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Samstag, 10. März 2018

Neuer Verlag, neues Glück

Im Schloss Gochsheim/Kraichtal
Am vergangenen Dienstag habe ich den Verlagsvertrag zur Rückzeichnung in den Postkasten geworfen, kurz bevor ich mich unter das Skalpell des Zahnarztes begab. Im Bewusstsein, dass wieder Bewegung in das Schreiben gekommen ist, ließ sich das alles besser ertragen. Gestern fand ich einen Artikel über den Ullstein Verlag, bei dem mir klar wurde, wie der neue Leiter Gunnar Cynybulk im letzten Herbst zu diesem Verlag gekommen ist, in welche Richtung er sich entwickeln könnte und warum ich mich dort gut aufgehoben fühlen kann.

Als nächsten Schritt habe ich mir meine drei Exposés vorgenommen, die in den letzten Jahren keine Heimat fanden. Und fast scheint es mir, dass es an ihnen gelegen hat, warum keine Agentur anbeißen wollte. Ich las mir noch einmal die Exposékritik einer Agentin durch. Und da fiel mal wieder ein kleiner Groschen. Die Exposés waren überladen mit Handlung, Personen und Konflikten. Die habe ich jetzt eingedampft, den zentralen Konflikt und die zentralen Personen stehen lassen und alles, was nicht zum Verständnis beiträgt, gestrichen. Im nächsten Schritt kommt dann das Lektorat, parallell dazu ein Cover, das mir vorgelegt werden soll.

Mittwoch, 28. Februar 2018

Mein Schwarzwaldkrimi ist gelandet!

Der düstere Schwarzwald vor zwei Wochen
Es ist tatsächlich wahr geworden: Mein Schwarzwaldkrimi "Martinsmorde" wurde von einem Verlag angenommen, und zwar von Midnight/Ullstein! Der Vertrag, den ich schon im Voraus geprüft habe, wird mir demnächst zugestellt. Voraussichtlich wird das E-Book im Sommer 2018 erscheinen, das Printbuch soll im Herbst folgen. Parallel zum Lektorat wird ein Cover erstellt, das mir vorgelegt wird, weil die Autoren in die Entwicklung einbezogen werden sollen. Heute kam eine weitere Mail der Lektorin, in der sie mir anbietet, auch andere Exposés und Texte zur Prüfung zu schicken. Ich hatte nach Fertigstellung des Romans schon mehr Ideen im Kopf, drei bis fünf Folgen. Weil ein Verlag und ein paar Agenturen letztendlich kein Interesse an dem MS zeigten, hatte ich das nicht weiter verfolgt. Es gibt aber eine Idee, die ich nur noch in aller Ruhe ausführen und in Exposéform bringen müsste. Demnächst bekomme ich von meinem Sohn ein schönes Notizbuch, in das ich alles hineinschreiben kann, was mir durch den Kopf geht.

Jetzt habe ich erstmal aufgeräumt, die ganzen Papiere von der Familienforschung verstaut und die gesamte Ablage ausgemistet. Die letzte Woche war unterirdisch kalt, auf der Zugspitze herrschten gestern Nacht -30°, eine nie gemessene Temperatur um diese Jahreszeit! Beim Rausgehen pfeift mir ein so eiskalter Wind um die Nase, dass ich fast alle Aktivitäten im Freien eingestellt habe. Ich freue mich auf wärmere Temperaturen, und ich freue mich auf die schreiberischen Aktivitäten, die vor mir liegen. (Das Foto habe ich übrigens nicht weit von meiner Wohnung entfernt aufgenommen).

Montag, 19. Februar 2018

Tore und Türen

Traum vom Süden -hier: Madeira
Der Gotthard gilt als das Tor zum Süden. Ich habe es noch erlebt, dass wir bei Regen ankamen, das Auto auf die Bahn verladen wurde, dann ging es kilometerlang durch den Tunnel. Auf der anderen Seite schien die Sonne, blühte der Oleander, die Dächer der Häuser glänzten. Viele Menschen haben diesen Traum vom Süden im Kopf, und nicht Goethe war der erste, den es dorthin und zu den kulturellen Schätzen Italiens zog. Selbst die Urvölker machten sich auf den Weg nach Süden, wenn das Klima sich verschlechterte und die Nahrung knapp wurde.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Film über ein Rentnerehepaar gesehen, das sich ein Haus in Spanien, bei Malaga, gekauft hatte und dorthin übersiedelte. Eigentlich war es eine Schnulze, die ich sonst nicht angeschaut hätte, aber Gila von Weitershausen hat so entzückend gespielt, dass es eine Freude war. Dieses Paar nun erhoffte sich die Erfüllung aller Träume ihres Lebens - einmal Granada sehen, und alles ist im Lot! Natürlich geht dann alles schief. Der Umzugswagen bleibt liegen, es gibt kein Wasser, und die deutschen Nachbarn schleppen die beiden zu einem touristischen Flamenco-Event. Ein Durcheinander ohnegleichen entsteht, Eifersüchteleien, die Partner entfremden sich voneinander und von sich selbst. Die Frau erkennt, dass sie sich ein Leben lang für andere abgerackert hat. Am Ende kehren sie nach Deutschland zurück und leben ein selbst bestimmtes Leben in zwei getrennten Wohnungen-in Augenweite.

Tore und Türen können sich also in jede Richtung öffnen, hinaus- und hereinlassen. Nachdem ich vor etwa einer Woche eine Absage wegen Überfüllung eines Verlages mit Büchern bekommen hatte, kam am Freitag eine Mail von einem anderen Verlag, der sich für meinen Schwarzwaldkrimi interessiert. Das war sehr motivierend, und seitdem glaube ich wieder daran, dass sich Tore und Türe öffnen können, auch wenn man lange Zeit glaubte, sie hätten sich alle geschlossen.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Kann Kreativität versiegen?

Kreativität gibt es schon so lange, wie Menschen auf der Erde leben. Unsere Ahnen wohnten in Höhlen, wie zum Beispiel in der Vogelherdhöhle im Lonetal auf der schwäbischen Alb, im Hohlen Fels bei Schelklingen oder in Lascaux in Frankreich (Höhlenmalereien). Als älteste figürliche Kunstwerke sind das Mammutelfenbein aus der Vogelherdhöhle, die Venus und der Löwenmensch vom Hohlen Fels erhalten. Sie wurden jetzt dem UNESCO-Weltkulturerbe hinzugefügt. Die harten Überlebensbedingungen machten die Menschen offensichtlich erfinderisch und kreativ. Keiner hat ihnen den Befehl erteilt, so etwas anzufertigen, es kam ganz von innen heraus. Und so ist es bis heute. Es wurden zwar, zum Beispiel in der Malerei, immer wieder Auftragsarbeiten erteilt, die das Überleben u.a. der Maler sicherten, die aber durchaus auch zu Kunstwerken wurden. Was bedeutet das für heutige Menschen, die kreativ sein wollen, aber durch äußere Umstände daran gehindert werden? Was bedeutet es für mich, deren reativen Lebenslauf ich wohl am besten kenne?

Als Kind und als junge Erwachsene waren meine Hauptleidenschaften das Malen, die Natur, die Bücher und das Unterwegssein. Während meine Schwester immer maulte "Wo ist denn der Bahnhof?", hat es mir immer Spaß gemacht, mit meinem Vater durch die Wälder zu streifen, und es hat mich immer interessiert, was da wächst, blüht, kreucht und fleucht. Später kamen das Schreiben dazu, das Reisen in ferne Länder, die Psychologie, das Fotografieren und das Kochen. Das erste, was ich nach Jahren des Studiums und der Familiengründung schrieb, waren Zeitungsartikel, Friedens- und Ökopolitik, mein erstes belletristisches Werk war ein Märchen, das während einer therapeutischen Phase entstand. Noch um einiges später entwickelte ich Kurzgeschichten, aus dem Leben gegriffen und am Wegesrand sammelt. Die wurden in einer Schreibwerkstatt eingestellt und dort diskutiert. Darauf folgte ein biografischer Roman, später insgesamt zehn Romane, ein Sachbuch (Kalender) und drei Beiträge in einer Anthologie. Fünfzehn Jahre lang war ich schreiberisch kreativ unterwegs. Obwohl mir damals schon die Frage gestellt wurde, ob ich nicht lieber malen wollte. Was ist nun von diesen Jahren geblieben, ich meine was ist geblieben, das man sehen und anfassen kann? Die ursprünglichen Leidenschaften wie das Kochen sind nämlich zwischendrin auf der Strecke geblieben. Zehn Bücher, die eine halbe kleine Regalreihe füllen. In meiner Küche hängt ein Stilleben mit Aubergine, das ich in einer Malphase erstellte, in einem anderen Raum eine Küstenlandschaft.

