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Samstag, 26. April 2025

Verlagssuche im Frühling

Kirschblüte in Mönchberg bei Herrenberg

 Wer einmal einen Roman veröffentlicht hat, dem weitere folgten, der hat Blut geleckt und kann nicht mehr davon lassen. So ging es auch mir in diesem grauen, feuchten Winter, und auch der Frühling mit seinen Blüten und dem Vogelzwitschern hat dieses Grundgefühl weiter beflügelt. Wie ist es weitergegangen mit der Suche nach einem Verlag? Im Februar gab es einen sehr fruchtbaren Austausch der Plots/Exposés im Forum, der Nachfolgeband von "Tod im Glaswald" ist also perfekt skizziert. Der E-Book-Verlag hat sich erst im April, und erst durch intensive Nachfrage wieder gemeldet. Der Roman hat gut gefallen, erfülle aber nicht die Kriterien des Lesepublikums. Interesse besteht aber an der Wiederauflage der Backlist, den Krimis von Ullstein, evtl. auch an den Aufbau-Büchern. Ein historischer Kleinverlag hat Interesse bekundet ("interessanter und spannender Vorschlag"), ein anderer wegen Überfüllung abgesagt. Ebenso Rowohlt, der Lektorin hat der Roman gefallen, er passe jedoch nicht in Verlagsprogramm. Ich könnte es mit Neobooks versuchen, einer Plattform von großen Verlagen, wo man seinen Roman einstellen, bewerben und von Lektoren entdecken lassen kann. Nach intensiver Prüfung kommt das für mich aber nicht in Frage, da der Aufwand an Werbung und Vernetzung genauso groß ist wie bei Amazon und Tolino, wenn nicht größer. Self-Publishing habe ich dreimal gemacht, zwei Verlagsbücher und einen neuen, das ist  inzwischen aber wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen oder das Angeln eines Wals mit einer simplen Weidenrute. Es gibt einfach zu viele Leute, die Bücher schreiben und zu wenig Buchkäufer, um diese Flut zu bewältigen. Die Wartezeit vertreibe ich mir mit Ausflügen in die Umgebung, mit Diskussionen im Forum und der Entwicklung neuer Projekte (Ostseeroman mit düsterem Familiengeheimnis, Survival-Thriller vor der Kulisse der schwäbischen Alb).

Donnerstag, 25. Februar 2016

Im dunklen Tal

Momentan ist es nicht einfach, in den sozialen Medien unterwegs zu sein, ja, auch nur seinen Blog mit etwas zu bestücken, mit dem das Interesse anderer auch nur ansatzweise geweckt werden könnte. Eine Durchsicht meiner Blogstatistik ergab, dass im letzten Jahr die meisten Besucher an solchen Themen interessiert waren: "Grenzerfahrung", "Besser werden", "Osterspaziergang" "Romantische Wege", "Endlich Rente!", "Der Flatrateautor" als "Spitzentitel", "Das Weißkitteldrama", "Kleine Freuden" sowie "Martinsgans"und "Oasen". Im Großen und Ganzen zeigt das Resultat, dass meine Blogleser nach Auszeit-Themen suchen und nicht mit denselben Dingen konfrontiert werden wollen, die ihnen tagtäglich kaum noch erträglich aus Fernsehen, Radio, der Zeitung und den sozialen Medien entgegenschreien. Ich hörte sogar jemanden sagen, er schaue sich inzwischen die Katzen- und Hundebilder bei Facebook lieber an als die Nachrichten und Diskussionen der Medien. Ach ja, meine Besucherkatzenbeiträge waren natürlich auch recht beliebt.

