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Donnerstag, 26. Februar 2026

Unsere Kneipen-einst und jetzt





Kneipen im Wandel der Zeit. Was war einmal, was ist geblieben?

 Kürzlich waren wir mal wieder in einer Wirtschaft, im "Bahnhöfle" in Nagold. Alles noch wie früher, der Kanonenofen, mollige Wärme und eine Gulaschsuppe, die ihresgleichen sucht. Aber es ist etwas anders geworden. Die alten Leute sind nicht mehr da, verstorben oder weggeblieben. Eine lange Reihe mit einem Verein oder Kollegen, die solange lärmten, bis das Essen kam.👦

Meine erste Kneipe in Schülertagen war das "Porticus 1740" in Flensburg. Die "1740" bezieht sich auf das Baujahr des Hauses, glaube ich mich zu erinnern. Korblampen, die einen leuchtenden Kreis auf die rotkarierten Decken warfen, der Duft nach französischer Zwiebelsuppe, Rockmusik und Spaßgedichte über und und mit meinen Bruder. Später schaukelten wir dann mit Alains (einem der Hilfslehrer an der Goetheschule) Ente hinfort, die mich zum ZOB und dann mit dem "Affi" (AFAG)-Bus nach Hause brachte. Hier lernte ich auch einen meiner ersten Freunde kennen. Dazu gab es noch den Börsenkeller und den Gnomenkeller, wo man sich nach der Schule traf.

Während des Studiums waren wir Stammgäste in verschiedenen Tübinger Kneipen. Die Köhlerei gibt es nicht mehr, aber historisch verbürgt ist der so genannte Kohlenbumser, ein Kohlenlieferer, der jeden Abend einen Kasten Bier trank und dann auch bald verstarb. Das Rebstöckle mit seinem Rostbraten und den Kutteln existiert ebenfalls nicht mehr, dafür aber der Ammerschlag Ammerschlag und der Storchen. Legendär ist auch das Schwärzloch weiter draußen im  Tal, mit uraltem Bauernhof und Pfauen und Schmalzbrot und schwäbischen Spezialitäten. Wirtschaft und Biergarten gibt es heute noch. Scwärzlocher Hof Unvergesslich auch der Hirsch in Derendingen, direkt neben unserem Wohnhaus am kleinen Bahnhof, in der Alb- bzw. jetzt Jurastraße. Fast allabendlich kam man hier zusammen, aß Schnitzel, Rostbraten oder "Böhmer Scheiterhaufen", trank Bier und konnte dann gemütlich die paar Schritte ach Hause gehen. Hirsch Dorfgasthaus Lassie hieß eine panamesische Freundin von uns, aufgrund dessen ein Mittrinker ständig "Lassie" und "Fury" rief und dabei aus voller Kehle wieherte. Nicht alle haben diese Zeiten gut überlebt-der Wieherer starb mit Anfang 30 nachts im Winter auf einer Parkbank. Heute kehren wir eigentlich nur noch im Café Haag am Haagtor ein  (Kino Atelier). Schöner kleiner Biergarten mit immer netter Bedienung.

Hier in Nagold war es der König, ein Grieche, bei dem sich alles traf, was in Nagold Rang und Namen im politischen Umfeld hatte. (Abgerissen, ebenso der Nachfolger Pflug, wo mein Partner häufig Auftritte als Rock-Blues-Drummer mit Band hatte.) Der "Grüne Baum", lange Zeit In-Kneipe, fiel einem Gebäudeabriss zum Opfer. Der "Zwickel" blieb erhalten, ist aber heute vor allem Jugendkneipe.
So bleibt uns nur noch das schon erwähnte Bahnhöfle, der Italiener in Ergenzingen und im Sommer das Bistro am Busbahnhof, nicht weit von der Nagold entfernt. In Horb am Bahnhof gibt es ein türkisches Bier-und Kaffeelokal, wo wir gestern die ersten warmen Sonnenstrahlen draußen genießen konnten.

Hier: "Klein-Paris" in Ergenzingen, zwei Dörfer weiter  besonders im Sommer sehr schöne Terasse mit gutem Eis, Latte. Pizza und Salat Italiana.