Stilleben


Küstenlandschaft (wird noch ersetzt ohne Spiegelung)

Etwa sechzehn, siebzehn Jahre nach dem ersten Roman, begann die Kreativität zu versanden. Ich hatte keine Lust mehr, mich nach den Gegebenheiten eines Marktes und starren Genreregeln zu richten. Drei Bücher (ein Krimi, ein historischer Krimi und ein zeitgenössisch-historischer Roman) blieben auf der Strecke. Doch mir fehlte das Schreiben so sehr, dass ich die Rechte eines historischen Romans zurückerbat und den seitdem neu schreibe, mit aller Langsamkeit, die in den Jahren der Verlagstätigkeit so nicht möglich war. Allerdings konnte ich mich weiterhin in meinem Blog und im Austausch mit SchreibkollegInnen ausprobieren. In diesen Tagen jetzt machte ich eine Entdeckung. Ich habe Hunderte von virtuell gespeicherten Fotos aussortiert und neu geordnet, ebenfalls ein paar hundert Papierfotos, die in einem Karton abseits gestellt waren. Ich habe festgestellt, dass alles, die Reisen, das Kochen, die Natur, das Wandern, die Psychologie, Bücher, Fotos, Kurzgeschichten und alle Menschen, dneen ich bisher begegnet war, alle, zu denen ich in eine tiefere Beziehung getreten bin, und das gilt auch für historische Persönlicheiten und fiktive Figuren, alles, was ich mir zeitlebens an Wissen über die Welt angegeignet hatte, eine Einheit mit meinem gesamten Leben bilden.




Freitag, 20. Mai 2016

Kopf hoch! Es gibt noch eine Welt da draußen

Vor etwa einer Woche saß ich in einem Vortrag über "Trauma und Sucht", inmitten einer Schar von zweihundert Leuten. Ein paar Reihen weiter sah ich einen Mann, der den Kopf gesenkt hielt und sein Smartphone checkte. Ob der sich wohl langweilte? Eigentlich fand ich es unhöflich, dass er nicht bis zur Pause warten konnte. Ich selbst habe bewusst kein Smartphone, und doch finde ich diese leichte Sucht und zwanghaften Strukturen auch bei meinem eigenen Internetverhalten. Doch dazu später. Dem Phänomen bin ich jetzt einmal nachgegangen. In einem Artikel der "Welt" vom letzten September wird von einem Versuch mit einer App berichtet, die anzeigen soll, wie viel Zeit man tatsächlich im Internet verbringt. Sie soll von 200 000 Menschen heruntergeladen worden sein, deren Daten bis dahin noch nicht ausgewertet wurden. Dabei gebe es 500 000 Internetsüchtige in Deutschland, berichtet die "Welt". Es gibt offensichtlich schon Therapiezentren (Video), in denen man in Selbsthilfegruppen zu einem bewussteren Umgang vor allem mit dem Handy gelangen kann. Sie gehe auch aufs Klo nicht ohne ihr Handy, berichtet eine Frau. Die meisten SMSe würden dort geschrieben. Der Grund sei die Angst, irgendetwas zu verpassen. 10 Minuten pro Tag telefonieren, der Rest von 2-3 Stunden bestehe aus Surfen, Emailsschreiben, Facebook und Spielen. Diese Menschen brauchen Anleitung, wie sie das suchtartige Verhalten eindämmen können, zum Beispiel "handyfreies Schlafzimmer"oder Wecker und Armbanduhr kaufen. Komisch, das ist mir noch gar nicht aufgefallen, dass viele überhaupt keine Uhr mehr am Handgelenk haben. Bei mir klingelt der Wecker punktgenau mit einer Batterie, die schon seit Jahren läuft. Wenn ich ihn denn überhaupt mal brauche. Warum kaufen sich Menschen alle zwei Jahre ein neues Smartphone für 700 Euro, wenn doch die meisten unter den Zwängen leiden, die es mit sich bringt? Es sei eine Sucht wie die nach Nikotin und Alkohol, wird gesagt.

Ich selbst lebe seit dem Milleniumsjahr 2000 mit dem PC, dem Jahr, in dem ich mir einen Computer anschaffte. Seitdem klebe ich daran wie eine Fliege am Leim, mit dem sie gefangen werden soll. Ich habe ihn mir gekauft, weil ich irgendwo gelesen hatte, damit könne man Emails in alle Welt schreiben und 200 Rezepte für Sauerbraten finden. Das erste Wort, das ich bei Google eingab, war "Wandern", das zweite "Schreiben". Nun kann man sich bestimmt denken, wie es weiterging. Mindestens zwei Sehnenscheidenentzündungen hatte ich während dieser Zeit. Und auch jetzt tut der Oberarm manchmal wieder weh. Das Schreiben und der Austausch vor allem mit anderen Schreibenden haben mir eine ganz neue Welt eröffnet, aber auch die Welt da draußen öfter von mir ferngehalten. Gottseidank habe ich die digitale Welt nicht nach draußen geschleppt, sondern war, wenn ich die Haustür hinter mir schloss, wieder in der Realität. Obwohl ich seit einem Jahr nichts Neues mehr geschrieben habe, klebe ich weiter an dem Ding. Die Verkäufe und die Vermarktung der E-Books mussten abgewickelt werden, neben den Recherchen wurden alle Fragen, die ich hatte, an Google gestellt, selbst die nach Adressen von Ärzten, nach Rezepten, Wandertouren oder der Bestimmung von Pflanzen. Vor Kurzem schickte ich Exposé und Leseprobe meines Krimis an einen Agenten. Bei der Prozedur lief nebenher der Fernseher, und in der Küche brannte der Espresso an. Da merkte ich, dass es wirklich zu einem Ding geworden war, das mich in der Hand hat und mich beherrscht. Die Agentur schickte übrigens nach einer Woche eine Absage. Ich beschloss, erst einmal eine kreative Pause einzulegen. Eine gute Zusammenfassung der momentanen Situation von Verlagsautoren und Self Publishern, auch was den Suchtfaktor angeht, gibt es heute übrigens im Literaturcafé.

Gestern fuhr ich den PC nach dem ersten Check herunter und habe ihn erst abends wieder angemacht. Und war dann unterwegs. Es gab viel zu sehen und zu erleben: Bücher zum Mitnehmen in der Bücherei, tausend Düfte in einem Drogeriemarkt, einen Abendhimmel mit rosa Schichtwolken und überall Töpfe mit Geranien, Gerbera, Petunien und Glockenblumen. Die habe ich im Abendsonnenschein auf der Terrasse eingepflanzt. Im Café hatte niemand ein Smartphone neben seiner Tasse, und es lief auch niemand mit so einem Ding vorbei. Alle Köpfe waren oben. Ob die sich wohl schon so eine App heruntergeladen hatten? Es gibt so viel in dieser Welt, das es wieder zu entdecken gibt! Am Sonntag ist bundesweit Tag der Museen, da werden sie auf der Ringmauer in Horb feiern und mit Arkebusen schießen. Am 4. Juni kommen Bands nach Nagold; darunter Dr. Gonzos Rock- und Bluesband. Und danach werde ich es dann vielleicht doch einmal schaffen, nach Huesca und Zaragoza und zum Kloster San Juan de la Peña in den Pyrenäen zu fahren. Ich klopfe auf Holz, denn es war der erste Tag, an dem ich dem Computer etwas weniger auf den Leim gegangen bin. Nach Verfassen dieses Artikels verlasse ich die digitale Welt erst einmal wieder.

Freitag, 22. April 2016

Leben am Rande des Schwarzwalds

Wie lebt es sich zur Zeit im großen schwarzen Wald? Die Buchen haben junge Blätter angesetzt, es leuchtet hellgrün in den Wäldern, dazwischen die schwarzen, düster schweigenden Tannen und Fichten. Millionenfach sind Anemomen, Primeln, Veilchen, gleichzeitig Löwenzahn, Lungenkraut, gelbe Windröschen und Frühlingsfingerkraut aus dem Boden geschossen. Mein Garten sieht wieder aus wie ein Osternest. Als würden die Pflanzen spüren, dass sie flott machen müssen, denn bald soll es ihnen ja wieder auf die zarten Köpfe schneien. Ich selbst habe einiges abgeschlossen. Die Steuererklärung habe ich vor ein paar Tagen ganz ohne Steuerberater fertig gestellt und abgeschickt. Es fehlte noch die Abrechnung vom Verlag, die kam heute mit Peanuts und Verspätung. Ich habe mir gerade mal das Vergnügen gemacht, sie mit der Abrechnung von Tolino Media zu vergleichen. Auf das halbe Jahr umgerechnet habe ich im Verlag mehr Ebooks verkauft, aber bei Tolino zehnmal soviel verdient. Wenn ich meinen Schwarwaldkrimi fertig überarbeitet habe, könnte ich das Angebot annehmen, es dort bevorzugt als Neuerscheinung einzustellen. Die Verkaufsmaßnahmen wie Leserunden, Bloghinweise, Facebookpräsenz usw. habe ich bei den Verlagsbüchern genauso gehandhabt wie bei den SP-Büchern, wenn nicht sogar dort etwas mehr.


