst viel später, als ich meinen ersten Roman schrieb, kam ich darauf, dass dieses Weihnachtsgedicht von Josef von Eichendorf stammt, dem Dichter der Romantik.
In der Zeit, als ich eine eigene Familie hatte, versuchte ich das Kinderfest perfekt zu kopieren und noch zu veredeln. Es stand wieder eine Edeltanne im Raum, wochenlang wurde vorbereitet, eingekauft, gelagert, gebacken, gekocht und eingelegt. Geleekringel inklusiv, selbstgebastelte Strohsterne und der Clou: selbst gezogene Bienenwachskerzen. Um den Kindheitstraum zu toppen, wurden dann abwechselnd zarte, kurz gebratene Stücke von der Rehkeule, nach Art des Zeit-Schmeckers Wolfram Siebeck und am ersten Feiertag die Pute serviert, die mein Vater sich jedoch unter den Nagel riss und jedem eine kleine Portion zuteilte. Wieso habe ich ihm eigentlich nicht das Tranchiermesser aus der Hand gerissen, ihm die Flügel auf den Teller gelegt und uns die Brust und die Keulen? Ich lasse mir heute noch jährlich einen Räucheraal schicken, um dieses kleine Trauma zu kompensieren.

Mein Sohn musste kein Weihnachtsgedicht aufsagen, es gab auch kein Klavier, keine Geige und schon gar keine Blockflöten.
                             An den Fenstern haben Frauen
                             Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
                             Tausend Kindlein stehn und schauen,
                             Sind so wunderstill beglückt.

Das muss man sich mal vorstellen, wenn heute die Smartphones, Tablets und Handys ins Fenster gehängt würden! Gerade lese ich ein wunderbares Buch des Reisejournalisten und Autors Rolf Neuhaus, erschienen bei Dumont: "Die letzten Tage der Wildnis. Eine Reise um die iberische Halbinsel." Darin sagt er, dass die Paradiese dieser Welt immer nur so lange Paradiese sind, bis man sie erreicht hat. Oder bis die Massen sie erreicht haben. Ein solches Sehnsuchts-Paradies scheint auch Weihnachten zu sein. Jeder trägt die Kinderbilder mit sich herum, jeder versucht, sich einen Zipfel vom Rock des Weihnachtsmanns zu erhaschen, der inzwischen mehr als alles andere zur kollektiven Konsum- und Comicfigur verkommen ist. Der Weihnachtstourismus steht mir vor Augen, in Rothenburg ob der Tauber gibt es einen berühmten Laden, in dem Japaner und Menschen aus aller Welt ganzjährig weihnachtliches Zubehör kaufen können. Sprach ich schon von den "German Weihnachtsmarkets", die sich in England zunehmender Beliebtheit erfreuen, so richtig mit Bratwurst, Glühwein und Lebkuchenherzen? Das Ende des Weihnachtsstresses kennen wir alle: Sie sitzen vereint unter dem Weihnachtsbaum, alles ist perfekt organisiert, der Braten kommt auf den Tisch oder die Würstchen mit Kartoffelsalat, wie hier in Schwaben üblich -und streiten, dass die Wände wackeln! Wahrscheinlich war das, was Eichendorf noch so romantisch beschrieb, einfacher und bekömmlicher:
                                      Und ich wandre aus den Mauern
                                      Bis hinaus ins freie Feld,
                                      Hehres Glänzen, heilges Schauern!

