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Freitag, 13. März 2026

Zwischen Amazon und Stammkneipe



Wenn man ein Buch selbst veröffentlicht, muss man - nach der sorgfältigen und auch zeitraubenden Erstellung der Datei -, danach auch etwas zur Verbreitung und Bekanntmachung tun. Früher standen meine Bücher massenweise in den Buchläden der Republik, das ist in den letzten zehn Jahren anders geworden. Es reicht nicht, bei Instagram, Facebook oder anderen sozialen Medien einfach das Buch einzustellen und einen Reaktion zu erwarten. Meistens rauscht alles daran vorbei, es sei denn, man hat schon eine ganze Anzahl von treuen Followern, die auch noch Leser des eigenen Genres sind. Der beste Tipp, den ich bisher bekam, war der: Ich bin einer privaten Gruppe bei Facebook mit dem Thema "historische Romane" beigetreten und habe da bisher nur die besten Erfahrungen gemacht. Meine zwei Beiträge waren gut besucht, fünf Leserinnen haben sich mein E-Book gleich heruntergeladen. Woran ich das sehen kann? Eine hat es angekündigt, die anderen kann ich in meinem KDP-Bücherregal verfolgen, auch wieviel Seiten gelesen wurden und was ich damit und mit den Verkäufen bisher verdient habe. Mitte Mail will ich auch noch eine Veröffentlichung über Tolino anstreben. Dort ging es damals etwas anders zu als bei Amazon. Sehr viel persönliche Betreuung, ein kostenloses Angebot meines E-Books ("Nacht des Wolfes") im Newsletter, es wurde 3000 mal heruntergeladen. Anschließend passierte dann allerdings gar nichts mehr.

Für die Betreuung kann ich Amazon auch nicht so gute Noten ausstellen. In den letzten Tagen wollte ich, dass mir der Support meine Hexenkinder mit dem Verlagsbuch verknüpft. Da meldete sich ein Bot in schlechtem Deutsch, das das nicht ginge, weil Name und Titel nicht übereinstimmten. Ich insistierte, das könne doch nicht sein, weil es bei meinem Verlagsbuch "Das Vermächtnis des Bischofs" und "Teufelswerk" doch auch geklappt hätte. Beim zweiten Mal kam überhaupt keine Antwort. Auf mein weiteres Drängen kam eine Mail desselben Inhalts, nur etwas besser formuliert. Ich wurde jetzt etwas forscher, gab einen Stern für die Beratung und siehe da, jetzt wollte eine "Mistica" nur, dass ich nochmal die ASIN und die Links für das zu verknüpfende Buch schicke. Na also. Es soll bis zu einer Woche dauern, aber letztes Mal ging es etwas schneller, soweit ich mich erinnere.

Um mich von den ganzen Querelen zu erholen, nahm ich am Mittwoch die Einladung zu einem Stammtisch zwei Dörfer weiter an. Beim Hereinkommen staunte ich über den alten Kohleofen, der eine ganz  besondere Wärme verstrahlte, über die alte, liebevolle Einrichtung und über den Höllenlärm, der mir von vier Stammtischen entgegenschallte. So bekam ich auch nur das Wesentliche mit, was geredet wurde, aber es war einfach schön, mal ein paar Stunden dazusitzen, sich wie früher zu fühlen und mal über etwas anderes zu sprechen als das Schreiben-nämlich u.a. über die besonderen Pausenbrote auf dem Schulhof und über Viecher wie Mäuse, Ratten Marder und Schnecken, die einem auf verschiedene Weise das Leben schwer machen können.  Hirsch





Mittwoch, 11. Februar 2026

KI findet meinen Schlüssel nicht!

 



Ein E-Book selbst herauszugeben ist gar nicht so einfach. Auch wenn das ursprüngliche Print schon veröffentlicht, lektoriert und korrektoriert wurde. Ich habe es ja erweitert, und es sind etliche Seiten mehr geworden. Mit einem Wort, die professionelle Formatierung, bei der mir eine liebe Kollegin behilflich war, zeigte sich noch als Spaziergang. Dann aber die immer weiteren Korrekturen, Durchsicht auf dem Kindle oder dem Kindle Previewer - das hat ein paar Tage in Anspruch genommen, und alles andere musste liegenbleiben. Zwischendurch im Stress lief ich zum Postkasten, machte mit dem Schlüssel das Auto auf, holte die gelbe Tonne herein, wieder ins Haus, nahm das Altpapier, schüttete es draußen in die Papiertonne, packte den Einkaufskorb, stellte ihn ins Auto, dann holte ich Spinat aus der Gefriertruhe und begann zu kochen.

Alles Paletti. Als ich jedoch zwei Stunden später losfahren wollte, war der Schlüssel weg! Der Bund mit Auto-, Haustür und Briefkastenschlüssel. In zunehmender Panik begann ich zu suchen. Im Auto, im Briefkasten, in der Papiertonne, unterm Sofa, in den Mülleimern, im Bad, im Schlafzimmer, in den Taschen und Schränken. Mein Partner kam extra angefahren und suchte mit. Ergebnislos! Wo zum Teufel sollte dieser Schlüssel sein? Der konnte sich doch nicht in Luft auflösen.

Zum Glück fand ich einen Ersatzschlüssel fürs Auto und die Tür. Aber abends wurde mir doch mulmig. Was, wenn der Schlüssel auf die Straße gefallen war und jemand ihn aufgesammelt hatte? Würde der jetzt das Auto klauen oder in die Wohnung kommen? Oder hatte ihn eine dieser Elstern gestohlen, die hier oft auf dem kahlen Nussbaum sitzen? War der nicht zu schwer? In meiner Verzweiflung fragte ich die KI. Sie war klug und hat mir alle Stellen genannt, wo der Schlüssel sich verstecken könnte. Da war er aber nicht, und zwei Tage lang suchte ich weiter. Nur in einem Punkt hatte die KI recht: Meist ist der verlorene Gegenstand dort, wo man ihn am aller wenigsten vermutet. Heute Abend hatte ich dann eine Eingebung. Es musste der Nebenraum sein. Geschirrschrank und Tiefkühler vorgezogen, dahinter war nix. Mein Blick fiel auf die Gartengeräte. Da glitzerte doch was! Innerlicher Jubel. Da lag der Schlüssel und wartete seit zwei Tagen darauf, entdeckt zu werden. Dann fiel mir ein, dass ich nach dem Entsorgen des Papiers auch noch die Schneeschaufel ins Haus geräumt hatte. Jupidei!

Fazit: Die KI kann zwar schön zusammenfassen, was man alles tun kann, um verlorene Gegenstände wiederzufinden -man solle letztendlich sogar auf dem Boden durch die Wohnung robben - auf den eigentlichen Fundort muss man aber schon selber kommen.



Samstag, 8. September 2018

Das Printbuch der "Martinsmorde" ist da!

Gestern erschien die gedruckte Ausgabe meiner "Martinsmorde" - es ist jetzt überall im Handel zu bestellen, in den Onlineshops und in den Buchhandlungen. Zwei hervorragende Rezensionen sind bereits erschienen. Irgendwie habe ich das Gefühl, als hätte ich meine Zielgruppe diesmal voll erreicht, ähnlich wie bei meinen Klein-und Mittelverlagsbüchern.

Auch das Gesamtfeeling ist ähnlich wie damals. Wenn ich durch den Schwarzwald fahre, laufe oder einfach nur aus dem Fenster schaue, sind mein Buch, mein Schreiben und mein Leben auf einer Linie. Erstaunt bin ich über die Tatsache, dass mein Krimi trotz der unübersehbaren Konkurrenz so viel Aufmerksamkeit erregt. Das habe ich den Aktivitäten des Verlags sowie der von Bloggerinnen und Autorenkollegen zu verdanken. Hätte ich das Buch im Self Publishing herausgebracht, wäre es wahrscheinlich in der Masse untergegangen!

Inzwischen sind schon mehr als fünfzig Seiten des Folgebandes fertig. Dabei geht es um Geschehnisse und Morde in einem Schwarzwaldtal mit einem Fluss, der wie so vieles im Schwarzwald ganz schwarz erscheint.

Hier die Rezensionen

Donnerstag, 3. August 2017

Der neue Kindle - ein Lob der Technik


Vor zwei, drei Jahren hatte ich schon mal einen Kindle Reader gekauft. Da ich selbst E-Books veröffentlicht hatte, wollte ich auch selber ausprobieren, wie sich auf einem Reader lesen würden. Es hat bloß damals nicht geklappt, weil ich keinen WLAN-Anschluss hatte. Ich brauche sicher nicht zu beschreiben, wie ich nach den telefonischen Anweisungen von 1&1 bei 30° unter dem Computertisch herumgekrochen bin und in den Kabeln wühlte. Schließlich hatte ich den Reader völlig entnervt meinem Sohn geschenkt, der ihn jetzt bei Flugreisen um die Welt als Zeitung nutzt. Inzwischen besitze ich ja ein neues Telefon und das WLAN (mit vielen Tücken und Pannen und Nervtoden durch Telekom serviert, wie berichtet!) Aber dann war alles in Ordnung und funktionierte, und dann war es an der Zeit, mir einen neuen Reader zu beschaffen. Und zwar den Kinde Paperwhite von Amazon. Es dauerte ca. 2-3 Stunden, bis ich das Wichtigste verstanden hatte, zum Beispiel auch Sonderzeichen für die Emailadresse einzutippen. Die damals von mir gekauften E-Books waren schon drauf (die hatte ich alle am Monitor gelesen). Mein erstes Buch, das ich heruntergeladen habe, war "Der Dichter des Teufels" von Tanja Schurkus. Weil ich von ihr mal einen sagenhaft schönen biografischen Roman über Matthias Claudius gelesen habe. Remember: "Der Mond ist aufgegangen ..."

