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Mittwoch, 21. Januar 2026

Die Einsamkeit des Schreibens

Diesen kleinen Essay habe ich vor mehr als 20 Jahren geschrieben, zwei Jahre, nachdem ich in eine Schreibwerkstatt eingetreten war und Kurzgeschichten schrieb. Er wurde im Oktober 2003 in der Zeitschrift "Federwelt" veröffentlicht.


                                           Die Einsamkeit des Schreibens

 

Der Mensch kann ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft sein, kann Vater, kann Mutter sein, ist immer Kind irgendwelcher Väter und Mütter, kann sich verirren, verwirren – aber er wird nur dann, wenn er sein Eigentliches entwickelt, zur Reife kommen. Wenn nun einer zum Schreiben sich berufen fühlt, hat er mehrere Möglichkeiten: er kann es ganz nebenher tun, just for fun. Kleine Geschichten und Gedichte für die Familie, für die Freunde, für die Sonntagszeitung, um auch andere damit zu beglücken, und natürlich auch für die Leser im Internet. Das wird ihn aber nicht zufrieden stellen. Er wird sich zurückziehen, er braucht Ruhe, um seine Ideen zu entwickeln und zu Papier zu bringen. Die Unruhe einer Familie, eines verzehrenden Jobs hindern ihn, seine inneren Bilder auszuformen. Das gibt Konflikte mit der Realität. Der Autor hat neben seinem Alltag noch eine andere Welt. Er hat Bilder, hat Figuren, mit denen er kommunizieren kann. Das füllt die innere Einsamkeit aus. Der Schreiber fühlt keine Leere und Depression, wenn er allein ist, sondern kann sich mit den Figuren recht gut vergnügen.

 Ist also der Schreibende dazu verdammt, allein zu sein und sein Leben mit niemandem teilen zu können? Da gibt es wieder mehrere Möglichkeiten. Er hat einen Partner, der über genügend Stärke verfügt und seine eigenen Interessen verfolgt und bei dem es immer wieder Punkte gibt, wo sich beide begegnen und einander befruchten können. Ich denke an Thomas Mann, der jeden Tag zu einer bestimmten Zeit zwei Seiten schrieb und in dieser Zeit nicht gestört werden durfte. Oder Hesse, der in Montagnola einen separaten Trakt bewohnte und manchmal tagelang nur über Zettel mit der Umwelt verkehrte.

 Ich selbst gehöre zu denen, die sich einen Traum erfüllen wollen, doch immer mal wieder auf die Schnauze fallen. Aber immer wieder aufstehen und weiterschreiben, weil es ein innerstes Bedürfnis ist ... und die auch Einsamkeit in Kauf nehmen, um dem Traum wenigstens etappenweise näher zu kommen.

„Du bist ja völlig neben der Kapp“, sagen die anderen.
„In einem Monat ist das vorbei“, sage ich.
Wird es in einem Monat vorbei sein?

Die zweite Möglichkeit: wir umgeben uns mit einem gleichgesinnten Freundeskreis, der es ertragen kann, dass wir uns immer wieder zurückziehen müssen, um zu schreiben. Wir können nichts zu Papier bringen inmitten von schwätzenden Leuten, Partygetöse, klingelnden Telefonen und Menschen, die ständig etwas von uns wollen. Was ist aber, wenn wir nach Hause kommen, wenn niemand da ist, kein Licht brennt, alles noch daliegt wie morgens – wenn wir das Bedürfnis haben, dass uns einfach mal jemand in den Arm nimmt, mit uns spricht, mit uns isst, uns liebt? Es ist nicht wirklich lösbar. Vielleicht könnte es phasenweise stattfinden. Als ganz Junge könnten wir mit unserem Talent einen großen Erfolg landen, dem weitere folgen. Wenn die Luft da droben zu dünn geworden ist, können wir uns wieder der Gesellschaft zuwenden, Wärme und Nähe erleben, die doch auch immer wieder so verletzlich und zerbrechlich sein kann. Wir können auch alle Phasen des „normalen“ Lebens durchlaufen und nach Abhaken des gesellschaftlichen Anspruchs das zu leben, was wir eigentlich sind und sein wollen. Und da können wir wirklich nur Gleichgesinnte brauchen. Wir sind verantwortlich für das, was wir tun und wie wir leben. Niemand anderes. Niemand ist schuld an den Entscheidungen, die wir einmal fällten. Wenn wir diese Stufe erreicht haben, können wir wechseln zwischen Einsamkeit, Schreiben, dem Innen und dem Außen und dem erneuten Hineingehen ins Leben, uns hineinwerfen und dem Tod eine Nase drehen. Und wir können die Grenzen, die jeder von uns hat, niemals vollständig überwinden. Können nie, nur augenblicksweise, eins sein mit anderen, mit einem anderen. Beim Schreiben können wir diese Momente erleben.

