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Dienstag, 21. Februar 2017

Reich und berühmt bin ich nicht geworden



Blick auf das Weindorf Uhlbach
Meine Autorenkollegin Helene Luise Köppel hat mich auf Facebook dazu nominiert, am Liebster Award teilzunehmen und dazu Fragen bezüglich des Bloggens gestellt. Die beantworte ich an dieser Stelle. Wer von meinen Nachbarbloggern und Bloggerinnen gern an diesem Award teilnehmen möchte, melde sich bitte hier. Werde es dann auch bei Facebook einstellen.

  1. Blogger sind neugierige Menschen. Wie sieht Dein Alltag für gewöhnlich aus?

    Vorab muss ich sagen, dass ich gerade einen Roman fertiggeschrieben habe – den zehnten, wenn ich mich nicht irre. Deshalb geht es beim Schreiben gerade etwas ruhiger zu. (Muss auch meine geplagten Arme etwas schonen). Jetzt im Winter, bei dem schwer herabhängenden Himmel, spielt sich das meiste drinnen ab. Ich stehe nicht zu früh auf, mache mir einen Espresso und ein bisschen was zum Essen und hocke mich vor meinen geliebten Laptop. Ich stöbere in meinem Autorenforum, gucke in benachbarte Blogs und natürlich auch regelmäßig bei Facebook rein. Dann hole ich die Papierzeitung aus dem Briefkasten und lese so richtig altmodisch gemütlich, besonders die menschelnden Berichte aus dem Ländle. Nachmittags sind mein Partner und ich immer unterwegs. Sei es zum Einkaufen, zum Stadtbummel in der Umgebung, in Museen und Buchhandlungen/ Antiquariaten. Dort sind wir (als Rentner) Dauergäste. Auch im Fernsehen erhalte ich Anregungen durch Kultur/Natursendungen und Krimis. Darüber hinaus bin ich auch noch Vielleserin. Nach einem Großteil der Weltiteratur jetzt vor allem gute Krimis und Thtiller, am liebsten von deutschen Autoren. Aber auch gern Romane und Biografien über das 19. und 20. Jahrhundert. Im Sommer kommen Wanderungen, Ausflüge, Aufenthalte an Badeseen und Kurzreisen hinzu. Meine Hirnzellen bekommen also genügend Anreize, wie man sieht.

  1. Den Seinen gibt`s der HERR im Schlaf? Wie kamst du zum Bloggen?

     Da muss ich wirklich überlegen, ist schon so lange her, über zehn Jahre glaube ich. Wahrscheinlich haben mich AutorenkollegInnen dazu angeregt, die ebenfalls in der Zeit zu bloggen begannen.

  1. Gibt es Vorbilder, die Dein Leben und Deine Arbeit beeinflusst haben?

     In meiner Jugend waren es Albert Schweizer, Hermann Hesse und Max Frisch. Später Bruno Bettelheim. Mahatma Gandhi und noch später viele Schriftsteller und alle, die etwas aus ihrem Leben gemacht und etwas bewirkt hatten.


  1. Ich bin ein Mensch. Nichts Menschliches ist mir fremd … Gestattest Du Dir gelegentlich die eine oder andere Torheit?

     Ich gestatte mir seit vielen Jahren die Torheit zu schreiben. Das macht mich glücklich, aber es ist eine noch größere Torheit zu glauben, dass man auch nur annähernd reich und berühmt damit wird.

  1. Über welches Thema brütest Du am liebsten?

     Über allen Themen, die tagtäglich anfallen-gesellschaftliche, psychologische, eigenes Leben und Schreiben, politische mehr am Rande, damit habe ich mich früher jahrzehntelang beschäftigt und aktiv dafür gekämpft.

  1. Hannibal überquerte die Alpen. Welche Reisen haben Dich nachdrücklich beeinflusst?

     Am meisten wohl die Reise mit dem Frachter nach Südamerika, zu Verwandten in Argentinien. Die hatten mir meine Eltern zum Abitur geschenkt. Dort war ich vier Monate unterwegs, auf der Pampa, an den Wasserfällen des Iguazu und in den Anden.
     Außerdem die Reisen nach Mexiko und Venezuela, quer durch Europa, durch Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland und durch fast ganz Deutschland. Das fließt immer auch in meine Romane ein, zuletzt die Argentinienreise in meinen neuesten.
  1. Nichts ist so schwierig, als dass es nicht erforscht werden könnte! Wieviel Kraft und Zeit steckst du für gewöhnlich in die Recherche für Deinen Blog?

     Bei längeren Artikeln kann es schon mal zwei, drei Stunden dauern, auch das Schreiben selbst und das Verlinken nimmt bei einem kurzen Artikel oft mindestens eine Stunde in Anspruch.

  1. Welche Hobbies pflegst Du außerhalb des Bloggens?

    Wie oben schon erwähnt, Wandern, Schwimmen, Lesen, dazu Fotografieren und Reisen. Das Kochen und der Garten stehen nicht mehr so im Vordergrund wie früher, durch das Schreiben bleibt vieles, was man früher gern getan hat, auf der Strecke.

  1. Luxuria. Was zählt für dich zu den Annehmlichkeiten des Lebens?

     Die frei verfügbare Zeit, seit ich nicht mehr angestellt arbeite. Ausschlafen, tun, wozu ich Lust habe. Schreiben, was mir gefällt und was mich glücklich macht. Gutes Essen, schöne Landschaften, Städte, Schlösser und Burgen.

  1. Frisch begonnen, ist halb gewonnen? – Bist du ein Morgen- oder ein Nachtblogger?

Meistens am Mittag oder später am Abend.

  1. Hast du ein Thema, das sich wie ein roter Faden durch deine Blogs zieht?
Das Schreiben, das Leben, gesellschaftliche Trends, Psychologisches, Natur und Kultur und alles, was sich so um mich herum abspielt.