Der Bodensee bei Friedrichshafen
Als Rentner muss man nicht mehr warten, bis am Wochenende das Wetter stimmt. So haben wir uns schon kleine Auszeiten am Bodensee und im Taubertal genommen. Schwer hinzukommen, aber erholsam, dort zu sein. Wenn ich Lust habe, schreibe ich meinen Krimi fertig, der hier in der Gegend spielt. Vielleicht erinnert sich jemand: Es geht um einen Pfarrer, der vor 25 Jahren aus einem Dorf verschwand. Um eine Journalistin, einen Kommissar, um brutale Morde, um schwarzgekleidete Fressäcke und geheimnisvolle Begebenheiten am Teufelsstein.

Zeit zum Lesen bleibt genügend: Im Moment ist das ein sehr lustiges Buch von Pierre M. Krause "Hier kann man gut sitzen - Geschichten aus dem Schwarzwald".
Schwarzwald pur, nicht wahr?

Pierre M. Krause beschreibt, wie er aus der pulsierenden Stadt Baden-Baden wegzieht und fortan, wie ich, auf dem Land im Black Forest lebt. Sonst lese ich eigentlich, außer Hape Kekeling, keine Promi-Bücher, aber dieses hat mich auf fast jeder Seite zum Schmunzeln gebracht. Sei es über die Rasenmäher- und Grillparty-Fraktion, die Holz- und Kettensägen, die Langsamfahrer oder die Notwendigkeit, im Haus immer so angezogen zu sein, als würde man ausgehen wollen, weil jederzeit jemand vorbeikommen könnte. Vom Garten ganz zu schweigen, der darf natürlich nicht so aussehen, als sei dort jemand gestorben! Und die Post hat solche unmerkbaren Öffnungszeiten, dass man am besten immer um 10 Uhr morgens dorthin geht. Nur leider hat meine Post manchmal auch um 10 Uhr vormittags geschlossen.

Der Zeitungsartikel über den Traumavortrag ist raus und erscheint vorraussichtlich nächste Woche in der Zeitung. Bis zum Vortrag am 10. Mail haben wir jede Menge  Zeit, vielleicht noch ein Plätzchen zu finden, an dem sich der Wintereinbruch angenehmer überstehen lässt.
Das Barockjuwel Birnau

Montag, 21. Dezember 2015

Die Wertschätzung der Verlage

Unlängst erhielt ich die erste Weihnachtskarte dieses Jahres. Und ratet mal, von wem sie kam? Von dem Lahrer Verlag, bei dem ich vor elf Jahren meinen ersten Roman veröffentlicht habe! Seit elf Jahren erhalte ich diese Weihnachtspost, und ich muss sagen, dass ich diese Geste außerordentlich schätze. Weil mir damit Wertschätzung für die einstige Zusammenarbeit gezeigt wird, auch wenn die Rechte längst wieder bei mir angekommen sind. Es gab auch keinerlei Schwierigkeit, diese Rechte zurückzuerhalten. Kurze schriftliche Bestätigung nach ein paar Jahren, E-Book war damals noch kein Thema. Eigentlich kein Wunder, dass wir an jenem Tag einen Ausflug in den Schwarzwald machten und in der festlich glänzenden Stadt Lahr landeten. Es war der gleiche Weg wie damals, durchs Kinzigtal und dann vorbei an der Ruine Geroldseck, durch tiefe Täler, über Gebirgsrücken mit rotem Fels hinunter nach Lahr. Einen ganzen Tag hatten wir dort verbracht, inklusiv Mittagessen mit der Lektorin. Und im Rückblick muss ich sagen: Es war das intensivste und nachhaltigste Veröffentlichungserlebnis meiner Laufbahn. Diese Wertschätzung habe ich bei späteren Verlagen vermisst, abgesehen vielleicht von meinem damaligen Agenten. Bei diesen Verlagen hatte ich immer das Gefühl, wenn sich die Bücher nicht so toll verkaufen wie das erste, bist du nichts mehr wert für den Verlag. Und die Ebookrechte für die am besten verkäuflichen wurden natürlich einbehalten. Vielleicht ändert sich das ja in Zukunft. Wie viele Autoren bestimmt schon mitbekommen haben, wurde am 5. Oktober 2015 eine Novelle in den Bundestag eingebracht, mit der die Rechte der Autoren verstärkt werden sollen. Zum Beispiel gäbe es dann die Möglichkeit, nach 5 Jahren (statt nach weit über 70 Jahren über den Tod des Autors hinaus) seine Rechte zurückzufordern, um sie einem anderen Verwerter anbieten zu können. Das hat jetzt zu einer heftigen Diskussion zwischen Autoren und Verlagen geführt - eine Autoreninitiative rief sogar zu einem Protestbrief an die Regierung auf, nachzulesen im öffentlichen Bereich des Autorenforums Montsegur. Ich verfolge das weiter, weil ich die Initiative des Justizministeriums für einen Schritt in die richtige Richtung halte. Und ich hoffe, dass es eine Einigung geben wird, denn Krieg haben wir schon genug auf der Welt.

Dienstag, 25. August 2015

Das Ende der Ungeduld

Gerade wollte ich schauen, ob ich den Titel "Das Ende der Ungeduld" nicht schon einmal verwendet hatte. Dabei stieß ich auf einen meiner Blogartikel aus dem Jahr 2010, in dem zwar von der Ungeduld des Autors die Rede, der Titel aber ein anderer war. Es ging um Genrewechsel und Pseudonym. Zwei Mitautoren rieten mir zum Pseudonym, Petra van Cronenburg ermunterte mich zum eigenen Namen, zur eigenen Marke. Und eine eigene Marke ist sie auch geblieben, wie man ihrem neuesten Beitrag entnehmen kann! Diesen Kreativitätsrausch kenne ich ebenfalls, und mein Phänomen der "glühenden Ohren" hatte ich in dem Artikel beschrieben; "Grenzen der Geduld" hätte ich es auch nennen können. Ich persönlich bin eigentlich ein grenzenlos geduldiger Mensch, und in diesem Sinne wurde meine Arbeit der vegangenen mehr als dreißig Jahre auch gebührend gewürdigt. Gleichzeitig bin ich aber ein wahnsinnig ungeduldiger Zeitgenosse. Schon als Kind habe ich Bastelarbeiten, die mir nicht gleich gelangen, an die Wand geschmissen. Das änderte sich schlagartig, als ich zu schreiben und zu veröffentlichen begann. Es gehört schon eine gewaltige Portion an Geduld - oder sagen wir lieber Ausdauer und "langer Atem"- dazu, Tausende von Seiten zu füllen, dafür Verlage und Agenturen zu suchen und das über einen Zeitraum von fast fünfzehn Jahren durchzuhalten. Das noch länger zu tun grenzt vordergründig schon an grenzenlose Selbstmarter, wenn man sich die heutigen Bedingungen der Veröffentlichung näher besieht. Die großen Buchhandlungen ordern offensichtlich nur noch Taschenbücher, die von den Verlagen massiv beworben werden. Am Self Publishing ist momantan wohl nur die Tatsache motivierend, dass Amazon pünktlich zahlt und dass man jeden Tag gucken kann, wie viele hundert Seiten heute denn wieder gelesen wurden. Manch ein Autor hat die Gelegenheit ergriffen und einen eigenen Verlag gegründet. Das Ende der Fahnenstange und das der Geduld scheint erreicht. Man könnte es auch als das Erreichen einer Belastungsgenze bezeichnen. Für mich ist es aber auch das Ende der Ungeduld, denn ich kann nicht mehr bekommen, als ich schon erhalten habe. Es gibt keinen Fortschritt mehr außer dem, den ich selber mache.

Das Ganze ist aber völlig zweitrangig, wenn man die Kulturschaffenden, die Autoren betrachtet. Ich höre nichts davon, dass sie massenweise aufgeben oder sich mit dem Gedanken tragen, aufzuhören. Nein, mit jedem neuen Buch brechen sie wieder auf in die von ihnen selbst geschaffene Welt. Und es wird immer Leser geben, die ihnen dorthin folgen. Auch ich habe ein Projekt, dessen Anfänge fast zehn Jahre zurückreichen. Vor einiger Zeit hat es mich gebissen, dann war ich wieder abgelenkt. Wunderte mich, dass es mich nicht mehr zum Schreibtisch gezogen hat. Bis ich (nach einigen Fragen meines Testlesers) darauf kam, dass das Vorhaben nicht schlüssig war und deshalb nicht funktionierte. Ich habe dann zwei Figuren und einen überflüssigen Mord rausgeworfen, die hatten den Handlungsfluss gestört. So richtig reinstürzen kann ich mich zwar immer noch nicht, weil ich für ein paar Tage in einer familiären Angelegenheit nach Hamburg muss. Aber vielleicht lässt mich die Zugfahrt auch ein wenig kreativ sein. In Hamburg kann ich einige Schauplätze meines Romans in Augenschein nehmen. Und dann gibt es noch den Krimi, der von einem kleineren Publikusverlag nicht veröffentlicht wurde, weil er an einigen Stellen nicht spannend genug gewesen sei. Ob sie damit meinten, die Polizeiarbeit hätte zu wenig im Vordergrund gestanden? Waren es zu wenig Dialoge, die ich beim Lesen gar nicht schätze, wenn das ganze Buch nur daraus besteht?