Als ich nun heute so überlegte, was ich in meinen Blog reinschreiben könnte, hörte ich draußen einen Riesenkrach. Ob die Katzen mal wieder einen ihrer herrlichen, verrückten Veitstänze aufführten? Beim Blick aus dem Fenster merkte ich, dass es eine gewaltige Menge Schnee gewesen war, die vom photovoltaikten Dach herabrutschte. Vor lauter Schreck darüber saßen jetzt mindestens zwanzig Meisen am Meisenknödel, so dass er aussah wie ein Igel. Ja, auch die Tierwelt leidet unter vermeintlichen und echten Katastrophen und eilt sich, etwas für ihr Wohlbefinden zu tun. (Für das wir laut Schopenhauer sowieso selber sorgen müssen, weil die Natur uns nur das Dasein gegeben habe). In dieser Situation beschloss ich, die Zeitung heute mal nicht zu lesen, die 12-Uhr-Ausgabe der Tagesschau nicht anzusehen, auch nicht raus und schwimmen zu gehen, sondern stattdessen etwas in meinen Blog zu schreiben. Vorher aber schaute ich noch bei meinen Nachbarblogs vorbei. Und stieß auf zwei Artikel, die in der Lage waren, mich ein wenig zu "erden". Einmal auf den sehr treffenden Beitrag von Annette Weber Elternschock, dann auf Petra van Cronenburgs Blog, in dem ich etwas über meine Situation wiederfand. Launisch, grummelig und trotzdem gut. Aus den Beiträgen ergibt sich für mich, dass sich immer wieder etwas ändert, auch wenn man in der Tiefe des dunklen Tales nicht daran glauben mag. Und dass es gut ist, nicht eingleisig zu fahren, in jeder Beziehung. Gerade habe ich die Lektüre eines Buches beendet, das ich am Schluss ungern aus der Hand legte, was bei mir nicht jedesmal so ist. Und zwar war es das Buch einer Engländerin, die zusammen mit Hape Kerkeling den Jakobsweg gegangen war und diese Erfahrung mit dem Fahrrad wiederholen wollte. Ich bin da noch mal hin. Das Fahrrad hat sie dann irgendwann stehen lassen, weil sie nur noch im Regen auf Autobahnen fuhr, und von da an hatte sie sich das angetan, was sich schon Tausende von Pilgern angetan haben. Die Reise muss ich jetzt nicht selbst, sondern konnte ich mit dieser Autorin machen und auch ihren Erkenntniswert für mich verbuchen. Auf der ersten Reise hatte sie sich nämlich vorgenommen, mehr für andere dasein zu wollen, auf der zweiten merkte sie, dass sie eigentich andere Menschen brauchte, die für sie da sind. Noch ein Fall von dunklem Tal und Wohlsein, das wir uns selbst verschaffen müssen!

Zum Schluss noch etwas für meine Mitautoren und die Blogleser, die nach Wohlfühloasen, romantischen Wegen und kleinen Freuden suchen. Und zu den Oasen, ganz profan. Gestern sind wir bei Wind und trübkaltem Wetter in die alte Bischofsstadt Rottenburg gefahren. Zu unserem Erstaunen war der lebhaft besuchte Bücherschrank verschwunden, statt dessen gähnte ein riesiges Bauloch. Hier wird ein Betonklotz errichtet, der die städtische Bücherei aufnehmen soll. Beim kleinen Osiander auf dem Marktplatz war der Computer ausgefallen, Bücher konnte man nur in bar und ohne Quittung kaufen. Weiter unten ein kleiner Bücherladen, den wir bisher nie beachtet hatten, weil wir ihn gar nicht als solchen erkannt hatten. Das war eine richtige Oase, mit vielen Titeln aller Richtungen und einem Teetisch zum Schmökern. Und als ich nach Hause kam, war auf wunderbare Weise mein "Teufelswerk" sichtbar geworden, ohne dass ich die Rabattaktion irgendwo anders als bei Amazon und Tolino angekündigt hatte.

Möge das Schreiben selbst wieder zu einer Oase werden!