Dienstag, 27. September 2016

Monopoly für die Seele

Seit einem Jahr und drei Monaten bin ich nun Mitglied einer allmählich erstarkenden Gruppe: der RentnerInnen in Deutschland. Was für Vorstellungen hatte ich gehabt, was davon hat sich erfüllt und was hat sich als völlig andersartig erwiesen? Ich denke noch an die Geschichte von dem Mann, der ein Vogelhäuschen baute, dann noch eins und so viele, dass sich am Schluss die Vögel über seine Verschwendungssucht beschwerten. Der allmählich vertrottelt im Morgenmantel herumlief und die Mitglieder von esoterischen Gruppen brüskierte. Vorsicht, warnten die Ratgeber, mit ihrem Lebensgefährten werden Sie jetzt viel mehr Zeit verbringen als zuvor. Und der wird Ihnen auch mehr reinschwätzen als zuvor. Dem wollte ich entgegenwirken. Tätig sollte der Tag zu Ende gehen, sozial und kreativ wirksam, selbstverständlich. Dazu würde ich große Reisen machen und weitere Bücher schreiben. Doch wie so oft im Leben kam es ganz anders. Im Juli 2015 gab es einen Todesfall, der mir mit erschreckender Klarheit vor Augen hielt, dass ich das letzte lebende Mitglied dieser Familie sein würde. Auf der anderen Seite waren die neue Freiheit von jeglicher Arbeit und von allen Terminen, die monatelangen Sonnentage wie ein Rausch, dem ich mich voll und ganz hingegeben hatte. Der Winter aber ist ein harter Mann. Der Lebensgefährte hat mir nicht reingeschwätzt, sondern hat mich ständig mit Fluchtgedanken - Deutschland sei unbewohnbar geworden - und Auswanderungsgedanken aus demRuder geworfen. Du entkommst dir nicht, und anderswo kochen sie auch nur mit Wasser! Nicht nur einmal habe ich, die friedfertigste Person der Umgebung, mit der Faust auf alles mögliche eingehauen.

Eines Tages, oder innerhalb von Wochen, dachte ich mir: Wie wäre es, wenn ich wie beim Monopoly sagen würde: Gehe zurück auf Los. Ziehe keine 4000,- DM ein. Vergiss alles, was du bisher erlebt, was du studiert, gearbeitet und geschrieben hast. Erinnere dich an die selbstwirksamen Elemente dieser Zeiten, denke an den roten Faden, der dieses Webtagebuch seit den fast zehn Jahren durchzieht, die es jetzt existiert. Resilienz und Achtsamkeit, das waren meine Stichworte, und die hat uns unsere Supervisorin auch in einer der letzen Stunden ans Herz gelegt. Man kann niemandem helfen, wenn man sich nicht selber helfen kann. Die Likes, die ich in mehr als vier Jahren bei Facebook vergeben habe, waren der vergebliche Versuch, anderen etwas zu geben, was ich selbst gut hätte brauchen können. Wohlgemerkt, die Likes, an Informationen und echtem Austausch habe ich vieles mitbekommen. Aber es hat so müde gemacht auf die Dauer. Ebenso die Versuche, gegen Buchmarktmühlen anzurennen.

Jetzt bin ich eine neue Rentnerin. Oder zumindest im Begriff, eine zu werden. Ein Vogelhäuschen gibt es schon seit zwei Wintern, das stammt von irgendeinem Bauernmarkt. Der Morgenmantel wird gar nicht erst angezogen, die esoterischen Gruppen gar nicht erst besucht. Geholfen wird dort, wo die Hilfe nicht in einem Fass ohne Boden versinkt. Die vielgelobten Tiere als Aufgabe für RentnerInnen brauche ich nicht, denn sie sind ständig anwesend. Nach der geliebten Katze, die mich monatelang besuchte, ist gegenüber wieder ein neues Kätzchen da, das an meinem Walnussbaum hochspringt, wieder runterfällt und noch etwas scheu meinen Wohnraum erkundet. Dompfaffen und Rotkehlchen machen es sich auf den Gartenstühlen gemütlich, Eichhörnchen sammeln Nüsse und vergraben sie im Beet, Amseln und Elstern zetern im Verbund oder singen des Abends Melodien. Und nachts schreit in der Ferne immer wieder ein Esel. Der Nachbarsjunge donnert jetzt nicht mehr so oft seinen Ball an die Garage, er pfeift nicht mehr aus Angst, das verboten zu kriegen, denn wir haben uns über seiner kleinen Katze versöhnt. Was mir gut tut, weiß ich und weiß ein jeder, der diesen Blog regelmäßig verfolgt. Kleine und große Wanderungen, Ausflüge abseits der Autoströme und Baustellen, gutes Essen, gute Bücher, empathische und authentische Menschen, Kultur und Abwechslung und das Schreiben ohne Gedanken an das, was daraus werden könnte. Am Wochenende fahre ich zu einem Autorentreffen in Oberursel, das ist eine schöne Abwechslung und Bereicherung meines digitalen Alltags. Und einige von diesen Gedanken fand ich bei meiner sehr geschätzten Kollegin Petra van Cronenburg wieder. Ist das Müll oder kann das weg?

Freitag, 16. September 2016

Wie ein Schreiber zu Potte kommt

Immer, wenn ich in den beiden letzten Wochen an meinen Blog dachte und daran, dass es mal wieder Zeit würde, einen Beitrag zu schreiben, verwarf ich diesen Gedanken wieder. Der letzte Beitrag war ein Herbstgedicht von Theodor Fontane, was merkwürdigerweise geradezu zu einem Hype von Besuchern führte. Als würden viele Menschen nach Sinn-Gedichten oder Dingen suchen, die sie mental aufbauen. Das kann natürlich nicht zur Folge haben, dass mein Blog künftig nur noch aus Zitaten bestehen würde und ich nichts mehr aus meiner Feder fließen lasse. Ja, für wen schreibe ich jetzt seit zehn Jahren diesen Blog? Für alle, die meinen Blick auf das Leben (und auf das Schreiben) teilen. Gestern habe ich kurz in einen Fernsehbericht reingeschaut, in dem es um Hass im Netz ging. Radikalisierung entstehe, wenn sich eine Gruppe bildet, die eine Meinung teilt und alles andere ausschließt. Solidarität entsteht umgekehrt genauso, nur lässt sie abweichende Meinungen zu oder kann sie absorbieren. Des Weiteren habe ich überlegt, ob ich für meine Altersgruppe, die Rentner, einen Beitrag schreiben sollte. Wie es sich anfühlt, nach etwas mehr als einem Jahr richtig angekommen zu sein, sich von den Vorstellungen, die das Berufsleben bestimmten, verabschiedet zu haben. Und eine ganz neue, entspanntere Identität gefunden zu haben.

