Mittwoch, 7. Oktober 2026
Schreiben im Herbst
Donnerstag, 10. September 2026
Deutschland im Herbst
Diese Überschrift ist vieldeutig:
"Deutschland im Herbst", den Film von Rainer Werner Fassbinde hatte ich 1978 im
Kino gesehen - da ging es um die RAF, also den Terror von links. Es ist auch
ein Titel von der Gruppe "Böhse Onkelz" und prangert die Gewalt von
rechts an. Mir kam es heute in den Sinn, weil der Herbst tatsächlich beginnt,
noch vor dem offiziellen Datum. Und es ist der Zeitpunkt kurz nach der Wahl in
Sachsen-Anhalt am Sonntag, den 6. September, als die Anhalter eine
verfassungsmäßig als rechtsradikal eingestufte Partei wählten. Es sei eine
Zäsur in der Entwicklung der deutschen Demokratie, hieß es in den Nachrichten
und Kommentaren. Ich vertraue aber weiterhin auf die Vernunft der Leute und
etwas auch auf die Regierungsparteien, denn in der gestrigen Sendung von Sandra
Maischberger trat ein Mitglied der AFD auf, der nur leeres populistisches
Gerede von sich gab - der Mann konnte auf die einfachsten Rückfragen nicht eingehen. So
wie die anderen auch, deren Gesichte und Reden sind voller Missachtung und
Häme, und ich würde keinem einzigen von ihnen über den Weg trauen. Was nicht
heißen soll, dass ich nicht alle anderen Parteien ebenfalls auf dem Holzweg
sehe - so krass, wie sich die Dinge auf der ganzen Welt entwickelt haben!
Nun auch noch zum Persönlichen, zu meinem eigenen Herbst in Deutschland. Seit heute sind die Temperaturen wieder von über 30 auf 19° heruntergefallen, woraufhin meine Füße kalt wurden statt rot und dick wie Ende Juni, als sie in Berlin kaum noch in die Schuhe passten. Die Lahmheit, das verdunkelte Zimmer und die Pollen-und Staubattacken durch die Trockenheit, was bei mir zu starken allergischen Reaktionen führte. Alles vorbei, und auch die Beine laufen wieder normal. Pünktlich zum gefühlten Herbstbeginn kamen auch wieder die Horrorzahlen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ans Licht. Die jungen Leserínnen seien schon wieder im Schwinden, die Lesekompetenz nehme immer mehr ab. Am stabilsten scheint es bei den 50-bis 70 jährigen zu sein, Belletristik ist da noch am Laufen. Ich selbst, da ich mir ein Leben ohne Schreiben nicht vorstellen kann, habe vor Kurzem mit der Ausarbeitung eines Romans begonnen, der in den 30er Jahren in Hamburg und in Argentinien /Brasilien spielt. Die Urform wurde vor zehn Jahren vom Hausverlag und einer Agentur abgelehnt, vor allem wegen des Genre-Mixes Thriller und Familienroman. Jetzt habe ich ca. 100 Seiten, die ich neu aufzäume. Es ist die Geschichte von zwei Schwestern, von denen eine mit der Mutter zum Vater nach Argentinien auswandert, die andere bleibt bei der Oma in Hamburg und erlebt mit wachsender Begeisterung das Aufkommen der Nazis, derweil die andere auf ebensolche Nazis in Argentinien trifft. Es hat viel mit meiner Familiengeschichte zu tun, da meine Eltern in Hamburg den Krieg erlebten und ich im Jahr 1969 vier Monate lang in Argentinien war, wohin mein Onkel 1934 ausgewandert war. Im Hintergrund gibt es noch den Thriller/Krimi von einem gefährlichen Trail über die Schwäbische Alb- der ruht noch in den Dateien. Das Schreiben, die besonderen Filme im Nagolder Kino und andere Erlebnisse halten mich auf dem Damm. Zwar haben sich die Bedingungen weiter verschlechtert-es gibt immer weniger Plätze, an denen wir uns früher wohlgefühlt haben - aber manchmal tun sich auch neue Türen wieder auf.