Sonntag, 14. Dezember 2025

Weihnachtsmärkte

 In meiner Kindheit und Jugend war ich nie auf einem Weihnachtsmarkt, so weit ich mich erinnere. Obwohl es die ja schon seit dem Mittelalter gibt, zum Beispiel in Bautzen, Dresden oder Nürnberg. Geschichte der Weihnachtsmärkte. In den letzten 30 Jahren haben wir viele Weihnachtsmärkte in der Umgebung besucht, in Horb, Herrenberg, Rottenburg, Calw, Freudenstadt, Stuttgart, Pforzheim, Ergenzingen, Neubulach und Ulm. In Nagold stand ich einmal stundenlang mit Kollegen und Kolleginnen des Vereins für soziale Integration am Stand, um Spielzeug und Vogelhäuschen aus der Holzwerkstatt zu verkaufen. Meine Hände und Füße waren eiskalt gefroren, und vor uns strömten die Besucher vorbei, mit Glühweingläsern in der Hand, und natürlich blieb kaum einer mal bei uns stehen. So verkaufte ich mein erstes veröffentlichtes Buch auch nur ein einziges Mal an eine Klientin. Trotzdem war es ein Erlebnis, das mal aus der Standes-Perspektive zu sehen! Es hat sich inzwischen aber etwas verändert. Ich erinnere mich an die intensive Stimmung in Wildberg mit den Schafen im Turm unten und den Garagen in der Fachwerk-Oberstadt, die liebevoll hergerichtet waren.  Später wurde es dann überall immer voller, so dass man kaum noch vorankam, auch kommerzieller. Dann kam Corona und alles war dicht, danach war der Hunger der Menschen auf das Event so groß, dass die Massen kaum noch zu bewältigen waren. Vor allem die Schlangen vor den Buden mit Roter Wurst vom Grill und Pommes stauten sich immer länger.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Bericht über den Anschlag auf den Breitscheidplatz-Weihnachtsmarkt im Jahr 2016 gesehen. Parallel dazu wurden Besucher im Fernsehen gefragt, wie groß ihre Angst vor Anschlägen wäre. Die Mehrheit vertraut auf die Sicherheitsvorkehrungen, und das tue ich eigentlich auch. Und nicht deswegen bin ich zwischendurch hinter den Buden durchgelaufen, sondern weil kein Durchkommen mehr war. Leider war ja in Bayern offensichtlich ein Anschlag geplant, an dem kleineren Ort Dingolfing Geplanter Anschlag Dingolfing(neben dem terroristischen Anschlag in Sidney).

 Wir haben dieses Jahr die Besuche ziemlich eingeschränkt. Ich mag keinen Glühwein, dafür bin ich eine Liebhaberin der Würste vom Holzkohlengrill. Nachdem ich die leckere Thüringer Bratwurst nie mehr gefunden hatte, war ich jetzt allein auf die Rote aus. Nur zu diesem Zweck bin ich letzte Woche auf den Nagolder Weihnachtsmarkt gegangen, wo kaum ein Durchkommen war. Neben der traditionellen Eislaufbahn war diesmal auch ein Riesenrad aufgebaut, mit dem 6000 Kinder fuhren, die Besucherzahlen sind auf 20 000 gestiegen, was früher einmal die Gesamteinwohnerschaft von Nagold war! Die Wurst hat auch gut geschmeckt, und ich musste nicht einmal anstehen. Gestern dann noch der kleine, wirklich gemütliche Markt in Schietingen, zwischen Brotbackhaus, alter Schmiede und dem kleinen Bach Steinach, wo unter anderem die Nachbarn einen Stand mit Kürbissuppe bewirteten. Diese kleinen Abstecher sind mir inzwischen genug. Weihnachten kann kommen, auch wenn es nicht mehr vom Lichterglanz der Kindheit, der Familie, dem Räucheraal und den dänischen Köstlichkeiten in Flensburg  überstrahlt ist.

Dienstag, 30. April 2024

Wie lebt man in einer Welt, in der plötzlich alles anders wurde?