Rottenburger Marktplatz im Sommer, eine Oase

Samstag, 23. August 2014

Amazon, mein Buchmarkt und meine Lorbeerträume

Gerade in MatthiasMattings "Selfpublisherbibel" gefunden:Warum es keinen fairen Buchmarkt gibt. Das war für mich das Klarste und Vernünftigste, was ich bisher über dieses Thema gelesen habe. Mal ganz persönlich betrachtet: Waren die Verlage bisher fair zu mir? Ja, sie haben (fast) alles erfüllt, was vertraglich ausgemacht war: Sie haben meine Bücher gelesen, lektoriert, korrektoriert, ein Cover und einen Klappentext gemacht und dafür gesorgt, dass es in die Buchhandlungen gekommen ist. Auch das eine oder andere Extra an Werbung hat es gegeben. Es gab Lektoren, zu denen ich in den Verlag oder nach Hause gekommen bin, es gab welche, die zu mir gekommen sind und wiedrum welche, mit denen ich mich nur über Emails ausgetauscht habe. Mit einigen habe ich stundenlang telefoniert. Der Vorschuss wurde immer mit den Ergebnissen der folgenden Bücher verrechnet. Absolut fair und ganz im Sinne der Verlage. Fair ist es vielleicht nicht, Autoren so lange auf Antworten und Entscheidungen warten zu lassen, aber es scheint betriebsbedingt unumgänglich. Seit ich die Entscheidungsmöglichkeit habe, selbst zu veröffentlichen, brauche ich nicht mehr so lange zu warten. Wenn ich keine Lust mehr habe, auch, wenn ich keine Lust mehr habe, Manuskripte auszudrucken und herumzuschicken, engagiere ich einen Lektor (kenne inzwischen etliche!) und eine meiner Grafikerinnen und lege los. Alles verlagert sich dann auf meine, die selbstverlegerische Seite. Das Geld für das letzte Cover war in einem Monat wieder drin. Und ich glaube, je mehr qualitativ gute Bücher ich herausbringe, desto eher wird sich das alles ammortisieren. Ich habe mit Amazon einen Alternativanbieter und könnte es auf die Dauer auch noch mit anderen Distributoren versuchen. Und selbst wenn Amazon mit unlauteren Methoden arbeitet und demnächst den Autorenanteil auf 35% senken sollte, so sind das immer noch zehn Prozent mehr als das, was ich bei Verlagen für E-Books bekomme. Alle kapitalistisch orientierten Händler haben Lockangebote, später gehen die Preise dann wieder hoch. Durch diese Änderung in den Buchmarktbedingungen habe ich jetzt plötzlich wieder Zeit. Ich muss nicht mehr viel Aufwand in die Bewerbung meiner Bücher stecken, im Gegenteil, ich habe mehr Zeit als je zuvor. Zeit zum Schreiben, zum Shoppen, zum Wandern, so das Wetter mitmacht, und Zeit zum Träumen. In Frankfurt kam der Plan zustande, zusammen mit meinem Sohn David nach Madeira zu fliegen - Anfang Oktober, wenn Land und Meer noch warm sind vom ewigen Frühling und vom langen Sommer. Dort gibt es ganzjährig Blumen und blühende Bäume, man kann Levadawandern, schwimmen, fotografieren und einfach relaxen (chillen). Dabei entdeckte ich, dass zwei meiner ersten Kurzgeschichten von 2001 (in jenem Jahr war ich nämlich erstmalig auf Madeira) mit den Titeln "Lorbeerträume" und "Der Sturm" auf Madeira spielen. Vielleicht wird mein Traum vom Wander-und Reisebuch doch noch einmal wahr. Und wann immer ich wirklich Zeit und Lust dazu haben werde, nehme ich den Anbieter, mit dem ich es am besten verwirklichen kann.

Donnerstag, 24. April 2014

Verschenkte Zukunft für Autoren?

Vorheriger Post:
 Eigene Stimme oder Orientierung am Markt?