Mittwoch, 14. Februar 2018
Erntezeit und neues Leben
Naja, ganz draußen war ich glücklicherweise nie. Parallel zu der Parallelwelt bin ich weit herumgekommen, wie einige meiner Blogleser noch wissen werden. Das ist wiederum in das Schreiben und in die Blogbeiträge eingeflossen. Es war schon immer eine andere Welt gewesen als die der "Normalbürger", nämlich die der Literatur, der Kultur und der Natur. Ich muss nicht fasten, muss nicht auf Süßigkeiten oder das Internet verzichten, muss kein neues Leben beginnen. Statt dessen sollte ich beides besser miteinander in Einklang bringen. Durch den Hamburger Kontakt erfahre ich mehr über meine Familiengeschichte als jemals zuvor. Das ist sozusagen die Folge der Elefantenspur, die sich hinter mir herzieht. Neben dem Bücherangebot in der Welt und den Lesern wachsen auch die Besucherzahlen im Blog kontinuierlich, je nach Input.
Sonntag, 9. Juli 2017
Unterwegs in Büchern und Zeitgeschichte
In der nächsten Stadt (Nürtingen) fand ebenfalls ein Fest statt. Eigentlich kamen wir gar nicht hinein, und eigentlich wollten wir nicht schon wieder auf ein Fest. Aber irgendetwas spülte uns dann doch dorthin. Unterwegs begegneten wir zwei Polizisten. Mein Freund, kontaktfreudig wie immer, fragte die Frau, wie weit es noch bis zum Fest sei (zu dem wir ja eigentlich gar nicht hinwollten, aber zum Wandern war es einfach zu heiß, die Badeplätze waren überfüllt, und zuhause im abgedunkelten Raum sitzen wollten wir natürlich ebenfalls nicht).
"Gefühlte 100 Km" meinte die Polizistin und wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Naja, so zwei Minuten, dann sind Sie dort."
"Ganz schön hart, was ihr Polizisten da habt leisten müssen", fuhr mein Freund fort.
Sie lachte.
"Ich bin vom Ordnungsamt. Aber das war eine übergroße Herausforderung, das kann man wohl sagen. Ich kann wirklich nicht verstehen, wie eine schwarze Truppe so hemmungslos und voller Gewalt und Hass Bürger gefährden, ihr Eigentum vernichten, schweren Raub und Brandstiftung begehen kann!"
Es ging dann noch ein wenig weiter. Ich selbst bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass die Schwarzen mit ihrer Vermummung provoziert haben. Darauf hätte die Polizei mit Deeskalation reagieren können statt mit raschem Auflösen der Demonstration. Das rechtfertigt aber nicht im Mindesten die menschenverachtenden, brutalen Übergriffe in den folgenden drei Nächten. Ich habe bei Facebook Beiträge gesehen, in denen die Autonomen in die Nähe der SA gerückt werden. In den 80er Jahren, im Mutlanger Basiscamp, haben wir übrigens mal ein Rollenspiel gemacht und wollten herausfinden, was passiert, wenn innerhalb einer friedlich demonstrierenden Gruppe Gewalt ausbricht. Alle Versuche, die Gewalttätigen körperlich daran zu hindern, endeten in neuer Gewalt. Ich glaube, die Lösung war, eine Kette um sie herum zu bilden. Ob das allerdings auch praxistauglich gewesen wäre, steht auf einem anderen Blatt. Und über die Bekämpfung des Terrorismus wurde anscheinend überhaupt nicht geredet auf dem Gipfel.
Montag, 31. August 2015
Was wir können
Es gab Zeiten, da war ich so überkandidelt, dass ich glaubte, alles schreiben zu können, was ich wollte. Das stimmt aber nicht, wie ich im Lauf der Zeit merkte, und es ist auch dem leichten Größenwahn ensprungen, den viele Autoren zu entwickeln pflegen. Ich selbst wollte immer etwas bewegen mit meinem Schreiben, innerlich und äußerlich. Mit meinen Zeitungsartikeln habe ich viel bewegt, es gab sogar Offiziere und Bürgermeister, die öffentlich mit uns in den Medien diskutierten. Bei einer Kurzgeschichte gab es einen Leser, dem während des Lesens der Griffel aus der Hand gefallen sei. Und selbst Trauerreden kann ich schreiben, wie sich jetzt in Hamburg zeigte. Von einem professionellen Redner vorgetragen, wirkte sie so nachhaltig, wie ich es noch nie vorher erlebt hatte. Vor allem auch emotional. Dass ich Romane schreiben kann, brauche ich wohl niemandem mehr zu beweisen. Was ich nicht kann: das schreiben, was andere von mir erwarten. Genreliteraur schon, aber nicht in deren engen Grenzen. Ich möchte nicht Liebesszenen einbauen, wo keine hingehören, keine Toten und kein überflüssiges Blut oder verwesende Körpereile nur des Effektes willen hinzufügen. Es gibt also eine ganze Menge, was ich nicht kann. Am liebsten schreibe ich eh so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Als nächstes lasse ich mich hier im Blog über das Eventleben und seine Schattenseiten aus, inspiriert durch die Reise nach Hamburg, von der ich gestern nacht spät zurückkam, nachdem die Deutsche Bahn mir mal wieder ein paar mehr oder wenige lustige Streiche gespielt hat.