                                      Wie so weit und still die Welt!
Hat er vielleicht das Phänomen, das Rolf Neuhaus in seiner "Wildnis" beschreibt, vorausgeahnt? Sollte man nicht raus aus dem Haus, sich auf Reisen begeben, wandern in den Kreis der Edeltannen, anstatt sie aufzustellen, zu verkrüppeln und dann vernadeln zu lassen? Ich gebe zu, dass ich auf solch weihnachtsketzerische Gedanken komme, wenn ich die Massentannenhaltung sehe, wie sie zusammengequetscht in ihren Pferchen stehen, wenn ich die abgehetzten Gesichter sehe und die agressiven Huptöne höre. Dazwischen Glühweinduft, Bratwurstqualm und süßer klingende Glocken und Kassen. Und wenn jeder Einkauf, den man tätigen möchte, in einem Massenstau landet, selbst auf Nebenstraßen, selbst in den hintersten Winkeln, in die man sich vor der Massenhysterie flüchtet, ohne ihr entkommen zu können. Es ist Mode geworden, den Weihnachtsstress hinter sich zu lassen, indem man in die Berge, auf die Nordseeinseln, nach Rothenburg fährt oder in den Flieger nach Kreta steigt. Schon lang verlorene ehemalige Paradiese. Warum nicht essen, trinken, ein paar Kerzen anzünden, ein paar Edeltannenzweige oder einen Kirschbaumzweig aufstellen wie im 18./ 19. Jahrhundert, der mit Kringeln und roten Äpfeln behangen wird und bis zum Fest Blüten treiben soll - und dann raus in die Natur, bei jedem Wetter, ideal mit Pulverschnee natürlich, dem Paradies am nächsten! Aber Vorsicht, nicht weitersagen, das schadet der Weihnachtsindustrie und lockt vielleicht die Massen in neue, unbekannte paradiesische Winkel.

Dienstag, 27. Mai 2014

Abenteuer im Kloster

Vor etwa eineinhalb Jahren verbrachte ich ein Wochenende im Kloster Heiligkreuztal und kam fast wie ein neuer Mensch zurück. Das Kloster wurde 1227 gestiftet, zunächst von Beginen, den "grauenSchwestern",  aus dem benachbarten Altheim, dann von Zisterzienserinnen über 600 Jahre lang bewohnt und bewirtschaftet. 1972 wurde es von der Stefanus-Gemeinschaft käuflich erworben und seitdem zusammen mit der Diozöse Rottenburg als Tagungsstätte betrieben. Es liegt am Rande Oberschwabens, nahe Riedlingen an der Donau, in einer hügeligen, wenig zersiedelten Landschaft. Viele der Angebote zielen darauf hin, unser körperlich-seelisch-geistiges Gleichgewicht wiederherzustellen -einschließlich Anregungen zur Burnout-Prophylaxe. Für mich persönlich ist es die Mischung aus Umsorgtwerden, keine Pflichten und keine Probleme haben und dem Gruppenprozess, der aus den Themen heraus entsteht. Das ergibt einen einmaligen Nährboden für Erholung und neue Kreativität. Ich war auch die ideale Kandidatin für solch ein Abenteuer: supergestresst vom Beruf und orientierunglos zwischen zwei Büchern, einem Verlag und dem Self Publishing hin und her lavierend, dazu noch mit einer angestauchten Rippe. Wie es dazu kam, erzähle ich vielleicht ein andern Mal. Schon die Anfahrt war Erholung pur: vorbei an den blühenden Wiesen der schwäbischen Alb, voll mit Margeriten, Lichtnelken und Salbei. Bei Ankunft alles wie gehabt, ein altes Gebäude, das Amtshaus, vollgestopft mit Büchern aller Art, oben noch eine Bibliothek und eine große Zelle für mich allein, mit Blick in den Mariengarten innerhalb des Kreuzgangs.
Beim Abendessen lernte sich die Gruppe kennen, zwölf Frauen aus der näheren und weiteren Umgebung. Thema war "Stress bewältigen durch Achtsamkeit." Es wurden dann noch einige meditative Übungen und ein Bodyscan gemacht. Ja, darauf konnte ich mich einlassen, auch wenn ich bisher, vor langer, langer Zeit lediglich mal ein Volkshochschulseminar über autogenes Training gemacht hatte. Wir beschlossen den Abend zu dritt in einem Seerestaurant. Man erzählte sich so dies und das aus seinem Leben, und es stellte sich heraus, dass sogar mein letztes Buch irgendwie bekannt war. Normalerweise bin ich eine Nachteule und gehe erst nach Mitternacht ins Bett. Hier fiel mir bald das Buch aus der Hand, und ich erwachte um halb acht mit einem behaglichen Gefühl. Auf dem Weg vom Kreuzgang zum Refektorium (unserem Essaal) vermisste ich die mönchischen Gesänge, die mich damals so begeistert hatten. Es dauerte einige Zeit, bis mir klar wurde, dass die nicht vom Band gekommen waren, sondern von einer echten Männergesangsgruppe. Eigentlich wollten wir essen, ohne zu sprechen (was manchmal sehr entlastend sein kann); das wurde jedoch durch den Lärm der hundert anderen Gäste zunichte gemacht. Der Tag verging mit vielen Übungen, auch meditativem Gehen in einem Park mit labyrinthähnlich angeordneten Ahornbäumen, was mir Schwierigkeiten bereitete, weil ich normalerweise beim Wandern mehr fliege als "krieche". Daneben wurde eine Hochzeit ausgerichtet, und so mancher blieb verwundert stehen, als er die Damen durch den Garten schweben sah wie in einem Traum oder einer Science Fiction-Szene.
Abends war ich hundemüde nach all der Konzentration, und doch folgte ich einer kleineren Gruppe in den Seegarten. Ein Gruppenmitglied führte uns über Treppen, durch dunkle Gänge und kellerartige Gewölbe. Hier entsteht der Klosterkrimi, sagte sie mit geheimnisvoller Stimme. Mord im Kloster? Wer könnte ein Interesse daran haben, zwölf unbescholtene Frauen umbringen zu wollen? Oder sind sie gar nicht so unbescholten und haben es faustdick hinter den Ohren? So asketisch wie die Nonnen, die hier früher lebten, sind sie natürlich nicht. Sie legen Wert auf gutes Essen, kritisieren dessen nachlassende Qualität und stehen zwar um sieben Uhr auf, um in aller Stille zu sitzen (was ich nicht getan habe), würden aber sicher nicht wie die Nonnen um zwei Uhr nachts auf dem kalten Kirchenboden liegen und beten. Die einzige Erinnerung daran waren das viertelstündliche Bimmeln der Dachreiterglocke und der Weihrauch, der aus dem Kapitelsaal herüberdrang. Schön auch das Spiel auf einer indianischen Flöte, das unsere Leiterin Gertrud Hermle-Magg im Teehaus mitten im Klosterweiher zelebrierte.