Ich sitze hier und warte darauf, dass mein Auto von der Inspektion zurückkommt. Heute wird einmal mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Früher habe ich mich insgeheim über solche Situationen gefreut, denn dann konnte ich die Zeit zum Schreiben nutzen und hatte keine Gelegenheit zu entkommen. Die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel, aber wenn ich vor die Tür trete, sehe ich immer nur den Rasen, der bald gemäht werden muss und höre das Bumbum des Fußballs, den der Nachbarssohn gegen die Garagentür bolzt. Natürlich kann man auch Geschirr spülen, putzen und die Wäsche in den Schrank räumen, aber alles das hat nicht so einen hohen Glückswert wie das Schreiben. Also gehe ich mal wieder ein bisschen surfen, denn es gibt nichts zum Schreiben, Überarbeiten, Korrigieren, Plotten oder Planen. Die Zahl der Kommentare bei Blogger habe ich schon gestern nach einer Stunde nicht hingekriegt (der Code existiert nicht), also gebe ich nach einer weiteren Stunde auf. Sonst ist nichts los. Es ist so langweilig, wenn man nicht schreibt! Mein E-Book ist gerade in Österreich in der Konvertierungsphase, wenn das nicht klappt, muss ich es vielleicht wieder zurückstellen. Ist ja auch nicht schlimm, denn was erwartet mich als E-Book-Autorin schon? Gerade habe ich eine neue Downloadplattform entdeckt mit meinen neuen E-Books drauf. Zwischen 39 und 76 Leser haben sich jeweils für mein geschenktes Buch bedankt. Es waren aber nur die Bücher aus dem größeren Verlag. Plattformen geben Nischenprodukten keine Chance! Oder kaufen sie sie etwa, um ihnen eine Chance zu geben und dafür die großen Verlage und deren Autoren zu schädigen? Dann stieß ich, nun schon zum dritten Mal, auf den Blogbeitrag von Nikola Hahn Amazon ist nicht das Problem, mit Verweis auf einen Artikel im Buchreport vor etwa einer Woche. Die Buchhändlerin Martina Bergmann hat es gut auf den Punkt gebracht: Beliebigkeit verkauft sich nicht! Man solle flugs historische Romane über den 1. Weltkrieg einkaufen, denn nächstes Jahr um die Zeit werden diese Romane remittiert sein. Die Buchhandelsbranche und die Verlage brauchten sich nicht darüber zu wundern, wenn sie ihre Autoren an Monopolisten verlieren und ebendiese Autoren auch von Erzählalgorithmen abgelöst werden könnten. Dann bricht sie eine Lanze für die Breite und Tiefe der Sortimente, für literarische Vielfalt und eine Gegenwartskultur, die dieses Namens würdig sei. Es gibt einige Kommentare dazu, von denen abwechslungshalber der von Spiegelbest nicht der Schlechteste ist. Er weist nämlich darauf hin, dass mit den selbst publizierten E-Books das Problem nicht gelöst sei

Schluck. Ich bin gerade dabei, mich diesem Monopolisten, der KrakeAmazon, auszuliefern. Ich dachte, ich stelle mein E-Book dann, wie schon das erste, bei  KDP select ein. Da kann ich, wenn ich auch nichts mehr verschenken möchte, doch kurzfristige Werbeaktionen mit Preissenkungen machen, die das Buch wieder ein wenig hervorspülen würden. Habe mich da auf breiter Schiene informiert. Wenn es in den drei Monaten einigermaßen laufen sollte, kann ich es bei einem Distributor wie Xinxii oder Neobooks unterbringen, die es auch in Läden wie Thalia und Hugendubel sichtbar machen. Außer bei Epubli darf man es dann trotzdem bei Amazon selbst einstellen, um die 70% kassieren zu können. Ja, ich sehe, mit den E-Books ist das Problem auch nicht gelöst, und Amazon ist nicht allein schuld an dieser Entwicklung. Da möchte ich mich doch gern an meinen letzten Blogbeitrag erinnern. Denn genau da war doch von Nachhaltigkleit und Kulturschaffenden die Rede, die sich nicht an Trends orientieren und von Erzählalgorithmen weit entfernt sind. Uff! Und jetzt kann ich in die Sonne rausgehen, auf der Terrasse mein nebenher gebrutzeltes Essen verzehren, mich an den Blumen freuen, die noch nicht gemäht sind, über die Stille am Garagentor frohlocken und von meinen nächsten Büchern träumen, die sicher von 300, 500 oder 1000 Lesern gefunden werden, unabhängig davon, wohin sich unsere Geizistgeil-Gesellschaft noch entwickelt.

Dienstag, 22. April 2014

Eigene Stimme oder Orientierung am Markt?