Die Technik dieses Gerätes begeistert mich als T-Banause sehr. Es bringt auch Spaß, die Funktionen auszuprobieren. Gelesen habe ich darauf noch nicht, weil ich noch andere Print-Bücher zum Lesen habe. Der Grund für die Anschaffung war vor allem der, dass ich bei den vielen Kurztripps, die wir unternehmen, nicht immer so dicke Bücher mitschleppen will, besonders bei Bahnfahrten. Darüber hinaus mag ich diesen Kleindruck vor allem bei älteren Büchern nicht mehr entziffern -auf dem Reader kann die Schrift vergrößern und vor allem ohne die Tranfunzeln in vielen Hotels lesen, da er gut beleuchtet ist. Mir ist auch aufgefallen, dass die neuen Bücher alle eine größere Schrift haben und dadurch das Buch auch dicker machen. Last not least spare ich natürlich eine Menge Geld, wenn ich die Bücher, die ich bisher nach Hause schleppte, nun als E-Books lesen kann. Zwei Nachteile sehe ich dabei, eigentlich drei: Ich kann das Dingens nicht mehr ausschalten, dabei geht mit der Zeit auch immer was vom Akku verloren. Für unterwegs muss ich mir noch ein Extra-Ladegerät bestellen, bisher kann ich es nur am Computer aufladen. Was mich aber am meisten stört: Mir werden ständig, beim Aus - und Anmachen und zwischendurch andere E-Books angeboten und zwar solche, zu deren Zielgruppe ich überhaupt nicht gehöre, wie: "Liebesromane zum Mitfiebern" oder "historische Liebesromane zum Dahinschmelzen"!
Vielleicht ändert sich das ja noch, wenn ich meine Lieblingsbücher bestellt habe? Möglicherweise bekomme ich dann Angebote, die auf mich zugeschnitten sind. Auf jeden Fall ist das ein Schritt für mich, um gegen Ende des Jahres wieder zu veröffentlichen. Ich habe vor, die vier dann fertigen Bücher zu dem Zeitpunkt im Abstand von 3-4 Monaten zu veröffentlichen - in den Pausen kümmere ich mich um Lektorat und Korrektorat, und das wird bei zweien der Bücher nötig sein. Cover und neue Klappentexte brauche ich für alle, vielleicht sogar für meinen Mörike. Das würde dann etwa so aussehen:

1. Historischer Roman, 1632, Thema Hexenkinder
2. Historischer Krimi, 1787, Tübingen und Umgebung, "Wolfskind" (neues Cover, neuer Klappentext)
3. Zeitgenössich-historischer Roman, Thriller. 1934, 1969 Hamburg-Argentinien, Nazis und Neonazis
4. Jetztzeit-Krimi Schwarzwald (oder zuerst, weil Ende des Jahres das Schwarzwald-Thema durch den Tatort und das E-Book-Bundle vom Verlag wieder hochkommen wird).

                                                                     

Donnerstag, 27. April 2017

Das Kind in dir muss Heimat finden



Tübingen, Neckaransicht
 Am letzten Samstag stand ich in einer großen Buchhandlung in Reutlingen, Abteilung Psychologie. Und da fiel es mir wieder ins Auge. Das Buch der Psychotherapeutin Stefanie Stahl, das zum absoluten Bestseller avanciert ist. Und ich weiß auch warum: Weil jeder versteht oder zumindest ahnt, was damit gemeint sein könnte. Und weil es so tröstlich klingt, denn ich glaube zutiefst, dass die Menschen heute trotz aller Vernetzung unbehauster sind als jemals zuvor. Es ist das. was ich in meinem persönlichen Leben erlebt, was ich studiert und womit ich mich beruflich beschäfigt habe. Da ich zu Hause noch einen ganzen Berg von Lektüre hatte, kaufte ich es vorerst nicht. Vor ein paar Tagen in Tübingen suchte ich es dann doch noch einmal, zusammen mit dem Krimi eines Kollegen, der inzwischen auf Platz 5 der Bestsellerliste gelandet war (Lost in Fuseta). Letzteres spricht mich deswegen so an, weil ich früher mal einen abenteuerlichen, unvergesslichen Urlaub in Fuseta (Portugal) gemacht habe, zusammen mit einem jungen Freund. Da gab es den Galaos, Galaosch gesprochen, einen Milchkaffee im Glas, es gab eine Riesenmeeresschildkröte am Strand, hohe Wellen, Einsamkeit, Fischrestaurants, den Geruch nach Macchia, herzliche Menschen und eine alte Vermieterin, die auf dem Dach ihres Hauses glucksend davon sprach, dass in Deutschland bald die Mauer fallen würde. Aber beide Bücher waren nicht zu finden. So machte ich mich zuhause daran, den Lektüreberg abzubauen.

Allein die Beschäftigung mit dem Thema "inneres Kind" ließ ein "Heimatgefühl" bei mir entstehen. Mir wurde klar, dass es nicht von außen kommen kann, denn die Defizite aus der Kindheit, das Gefühl, nicht gut oder liebenswert genug zu sein, kann auch durch äußere Erfolge nicht ausgebügelt werden und wenn, dann nur kurzfristig. In Kollegenkeisen wurde früher von "Selbst-Beelterung gesprochen, also die Fähigkeit, so für sich zu sorgen, dass eine innere Zufriedenheit entsteht. Für das Wohlsein müsse der Mensch selber sorgen, sagte schon Schopenhauer. So nutzten wir das sommerliche Wetter in Tübingen, um eine Art Urlaubstag zu verbringen. Das gelang weit besser als am Bodensee tags zuvor. Dort waren die Massen auf den Promenaden versammelt, es war nicht möglich, auch nr einen Augenblick zu sich selber zu kommen. Den Wintereinbruch seitdem nutze ich zur Überarbeitung meines Kleinverlagromans, den ich jetzt einfach umbenannt habe (A.T. Maikäfer flieg). Und als hätte das eine Signalwirkung gehabt, kam gestern - endlich nach mehr als vier Wochen - ein netter Brief von der früheren Verlegerin, sie gebe mir die Rechte an dem Titel zurück und wünsche mir alles Gute damit. Seitdem arbeite ich mit großem Vergnügen daran.

Am Strand von Bodman


    


 

Sonntag, 26. Juni 2016

Auszeit: Reisen, Romane schreiben, Rosen züchten

Vor einigen Tagen, genauer gesagt am bisher heißesten Tag des Jahres, fuhren wir bei ca. 34° ein Stück in den Schwarzwald hinein, Richtung Alpirsbach. Dabei landeten wir ganz unvermutet in einem kleinen Paradies. Ein Moorsee mit Felswänden und Wasserfall, vorne ein weißer Sandstrand, eine Hütte und ein Badesteg. Natürlich waren wir nicht alleine da. Aber das wäre so ein Ort für eine kleine Auszeit. Daneben ist mir ein altes Buch in die Hände gefallen, von einem Vater, der in den vierziger, fünfziger Jahren mit seinen drei Söhnen durch den Schwarzwald, durch die Vogesen, den Bregenzer Wald und durch das Schweizer Jura gewandert ist. Das waren noch echte Auszeiten, ein Leben nur in der Natur, in Hütten und auf Bauernhöfen, Sonne, Regen und Stürmen ausgesetzt. Der Autor namens Fritz Hockenjos wurde 1927 in Lahr geboren und war seit 1947 Förster in St. Märgen im Schwarzwald. Er beschreibt diese Wanderungen, die Flora und Fauna, die Erlebnisse und Begegnungen in einer fast expressionistischen Sprache, bei der man das Gefühl hat, alles zu sehen, zu hören, zu riechen und mitzuerleben. Aber auch damals schon kündigte sich das Desaster der Menschen an: die zerschossene Gräberstätte am Hartmannsweiler Kopf, die Düsenjets, der allmählich aufkommende Massentourismus auch in den Vogesen und im Schwarzwald. Und auch damals gab es Extremregen und Gewitter, nur nicht so zerstörerisch wie gerade jetzt. Das alles zu lesen, und überhaupt Bücher zu lesen bedeutet eine echte Auszeit. Der menschliche Organismus und vor allem seine psychischen Strukturen sind nicht darauf angelegt, sich wochen -, monate - und jahrelang ständig negativeren Bildern und Informationen auszusetzen, ohne irgendwann zu streiken. Irgendwann muss er mal ein Ventil auf den Dampfdrucktopf setzen, um die Flut von Gewalt, Morden, Elend, Flucht, Brexit und immer verhehrenderen Naturkatastrophen zumindest zeitweise auszusperren, um nicht zu verzweifeln. Gestern sind wir mit knapper Not einem Unwetter entkommen, das sich wie eine überdimensionale Krake von allen Seiten über der Stadt zusammenbraute, tintenfischschwarz und kurz davor, Tentakeln oder Tornadorüssel zu bilden. Abends dann die Bilder von weinenden Menschen in Pfullingen, in Stromberg, flüchtende Besucher des Southsidefestivals in Neuhausen, ein entgleister Zug, Verletzte und tausende total Frustrierte. Unwetter in Deutschland. Die entgleiste Natur macht jetzt eine Pause, aber es ist nicht abzusehen, wie es tatsächlich weitergeht. Deshalb sollte jeder eine Nische finden, in der er wieder atmen kann, um sich gestärkt seinen Aufgaben widmen zu können.

Früher gab es das sogenannte Sabbatjahr, in dem man ein halbes oder ein Jahr lang mit der Arbeit aussetzen und sich in dieser Zeit ganz anderen Dingen widmen konnte. Ein Buch habe ich dazu gefunden, dessen Titel lautet: "Reisen, Romane schreiben, Rosen züchten" mit Tipps für eine solche Zeit. Reisen ist immer o.k., das habe ich sehr viel getan in meinem Leben. Und Romane geschrieben. Romane schreiben könnte eine gute Beschäftigung während einer Auszeit sein, doch das Veröffentlichen derselben sollte man nicht da hineinlegen. Und Rosen züchten bedeutet ganz viel Fachwissen und Arbeit - ich habe zwar welche in meinem Garten, erfreue mich aber lieber an ihren Blüten, als sie zu züchten. Nach dem Probelektorat habe ich den Krimi erstmal in die Dateien zurückgeschickt und den neuen Roman nicht weiterentwickelt. Im Self Publishing würden sie niemals die Kosten wieder einspielen, abgesehen davon, dass kaum jemand sie in den Shops wahrnehmen würde. Aber ich finde den Gedanken faszinierend, dass man einzelnen Lesern mit seinen Büchern eine Auszeit verschaffen kann - wie es dieser so lebendig schreibende Förster bei mir erreicht hat. Und deshalb werde ich den Gedanken, Bücher zu schreiben, nie ganz aufgeben.