Die zweite Nacht, noch früher als sonst war mein Licht gelöscht. Die Rippe tat schon kaum noch weh. Am zweiten Morgen war ich auf dieses Leben eingestellt, alles ging leichter von der Hand. Und bald waren Äbtissinnenhaus, Beichtigerhaus, Mühle, Kirche, Pfarrgarten und die riesige Klosteranlage von Sonnenlicht übergossen. Nach dem Mittagessen zerstreute man sich wieder in alle Richtungen. Ich erhielt eine Einladung zu einer Vernissage mit Lesung. Glücklicherweise ging es nicht gleich zurück in den Stress, sondern das klösterliche Leben ohne Computer, Fernseher und Handys ging nahtlos über in eine Fahrt durchs weite Oberschwaben mit seinem unvergleichlichen Himmel. Eine Wanderung durchs Federseemoor, ein Kuckuck rief. Der Mann aus Westfalen, kernig wie Pumpernickel, der eine mürrische Miene aufgesetzt hatte, weil er nun extra von der Eifel hierher gereist war, um den Sonnentau zu finden und ihn nicht fand. Wir wollten auch schon immer den Sonnentau finden, aber jetzt war es mir nicht mehr wichtig, denn wir hatten so viel anderes gefunden. Die Rast an einem völlig unbekannten See, mit Badeplatz und Gastwirtschaft. Ein Bummel durchs sonntäglich belebte Biberach und durch Ehingen an der Donau. Bevor ich endgültig zurückkehrte in das Knattern, Klacken und Rauschen der Zivilisation, dachte ich mir: Ich sollte nicht nur die Ruhe mit in den Alltag hineinnehmen, sondern das Ganze auch mal literarisch, wie auch immer, verarbeiten. Innere und äußere Bilder sind geblieben, das von einem Baum, meiner wäre eine Hutebuche, die ihre Wurzeln tief in der Erde hat, ihre Äste schützend ausbreitet, um selbst Zweige und Blätter in die Höhe zu treiben, sich Nahrung aus Luft und Sonnenlicht zu holen. Die Zeit hatte andere Dimensionen angenommen. Während ich stundenlang in der Zelle sinnierte, waren gerade mal zwei Minuten vergangen. Beim langsamen Gehen dehnten sich die Minuten zu Stunden. Und das war auch ein Zweck der Übung: innehalten und einen Augenblick lang "ganz" werden.
Moorbirken am Federsee
Sumpfknabenkraut