Ich hatte mir vorgenommen, nicht nur weiterzuschreiben, sondern auch an "meinen Themen" Achtsamkeit, Resilienz (Belastbarkeit), Burnout, Grenzen und soiale Medien dranzubleiben. Und so werde ich mich für Mitte Oktober wieder im Kloster Heiligkreuztal anmelden. Da geht es um die Grenzen gegenüber anderen, aber auch um Belastbarkeitsgrenzen. Durchgeführt wird das Seminar von einer Psychotherapeutin mit einem Lehrauftrag in Innsbruck, die sich ebenfalls mit Burnout, Trauma und ähnlichen Themen beschäftigt. Ich erwarte mir davon Abstand und die Erfahrung von Grenzen, meinen Grenzen und denen der anderen.



Dienstag, 4. August 2015

Bücher veröffentlichen heute

So, die Rabattaktion ist beendet. Und sie hat mir den Effekt gebracht, den ich damit verfolgte: Das Ebook ist jetzt in seiner Kategorie sichtbar geworden, hat dabei das vorige Buch ein wenig mitgezogen. Neuerdings können wir als Autoren ja direkt mitverfolgen, wieviele Seiten der Bücher gelesen werden. Dabei entsteht lustigerweise ein Konkurrenzspielchen zwischen "Nacht des Wolfes" und "Teufelswerk". Im letzten Monat lief der Teufel dem Wolf davon, jetzt sammelt Letzterer doppelt so viel gelesene Seiten! Amazon kümmert sich sehr um seine Autoren, das muss man ihm lassen. Wahrscheinlich hat es auch allen Grund dazu, denn wie ich gerade wieder einmal in der Selfpulisherbibel gesehen habe, eröffnete kürzlich sogar die Mayersche Buchhandlung eine Self Publishing-Plattform, nach Tolino und diversen anderen. Die Mayersche kannte ich, seit dort ein Buch von mir erhältlich und auf der Plattform "Lies mich" gelistet war. Welche Ziele diese Verlage und die Buchhandlungen damit wohl verfolgen? Erst einmal dem Monopolisten etwas entgegensetzen, das erscheint absolut logisch, und dabei den Autoren mit den Konditonen entgegenzukommen. Außerdem werden sie versuchen, neue, für die Verlagslandschaft hoffnungsvolle Talente zu entdecken. Das Prinzip ist immer dasselbe: Für wen am meisten gevoted wird, wer am meisten Bücher verkauft, dem wird gegeben. So kann man bei der Mayerschen auch ein Buchcover gewinnen, wenn man viel verkauft. Ich schätze aber mal, dass die Leistungen durch Lektorat, Korrektorat, Covergestaltung und Vermarktung dabei in Anspruch genommen werden sollten-und das sicher nicht bei allen umsonst! Es war also für einen Autor nie so einfach wie heute, seine Werke an die Leser zu bringen. Aber der Weg zur nachhaltigen Etablierung hat sich wenig geändert. Außer einem handwerklich einwandfreien Manuskript muss der Autor eine zündende Idee rüberbringen, bereit sein, an seinem Text zu arbeiten. Das Ganze scheint mir ein wenig wie diese Wandlung beim Einkaufen innerhalb der letzten Jahrzehnte: Während früher der Kunde vor der Theke stand und aus den Regalen auswählte, was er brauchte, fährt er jetzt mit einem überdimensionierten Einkaufswagen durch endlose Reihen von Regalen. Auf diesem Weg, der mittlerweile zu einer Fußreise von einer halben Stunde ausarten kann, hat der Kunde (wie auch im übertragenen Sinn der Autor) eine unendliche Menge von Möglichkeiten. Aber seine Ware musste schon immer so gut sein, dass sie Leser überzeugte, und sie muss auch heute noch so gut sein.

Nach Versorgung meines E-Books, die sich einige Zeit hinzog, habe ich mich endlich wieder an meinen neuen Roman gemacht. Ein erstes Kapitel ist entstanden, das Exposé ist im Werden. Für meine bisherigen Bücher hatte ich nie "professionelle" Exposés verfasst, eher Klappentexte. Erst kurz vorm Lektorat bekam der Lektor das gesamte Exposé. Da ich den neuen Roman aber nicht mehr im SP veröffentlichen, sondern eine Agentur oder einen Verlag suchen möchte, komme ich wohl nicht drum herum. Dabei habe ich gelernt, dass ein Exposé kein Handlungsabriss ist, sondern eine Vorstellung der Idee, der Charaktere und des dramatischen Aufbaus. Manche Agenturen und Verlage wollen bis zu drei Seiten, manche nur eine, aber alle wünschen bis zu dreißig Seiten Probetext. Ich finde diese Situation sehr reizvoll. Muss keine Markterwartungen bedienen, kann das Buch schreiben, das ich schon immer mal schreiben wollte. Und mich dann im Supermarkt der Möglichkeiten umschauen, wer den Zuschlag erhalten soll.

Mittwoch, 11. März 2015

Besser werden

Derweil alle anderen mit Schreiben, Vorbereitung auf die Leipziger Messe und anderem beschäftigt sind, während von draußen das blaue Band des Frühlings hereinflattert, sitze ich hier vor meinem Monitor und fühle mich glücklich, weil ich das Lektorat meines historischen Kriminalromans soeben beendet habe. Es ist rundum rund in meinen Augen, und selbst wenn später Leser noch irgendwelche Fehler finden sollten, so finden sie die auch nach einem Verlagslektorat. Den Text drucke ich peu á peu aus und werde noch einmal sorgfältig darübergehen. Nächste Woche gibt es noch die letzte Runde des Lektorats.

Kürzlich habe ich bei Andreas Eschbach und anderen etwas zum Thema "Besser werden" gelesen. Das kann man mit entsprechender Suche nachlesen. Dann verfolgte ich in einer Pause die Diskussion in der KDP-Community mit einem Autor, der um Tipps zum Vermarkten bat, weil sein Ebook sich nur einmal verkauft hatte. Die anderen stiegen darauf ein, schauten sich das Cover an, das selbst gestrickt wirkte und fanden auch prompt Fehler in der Interpunktion. Darüber möchte ich mich gar nicht erheben. Mit Schrecken fiel mir ein, dass ich vor gefühlten Ewigkeiten mit einer lustigen Geschichte in die Schreibwerkstatt einstieg. Jemand fiel fast vom Stuhl vor Lachen, aber ein anderer meinte, ich solle doch die Weihnachtsbaumkerzen ohne Aal -- und Krabbenduft brennen lassen. Und hinter eine wörtliche Rede gehöre ein Komma hinter die Anführungszeichen. Das hatte ich in der Schule nicht gelernt. Ich war sowieso ein vollkommener Analphabet, was das Schreiben von Kurzgeschichten wie auch das von Romanen betrifft. Feuilletonschreiben, ja, das hatte ich gelernt. So eignete ich mir von der Pike auf alles an, was an Handwerk dazu gehört, einschließlich der Veröffentlichung bei Verlagen, dem Schreiben von Exposés und dem Kontakt mit einer Agentur. Und wenn ich glaubte, ich hätte den Stein der Weisen des Exposés endlich gefunden, dann war das noch lange nicht genug. Genug wird auch jetzt nicht genug sein, wie Konstantin Wecker sang.

Durch das alles bin ich im Laufe der Jahre besser geworden, vor allem durch Lesen ohne Ende, durch Kritik von Kollegen, Agent, Lektoren, selbst die Kritiken bei Amazon haben  mich weiter gebracht, wenn sie den Finger auf eine bestimmte Wunde legten und nicht nur beklagten, dass die Bücher von Autor Y ihnen aber besser gefallen. Mein Roman, den ich gerade beendet habe, erscheint mir (wie öfter schon) als der Beste, den ich je schrieb. Dabei weiß ich genau, dass es eine Art Verliebtheit in das eigene Werk ist, das andere durch eine ganz andere Brille sehen. Und es ist noch lange nicht genug mit dem Besserwerden. Da hätte ich noch eine Empfehlung für Autoren, die nichts anderes wollen, als ihr Buch zu veröffentlichen und dabei die Verlagshürde mit all ihren Dornen nicht nehmen wollen: Wartet, bis der Text reif ist, legt ihn immer wieder beiseite und arbeitet ihn nochmal durch, lasst Profis drüberschauen, lest, bildet euch fort. Dann könnt ihr mit der Zeit immer besser werden und immer mehr Leser erreichen, die sich auf eure kommenden Bücher freuen.

Samstag, 7. März 2015

Was macht der Lektor mit dem Buch, was der Leser?

Vorgestern habe ich das Lektorat meines historischen (Kriminal-) Romans beendet. Und ich muss sagen: Es hat der Geschichte noch einmal den richtigen Drive und Hinweise auf tiefere Zusammenhänge gegeben. Das betrifft den gesamten Roman bzw. den Handlungsablauf von der ersten bis zur letzten Szene. Zum Ablauf hatte mir mein Testleser schon richtig gute Ideen beigesteuert. Jetzt kann ich den gesamten Roman unter diesen Aspekten noch einmal überarbeiten, korrektorieren lassen und dann veröffentlichen ...eine sehr verlockende Aufgabe! Die insgesamt acht Lektoren, die ich bisher hatte, haben aus meinen Büchern jeweils das Beste herausgeholt, was zu holen war, jede(r) auf seine Weise. Dieses letzte Lektorat war eigentlich das intensivste, weil sich die Lektorin in die ganze Geschichte hineingefühlt hat und sich davon inspirieren ließ.