Seltsam, im Nebel zu wandern,
Leben ist Einsamsein,
kein Mensch kennt den andern;
jeder ist allein.

(Hermann Hesse: Im Nebel)

Aber: Es gibt wirkliche Momente der Begegnung zwischen Menschen, welcher Art auch immer. Und die sind wesentlich und sind der Sinn und aus ihnen spricht Gott.

 ©Christa Schmid-Lotz, August 2002


Samstag, 27. September 2025

Meine Lieblingsplätze und das Schreiben


 Meine Heimat habe ich vor langer Zeit im Schwarzwald gefunden. Geboren in Flensburg, nach Aufenthalten in Erlangen, Fynhav in Dänemark, Wassersleben, Tübingen und Freiburg hat es mich nach Nagold an der Nagold verschlagen - in eine wunderschöne Landschaft! Und in meiner Terrassenwohnung mit Riesennussbaum, der auch in den heißen Sommern Schatten gibt, schreibe ich seit 25 Jahren meine Kurzgeschichten und Romane. Viele von ihnen - ob historisch oder Krimi - spielen in dieser Gegend.

Gerade habe ich wieder eine freundliche Absage für meinen historischen Krimi "Tod im Glaswald" erhalten-auch ein guter Plot und eine gute Idee sei bei der Fülle von Einsendungen nicht davor gefeit, abgelehnt zu werden. So habe ich den Roman noch an S. Fischer, Kiepenheuer&Witsch sowie an Piper(mit Imprintverlagen) geschickt. Dann bin ich mit allen durch. Es gibt drei Möglichkeiten: In der Schublade lassen (zusammen mit der "Argentinierin"), ihn auf eine Plattform (Neobooks) zu stellen, wie die Rowohlt-Lektorin mir riet oder ihn irgendwann im Winter selbst zu veröffentlichen. Derweil widme ich mich meinem neuen Thriller "Höhlenangst" oder "Tiefe Schuld", der von einem Höllentrip über die Schwäbische Alb handelt. Und ich genieße die letzten warmen Tage, um in der Umgebung noch ein wenig Power für die dunklere Zeit zu tanken.


Letzter Sommergruß


Beim Italiener "Klein Paris" in Ergenzingen. Die Salatsoße ist soo gut, dass die Bedienung uns nicht verraten wollte, wie ihre Mutter die macht






Immer wieder einen Besuch wert: Der Kurpark von Bad Imnau



Die Flößerstube bei Altensteig














Das ist der schwäbische Dichter Eduard Mörike, mit dem ich in einem früheren Leben einmal verbunden gewesen sein muss, wie es ein bekannter deutscher Schriftsteller einmal äußerte. Und daneben bin ich im Alter von etwa drei, vier Jahren.

 

Samstag, 19. Juli 2025

Kleine Auszeit vom Schreiben


 Nach einem Dreivierteljahr Verlagssuche - mit bisher wenig Rückmeldungen und langen Wartezeiten - habe ich mir in den letzten vier Wochen eine Auszeit genommen. Außer im Montségur Autorenforum war ich auf keinen Kanälen unterwegs und habe nur für meinen neuen Regionalkrimi/Thriller recherchiert und vorgearbeitet. "Höhlenangst" oder "Tiefe Schuld" sind die vorläufigen Arbeitstitel. Eine Art Survival-Horrortrip über die Schwäbische Alb. Prolog und die ersten Seiten stehen.

Wenn man nicht wie die anderen weit fährt oder mit dem Flieger  den Urlaub abhebt, bleibt einem nur die nähere Umgebung. Aber auch dort kann man einiges erleben!



