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Freitag, 27. März 2026

Mit Alice Schwarzer in Tübingen


Für Mittwoch, den 25. März, hatte die Buchhandlung Osiander Alice Schwarzer ins Kino Museum in Tübingen eingeladen. Zusammen mit meiner Freundin Hildegard machte ich mich gespannt auf den Weg. Auch wenn das lange her ist: Alice Schwarzer ist mir immer noch ein stehender Begriff - sie hat mir in den Zwanziger Jahren Mut zum Aufbruch gemacht, mich dazu gebracht, einen Doppelnamen anzunehmen (damals galt ja noch der Mann als Herr aller Dinge wie Arbeitserlaubnis der Frau oder Rücknahme von Geschäften wie der Kauf einer Waschmaschine auf eigene Faust!) Meine Mutter brachte "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen" so weit, dass sie eine ganze Zeit lang im Frauenhaus mitarbeitete.

In Tübingen, am Schimpfeck, sah es noch genauso aus wie vor 30 Jahren, nur musste man ständig aufpassen, dass man nicht von einem Fahrrad umgenietet wurde. Die dreispurige Straße war nur noch einspurig befahrbar, der Rest für die Zweier reserviert. Immerhin ist Tübingen eine der lebenswertesten Städte Deutschlands, und der Oberbürgermeister Palmer hält sich seit Jahrzehnten im Rathaussessel-trotz und gerade wegen seiner Ehrlichkeit und seinen offenen Worten zur Ausländerpolitik. Und gegen den Willen der Grünen, bei denen ich lange Parteimitglied war und die ich jetzt auch nicht mehr wähle (außer Cem Özdemir). Das alles hat Palmer sicher bei seinem Vater, dem "Rebell vom Remstal", gelernt.

Das Kino Museum war noch das alte, aber innen ganz neu. Eine ganz andere Welt-glänzend, mit beleuchteten Nischen, wo Sitze zum Verweilen bei einem Latte Macchiato einluden. Bald bildete sich eine lange Schlange, viele graue und weiße Frisuren, aber auch junge Leute, alles in allem 400 Menschen, Bodygards, die die Taschen durchleuchteten. Draußen war nämlich eine Demo der queeren Szene angemeldet, die Alice Schwarzer Rassismus vorwerfen.

Davon war in den nächsten eineinhalb Stunden nicht die Rede. Alice Schwarzer stellte ihr neues Buch "99 Worte" vor und führte vergnüglich und verständlich durch ihr ganzes Autor(innen)leben und die Stationen der Frauenbewegung. Vom Gendern, das auch mich bis zur Weißglut genervt hat über die Gewalt gegen Frauen in jeder Form, in Form des Kopftuchs bis zu den jüngsten Enthüllungen der Giséle Pélicot und Collien Fernandez. Ich wusste auch nicht, was für Qualen Transmenschen auf sich nehmen, um endlich in der richtigen Haut zu sein. Ihnen muss geholfen werden. Es wurden Fragen gestellt, eine lebhafte Unterhaltung, Zuspruch von jungen Frauen und Männern, ständig tosender Applaus.

Meine eigene Meinung: Das, was ich mit dem Gendern und anderen Dingen erlebt habe, beruht darauf, dass sich die so genannte "queere" Bewegung an die Frauenbewegung angehängt hat und ihre eigenen Themen nicht genügend  berücksichtigt fand. Also Thema Migration, Trans, Homosexualität und Diversität. Am Schluss konnte ich ganz nah am Signiertisch vorbeigehen, vor dem sich eine 20 Meter lange Schlange gebildet hatte. Alice war noch ganz die alte, mit ihrem Haarwust, dem schwarzen Kleid und dem typischen Grinsen im Gesicht.

Anmerkung: Die Ansicht über Putins Angriffskrieg, die Alice Schwarzer zusammen mit Sahra Wagenknecht vertritt, teile ich nicht!


 



Freitag, 15. Dezember 2017

Kleinen, feinen Verlag gefunden!