Dienstag, 24. Mai 2016

Kreative Pause

Was ist eigentlich eine kreative Pause? Normalerweise habe ich darunter immer eine Phase verstanden, während der sich der Schaffende erholt und wieder neue Kräfte schöpft. Ich habe wenig dazu im Netz gefunden. Nur bei Wikipedia gibt es eine Definition, die ich einmal zusammenfassen könnte, obwohl sie als nicht ausreichend belegt bezeichnet wird. Eine kreative Pause sei aus gestaltpsychologischer Sicht eine Pause unterschiedlicher Länge im kreativen Schaffensprozess von Künstlern, Wissenschaftlern und Geisteswissenschaftlern. Dabei sei die Pause selbst nicht mit kreativen Tätigkeiten angefüllt. Sie solle eher der Erholung des Geistes und der Wiederherstellung der Schaffenskraft dienen. Die Notwendigkeit dieser Pausen in kreativen Schaffensprozessen sei jedoch nicht belegt. Wenn sich der Kreative mit themenfremden Gegenständen beschäftige, einfache Tätigkeiten zur Ablenkung wähle oder Spaziergänge mache, ende irgendwann die kreative Pause mit dem kreativen Ausbruch, die Produktivität nehme zu, neue Ideen entstünden, die Nachtruhe werde verkürzt oder durch Einfälle unterbrochen, die sofort skizziert werden müssten. Eine kreative Pause könne von unterschiedlicher Dauer sein. Manche Personen benötigten lediglich Stunden, um an den Schreibtisch zurückzukehren, bei anderen dauere es Tage und Wochen, gar Monate, bis der Geist wieder in der Lage sei, neue Ideen zu produzieren. Allerdings könne die Rückkehr in den Schaffensprozess extrem schwierig werden.

Ich selbst weiß nichts von alledem. Kann es sein, dass ich während der letzten sechzehn Jahre überhaupt keine Pause, schon gar nicht eine kreative, gemacht habe? Und ist das denn wirklich notwendig? Der Schriftsteller Henri Miller zum Beispiel lebte von 1944 bis 1962 in Big Sur in Kalifornien, als Aussteiger unter Gleichgesinnten. Meines Wissens schrieb er zehn Jahre lang nichts und veröffentlichte 1957 einen Aufsatz über diese Zeit (Big Sur and the Oranges of Hieronymus Bosch).Die anderen Einträge, die ich zum Thema "kreative Pausen" gefunden habe, stammten meist von Bloggern, von Studenten oder Professoren. Für Autoren scheint das Thema also, zumindest im Netz, keines zu sein. Irgendwo las ich auch, eine solche Pause brauche natürlich nicht darin zu bestehen, stunden-, tage - und wochenlang die Wände anzustarren oder mit dem Kopf dagegenzuschlagen. Man könne sich ruhig eine Auszeit draußen oder drinnen oder ganz anderswo gönnen. Natürlich! Alle Prozesse bei mir waren immer von ständigen Pausen unterbrochen, Arbeitspausen, Wanderpausen, Essenspausen, Urlaubspausen, Stadtbummelpausen. Deshalb brauche ich auch keine reine, abgegrenzte kreative Pause. Denn was sollte das anderes sein als eine ewige Wiederholung der immerselben Pausen?

Nein, ich brauche einfach mal eine andere Sicht der Dinge. Sollte mal wieder etwas anderes machen als diese ewigen Romane zu schreiben, die ja heutzutage immer schwerer an die Verlage, Agenten und LeserInnen zu bringen sind. Gleichzeitig haben sich die Bedingungen im Self Publishing verschlechtert. Manche Autoren, die ich kenne, sind dabei, eigene Verlage aufzubauen oder haben das schon getan. Zu dem Ganzen ist mir etwas eingefallen: Ich habe in meinen Dateien aufgeräumt und die Hälfte meiner Kurzgeschichten aus den Jahren 2000-2006 als unbrauchbar rausgeschmissen. Drei davon wurden in einer Anthologie veröffentlicht, sind noch 23 von 50 übrig. Dazu habe ich einen neuen Blog eingerichtet, in dem ab und zu eine dieser Geschichten erscheinen könnte. Heute habe ich angefangen mit der Geschichte "Wenn der Schäfer mit dem Dackel", die vielleicht dem einen oder anderen aus der Vergangenheit noch bekannt sein könnte. Dabei geht es um das Leben mit einem treuen Hund, der eine Mischung aus Schäferhund und Dackel war. Ähnlich werde ich mit der Halde von zwei oder drei unveröffentlichten Romanen, Exposés und Ideen verfahren, das heißt, das Unbrauchbare löschen und das Recycelbare behalten. Diese "ordnende" Tätigkeit bewahrt mich davor, das "Kreative" allzu schmerzlich zu vermissen und hat damit eine nicht-kreative Funktion.Und was meine Blogs angeht: Die sind von der Pause natürlich ausgenommen - es ist eine Pause des Veröffentlichens.
Kopf hoch! Es gibt noch eine Welt da draußen

Freitag, 20. Mai 2016

Kopf hoch! Es gibt noch eine Welt da draußen

Vor etwa einer Woche saß ich in einem Vortrag über "Trauma und Sucht", inmitten einer Schar von zweihundert Leuten. Ein paar Reihen weiter sah ich einen Mann, der den Kopf gesenkt hielt und sein Smartphone checkte. Ob der sich wohl langweilte? Eigentlich fand ich es unhöflich, dass er nicht bis zur Pause warten konnte. Ich selbst habe bewusst kein Smartphone, und doch finde ich diese leichte Sucht und zwanghaften Strukturen auch bei meinem eigenen Internetverhalten. Doch dazu später. Dem Phänomen bin ich jetzt einmal nachgegangen. In einem Artikel der "Welt" vom letzten September wird von einem Versuch mit einer App berichtet, die anzeigen soll, wie viel Zeit man tatsächlich im Internet verbringt. Sie soll von 200 000 Menschen heruntergeladen worden sein, deren Daten bis dahin noch nicht ausgewertet wurden. Dabei gebe es 500 000 Internetsüchtige in Deutschland, berichtet die "Welt". Es gibt offensichtlich schon Therapiezentren (Video), in denen man in Selbsthilfegruppen zu einem bewussteren Umgang vor allem mit dem Handy gelangen kann. Sie gehe auch aufs Klo nicht ohne ihr Handy, berichtet eine Frau. Die meisten SMSe würden dort geschrieben. Der Grund sei die Angst, irgendetwas zu verpassen. 10 Minuten pro Tag telefonieren, der Rest von 2-3 Stunden bestehe aus Surfen, Emailsschreiben, Facebook und Spielen. Diese Menschen brauchen Anleitung, wie sie das suchtartige Verhalten eindämmen können, zum Beispiel "handyfreies Schlafzimmer"oder Wecker und Armbanduhr kaufen. Komisch, das ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass viele überhaupt keine Uhr mehr am Handgelenk haben. Bei mir klingelt der Wecker punktgenau mit einer Batterie, die schon seit Jahren läuft. Wenn ich ihn denn überhaupt mal brauche. Warum kaufen sich Menschen alle zwei Jahre ein neues Smartphone für 700 Euro, wenn doch die meisten unter den Zwängen leiden, die es mit sich bringt? Es sei eine Sucht wie die nach Nikotin und Alkohol, wird gesagt.

Ich selbst lebe seit dem Milleniumsjahr 2000 mit dem PC, dem Jahr, in dem ich mir einen Computer anschaffte. Seitdem klebe ich daran wie eine Fliege am Leim, mit dem sie gefangen werden soll. Ich habe ihn mir gekauft, weil ich irgendwo gelesen hatte, damit könne man Emails in alle Welt schreiben und 200 Rezepte für Sauerbraten finden. Das erste Wort, das ich bei Google eingab, war "Wandern", das zweite "Schreiben". Nun kann man sich bestimmt denken, wie es weiterging. Mindestens zwei Sehnenscheidenentzündungen hatte ich während dieser Zeit. Und auch jetzt tut der Oberarm manchmal wieder weh. Das Schreiben und der Austausch vor allem mit anderen Schreibenden haben mir eine ganz neue Welt eröffnet, aber auch die Welt da draußen öfter von mir ferngehalten. Gottseidank habe ich die digitale Welt nicht nach draußen geschleppt, sondern war, wenn ich die Haustür hinter mir schloss, wieder in der Realität. Obwohl ich seit einem Jahr nichts Neues mehr geschrieben habe, klebe ich weiter an dem Ding. Die Verkäufe und die Vermarktung der E-Books mussten abgewickelt werden, neben den Recherchen wurden alle Fragen, die ich hatte, an Google gestellt, selbst die nach Adressen von Ärzten, nach Rezepten, Wandertouren oder der Bestimmung von Pflanzen. Vor Kurzem schickte ich Exposé und Leseprobe meines Krimis an einen Agenten. Bei der Prozedur lief nebenher der Fernseher, und in der Küche brannte der Espresso an. Da merkte ich, dass es wirklich zu einem Ding geworden war, das mich in der Hand hat und mich beherrscht. Die Agentur schickte übrigens nach einer Woche eine Absage. Ich beschloss, erst einmal eine kreative Pause einzulegen. Eine gute Zusammenfassung der momentanen Situation von Verlagsautoren und Self Publishern, auch was den Suchtfaktor angeht, gibt es heute übrigens im Literaturcafé.

Gestern fuhr ich den PC nach dem ersten Check herunter und habe ihn erst abends wieder angemacht. Und war dann unterwegs. Es gab viel zu sehen und zu erleben: Bücher zum Mitnehmen in der Bücherei, tausend Düfte in einem Drogeriemarkt, einen Abendhimmel mit rosa Schichtwolken und überall Töpfe mit Geranien, Gerbera, Petunien und Glockenblumen. Die habe ich im Abendsonnenschein auf der Terrasse eingepflanzt. Im Café hatte niemand ein Smartphone neben seiner Tasse, und es lief auch niemand mit so einem Ding vorbei. Alle Köpfe waren oben. Ob die sich wohl schon so eine App heruntergeladen hatten? Es gibt so viel in dieser Welt, das es wieder zu entdecken gibt! Am Sonntag ist bundesweit Tag der Museen, da werden sie auf der Ringmauer in Horb feiern und mit Arkebusen schießen. Am 4. Juni kommen Bands nach Nagold; darunter Dr. Gonzos Rock- und Bluesband. Und danach werde ich es dann vielleicht doch einmal schaffen, nach Huesca und Zaragoza und zum Kloster San Juan de la Peña in den Pyrenäen zu fahren. Ich klopfe auf Holz, denn es war der erste Tag, an dem ich dem Computer etwas weniger auf den Leim gegangen bin. Nach Verfassen dieses Artikels verlasse ich die digitale Welt erst einmal wieder.