Aymühlensee
Biberach

Ehingen

Sonntag, 17. November 2013

Die Seele aufschlagen lassen

Ende November haben wir Kollegen unseren alljährlichen Konzeptionstag.Das Leitbild unserer Konzeption besteht u.a. darin, dass nicht nur das Wohl der Klienten, sondern auch das der Mitarbeiter ausschlaggebend für eine Fortentwicklung ist. An diesem Konzeptionstag nun wird es um unsere Ressourcen und die unserer Klienten gehen. Bekanntlich sind Angehörige von sozialen und Gesundheitsberufen besonders prädestiniert, in ein Burnout hineinzuschlittern, Ärzte, Lehrer, Sozialarbeiter, Krankenschwestern. Aber auch Hausfrauen, Handwerker, Manager, Autoren, eigentlich jeder kann in eine solche Fallle hineingeraten-sofern er nicht öfter mal innehält und sich auf eben diese Ressourcen besinnt.

Im September 2012 nahm ich an einem Wochenendseminar über Resilienz-Belastbarkeit als Schlüssel zur Lebensbewältigung-im Kloster Heiligkreuztal unweit der Donau teil. Das hat mich völlig rausgerissen aus der Hektik des Berufs- und Schreiberalltags, die Seele ist sozusagen "aufgeschlagen" und konnte sich neu orientieren. Damals war der Begriff "Achtsamkeit" für mich noch mehr oder weniger esoterisch angehaucht, allenfalls noch buddhistisch besetzt. Aber im Nachhinein verstehe ich, warum stressgeplagte Menschen, auch aus der Großstadt, sich immer häufiger auf diese Weise entziehen. Es ist nämlich nicht nur der Achtsamkeits-Raum, der hier angeboten wird, sondern auch eine Versorgung und Zuwendung, wie es der Normalo in seinem Alltag kaum noch erfährt. Ich erinnere mich: Morgens schritt ich aus der Klosterzelle, vorbei an dem Bücherraum, durch den Kreuzgang zum Refektorium. Dazu gregorianische Gesänge wie im Film "Der Name der Rose". Ein herrliches Frühstücksbüffet, andere Teilnehmer, die einem schnell ans Herz gewachsen waren, Erfahrungen in der Gruppe, Spaziergänge im wunderschönen Klostergarten und in der Umgebung. Man kann zu diesem Zweck Seminare  für Führungskräfte im Kloster Andechs buchen (eine absolute Touristenattraktion!), mit einem Kostenpunkt von 1.700 Euro. In anderen Klöstern, zum Beispiel in Heiligkreuztal, kommt man wesentlich günstiger weg, nämlich unter 200 Euro. Angehörige sozialer Berufe können es auch als Fortbildung ausweisen, denn was ist wichtiger, als seine eigenen Bedürfnisse mit denen anderer im Gleichgewicht zu halten?

Der Begriff "Achtsamkeit" scheint seinen esoterischen Beiklang inzwischen verloren zu haben. Zufällig fand ich einen Artikel im Spiegel Online vom März dieses Jahres: Achtsamkeit-kleine Schritte zur Entschleunigung.Man beachte die Kommentare, die teilweise schon auf den individualistischen, wenn natürlich im Einzelfall durchaus hilfreichen Ansatz hinweisen. Und was mache ich, wenn ich in der Intensivstation arbeite? Bei Aldi an der Kasse sitze? Soll ich da in aller Ruhe die Gesichter der Kunden studieren, die Oberfläche des Computers streicheln oder aufstehen und die Schlange ablaufen? Oder wenn ich als Autor eine Deadline habe? Hier gälte es, Freiräume zu schaffen, in denen sich die Betroffenen erholen können, statt ihre Kraft ununterbrochen zu verschleudern. Sie mal zur Ruhe kommen lassen, Atem schöpfen lassen nach den großen Anstrengungen. Arbeitgeber sollten immer mehr darauf achten, dass die Mitarbeiter eben nicht zu jeder Sekunde des Tages erreichbar sind. Und wenn sie sich selbst unentbehrlich fühlen, sollte man ihnen sagen, dass sie es nicht sind (nein, auch wir Autoren nicht!)Erstaunlich aiuch die Ansicht, die in einem der Kommentare geäußert wurde: Der Fernseher sei inzwischen nur noch das Opium des kleinen Mannes, das Internet dagegen Heroin für alle!

