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Sonntag, 28. Februar 2016

Ein Tag im Leben eines Self Publishers



Eigentlich wollte ich nicht schon wieder einen Artikel verfassen, aber beim Surfen nach Amazon Publishing bin ich auf eine richtig witzige Glosse gestoßen. Da spricht ein Autor kleiner, feiner Verlage von seinem Werdegang und wie es ihm dann mit dem Self Publishing erging. Beide Links stelle ich hier einfach mal ein und kommentiere sie dann mit eigenen Erfahrungen.
Warum Self Publisher nicht die schlechteren Autoren sein müssen.
Ein Tag im Leben eines Self Publishers
Auch wenn es satirisch eindeutig überspitzt ist, kann man sich als Autor mit Verlags- und Self Publishing-Erfahrungen durchaus darin wiederfinden. Es gab ja in der Pionierzeit des Self Publishing die bahnbrechenden Verschenkaktionen. Sie verhalfen einigen selbst Publizierenden zu hunderttausenden von verkauften Büchern mit Einzug in die Verlagswelt. Später waren es dann die Rabattaktionen, die getreu der Philosophie der Buchpiraten die Preise immer mehr verkommen ließen und die Ware Buch zu einem fast kostenlosen Gemeingut zu machen drohte. Bekanntlich habe auch ich es probiert und bin mit der Backlist zumindest eines Verlagstitels auch fast zwei Jahre gut damit gefahren, Rankinggucken inklusive.

Warum scheinen sich Autoren so wohl zu fühlen, wenn ihre Rankings nach oben gehen? Parallel dazu, wenn ihre Bücher in den Buchhandlungen liegen und sich auch gut verkaufen? Müssen sie alle vom Schreiben leben? Sind sie einfach nur geldgeil? Nein. Ich glaube, dass es hier um Wertschätzung der Arbeit geht. Ein Steigen des Rankings verursacht Wohlbefinden, ein Abfallen der Kurve Disharmonie und sinkende Schreibmotivation. Wozu soll ich denn noch schreiben, wenn es doch keiner lesen will? Oder wenn es keiner mehr findet in der Bücherflut? Man muss es benennen: Auch für mich sind die Goldgräberzeiten des SP vorüber. Gott sei`s gelobt und getrommelt hat sich bekanntlich die Tolino-Bücherallianz (April 2015) begründet. Sie will Amazon Flagge zeigen, unterstützt Autoren bei Marketingaktionen und wächst so ganz allmählich aus den Kinderschuhen heraus. Ich bin seit letzten Oktober dabei und durfte schon ein paarmal von diesen Aktionen profitieren. Gerade im Moment läuft noch eine Rabattaktion, die mir kurzfristig wieder rechten Schwung verleihen könnte. Bei Amazon werden die Rankings öfter am Tag aktualisiert, je nach Verkaufsrang. Bei Tolino kann man sich mit seinem Frühstückskaffee zwischen 10.10 und ca. 11.00 Uhr auf die Rankings freuen. Da sieht man dann auch, in welchen Shops sich das Buch verkauft hat. Diesmal waren es statt Weltbild vor allem Thalia und der Link zu Buch.de: http://goo.gl/jB0JJC ,die mein Herz höher schlagen ließen und mir den Tagesbeginn versüßten. WOW, Rankings um die 400 und sogar 48 hatte es bei mir noch nie gegeben! Die letzten beiden Tage der Aktion werde ich einfach nur genießen, denn wir alle wissen, dass es danach wieder ganz gemächlich in den Keller gehen wird.(So, wie die Bücher in den Buchhandlungen ja auch immer schneller wieder verschwinden.) So what, wenn jetzt jemand draufklickt, wird es schon wieder viel weiter unten sein. Aber immerhin ziehen sich Verlags- und Sp-Bücher insgesamt gegenseitig nach oben. So nach dem Motto: Wenn jemand ein Buch gefallen hat, schaut er auch nach anderen Büchern dieses Autors.