Gestern, nach (Schreib -) Feierabend, fand ich einen Artikel von Nina George im Blog der Bücherfrauen (3.3.15): Ich liebe meinen Verleger, aber brauche ich ihn noch, auf den auch einige mir liebe und wohlbekannte Autoren geantwortet haben. Es ging um das Verhältnis des Autors zum Verleger und zur eigenen Veröffentlichungstätigkeit. Dabei wurden, auch in den Kommentaren, alle wesentlichen Aspekte herausgearbeitet, die auch mich gerade brennend interessieren. Es gibt noch einen weiteren Artikel bei den Bücherfrauen, der ebenfalls zukunftsweisend ist: Das Buch der Zukunft-Perspektiven auf der Social Media Week Hamburg. 
Ich zitiere daraus mal die zentralen Thesen:(Quelle: Bücherfrauen)
  • Der Content wird stark von Nutzer-Feedback geprägt sein.
  • Das Buch der Zukunft wird nicht zuerst in Printform publiziert.
  • Es wird neue Literaturformen geben und „Nischenliteratur“ rückt stärker in den Marktfokus.
  • „Hochliteratur“ wird teurer, hochwertiger und exklusiver.
  • Die Grenzen zwischen Buch und Software werden stärker verschwimmen.
     .   Das Buch der Zukunft wird im Browser gelesen.
  • Die digitale Form des Lesens, Kommentierens und Verlinkens wird dem Charakter des Buches als Teil eines kommunikativen Austauschprozesses gerechter als das isolierte Lesen einer Printpublikation.
  • Soziale Empfehlungen sind für den Leser relevanter als Bestsellerlisten.
  • Das Buch der Zukunft wird sich in vielen Dimensionen verändern (Textform, Autorschaft, Verbreitung etc.), so dass es sich dem Paid Content immer weiter annähert.
  • Das Buch der Zukunft wird weiterhin die Ordnungsleistungen des herkömmlichen Buchs erfüllen.
Dabei sehe ich zunächst mal eine Demokratisierung des Bücherschreibens, des Herstellens, der Vermarktung und des Lesens dieser Bücher. Insbesondere die Wahlmöglichkeit der Leser und Autoren ist nachgerade revolutionär. Wir müssen nicht mehr vor der Bestsellerliste im Buchhandel stehen und das wählen, was sich gerade am besten verkauft. Leser kaufen das, was ihnen am meisten zusagt und schaffen sich so ihre eigenen Bestsellerlisten. Der Leser bestimmt, was auch in Zukunft gelesen wird, nicht mehr die Torhüter in den Verlagen und in den Feuilletons. Und eigentlich bestimmt es der Autor, denn er hat die Bücher ja geschrieben. Besonders wichtig finde ich den Aspekt, dass Nischenthemen jetzt eher eine Chance bekommen, während sie bisher durch alle Raster fielen (nicht marktfähig!) und fortan in irgendwelchen Schubladen verstaubten. Die Möglichkeit, dass Leser den Fortgang von Geschichten mitbestimmen, erscheint mir gar nicht so neu. Ich war selbst einmal fünf Jahre in einer Schreibwerkstatt, in der gegenseitig an der Entwicklung als Autor und an den Geschichten gefeilt wurde. Aus dieser Werkstatt sind einige heute bekannte Autoren und sogar eine Ebook-Queen hervorgegangen. Auch dort wurde zwischendurch mal über etwas anderes geredet. Für den Entstehungsprozess eine Buches finde ich das auch nach wie vor sehr förderlich und inspirierend. War es eine Vorwegnahme der heutigen Situation, in einer zeit, als unser Marcel Reich-Ranitzki noch stirnrunzelnd verkündete: Internet-Autoren, meine Damen und Herren, sind eine Spezies, die wir nicht ernst nehmen müssen. Nie war ich motivierter und enthusiastischer als in den Zeiten des Feedbacks, sei es mit Testlesern oder Lektoren. Wobei das Lektorat Auge in Auge für mich das Qualitätsmerkmal bleibt. Und das Korrektorat. Leider springen mir beim Anlesen von Ebooks, die mich interessieren, gleich auf der ersten Seite Fehler an, die beim Lesen stören. Die kaufe ich nicht. Bisher habe ich nur einige Ebooks vor allem von Autorenkollegen gekauft, deren Qualität mir von vornherein bekannt war. Das abendliche Lesevergnügen findet weiterhin mit Printbüchern statt.

Wenn mich heute ein Neuautor fragen würde, was ich ihm als Einstieg raten würde, Agentur, Verlag oder Self Publishing, würde ich wahrscheinlich sagen:
Mach das, womit du dich am meisten identifizieren kannst. Das sagen wir uns auch als Kollegen in unserer täglichen therapeutischen Arbeit. Und mach es, mit allem Drum und Dran, auf die bestmögliche Weise, die du zu leisten vermagst. Dann kann sich am Ende ein jeder sagen, dass er die Leser bekommt, die er verdient hat.

Heute schon gezweifelt?

Montag, 2. März 2015

Heute schon gezweifelt?

Es war ein langer Prozess des Zweifelns, der kritischen Analyse, des Wiederaufrichtens und Weitergehens, bis ich mich vor einigen Tagen entschloss, mein nächstes Buch als Self Publisher herauszugeben. Es ist mein achter fertiger Roman, der neunte liegt startbereit auf der Festplatte. Und jetzt habe ich begonnen, den zehnten zu schreiben. Warum dieser lange Atem, diese Immerwiederbegeisterung für einen Text, für das Schreiben überhaupt? Das Schreiben liegt ihr im Blut, sagte eine Journalistin, als sie mich bei mir zu Hause für die hiesige Zeitung interviewte. Woher konnte sie das wissen? Woher konnte sie wissen, dass ich "unermüdlich" bin? Ein paar schöne Antworten darauf habe ich bei diesen Autoren gefunden:
Schreibtipps für Bauchschreiber-sechster Streich von Sabine Schäfers
Schriftzeit von Stefan Waldscheidt
Alice Gabathuler beschreibt, wie enthusiastisch der Jugendliteraturtag in Baden angenommen wurde: 1. Jugendliteraturtag Baden
Sabine Schäfers und Stefan Waldscheidt kommen zu dem Schluss, dass ein Ende des Selbstzweifels, der für Schriftsteller eine absolute Bremse, aber auch ein Motor, ein Füllhorn der Inspiration sein kann, durch das Weiterschreiben erreicht wird. Und das gilt nicht nur für das Schreiben. Ganz philosophisch sagte doch schon Camus, dass der Sinn des Lebens darin besteht, weiterzuleben. Und das Beste daraus zu machen, natürlich, denn es gibt keine Zeit zu verschenken, weil es das Einzige ist, was uns gegeben wurde. Sagte Benjamin Franklin. Bei einem Rückschlag: Aufstehen, Krone richten, weitergehen (Sabine Schäfers). Nicht verzweifelt bei Facebook, Twitter und Co. posten, dass man ein Buch geschrieben hat, keine Umsonst-Lesungen organisieren, zu denen neben den Verwandten und Freunden vielleicht noch drei Interessierte kommen, sondern: weiterschreiben. Schriftsteller, die ich am meisten bewundere, sind die, die ihr Schreiben innerhalb ihres Leben inszenieren, ihr Leben eins wird damit. Und so werde auch ich es halten: Selbst wenn der Buchhimmel über uns einstürzen sollte, selbst wenn die Verlage zu Flatratedienstleistern werden, wie Bastei Lübbe es jetzt mit Heftromanen beginnt, selbst wenn es immer schwieriger wird, etwas vom Riesenkuchen, den sich immer mehr Autoren teilen müssen, abzubekommen, werden wir Autoren immer schreiben, solange es Menschen gibt, die lesen!