Mittwoch, 2. März 2016

Die bleierne Zeit

In diesen grauen Tagen und Wochen muss ich immer wieder an den Begriff der "bleiernen Zeit" denken. Es scheint kein Ende nehmen zu wollen mit dem Regen, den Graupelschauern, der Kälte und dem eisigen Wind. Dazu die geschwundenen Möglichkeiten, sich mit seinem Autorenstatus aus dieser Welt zu beamen. Das bringt alles keinen Spaß mehr. Autoschlangen wälzen sich Stoßstange an Stoßstange über die Straßen des Landes, denn Baden-Württemberg ist das Land des Heiligen Blechle, welches auch sonst. Auch die Autos tragen zur bleiernen Zeit bei, denn sie sind fast durchweg grau, schwarz oder weiß und stoßen unter anderem Blei aus. Irgendwie musste da auch noch was Politisches sein, denn "Die bleierne Zeit" hatte doch irgendwas mit einem Film von Margarete von Trotta, der RAF und "Deutschland im Herbst" zu tun. In dieser Hinsicht ist auch heute die Zeit mehr als bleiern: Die europäische Flüchtlingspolitik steht in einem desaströsen Stau, und das ganze Konstrukt droht auseinanderzubrechen.

Was hat es jetzt aber wirklich auf sich mit der bleiernen Zeit? Ich bin dem mal nachgegangen. Ja, es war ein Film von Margarete von Trotta, und es handelt sich dabei um die Entwicklung der Ensslin-Schwestern zur Gewalt und zur konstruktiven Konfliktlösung. Bleiern sei die Nachkriegszeit gewesen, in der alles über den Nationalsozialismus totgeschwiegen, wenn nicht gar beschönigt wurde. Nur deshalb konnten sich seit den 60er Jahren Neonaziverbände gründen, entstanden die NPD mit 9% Wahlergebnis vor 1969 und später andere Organisationen wie die NSU. Das zieht sich hin bis zu brennenden Flüchtlingsunterkünften, um die herum johlend geklatscht wird. Die NPD hatte die Abschaffung des Asylrechts schon 1964 im Parteiprogramm! Gottseidank wird ja nun wieder höchstrichterlich versucht, dem Spuk ein Ende zu machen. Die Kämpfe hier in der Region werde ich nie vergessen: Wie am Hitlergeburtstag zum Feiern aufgerufen wurde und die Teilnehmer sich mit Gegnern Regenschirmschlachten lieferten. Das Telefon meines damaligen Gatten wurde vom Verfassungsschutz überwacht. Aber auch hier ist der Ursprung des Begriffes nicht zu suchen. Offenbar stammt er von einem Hölderlin-Gedicht, dessen eine Strophe lautet:
Trüb ists heut, es schlummern die Gäng’ und die Gassen und fast will Mir es scheinen, es sei, als in der bleiernen Zeit. Dennoch gelinget der Wunsch, Rechtglaubige zweifeln an Einer Stunde nicht und der Lust bleibe geweihet der Tag.

Der Gang aufs Land. An Landauer.
Friedrich Hölderlin, 1770-1843

Und was ich da lese, heißt nichts anderes als die Gewissheit, dass diese Zeit vorübergehen und der Einzelne auch ihr etwas abgewinnen können wird, wenn er denn will. Sich informieren, sich solidarisieren, Geld spenden, helfen, was immer jemand in seinem Bereich leisten kann. Kommen wir mal auf das Individuelle zurück. Ich denke an die Unzahl von Rentnern, Autoren, Arbeitslosen, Heimatlosen, aber auch Beschäftigten, die eine solche Zeit durchstehen müssen. Nehmen wir mal die Rentner, dann ist der Winter tatsächlich eine Zeit, in der die Klischees aufblühen, die man sich immer von diesem Personenkreis denkt. Der graue Tag, die grauen Haare, die graue Jogginghose, das Vogelhäuschen vor dem Fenster, die Rätselhefte und das immer grölende Fernsehen sind die Prototypen dieser Szenerie. Und wirklich, die lieben Tierchen sind manchmal die Einzigen, die noch ein wenig hölderlinsche Lust in den Alltag bringen, vor allem dann, wenn man sich schon monatelang in einer Schaffenskrise befindet. Mein weißer Schatten (die Besucherkatze), luftig und flockig, folgt mir schon in meine Träume. Sie scheint auf eine geheime Uhr zu schauen, denn sie taucht pünktlich dann auf, wenn ich ins Bett gehen und lüften will, jumpt durchs Zimmer ins Bücherregal und schaut hinter den Büchern meines Urururgroßvaters mit großen Augen heraus, mit der Frage, ob sie denn nicht mal wieder eine Nacht? Das darf sie ab und zu, und sobald das klar ist, schnurrt sie wie eine Nähmaschine. Aber mit der Fütterei bin ich konsequent. Gestern hatte sie wieder ihre Uhr dabei, denn als mein Auto um die Ecke bog, saß sie schon an dieser Ecke, hielt Ausschau und hüpfte in langen Sätzen herbei. Als Zeichen dafür, dass ich nichts Katzengerechtes zum Futtern da habe, zeigte ich ihr eine Scheibe Käse, woraufhin sie sich mal wieder kopfschüttelnd trollte. Inzwischen denke ich fast, sie versteht, was ich sage. "Willst du etwa wieder eine Scheibe Käse haben?", woraufhin sie den Kopf schüttelt und via Bank nach oben zur Nachbarin verschwindet. A na, das ist natürlich ein Märchen.

Außer den lieben Tierchen oder Gesprächen mit Menschen ist es die Lektüre, die uns die Lust am grauen Dasein zurückgeben kann. Sicher auch jede Art von Kunst, die aber bei uns hier im Blechlegebiet rar gesät ist und besonders schwer zu erreichen, dank der Bleischachteln auf allen Wegen. Gerade lese ich einen biografischen Roman über Caroline von Wolzerode, der Frau, die von Schiller geliebt wurde, obwohl er mit ihrer Schwester Lotte verheiratet war. Das liest sich außerordentlich vergnüglich, und ich stelle fest, dass die Autorin Renate Feyl über sämtliche bedeutenden Frauengestalten des 18. und 19. Jahrhunderts geschrieben hat, über die ich auch hätte schreiben können, wenn ich nicht zu recherchefaul gewesen wäre.

Nun, dieser ewig langen Rede kurzer Sinn soll darin münden, dass sich eine zu fest gespannte Schraube meines Gehirnkästchens gelockert hat und ich plötzlich wieder anfing zu schreiben, fünf, sechs Seiten am Stück. Und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Was mir die ganze Zeit gefehlt hatte und nur im Hintergrund herumschwebte, war der Antagonist der Geschichte! Jetzt stand er plötzlich ganz klar und deutlich vor mir und beharrte auf einer eigenen Perspektive. Es ist ein fieser, neonazistischer Antagonist mit einer entsprechenden Herkunft. Auch das kann die Blockade verursacht haben. Mit dieser neuen Perspektive driftet der Roman immer mehr in Richtung Thriller. Die Aussicht, diesen Roman weiterzuschreiben und ihn nicht auf Seite 100 (bin bei 98) in die Tonne zu kloppen, ist schon eine Lust, die den grauen Tagen geweiht sein könnte.
                                                                     
                                                                       
Diana Verlag-mein Einband aus dem Antiquarat ist noch schöner
                                                                                                                                                      

Sonntag, 28. Februar 2016

Ein Tag im Leben eines Self Publishers



Eigentlich wollte ich nicht schon wieder einen Artikel verfassen, aber beim Surfen nach Amazon Publishing bin ich auf eine richtig witzige Glosse gestoßen. Da spricht ein Autor kleiner, feiner Verlage von seinem Werdegang und wie es ihm dann mit dem Self Publishing erging. Beide Links stelle ich hier einfach mal ein und kommentiere sie dann mit eigenen Erfahrungen.
Warum Self Publisher nicht die schlechteren Autoren sein müssen.
Ein Tag im Leben eines Self Publishers
Auch wenn es satirisch eindeutig überspitzt ist, kann man sich als Autor mit Verlags- und Self Publishing-Erfahrungen durchaus darin wiederfinden. Es gab ja in der Pionierzeit des Self Publishing die bahnbrechenden Verschenkaktionen. Sie verhalfen einigen selbst Publizierenden zu hunderttausenden von verkauften Büchern mit Einzug in die Verlagswelt. Später waren es dann die Rabattaktionen, die getreu der Philosophie der Buchpiraten die Preise immer mehr verkommen ließen und die Ware Buch zu einem fast kostenlosen Gemeingut zu machen drohte. Bekanntlich habe auch ich es probiert und bin mit der Backlist zumindest eines Verlagstitels auch fast zwei Jahre gut damit gefahren, Rankinggucken inklusive.

Warum scheinen sich Autoren so wohl zu fühlen, wenn ihre Rankings nach oben gehen? Parallel dazu, wenn ihre Bücher in den Buchhandlungen liegen und sich auch gut verkaufen? Müssen sie alle vom Schreiben leben? Sind sie einfach nur geldgeil? Nein. Ich glaube, dass es hier um Wertschätzung der Arbeit geht. Ein Steigen des Rankings verursacht Wohlbefinden, ein Abfallen der Kurve Disharmonie und sinkende Schreibmotivation. Wozu soll ich denn noch schreiben, wenn es doch keiner lesen will? Oder wenn es keiner mehr findet in der Bücherflut? Man muss es benennen: Auch für mich sind die Goldgräberzeiten des SP vorüber. Gott sei`s gelobt und getrommelt hat sich bekanntlich die Tolino-Bücherallianz (April 2015) begründet. Sie will Amazon Flagge zeigen, unterstützt Autoren bei Marketingaktionen und wächst so ganz allmählich aus den Kinderschuhen heraus. Ich bin seit letzten Oktober dabei und durfte schon ein paarmal von diesen Aktionen profitieren. Gerade im Moment läuft noch eine Rabattaktion, die mir kurzfristig wieder rechten Schwung verleihen könnte. Bei Amazon werden die Rankings öfter am Tag aktualisiert, je nach Verkaufsrang. Bei Tolino kann man sich mit seinem Frühstückskaffee zwischen 10.10 und ca. 11.00 Uhr auf die Rankings freuen. Da sieht man dann auch, in welchen Shops sich das Buch verkauft hat. Diesmal waren es statt Weltbild vor allem Thalia und der Link zu Buch.de: http://goo.gl/jB0JJC ,die mein Herz höher schlagen ließen und mir den Tagesbeginn versüßten. WOW, Rankings um die 400 und sogar 48 hatte es bei mir noch nie gegeben! Die letzten beiden Tage der Aktion werde ich einfach nur genießen, denn wir alle wissen, dass es danach wieder ganz gemächlich in den Keller gehen wird.(So, wie die Bücher in den Buchhandlungen ja auch immer schneller wieder verschwinden.) So what, wenn jetzt jemand draufklickt, wird es schon wieder viel weiter unten sein. Aber immerhin ziehen sich Verlags- und Sp-Bücher insgesamt gegenseitig nach oben. So nach dem Motto: Wenn jemand ein Buch gefallen hat, schaut er auch nach anderen Büchern dieses Autors.