Was für einen Rat könnte man neuen Kollegen geben, wenn sie sich heutzutage zwischen Verlags- und Agentursuche oder Self Pubishing entscheiden müssten? Welchen Rat würde ich mir selber geben, wenn ich ganz neu anfangen würde? Ich würde mir sagen, dass ich sämtliche Illusionen, die ich damals hatte, fahren lassen und mir darüber im Klaren sein sollte, dass heute viele Türen zu sind, die damals noch offen waren. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, alles andere kann nur ein Zubrot sein. Da ich zur Zeit viel Zeit habe und weder arbeite noch Romane schreibe, habe ich mir mal das Vergnügen gemacht, die Optionen für die verschieden Wege auszurechnen. Lektorat, Korrektorat, Cover und Konvertierung kommen bei Tolino auf ca. 3000 Euro. Ratet mal, wie lange es dauern würde, bis das wieder im eigenen Geldbeutel ist? Mit eigenen Helfern und SP-Lektoren, -Korrektoren und Designern komme ich auf ca. 1000. Das würde bei der momentanen Geschwindigkeit eineinhalb Jahre bis zum Ausgleich brauchen. Rechnet man allerdings das Gesamteinkommen aus den inzwischen schwarzen Zahlen der Verlagsbücher und dem SP-Einkommen dazu, wäre das vielleicht schon wieder eine andere Option. Sozusagen eine Autoren-Selfie-Mischkalkulation. Es stehen ja immer noch der Schwarzwaldkrimi zur Debatte und mein neuer Abenteuer-Thriller.

Noch etwas würde ich Newcomern unter den Autoren ans Herz legen: Wenn sie anders schreiben als die Topp 100-Autoren bei Amazon, sollten sie die Messlatte für ihr SP-Buch niedrig legen. Eine Erfahrung ist beides Wert, Verlag und SP. Aber wenn ich Wertschätzung suche, dann schaue ich mich in meiner näheren Umgebung um. Und melde mich im Juni zu einem Seminar im Kloster Heiligkreuztal an, um etwas darüber herauszufinden, was uns alle so umtreibt.
Wertschätzung und Respekt - tiefste Sehnsucht des Menschen.Wenn ich meine unbesiegbare Schreibbegeisterung weiterhin austoben und Leser erreichen möchte, kann ich mich auch über die 2500 Blogleser monatlich berufen, abzüglich Robotern. Das wären im Jahr 30.000, ungefähr so viel wie alle verkauften Printbücher.
                                                            

Samstag, 30. Januar 2016

Autor und Leser - eine Kommunikation

Unlängst sah ich zufällig einen Beitrag im Fernsehen, auf einem dieser Info - und Kulturkanäle. Da hatten sie in Südamerika unter anderem Tontöpfe mit keltischen Mustern, Figuren, Inschriften und Steinschleudern gefunden, die denen aus dem europäischen Raum auffallend ähnelten. Nun, sie haben keinen Beweis dafür gefunden, dass Kelten und Phönizier schon lange vor Kolumbus nach Südamerika segelten. Mich interessierte an diesem Bericht etwas anderes. Die Höhlenmalereien von Lascaux und weitere Beispiele wie die Mammutelfenbeinfiguren aus dem Lonetal fielen mir ein. Wie kommt es, dass Menschen auch nach Hunderten oder Tausenden von Jahren Botschaften hinterlassen können, die von der Nachwelt "gelesen" werden? Es kommt daher, dass der Mensch schon immer in der Lage war, von sich selbst und seinem Leben zu abstrahieren und Kunst herzustellen. Es scheint eine Frage von Urheber und Rezipient zu sein. Ein Autor ist undenkbar ohne Leser, ein Leser undenkbar ohne Autor. Wenn man sich dazu die heutige Situation von Autoren anschaut, stellen sich viele Fragezeichen auf. Vieles von dem, was man gerade zu hören und zu lesen bekommt, könnte einem die Freude am Schreiben vermiesen. Die Klagen einer Self Publisherin liegen mir noch in den Ohren. Sie stellte fest, dass sie alle drei Monate ein neues Buch auf den Markt bringen müsste, um mit dem Tempo des Marktes mitzukommen. Am Anfang stehe immer die Kurve, die vielleicht in 1-3 Tagen hoch sei und dann unweigerlich nach unten gehe. Ähnlich ist es auch mit den Verlagsbüchern im Buchhandel. Was sich nicht innerhalb eines Monats verkauft, wandert schon bald ins moderne Antiquariat. Die Kurve nimmt keine Rücksicht auf dich. Aber irgendetwas stimmt doch dabei nicht. Wer hat da was wann falsch gemacht? Die Verlage, die Autoren, die Leser, die Erfinder von immer neuen Techniken, die Buchhandlungen, die Agenten, die Online-Riesen, die Vertreter, das Feuilleton? Die Antwort, die ich mir gebe, ist folgende: Sie sind alle gleichermaßen beteiligt, weil sich (fast) alle der Entwicklung angepasst haben. Bei Denis Scheck, so wurde mir erzählt, trat kürzlich ein Autor auf, der alles noch mit der Hand schreibt und eine Wohnung voller gedruckter Bücher hat. Bie den meisten jedoch dreht sich alles, nicht nur bei Büchern, nur noch um "billig", ich nehme uns da gar nicht aus. Und bei dem Versuch aller, sich den billigsten und gleichzeitig dicksten Teil des Kuchens aus der Torte zu reißen, kann es einzig und allein darum gehen, die Gewinne daraus gerecht zu verteilen.

