Donnerstag, 2. Juli 2026

Die Hochzeit in Brandenburg


Es kam so, wie es kommen musste: Das Wetter und die Bahnfahrten waren desaströs wenn nicht zu sagen unerträglich! Alles Übrige war schön und hat gut geklappt. Fangen wir mal an mit der Fahrt: Der Regio-Express von Herrenberg fuhr planmäßig um 7.54 ab. In Stuttgart 21 (immer noch eine Riesenbauwüste bis 2030) dann das Chaos: Wir hatten extra einen Stunden-Puffer eingebaut und konnten noch gemütlich Kaffee trinken. Dann fuhr der Zug nach Berlin aber nicht. Aus allen Lautsprechern dröhnten die Ansagen über Verspätungen - im Sekundentakt. Verspätungen wegen Bauarbeiten oder wegen Verzögerungen im Ausland. Welches Ausland, bitte? Bei einer Gluthitze von schon über 30 Grad waren alle Bänke besetzt und kein Eckchen verfügbar, wo man hätte warten können. Nach einer Stunde ging es dann ohne Verzögerungen weiter. In Berlin, wo wir abgeholt wurden, stand das Thermometer dann auf mehr als 38 Grad. Während die Pirogen im Herd gebacken wurden, nutzte auch eine kalte Dusche nichts und auch nicht ein kalter Lappen. Endlich ging es los durch die Mark Brandenburg. Die ist ja nun nicht gerade spektakulär, Wälder wechseln sich mit flachen Wiesen und Seen ab, dazwischen immer wieder die schönen Alleen. Kein Wunder, dass ich Fontanes "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" damals als etwa langweilig empfand-sie bestanden eher aus Schilderungen von Geschichte und Politik, über Schlösser und Persönlichkeiten. Diedersdorf ist eine barocke Schlossanlage aus dem 18. Jahrhundert mit Stallungen, Gutshöfen und Park. Wir kamen in der netten kleinen Pension "Diedershof" im Dorf unter, wo noch massig Schwalben flogen, Spatzen tschilpten und am letzten Tag sogar ein Kuckuck rief.

Am Abend fand sich ein lustiges Völkchen beim Italiener ein, mein Schwager Rudi und seine Freundin Petra aus Hamburg waren inzwischen ebenfalls angekommen (sie wurden aus einem überhitzten Zug evakuiert).

Am Samstag stieg die Hitze weiter an, die heißesten Tage aller Zeiten lagen vor uns. Während der Trauung in der kleinen Dorfkirche konnte ich sogar das Lied "Großer Gott, wir loben dich" auswendig mitsingen.

Hildegard und ich verkrümelten uns später in den Park, an den  großen Teich mit den quakenden Enten und Fröschen.












Schloss Diedersdorf



Diese Tische mussten nun noch mit Blumenarrangements geschmückt werden. Die Hitze stieg und stieg. Dann  wurde das Buffet freigegeben, von dem ich mir die leckersten Sachen raussuchte-Roastbeef zum Beispiel und Rinderfilet in einer rasanten Soße, etwas Gemüse, Salat und echten Lachs.  Dann saßen wir draußen, die Nacht hatte keinerlei  Abkühlung gebracht. Viele Gespräche mit Verwandten und alten Bekannten, die sich unter den 120 bis 150 Gästen befanden. Petras Spezialuhr zeigte 41 Grad. Nach dem Anschneiden der Hochzeitstorte wurden die Rolling Stones aufgelegt, und ich wunderte mich, dass ich dazu noch das Tanzbein schwingen konnte. Das Krasseste an dem ganzen Abend war eine Fliege, die immer wieder auf meinen Finger flog und versuchte, da was abzulecken. Sie ließ sich nicht fortscheuchen, flog nicht mehr, also hatte sie unter der Hitze mehr zu leiden als ich. Dabei heißt es immer, Insekten würden einen Atomkrieg und damit wohl auch ein Hitzeinferno überleben. Ein Gewitter versuchte herüberzukommen, die Kinder saßen im Halbkreis und warten auf den großen Bang, aber der kam nicht. Weiter weg waren Bäume umgestürzt und hatten ein Auto unter sich begraben.





Sonntag, den zweitheißesten Tag aller Zeiten, hatten wir eigentlich für die Museumsinsel in Berlin reserviert, ließen das aber sein, weil es selbstmörderisch gewesen wäre. So verbrachten wir die Zeit an zwei Stellen: einem schattigen Bänklein bei der Kirche, wo ein leichter Wind ging und beim Italiener mit Eis und immer wieder Sprudelwasser.


Zur Abkühlung fuhr ich noch mit David und Dany zum Tiether See, der sehr schön gelegen ist, sich dafür aber als fast badewannenwarm erwies.






Die Rückfahrt am Montag verlief im Vergleich fast reibungslos. Im ICE bahnte ich mir meinen Weg zum "Bordrestaurant", das aus einem Kiosk mit zwei Ablegeregalen an der Wand bestand. Die Verkäuferin hat mir schwer imponiert. Seit 6 Uhr auf den Beinen, hatte sie für jeden Gast einen kessen Spruch auf den Lippen, meiner lautete: "Haben Sie Bargeld?" "Ja, klar". "Sie sind meine Heldin des Tages!" In Stuttgart dann wieder das gleiche Chaos. Lautsprecherdurchsagen ohne Ende, ich war schon ganz verwirrt, bis wir dank Hildegards DB-Navigator-App (die ich auf Teufel komm raus nicht runterladen konnte) den richtigen Zug nach Herrenberg fanden. Der auch noch mal eine extra große Umwegsschleife über Renningen fuhr, dann aber in Herrenberg hielt. Natürlich war es wieder ein Italiener, wo wir die ereignisreiche, sonnendurchglühte Fahrt dann beschlossen.

Zuhause wartete ein Schreiben vom Finanzamt auf mich. Ich solle die Einnahmen von 2025 belegen, und ob mein Schriftstellerdasein nun beendet sei. Immerhin gab es noch Abrechnungen von Aufbau und Oertl&Spörer, die 50-60 E-Book-Verkäufe von Ullstein konnte ich dem Autorenportal entnehmen.














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