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Freitag, 6. Juli 2018

Leseexemplare für Rezensenten

Von meiner Lektorin erhielt ich ein digitales Leseexemplar, das für die professionellen Leser und Leserinnen bei Netgalley gedacht ist. Netgalley funktioniert so, dass Verlage dort Neuerscheinungen einstellen. Professionelle Besucher wie Buchhändler (40%), Buchbloggerinnen und andere Rezensenten suchen sich dort ihren Lesestoff heraus, die Rezensenten (die bestimmte qualitative Anforderungen erfüllen müssen) fragen dann beim  Verlag nach einem Rezensionsexemplar. Falls es hier unter meinen Blogbesuchern BuchbloggerInnen gibt, die Interesse an einem Exemplar hätten, können sie bei mir anfragen. Demnächst erhalte ich auch noch ein paar gedruckte Exemplare per Post. Die Rezensionen werden dann auch bei Amazon, Thalia, Weltbild usw. eingestellt, so weit ich es verstanden habe. Hier sind die am meisten nachgefragten Exemplare unter der Kategorie "Krimis, Mystery und Thriller" aufgeführt. Meine Martinsmorde befinden sich auf Seite drei von insgesamt 58 Titeln und wurden achtmal positiv für das Cover bewertet.

https://www.netgalley.de/catalog/category/16/mostRequested?sort=b.reqCount&direction=desc&page=3


Donnerstag, 24. April 2014

Verschenkte Zukunft für Autoren?

Vorheriger Post:
 Eigene Stimme oder Orientierung am Markt?

Ich sitze hier und warte darauf, dass mein Auto von der Inspektion zurückkommt. Heute wird einmal mit dem Bus zur Arbeit gefahren. Früher habe ich mich insgeheim über solche Situationen gefreut, denn dann konnte ich die Zeit zum Schreiben nutzen und hatte keine Gelegenheit zu entkommen. Die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel, aber wenn ich vor die Tür trete, sehe ich immer nur den Rasen, der bald gemäht werden muss und höre das Bumbum des Fußballs, den der Nachbarssohn gegen die Garagentür bolzt. Natürlich kann man auch Geschirr spülen, putzen und die Wäsche in den Schrank räumen, aber alles das hat nicht so einen hohen Glückswert wie das Schreiben. Also gehe ich mal wieder ein bisschen surfen, denn es gibt nichts zum Schreiben, Überarbeiten, Korrigieren, Plotten oder Planen. Die Zahl der Kommentare bei Blogger habe ich schon gestern nach einer Stunde nicht hingekriegt (der Code existiert nicht), also gebe ich nach einer weiteren Stunde auf. Sonst ist nichts los. Es ist so langweilig, wenn man nicht schreibt! Mein E-Book ist gerade in Österreich in der Konvertierungsphase, wenn das nicht klappt, muss ich es vielleicht wieder zurückstellen. Ist ja auch nicht schlimm, denn was erwartet mich als E-Book-Autorin schon? Gerade habe ich eine neue Downloadplattform entdeckt mit meinen neuen E-Books drauf. Zwischen 39 und 76 Leser haben sich jeweils für mein geschenktes Buch bedankt. Es waren aber nur die Bücher aus dem größeren Verlag. Plattformen geben Nischenprodukten keine Chance! Oder kaufen sie sie etwa, um ihnen eine Chance zu geben und dafür die großen Verlage und deren Autoren zu schädigen? Dann stieß ich, nun schon zum dritten Mal, auf den Blogbeitrag von Nikola Hahn Amazon ist nicht das Problem, mit Verweis auf einen Artikel im Buchreport vor etwa einer Woche. Die Buchhändlerin Martina Bergmann hat es gut auf den Punkt gebracht: Beliebigkeit verkauft sich nicht! Man solle flugs historische Romane über den 1. Weltkrieg einkaufen, denn nächstes Jahr um die Zeit werden diese Romane remittiert sein. Die Buchhandelsbranche und die Verlage brauchten sich nicht darüber zu wundern, wenn sie ihre Autoren an Monopolisten verlieren und ebendiese Autoren auch von Erzählalgorithmen abgelöst werden könnten. Dann bricht sie eine Lanze für die Breite und Tiefe der Sortimente, für literarische Vielfalt und eine Gegenwartskultur, die dieses Namens würdig sei. Es gibt einige Kommentare dazu, von denen abwechslungshalber der von Spiegelbest nicht der Schlechteste ist. Er weist nämlich darauf hin, dass mit den selbst publizierten E-Books das Problem nicht gelöst sei