Wenn du in Rente gehst, wirst du sicher froh sein, mehr Zeit zum Schreiben zu haben, sagte damals eine Klientin zu mir. Wir wünschen dir noch viele Bestseller, schrieben die Kollegen auf das Abschiedskärtchen. Was schreibst du denn gerade, und wie geht es sonst mit deinen Büchern?, wollte die Vorstandsrunde beim Abschiedsessen wissen. Da komme ich immer in Erklärungsnot. Das Buchgeschäft ist auch nicht mehr das, was es einmal war, versuche ich dann auszuweichen. Ich schreibe jetzt E-Books. Das war die große Unbekannte und in den Kreisen durchaus kein erstrebenswertes Mittel, um Bücher zu lesen. Sie alle gehören allerdings zu meiner "Zielgruppe", denn sowohl Klienten als auch Kollegen haben meine Bücher immer sehr gern gelesen.

Was ich mit meinem "Rentnerbeitrag" hätte erreichen wollen? Vielleicht anderen in einer ähnichen Situation Mut zu machen, andere, kreativere Wege zu gehen als bisher. Ich hatte nur noch nicht die Worte dafür gefunden. Heute Morgen besuchte ich den Blog einer lieben Autorenkollegin, die genau das schrieb, was mir die ganze Zeit im Kopf herumgegangen ist. Tausend und ein Gedanke. Das gilt nicht nur für das Schreiben, sondern für das eigene Leben, das man unabhängig von der Meinung anderer so gestaltet, wie es für einen passt und was einen "glücklich" macht. "Erfolg", so denke ich gerade, ist eine Art dicke Kuh, die einen aufs Eis zum Tanzen verführen will. (Da höre ich im Hintergrund Protest der vielen Leser, die meine Bücher gelesen haben-hallo, hier, hier ist deine Zielgruppe!, monieren sie). Dem Ruf dieser tanzenden Kuh bin ich nicht mehr gefolgt, habe mich nirgends mehr beworben, sondern schreibe an meinem neuen Roman, dessen verknotete Strukturen ich vor ein paar Tagen aufgelöst und neu zusammengesetzt habe. Ich kann wieder schreiben, ohne zu wissen, ob sich dafür eine Agentur, ein Verlag oder eine Zielgruppe im Self Publishing finden wird. Und das ist einfach beglückend.

Sonntag, 29. Mai 2016

Von der Wiederentdeckung des "Eigen-Sinns"

Winkel in Aach beim Aachtopf
Oder auch: den Faden wiederfinden, der einen durch das bisherige Leben begleitet hat. Selbst ein so profanes Ding wie ein Blog kann sich zu einer Art roten Fadens entwickeln und dazu beitragen, das Geknäule des Daseins zu entwirren. Ein Blog kann etwas sein wie ein virtueller Ort, der durch Kommunikation und Vernetzung mit anderen eine Gemeinschaft bildet. Wie im wirklichen Leben eben auch. Nicht immer und nicht ohne eigenes Zutun natürlich. Heute Vormittag, an diesem gewittrigen, schwülwarmen Maiende des Jahres 2016, hatte ich dieses Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Dazu brauchte ich nur die Einträge meiner BlognachbarInnen zu lesen. Und jeder Eintrag spiegelte etwas von meiner eigenen Situation wider. Der Reihe nach: Es begann mit Elli Radingers Schilderung der Bücher, die auf Reisen geschickt werden. So gekonnt machen wir das hier nicht, aber wir haben unsere Büchertauschplätze in den Städten und Dörfern um uns herum. Seien es Schränke mit Glasscheiben oder "Bücherbäume", in denen die zu tauschenden Bücher gut übersichtlich stehen. Oder die Tische und Vitrinen in Supermärkten, wo die Bücher meist hastig abgelegt, gesucht und dabei durcheinandergeworfen werden, so dass man sie mühsam wieder ordnen muss. Die Idee der Tauschbörse, die Elli beschreibt, macht das Ganze nochmal systematischer. Diese Stätten sind auch Orte der Begegnungen, wir haben schon manchen bibliophilen Menschen auf diese Weise kennengelernt.

Dann las ich in Annette Webers Blog über den Druck, den äußere Umstände auf uns ausüben, uns in Panik versetzen können und uns daran hindern, das zu tun, was wir eigentlich am liebsten tun würden. Das mit dem Rasenmähen kenne ich beispielsweise zur Genüge. Gerade hat man erst gemäht, schon bringen die schwülfeuchten Tage die Gräser dazu, wieder in die Höhe zu schießen. Ringsumher hört man das Gesumm der Elektrorasenmäher, und ausgerechnet mein Rasen steht als einziges Schandbild in dieser wohlanständigen Siedlung! Eigentlich habe ich keine Lust, schon wieder mit dem Kabel herumzutanzen und dabei zu merken, wie mir der Schweiß aus allen Poren bricht. Es gibt ja genügend anderes zu tun, zu gießen, zu jäten, einzukaufen, zu putzen, spazierenzugehen, Blogeinträge und anderes zu lesen und zu verfassen. Ein Bericht für die Zeitung über den Trauma-Vortrag musste redigiert und abgesendet werden (dafür kam er gestern auch in professioneller Aufmachung). Die äußeren Umstände, die Forderungen, die unsere Umgebung an uns stellt, hindern uns daran, uns dem Eigentlichen zu widmen - wenn wir wissen, woraus es eigentlich besteht!

Die nächsten beiden Einträge kamen von Sabine Schäfers, die sehr eindrücklich über die Rollenklischees nachdenkt, die von Verlagen an Autoren herangetragen werden. Und von Petra van Cronenburg mit einem hervorragenden Artikel über kreative Prozesse und alle damit verbundenen Überlegungen und Umstände wie dem Scheitern und dem Neuanfang. Den Ausführungen, die mich direkt angesprochen haben, kann ich nichts Weitergehendes hinzufügen. Aber sie und alle anderen brachten mich dazu, jetzt gleich ebenfalls einen Beitrag schreiben zu wollen, mit dem ich mich bei meinen BlognachbarInnen bedanken will. Auch bei Alice Gabathuler, deren Blog ich seit Jahren verfolge. Sie hat zusammen mit anderen einen Verlag gegründet, was ich mit allergrößtem Respekt vermerke.