                Auf dem Reusten, einer Urstromlandschaft zwischen Herrenberg und Nagold

Kaffee und Eis
Stadtfest in Calw (950 Jahre!) Vor dem Geburtshaus von Hermann Hesse


                                                   Badesee auf der Schwäbischen Alb

                                    Begegnungen im Neckartal zwischen Horb und Rottenburg

                                          Mittelalter-Burgturm in Obernau (Ritter von Ow)

Mittwoch, 21. Mai 2025

Schreiben macht glücklich!

 Als ich vor mehr als zwanzig Jahren mit dem Schreiben und Veröffentlichen anfing, war ich noch ziemlich naiv und dachte, nach der ersten Veröffentlichung würde alles so leicht weitergehen. Die ersten Veröffentlichungen waren Beiträge in Anthologien und in der Zeitschrift "Federwelt". Es folgten "Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht" sowie "Aufbruch nach Blaubeuren" in kleineren Verlagen. Fünf Jahre Schreibwerkstatt "Fiction Writing", danach das Montségur-Autorenforum, wo ich heute noch bin. Sechs Jahre mit einer Agentur, dabei entstanden vier historische Romane im Publikumsverlag sowie ein historischer Krimi im Kleinverlag. Jahre später drei Regionalkrimis im Imprint eines Großverlags und drei Veröffentlichungen im Self Publishing, davon zwei Verlagsbücher.

Ein großer Familienroman blieb in der Schublade, und mein jetziger historischer Krimi hat noch keinen Verlag gefunden. Vier Ideen bzw. Plots sind schon halbwegs im Kasten. Warum ich dabei geblieben bin, trotz aller Hemmnisse und Schwierigkeiten? Einfach, weil Schreiben glücklich macht. Und weil ich das Glück hatte, so viele Verleger und Lektoren und Lektorinnen (und letztendlich auch Leser und Leserinnen) von meinem Schreiben überzeugt zu haben.



Sonntag, 2. Februar 2025

Neuer Roman "Mord in der Seelhausgasse"

Seitdem ich meinen Roman "Tod im Glaswald" an einige Verlage geschickt habe, sind zwei Antworten gekommen. Ein Verlag meldete sich sofort nach Erhalt des "Pitches", als der Kurzbeschreibung. Die Programmleiterin schrieb, der Titel sei vielversprechend und passe gut ins Verlagsprogramm. Im Januar wollte die Lektoratskollegin ihn lesen, bis jetzt habe ich nichts mehr gehört, kann aber, wie schon gesagt, drei Monate dauern. Ein anderer Verlag (Emons) schrieb, der Roman habe vom Ambiente und Thema her gefallen, es sei aber auf absehbare Zeit kein Programmplatz da.

Ich habe jetzt einen neuen Roman angefangen, quasi die Fortsetzung, und werde das Exposé/den Plot in einer Gruppe meines Autorenforums "Montségur" bearbeiten (Start:24. Februar).

Worum es geht: 


Tübingen im Jahr 1522/23


Maria und die Kräuterkrämerin Agathe wollen in der Universitätsstadt Tübingen eine Apotheke errichten. Vorbilder für sie sind der Arzt Paracelsus und Hildegard von Bingen. Maria hat eine Essenz entwickelt, die herzstärkend wirkt und in der Apotheke reißenden Absatz findet. Als eine der Patientinnen stirbt, wird Maria des Mordes verdächtigt, ihr droht das Ertränken im Neckar. Wer steckt hinter diesem Todesfall, wer will sie und ihre Kollegin Agathe  mundtot machen? Beim Versuch, den wahren Mörder zu finden, gerät Maria immer mehr in den Blickfang des Täters und damit in tödliche Gefahr.




    




Donnerstag, 17. Oktober 2024

Tod im Glaswald

Mein neuer Roman "Tod im Glaswald", ein historischer Krimi aus dem späten Mittelalter, spielt im tiefsten Schwarzwald in einem bedeutenden Kloster. Er ist fertig geschrieben, und ich habe ihn mitsamt Exposé, Leseprobe, Vita und Bibliografie an einige größere Verlage geschickt. Die Wartezeit beträgt durchschnittlich drei Monate. Zwischenzeitlich möchte ich ihn hier einmal vorstellen. Die historischen Hintergründe sind belegt, die Geschichte selbst fiktional. Worum es geht:
Alpirsbach 1522. In der Stadt  tobt ein heftiger Glaubenskampf zwischen Katholiken und Lutheranern,  als auf unerklärliche Weise immer wieder Kinder verschwinden. Die 18-jährige Maria glaubt, während eines schweren Wintersturms, bei dem sie fast ums Leben gekommen wäre, schemenhaft den Mord an einem Kind gesehen zu haben. Am nächsten Tag kehrt sie an den Ort zurück und findet die Leiche des kleinen Hans. Maria schwört bei Gott,  den Mörder vor den Richter zu bringen. Doch dann kommt sie einem teuflischen Intrigenspiel auf die Spur und gerät dabei selbst ins Visier des Täters. 