Dienstag, 19. Mai 2015
Mit 250 Km/h durch Deutschland
Später am Abend, in einer warmen Sommernacht, hatten sich die Frankfurter auf dem Friedberger Platz zu Hunderten versammelt. Jeder hielt eine Bier- oder Weinflasche in der Hand, ein Gewirr von Lachen und Stimmen drang herüber und verfolgte uns eine Straße weiter. Ähnlich zeigte es sich in Hamburg: Die schönen alten Kneipen des Schanzenviertels waren überfüllt, keiner hatte sein Smartphone in Betrieb, alle redeten miteinander und strömten zu Tausenden durch die Straßen. Lebenslust pur! Das sauge ich immer mal wieder gierig ein, denn bei uns auf dem Land sagen sich eher Rasenmäher, Kreischsägen und Elstern gute Nacht. Doch zurück zur Bahn: Bei den verantwortungsvollen Posten steht den Lokführern selbstverständlich ein angemessenes Gehalt zu! Doch der Service hat sich für mich, die ich seit Jahrzehnten treue Kundin bin, in keiner Weise verbessert. Nach wie vor Verspätungen, für Zugwechsel muss man beim Sparpreis tief in die Tasche greifen, und was früher die harten Ränder der Spagetti im Speisewagen waren, ist heute die Currywurst im Bistro, die in einer warmen roten Soße schwimmt. Das wiederum wird in der Großstadt mit köstlichem Saltimbocca und mehrgängigen Fischmenues beim Italiener ausgebügelt.
Das Hotel in Hamburg stammt aus dser Gründerzeit der Arbeiterwohlfahrt. Die Preise schießen immer wieder aus Gründen in die Höhe, die mit den Messen oder auch den Musicals zusammenhängen müssen. Auf jeden Fall war es genau das Haus, das meinem künftigen Roman (Schauplatz: Hamburg/ Buenos Aires) entsprungen sein könnte.
Einfallsreich sind sie ohne Ende, die Großstädter! Einer kam mit einem Musikapparat statt eines Kopfes daher und beschallte die Umgebung, ein anderer angelte von einem Dach herab mit einem Pappbecher nach Almosen. Das waren barock gefüllte, aufregende Tage. Blieb am Ende der Rückweg, mit traditionell quäkenden Kind in der Zugnachbarschaft und einer traditionellen Verspätung. Aber die Bahn lässt sich dazu manchmal ewas einfallen, indem sie Überaschungen austeilt, allerdings nicht in Form von Leckereien oder einem Pott Kaffee, sondern einer Leseprobe (von was, weiß ich schon nicht mehr). In Stuttgart ging es diesmal durch einen endlosen Tunnel zur S-Bahn. Und da muss man sehr fix sein, um nicht von der Fahrstuhltür eingeklemmt zu werden. Ja, sie sind schnell und stressig und wundervoll, diese Fahrten quer durch Deutschland. Aber ich bin doch jedes Mal ganz froh, wenn ich wieder in meinem Rasenmäher- und Kreischsägenland bin und zu Fuß, ganz gemächlich, über die schwäbische Alb wandern und alles, was da blüht, fleucht und tschilpt, aus nächster Nähe anschauen, hören und riechen kann. Und jetzt streikt die Bahn ja wieder, länger noch als das letzte Mal.
Montag, 2. März 2015
Heute schon gezweifelt?