Eine alte und meist heftig diskutierte Frage unter Autoren ist die, ob man nun schreiben soll, was man will bzw. was man selbst gern lesen würde oder ob man sich an den Bedürfnissen des "Marktes" orientiert. Zu dieser Frage hat Hans - Peter Roentgen den Erfolgsautor Sebastian Fitzek interviewt, nachzulesen im Tempest Newsletter vom 21. April 2014. Ich konnte es nicht verlinken, deshalb fasse ich die entscheidenden Passagen einmal zusammen.
Zu einem Mythos über den Buchmarkt gehört die Annahme vieler Autoren, dass es eine Formel für einen Bestseller geben würde. Oder dass man mit Marketing alles verkaufen könnte. Fitzeks Erstlingswerk "Die Therapie" wurde allein durch Mundpropaganda zu einem Überraschungshit. Das zweite verkaufte sich trotz intensiver Werbekampagnen nur halb so gut. Sein Agent hatte ihm den Rat gegeben, die Geschichte nicht in den USA, sondern dort spielen zu lassen, wo er sich auskenne, also spielte sie in Berlin. Der Durchbruch strafte die Ansicht Lügen, dass Psychothriller nicht in Deutschland spielen könnten.Wer immer in den Fußstapfen anderer geht, hinterlässt nie eine eigene Spur (oder wird nie Erster). Man muss seine eigene Stimme, seine eigenen Themen finden. In Verlagen und von Agenten würde aber häufig darauf hingewiesen, dass man sich daran orientieren solle, was sich gerade verkauft. Was ist nun richtig? Es sei verdammt hart, sich gegen diese gängigen Vorurteile durchzusetzen, meint Fitzek. Genau so hart sei es aber, sich als der tausendste Autor am Markt zu behaupten, der wie die 999 anderen vor ihm versucht habe, den Erfolg von Harry Potter, Twilight oder Shades of Grey zu kopieren. Hier noch der Link zu einem vollständigen Interview in der Krimi-Couch zum Thema "Trends": Ich schreibe nicht nach Trends, sondern nach Ideen.

 Ich selbst habe nie versucht, jemanden zu kopieren (außer in jungen Jahren in meinem Tagebuch, in dem ich einmal den Stil von Max Frisch kopierte). Wohl aber hatte ich, sobald ich zu einem größeren Verlag kam, gewisse Genre-Vorgaben zu erfüllen. Und die führten auch zu den erwarteten Verkäufen. Die mit den eigensten Ideen führten eher ein Schattendasein. Auch mein Krimi entspricht nicht den klassischen Genre-Erwartungen, auch mein historischer Krimi nicht. Es kann also durchaus passieren, dass sie mehr oder weniger unsichtbar bleiben, wenn es mir nicht gelingt, sie sichtbar zu machen. Dazu habe ich aber schon einige Ideen.

Zu den Vorgaben ist mir noch etwas aufgefallen. In meiner blutigen Anfängerzeit in einer Autorenwerkstatt, (wo ich übrigens Nika Lubitsch kennen- und schätzen lernte, wir haben gegenseitig viele unserer Geschichten kommentiert), gab es jeden Monat eine Schreibaufgabe. Anfangs waren es Begriffe wie "Wasser" oder "Stein" oder "Grenzen", zu denen man sich etwas einfallen lassen sollte. Meiner Erfahrung nach waren die Geschichten desto schlechter, je enger die Vorgaben waren. Gestern habe ich mal ein paar meiner etwa 60-70 Kurzgeschichten, Fragmente usw. gelesen, die dabei herausgekommen sind, und gleich 10-20 rausgeschmissen. Sehr gut sind die mit der großzügig und frei interpretierbaren Aufgabe geworden, wenn sie aber enger gefasst war, kamen dabei ziemlich ähnliche Geschichten heraus. Oft leisteten die Autoren (auch ich) Widerstand, indem sie am Thema vorbeischrieben. Aus all dem (und von nicht marktorientiert denkenden Kollegen) habe ich gelernt, eine eigene Stimme zu entwickeln. Ohne rot zu werden kann ich sagen, dass ich mich in den vierzehn Jahren seitdem enorm weiterentwickelt habe.

