 In der Welt wurde seit Anbeginn immer wieder alles anders, in allen Zeiten und für alle Menschen. Sie mussten sich mit Kriegen und Hungersnöten herumschlagen, mit Naturkatastrophen, Revolutionen, mit Tod und Verderben. Aber auch immer wieder mit Fortschritten der Kultur und der Menschlichkeit. Wir haben in den letzten Jahren eine weltweite Seuche erlebt, die alles zum Erliegen brachte. In der viele Fehler gemacht wurden, und in der ich keinen Roman und in keinem Blog mehr etwas schreiben konnte. 

Wir haben uns daran gewöhnt, in Nischen zu leben: Bei mir war und ist es das Schreiben, bei meinem Partner die Musik und für uns beide die Welt der Bücher, der Bilder und der sonstigen Künste. Dazu die kleinen Rückzugsorte in der Natur und in Städten. Das Kloster Alpirsbach war es kürzlich wieder, wo Mönche seit dem Mittelalter lebten, lehrten und Bier gebraut haben.




Andere Nischen finden wir in Pforzheim, in Nagold, in Horb, in Tübingen (letztes Wochenende war es dort allerdings so überfüllt mit Fahrrädern, dass an kein Fortkommen mehr zu denken war), in Reutlingen, Trochtelfingen wäre auch zu nennen, und vor allem in Horb. In den italienischen Eiscafés, im "Gleis Süd" in Horb und seit Jahrzehnten auch im Mössinger "Krokodil".


Dienstag, 26. Dezember 2023

Frohe Weihnachten


 Am Heiligen Abend zeigt sich die Stadt Nagold als ein Weihnachtsmärchen. Auch wenn alle Geschäfte geschlossen sind und nur ein paar Dutzend Menschen durch  die beleuchteten Gassen schweifen, liegt ein Schimmer von Frieden über der Szenerie.


Das Rathaus erstrahlt in den Farben eines Lebkuchens, Musik ertönt, und Worte des Kleinen Prinzen werden über Lautsprecher vorgetragen.

""Man kennt nur die Dinge, die man zähmt", sagte der Fuchs. "Die Menschen haben keine Zeit mehr, irgendetwas kennen zu lernen. Sie kaufen sich alles fertig in den Geschäften. Aber da es keine Kaufläden für Freunde gibt, haben die Leute keine Freunde mehr. Wenn du einen Freund willst, so zähme mich!"



Weiter an den Schaufenstern und am ständigen Weihnachtsmarkt mit der verlassenen Eisbahn vorbei. Angesichts der alten Mauern fällt mir das Weihnachtsgedicht ein, das ich als Kind unterm Baum aufgesagt habe.

Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus ins freie Feld,
Hehres Glänzen, heilges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt‘s wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit! 

Joseph von Eichendorff (1788-1857)


Donnerstag, 28. April 2016

Trauma

Für Betroffene und Interessierte im Großraum Tübingen/ Freudenstadt/ Calw ein interessanter Termin: Die renommierte Traumaexpertin Michaela Huber spricht am Dienstag, den 10. Mai 2016 um 19.00 über das Thema: "Trauma und Sucht". Ort: Kubus Nagold, bei der Stadtbücherei. Zum Thema "Trauma" noch ein ausführlicherer Link Diagnose Trauma Traumatische Ereignisse können Naturkatastrophen oder Gewalterfahrungen sein, schwere Unfälle, Vergewaltigungen, Terroranschläge, Kriegserlebnisse oder Entführungen. Sie können zu akuten oder dauerhaften psychischen Schäden wie der akuten Belastungsreaktion und der Posttraumatischen Belastungsstörung führen. In unserer Zeit häufen sich solche Erfahrungen für viele Menschen. Es können aber auch Erfahrungen von Gewalt oder sexuellen Übergriffen in der Kindheit sein, die zu solchen Traumatisierungen führen. Ich selbst habe in meiner Arbeit mit Traumapatienten erlebt, dass sie u.a. Identitätsschwierigkeiten hatten, zur Selbstverletzungen neigten und ein ausgeprägt niedriges Selbstwertgefühl hatten. Manche litten auch unter Impulsdurchbrüchen, Flashbacks, "Nachhallerinnerungen" oder Alpträumen. In einem Fall habe ich es erlebt, dass derjenige nicht mehr gehen und nichts mehr sehen konnte, wenn so ein Flashback kam. Wenn keine therapeutische Hilfe in Anspruch genommen wird, kann der Betroffene auch versuchen, "Selbstheilungsmittel" wie Alkohol und Drogen gegen seine Symptome einzusetzen. Daraus kann dann ein Teufelskreis entstehen, aus dem die Betroffenen sich meist ohne Hilfe nicht mehr befreien können.