Während meiner langjährigen Arbeit mit psychisch labilen, vulnerablen, das heißt besonders verletzbaren Menschen habe ich manchmal einen Klienten oder eine Klientin gefragt, was sie denn früher, in ihrer Jugend, besonders gern gemacht hätten. Und bei manchen von ihnen scheint das auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein, oder sie haben selbst in sich Ressourcen entdeckt, die sie ausleben und damit ihre Krankheit positiv beeinflussen konnten. Viele von ihnen malen, eine hat sogar im Landtag an einer Ausstellung teilgenommen und wurde ins Fernsehen eingeladen. Andere züchten Blumen, tischlern oder kochen göttliche Gerichte wie Kürbissuppen, tschechische Linsengerichte oder polnische Fleisch-und Kohlrouladen. Ein Mann, der kurz bei uns zu Gast war, hat einen köstlichen Eintopf nur aus Rinderknochen, Meersalz und Gemüse hergetellt, besser als mit jeder Fertigbrühe. Und das hatte er sich bei seiner Freundin abgeguckt. Man muss nur die inneren und äußeren Stimmen und Sätze wie "Das schaffe ich nie" oder "Was bringt das denn überhaupt?" abschütteln und einfach das machen, was einem in den Sinn kommt. Ohne zu überlegen, was dabei herauskommen, für wen man es tun und von wem es beachtet werden könnte. Eine Geschäftsidee daraus zu entwickeln - wie mit dem Schreiben oder anderen kreativen Tätigkeiten - erfordert dann noch einmal ganz andere Schritte. Wenn man mich übrigens fragen würde, was ich selbst gern in meiner Jugend gemacht habe: Es waren das Schreiben, das Fotografieren, Lesen, Malen, Wandern, Kochen, Reisen, nächtelange Gespäche mit Freunden, Abtanzen in Kneipen und -Träumen.

"Weißes Waldvögelein", Orchidee der schwäbischen Alb, 26.5.16
In dem Geschehen der letzten Tage ist mir via Fernsehen der Rock- und Balladensänger Udo Lindenberg begegnet, der letztens seinen siebzigsten Geburtstag feierte und gerade eine bundesweite Tournee abzieht. Er wird frenetisch bejubelt, spricht in Interviews über die Entwicklung seines "Eigensinns" und schaut einem mit Hut und Zigarre in jeder Musikabteilung der Geschäfte entgegen. Man mag halten von ihm, was man will, aber er hat es geschafft, er selbst zu bleiben. Auch wenn jemand sagt, wir bräuchten keine alten, nuschelnden Männer mehr auf der Bühne. Ich besitze keine Platte und keine CD von ihm, aber viele Lieder klingen mir noch sehr lebendig in den Ohren. Rudi Ratlos, Hinterm Horizont gehts weiter und so weiter. 50 Songs in 30 Jahren .Lindenberg hat mit 15 Jahren beschlossen, Rockmusiker zu werden. Und er hat es geschafft, so, wie sein Vorbild Hermann Hesse mit 13 Jahren ankündigte, Schriftsteller zu werden und sonst gar nichts. Mit Anfang dreißig meinte Udo, es wäre doch wünschenswert, im Alter noch auf der Bühne zu stehen und nicht den Hut abzugeben wie beispielsweise die Fußballer. Dem teilweise geschmähten Hesse hat er in dessen Heimatstadt Calw ein jährliches musikalisches Rock-Denkmal gesetzt. Calw rockt. Lindenberg versuchte sich zwischendurch mit bürgerlichem Leben und Häuschen, ist grandios gescheitert, stürzte ab in Alkoholexzesse. Als vor zehn Jahren sein Bruder, der Maler Erich Lindenberg starb, riss ihn das aus seinem verzweifelten Sumpf. Er stand einfach noch einmal auf und fasste sein Lebenswerk auf der Bühne zusammen. Jeder Auftritt könnte der letzte sein. Und hier schließt sich der Kreis der Themen: Selbstbestimmtheit, Kreativität, Trauma, Verletzbarkeit, Irrwege und Neuanfang.

Sonntag, 28. Februar 2016

Ein Tag im Leben eines Self Publishers



Eigentlich wollte ich nicht schon wieder einen Artikel verfassen, aber beim Surfen nach Amazon Publishing bin ich auf eine richtig witzige Glosse gestoßen. Da spricht ein Autor kleiner, feiner Verlage von seinem Werdegang und wie es ihm dann mit dem Self Publishing erging. Beide Links stelle ich hier einfach mal ein und kommentiere sie dann mit eigenen Erfahrungen.
Warum Self Publisher nicht die schlechteren Autoren sein müssen.
Ein Tag im Leben eines Self Publishers
Auch wenn es satirisch eindeutig überspitzt ist, kann man sich als Autor mit Verlags- und Self Publishing-Erfahrungen durchaus darin wiederfinden. Es gab ja in der Pionierzeit des Self Publishing die bahnbrechenden Verschenkaktionen. Sie verhalfen einigen selbst Publizierenden zu hunderttausenden von verkauften Büchern mit Einzug in die Verlagswelt. Später waren es dann die Rabattaktionen, die getreu der Philosophie der Buchpiraten die Preise immer mehr verkommen ließen und die Ware Buch zu einem fast kostenlosen Gemeingut zu machen drohte. Bekanntlich habe auch ich es probiert und bin mit der Backlist zumindest eines Verlagstitels auch fast zwei Jahre gut damit gefahren, Rankinggucken inklusive.

Warum scheinen sich Autoren so wohl zu fühlen, wenn ihre Rankings nach oben gehen? Parallel dazu, wenn ihre Bücher in den Buchhandlungen liegen und sich auch gut verkaufen? Müssen sie alle vom Schreiben leben? Sind sie einfach nur geldgeil? Nein. Ich glaube, dass es hier um Wertschätzung der Arbeit geht. Ein Steigen des Rankings verursacht Wohlbefinden, ein Abfallen der Kurve Disharmonie und sinkende Schreibmotivation. Wozu soll ich denn noch schreiben, wenn es doch keiner lesen will? Oder wenn es keiner mehr findet in der Bücherflut? Man muss es benennen: Auch für mich sind die Goldgräberzeiten des SP vorüber. Gott sei`s gelobt und getrommelt hat sich bekanntlich die Tolino-Bücherallianz (April 2015) begründet. Sie will Amazon Flagge zeigen, unterstützt Autoren bei Marketingaktionen und wächst so ganz allmählich aus den Kinderschuhen heraus. Ich bin seit letzten Oktober dabei und durfte schon ein paarmal von diesen Aktionen profitieren. Gerade im Moment läuft noch eine Rabattaktion, die mir kurzfristig wieder rechten Schwung verleihen könnte. Bei Amazon werden die Rankings öfter am Tag aktualisiert, je nach Verkaufsrang. Bei Tolino kann man sich mit seinem Frühstückskaffee zwischen 10.10 und ca. 11.00 Uhr auf die Rankings freuen. Da sieht man dann auch, in welchen Shops sich das Buch verkauft hat. Diesmal waren es statt Weltbild vor allem Thalia und der Link zu Buch.de: http://goo.gl/jB0JJC ,die mein Herz höher schlagen ließen und mir den Tagesbeginn versüßten. WOW, Rankings um die 400 und sogar 48 hatte es bei mir noch nie gegeben! Die letzten beiden Tage der Aktion werde ich einfach nur genießen, denn wir alle wissen, dass es danach wieder ganz gemächlich in den Keller gehen wird.(So, wie die Bücher in den Buchhandlungen ja auch immer schneller wieder verschwinden.) So what, wenn jetzt jemand draufklickt, wird es schon wieder viel weiter unten sein. Aber immerhin ziehen sich Verlags- und Sp-Bücher insgesamt gegenseitig nach oben. So nach dem Motto: Wenn jemand ein Buch gefallen hat, schaut er auch nach anderen Büchern dieses Autors.