Gestern, an einem Frühlingstag mit wolkenlosem Himmel, hatten wir ein Aha-Erlebnis. Nach einem Spaziergang am Rand der Alb landeten wir wie schon so oft in einer unserer Lieblingsstädte, in Reutlingen. Wie immer, statteten wir auch der Buchhandlung Osiander einen Besuch ab. Ja, es ist inzwischen ein Genuss für mich, zwischen den Räucherstäbchen und Tassen auch Sessel mit lesenden Menschen zu sehen. Dabei wird es immer schwieriger für mich, in den Tausenden von gleichfarbigen Büchern etwas Ansprechendes zu finden. Meistens lande ich bei Reiseberichten und regionalen Reisebüchern. Bevor es losgehen konnte, fuhren wir mit dem Aufzug nach oben, um gewisse Örtlickkeiten aufzusuchen. Dort landeten wir aber nicht, sondern in einem Stockwerk, das wir noch nie zuvor gesehen hatten. Da lagen Tausende von Büchern in Sammelkästen, der buchhandlungseigene Flohmarkt, auf dem man Bücher zwischen ein und 10 Euro erstehen konnte. Und was habe ich dort gefunden? Alles, was ich unten schon lange nicht mehr finde. Ich fand einen Baden-Baden-Krimi von Rita Hampp, der mir sehr gut gefällt, weil ich auch was von der Umgebung und der Stadt sehe, zwei Bücher von Wulf Dorn, dessen Kommen und Gehen ich überhaupt nicht mehr mitbekommen hatte, einen Thriller des Pompeji-Autors Robert Harris sowie einen historischen Krimi von Petra Ölker. Nachdem ich vor lauter Leseverzweiflung schon auf literarische Texte aus dem 19. Jahrhundert umgeschwenkt war, bedeutet das für mich einen inneren Vorbeimarsch.

Hier noch ein leidenschaftliches Plädoyer für uns Autoren von Nina George: Schatz, wir müssen reden.