Samstag, 22. Juni 2013

Die Zukunft meiner Bücher

Bei Facebook habe ich es schon erwähnt: Gestern sahen wir in Reutlingen, dass die Thalia-Filiale am 28. Juni dieses Jahres schließen wird. Sie hätte sich als unrentabel erwiesen. Und so ergeht es vielen Standortfilialen von Hugendubel, Weltbild und anderen. Nur Osiander scheint davon noch nicht so betroffen (dort gibt es auch immer noch mehr Bücher als Krimskrams zu sehen). Meiner Meinung nach werden sich die Buchhandlungen den Onlinewünschen der Kunden anpassen und viele Bücher nur noch auf Bestellung vorhalten (eine Art Buchhandlung-on-Demand!). Wünschenswert wäre, dass die kleineren Buchhandlungen wieder mehr Luft bekämen. Die großen kündigen ebenfalls an, abspecken zu wollen. Die Verlage bringen ein Drittel weniger Neuerscheinungen heraus. Was für Anfänger eine noch größere Hürde darstellen wird-und sie werden weiter auf den Self Publishing-Markt drängen. Die absolute Nr. 1 unter den Topp 100 bei Amazon ist ein Blogroman! Weiter höre ich, dass die kleineren Verlage peu á peu eingehen sollen, die großen fangen an umzudenken und richten E-Book-Portale wie Neobooks ein. Das alles ist eigentlich gar nicht so schrecklich und beklagenswert. Für mich als Autorin bleibt zu konstatieren:
Ich schreibe weiter und zwar ohne jeden Zeit- und Abgabedruck.
Ich vergesse die "Regeln" des Buchmarktes und schreibe weiter Bücher, die ich auch selber lesen würde. Was ich während meiner Agenturzeit lernen musste: Es gebe sogenannte No-Gos bei historischen Romanen, als da sind:
Ein Mann als Hauptfigur
Keine Liebesgeschichte im Vordergrund
Eine Liebesgeschichte, die nicht zu einem Happy End führt
Handlungsstränge, die sich mit politischen oder sozialen Themen beschäftigen
Das alte Rom, Ägypten und die Zeit vor dem Mittelalter
Das 18. Jahrhundert, insbesondere die Zeit der französischen Revolution
Romane, in denen Bauern eine Rolle spielen

Herausgekommen sind bei mir immer Geschichten, bei denen zum Beispiel der erste Kuss zu spät kam. Nur an das Gebot der Jahrhunderte habe ich mich gehalten. Die Enden waren häufig offen. Die Geschichte, die damals vom Agenten abgelehnt wurde, ist eine solche No-Go-Geschichte. Ich schreibe sie mit viel Bedacht, sie muss noch sehr im  Kopf gewendet werden. Dann ist da noch der Krimi. Der soll, um als Regionalkrimi zu gelten, einen kauzigen Kommissar enthalten und eine Gegenspielerin mit großer Klappe, aber weichem Kern. Und das Ganze muss serienmäßig ausbaubar sein. Inzwischen denke ich aber, dass das nur für Stapelware gilt. Und da die bald nicht mehr oder nicht mehr in dem Umfang vorhanden sein wird, kann ich mir getrost meine eigenen Kriterien aufstellen, nämlich die für Bücher, die ich selbst gern lese.

Samstag, 23. Februar 2013

Machen Verlage die Autoren kaputt?

Seitdem ich 2004 meinen ersten Roman veröffentlichte, wehre ich mich dagegen, in Folge "immer dasselbe" schreiben zu sollen. Egal, ob Klein - oder Großverlag, unabhängig von Erfolg und Misserfolg, es wurde immer erwartet, die einmal befahrene Schiene weiter zu bedienen. Das wollte ich nicht. Und ich wollte raus aus den Zügen, die immer in die gleiche Richtung fuhren, alle gleich aussahen und irgendwann total überfüllt waren. Ich hatte eine ganze Palette von historischen, kriminologischen und Thriller-Ideen, teilweise schon ausgeführt, teilweise auch veröffentlicht, manche aber immer noch auf der Festplatte. Momentan bin ich ziemlich orientierungslos, um es ehrlich zu sagen. Fragen, die ich mir stelle:
Was wird mit meinem Hausverlag, wenn das nächste Buch nicht "erfolgreich" ist?
Was mache ich mit meinem Schwarzwaldkrimi, der in überarbeiteter Form vorliegt? Soll ich ihn mit Hilfe von Testlesern und mindestens 12 Überarbeitungen zur Bestform bringen? Wem soll ich ihn dann anbieten? (Meinem Agenten zuerst, denn er war an der Plotentwicklung beteiligt). Wird von mir erwartet, dass ich ihn unter Pseudonym herausbringe, wegen des Genrewechsels? Oder steht mein Name inzwischen so da, dass ich jonglieren könnte? Der Krimi ist nicht ganz Genre-lupenrein, er hat auch Thrillerelemente. So etwas wurde mir schon mal in einer Rezension vorgeworfen, dass es solche Elemente in einem historischen Roman gab. Und auch der Thriller, den ich gerade lese "Bluternte" von Sharon Bolton wird am Thrillergenre gemessen: Er sei doch eher gemütlich wie ein Krimi. Mir gefällt das im Übrigen recht gut, was sie schreibt, schon die Atmosphäre des Moordorfes mit Abteiruine und Friedhof.

