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Montag, 19. Februar 2018

Tore und Türen

Traum vom Süden -hier: Madeira
Der Gotthard gilt als das Tor zum Süden. Ich habe es noch erlebt, dass wir bei Regen ankamen, das Auto auf die Bahn verladen wurde, dann ging es kilometerlang durch den Tunnel. Auf der anderen Seite schien die Sonne, blühte der Oleander, die Dächer der Häuser glänzten. Viele Menschen haben diesen Traum vom Süden im Kopf, und nicht Goethe war der erste, den es dorthin und zu den kulturellen Schätzen Italiens zog. Selbst die Urvölker machten sich auf den Weg nach Süden, wenn das Klima sich verschlechterte und die Nahrung knapp wurde.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Film über ein Rentnerehepaar gesehen, das sich ein Haus in Spanien, bei Malaga, gekauft hatte und dorthin übersiedelte. Eigentlich war es eine Schnulze, die ich sonst nicht angeschaut hätte, aber Gila von Weitershausen hat so entzückend gespielt, dass es eine Freude war. Dieses Paar nun erhoffte sich die Erfüllung aller Träume ihres Lebens - einmal Granada sehen, und alles ist im Lot! Natürlich geht dann alles schief. Der Umzugswagen bleibt liegen, es gibt kein Wasser, und die deutschen Nachbarn schleppen die beiden zu einem touristischen Flamenco-Event. Ein Durcheinander ohnegleichen entsteht, Eifersüchteleien, die Partner entfremden sich voneinander und von sich selbst. Die Frau erkennt, dass sie sich ein Leben lang für andere abgerackert hat. Am Ende kehren sie nach Deutschland zurück und leben ein selbst bestimmtes Leben in zwei getrennten Wohnungen-in Augenweite.

Tore und Türen können sich also in jede Richtung öffnen, hinaus- und hereinlassen. Nachdem ich vor etwa einer Woche eine Absage wegen Überfüllung eines Verlages mit Büchern bekommen hatte, kam am Freitag eine Mail von einem anderen Verlag, der sich für meinen Schwarzwaldkrimi interessiert. Das war sehr motivierend, und seitdem glaube ich wieder daran, dass sich Tore und Türe öffnen können, auch wenn man lange Zeit glaubte, sie hätten sich alle geschlossen.

Freitag, 19. Februar 2016

Die Katze am Fenster

Ein Fenster in Rothenburg o.d.T.
Manchmal, wenn ich morgens aufwache, höre ich eine Amsel ziemlich eindringlich rufen: Did-did, did-did, did-did, die Tonleiter rauf und runter. Das ist eine Warnung an ihre Mitvögel, dass wieder eine Katze in der Nähe sein muss. Ich schaue aus dem Fenster und sehe eine grauweiße vorüberhuschen und im Dickicht verschwinden. Das ist dann schon die vierte, die es sich in meinem Garten gemütlich macht, nach der weißen, der schwarzen und der bunt gescheckten. Fenster sind wie Türen: Man kann hinausschauen und auch von draußen hereinschauen. Allerdings verlässt man Häuser besser durch Türen als durch Fenster und kommt auch besser durch sie rein. Gestern Abend hatte ich meine Türen mal wieder durch Rolläden gegen allzu starken Katzenandrang abgesichert. Nur einen Spalt des Fensterrolladens ließ ich offen, um noch ein wenig lüften zu können. Irgendwann schaute ich mal raus, und genau in dem Moment schaute die weiße Katze herein. Für diejenigen, die ihre Vorgeschichte nicht kennen: Es ist eine Katze, die in der Nachbarschaft wohnt, meine Vermieterin oben und mich aber seit einem halben Jahr massiv um Futter angeht und sich in meiner Wohnung einnisten will. Wir lieben sie sehr, können ihr Verhalten jedoch auf die Dauer so nicht dulden.