Sonntag, 16. August 2015

Der Flatrate-Autor

Mit einem Paukenschlag ist der Glutofensommer nun zu Ende gegangen. Zeit, um durchzuatmen und sich wieder auf alles zu besinnen, was vorher da gewesen war. In den letzten Tagen haben wir unseren traditionellen Zug durch die Buchhandlungen wieder aufgenommen. Ach was, Buchhandlungen, dazu zählen ja auch Antiquariate und die so genannten Bücherbäume. Bücherbäume sind das, was im Internet "Tausch-Gnom", "Tausch-Ticket" und so weiter genannt wird. In Städten wie Rottenburg, Bräunlingen, Obersontheim und Reutlingen gibt es Bücherregale, -stände und -bäume, in die man seine gebrauchten Bücher stellen und wieder welche mitnehmen kann Auch wenn da viel Verstaubtes von teils schon verstorbenen Unterhatungsliteraten steht, kann man doch immer mal wieder eine kleine Perle entdecken. Und ab und zu stelle ich dort eins meiner Autorenexemplare ein, zwecks diskreter Werbung. In den Buchhandlungen und sogar in den größeren Supermärkten nun ist mir aufgefallen, dass es dort inzwischen, wie bei Amazon, eine Flatrate zu geben scheint. Bücher, vor allem Hardcover, werden von 12,99 auf 3,99 Euro runtergesetzt. Bei Osiander in Reutlingen gibt es eine Riesenfläche, auf der Suhrkamp-Titel für einen Euro angeboten werden. In dem Zusammenhang muss ich noch sagen, dass die nächste kleinere unabhängige Buchhandlung in meiner Nähe vor allem Papierwaren verkauft und die Buchtitel relativ ungeordnet sind. Manchmal stoßen wir während unserer Touren noch auf diese kleinen, schönen Läden, zuletzt in Ehingen an der Donau. Die Buchhänderin erinnerte sich sogar an meinen letzten Aufbau-Roman.

Wenn ich also das nächste Mal wieder in einem Verlag veröffentlichen würde, hätte ich auf jeden Fall die Chance, nach ein paar Monaten oder Jahren unter diese Flatrate zu fallen, wie auch bei der Verramschung. *Edit: Das ist natürlich keine Flatrate, sondern ein Preisrabatt, wenn der Ladenpreis aufgehoben wurde. Nur habe ich nichts davon, denn selbst wenn ich vertraglich daran beteiligt würde, übersteigen die Verwaltungskosten meist das Resultat. Nicht so bei Amazon, sollte man denken. Seit Einführung der Flatrate im letzten Oktober sind die Einnahmen der Self Publisher kontinuierlich gesunken, bei mir seit Januar. Auch der, der nicht aufs Geld schauen will oder muss, ist darauf angewiesen, zumal er die Investitionskosten für das E-Book wieder reinkriegen muss. Jetzt ist die mit großer Spannung erwartete Juli-Abrechnung von Amazon gekommen. Die große Frage war für alle, mit wieviel Prozent aus dem Millionentopf die Autoren pro gelesener Seite vergütet werden. Es sind 0,06%. Und da kommt dann bei mehr als 10 000 gelesenen Seiten soviel raus wie vorher, also im Jahr 2015, für die Verkäufe. Gerecht, weil jetzt die Autoren mit mehr Seitenumfang mehr bekommen als die mit Kurzgeschichten? Gerecht, weil die lektorierten, korrektorierten, mit einem professionellen Cover versehenen und "spannenden" Bücher weniger verkauft, dafür mehr ausgeliehen und gelesen werden? Die meisten Verlage und deren Autoren haben sich bisher gegen das Flatratemodell gesperrt. Bei den Printbüchern kann man ja auch gar nicht erfassen, wieviele Seiten der Leser liest. Ob jemand, außer in einem Science-Fiction-Roman, wohl jemals daran gedacht hat, das Leserverhalten "auszuspähen"? Ich selbst lese übrigens immer noch am liebsten gedruckte Bücher, und wie ich hörte, soll es den meisten anderen Lesern auch so gehen. Mein persönliches Fazit aus der Situation ist folgendes: Ich werde meine drei E-Books weiter in diesem Programm laufen lassen und die wenn auch gesunkenen Tantiemen mitnehmen. Aber es hat sich definitiv etwas verschlechtert: Vor einem Jahr hatte ich die Kosten für das Buch in sechs Wochen wieder drin, diesmal wird es vorraussichtlich 8-9 Monate dauern, weil vierfache Kosten dazugekommen sind. Und wer weiß, wie schnell der Topf immer kleiner wird, weil immer mehr Autoren auf den Markt wollen! Für mich persönlich ist auch die Frage der Sichtbarkeit existentiell. So wie die Bücher in den Buchhandlungen gesehen werden müssen, um gekauft zu werden, müssen die Amazon-Kunden das Buch ebenfalls im Shop sehen, um es zu kaufen oder auszuleihen. Mit den Verkäufen war die Sichtbarkeit immer wieder gegeben, mit den Ausleihen kaum noch. Selbst wenn mir der Support versicherte, auch die gelesenen Seiten hätten einen Einfuss auf das Ranking. Für andere mag dieses Modell noch seinen Reiz haben, bei mir war es jetzt mit dem dritten Buch ein Auslaufmodell.