                                          
Vortrag Trauma und Sucht


Am Dienstag, den 10. Mai 2016, auf Einladung des Nagolder Vereins für soziale Integration, hält die bekannte Traumaexpertin und psychologische Psychotherapeutin Michaela Huber einen Vortrag über „Trauma und Sucht.“ Die Veranstaltung findet um 19.00 im Kubus, Zwingerweg 7 in Nagold, statt. Der Vortrag ist kostenlos, alle Interessierten sind herzlich eingeladen. Parallel dazu werden am 11. und 12. Mai Workshops zum Thema "Komplextrauma in der Psychiatrie, Psychotherapie und Beratung" angeboten. Diese Workshops sind bereits ausgebucht, eine Anmeldung ist leider nicht mehr möglich. Michaela Huber wurde 1952 in München geboren. Nach Studium der Psychologie in Düsseldorf und Münster sowie Ausbildung in Verhaltenstherapie war sie Dozentin an verschiedenen Ausbildungsinstituten und Universitäten in Deutschland. Von 1978-1982 war sie Redakteurin bei der Zeitschrift „Psychologie heute“. Seit 1989 ist sie in Kassel als Psychologische Psychotherapeutin und Supervisorin niedergelassen. National wie international ist sie als Ausbilderin in Traumabehandlung mit Schwerpunkt komplexe PTBS (posttraumatische Belastungsstörung) und dissoziative Störungen tätig. Zahlreiche Fachartikel und Bücher sind von ihr erschienen, unter anderem ein zweiteiliges Standardwerk: „Trauma und die Folgen“ und „Wege der Traumabehandlung“ (2003), dann „Der Feind im Innern“ (2013) sowie „Der geborgene Ort“ (2015). Michaela Huber ist seit 1995 1.Vorsitzende einer Trauma-Fachgesellschaft (ISSD, d.h. International Society for the Study of Dissociation dt. Sektion, seit 2012 umbenannt in „Deutsche Gesellschaft für Trauma und Dissoziation“). Sie wurde u.a. mit dem „International Distinguished Achievement Award 1997 der ISSD ausgezeichnet und erhielt das Bundesverdienstkreuz.

Nun zum Thema: Wer kennt sie nicht, die flotten Sprüche wie „Darauf einen Dujardin“, „Schütt die Sorgen in ein Gläschen Wein“ oder „Halt, mein Freund, wer wird denn gleich in die Luft gehen! Greife lieber zur HB, dann geht alles wie von selbst!“ Wie Studien zeigen, beginnt die Sucht oft damit, dass großer Stress, bedingt durch eine schwierige psychische Entwicklung, durch traumatische Erfahrungen und Konfliktsituationen, nicht mehr gelöst werden kann. In solchen Situationen wird häufig ein Suchtmittel eingesetzt, anstatt sich Hilfe zu suchen. Das Suchtmittel wird quasi zum Bindungsperson-Ersatz, zum "besten Freund", weil die Beziehungen zu wichtigen Personen eventuell schon in der Kindheit gescheitert sind. Wenn jemand abhängig von Suchtmitteln geworden ist, dann hat er das meist nicht aus Jux und Tollerei, aus Frust oder Abenteuerlust gemacht. Oder weil er erstmalig als Erwachsener in eine Krise geraten wäre. Viele haben eine Kindheit voller Gewalt und Leid hinter sich. Die Sucht scheint dann ein Ausweg zu sein, um nichts mehr fühlen, sich nicht mit dem Schmerz konfrontieren zu müssen. Süchtige weichen der Notwendigkeit aus, sich mit den Folgen von Trauma und Gewalt auseinanderzusetzen und eine Veränderung einzuleiten. Dabei wiederholen sie oft genau die Muster, vor denen sie davonlaufen. Welche neuen, konstruktiveren Lösungsmöglichkeiten könnte es in solchen Situationen geben? Wie kann man die eingefahrenen Lebensmuster ändern, das Ruder noch einmal herumreißen?

Christa Schmid-Lotz, 28. April 2016