Schluck. Ich bin gerade dabei, mich diesem Monopolisten, der KrakeAmazon, auszuliefern. Ich dachte, ich stelle mein E-Book dann, wie schon das erste, bei  KDP select ein. Da kann ich, wenn ich auch nichts mehr verschenken möchte, doch kurzfristige Werbeaktionen mit Preissenkungen machen, die das Buch wieder ein wenig hervorspülen würden. Habe mich da auf breiter Schiene informiert. Wenn es in den drei Monaten einigermaßen laufen sollte, kann ich es bei einem Distributor wie Xinxii oder Neobooks unterbringen, die es auch in Läden wie Thalia und Hugendubel sichtbar machen. Außer bei Epubli darf man es dann trotzdem bei Amazon selbst einstellen, um die 70% kassieren zu können. Ja, ich sehe, mit den E-Books ist das Problem auch nicht gelöst, und Amazon ist nicht allein schuld an dieser Entwicklung. Da möchte ich mich doch gern an meinen letzten Blogbeitrag erinnern. Denn genau da war doch von Nachhaltigkleit und Kulturschaffenden die Rede, die sich nicht an Trends orientieren und von Erzählalgorithmen weit entfernt sind. Uff! Und jetzt kann ich in die Sonne rausgehen, auf der Terrasse mein nebenher gebrutzeltes Essen verzehren, mich an den Blumen freuen, die noch nicht gemäht sind, über die Stille am Garagentor frohlocken und von meinen nächsten Büchern träumen, die sicher von 300, 500 oder 1000 Lesern gefunden werden, unabhängig davon, wohin sich unsere Geizistgeil-Gesellschaft noch entwickelt.

Dienstag, 14. September 2010

Das Chamäleon

Ich bin keine Künstlerin, sondern ein Chamäleon, das habe ich jetzt herausgefunden. Ein Chamäleon ist landläufig ein Wesen, das sich farblich seiner Umgebung anpasst (um sich zu tarnen, nehme ich an, und um besser an die Fressbeute zu kommen). Das war nämlich so:
Als ich in der Schule war, wollte ich Buchhändlerin werden. Damals verdiente man bei Thalia aber so wenig, dass mein Vater mir heftig abriet. Statt dessen wurde ich Sozialpädagogin. Während des Studiums schrieb ich für Scheine (nein, keine Geldscheine, auch wenn man das jetzt denken könnte) und am Schluss eine Diplomarbeit, weil es sich so gehörte. Dann kamen die großen Bewegungen, und ich schrieb politisch, weil damals das Wort noch ein erhebliches Gewicht hatte.
Als ich ein kleines Kind hatte, wollte ich ein Kinderbuch schreiben, später einen Mediationsratgeber. Es hätte auch ein Erfahrungsbericht werden können, mit dem ich viele erreicht hätte, denn Mediation war zu der Zeit noch ein Fremdwort. Später fing ich begeistert an zu wandern und schrieb Wanderberichte. Als das Moos der frühen Schreibjahre abgebröckelt war, folgten Kurzgeschichten, die ich in einer stürmischen Oktobernacht im Computer entdeckte, vor fast genau zehn Jahren. Aus den Kurzgeschichten wurden erste Romane. Ich schrieb über einen Dichter, weil ich den schon aus der Vorzeit kannte und schrieb historische Geschichten, weil unser Geschichtslehrer uns zu wenig über die Leute damals erzählt hat. Wenn die Warterei mal wieder zu nervig war, schrieb ich Wander- und Ausflugsberichte und siehe da, auch dafür gab es verlegerische Interessenten.
Was bleibt zu tun? Was ist der nächste Schritt? Jetzt müsste ein Ratgeber über Burnout folgen. Und als Schlussrakete ein Psychiatrie-Thriller! Bis zu den Rentnerkrimis ist ja noch ein wenig Zeit.:-)
Preisfrage: Was wäre gewesen, wenn ich Buchhändlerin geworden wäre?

Sonntag, 2. November 2008

Mörike's spätes Comeback:-)

Heute haben wir das Kontrastprogramm zu gestern abgezogen. Wir fuhren nach Tübingen, wo ich seinerzeit sieben Jahre lang gelebt und studiert hatte. Ein wolkenverhangener, herbstlicher Schein lag über den alten Mauern, und obwohl ich die Stadt seither oft besucht habe und kenne wie meine Westentasche, erschien sie mir wie neu. Es war alles noch da, die Marquartei, das Atelier-Kino, das Haus in der Haaggasse, in dem ich wohnte, der Club Voltaire, der Jazzkeller und die Weinstube Göhner. Die Leute in der Stadt bewegten sich entspannt, es war eine Atmosphäre wie im Süden. Auf dem Marktbrunnen saßen einige Junge, einer, der aussah wie mein Sohn David, spielte Gitarre.
Am Anfang der Haaggasse ist ein neues Antiquariat eingezogen. Während wir die Klassiker und Krimis begutachteten, zupfte ich meinen Partner am Ärmel und sagt: Guck mal, da liegt ja mein Mörike. Voller Tatendrang, wie immer, riss er das Buch an sich, eilte zu dem Buchhändler hinein, zeigte mit seiner beringten Schlagzeugerhand auf mich und erzählte, ich sei die Autorin dieses Buches. Die sind von einem anderen Antiquariat, sagte der Buchhändler, der verkauft es stapelweise. Als ich reinkam, drückte er mir würdevoll die Hand. Ja, besser sie kommen unter die Leute als überhaupt nicht, zu einem vernünftigen Preis. Und das war der letzte Sonntag, an dem die Tübinger Buchhändler ihre Bücher verkaufen durften. So wie es gestern der letzte Tag war, an dem die Stuttgarter Grabkapelle geöffnet hatte.
Bei dem Antiquar habe ich mir "Madame Bovary" von Flaubert gekauft, das fehlte noch in meinem Fundus, und ich habe gerade in letzter Zeit nur Gutes davon gehört.