Samstag, 7. März 2015

Was macht der Lektor mit dem Buch, was der Leser?

Vorgestern habe ich das Lektorat meines historischen (Kriminal-) Romans beendet. Und ich muss sagen: Es hat der Geschichte noch einmal den richtigen Drive und Hinweise auf tiefere Zusammenhänge gegeben. Das betrifft den gesamten Roman bzw. den Handlungsablauf von der ersten bis zur letzten Szene. Zum Ablauf hatte mir mein Testleser schon richtig gute Ideen beigesteuert. Jetzt kann ich den gesamten Roman unter diesen Aspekten noch einmal überarbeiten, korrektorieren lassen und dann veröffentlichen ...eine sehr verlockende Aufgabe! Die insgesamt acht Lektoren, die ich bisher hatte, haben aus meinen Büchern jeweils das Beste herausgeholt, was zu holen war, jede(r) auf seine Weise. Dieses letzte Lektorat war eigentlich das intensivste, weil sich die Lektorin in die ganze Geschichte hineingefühlt hat und sich davon inspirieren ließ.

Gestern, nach (Schreib -) Feierabend, fand ich einen Artikel von Nina George im Blog der Bücherfrauen (3.3.15): Ich liebe meinen Verleger, aber brauche ich ihn noch, auf den auch einige mir liebe und wohlbekannte Autoren geantwortet haben. Es ging um das Verhältnis des Autors zum Verleger und zur eigenen Veröffentlichungstätigkeit. Dabei wurden, auch in den Kommentaren, alle wesentlichen Aspekte herausgearbeitet, die auch mich gerade brennend interessieren. Es gibt noch einen weiteren Artikel bei den Bücherfrauen, der ebenfalls zukunftsweisend ist: Das Buch der Zukunft-Perspektiven auf der Social Media Week Hamburg. 
Ich zitiere daraus mal die zentralen Thesen:(Quelle: Bücherfrauen)
  • Der Content wird stark von Nutzer-Feedback geprägt sein.
  • Das Buch der Zukunft wird nicht zuerst in Printform publiziert.
  • Es wird neue Literaturformen geben und „Nischenliteratur“ rückt stärker in den Marktfokus.
  • „Hochliteratur“ wird teurer, hochwertiger und exklusiver.
  • Die Grenzen zwischen Buch und Software werden stärker verschwimmen.
     .   Das Buch der Zukunft wird im Browser gelesen.
  • Die digitale Form des Lesens, Kommentierens und Verlinkens wird dem Charakter des Buches als Teil eines kommunikativen Austauschprozesses gerechter als das isolierte Lesen einer Printpublikation.
  • Soziale Empfehlungen sind für den Leser relevanter als Bestsellerlisten.
  • Das Buch der Zukunft wird sich in vielen Dimensionen verändern (Textform, Autorschaft, Verbreitung etc.), so dass es sich dem Paid Content immer weiter annähert.
  • Das Buch der Zukunft wird weiterhin die Ordnungsleistungen des herkömmlichen Buchs erfüllen.
Dabei sehe ich zunächst mal eine Demokratisierung des Bücherschreibens, des Herstellens, der Vermarktung und des Lesens dieser Bücher. Insbesondere die Wahlmöglichkeit der Leser und Autoren ist nachgerade revolutionär. Wir müssen nicht mehr vor der Bestsellerliste im Buchhandel stehen und das wählen, was sich gerade am besten verkauft. Leser kaufen das, was ihnen am meisten zusagt und schaffen sich so ihre eigenen Bestsellerlisten. Der Leser bestimmt, was auch in Zukunft gelesen wird, nicht mehr die Torhüter in den Verlagen und in den Feuilletons. Und eigentlich bestimmt es der Autor, denn er hat die Bücher ja geschrieben. Besonders wichtig finde ich den Aspekt, dass Nischenthemen jetzt eher eine Chance bekommen, während sie bisher durch alle Raster fielen (nicht marktfähig!) und fortan in irgendwelchen Schubladen verstaubten. Die Möglichkeit, dass Leser den Fortgang von Geschichten mitbestimmen, erscheint mir gar nicht so neu. Ich war selbst einmal fünf Jahre in einer Schreibwerkstatt, in der gegenseitig an der Entwicklung als Autor und an den Geschichten gefeilt wurde. Aus dieser Werkstatt sind einige heute bekannte Autoren und sogar eine Ebook-Queen hervorgegangen. Auch dort wurde zwischendurch mal über etwas anderes geredet. Für den Entstehungsprozess eine Buches finde ich das auch nach wie vor sehr förderlich und inspirierend. War es eine Vorwegnahme der heutigen Situation, in einer zeit, als unser Marcel Reich-Ranitzki noch stirnrunzelnd verkündete: Internet-Autoren, meine Damen und Herren, sind eine Spezies, die wir nicht ernst nehmen müssen. Nie war ich motivierter und enthusiastischer als in den Zeiten des Feedbacks, sei es mit Testlesern oder Lektoren. Wobei das Lektorat Auge in Auge für mich das Qualitätsmerkmal bleibt. Und das Korrektorat. Leider springen mir beim Anlesen von Ebooks, die mich interessieren, gleich auf der ersten Seite Fehler an, die beim Lesen stören. Die kaufe ich nicht. Bisher habe ich nur einige Ebooks vor allem von Autorenkollegen gekauft, deren Qualität mir von vornherein bekannt war. Das abendliche Lesevergnügen findet weiterhin mit Printbüchern statt.