Also die Katze schaute herein, blieb aber, wie überhaupt in letzter Zeit, still. Wenn sie nichts zum Futtern bekommt, rennt sie wie verrückt am Stamm des Walnussbaums hinauf, um Vögel zu jagen. Oder sie sitzt auf dem Rand des Komposthaufens und wartet darauf, dass eine Maus vorbeikommt. Katzen sind ja wie alle Haustiere domestizierte Wildtiere, und wenn sie nicht versorgt werden, erwachen ihre Instinkte. Nachdem ich nun die Katze, insgeheim nenne ich sie schon "Mitzi", weil sie immer so leidend-verträumt daherschaut, gesehen hatte, traf ich draußen bei den Mülltonnen meine Vermieterin. Natürlich sprachen wir über unsere Erfahrung mit der Katze. Kürzlich sei ein Hund bei ihr zu Besuch gewesen, da hätte sich die Katze nicht mehr blicken lassen. Der Grund dafür, dass sie uns beide quasi "adoptiert" hat, sei darin zu suchen, dass ihre Besitzer immer morgens zur Arbeit gehen und sie dann rauslassen. Fast alle Katzenbesitzer dieses Viertels gehen zur Arbeit und lassen ihre Katzen raus. Aber nur Mitzi scheint so liebebedürftig, dass sie sich deswegen gleich eine neue Wohnung suchen will. Vielleicht schmeckt es ihr bei uns auch nur besser, meinte die Vermieterin mit einem Zwinkern und lachte herzlich, als ich ihr von dem "schlechten Essen erzählte, das ich der Katze einmal angeboten hatte. Unser Gentlecat´s Agreement besteht jetzt darin, dass sie vorbeikommen darf, wenn sie sie sich "ordentlich" aufführt. Ordentlich heißt, nicht wie wild an der Tür zu kratzen,  zu schreien und herzzzerreißend zu miauen, an die Scheiben zu schlagen und auf den Briefkasten zu klettern, um Einlass zu fordern. Sie ist auch stiller geworden und wartet, bis irgendwann ein Fenster oder eine Tür aufgeht. Zudem hat sie ihr Ursprungsgewicht wieder erreicht, weil sie nicht mehr unkontrolliert gefüttert wird. Und wenn der Rolladen vorm Fenster oder der Tür runtergelassen ist, weiß sie, dass sie lieber heimgehen sollte.


Freitag, 12. Februar 2016

Türen

Diese Abbildung zeigt das Portal der Maulbronner Klosterkirche, eine der ältesten Türen Deutschlands. Die Zisterzienser wussten immer, was sie hinter dieser Tür erwarten würde, wenn sie vom Paradies aus die Kirche betraten: nämlich die Laien- und die Mönchskirche, ein romanischer Lettner, der beide voneinander trennt sowie ein Kruzifix, das aus einem einzigen Steinblock herausgemeißelt wurde. Für die Mönche und die Laienbrüder sind Kirche und Kloster über Jahrhunderte hinweg zur Heimat geworden. Etlichen der späteren Seminaristen wurde das alles aber auch zum Zwang. Das Bild hat mich dazu bewogen, einmal über die Bedeutung von Türen nachzudenken. Man kann durch eine Tür hineingehen und auch wieder hinausgehen. In unseren Autorenblogs war früher oft die Rede davon, dass sich immer wieder irgendeine Tür öffnen würde, egal, wie düster die Situation auch gerade aussehe. Das denke ich immer noch, und es stehen zur Zeit viele Türen offen. Es stellt sich nur die Frage, was man hinter diesen Türen finden und ob man mit dem, was man dahinter findet, zufrieden sein wird. Und ob irgendein Raum, den man betritt, zur "Heimat" werden kann. Im Übertragenen ausgedrückt: Die Türen, die zur Zeit bei den Onlineplattformen für Self Publisher, den Verlagen und Agenturen offenstehen, laden vor allem die Erfolgreichen ein. Und selbst bei denen kann es dazu kommen, dass sie zur einen Tür hinein- und zu einer anderen bald wieder hinausgehen. Ein Interview des Hessischen Rundfunks vom Oktober 2015 mit Matthias Matting macht das deutlich.

In unserer Zeitung kam gestern ein Bericht über einen bekannten schwäbischen Dichter, der bei einem kleinen Tübinger Verlag veröffentlicht, der unter Umständen sieben Jahre braucht, bis er einen neuen Gedichtband fertig hat, und von dessen Büchern keine Ebooks existieren. Für ihn gibt es keine Alternative als mit der Hand zu schreiben. Da spüre ich wirkliche Zufriedenheit heraus, und am Rande muss ich auch gestehen, dass ich die Bücher dieses Verlages liebe. Bücher können Räume sein, in denen man sich wohlfühlt. Gerade lese ich einen Wanderbericht, der durch halb Deutschland führt, und bin dabei richtig mit dem Autor und seinem Hund unterwegs. Er hat diese Wanderungen in seinem Blog beschrieben und das Ganze dann bei Malik-National Geographics, einer Untergruppe des Piper Verlags, veröffentlicht. Flugs habe ich mir heute noch drei solcher Bücher gekauft, darunter Kay Borowskys Wanderungen in Tübingen und Europa.