Das Buch ist in einer Zeit großer Umbrüche angesiedelt und an den historischen Kontext angepasst, so dass auch in der Zeit lebende Persönlichkeiten wie Martin Luther, Philipp Melanchthon und Erasmus von Rotterdam eine Rolle spielen. 

 Hier noch ein paar Bilder aus der Gegend, in der dieser Roman spielt.


Kloster Alpirsbach



Der rote Fingerhut

 







Die schwarzen Flüsse 




Herbst
Typische Feldhütten
Granitblöcke auf dem Kniebis


Samstag, 11. Mai 2024

Neulich beim Zahnarzt

 

Fahrt nach Marbach und über den Stromberg an Himmelfahrt

Mein Zahnarzt kennt mich seit mehr als zwanzig Jahren, und so fragte er mich bei der letzten Zahnreinigung nach dem Fortgang meines Schreibens und nach meinen Büchern.
"Was haben Sie denn zuletzt geschrieben?"

"Einen historischen Kriminalroma, der im 16. Jahrhundert in einem Schwarzwälder Kloster spielt.
"Wie lange schreiben Sie an so einem Roman?", wollte er wissen. "Täglich? Und wie viele Seiten?"
"Die meisten Romane habe ich innerhalb von vier, fünf Monaten geschrieben. Zwei, fünf oder auch mal zehn Seiten am Tag. Beim letzten Roman hat es ein ganzes Jahr gedauert, bei 430 Seiten also eineinhalb am Tag."
"Und wie sieht es mit einer Veröffentlichung aus?"
"Ich habe den Roman noch keinem Verlag angeboten, weil Mittelalter und frühe Neuzeit momentan nicht gehen."
"Naja, vielleicht kommt es ja wieder."
"Vielleicht schreibe ich in der Zwischenzeit noch etwas anderes."

"Der Harry Potter ist ja gegangen wie geschnitten Brot! Den haben sie sich doch gegenseitig aus den Händen gerissen.
"Ich bin mitten in der Nacht aufgestanden wenn der neue Harry Potter ausgeliefert wurde", warf die junge Zahnarzthelferin ein.

Der Zahnarzt und ich gestanden, ihn nicht gelesen zu haben.

"Und heute, mit dreißig, ist man selbst für die Disco zu alt", neckte er sie.

Da fiel mir etwas ein.

"Als wir Mitte dreißig waren, tönte es uns aus der Nagolder Disco entgegen: "Oje, das kommt das Altersheim!"

Montag, 26. Februar 2024

Irrfahrt

 Ein Frühlingstag nach langen grauen, kalten Wochen, da schwärmen wieder alle aus, und auch wir machten uns heute auf zu unserem Lieblingskurpark in Bad Imnau im Eyachtal. Es ist einer der schönsten kleinen Parks in der ganzen Umgebung, diente früher einmal als Heilstätte, als Stahlbad - mit allen Annehmlichkeiten, die Kuranlagen zu bieten haben. Dann nahm, zuletzt wegen Corona, die Frequenz der Besucher ab, und heute sind dort nur noch die schönen alten Häuser, die Parkanlagen und die tausende von Schneeglöckchen, Krokusse und Winterlinge zu bewundern. 