Heute fand ich eine Mail in meinem Postfach, die mir den Tag gerettet hat und endlich wieder etwas Bewegung in mein Leben als Autorin bringt. Ein kleiner, feiner E-Book-Verlag möchte alle vier Romane, deren Exposés ich hingeschickt hatte, veröffentlichen und mir im neuen Jahr dafür ein Angebot machen. Es handelt sich um einen neu bearbeiteten Roman aus dem dreißigjährigen Krieg(Backlist), um einen historischen Krimi, einen Roman, der sich auf zwei Zeitebenen in Deutschland, Venedig und Südamerika bewegt und bis in die Nazizeit zurückreicht sowie einen Schwarzwaldkrimi. Alle vier hätten nach Ansicht der Verlagsleiterin sehr gutes Verkaufspotenzial und würden auch von den Vertriebspartnern (wie Thalia, Osiander, Amazon usw.) gut aufgenommen werden. So hat diese Irrfahrt jetzt vorerst ein Ende, denn ein paar Agenturen und zwei, drei Verlage, die ich in den letzten Jahren angeschrieben hatte, wollten von einer Veröffentlichung nichts wissen. Selber machen ist natürlich immer wieder eine Möglichkeit, die mir aber inzwischen widerstrebt. Meine sieben veröffentlichten Romane standen alle mehr oder wenige lang über Jahre in den Buchhandlungen, deshalb ist die Buchhandelspräsenz jetzt nicht mehr so wichtig für mich. Wichtig ist es, gelesen zu werden. Wenn mich nicht alles täuscht, kann man die E-Books nicht nur über die Onlineshops aller Buchhandlungen bestellen, sondern sie auch gedruckt bekommen -  über Create Space oder Book on Demand. Für diejenigen, die nach wie vor lieber gedruckte Bücher lesen. (Der Vorteil bei den E-Books ist der, dass sie bei der Auslieferung nicht die Straßen verstopfen, weder durch das eigene Auto noch durch den DHL-Zustelldienst oder die Post.)

Samstag, 30. Januar 2016

Autor und Leser - eine Kommunikation

Unlängst sah ich zufällig einen Beitrag im Fernsehen, auf einem dieser Info - und Kulturkanäle. Da hatten sie in Südamerika unter anderem Tontöpfe mit keltischen Mustern, Figuren, Inschriften und Steinschleudern gefunden, die denen aus dem europäischen Raum auffallend ähnelten. Nun, sie haben keinen Beweis dafür gefunden, dass Kelten und Phönizier schon lange vor Kolumbus nach Südamerika segelten. Mich interessierte an diesem Bericht etwas anderes. Die Höhlenmalereien von Lascaux und weitere Beispiele wie die Mammutelfenbeinfiguren aus dem Lonetal fielen mir ein. Wie kommt es, dass Menschen auch nach Hunderten oder Tausenden von Jahren Botschaften hinterlassen können, die von der Nachwelt "gelesen" werden? Es kommt daher, dass der Mensch schon immer in der Lage war, von sich selbst und seinem Leben zu abstrahieren und Kunst herzustellen. Es scheint eine Frage von Urheber und Rezipient zu sein. Ein Autor ist undenkbar ohne Leser, ein Leser undenkbar ohne Autor. Wenn man sich dazu die heutige Situation von Autoren anschaut, stellen sich viele Fragezeichen auf. Vieles von dem, was man gerade zu hören und zu lesen bekommt, könnte einem die Freude am Schreiben vermiesen. Die Klagen einer Self Publisherin liegen mir noch in den Ohren. Sie stellte fest, dass sie alle drei Monate ein neues Buch auf den Markt bringen müsste, um mit dem Tempo des Marktes mitzukommen. Am Anfang stehe immer die Kurve, die vielleicht in 1-3 Tagen hoch sei und dann unweigerlich nach unten gehe. Ähnlich ist es auch mit den Verlagsbüchern im Buchhandel. Was sich nicht innerhalb eines Monats verkauft, wandert schon bald ins moderne Antiquariat. Die Kurve nimmt keine Rücksicht auf dich. Aber irgendetwas stimmt doch dabei nicht. Wer hat da was wann falsch gemacht? Die Verlage, die Autoren, die Leser, die Erfinder von immer neuen Techniken, die Buchhandlungen, die Agenten, die Online-Riesen, die Vertreter, das Feuilleton? Die Antwort, die ich mir gebe, ist folgende: Sie sind alle gleichermaßen beteiligt, weil sich (fast) alle der Entwicklung angepasst haben. Bei Denis Scheck, so wurde mir erzählt, trat kürzlich ein Autor auf, der alles noch mit der Hand schreibt und eine Wohnung voller gedruckter Bücher hat. Bie den meisten jedoch dreht sich alles, nicht nur bei Büchern, nur noch um "billig", ich nehme uns da gar nicht aus. Und bei dem Versuch aller, sich den billigsten und gleichzeitig dicksten Teil des Kuchens aus der Torte zu reißen, kann es einzig und allein darum gehen, die Gewinne daraus gerecht zu verteilen.