Ran den SP-eck. Selbstbestimmt schreiben

Sonntag, 15. Februar 2015

Wertschätzung des Autors

Ja, ich gebe es zu: Jedes Mal, wenn ich meine Verkaufsberichte bei Amazon abrufe und sehe, dass der rote Strich nach oben gegangen ist, habe ich so ein warmes Gefühl im Bauch. Beim blauen ist dieses Gefühl nicht ganz so warm. Gott sei Dank oder dem Leser sei Dank haben sich die roten Striche jetzt wieder  vermehrt, die blauen sind eingeschmolzen. Vielleicht haben die Leser gemerkt, dass sie gar nicht so schnell lesen können, wie die Ausleihmodalitäten bei Kindle Unlimited es vorschreiben. Bin ich nun eine Autorin, die es nur auf Verkäufe und auf Verdienst abgesehen hat? Nein, und nochmal nein, da müssen wir schon tiefer hinter die Kulissen der Akteure schauen. Und es wird dann auch ganz schön vertrackt. Ich empfinde diese Käufe der Leser als Wertschätzung. Der Wunsch danach ist eine ganz alte und starke Motivation eines jeden Menschen und somit auch eines jeden Autors. Ich habe gestern, nach einem unerwartet schönen Tag mit Ausflügen, einmal in Autorenblogs herumgeschaut und ältere Beiträge von Kollegen und Kolleginnen gefunden, die mir zu denken gegeben haben. Da war die Rede von dem Capuccino und vielleicht noch einem Kuchenstückchen, das sich eine Autorin vom Verdienst eines Buches leisten konnte. Ein anderer beschrieb, wie er als A-Autor mit Hunderttausenden von Verkäufen den Bettel schmiss und seitdem zwischen Verlagen und Self Publishing hin und her pendelt. Bei Montsegur gab es gerade eine Diskussion zum Artikel "Schreiben ist ein Hobby der Reichen". Selbst absolute Bestsellerautoren fühlen sich in dem Karussel, in dem von allen Seiten am Verdienst genagt wird, nicht mehr wohl. Der Satz einer britischen Autorin spricht Bände:„In 2012, Susan Hill, author of The Woman in Black, told her Twitter followers that she was broke, in spite of the fact that the film of her book had earned £100 million worldwide.“

Dazu möchte ich mal eine eigene kleine Rechnung aufmachen. Nach Abzug aller Steuern und der Agenturgebühren bleiben mir von einem Taschenbuch, das 9,99,-E kostet, 0,20,-E pro Buch. Das wird dann alles mit dem Vorschuss verrechnet und man kommt selten in schwarze Zahlen. Gäbe es diesen Vorschuss nicht, würde ich mit 11 000 verkauften Büchern 2200 Euro verdienen.
Jetzt gucken wir uns mal die Variante des Self Publishings an. Neuerdings muss Amazon ja 19% Mehrwertsteuer abziehen. Wenn mein Buch 3,99,-E kostet, wären es 70% von 3,23,-E, sind 2,26. Davon noch mal 7%, die der Fiskus draufschlägt, machen immer noch 2,10,-E pro Buch. Würde ich das 11000mal verkaufen, hätte ich 23 100,-E in der Tasche. Bei 500 Stück wären es immerhin 1050,-E. Wenn ich den Preis anpasse und 4,49,-E für das Buch nehme, wären es 3,64 nach MWS, 70% sind 2,55 E. Minus 7% 2,37,-E. Endergebnis: 1.275 Euro bei 500 Verkäufen!
Wie würden Sie entscheiden, wenn Sie ein Buch geschrieben hätten?

Der Besuch in einer großen Traditionsbuchhandlung in Reutlingen gesetrn zeigte das ewig gleiche Bild, seit Jahren. Ein paar Büchertische, eine lange Krimiwand, drei Regale Historische (nanu, da waren doch vorher nur zwei gewesen?), allgemeine Romane, die Regionalecke und große Flächen mit Billigware. Dazwischen rosa und hellblauer Tand sowie Jungs mit Schwertern, die sich wie im Kino bekämpfen. Ein eigenes Buch gleich welcher Couleur wäre hier unauffindbar. Dagegen scheinen meine Bücher im Internet gefunden zu werden, auch wenn mir die Kanäle nicht immer so durchsichtig sind.

Ich gehe davon aus, dass wir Autoren wertgeschätzt werden wollen. Wir möchten Anerkennung für die Leistung bekommen, die wir erbracht haben, wie jeder andere Schaffende auch. Und wir möchten für diese Leistung bezahlt werden und nicht noch denen dankbar sein müssen, die meinen, das kostenlose Herunterladen und Lesen sei schon Wertschätzung genug. Da es keine anderen Wertschätzungen gibt zur Zeit und ich wieder mal auf eine Entscheidung warten muss, halte ich mich an die Leser, die mein Buch herunterladen und dafür einen mehr als fairen Preis zahlen.

Mittwoch, 11. Februar 2015

Das Verkaufsexposé und die Ebookleser

Seit dem letzten Eintrag habe ich Schwerstarbeit geleistet, so scheint es mir, vielleicht bin ich aber auch nur vom Wetterwechsel so müde. Ich habe nicht gewusst, dass es eine derartige Wissenschaft für sich ist, ein Verkaufsexposé zu schreiben. In meinen bisherigen Verlagen ging es da immer recht gemütlich zu, das muss ich sagen. Dem ersten Verleger schrieb ich ein paar Sätze, die ihn schon völlig davon überzeugten, dass er das Buch nehmen würde, beim zweiten lief es ähnlich. Dann gings zum Agenten, der mich dann sieben Jahre lang vertrat. Auch hier genügte eine kürzere Inhaltsbeschreibung und eine Leseprobe, die ihn grundsätzlich davon überzeugten, dass da ein Potenzial wäre. Und später genügten halbseitige Beschreibungen mit Cliffhanger für den Lektor, der immer erst kurz vor dem Lektorat das Langexposé mit Auflösung bekam. Jetzt habe ich ein bis zwei Wochen intensiv an einem Verkaufsexposé gearbeitet. Und diesmal scheint es auch ziemlich professionell zu sein. Ca. zwei Normseiten, mit allem Drum und Dran. Wertvolle Hinweise dazu erhielt ich bei der Autorin und Lektorin Anni Bürkl: Was in ein Exposé gehört und was nicht. Gut sind auch die Tipps auf der Webseite der Agentur Thomas Schlück. Dort habe ich mich heute nicht beworben, sondern bei zwei anderen, zwei von den vielen, die ich ganz genau geprüft habe - mitsamt den Autoren, die dort vertreten sind und ihren Büchern.

Wer meine Entwicklung bis hierher verfolgt hat, wird sich jetzt fragen: Steht denn die Entscheidung zwischen Verlagsautor und Self Publisher immer noch an? Jein, würde ich antworten. Was ich bei einem Rundumgucker bei Buchreport usw. gesehen habe, zeigt mir, dass ich mit SP weiterhin die unschätzbaren Vorteile der Cover- und Klappentextgestaltung habe und mehr verdiene als mit Verlagsbüchern. Was beiden Veröffentlichungsformen gleich ist, wäre die Notwendigkeit der Sichtbarkeit und die Schnelligkeit, mit der man neue Bücher produzieren muss. Dazu habe ich einmal die andere Sicht gesehen, nämlich die der Ebookleser. Was halten die eigentlich von den Self Publishern?
  • Selbst ist der Autor 
  • 29% sagen, dass der Buchmarkt durch Selfpublishing größer und vielfältiger wird
  • 25% der Befragten stimmt der Aussage zu, dass es durch Eigenpublikationen der Autoren mehr Bücher gibt, die ihrem persönlichen Geschmack entsprechen
  • 31% finden gut, dass die Texte preiswerter sind als andere Publikationen
  • 22% sind der Ansicht, dass die Beziehung zwischen Lesern und Autoren von Selfpublishing-Texten intensiver ist
  • Auf der anderen Seite vermissen 24% die Qualitätskontrolle der Verlage
  • 15% sind der Meinung, dass durch Selfpublishing zu viele schlechte Bücher auf den Markt kommen. 
Die Verlage sollten mit Self Publishern zusammenarbeiten statt über Monopolisten zu jammern, meint die Erfolgautorin Virginia Fox. Es geschieht jetzt auch immer häufiger, dass Verlage erfolgreiche Self Publisher einkaufen. Nur am Rande: Damit wären wir wieder beim Bestseller-Prinzip. Nur, wer möglichst viel verkauft, hat eine Chance, alle anderen werden abgestraft. Auf der anderen Seite entdecken die Verlage auf diese Weise Talente, die sie vorher abgelehnt haben. Es ist nicht einfach, diesen Spagat auszuhalten. Wenn ich innerhalb der nächsten zwei Wochen erfahren sollte, dass meine beiden letzten Bücher nicht marktfähig wären, gehe ich ins Self Publishing, wohin sonst. *zwinker*



    Dienstag, 13. Januar 2015

    Zauberhafte J.K. Rowling

    Zu den überwältigenden und weltumspannenden Ereignissen am letzten Sonntag in Frankreich habe ich im letzten Beitrag einen Link zu Petra van Cronenburg gesetzt. Wer anders als sie könnte das so hautnah beschreiben! Hier ist inzwischen mehr oder weniger wieder der Alltag eingekehrt. Auf den Hinweis einer Kollegin hin habe ich mir vorgestern Abend den biografischen Film über J.K. Rowling angesehen. Was dabei vor allem rüberkam, war die Gewissheit, mit der diese Autorin ihren Weg gegangen ist. Sie hat schon ganz früh gewusst, dass sie Schriftstellerin werden wollte, und dass alle anderen Lebensereignisse nur Umwege zu diesem Ziel sein würden. Die Mauern, die sie einrennen musste, waren dick genug. Eine gescheiterte Ehe, Gewalt durch den Ehemann, alleinerziehende Mutter, kein Geld, kein Job, Sozialhilfe. Die Schreibmaschine, die sie sich vom Mund abgespart hatte. Die Absagen der Agenturen, die unzähligen Absagen, welche die eine Agentur, die an sie glaubte, dann noch erhielt. Dann die Zusage von Bloomsbury, das Schweben durch die Schule, in der sie gerade unterrichtete, das erste Buch in eigenen Händen, wie es duftete, eine Lesung vor wenigen Leuten -und dann der kometenhafte Aufstieg nach Amerika und bis zu 400 Millionen verkauften Büchern bis heute. Alle drei Minuten beginne auf der Welt jemand damit, Harry Potter zu lesen. Ich selbst habe die Bücher nicht gelesen, bin aber überzeugt, dass die Autorin ihr Lebensziel mehr als erreicht hat. Bei einer Besprechung in einem kleinen Verlag sagte uns die Verlegerin, J.K. Rowling habe es geschafft, dass auch Menschen, die sonst nie ein Buch in die Hand nehmen, angefangen hätten zu lesen. Das bekam ich gestern auch von einem ehemaligen Klienten zu hören, dass er seit sechs Jahren nicht mehr gelesen hätte und nun, nach Lektüre eines meiner Bücher, mehr lesen möchte. Für einen Autor - und die Erfolgsgeschichte von Rowling dient ja immer so gern als Mittel gegen Schreibblockaden -ist das auf jeden Fall ein Kompliment.