Als Fazit könnte ich noch eigene Überlegungen hintanstellen. Den Kurs "Reduzieren und gewinnen" im Kloster Heiligkreuztal habe ich verpasst, weil er schon lange vor Anmeldeschluss ausgebucht war. Im nächsten Jahr gibt es im Mai ein Seminar "Stress bewältigen durch Achtsamkeit", an dem ich gern teilnehmen würde. Ebenfalls im Mai findet dort eine Schreibwerkstatt "Schreiben im Kloster" statt. Wahrscheinlich ist das nichts für einen "gestandenen Schreiber", aber vielleicht braucht auch der mal eine kleine Loslösungsübung vom Althergebrachten und Vorgegebenem? Der Kurs "Reduzieren und gewinnen" wird dann wieder im November angeboten.

Dienstag, 29. Januar 2013

Hat der Burnout dich oder hast du den Burnout?

Er ist ja jetzt schon seit Monaten, wenn nicht seit Jahren in aller Munde: Der Burnout. Inzwischen gibt es über 42 Millionen Einträge bei Google. Ursula von der Leyen hatte ihm schon 2011 den Kampf angesagt, vor allem, um das Geld für die Arbeitsausfälle zu sparen. Jetzt tagt eine große Konferenz in Berlin, Tagesschau und Presse wie die Süddeutsche berichten ausführlich darüber, auch über die Hintergründe: Was die Deutschen stresst. Die Politik ist also gefordert, die Arbeitgeber, aber auch die Arbeitnehmer selbst. Es solle nicht mehr verlangt werden, dass der Mitarbeiter immer erreichbar ist, Handy und Emails sollen am Wochenende, am Feierabend und im Urlaub tabu sein. Das ist natürlich nur ein Aspekt der Medaille. Nicht nur Arbeitnehmer, potentiell jeder in einer Gesellschaft kann ausbrennen. Die Arbeit allein ist es also nicht. Die Politik kann bessere Bedingungen schaffen, indem sie das Geld so verteilt, dass zum Beispiel im Gesundheits- und Sozialbereich eine bessere Versorgung stattfinden kann. Mit Entsetzen sah ich vor einigen Tagen Bilder im Fernsehen, wie Leute in Altersheimen geschlagen, geschubst und und an den Haaren gerissen wurden. Hausfrauen können ausbrennen, weil es ihnen an gesellschaftlicher Anerkennung mangelt, egal wie sehr sie sich anstrengen. Auch Führungskräfte, Selbstständige, Verkäufer, Eltern, Computerfachleute, Autoren können ausbrennen, wenn sie ständig über ihre Grenzen gehen müssen.

Jetzt zu der obig gestellten Frage: Hat der Burnout dich oder hast du ihn?
Eine gewisse Belastung gehört bekanntlich zum Leben, ohne sie gäbe es kein Weiterkommen und keinen Fortschritt. Problematisch wird es, wenn die Akkus nicht mehr aufgeladen, sondern ständig weiter belastet werden. Was ist die Folge?
Akku leer. Es geht also darum, eine Balance herzustellen zwischen Belastung und Entlastung, um die Resilianz zu erhalten oder wiederherzustellen. In meinem Betrieb gibt es gerade sehr gute Ansätze, um die Mitarbeiter zu entlasten. Eine Gefahr war für mich persönlich das Schreiben und die Social Media Präsenz, eben Dinge, die ich nebenher noch betrieben habe. Was habe ich erreicht, was hat mir geholfen oder hilft mir am besten, wo hapert es noch?