Was für einen Rat könnte man neuen Kollegen geben, wenn sie sich heutzutage zwischen Verlags- und Agentursuche oder Self Pubishing entscheiden müssten? Welchen Rat würde ich mir selber geben, wenn ich ganz neu anfangen würde? Ich würde mir sagen, dass ich sämtliche Illusionen, die ich damals hatte, fahren lassen und mir darüber im Klaren sein sollte, dass heute viele Türen zu sind, die damals noch offen waren. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, alles andere kann nur ein Zubrot sein. Da ich zur Zeit viel Zeit habe und weder arbeite noch Romane schreibe, habe ich mir mal das Vergnügen gemacht, die Optionen für die verschieden Wege auszurechnen. Lektorat, Korrektorat, Cover und Konvertierung kommen bei Tolino auf ca. 3000 Euro. Ratet mal, wie lange es dauern würde, bis das wieder im eigenen Geldbeutel ist? Mit eigenen Helfern und SP-Lektoren, -Korrektoren und Designern komme ich auf ca. 1000. Das würde bei der momentanen Geschwindigkeit eineinhalb Jahre bis zum Ausgleich brauchen. Rechnet man allerdings das Gesamteinkommen aus den inzwischen schwarzen Zahlen der Verlagsbücher und dem SP-Einkommen dazu, wäre das vielleicht schon wieder eine andere Option. Sozusagen eine Autoren-Selfie-Mischkalkulation. Es stehen ja immer noch der Schwarzwaldkrimi zur Debatte und mein neuer Abenteuer-Thriller.

Noch etwas würde ich Newcomern unter den Autoren ans Herz legen: Wenn sie anders schreiben als die Topp 100-Autoren bei Amazon, sollten sie die Messlatte für ihr SP-Buch niedrig legen. Eine Erfahrung ist beides Wert, Verlag und SP. Aber wenn ich Wertschätzung suche, dann schaue ich mich in meiner näheren Umgebung um. Und melde mich im Juni zu einem Seminar im Kloster Heiligkreuztal an, um etwas darüber herauszufinden, was uns alle so umtreibt.
Wertschätzung und Respekt - tiefste Sehnsucht des Menschen.Wenn ich meine unbesiegbare Schreibbegeisterung weiterhin austoben und Leser erreichen möchte, kann ich mich auch über die 2500 Blogleser monatlich berufen, abzüglich Robotern. Das wären im Jahr 30.000, ungefähr so viel wie alle verkauften Printbücher.
                                                            

Donnerstag, 25. Februar 2016

Im dunklen Tal

Momentan ist es nicht einfach, in den sozialen Medien unterwegs zu sein, ja, auch nur seinen Blog mit etwas zu bestücken, mit dem das Interesse anderer auch nur ansatzweise geweckt werden könnte. Eine Durchsicht meiner Blogstatistik ergab, dass im letzten Jahr die meisten Besucher an solchen Themen interessiert waren: "Grenzerfahrung", "Besser werden", "Osterspaziergang" "Romantische Wege", "Endlich Rente!", "Der Flatrateautor" als "Spitzentitel", "Das Weißkitteldrama", "Kleine Freuden" sowie "Martinsgans"und "Oasen". Im Großen und Ganzen zeigt das Resultat, dass meine Blogleser nach Auszeit-Themen suchen und nicht mit denselben Dingen konfrontiert werden wollen, die ihnen tagtäglich kaum noch erträglich aus Fernsehen, Radio, der Zeitung und den sozialen Medien entgegenschreien. Ich hörte sogar jemanden sagen, er schaue sich inzwischen die Katzen- und Hundebilder bei Facebook lieber an als die Nachrichten und Diskussionen der Medien. Ach ja, meine Besucherkatzenbeiträge waren natürlich auch recht beliebt.

Als ich nun heute so überlegte, was ich in meinen Blog reinschreiben könnte, hörte ich draußen einen Riesenkrach. Ob die Katzen mal wieder einen ihrer herrlichen, verrückten Veitstänze aufführten? Beim Blick aus dem Fenster merkte ich, dass es eine gewaltige Menge Schnee gewesen war, die vom photovoltaikten Dach herabrutschte. Vor lauter Schreck darüber saßen jetzt mindestens zwanzig Meisen am Meisenknödel, so dass er aussah wie ein Igel. Ja, auch die Tierwelt leidet unter vermeintlichen und echten Katastrophen und eilt sich, etwas für ihr Wohlbefinden zu tun. (Für das wir laut Schopenhauer sowieso selber sorgen müssen, weil die Natur uns nur das Dasein gegeben habe). In dieser Situation beschloss ich, die Zeitung heute mal nicht zu lesen, die 12-Uhr-Ausgabe der Tagesschau nicht anzusehen, auch nicht raus und schwimmen zu gehen, sondern stattdessen etwas in meinen Blog zu schreiben. Vorher aber schaute ich noch bei meinen Nachbarblogs vorbei. Und stieß auf zwei Artikel, die in der Lage waren, mich ein wenig zu "erden". Einmal auf den sehr treffenden Beitrag von Annette Weber Elternschock, dann auf Petra van Cronenburgs Blog, in dem ich etwas über meine Situation wiederfand. Launisch, grummelig und trotzdem gut. Aus den Beiträgen ergibt sich für mich, dass sich immer wieder etwas ändert, auch wenn man in der Tiefe des dunklen Tales nicht daran glauben mag. Und dass es gut ist, nicht eingleisig zu fahren, in jeder Beziehung. Gerade habe ich die Lektüre eines Buches beendet, das ich am Schluss ungern aus der Hand legte, was bei mir nicht jedesmal so ist. Und zwar war es das Buch einer Engländerin, die zusammen mit Hape Kerkeling den Jakobsweg gegangen war und diese Erfahrung mit dem Fahrrad wiederholen wollte. Ich bin da noch mal hin. Das Fahrrad hat sie dann irgendwann stehen lassen, weil sie nur noch im Regen auf Autobahnen fuhr, und von da an hatte sie sich das angetan, was sich schon Tausende von Pilgern angetan haben. Die Reise muss ich jetzt nicht selbst, sondern konnte ich mit dieser Autorin machen und auch ihren Erkenntniswert für mich verbuchen. Auf der ersten Reise hatte sie sich nämlich vorgenommen, mehr für andere dasein zu wollen, auf der zweiten merkte sie, dass sie eigentich andere Menschen brauchte, die für sie da sind. Noch ein Fall von dunklem Tal und Wohlsein, das wir uns selbst verschaffen müssen!

Zum Schluss noch etwas für meine Mitautoren und die Blogleser, die nach Wohlfühloasen, romantischen Wegen und kleinen Freuden suchen. Und zu den Oasen, ganz profan. Gestern sind wir bei Wind und trübkaltem Wetter in die alte Bischofsstadt Rottenburg gefahren. Zu unserem Erstaunen war der lebhaft besuchte Bücherschrank verschwunden, statt dessen gähnte ein riesiges Bauloch. Hier wird ein Betonklotz errichtet, der die städtische Bücherei aufnehmen soll. Beim kleinen Osiander auf dem Marktplatz war der Computer ausgefallen, Bücher konnte man nur in bar und ohne Quittung kaufen. Weiter unten ein kleiner Bücherladen, den wir bisher nie beachtet hatten, weil wir ihn gar nicht als solchen erkannt hatten. Das war eine richtige Oase, mit vielen Titeln aller Richtungen und einem Teetisch zum Schmökern. Und als ich nach Hause kam, war auf wunderbare Weise mein "Teufelswerk" sichtbar geworden, ohne dass ich die Rabattaktion irgendwo anders als bei Amazon und Tolino angekündigt hatte.

Möge das Schreiben selbst wieder zu einer Oase werden!

Rottenburger Marktplatz im Sommer, eine Oase

Dienstag, 9. Februar 2016

Sich neu sortieren

Mein Vater, der im Jahr 2009 fast neunzigährig starb, hatte ein Lebensmotto. Wann immer sich jemand darüber beklagte, dass etwas nicht mehr so sei wie es war, sagte er mit ironisch verzogenen Mundwinkeln: "You have had it, brother." Mein Vater hatte nämlich vor dem Krieg eine ausgezeichnete Erziehung auf einem britschen Internat genossen. Und auch sonst hat er sein Leben so gestaltet, dass er sich später nie hat beklagen müssen. Er hat die halbe Welt gesehen, das Verkehrssystem seiner Stadt erneuert, war ständig in Bewegung und hatte viel für familiäre Werte und für seine Hunde übrig. Er war der Ingenieur, der Erfinder. Natürlich hatte er auch seine Schwächen und Fehler, aber de mortuis nihil bene.

Er hat sein Leben gehabt wie auch ich. Auch ich habe die halbe Welt gesehen, habe vielen Menschen geholfen, ihr Leben besser zu sortieren, eine Familie, Beziehungen und Freunde gehabt, ein Kind aufgezogen, jahrelang an einer poltischen Bewegung teilgenommen, unzählige Zeitungsartikel geschrieben sowie an die zehn Bücher und unzählige Beiträge in den sozialen Medien veröffentlicht. Zeit, mal wieder eine kurze Bilanz zu ziehen. Das Haus ist besorgt und renoviert, der Garten ist fertig, eine familiäre Angelegenheit steht kurz vor dem Abschluss und die Katzen, die mich im letzten halben Jahr beschäfigten, haben sich mehr oder weniger zurückgezogen (die schwarze Powerkatze hat in eine Zitrone gebissen, die draußen zum Zeichen lag, dass es keinen gedeckten Katzentisch mehr geben wird, und sich geschüttelt). Ich habe alle meine Printbücher auf Stapeln in Buchhandlungen und meine Ebooks in den Shops von Weltbild, Thalia, Osiander usw. und Amazon gesehen. Es gibt Projekte, die anzugehen wären, es gibt soziale Kontakte, die aktiviert werden könnten. Aber ich bin noch in einem Vakuum. Es drängt jetzt nichts mehr, es soll sich entwickeln, so wie es sich richtig anfühlt. Das Schreiben ist als wesentliche Größe geblieben. Aber es nützt nichts, in derselben Schnelligkeit wie bisher Bücher zu fabrizieren. Das Schreiben ist Lebenselixier und erträgt keinen Druck. Vorbildlich ist für mich der gerade verstorbene Roger Willemsen. Der hat alles, was er gemacht hat, das Schreiben von Büchern, das Reisen, die Auftritte und Sendungen, die Interviews mit einer seltenen Hingabe an den Augenblick getan. Das ist seine Hinterlassenschaft für mich, an die ich mich immer wieder gern erinnern werde.