Schreibtipps für Bauchschreiber-sechster Streich von Sabine Schäfers
Schriftzeit von Stefan Waldscheidt
Alice Gabathuler beschreibt, wie enthusiastisch der Jugendliteraturtag in Baden angenommen wurde: 1. Jugendliteraturtag Baden
Sabine Schäfers und Stefan Waldscheidt kommen zu dem Schluss, dass ein Ende des Selbstzweifels, der für Schriftsteller eine absolute Bremse, aber auch ein Motor, ein Füllhorn der Inspiration sein kann, durch das Weiterschreiben erreicht wird. Und das gilt nicht nur für das Schreiben. Ganz philosophisch sagte doch schon Camus, dass der Sinn des Lebens darin besteht, weiterzuleben. Und das Beste daraus zu machen, natürlich, denn es gibt keine Zeit zu verschenken, weil es das Einzige ist, was uns gegeben wurde. Sagte Benjamin Franklin. Bei einem Rückschlag: Aufstehen, Krone richten, weitergehen (Sabine Schäfers). Nicht verzweifelt bei Facebook, Twitter und Co. posten, dass man ein Buch geschrieben hat, keine Umsonst-Lesungen organisieren, zu denen neben den Verwandten und Freunden vielleicht noch drei Interessierte kommen, sondern: weiterschreiben. Schriftsteller, die ich am meisten bewundere, sind die, die ihr Schreiben innerhalb ihres Leben inszenieren, ihr Leben eins wird damit. Und so werde auch ich es halten: Selbst wenn der Buchhimmel über uns einstürzen sollte, selbst wenn die Verlage zu Flatratedienstleistern werden, wie Bastei Lübbe es jetzt mit Heftromanen beginnt, selbst wenn es immer schwieriger wird, etwas vom Riesenkuchen, den sich immer mehr Autoren teilen müssen, abzubekommen, werden wir Autoren immer schreiben, solange es Menschen gibt, die lesen!
Ran den SP-eck. Selbstbestimmt schreiben
Mittwoch, 17. Dezember 2014
Der Biss des Skorpions
Und wie war das Jahr, das unaufhaltsam seinem Ende entgegen geht? Allgemein, ich schrieb es schon, hat es mir beruflich-persönlich noch einmal einen richtigen Aufschwung gebracht. Bis April hatte ich meinen Schwarzwaldkrimi beendet und schickte ihn an meinen Hausverlag und eine Agentur. Keine Antwort des ersteren bzw. eine abschlägige der zweiten. Bis Juni war ich mit Herausgabe meines Verlagsebooks beschäftigt. Mit dem Verlauf bin ich, ehrlich gesagt, zufriedener als mit allem anderen davor. Aber es war ja auch fix und fertig lektoriert und korrekturiert. Bis Ende November, also sechs Monate lang, schrieb ich an meinem neuen historischen Krimi. Den habe ich vor etwa einer Stunde, nach nochmaliger Korrektur des Exposés, zu einem E-Bookverlag geschickt. Bleibt noch die Frage, ob ich mich bei meinem "Teufelswerk" an einen Distributor wende oder ihn demnächst wieder bei Amazon KDP select anmelde. Es sind gerade (ohne select) keine Ausleihen mehr zu verzeichnen, dafür teilweise ein Ansteigen der Verkäufe. Der Ebookverlag arbeitet auch mit Kindle unlimited, wegen der Sichtbarkeit und Bekanntmachnung, so habe ich es verstanden.
Hier noch ein Interview mit Carla Berling, die von der Kleinverlagsautorin zur Selfpublisherin wurde: Autorin-Carla-Berling-kommt-ohne-Verlag-aus-und-setzt-stattdessen-auf-Amazon
Dienstag, 7. August 2012
Katastrophenbahnfahrt ans Meer
| Nordsee/Elbemündung bei Cuxhaven |
Hamburg kann nichts dafür, Hamburg ist, wie Frankfurt, eine ganz tolle Stadt. Schließlich waren alle anderen auch noch eingesammelt, und zur Belohnung gab es ein wunderbares Pfeffersteak bei "Klett". Die Reise an die Nordsee klappte gut, als wir in Cuxhaven eintrafen, kam die Sonne raus und brachte Ferienstimmung auf die Kais und die Deiche. Möwen kreischten, es roch nach Krabben und Backfisch. Der Abend im Schanzenviertel, wo meine Schwester wohnt. Hunderte von Menschen mit Gläsern in der Hand verstopften die Straßen, denn auch hier in Hamburg gilt das Biergartenverbot wie in Bayern ab 23.00. Wie war die Rückfahrt? Gleich in Dammtor mussten wir die reservierten Plätze wieder verlassen, weil die Klimaanlage in Wagen 5 ausgefallen war. Wagen 3 war überfüllt, aber wenigstens wurde die Verspätung, die in Hannover durch zu viele Fahrgäste am Bahnhof entstand, wieder aufgeholt. Und durch die IPads meiner beiden jugendlichen Nachbarn lernte ich etwas über die Führerscheinprüfung heute. Als ich zurück im Schwarzwald war, sanken die Temperaturen um mindestens 10°.Uff! Und was können wir daraus lernen? Das nächste Mal werde ich bestimmt fliegen, das kostet auch nicht mehr, wenn man rechtzeitig bucht. Ob beim Flieger irgendetwas ausfallen kann, was nicht vorhersehbar ist? Fällt man dann vielleicht vom Himmel? Wieso können die kein Essen in die Züge bringen, wenn die Leute hungern? Liegt das vielleicht daran, dass wir anderen Nationen zu viel Geld gegeben haben und man nun Notopfer von der Bevölkerung verlangt? Über mein künftiges Autorenleben konnte ich auf jeden Fall nicht nachdenken, dafür war`s zu heiß. Und ob die Bahn mir für die zwei Stunden Verspätung das Geld zurückzahlt, werden wir sehen. Gesundheitliche und psychische Qualen sind in dem Formular auf jeden Fall nicht vorgesehen.