Was für einen Rat könnte man neuen Kollegen geben, wenn sie sich heutzutage zwischen Verlags- und Agentursuche oder Self Pubishing entscheiden müssten? Welchen Rat würde ich mir selber geben, wenn ich ganz neu anfangen würde? Ich würde mir sagen, dass ich sämtliche Illusionen, die ich damals hatte, fahren lassen und mir darüber im Klaren sein sollte, dass heute viele Türen zu sind, die damals noch offen waren. Ich bin zufrieden mit dem, was ich erreicht habe, alles andere kann nur ein Zubrot sein. Da ich zur Zeit viel Zeit habe und weder arbeite noch Romane schreibe, habe ich mir mal das Vergnügen gemacht, die Optionen für die verschieden Wege auszurechnen. Lektorat, Korrektorat, Cover und Konvertierung kommen bei Tolino auf ca. 3000 Euro. Ratet mal, wie lange es dauern würde, bis das wieder im eigenen Geldbeutel ist? Mit eigenen Helfern und SP-Lektoren, -Korrektoren und Designern komme ich auf ca. 1000. Das würde bei der momentanen Geschwindigkeit eineinhalb Jahre bis zum Ausgleich brauchen. Rechnet man allerdings das Gesamteinkommen aus den inzwischen schwarzen Zahlen der Verlagsbücher und dem SP-Einkommen dazu, wäre das vielleicht schon wieder eine andere Option. Sozusagen eine Autoren-Selfie-Mischkalkulation. Es stehen ja immer noch der Schwarzwaldkrimi zur Debatte und mein neuer Abenteuer-Thriller.

Noch etwas würde ich Newcomern unter den Autoren ans Herz legen: Wenn sie anders schreiben als die Topp 100-Autoren bei Amazon, sollten sie die Messlatte für ihr SP-Buch niedrig legen. Eine Erfahrung ist beides Wert, Verlag und SP. Aber wenn ich Wertschätzung suche, dann schaue ich mich in meiner näheren Umgebung um. Und melde mich im Juni zu einem Seminar im Kloster Heiligkreuztal an, um etwas darüber herauszufinden, was uns alle so umtreibt.
Wertschätzung und Respekt - tiefste Sehnsucht des Menschen.Wenn ich meine unbesiegbare Schreibbegeisterung weiterhin austoben und Leser erreichen möchte, kann ich mich auch über die 2500 Blogleser monatlich berufen, abzüglich Robotern. Das wären im Jahr 30.000, ungefähr so viel wie alle verkauften Printbücher.
                                                            

Freitag, 12. Februar 2016

Türen

Diese Abbildung zeigt das Portal der Maulbronner Klosterkirche, eine der ältesten Türen Deutschlands. Die Zisterzienser wussten immer, was sie hinter dieser Tür erwarten würde, wenn sie vom Paradies aus die Kirche betraten: nämlich die Laien- und die Mönchskirche, ein romanischer Lettner, der beide voneinander trennt sowie ein Kruzifix, das aus einem einzigen Steinblock herausgemeißelt wurde. Für die Mönche und die Laienbrüder sind Kirche und Kloster über Jahrhunderte hinweg zur Heimat geworden. Etlichen der späteren Seminaristen wurde das alles aber auch zum Zwang. Das Bild hat mich dazu bewogen, einmal über die Bedeutung von Türen nachzudenken. Man kann durch eine Tür hineingehen und auch wieder hinausgehen. In unseren Autorenblogs war früher oft die Rede davon, dass sich immer wieder irgendeine Tür öffnen würde, egal, wie düster die Situation auch gerade aussehe. Das denke ich immer noch, und es stehen zur Zeit viele Türen offen. Es stellt sich nur die Frage, was man hinter diesen Türen finden und ob man mit dem, was man dahinter findet, zufrieden sein wird. Und ob irgendein Raum, den man betritt, zur "Heimat" werden kann. Im Übertragenen ausgedrückt: Die Türen, die zur Zeit bei den Onlineplattformen für Self Publisher, den Verlagen und Agenturen offenstehen, laden vor allem die Erfolgreichen ein. Und selbst bei denen kann es dazu kommen, dass sie zur einen Tür hinein- und zu einer anderen bald wieder hinausgehen. Ein Interview des Hessischen Rundfunks vom Oktober 2015 mit Matthias Matting macht das deutlich.

In unserer Zeitung kam gestern ein Bericht über einen bekannten schwäbischen Dichter, der bei einem kleinen Tübinger Verlag veröffentlicht, der unter Umständen sieben Jahre braucht, bis er einen neuen Gedichtband fertig hat, und von dessen Büchern keine Ebooks existieren. Für ihn gibt es keine Alternative als mit der Hand zu schreiben. Da spüre ich wirkliche Zufriedenheit heraus, und am Rande muss ich auch gestehen, dass ich die Bücher dieses Verlages liebe. Bücher können Räume sein, in denen man sich wohlfühlt. Gerade lese ich einen Wanderbericht, der durch halb Deutschland führt, und bin dabei richtig mit dem Autor und seinem Hund unterwegs. Er hat diese Wanderungen in seinem Blog beschrieben und das Ganze dann bei Malik-National Geographics, einer Untergruppe des Piper Verlags, veröffentlicht. Flugs habe ich mir heute noch drei solcher Bücher gekauft, darunter Kay Borowskys Wanderungen in Tübingen und Europa.

Dienstag, 13. Mai 2014

Die ultimative Freiheit zum Schreiben!