Samstag, 30. Januar 2016

Autor und Leser - eine Kommunikation

Unlängst sah ich zufällig einen Beitrag im Fernsehen, auf einem dieser Info - und Kulturkanäle. Da hatten sie in Südamerika unter anderem Tontöpfe mit keltischen Mustern, Figuren, Inschriften und Steinschleudern gefunden, die denen aus dem europäischen Raum auffallend ähnelten. Nun, sie haben keinen Beweis dafür gefunden, dass Kelten und Phönizier schon lange vor Kolumbus nach Südamerika segelten. Mich interessierte an diesem Bericht etwas anderes. Die Höhlenmalereien von Lascaux und weitere Beispiele wie die Mammutelfenbeinfiguren aus dem Lonetal fielen mir ein. Wie kommt es, dass Menschen auch nach Hunderten oder Tausenden von Jahren Botschaften hinterlassen können, die von der Nachwelt "gelesen" werden? Es kommt daher, dass der Mensch schon immer in der Lage war, von sich selbst und seinem Leben zu abstrahieren und Kunst herzustellen. Es scheint eine Frage von Urheber und Rezipient zu sein. Ein Autor ist undenkbar ohne Leser, ein Leser undenkbar ohne Autor. Wenn man sich dazu die heutige Situation von Autoren anschaut, stellen sich viele Fragezeichen auf. Vieles von dem, was man gerade zu hören und zu lesen bekommt, könnte einem die Freude am Schreiben vermiesen. Die Klagen einer Self Publisherin liegen mir noch in den Ohren. Sie stellte fest, dass sie alle drei Monate ein neues Buch auf den Markt bringen müsste, um mit dem Tempo des Marktes mitzukommen. Am Anfang stehe immer die Kurve, die vielleicht in 1-3 Tagen hoch sei und dann unweigerlich nach unten gehe. Ähnlich ist es auch mit den Verlagsbüchern im Buchhandel. Was sich nicht innerhalb eines Monats verkauft, wandert schon bald ins moderne Antiquariat. Die Kurve nimmt keine Rücksicht auf dich. Aber irgendetwas stimmt doch dabei nicht. Wer hat da was wann falsch gemacht? Die Verlage, die Autoren, die Leser, die Erfinder von immer neuen Techniken, die Buchhandlungen, die Agenten, die Online-Riesen, die Vertreter, das Feuilleton? Die Antwort, die ich mir gebe, ist folgende: Sie sind alle gleichermaßen beteiligt, weil sich (fast) alle der Entwicklung angepasst haben. Bei Denis Scheck, so wurde mir erzählt, trat kürzlich ein Autor auf, der alles noch mit der Hand schreibt und eine Wohnung voller gedruckter Bücher hat. Bie den meisten jedoch dreht sich alles, nicht nur bei Büchern, nur noch um "billig", ich nehme uns da gar nicht aus. Und bei dem Versuch aller, sich den billigsten und gleichzeitig dicksten Teil des Kuchens aus der Torte zu reißen, kann es einzig und allein darum gehen, die Gewinne daraus gerecht zu verteilen.

Gestern, an einem Frühlingstag mit wolkenlosem Himmel, hatten wir ein Aha-Erlebnis. Nach einem Spaziergang am Rand der Alb landeten wir wie schon so oft in einer unserer Lieblingsstädte, in Reutlingen. Wie immer, statteten wir auch der Buchhandlung Osiander einen Besuch ab. Ja, es ist inzwischen ein Genuss für mich, zwischen den Räucherstäbchen und Tassen auch Sessel mit lesenden Menschen zu sehen. Dabei wird es immer schwieriger für mich, in den Tausenden von gleichfarbigen Büchern etwas Ansprechendes zu finden. Meistens lande ich bei Reiseberichten und regionalen Reisebüchern. Bevor es losgehen konnte, fuhren wir mit dem Aufzug nach oben, um gewisse Örtlickkeiten aufzusuchen. Dort landeten wir aber nicht, sondern in einem Stockwerk, das wir noch nie zuvor gesehen hatten. Da lagen Tausende von Büchern in Sammelkästen, der buchhandlungseigene Flohmarkt, auf dem man Bücher zwischen ein und 10 Euro erstehen konnte. Und was habe ich dort gefunden? Alles, was ich unten schon lange nicht mehr finde. Ich fand einen Baden-Baden-Krimi von Rita Hampp, der mir sehr gut gefällt, weil ich auch was von der Umgebung und der Stadt sehe, zwei Bücher von Wulf Dorn, dessen Kommen und Gehen ich überhaupt nicht mehr mitbekommen hatte, einen Thriller des Pompeji-Autors Robert Harris sowie einen historischen Krimi von Petra Ölker. Nachdem ich vor lauter Leseverzweiflung schon auf literarische Texte aus dem 19. Jahrhundert umgeschwenkt war, bedeutet das für mich einen inneren Vorbeimarsch.

Hier noch ein leidenschaftliches Plädoyer für uns Autoren von Nina George: Schatz, wir müssen reden.

Freitag, 8. Januar 2016

Wie Autoren heute veröffentlichen

Als ich vor knapp fünfzehn Jahren mit dem Schreiben von Romanen begann, sah die Autorenwelt noch ganz anders aus. Man schickte seine Manuskripte auf bedrucktem Papier an die Verlage und wartete im Schnitt vier Monate, bis eine Absage im Briefkasten lag. Oder auch eine Zusage, damals für meinen ersten schon per Email von einem renommierten kleineren Verlag. Den zweiten fand ich im Internet, das war ein Zweipersonenverlag. Mit beiden LektorInnen gab es lange persönliche Gespräche und ein sorgfältiges Lektorat. Beide Bücher erhielten gute Zeitungskritiken, tauchten aber in kaum einer Buchhandlung auf. Die nächsten vier Bücher erschienen in einem Verlag, den man damals noch als größeren Publikumsverlag bezeichnete. Diese historischen Romane lagen anfangs recht lange auf Stapeln in den Buchhandlungen; allerdings verkürzte sich die Verweildauer von Jahr zu Jahr. Zwischendurch noch eine Veröffentlichung bei einem kleineren lokalen Verlag. Das letzte gedruckte Verlagsbuch von mir erschien im Juni 2013.

Es begann eine neue Ära, nicht des Schreibens, aber des Veröffentlichens. Mit zwei Verlagsbüchern, deren Rechte ich zurückbekommen hatte bzw. deren E-Bookrechte ich gar nicht erst vergeben hatte, ging ich ab Herbst 2012 ins Self Publishing. 2015 folgte ein neu geschriebenes Buch. Von Amazon, dessen Konditionen für mich nicht mehr reizvoll waren, wechselte ich Ende September 2015 zu Tolino. Dort fühle ich mich bisher sehr wohl, zumal auch Sonderaktionen für meine Bücher veranstaltet wurden. Und die gute Nachricht kam nach Weihnachten: Die 70% Beteiligung der Autoren wird auch über den 31. Januar hinaus gewährt.

Jetzt habe ich mich einmal umgeschaut, wie es denn bei anderen läuft. Meines Wissens haben schon viele mir bekannte Autoren die Möglichkeit des Self Publishing genutzt. Ein Kinderbuchautor, der schon circa sechzig Bücher bei einem Verlag herausgebracht hatte, erzählt im Deutschlandradio davon, dass Autoren heute kaum noch Ansprechpartner hätten (es sei denn, sie sitzen bei einem Verlag ganz fest im Sattel oder schreiben Bestseller). Wie Autoren heute veröffentlichen.  Die meisten Bücher - wie ich auch schon bemerkte - hätten heute eine viel kürzere Überlebensdauer, nämlich zwischen vier Monaten und zwei Jahren. Die Backlist, bis vor ein paar Jahren von den Verlagen noch gepflegt, lohnt sich für sie aus Kostengründen nicht mehr. Viele Autoren müssten sich für jedes neue Buch einen neuen Verlag suchen. Thomas Fuchs, der Kinderbuchautor, hat sich eine Autorenvereinigung namens "Gegenwind" herausgesucht, in der sich die Autoren gegenseitig beim Self Publishing unterstützen. In einem anderen Bericht des Börsenblatts werden Autoren aufgeführt, die ihrer eigenen Backlist durch E-Books und Print-on-Demand einen ganz neuen Aufschwung gegeben haben. Hybridautoren.

Beide, das Interview und der Artikel, erschienen im Juni des vergangenen Jahres. Inzwischen hat sich ja einiges in der Verlags - und Bücherwelt getan. Einmal gab es das Urteil des Europäischen Gerichtshofes, nach dem die Verlage nicht berechtigt seien, Anteile aus den Verwertungsgesellschaften wie VG Wort zu beanspruchen. Im Gegenzug werden Befürchtungen laut, dass der drohende Geldverlust auf die Autoren mit niedrigeren Vorschüssen usw. abgewälzt werden könnte. Dann wurde, wie von mir schon vor einiger Zeit berichtet, vom Bundesministerium der Justiz eine Urheberrechtsnovelle eingebracht, über die im März im Bundestag diskutiert werden soll. Sie hat es sich zur Aufgabe gesetzt, die Autoren besser für ihre Arbeit zu entlohnen und ihnen nach fünf Jahren die Rechte an ihren Büchern zurückzugeben. Das hat die Autorenschaft gespalten. Es gab einen Autorenbrief an die Regierung, in dem sie beschworen wird, das Gesetz nicht durchzubringen, weil sonst die Symbiose zwischen Verlag und Autor gestört werde. Verlage könnten Autoren nicht mehr über Jahre aufbauen und keine Lizenzen ins Ausland mehr vergeben. Die Diskussion darüber ist im Autorenforum Montsegur nachzulesen. Und ich frage mich jetzt auch: Wenn es doch Praxis ist, dass renommierte Autoren sich für jedes Buch einen neuen Verlag suchen und ihre Backlist nach zwei Jahren selber herausgeben müssen, wo ist dann die Symbiose? Das Modell, das hier vertreten wird, passt wohl eher in die Zeit, die ich anfangs beschrieben hatte. Das neue Gesetz wird seine Tücken und Fallstricke haben, aber im Großen und Ganzen wird es den Autoren doch nützen, ihre Backlist und ihre eigenes Autorengeschick selber in die Hand nehmen zu können.
Eine ausführliche Beschäftigung mit dem Thema "Verdienst von Autoren" kann man auch bei Martha Sophie Marcus nachlesen: Marthas Schreibtisch.

Samstag, 5. Dezember 2015

Kann man Geduld lernen?