Auf der Suche nach einem nicht überfüllten Café gerieten wir dann arg in die Bredouille. Unterhalb der Hohenzollernburg folgten wir einem Weg, der sich schließlich als Waldweg entpuppte und auf dem man nicht mehr wenden konnte. Mehrmals begegneten wir Autos, an denen wir nur haarscharf vorbeikamen. Und landeten schließlich bei einer Kapelle, die wir von früher her kannten und bei der wir schon schöne Wander-und Vesperstunden verbrachten. Jetzt hatte sich der Himmel zugezogen, alles grau in grau, und ein eisiger Wind trieb uns bald wieder in den Wagen. Wer war nun schuld an dieser ganzen Misere? Ich, du? Wer hat die falschen Entscheidungen getroffen? Warum hängt uns alles zum Hals heraus? Die Politiker und durchgeknallten Typen, die unsere Welt immer unbewohnbarer machen? Die Menschen, die nicht mehr lesen und keine Livemusiik mehr hören wollen, sondern ständig Spaß brauchen - mit Kreufahrtschiffen die Meere verunsichern, im Jet um die Erde düsen, mit Jeff Bezos ins All abheben? Was, wenn Putin Polen angreift? Was, wenn wir keinen Platz mehr finden, an dem man sich wohl fühlen kann? Ein Streitgespräch! Man kann sich von den Spaßvögeln was abgucken: einfach mal den Dreck ausblenden und das Leben wie früher genießen! Und die Plätze finden wir wieder, heute war es der Italiener neben dem Rathaus in Rottenburg. Italien ist das Land, wo die Zitronen blühn. Und wie hieß das Lied in diesem Stück von Brecht? "Am Grunde der Moldau, da rollen die Steine  es liegen drei Kaiser begraben in Prag. :.. Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne, es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt."








Sonntag, 6. August 2023

Kleine Oasen im Schwarzwald

 




Wir leben in einer Gegend, die total zersiedelt, zubetoniert, von Autobahnen und Straßen zerschnitten ist, und täglich kommen neue Fertighäuserschachteln dazu, neue Baustellen, Umleitungen, Sperrungen und eine Vielzahl von Autos. Letzteres ist u.a. der Daimler-AG im nahen Sindelfingen geschuldet. In der Stadt gibt es an Hitzetagen wenig Schatten, nur der Fluss Nagold spendet etwas Kühle. Wo ist der klimagerechte Umbau geblieben? Wohin kann man sich retten, wenn sich doch seit Corona und dem Kriegsausbruch ziemlich alles noch verschlechtert hat? Fehlendes Personal in den Gaststätten, Bäckereien, im Freibad und sogar im Autohaus. Die Verteuerung, die ewigen Kriege und Katastrophen.

Auf der anderen Seite leben wir in einer der schönsten Ecken Deutschlands. Zwischen Schwarzwald, Neckar und schwäbischer Alb, dort, wo andre Leute jetzt gerade Urlaub machen. Der Bodensee ist auch nur eineinhalb Fahrstunden entfernt. Wenn man nicht mit dem Auto oder dem Flugzeug in die Ferien flüchtet, gibt es hier noch viel vom Ursprünglichen zu sehen. Und es gibt auch noch kleine, feine Kultur ohne Massenansturm. Neulich fand in Horb, einer Nachbarstadt, das so genannte Brückenfest statt, acht Bands spielten an verschiedenen Stellen des Ortes. Die Karibik-Klänge am Bahnhof haben uns nicht so gelockt, aber es gab auch sonst viel zu sehen und zu hören.  Am lustigsten waren die Älteren drauf, die in einer Gasse Richtung Neckar das Tanzbein schwangen. Rock in der Hirschgasse und E-Gitarren im Biergarten des Klosters. Dass es keinen großen Besucherandrang gab, liegt an der neuen Zeit. Vor allem die Jüngeren sind medial unterwegs oder hängen auf den Parkplätzen und Tiefgaragen mit Bierdosen herum.

Von ganz oben, vom Rathaus in Horb, kann man die Stäffele hinuntersteigen


Nächste Station war dann die Nachbarstadt im Westen: Altensteig, geprägt von der Flößerei. Stimmte mich hervorragend auf das Mittelalter/ die frühe Neuzeit ein, in der mein neuer Roman "Tod im Glaswald" spielt. Auch wenn Altensteig nicht der Spielort ist, sondern die Klosterstadt Alpirsbach, wo wir schon sehr oft gewesen sind.
Altensteiger Schloss mit schönem Museum




Die Königsbank von Wilhelm I. von Württemberg

Eine der schönsten Oasen habe ich in meinem Garten mit dem großen Nussbaum und beim Schreiben dort und anderswo. Schreiben ist eine Leidenschaft, die nicht nur Leiden schafft, sondern auch sehr motivierend und erfreulich sein kann! 