Heute Morgen habe ich eine Art Experiment gemacht. Statt mich im sozialen Netzwerk herumzutreiben, wie es mir zur Gewohnheit geworden ist, habe ich eine dieser Daily Soap-Sendungen angeschaut, die sich aber als sehr fundiert erwies. Es ging um einen arbeitssüchtigen Mann, der immer erreichbar war, sich für seine Firma aufrieb bis zum letzten und mit seinem Verhalten seine Ehe und sich selbst massiv gefährdete. Schließlich machte er Fehler und wurde von seiner Chefin übel abgekanzelt. Erst nach einem Kreislaufzusammenbruch und Aufenthalt in der Klinik konnte er die Gründe für sein Verhalten erkennen und es ändern. Eine systemische Therapeutin kommentierte das Geschehen. Ich stellte anschließend fest, dass ich weder arbeitssüchtig noch burnoutlastig noch in irgendeiner Weise depressiv bin, sondern jahrelang zu viele Dinge getan habe, die mich unnötig belasteten und die ich nicht gebraucht hätte zu meinem Glück. Später am Vormittag traf ich im Badepark eine alte Freundin, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Sie hatte kürzlich ihren 70. Geburtstag gefeiert und meinte, ich sei ja noch ein junger Hüpfer, und wenn ich in Rente sei, bleibe mir ja immer noch das Schreiben. Man sollte einfach nicht ganz aufhören zu arbeiten. Für mich ist dieser paradiesische Zustand ja nun auch nicht mehr fern. Und ich habe mir schon Gedanken gemacht, was ich mit den 23 Stunden Arbeitszeit einschließlich Fahrzeit, die dann wegfallen, anfangen könnte. Einfach zu sagen, dann schreibe ich halt, ist zu wenig. Es sollte in ein Gesamtkonzept eingebunden sein. Also erst einmal habe ich mir heute eine Jahreskarte für das Schwimmbad gekauft. Dann kam gestern eine Mail von dem Kloster an der Donau, in dem ich einen Wochenendkurs zum Thema "Stress bewältigen durch Achtsamkeit" gebucht habe. Ja, zweimal im Jahr ins Kloster zu gehen wäre eine gute Option. Ein Blick bei Google zeigt mir, dass ich schon vier Beiträge über das Thema Achtsamkeit verfasst habe, zum Beispiel diesen hier: Die Seele aufschlagen lassen vom November 2013. Hatte mir nicht mal jemand empfohlen, über diese Klostergeschichte einen Psychokrimi zu schreiben? (der allerdings schon geschrieben ist). Am letzten Sonntag habe ich gemerkt, was es heißt, achtsam mit sich umzugehen. Ich habe nur kurz in den Computer geschaut, habe mir eine köstliche Bolognese mit frischen Tomatenstückchen gekocht, bin schwimmen gegangen und einmal um den ganzen Park herumgelaufen, bis die schwarze Wand mich wieder nach Hause trieb. Später habe ich ZDF History und Terra X geguckt. An diesem Abend habe ich mich so gut gefühlt wie schon lange nicht mehr!

Ansonsten wird sich im "Unruhestand" nicht allzuviel ändern, außer, und darauf freue ich mich besonders, dass ich wegfahren,- wandern, -radeln kann, wann immer ich will und wann immer die Sonne lockt! Ich kann die Wintermonate anderswo verbringen, wenn ich will und wenn ich einen Platz finde, wo das möglich ist. Und muss nicht mehr alles um den Beruf herum arrangieren. Ich könnte alte Freundschaften wieder etwas mehr pflegen, mich um den Garten kümmern, mir vielleicht endlich die Oleanderkübel zulegen, von denen ich schon so lange träume. Die Netzkontakte so pflegen, wie sie es brauchen, vielleicht auch wieder an Real-Life-treffen teilnehmen. Einen neuen Blog gestalten, neue Ideen für Bücher entwickeln. Bis jetzt haben meine Arbeitszeit - bis in den Abend hinein - und die psychische Hochspannung, unter der ich oft stehe, vieles verhindert.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Warum eigentlich noch bloggen?

Gerade habe ich einen Beitrag im Blog Schreibblockade von Marie Sturm gelesen. Sie stellt sich die Frage: Was tue ich hier eigentlich? Und ich stelle mir die Frage: Warum spricht mich das, was sie schreibt, so sehr an? Weil sie mit ihren Beiträgen, ohne alles Drumherum und ohne Schnickschnack, direkt zu mir spricht. Das, was Marie sich fragt, frage ich mich ebenfalls. Mit meinem Schreibteufelchen bin ich ja nun schon ein paar Jahre unterwegs. Es ist mir als Begleiter unverzichtbar geworden. Dabei habe ich erlebt, dass Leser abgesprungen sind, wenn ich mal aus der Puste war und eine kleine Pause machen wollte. Viele Themen wiederholen sich, in immer anderen Variationen. Daran, für immer mit dem Bloggen aufzuhören, habe ich eigentlich nur ein paarmal gedacht. Dann, wenn ich das Gefühl hatte, nur noch alleine für mich selber vor mich hin zu denken.

Die Bloggerszene, von der ich umgeben bin, hat sich für mich verändert, seitdem ich und andere bei Facebook sind. Dort sind die Kommentare meist oberflächlicher, aufgrund der Fülle des Gebotenen. Und häufig wird nicht mehr hier geantwortet, sondern in Facebook. Der Grund, warum ich dorthin gegangen bin, war die Bekanntmachung meines Mörike-E-Books. Es wurde auch sehr viel Anteil daran genommen, ebenso wie an dem Werdegang meines Krimis. Auf die tatsächlichen Absätze hatte das aber keinerlei Einfluss. Daraus könnte ich jetzt den Schluss ziehen, dass ich eigentlich jede Erwähnung meiner Bücher vergessen kann. Den Blog sowie die Mitgliedschaft bei Facebook sollte ich nur noch als Möglichkeit betrachten, ein wenig über das Leben und das Schreiben in allen Facetten nachzudenken. Seht ihr das genauso, meine lieben Mit-Leser?