Wer kennt das nicht: In der Schlange an der Supermarktkasse stehen, gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit, hinter einem träge dahinschleichenden Auto herfahren, das man nicht überholen kann, warten, bis das Eierwasser kocht? Ich selbst war schon immer ein extrem ungeduldiger Mensch. Ständig ging mir immer alles viel zu langsam. Du bist zu ungeduldig, wurde mir oft gesagt. Wenn mir als Kind eine Bastelei nicht sofort gelang, habe ich sie hingeschmissen. Später, als ich regelmäßig mit dem Computer arbeitete, zeigte sich das ganze Ausmaß meiner Ungeduld. Auch hier ging alles viel zu langsam, dann stürzte er auch noch ab, oder ein Text verschwand auf Nimmerwiedersehen in der Datenhölle. Da hätte ich manchmal schon am liebsten ins Sofa gebissen oder Rumpelstilzchen gespielt! Dann brauchten meine Mitmenschen, unter anderem die Verlagsmitarbeiter, immer eine Ewigkeit für Entscheidungen. Nur deswegen war ich manchmal versucht, alles hinzuschmeißen.

Die härteste Geduldsprobe war eine Kopfoperation, der ich mich vor dreißig Jahren in der Mainzer Uniklinik unterziehen musste. Da wurde ich drei Mal wieder nach Hause in den Schwarzwald geschickt und musste auch nachher noch ewige Wartezeiten über mich ergehen lassen. Damals hatte ich mmer mein Strickzeug dabei, selbst in der Intensivstation.

Auf der anderen Seite wird mir immer wieder extreme Geduld bescheinigt, besonders, was meine Arbeit mit Menschen betraf und eigentlich auch mein Schreiben betrifft. Ich möchte da einmal die Begriffe trennen. Das eine ist Langmut, das andere die kurzfristige Geduld, würde ich sagen. Dazu habe ich einen Artikel gefunden, der ein Experiment beschreibt. Alles kommt zu dem von selbst, der warten kann.  Kindergartenkinder bekamen einen Marshmallow vorgesetzt, und es wurde ihnen gesagt, dass sie ihn gleich essen könnten oder aber später, wenn der Versuchsleiter wiederkommt, dann bekämen sie noch einen. Es ist rührend zu sehen, wie die Kinder mit der Geduldsprobe umgingen. Und natürlich entwickelten sich die geduldigeren Kinder später als erfolgreicher und gesünder. Man könne als Erwachsener die Fähigkeit zur Geduld nicht grundsätzlich neu lernen, jedoch könne man sie nachbessern. Auf der anderen Seite habe die Ungeduld auch kreative und fortschrittliche Funktionen. Wäre ich nicht so ungeduldig gewesen, hätte ich nicht so viel an Geschriebenem produzieren können. Und hätte ich keinen Langmut besessen, hätte ich weder auf Verlage noch auf Agenten warten noch selber publizieren können. Und hätte meinen schönen, aber nicht leichten Job hingeschmissen. Vielleicht ist es doch die richtige Mischung?

Ach ja, es gibt ein paar Tätigkeiten, bei denen ich große Geduld zeige. Beim Zuhören. Beim Lesen. Beim Schreiben und sogar beim Kreuzworträtsellösen, womit ich meine Geduld sogar trainieren kann.

Donnerstag, 12. November 2015

Inspirierende Martinsgans

Gestern Abend war es endlich so weit: Das lang verschobene Abschiedsessen, das der Vorstand meines Verein für mich geplant hatte, fand in einem renommierten Gasthaus statt. Der 11. 11., Martinstag und Martinsgans, und Beginn der närrischen Zeit. Die Atmosphäre war sehr locker und aufgeräumt, es wurden keine Reden gehalten und keine Geschenkkörbe vergeben (das war alles schon mehrmals geschehen). Meine Funktion als Pressesprecherin bzw.-schreiberin wurde noch einmal hervorgehoben. Und so kann ich jetzt auch in dieser Sache einen Artikel für die Presse schreiben. Neben einer angeregten Diskussion des Zeitgeschehens wollten die KolleInnen natürlich auch wissen, wie es denn jetzt so sei - frei von allen Verpflichtungen. Ich sagte es so, wie es ist: dass ich eine glückliche Rentnerin sei und nichts vermisse. Dass es absolut schön ist, an Tagen wie diesen einfach oben auf der Höhe spazieren zu gehen, ohne auf die Uhr schauen zu müssen. Und zu schreiben, ergänzte eine Kollegin. Denn natürlich wussten immer alle, was ich nebenbei so trieb. Die Themen der historischen Romane, wie Kirche und Missbrauch oder die Einrichtung eines Gottesstaates haben ja durchaus einen aktuellen Bezug, wie in der Runde bemerkt wurde. Meine Schilderung der aktuellen Situation auf dem Buchmarkt rief Erstaunen hervor. Und mein so schlecht verkäuflicher Mörike wurde einerseits gelobt, andererseits hätte man ihn gern als Printausgabe von mir gekauft. Das bringt mich allerdings ins Grübeln, denn ich besitze nur noch zwei Exemplare. Auf die Frage, was ich gerade schreibe und wie es weitergeht, sprach ich nur vage von meinen Plänen, weil die noch nicht ausgereift sind. Thriller oder Krimi, Wanderbuch, auch ein Buch über die Psychiatrie im Besonderen, zusammen mit meinem Kollegen, wären möglich. Ach ja, erinnert sich jemand daran, dass es auch noch einen fertigen Krimi gibt mit dem Titel "Martinsmorde"? Da kommen auch diese Martinshörnle vor, die es an diesem Tag überall zu kaufen gibt.
Zur Situation der Autoren und der Verlage noch ein Interview mit dem Autorenberater Stefan Wendel



Sonntag, 11. Oktober 2015

"Der eilige Gral der Ebookwelt"

In den letzten Tagen habe ich mir wiederholt überlegt, warum in letzter Zeit alles zu stagnieren scheint. Und kam zu dem Schluss, dass es nicht die Umstände sind wie der Herbst, der jetzt mit Macht und Hochnebeln angedampft kommt. Es scheint alles zu stagnieren, weil sich bei mir zu viel um die Sichtbarkeit (und damit die Vermarktung) der E-Books dreht. Das und die Veröffentlichungsprozesse haben seit Monaten meinen Schreibfluss, in dem ich eigentlich so dreizehn, vierzehn Jahre lang drin war, paralysiert. Dazu fand ich noch einen erhellenden Artikel der Plattform Sobooks vom Januar dieses Jahres. Ein Blogger namens Sascha Lobo beschreibt das Problem, wie Bücher, insbesondere Ebooks, vom Leser eigentlich gefunden werden sollen. Man kann sie ja nicht hochhalten oder sehen, wie andere Leute es lesen. Es liegt in keiner Buchhandlung oder wenn, dann nur in den digialen Regalen dieser Buchhandlungen via Tolino und anderer Distributoren. Und auch dort sind sie schwer zu entdecken, weil es keinen Stapel gibt. In den Buchhandlungen entdecke ich Bücher, wenn ich mir sehr viel Zeit nehme beim Stöbern. Wenn ich wenig Zeit habe, nehme ich die Bücher, die mir ins Auge fallen. Und darum dreht sich der Großteil des Problems, nachdem alle anderen Hürden erfolgreich genommen sind: Das Schreiben eines Buches, das Finden eines Verlages oder einer Agentur, das Lektorat, das Cover, der Klappentext. Und dann eben die Vermarktung. Das Gleiche gilt für die selbst publizierten Ebooks. Schreiben, Lektorat, Korrektorat, Cover, Klappentext. Und dann eben wieder die Vermarktung. In dem Blogartikel kommt der Autor zum Schluss, dass folgende Kriterien wichtig wären, um Bücher/ Ebooks sichtbarer zu machen:

. soziale Medien und E-Books müssen viel näher zusammenrücken: Bücher in den Newsfeed!
• die (digitale, soziale) Beziehung zwischen Autoren und Publikum ist einer der wichtigsten Schlüssel
• die Empfehlungsmöglichkeiten zwischen Lesern müssen technisch vereinfacht und qualitativ verbessert werden
• die essentiellen Diskussionen um Bücher brauchen einen organischen, nachvollziehbaren Ort
• und das E-Book braucht eine neue, zusätzliche Form des Leseerlebnisses, weil bisher Abgeschiedenheit Trumpf ist.

Das klingt plausibel. Und ich meine, so etwas schon vor Jahren bei einer meiner werten Blognachbarinnen gelesen zu haben. In den zahlreichen Kommentaren zu dem Artikel die ich quergelesen habe, kommt der Einwand: Ich lese aber im Zug und sonstwo nicht, um das Erlebnis mit anderen zu teilen! Ich will meine Ruhe haben beim Lesen. Nehmen wir einmal an, ich nehme mit meinem Buch an verschiedenen Leseforen teil und teile auch meine Erfahrungen als Leserin in solchen Foren. Dazu unternehme ich andere Aktivitäten, um mein Buch unter die Leute zu bringen. Das Ergebnis wäre eindeutig: Ich hätte noch viel weniger Zeit und Energie, neue Bücher zu schreiben. Es sei denn, ich würde das mit anderen zusammen machen. Ich will aber auch beim Schreiben meine Ruhe haben, denn sonst wäre ich ziemlich total in der digitalen Welt gefangen, was ich nicht will. Habe ich nicht immer gesagt, es gebe eine Realwelt neben der digitalen?

Ich weiß noch nicht so richtig, was ich machen werde. Ein Satz haftet mir im Gedächtnis, den ich einst bei unserer Kollegin Sabine Schäfers las: Autoren, die aufs Ranking starren. Und ich meine, Matthias Matting habe kürzlich erwähnt, dass er jemanden kenne, der nicht mehr schreiben könne vor lauter Rankinggucken. Vielleicht sollte ich alle Favoriten löschen, die sich damit befassen. Und mich in Zukunft nur noch mit den Dientleistern verbinden, die meinen Büchern die für sie maximale Sichtbarkeit verschaffen können, egal ob digital oder gedruckt.