Bei jedem Zweifel wurde mir von Kollegenseite geraten, doch das zu schreiben, was mir in die Finger käme und wofür ich brenne. Das habe ich auch getan, nur kollidiert es immer wieder mit dem "Markt"! Meine eigensten Bücher waren fast immer die am schlechtesten verkauften, von Verlags- und Agentenseite her gesehen. Den besten Rat, den mir andere gaben und den ich auch weitergeben würde, ist der: einfach immer weiterschreiben, die Texte optimieren und sich nicht beirren lassen! Alles, was mir in den letzten Wochen durch den Kopf ging, habe ich im Blog von Petra A. Bauer wiedergefunden.

Machen Verlage die Autoren kaputt?

Darin beschreibt sie das Dilemma der Autoren und der Trends, denen immer hinterhergehechtet wird. Bei den langen Vorlaufszeiten ist der Zug meist wieder abgefahren, wenn das Buch veröffentlicht wird. Was die E-Books betrifft, rät die Autorin davon ab, aktuelle Herzensprojekte in den Ring zu werfen - sie sieht das eher als Möglichkeit, vergriffene Werke wieder aufzulegen. So, wie ich es ja auch getan habe und wieder tun würde. Übrigens fällt mir dabei ein Thema ein, das ich schon mal in einem Roman verarbeitet habe: Die Suche nach dem Stein der Weisen ("Das Vermächtnis des Bischofs"): Da wird die Suche nach dem Stein allmählich ab absurdum geführt - um dann doch als Frage offen zu bleiben. (Und prompt kam wieder eine Kritik, die den Roman nicht "historisch" genug fand!) Genauso agieren gerade die Verlage und auch viele Autoren: Irgendwo muss doch das Rettende stecken, irgendwo muss es doch herkommen, irgendwie muss es mir dir ihm ihr ihnen doch gelingen, endlich aus niederen Metallen Gold zu machen!

Siehe dazu auch: Such dir ein globales Dorf von Petra van Cronenburg.

Mittwoch, 25. Juli 2012

Autorin im E-Book-Fieber!

Jetzt habt ihr es geschafft, meine werten Autorenkollegen! Ich habe angefangen zu träumen, was ich noch alles an E-Books herausgeben könnte. Wie war das noch mit dem Rechterückruf bei den Verlagen nach fünf Jahren, wenn sie ihr Vervielfältigungsrecht nicht mehr ausüben sollten? Das wären allein 2014 zwei Romane: "Die Nonne und die Hure" und "Die Pilgerin von Montserrat"! Dazu 2012 "Eduadrrd Mörike. Ein Leben auf der Flucht", 2013 "Die Köchin und der Kardinal", noch ganz in der Tradition der historischen Reihenproduktion. Es soll übrigens gerade bei den Historischen einen Wandel geben. Der Markt wird von wenigen VielschreiberInnen beherrscht, wie man auch in den Buchhandlungen sehen kann, aber der historische Roman kommt mitnichten aus der Mode. In Zukunft werden wohl wieder mehr die Inhalte zählen, werden die Bücher nicht mehr so austauschbar sein. Und meine E-Books werden nicht automatisch nach ein paar Monaten aus der Welt verschwinden, sondern ich biete sie an, so lange eine Nachfrage besteht.
Und noch etwas: Gestern fand ich mich bei der Suchmaschine Brandegg wieder, das ist eine Suchmaschine, die Unternehmerprofile zusammenstellt. Als Autor Christa Schmid-Lotz im Internet bin ich also schon eine Marke! Die könnte dann das Regionale vertreten, die Städteführer und Wandertipps, während Christa S. Lotz mit Historischen, Krimis und Thrillern daherkommt. Jetzt aber genug der Träume und des Weihrauchs, der Brötchengeber hat gerufen!:-)