Sonntag, 3. Juni 2012

"Reise durch vier Jahrhunderte"





                                      Reise durch vier Jahrhunderte

Kloster Maulbronn, 12. Jahrhundert
Fangen wir an mit Maulbronn. Die berühmten Autoren und andere Persönlichkeiten, die dort im 19. Jahrhundert einsaßen, schrieben sich später gegenseitig Briefe, die heute vier Bände füllen können.
Schloss Bruchsal, 18.Jahrhundert


Im 18. Jahrhundert war alles zentralistisch wohlorganisiert, im Vergleich zu heute im Schneckentempo. Vergangene Jahrhunderte kann man versuchen nachzustellen, was meist aber nur rudimentär gelingt. Hier auf dem Calwer Fest schauen alle auf die Bühne, auf der später eine Gruppe in 19.-Jahrhundert-Gewändern das Bürgerlied singen wird.


Calwer Fest, 19. Jahrhundert. 2. Haus von  links: Hesses Geburtshaus

Das rosa Haus ist das einzige, das den 30jährigen Krieg in Calw überstanden hat

Wenn man eine Tour durch den nördlichen Schwarzwald und durch den Kraichgau macht, wird man unversehens ins 21. Jahrundert zurückkatapultiert: Nördlich von Pforzheim baut nämlich Amazon ein riesiges Logistikzentrum, neue Heimat für 3000 Arbeiter. Und wenn noch so sehr nostalgiert wird: Von dort ist mein Buch oder mein Kindle in einer Stunde bei mir, das E-Book in wenigen Sekunden.

Montag, 7. Mai 2012

Leute, bloggt mal wieder!


Vor zwei Tagen habe ich mich bei Facebook angemeldet, einfach so. Und weil es so einfach war, habe ich es auch bei der Anmeldung belassen. Jeden Tag fülle ich dort ein wenig auf, mit Bild, Profil und den ersten Kontakten. Ich verfolge auch keine Absicht damit. Vielleicht habe ich dort einmal eine Autorenseite, auf der auch diskutiert werden kann. Und offensichtlich bekommt man dort auch scheller und öfter Feedback als im Blog - und kann seine Blogartikel dort posten.
Dazu passend fand ich gerade bei Alice Gabathuler einen Beitrag über das Bloggen
sowie einen Link zu einem weiteren Beitrag über das Bloggen. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob es wirklich ernst gemeint ist. Aber ich muss dem und auch vielen der Kommentatoren beipflichten: Bloggen erfordert mehr Arbeit, ist aber auch nachhaltiger. Macht geile kleine Blogs auf!

Ja, sage ich! Gestern sah ich, dass meine erste Anmeldung dieses Blogs im Jahr 2008 war. Fünf Jahre gesammeltes Bloggen! Fünf Jahre gesammelte Erfahrungen, Spaß, Einsichten und Ansichten. Fünf Jahre Mischkonzept, das Menschen aus unterschiedlichsten Richtungen angezogen und vor allem mir mein Schreiben warm gehalten hat.




Mittwoch, 7. Dezember 2011

Taugt der Blog nix, taugt das Buch nix?

Interessante Fragestellung, die ich gerade gefunden habe: Autorenblogs von brigitte.de.
Da wird sehr positiv über meine Blognachbarin Petra van Cronenburg gsprochen und darüber, wie Blogs auf potentielle LeserInnen der Bücher wirken. Von Petra habe ich auch schon mindestes zwei Bücher gelesen, was aber nicht auf einen zufälligen Besuch ihres Blogs zurückging.
Ein Blog kann schon eines der vielen Mittel sein, mit dem man sich den Lesern annähern könnte. Ich selbst kaufe nur selten Bücher, die in anderen Blogs vorgestellt werden. Denn meist gehören die Bücher, die da entstehen oder beworben werden, nicht zu meinem bevorzugten Lesestoff. Und es ist auch mir schon passiert, dass mir jemand in einem Forum negativ aufgefallen ist, so dass ich keine Lust hatte, dessen Bücher zu kaufen und zu lesen, wie in dem Beitrag oben gesagt wird. Dagegen wachsen mir andere Autoren so sehr ans Herz,dass ich gern mehr von ihnen lesen würde, auch dann, wenn es noch nicht veröffentlicht ist.
Für mich persönlich ist diese Funktion, nämlich über meinen Blog Bücher zu bewerben, stark zurückgetreten hinter den Wunsch, einfach nur eine kleine Plattform für mich als Autorin zu sein, mit der Möglicheit, mich mit anderen auszutauschen. Alle Blogs, die ich nebenher verfolgen möchte, sind bei mir aufgelistet. Manchmal finde ich neue Blogs, die ich hinzufüge, weil sich derjenige vielleicht bei mir gemeldet hat.
Ich wünsche mir Links zu Autoren, die regelmäßig bloggen, das heißt, so mindestens einmal in ein oder zwei Wochen. Denn wenn das eigene Rädchen im Kopf sich mal nicht so richtig dreht, bekomme ich oft sehr schöne Anregungen!

Freitag, 25. Februar 2011

Blog gelöscht

Nach einem Hinweis per PN habe ich jetzt dem Webmaster geschrieben, weil ich zwar das Passwort, den Usernamen aber nicht mehr habe. 
Irrungen- Wirrungen: Die Mail an den Webmaster kam zurück. Dann ist mir zum Glück der Username wieder eingefallen- und ich konnte den Blog "Schreibteufelchen-myblog" endlich löschen. Der Provider von der Homepage ist nach wie vor nicht mehr erreichbar, da es in dem Verlag, den er betrieb, 2008 die letzten Einträge gibt. Ansonsten ist er nebst demjenigen, der mir damals (2003) die HP kostenlos gebastelt hat, spurlos aus dem Netz verschwunden. In irgedeiner Ecke habe ich sogar noch die Zugangsdaten zur alten Homepage gefunden, aber da gab es keine Löschfunktion. Immerhin habe ich gesehen, dass in all den Jahren noch eine Menge Besucher darauf waren, ob Roboter, konnte ich nicht verifizieren. Jetzt behandle ich noch meine Mailadresse, wie von Petra vorgeschlagen.

Mittwoch, 29. September 2010

Über Abgründe schreiben

Ich erwarte keine Antworten auf Fragen, ich habe mich selbst gefragt, was ich, zwischen eingeschlagener Tür, Polizei und tödlichen Spielen, weiterhin schreibe. Jetzt weiß ich wenigstens, wie es ist, als Polizist vor einer Tür zu stehen, vor einem Zimmer, von dem ich nicht weiß, was sich darin abgespielt hat. Ich habe mich zur Gewalt entschieden, höre den Knall, mit dem die Tür auffliegt, sehe, was in dem Zimmer passiert ist ...Und das ist der Anfang einer neuen oder erweiterten Phase meines Schreibens. Ich sehe es vor mir, es ist alles unentwirrbar verknäult, doch ich werde es entwirren, wie alle meine von mir so gern gelesenen Krimi-und Thrillerautoren ihre Knäuel entwirrt haben. Es ist eine Zäsur, denn mit diesem Genre fange ich ganz neu an. Vielleicht muss ich mich dann so hochackern wie Nele Neuhaus, vielleicht scheitere ich schon beim Versuch. Aber ich werde es wagen, wenn nicht heute, dann morgen, übermorgen, in zwei Monaten!