1. Das erste und wichtigste war für mich, "nein" sagen zu lernen. Das gilt für den Beruf und für alle anderen Bereiche. Beispielsweise brauchte ein Verleger einmal drei Monate, bis er meine Emails beantwortet hatte. Darin stand dann nur: "Ich sage: nein!" Umgekehrt wurde immer erwartet, dass Lektorate und MS-Abgaben lieber gestern als heute stattfanden, und zwar in einem raketenhaften Tempo. Da sage ich inzwischen auch öfter mal "nein" und liefere keine weiteren Manuskripte mehr oder stecke sie zwischendurch in die Schublade, siehe unten. Das können sich Vollberufsautoren gar nicht leisten, höre ich oft. Aber auch sie müssen auf sich selber achten, finde ich.

2. Mein Umgang mit den modernen Kommunikationsmitteln verändert sich gerade. Ich habe sowieso nicht bei jedem Hype mitgemacht, nur das angeschafft, was ich auch wirklich brauchte. Mein Handy führe ich immer bei mir, aber es ist ausgeschaltet. Und der Akku ist nie leer. Wenn ich es brauche, kann ich es benutzen. Ich habe einen Laptop zum Schreiben und bin mit der digitalen Welt verbunden. Woran es noch hapert: dass ich mich noch zu oft zu lange mit den Postings anderer beschäftige, muss ich noch mehr fokussieren, auch meine eigenen Beiträge.

3. Ich ernähre mich ausgewogen, schlafe genug, mache Pausen und unternehme am Wochenende schöne Dinge. Hier hapert es in diesem Super-Wechsel-Winter an Bewegung, kann mich oft nicht aufraffen, bin zu müde, um rauszugehen oder zu schwimmen wie früher. Dabei ist das Vertrackte dieses: exzessives Schreiben zum Beispiel macht mich glücklich, es erschöpft mich aber auch total. Wie hat mich denn da der Burnout? Da ich halbtags berufstätig bin, muss ich es sowieso immer wieder in Scheibchen schneiden. So mache ich jetzt, nach der Überarbeitung, einfach wieder eine Pause. Und schaue mal wieder nach meinen anderen Bedürfnissen. Dabei habe ich in der Wohnung einiges verändert, neue Bilder aufgehängt, einen neuen Computertisch und Schränkchen gekauft. Ganz vieles habe ich auch schon rausgeschmissen, unter anderem Bücherwälzer, die ich nie mehr lesen würde. So kann man sich innerlich und äußerlich von Ballast befreien. Ein Helfersyndrom habe ich übrigens nicht mehr - Gefahr erkannt, Gefahr gebannt!

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Zeitfresser Internet

Achtung, bevor Sie dies lesen, entscheiden Sie, ob es auch wirklich nötig ist, es zu lesen! Es könnte ein Zeitfresser sein. Jetzt habe ich meine Zeit damit verbracht, mich darüber zu informieren, wo die größten Zeitfresser stecken. Nachdem ich tief in mich gegangen bin, kann ich für mich feststellen: Meine größten Zeitfresser sind Emails, ob beruflich, mit Bekannten oder für den Blog. Und alles, was man meint, auch noch so lesen zu müssen jeden Tag. Hier lese ich, dass man auch bei Twitter, Facebook usw. selektieren kann, um nicht überschwemmt zu werden. Da wage ich mich gar nicht erst hin, weil ich mich kenne. Bin ich nicht früher auch in Chats gehockt und habe die Suppe anbrennen lassen? Ich kenne mich zur Genüge. Weitere, wenn auch nötige Zeitfresser sind der Haushalt, das Schneeschippen, Einkaufen. Und der allergrößte: Das Schreiben und die Beschäftigung mit dem Schreiben. Der Beruf frisst einen Haufen Zeit, ebenso Friseur-und Zahnarztbesuche. Lesen kostet Zeit, Fernsehen (das wenige, was davon bleibt), Spazierengehen, Kochen, Essen, Körperpflege, Fotografieren und Shoppen auch. Man sollte sich fragen, was man davon am liebsten macht und was am wenigsten gern und was man nicht eliminieren kann. Dann bleibt genügend Zeit, sich auch einmal auf der Couch zu räkeln und den Schneeflocken zuzuschauen.