    Montag, 8. Dezember 2014

    Vom Glück "Ende" schreiben zu können!

    Unabhängig von allen Irritationen habe ich, wie Sabine Schäfers es so schön in ihrem Blog Dies ist das Ende beschreibt, in der letzten Zeit weiter an meinem historischen Krimi aus dem 18. Jahrhundert geschrieben. Titel wird noch nicht preisgegeben. Dieser Roman hat mich die ganzen letzten Jahre begleitet, wurde dreimal neu konzipiert. Ursprünglich als Revolutionsroman einer Viererbeziehung geplant, auf süddeutschem Boden angesiedelt, ist es jetzt ein Roman in der vorrevolutionären Zeit, und es ist letztendlich eine Viererbeziehung darin zu erkennen. Die Figuren waren nämlich alle schon da, nur eine wurde rausgeworfen, eine kam neu hinzu. Eine Blogleserin namens Alexina hatte mich immer wieder ermutigt, ihn zu schreiben. Bis mein damaliger Agent den Riegel vorschob und meinte "Das geht gar nicht!" Nach der Veröffentlichung meines E-Books im Juni hatte ich mich wieder an diesen Roman gemacht. Und bin durch ganz spannende Prozesse und historisch dunkle Zeiten gegangen. Bis zum Schluss wusste ich nicht, wer von den Beteiligten sterben würde. Jetzt ist er für mich rund, und ich bin so zufrieden und happy wie immer nach Beendigung eines größeren Textes. Es ist mein neunter Roman, der zweite Unveröffentlichte.

    Den Versuch, selbst ein Buch bei einem Verlag unterzubringen, habe ich nun endgültig aufgegeben. Ohne Agent wird man nicht wahrgenommen, außer bei sehr kleinen Verlagen. Der neue historische Krimi wurde bisher noch nirgends angeboten, der Jetztzeitkrimi beim Hausverlag, einer Agentur und bei Emons. Bevor ich beide selbst veröffentliche, versuche ich es mit dem Neuen wahrscheinlich noch einmal bei zwei Agenturen. Doch das ist Zukunftsmusik. Erst einmal genieße ich das Gefühl, wieder einmal etwas zu einem Ende gebracht und eine ganze Zeit mit meinen Figuren gelebt zu haben. Musik, Kochen, Aufräumen, Einkaufen, Kaffee trinken, Wandern im Schwarzwald, das ist jetzt die Devise!

    Freitag, 28. November 2014

    Der virtuelle Selbstmord oder: Im Internet sind alle gleich

    Anmerkung: Sollte auch dieser Text nicht lesbar sein (nach HTML_Bereinigung) kann ich ihn gern als Doc.-Datei per Email senden. Voriger Beitrag: KDP-Termine, E-Books werden teurer

    Aufgrund eines Formatierungsfehlers war für einige der Beitrag, den ich vor einigen Tagen eingestellt hatte, nicht lesbar. Deshalb noch einmal, erweitert um einige Infos und Überlegungen zu den Ereignissen, die sich kürzlich in Tübingen bei einer Mädchenclique abgespielt haben. Vor Kurzem hatten wir uns im Team die Frage gestellt, wie sich intensive Internetnutzung auf Menschen auswirkt, die schon eine gestörte Beziehung zur realen Welt aufweisen. Via Internet bin ich auf einen Vortrag gestoßen, den der Diplom-Psychologe Kai W. Müller vor der Landespsychotherapeutenkammer Mainz im Jahr 2013 gehalten hat: Internet und virtuelle Beziehungen. Und versuche das für mich Wichtigste mal kurz zusammenzufassen. Fangen wir mit ein paar Fakten an.
    99% der deutschen Jugendlichen nutzen das Internet regelmäßig. Sie verbringen durchschnittlich 132 Minuten am Tag im Netz 
    65% der Erwachsenen verbringen durchschnittlich 115 Minuten im Netz.
    Was sind die Vorteile?
    Soziale Unterstützung kann unmittelbar erfolgen
    Die Kommunikation mit Freunden wird erleichtert
    Kontakte sind schneller verfügbar
    Es fällt leichter, auf andere zuzugehen.
    Facebook:
    Es gibt 800 Millionen Facebooknutzer. Ein junger Mann hatte auf eine Frage nach der Bedeutung dieses sozialen Netzwerkes erklärt, wer nicht bei Facebook sei, existiere gar nicht wirklich. Das Aussteigen aus so einem sozialen Netzwerk kommt also einem "virtuellen Suizid" gleich. Du bist einfach nicht mehr da, wirst nicht mehr wahrgenommen. Die Bedeutung dessen hängt natürlich mit dem Stellenwert zusammen, den derjenige dem Netzwerk unterstellt. Und den seine soziale Bezugsgruppe ihm unterstellt. Hand aufs Herz: Ist heute nicht einer, der sein Handy ausgeschaltet lässt oder erst gar keins besitzt, von einem Großteil der allgemeinen Kommunikation ausgeschlossen? Twittert nicht auch ein Minister wichtige erste Botschaften, bevor sie in die Tagesschau kommen? Was unterscheidet nun diejenigen, die den "virtuellen Suizid" begangen haben und aus dem sozialen Netzwerk ausgestiegen sind von denen, die bleiben? Die Leute, die ihr Profil gelöscht haben, hätten eine höhere Fähigkeit zur Selbstregulation und legten mehr Wert auf ihre Privatsphäre. Wahrscheinlich überwiegen auch die realen Kontakte bzw. sind in genügender Form offline verfügbar.

    Nachteile sozialer Netzwerke: Sozialer Schaden entstehe eigentlich nur, wenn der User stark introvertiert ist. Dann kann es zur Abnahme realer Kommunikation in der Außenwelt kommen. Extrovertierte User korrigieren die Onlinezeiten nach unten und halten gleichzeitig den Kontakt zu Onlinebekanntschaften.
    Vorteile: Man muss nicht gleich antworten, die Regeln sind weniger stringent (können MMn aber ganz schön streng sein, besonders in Gruppen. Und im Internet kann man jemanden durch Knopfdruck viel schneller entfernen als in der Realität!)  Im Internet sagten und täten Menschen Dinge, die sie im realen Kontakt so nicht sagen oder tun würden. Sie seien lockerer, ungezwungener, weniger gehemmt und drückten sich offener aus. Dieses Phänomen werde als der "Online Disinhibition Effect"bezeichnet. Was ist das für ein Effekt?
    Durch die Anonymität kann ein anderes Selbst gebildet werden.
    Man ist unsichtbar, im Internet sind anscheinend alle gleich.
    Man muss nicht immer gleich reagieren.
    Es gibt zwei Varianten dieses Effekts:
    1. Ungefährliche Enthemmung
    Der User gibt sich leichter preis, er kann Wünsche, Hoffnungen und Träume entwickeln,
    die er in der realen Welt wahrscheinlich mit niemandem teilen würde.
    2. Toxische Enthemmung
    Es kommt zu Beschimpfungen, zu Bedrohungen und Beleidigungen,
    sogar zu devianten und antisozialen Handlungen und zu Cybermobbing.
    Jüngstes Beispiel: die Mädchenclique in Tübingen, die vor Kurzem eine gleichaltrige 14jaährige verprügelte, ins Gesicht und in den Magen trat, das reihum mit dem Handy filmte
    und bei Facebook einstellte. Gestern wurde das in "Zur Sache Baden-Württemberg" noch einmal aufgerollt. Das Video wurde so oft geteilt, dass es bei FB inzwischen nicht mehr zu entfernen ist. Eines der Mädchen ist inzwischen selber verprügelt worden. Dem ging ein längeres Cybermobbing voraus, gegenseitig wurden die Eltern beleidigt usw. Ein Viertel aller Jugendlichen habe schon einmal erlebt, dass eine Clique jemanden fertig gemacht hat. Das Einstellen bei Facebook wurde von den Mädchen zunächst als "cool" empfunden, man wurde gesehen und beachtet. Später, als die Lawine ins Rollen gekommen war, schämten sie sich sehr und würden es nie wieder machen. Dazu fällt mir ein eigener Begriff ein: Es hat wahrscheinlich eine Entfremdung von sozialer Nähe und Empathie stattgefunden, die Gefühle scheinen oberflächlich oder verniedlicht. So haben wir einmal erlebt, dass zwei Mädchen am Albtrauf standen und die Gedenkschrift an einen Mountainbiker lasen, der hier senkrecht in die Tiefe gestürzt ist. Ich meine, sie hätten daraufhin "cool" oder "wow!" gesagt. Das sind die Auswüchse, die auch vorher schon bestanden, aber sich durch die Cyberwelt weiter entpersonalisiert haben.