Demnächst in den Onlineshops von Thalia, Weltbild, Hugendubel und vielen mehr:

Sonntag, 16. August 2015

Der Flatrate-Autor

Mit einem Paukenschlag ist der Glutofensommer nun zu Ende gegangen. Zeit, um durchzuatmen und sich wieder auf alles zu besinnen, was vorher da gewesen war. In den letzten Tagen haben wir unseren traditionellen Zug durch die Buchhandlungen wieder aufgenommen. Ach was, Buchhandlungen, dazu zählen ja auch Antiquariate und die so genannten Bücherbäume. Bücherbäume sind das, was im Internet "Tausch-Gnom", "Tausch-Ticket" und so weiter genannt wird. In Städten wie Rottenburg, Bräunlingen, Obersontheim und Reutlingen gibt es Bücherregale, -stände und -bäume, in die man seine gebrauchten Bücher stellen und wieder welche mitnehmen kann Auch wenn da viel Verstaubtes von teils schon verstorbenen Unterhatungsliteraten steht, kann man doch immer mal wieder eine kleine Perle entdecken. Und ab und zu stelle ich dort eins meiner Autorenexemplare ein, zwecks diskreter Werbung. In den Buchhandlungen und sogar in den größeren Supermärkten nun ist mir aufgefallen, dass es dort inzwischen, wie bei Amazon, eine Flatrate zu geben scheint. Bücher, vor allem Hardcover, werden von 12,99 auf 3,99 Euro runtergesetzt. Bei Osiander in Reutlingen gibt es eine Riesenfläche, auf der Suhrkamp-Titel für einen Euro angeboten werden. In dem Zusammenhang muss ich noch sagen, dass die nächste kleinere unabhängige Buchhandlung in meiner Nähe vor allem Papierwaren verkauft und die Buchtitel relativ ungeordnet sind. Manchmal stoßen wir während unserer Touren noch auf diese kleinen, schönen Läden, zuletzt in Ehingen an der Donau. Die Buchhänderin erinnerte sich sogar an meinen letzten Aufbau-Roman.

Wenn ich also das nächste Mal wieder in einem Verlag veröffentlichen würde, hätte ich auf jeden Fall die Chance, nach ein paar Monaten oder Jahren unter diese Flatrate zu fallen, wie auch bei der Verramschung. *Edit: Das ist natürlich keine Flatrate, sondern ein Preisrabatt, wenn der Ladenpreis aufgehoben wurde. Nur habe ich nichts davon, denn selbst wenn ich vertraglich daran beteiligt würde, übersteigen die Verwaltungskosten meist das Resultat. Nicht so bei Amazon, sollte man denken. Seit Einführung der Flatrate im letzten Oktober sind die Einnahmen der Self Publisher kontinuierlich gesunken, bei mir seit Januar. Auch der, der nicht aufs Geld schauen will oder muss, ist darauf angewiesen, zumal er die Investitionskosten für das E-Book wieder reinkriegen muss. Jetzt ist die mit großer Spannung erwartete Juli-Abrechnung von Amazon gekommen. Die große Frage war für alle, mit wieviel Prozent aus dem Millionentopf die Autoren pro gelesener Seite vergütet werden. Es sind 0,06%. Und da kommt dann bei mehr als 10 000 gelesenen Seiten soviel raus wie vorher, also im Jahr 2015, für die Verkäufe. Gerecht, weil jetzt die Autoren mit mehr Seitenumfang mehr bekommen als die mit Kurzgeschichten? Gerecht, weil die lektorierten, korrektorierten, mit einem professionellen Cover versehenen und "spannenden" Bücher weniger verkauft, dafür mehr ausgeliehen und gelesen werden? Die meisten Verlage und deren Autoren haben sich bisher gegen das Flatratemodell gesperrt. Bei den Printbüchern kann man ja auch gar nicht erfassen, wieviele Seiten der Leser liest. Ob jemand, außer in einem Science-Fiction-Roman, wohl jemals daran gedacht hat, das Leserverhalten "auszuspähen"? Ich selbst lese übrigens immer noch am liebsten gedruckte Bücher, und wie ich hörte, soll es den meisten anderen Lesern auch so gehen. Mein persönliches Fazit aus der Situation ist folgendes: Ich werde meine drei E-Books weiter in diesem Programm laufen lassen und die wenn auch gesunkenen Tantiemen mitnehmen. Aber es hat sich definitiv etwas verschlechtert: Vor einem Jahr hatte ich die Kosten für das Buch in sechs Wochen wieder drin, diesmal wird es vorraussichtlich 8-9 Monate dauern, weil vierfache Kosten dazugekommen sind. Und wer weiß, wie schnell der Topf immer kleiner wird, weil immer mehr Autoren auf den Markt wollen! Für mich persönlich ist auch die Frage der Sichtbarkeit existentiell. So wie die Bücher in den Buchhandlungen gesehen werden müssen, um gekauft zu werden, müssen die Amazon-Kunden das Buch ebenfalls im Shop sehen, um es zu kaufen oder auszuleihen. Mit den Verkäufen war die Sichtbarkeit immer wieder gegeben, mit den Ausleihen kaum noch. Selbst wenn mir der Support versicherte, auch die gelesenen Seiten hätten einen Einfuss auf das Ranking. Für andere mag dieses Modell noch seinen Reiz haben, bei mir war es jetzt mit dem dritten Buch ein Auslaufmodell.

Dienstag, 4. August 2015

Bücher veröffentlichen heute

So, die Rabattaktion ist beendet. Und sie hat mir den Effekt gebracht, den ich damit verfolgte: Das Ebook ist jetzt in seiner Kategorie sichtbar geworden, hat dabei das vorige Buch ein wenig mitgezogen. Neuerdings können wir als Autoren ja direkt mitverfolgen, wieviele Seiten der Bücher gelesen werden. Dabei entsteht lustigerweise ein Konkurrenzspielchen zwischen "Nacht des Wolfes" und "Teufelswerk". Im letzten Monat lief der Teufel dem Wolf davon, jetzt sammelt Letzterer doppelt so viel gelesene Seiten! Amazon kümmert sich sehr um seine Autoren, das muss man ihm lassen. Wahrscheinlich hat es auch allen Grund dazu, denn wie ich gerade wieder einmal in der Selfpulisherbibel gesehen habe, eröffnete kürzlich sogar die Mayersche Buchhandlung eine Self Publishing-Plattform, nach Tolino und diversen anderen. Die Mayersche kannte ich, seit dort ein Buch von mir erhältlich und auf der Plattform "Lies mich" gelistet war. Welche Ziele diese Verlage und die Buchhandlungen damit wohl verfolgen? Erst einmal dem Monopolisten etwas entgegensetzen, das erscheint absolut logisch, und dabei den Autoren mit den Konditonen entgegenzukommen. Außerdem werden sie versuchen, neue, für die Verlagslandschaft hoffnungsvolle Talente zu entdecken. Das Prinzip ist immer dasselbe: Für wen am meisten gevoted wird, wer am meisten Bücher verkauft, dem wird gegeben. So kann man bei der Mayerschen auch ein Buchcover gewinnen, wenn man viel verkauft. Ich schätze aber mal, dass die Leistungen durch Lektorat, Korrektorat, Covergestaltung und Vermarktung dabei in Anspruch genommen werden sollten-und das sicher nicht bei allen umsonst! Es war also für einen Autor nie so einfach wie heute, seine Werke an die Leser zu bringen. Aber der Weg zur nachhaltigen Etablierung hat sich wenig geändert. Außer einem handwerklich einwandfreien Manuskript muss der Autor eine zündende Idee rüberbringen, bereit sein, an seinem Text zu arbeiten. Das Ganze scheint mir ein wenig wie diese Wandlung beim Einkaufen innerhalb der letzten Jahrzehnte: Während früher der Kunde vor der Theke stand und aus den Regalen auswählte, was er brauchte, fährt er jetzt mit einem überdimensionierten Einkaufswagen durch endlose Reihen von Regalen. Auf diesem Weg, der mittlerweile zu einer Fußreise von einer halben Stunde ausarten kann, hat der Kunde (wie auch im übertragenen Sinn der Autor) eine unendliche Menge von Möglichkeiten. Aber seine Ware musste schon immer so gut sein, dass sie Leser überzeugte, und sie muss auch heute noch so gut sein.

Nach Versorgung meines E-Books, die sich einige Zeit hinzog, habe ich mich endlich wieder an meinen neuen Roman gemacht. Ein erstes Kapitel ist entstanden, das Exposé ist im Werden. Für meine bisherigen Bücher hatte ich nie "professionelle" Exposés verfasst, eher Klappentexte. Erst kurz vorm Lektorat bekam der Lektor das gesamte Exposé. Da ich den neuen Roman aber nicht mehr im SP veröffentlichen, sondern eine Agentur oder einen Verlag suchen möchte, komme ich wohl nicht drum herum. Dabei habe ich gelernt, dass ein Exposé kein Handlungsabriss ist, sondern eine Vorstellung der Idee, der Charaktere und des dramatischen Aufbaus. Manche Agenturen und Verlage wollen bis zu drei Seiten, manche nur eine, aber alle wünschen bis zu dreißig Seiten Probetext. Ich finde diese Situation sehr reizvoll. Muss keine Markterwartungen bedienen, kann das Buch schreiben, das ich schon immer mal schreiben wollte. Und mich dann im Supermarkt der Möglichkeiten umschauen, wer den Zuschlag erhalten soll.

Donnerstag, 23. Juli 2015

Sichtbarkeit der Titel bei Amazon

Kleine Bemerkung am Rande:
Gestern hat Amazon an seine Autoren eine Umfragemail geschickt, wie zufrieden man mit den Diensten des Internetbuchhändlers sei. Ich habe daran teilgenommen und u.a. die mangelnde Sichtbarkeit der Bücher moniert. Insgesamt bin ich nicht mehr zufrieden, vor allem deswegen nicht, weil die Vekäufe seit Januar 2015 zurückgegangen sind. Die Einführung von Kindle unlimited war im Oktober 2014. Seit Juli werden die gelesenen Seiten angezeigt statt der Zahl der Ausleihen. Um in den Genuss eines Bonus von 500,- Euro zu kommen, müssteman monatlich 220 000 gelesene Seiten vorweisen. Zudem scheinen die gelesenen Seiten auch das Ranking nicht zu beeinflussen. Ab heute sehe ich nun bei meinen Ebooks 3 Kategorien. Das sieht dann zum Beispiel beim "Teufelswerk" so aus:
 Auch die anderen E-Books sind jetzt sichtbarer (wenn sich ein Leser die Mühe macht, weit über die Topp 100 hinaus zu suchen). Selbst mein MörikeE-Book ist wieder aus der Versenkung aufgetaucht und wurde verkauft. Eins muss man Amazon lassen: Sie reagieren schnell auf Autorenwünsche und haben somit also ein Interesse daran, sie sich zu erhalten und zufrieden zu stellen. Wahrscheinlich sind viele SP-Autorn nach Einführung der Seitenlösung abgewandert, weil sich mit kurzen Texten die Teilname an Kindle Unlimited nicht mehr lohnte. Wahrscheinlich sind sie zu anderen Anbietern gegangen, denn darauf lag der Fokus der Umfrage. Am 15. August sollen die Abrechnungen kommen, dann kann jeder sehen, was für ihn dabei herauskommt.