Montag, 17. Oktober 2011
Goethes Frankfurt und die Skyline
| Handkäs mit Musik |
| Hauptwache |
| Frankfurter Literaturhaus am Main |
| Der eiserne Steg, von uns oft tags und nachts begangen, hinüber zum Museumsufer und ins Vergnügungsvietel Sachsenhausen |
Am nächsten Tag ging es den Mainkai hinunter bis ins "Nizza". Früher lagen hier noch die Obdachlosen herum, die mich zu einer Geschichte über das "Grundrauschen der Zivilisation" inspirierten. Heute sind die in den Bahnhöfen, trinken Espresso und tun so, als ob sie gleich weiterreisen würden. Ganz Frankfurt war an diesem sonnigen Sonntag unterwegs. Man sieht keine Nordish-Walking-Stöcke mehr wie weiland an der Alster in Hamburg, sondern man joggt, fährt Rad oder neuerdings auf diesen Stadtrutschern, die einem mit 20 Km/h die mühselige Laufarbeit ersparen.
| Café im "Nizza" |
| Cityrutscher |
| Die alte Brücke, die schon Goethe bedichtete |
| Gerbermühle |
Man sieht den Dom und die Spitze der Paulskirche vom Wasser aus (kenne ich natürlich, schließlich war Ludwig Uhland an der 1848er Revolution beteiligt.) Neu war mir die Die Gerbermühle, die Goethes Freund Willemer 1785 als Sommerhaus gekauft hatte-auch ein Bankier. Hier begegnete Goethe dessen Ziehtochter Marianne, entwickelte eine intensive platonische Beziehung zu ihr, hielt sich häufig dort auf und nahm drei Gedichte von ihr in den west-östlichen Diwan auf. Geheiratet hat Marianne aber ihren Ziehvater und nicht den 66jährigen Goethe.
Doch irgendwann ist die Zeit dann auch wieder vorbei. Auf dem Hauptbahnhof, Gleis 6, sollte eigentlich der ICE nach Zürich abfahren. Dies ist der Regionalzug nach Wiesbaden, denn der ICE kam wieder mal mit einer halben Stunde Verspätung-Anschluss Karlsruhe.Pforzheim konntest deswegen vergessen.
Aber endlich war er da, und es gab merkwürdigerweise keine Handys, auch keinerlei E-Books, sondern gedämpfte Gespräche und Bücher. Französische Kinder spielten Karten. Ja, so macht Zugfahren noch halbwegs Spaß!
In Karlsruhe stürmten so viele Menschen die Treppen von den Ferngleisen herunter und durch die Gänge, dass ich erst mal nach draußen flüchtete. Ob die wohl alle von der Frankfurter Buchmesse kamen? Zumindest hatten sie keine Bierflaschen in der Hand! Die halbe Stunde Aufenthalt erinnerte mich daran, dass ich mal in die Bahnhofsbuchhandlungen gucken wollte, um mir zu beweisen, dass ich ja auch was geschrieben hatte (was mir in den vollen Zügen nie richtig gelang).
Und tatsächlich, da lachte es mir auch schon entgegen, in einer Vertikalen mit Rebecca Gablé und Ken Follet. Solche Momente machen immer Lust zum Weiterschreiben! Vielleicht sollte ich das Angebot annehmen, zum nächsten Familientreff in Hamburg-Schanzenviertel zu fliegen und dabei gleich das Auswanderermuseum anzuschauen. Derweil bin ich wieder im Schwarzwald und kann den hiesigen Plot weiterentwickeln, wann immer ich will.