Das ist eine Seite aus meinem Schreibprogramm "Papyrus Autor". Rechts und links vom Text kann man sich Bilder und Links wechselnd speichern, (insgesamt achtmal), so dass man immer die Szenen und Personen vor Augen hat. Mit dem Programm habe ich schon viele Romane geschrieben und kann es nur empfehlen!


Donnerstag, 22. Juni 2023

Dass es sowas noch gibt!

Gerade war ich auf unserem kleinen Postamt und habe gestaunt. War länger nicht dort gewesen und erwartete -naja, nicht gerade einen Roboter hinter dem Tresen, aber auch nicht so eine nette ältere Dame mit Mundschutz, die einen wie früher bediente und mein Päckchen an die Telekom als Brief deklarierte. Dieses Päckchen beinhaltete einen SmartstickS, den mir ein Telekom-Mitarbeiter vor einer Woche am Telefon aufgeschwatzt hat. Obwohl ich beteuerte, so einen Stick zum Streamen und zum schnellen DSL gar nicht zu brauchen, wurde der Vertrag vorläufig abgeschlossen. Ich schlich dann tagelang um diesen Stick herum, weil ich einfach keine Lust hatte, mich mit noch mehr solchem Krempel zu beschäftigen. Ja, in Corona-Zeiten hätte ich das vielleicht gebraucht, ein Freund schwärmte mir auch damals am Telefon vor, wieviele weitere Serien und Filme man alternativ zum öden TV-Programm noch sehen könne. Also, nach dem Vertragswiderruf per Email musste ich diesen Stick, der mir eigentlich geschenkt wurde, wieder verpacken und zum Postamt tragen. Uff, Gott sei Dank ist das jetzt aus der Welt!

Ein Lächeln setzte sich unwillkürlich auf meinen Lippen fest, das die Hereinkommenden freudig erwiderten. Simplify your Life!, hieß einmal ein Buchtitel. Und eine weitere Freundin schrieb mir kürzlich, was ChatGPT betrifft, dass man doch sein Leben lieber vereinfachen als komplizieren solle.
  Ich habe, wie schon einmal erwähnt, ChatGPT für meinen momentanen Roman ausprobiert und kam immer wieder zu dem Schluss, dass das Programm letztendlich schreibhemmend wirkt. Es ist lediglich dazu geeignet, Ideen zu produzieren, die einem beim Plotten und manchmal auch beim Schreiben weiterhelfen. Auf jeden Fall habe ich-bei 120 Normseiten - höchstens zehn Sätze übernommen, und auch die sind noch überarbeitungsbedürftig, weil ChatGPT einfach hölzern und ohne jeden tieferen Sinn und Begreifen schreibt. Erst wenn ich die Sätze der KI gelöscht habe, kann ich im alten Flow weiterschreiben, mit Bildern und Szenen im Kopf und zum Weiterspinnen auf dem Sofa oder unterwegs.

Ich glaube also nicht, dass ChatGPT jemals Romane schreibt, die ich selber gern lesen würde.(Was für ein Genuss ist es zum Beispiel, einen biografischen Roman über Paracelsus zu lesen, den mein Freund mir von einem öffentlichen Bücherschrank mitgebracht hat!) Was die Vereinfachung des Lebens angeht, kann man auch noch weitere Bereiche in Betracht ziehen. Wer wie wir mit Mallorca-Gedöns, Menschenmengen, Lärm und schnöder Event-Kultur nichts anfangen kann, der fängt manchmal schon an zu verzweifeln. Kommt man von einer Wanderung auf der menschenleeren, immer gleich schönen schwäbischen Alb zurück, wird man im pittoresken historischen Pfullingen von einem vollen Marktplatz und einer dröhnenden Lautsprecherstimme empfangen und versteht sein eigenes Wort nicht mehr. In Reutlingen gab es noch nicht einmal einen Parkplatz, und Tübingen präsentierte sich als stadtweites Open-Air-Restaurant mit Hunderten, wenn nicht Tausenden von bier-und genussseligen Menschen. Dazwischen eingeklemmt, mit einer Gruppe kreischender Nachbarn, waren wir froh, diesen Ort schleunigst wieder verlassen zu können. Und der Grieche, bei dem wir saßen, scheint vegetarisch geworden zu sein, dazu schmeckte das Taramas nicht mal nach Taramas.(habe ich mir dann gestern bei Edeka geholt).