Wenn mich heute ein Neuautor fragen würde, was ich ihm als Einstieg raten würde, Agentur, Verlag oder Self Publishing, würde ich wahrscheinlich sagen:
Mach das, womit du dich am meisten identifizieren kannst. Das sagen wir uns auch als Kollegen in unserer täglichen therapeutischen Arbeit. Und mach es, mit allem Drum und Dran, auf die bestmögliche Weise, die du zu leisten vermagst. Dann kann sich am Ende ein jeder sagen, dass er die Leser bekommt, die er verdient hat.

Heute schon gezweifelt?

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachtswünsche

Auch dieses Jahr geht jetzt seinem Ende entgegen. Ich wünsche allen meinen Lesern entspannte Feiertage und ein neues Jahr, in dem Träume verwirklicht werden und neue Impulse ins Leben kommen. Nähe, Austausch, Inspiration. Und ein starkes Lebensgefühl, "elan", wie die italienische Autorin Dacia Mairani es nennt. Bis gestern hieß es für mich noch arbeiten, jetzt liegen zwei Wochen Urlaub vor mir.

Freitag, 31. Oktober 2008

Was interessiert Blogleser?

Klar, diese Frage kann man überhaupt nicht pauschal beantworten. Ich denke aber, dass es wie beim Lesen von Büchern ist: es muss zumindest eine Form der Identifikation möglich sein. Dabei kann ich selbst natürlich nur von mir ausgehen. Ich lese die Blogs anderer Autoren, weil ich wissen will, wie es ihnen ergeht mit ihrem Schreib- und Lebensprozess. Ich will nicht wissen, ob und wann sie Lesungen halten oder wieviele Wörter sie pro Tag schreiben, sondern, wie es ihnen dabei ergeht. Wie sie mit Erfolgen und Misserfolgen umgehen, denn Letzteres gehört zum Schreiben wie zum Leben. Anschauungen, Lebensumfeldbeschreibung, Gedanken, selbst Freizeitaktivitäten können durchaus einfließen. Ich möchte den Blog-Autor authentisch haben, mit ihm leiden und mich freuen.

Andere wollen über alles Mögliche informieren und treten dabei selbst in den Hintergrund. Solche Blogs lese ich nicht, weil es, bei allen Informationen, die tagtäglich über mich hereinfluten, eine Reizüberflutung wäre.