Gestern, an einem Frühlingstag mit wolkenlosem Himmel, hatten wir ein Aha-Erlebnis. Nach einem Spaziergang am Rand der Alb landeten wir wie schon so oft in einer unserer Lieblingsstädte, in Reutlingen. Wie immer, statteten wir auch der Buchhandlung Osiander einen Besuch ab. Ja, es ist inzwischen ein Genuss für mich, zwischen den Räucherstäbchen und Tassen auch Sessel mit lesenden Menschen zu sehen. Dabei wird es immer schwieriger für mich, in den Tausenden von gleichfarbigen Büchern etwas Ansprechendes zu finden. Meistens lande ich bei Reiseberichten und regionalen Reisebüchern. Bevor es losgehen konnte, fuhren wir mit dem Aufzug nach oben, um gewisse Örtlickkeiten aufzusuchen. Dort landeten wir aber nicht, sondern in einem Stockwerk, das wir noch nie zuvor gesehen hatten. Da lagen Tausende von Büchern in Sammelkästen, der buchhandlungseigene Flohmarkt, auf dem man Bücher zwischen ein und 10 Euro erstehen konnte. Und was habe ich dort gefunden? Alles, was ich unten schon lange nicht mehr finde. Ich fand einen Baden-Baden-Krimi von Rita Hampp, der mir sehr gut gefällt, weil ich auch was von der Umgebung und der Stadt sehe, zwei Bücher von Wulf Dorn, dessen Kommen und Gehen ich überhaupt nicht mehr mitbekommen hatte, einen Thriller des Pompeji-Autors Robert Harris sowie einen historischen Krimi von Petra Ölker. Nachdem ich vor lauter Leseverzweiflung schon auf literarische Texte aus dem 19. Jahrhundert umgeschwenkt war, bedeutet das für mich einen inneren Vorbeimarsch.

Hier noch ein leidenschaftliches Plädoyer für uns Autoren von Nina George: Schatz, wir müssen reden.

Montag, 23. April 2012

Weltbuchtag-neue Strategien der Vermarktung

Mein Buch in den Buchhandlungen-bald Vergangenheit?
Die Tagesschau hat es aller Welt verkündet: Heute, am Welttag des Buches, dringt es auch in die hintersten Hinterzimmer, dass es vorbei sein wird mit den großen Buchhandlungen. Leser lesen nicht weniger Bücher, sondern sie wollen keine weiten Wege mehr machen müssen, um an ihr Kulturgut zu kommen. Online bestellen, in der Hand halten und lesen. Ebooks werden sicher einmal gleichberechtigt neben den Printausgaben bestehen.
Um meinen geliebten Besuch in den Buchhandlungen, auch den großen, tut es mir schon leid. Was gab es Schöneres an Regentagen, als dort zu stöbern und in die Bücher reinzulesen? Vielleicht bekommen wirklich die kleinen Buchhandlungen wieder eine Chance.
Ein Umdenken muss aber in den Köpfen der Verlage und der Autoren stattfinden.
Es wird keine massenhaften Abverkäufe in den Buchhandlungsketten, Thalia, Hugendubel und co. mehr geben. Ich hoffe, dass wenigstens Osiander erhalten bleibt.