Samstag, 7. November 2009

Wann ist es Zeit, mit dem Bloggen aufzuhören?

Hier kann ein Blogger, gleich welcher Art sein Blog sein mag, prüfen, ob er seinem Blog nicht lieber den Gnadenschuss versetzen sollte, statt noch länger auf ihm herumzureiten. Und hier das Ganze noch einmal im Original.

Sonntag, 5. Juli 2009

Vernetzung von Autorenblogs

Der Urlaub geht zu Ende-heute haben wir noch mal einen sehr heißen, aber sehr interessanten Tag im Kraichgau verbracht. Das Beste: Ein Stadtfest in Wiesloch, mit friedlichen Menschen, viel Sonne und Cuba-Jazz.

Oliver Gasser, ein Literatur-Koordinator, hat darum gebeten, ein Projekt von ihm bekannt zu machen, das er bei den Literaturtagen in Konstanz vorstellen will. Es handelt sich um eine virtuelle Autorenplattform, die soziale Vernetzung von Autorenblogs, insbesondere im süddeutschen Raum, in Österreich und der Schweiz. Aus der Testphase stach mir ein Beitrag ins Auge: "Warum antwortet mir niemand?"
Ich habe den Eindruck gewonnen, dass viele Autoren, die ich kenne, ihre Blogs aus eben diesem Grund wieder aufgegeben haben (analog zu der Vorstellung: Warum soll ich schreiben, wenn niemand es lesen will?)
Ich denke, dass sich Blogs, auch Autorenblogs, irgendwann zum Selbstlauf entwickeln können, wenn sie nicht immerfort neue Impulse bekommen. Die können aus sich selbst heraus entstehen, durch Kommentare anderer oder durch immerwährende Auseinandersetzung mit der den Autor umgebenden Welt. Das Wissen um eine Stammleserschaft ist dabei sicher sehr förderlich. Ob dabei auch nur ein einziges Buch verkauft wird, bleibt dahingestellt. Und viele Besucher, die durch Google-Anfragen kommen, bleiben nicht. Was also kann der Sinn und Zweck eines Autorenblogs sein, wenn nicht reine Selbstdarstellung? Für mich persönlich ist dieser Blog seit Langem eine Auseinandersetzung mit meinem Autor-Sein.
Der Gedanke, Autoren mehr miteinander zu vernetzen, hat schon etwas Bestechendes. Nur hat sich in der Praxis gezeigt, dass die Kollegen neben ihrem Schreiben, ihrem sonstigen Leben und der Teilnahme an verschiedenen Foren gar nicht mehr die Zeit haben, sich so intensiv anderen Inhalten zu widmen. Ich begrüße die Idee also ausdrücklich, weiß aber nicht, ob ich an diesem Projekt teilnehmen werde.

Samstag, 29. November 2008

Krimis und Historische Romane

Es ist ganz still geworden hier, weil die Autorin Krimis liest. Und was für welche! Die beiden ersten waren so spannend und gut geschrieben, dass ich sie quasi 36 Stunden am Stück verschlungen habe (naja, zwischendurch haben wir uns auch noch auf Adventsmärkten herumgetrieben). Vom zweiten (Chemie des Todes) habe ich heute Nacht Albträume bekommen, auf jeden Fall kamen ein abgemagertes Kind und Maden darin vor. Ob ich auch solche Krimis schreiben möchte? Ich glaube, die Recherchen und das Schreiben würden mir ähnlichen Widerwillen verursachen wie die zum Dreißigjährigen Krieg. Aber es wäre schon verlockend.

Meine beiden Exposés zum nächsten historischen Roman habe ich in einem Anflug von Verzweiflung meinem Partner gezeigt, der bekanntlich überkritisch ist, was die Stoffe angeht. Ihm gefielen beide, der Plot in Süddeutschland etwas mehr, aber auch der in Florenz. Wahrscheinlich werde ich jetzt folgendermaßen vorgehen: nach der Pause, die dem Wiederauftanken dienen soll und dem Abschluss des Lektorats der "Nonne und der Hure", der sicher ab nächster Woche auf mich zukommen wird, könnte ich mich der deutschen Version des Feuer-Themas nähern, von der ja schon 50 Seiten existieren. Dem florentinischen Exposé, das noch stärker von der ursprünglichen Version abweicht, würde ich dann ein noch anderes Gesicht geben - und hätte zwei weitere historische Romane. Ich glaube, mein persönliches Autorenleben wird immer davon gezeichnet sein, zu experimentieren, die Zwänge von außen zu umschiffen, um nicht daran zu zerschellen und fröhlich-gemütlich, manchmal zweifelnd, manchmal beschwingt, von einer Baustelle zur anderen zu gehen und etwas Neues daraus zu erschaffen. Man könnte es auch sehen wie diese chinesischen Puppen: aus der großen Puppe kommen immer neue Kleinere heraus.

Samstag, 1. November 2008

Autorenblogs-kreuz und quer

Da ich in einer Warteschleife hänge und heute wie die Nanos nicht 1000 Wörter schreiben muss,
habe ich mich mal ein wenig unter dem Stichwort "Autorenblogs" umgesehen. Da traf ich erstmal viele bekannte Namen wieder, erfuhr, dass Amazon Autorenblogs zur "Kundenbindung" eingerichtet hat und las auch dieses und jenes bekannter Kollegen. Auch die "berühmten" kochen natürlich nur mit Wasser, berichten über Seitenzahlen, über das, was ihnen beim Schreiben in die Quere kommt oder wie sie sich davor drücken. Eine PR-Frau sagt in einem Interview, die Leser wollten Autoren zum Anfassen, und da eigne sich ein Blog recht gut. Die Themen sollten aus einer gesunden Mischung bestehen, ihr persönlich wäre die Auseinandersetzung mit Seinsfragen lieber als Berichte von Sozialhilfeempfängern, die Weltbestseller schreiben oder von fernsehbekannten Leuten, die ihre Wanderberichte vermarkten.