Wie herrlich ließ es sich in Tübingen in meiner Studentenzeit leben - davon findet man heute nur noch sehr wenig und auch nur, wenn man lange sucht. Wir haben jetzt unsere Nischen bei Italienern, in Ergenzingen und auch gestern in Altensteig, direkt am Ufer der Nagold. Erfrischend wie an einem Urlaubstag und geeignet, einen stress-und streitgeladenen Nachmittag geruhsam ausklingen zu lassen. Der dritte Punkt. Schreiben in Cafés. Das habe ich früher oft gemacht, selbst in einem Supermarkt-Café, wo ich abseits unter Palmen meine ersten Romane mit der Hand schrieb. Auch mal am See oder am Ufer eines klaren Baches. Im Winter sind durchaus auch diese neuen großen Cafés geeignet, wo man neben alten Stichen von der Flößerei abseits sitzen kann, sein Smartphone checken und dem ferneren Gemurmel lauschen.Jetzt im Sommer draußen, bei dieser Affenhitze, ist das völlig unmöglich geworden, dazu kommen Personalmangel und unfreundliche Bedienungen. Der beste Platz zurzeit ist wieder auf meiner Terrasse unter dem Nussbaum, mit seinem blühenden Umfeld ein Paradies!

Dienstag, 24. Januar 2023

Eiskalte Förde

Das Schreibteufelchen und mein Sohn David haben mir offensichtlich einen Anstoß gegeben! Von den drei, vier Ideen, die ich seit Monaten mit mir herumtrage, habe ich jetzt mal zwei herausgefischt und dafür Projekte bei Papyrus Autor, dem kreativen Schreibprogramm, angelegt. Die Titel lauten

1. Tod im Glaswald

Ein historischer Krimi aus dem Schwarzwald  von 1521. Vorbilder sind die Umgebung der Klöster Alpirsbach und Wittichen im Kinzigtal.

Bei Wittichen

Heustadel im Schwarzwald

Glaswaldsee
In dem Programm "Papyrus Autor" bekommt jede Figur einen Platz in der Figurendatenbank. Recherchematerial kommt in die Recherchedatenbank, dann gibt es noch ein Denkbrett. Neu angewendet habe ich diesmal das Klemmbrett rechts und links vom Text. 8 Stück habe ich angelegt- rechts Fotos, links Schnipsel und Notizen sowie externe Links zu Internetseiten. So muss ich nicht - wie bei meinen ersten Büchern - dauernd in Zetteln und Büchern herumkramen oder mich aus dem Schreibprozess rausreißen, um ins Internet zu gehen.

Das zweite Projekt, das mir schon seit zwei Jahren im Kopf rumgeht, heißt jetzt: "Eiskalte Förde", als Fortsetzung der "Mörderischen Förde". Auch dafür habe ich ein Projekt angelegt und sammle nebenher Material dazu. Darauf gebracht hat mich ein Zeitungsartikel, der die Zustände in Flensburg im Mai 1945 beschreibt, als sich hier das ganze Nazigesindel und unvorstellbar viele Flüchtlinge befanden. Ein weiterer Zeitungsartikel über gestohlenes Raubgut (Bilder) wies dann die Richtung: Eine Biografin in Wassersleben wird gebeten, in einer familiären Sache zu ermitteln ...

Eiskalte Förde

(Reise mit David 2916)


< br />
An der Schusterkate ff.




Flensburger Hafen


Roman Nr. 3 mit dem Arbeitstitel: "Tod in der Marmorsäge" spielt wieder im Schwarzwald des 19. Jahrhunderts, in einem Sanatorium für Tuberkulosekranke. Da habe ich aber noch kein stimmiges Konzept. Und last not least hätte ich auch Lust, irgendwann mal über die gesammelten Wander-und Reiseabenteuer zu schreiben-vom Schwarzwald über die schwäbische Alb, den Bodensee, den Neckarraum, das Fränkische, wo es auch heute noch stille Flecken gibt, über bayerische Städte, Kirchen, Klöster und Biergärten bis hin zu Weimar und den Norden, Flensburg inklusiv! Hier noch ein Screenshot vom Papyrus-Dokument