Verlage und Autoren werden mehr auf den Online-Absatz achten und dafür investieren müssen.

Samstag, 3. Dezember 2011

Spontanes Signieren und ein Kapitelexposé

Zurück aus Reutlingen an diesem verregneten Dezembertag, fand ich später am Abend
wieder einen dieser großartigen Artikel von Petra van Cronenburg, der dazu anregt, sich wieder auf sich selbst und das, was man an eigenem Werk anbieten kann, zu besinnen.Occupy your Art
Ich gelange beim Schreiben immer wieder in Momente hinein, an denen ich so eine innere Leere fühle. Was bleibt am Ende von dem, was da in Monaten in mir herangereift ist? Und gleichzeitig weiß ich, dass es die falsche Sichtweise ist. Ich empfinde mich nun nicht als Schriftstellerin oder Künstlerin, sondern als Autorin von Romanen und evt. Sachbüchern. Trotzdem ist auch mir das Schreiben so wichtig, dass ich mir ein Ende dessen nicht vorstellen könnte. Man muss, wie auch Petra sagt, mit offenen Augen durch die Welt gehen und sich so auf sein Werk konzentrieren, dass auch Einflüsse von außen es nicht im fremden Sinne verändern können. Bei mir ist das so: Bin ich dem Schreiben fern, mache ich etwas ganz anderes, will ich das Buch am liebsten in die Ecke stellen. Setze ich mich dann wieder hin, ist alles sofort wieder da.
So erging es mir auch heute. In Reutlingen waren wir in unserer Lieblingsbuchhandlung, dem Osiander in der Wilhelmstraße. Morgens hatte ich noch gedacht, ich würde in der nächsten Zeit schreiberisch nichts mehr hinkriegen. Jetzt standen wir vor dem "Vermächtnis des Bischofs" und fragten uns, wo denn das andere Buch von dem Verlag sei, das daneben gestanden hatte. Ein Buchhändler trat hinzu und wollte wissen, ob wir etwas suchten. Mein Partner, wie immer der Advocatus Diaboli, meinte, wir suchten uns selbst, da -er zeigte neben sich-sei die Autorin. Der Buchhändler war sehr erfreut: So oft hätten sie nicht Autoren zu Gast, ob ich nicht einige Bücher signieren wolle? Das tat ich auch, wie die Jungfrau mit dem Kind, aber auch mit Vergnügen. Später standen die Bücher dann unter "Aktuell". Ich kaufte noch einen wunderschönen Bildband "Steiniges Paradies"-über die Schwäbische Alb.(Andere Bücher, die ich noch lesen möchte, lasse ich mir dann über den kostenlosen Bestellservice bringen). Mit einer anderen Buchhändlerin kamen wir ebenfalls ins Gespräch. Sie meinte, auch als Buchhändler oder Autor könne man mit Büchern nicht reich werden. Unseren Kalender 2011 habe sie erworben. Ja, das ist für mich ein In-Kontakt-Treten mit der Außenwelt! Wäre ich statt zu Osiander ausschließlich zu Thalia gegangen, hätte es mich schwer enttäuscht. Da liegen bei den Historischen nämlich nur noch Bestseller, aber nicht liebevoll platziert, sondern irgendwie "verödet".
Das Ganze muss mir doch ein wenig Schwung gegeben haben, denn am späteren Abend schaffte ich es tatsächlich, ein Kapitelexposé von etwa 40 Kapiteln anzufertigen (meine Bücher umfassen meist 400 Seiten oder etwas mehr). Die sind jetzt wie ein roter Faden für die nächsten Monate, und Text und Inhalt wandeln sich noch ständig dabei.