    Andererseits sieht Müller Chancen, angstgestörte, Patienten mit sozialer Phobie oder internetsüchtige Menschen zunächst über eben dieses Medium zu erreichen. Es ist weniger angstbesetzt. Das Fazit ist, dass sich durch das Internet die soziale Kommunikation verändert hat. Sie ist nicht schlechter, sondern anders geworden. Der Austausch mit anderen wird erleichtert, ersetzt allerdings nicht die Bezugspersonen, die man im Ernstfall dann wirklich physisch braucht. Für den durchschnittlich selbstbewussten Menschen dürfte das Internet kaum Gefahren bergen. Gefährlich wird es erst, wenn jemand Störungen wie eine soziale Phobie hat oder dazu neigt, sich in Parallelwelten zu flüchten, ohne sich davon distanzieren zu können. 
    Mein persönliches Fazit:
    Das Internet und der Computer haben mein Leben von Grund aus revolutioniert, verändert und bereichert. Durch diese Medien wurde es mir überhaupt erst möglich, meinen Traum vom Schreiben zu ermöglichen. Das Schreiben ist allerdings auch Schwerpunktthema gewesen und ist es noch. Ich habe das Internet also in der Regel mehr sach - als allgemein kommunikationsbezogen genutzt, habe nie gespielt oder Kontaktbörsen jeglicher Art besucht. Einmal war ich kurze Zeit Mitglied in einer Kochgruppe, deren Regeln mir aber zu rigid waren. Da musste man für das Kochen den Großteil seiner Zeit und seines Geldes einsetzen. Durch die Kommunikation mit anderen habe ich dieses Medium erst einmal begriffen. Der Austausch mit anderen Autoren führte zum regelmäßigen Schreiben, gegenseitigem Korrekturlesen und zu Veröffentlichungen. Einige Mitautoren habe ich auch im realen Leben kennengelernt. Mit Verlagen und mit der Agentur lief vieles über Emails ab, gerade auch Lektorate. Für Autoren ist dieses Medium ideal, fast schon unverzichtbar als Recherchequelle! Und solange ich über meine selbstregulierenden Mechanismen verfüge, brauche ich nicht zu befürchten, in der virtuellen Welt zu versinken.

    Freitag, 14. November 2014

    Rückblenden

    Ich weiß, dass es für normale Blogleser eher langweilig ist, über das schreiberische Tun eines Autors zu lesen. Und auch ich selbst lese bei anderen nicht besonders gern über diese Vorgänge. Aber draußen ist tiefster, trüber November, und ich habe nichts anderes zu berichten außer darüber vielleicht, dass wir morgen wieder eine Supervision haben und dass ich mir dringend gefütterte Winterstiefel kaufen muss. Die Winterreifen sind gestern auch draufgekommen, teuer genug. Und dann wollen wir mal hoffen, dass es sich dieses Jahr auch lohnt.Nach meiner Erinnerung hatten wir im letzten Oktober Schnee und dann für den Rest des Winters nur noch gemischte Pampe. Aber immerhin hatte ich in jenem Winter den Krimi abgeschlossen und im Frühjahr mein E-Book bearbeitet und am 8. Juni veröffentlicht.

    Nun bin ich in einen Schreibfluss geraten, dessen ich längere Zeit entbehren
    musste. Und in diesem Schreibfluss tut sich das erste Mal in meinem Leben die Frage auf, ob ich nicht eine oder zwei Rückblenden verwenden muss, um die Geschichte rund zu machen. Dazu muss ich sagen, dass ich Rückblenden hasse. Ich habe es immer gehasst, wenn in einem Roman eine Person eingeführt wurde und dann gleich eine Rückblende kam, warum und wie sie geworden ist, wie sie jetzt ist. Einmal las ich einen Thriller, der damit begann, dass auf jemanden geschossen wurde. Anstatt nun zu erfahren,was mit dieser armen Person weiter geschieht, kam eine Rückblende über viele Seiten, darüber, was der Mann alles erlebt hatte, das dazu führte, dass es nun kam, wie es kam. Niemlas würde ich meine tatsächlichen und potentiellen Leser mit so etwas langweilen, das hatte ich mir geschworen. Und nun gehöre ich selbst zu den Autoren, die diese Mittel einsetzen müssen, um Handlung und innersten Kern einer Geschichte voranzutreiben und sichtbar zu machen. Ich habe vor dieser Notwendigkeit kapituliert und werde es angehen. Und ich gehe es, entgegen meiner Befürchtungen, mit großer Spannung und Begeisterung an. Mögen spätere potentielle Leser, Lektoren, Agenten auch einst etwas daran auszusetzen haben. Diesmal will ich's!

    Samstag, 1. November 2014

    Das Exposé, eine schwere Geburt

    Dieser Beitrag ist nur für Autoren interessant, die selber immer wieder mal ein Exposé erstellen müssen, sei es, um den Verlauf des Romans besser planen zu können, sei es, um sich damit bei einem Verlag oder einer Agentur zu bewerben.
    Der historische Krimi, an dem ich gerade schreibe, hat in den letzten Jahren schon einige Wandlungen erfahren. Einige Figuren mussten raus, andere kamen neu hinein. Die Zeit hatte ich schließlich auf das Jahr 1786 festgesetzt. Das ursprüngliche Bauernmädchen mit ihrem versoffenen Vater musste gehen, die meisten anderen Personen blieben. Es gibt zwei Studenten der Theologie, die im Stift zu Tübingen wohnen. Einer würde lieber Arzt werden, der andere ein Dichter. Dann ist da Laura, eines Professors Töchterchen. Und ein Mädchen mit einem weißen Wolf, von dem man nicht weiß, ob es real ist oder nur in den Köpfen der Betroffenen existiert. Und es gibt Räuber, Morde, Intrigen und Geisterbeschwörungen. Es gibt den verhassten Herzog Carl Eugen, der den Dichter Schubart auf dem Hohenasperg eingesperrt hat und schließlich einen fahrenden Medicus mit seinem Äffchen, das seine Grimassen schneidet. Das könnte die Grundlage für einen Klappentext sein.

    Jemand, der schon Exposés geschrieben hat, weiß wahrscheinlich, welche Klaviatur der Gefühle dessen Erstellung hervorbringen kann. Ich musste es heute zu Ende führen (von zwei auf vier Seiten), weil ich sonst mitten im Text, auf ca. S. 180 einfach nur stecken geblieben wäre. Bis dahin wollte ich mit dem Roman aufhören, alles hinschmeißen, und ich fand die Handlung einfach nur noch doof. Jetzt, wo es im Kopf geklingelt hat (auch mit Anregung meines Testlesers), bin ich superhappy und finde es, anderes Extrem, genial! Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

    Dienstag, 28. Oktober 2014

    Das eigene Buch drucken lassen

    Gestern erhielt ich von Amazon Create Space die freundliche Einladung, mein E-book doch von ihnen drucken zu lassen. Natürlich kenne ich diese Möglichkeit schon seit Langem. Es gibt ja viele Leser und Leserinnen, die ein Buch lieber mit seinem Echtgewicht in der Hand halten, ich eingeschlossen. Manchmal, wenn ich die Amazonseiten von Kollegen und Kolleginnen besucht habe, sah ich auch, dass das jeweilige Buch in gedruckter Form vorlag beziehungsweise als "Book on Demand" druckbereit vorgehalten wurde. Es schien mir so, als seien die Ebooks die weitaus gefragteren, schon allein wegen des Preises. Das gedruckte Verlagsbuch, das meinem Teufelswerk zugrunde liegt, lag heute Morgen bei einem Ranking von 1.262.754, während das E-Book ein Ranking von 3.191 verzeichnet, dazu Platz 19 bei "historische Krimis". Das Verlagsbuch kostet 14,90 E, das E-Book 3,99 E (könnte auch 2,99 E kosten). Das E-Book hat also das Verlagsbuch nicht mitgezogen (eher die E-Books der historischen Romane). Dieses Buch könnte ich sowieso nicht drucken lassen, weil ich die Printrechte nicht habe. Aber wie ist es mit künftigen E-Books? Sollte man da gleich die Druckversion anbieten oder warten, bis sich Leser melden, die es lieber in dieser Form haben wollen?