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Donnerstag, 10. September 2026

Deutschland im Herbst



Landschaft oberhalb vom Nagoldtal

Diese Überschrift ist vieldeutig: "Deutschland im Herbst", den Film von Rainer Werner Fassbinde hatte ich 1978 im Kino gesehen - da ging es um die RAF, also den Terror von links. Es ist auch ein Titel von der Gruppe "Böhse Onkelz" und prangert die Gewalt von rechts an. Mir kam es heute in den Sinn, weil der Herbst tatsächlich beginnt, noch vor dem offiziellen Datum. Und es ist der Zeitpunkt kurz nach der Wahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag, den 6. September, als die Anhalter eine verfassungsmäßig als rechtsradikal eingestufte Partei wählten. Es sei eine Zäsur in der Entwicklung der deutschen Demokratie, hieß es in den Nachrichten und Kommentaren. Ich vertraue aber weiterhin auf die Vernunft der Leute und etwas auch auf die Regierungsparteien, denn in der gestrigen Sendung von Sandra Maischberger trat ein Mitglied der AFD auf, der nur leeres populistisches Gerede von sich gab - der Mann konnte auf die einfachsten Rückfragen nicht eingehen. So wie die anderen auch, deren Gesichte und Reden sind voller Missachtung und Häme, und ich würde keinem einzigen von ihnen über den Weg trauen. Was nicht heißen soll, dass ich nicht alle anderen Parteien ebenfalls auf dem Holzweg sehe - so krass, wie sich die Dinge auf der ganzen Welt entwickelt haben!

Nun auch noch zum Persönlichen, zu meinem eigenen Herbst in Deutschland. Seit heute sind die Temperaturen wieder von über 30 auf 19° heruntergefallen, woraufhin meine Füße kalt wurden statt rot und dick wie Ende Juni, als sie in Berlin kaum noch in die Schuhe passten. Die Lahmheit, das verdunkelte Zimmer und die Pollen-und Staubattacken durch die Trockenheit, was bei mir zu starken allergischen Reaktionen führte. Alles vorbei, und auch die Beine laufen wieder normal. Pünktlich zum gefühlten Herbstbeginn kamen auch wieder die Horrorzahlen des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ans Licht. Die jungen Leserínnen seien schon wieder im Schwinden, die Lesekompetenz nehme immer mehr ab. Am stabilsten scheint es bei den 50-bis 70 jährigen zu sein, Belletristik ist da noch am Laufen. Ich selbst, da ich mir ein Leben ohne Schreiben nicht  vorstellen kann, habe vor Kurzem mit der Ausarbeitung eines Romans begonnen, der in den 30er Jahren in Hamburg und in Argentinien /Brasilien spielt. Die Urform wurde vor zehn Jahren vom Hausverlag und einer Agentur abgelehnt, vor allem wegen des Genre-Mixes Thriller und Familienroman. Jetzt habe ich ca. 100 Seiten, die ich neu aufzäume. Es ist die Geschichte von zwei Schwestern, von denen eine mit der Mutter zum Vater nach Argentinien auswandert, die andere bleibt bei der Oma in Hamburg und erlebt mit wachsender Begeisterung das Aufkommen der Nazis, derweil die andere auf ebensolche Nazis in Argentinien trifft. Es hat viel mit meiner Familiengeschichte zu tun, da meine Eltern in Hamburg den Krieg erlebten und ich im Jahr 1969 vier Monate lang in Argentinien war, wohin mein Onkel 1934 ausgewandert war. Im Hintergrund gibt es noch den Thriller/Krimi von einem gefährlichen Trail über die Schwäbische Alb- der ruht noch in den Dateien. Das Schreiben, die besonderen Filme im Nagolder Kino und andere Erlebnisse halten mich auf dem  Damm. Zwar haben sich die Bedingungen weiter verschlechtert-es gibt immer weniger Plätze, an denen wir uns früher wohlgefühlt haben - aber manchmal tun sich auch neue Türen wieder auf.










Das ist ein Gaisburger Marsch, Gaisburg ist ein Stadtteil von Stuttgart. Eine gute Suppe mit Rindfleisch, Gemüse und Spätzle für Herbst und Winter!

Mittwoch, 12. August 2026

Wie in einem Science-Fiction-Film



 In diesem heißesten Sommer aller Zeiten-seit 2003 -komme ich mir manchmal wirklich vor wie in einem Film. Sehe Dinge, die ich nie zuvor gesehen habe. Kürzlich fuhr ich über den Berg Richtung Haiterbach, da verschwanden andere Autos vor mir in einer riesigen grauen Wolke. Ein Bauer fuhr gerade übers Feld und zog den unendlich langen, wirbelnden Leib eines Staubdrachens hinter sich her. Es gibt keinerlei Möglichkeit sich abzukühlen, außer drinnen bleiben und die Rollos runterlassen. Der unerträglichen Hitze ist kaum zu entkommen. Im Freibad habe ich es einmal versucht, da war das Wasser fast so warm wie die Außenwelt. Fürs Wochenende sind jetzt endlich, endlich Gewitter angesagt! Die Sonnenfinsternis heute Abend, dazu die Sternschnuppen in der Nacht, lenken viele von den Problemen der Welt ab. Ich habe die Sonnenfinsternis 1999 erlebt, da schrie ein Vogel angstvoll auf, als es plötzlich dunkel wurde. Mein damaliger Chef und Kollege hatte an den Tod gedacht. Ich habe aber keine Brille gekauft und werde auch nicht mit vielen irgendwo stehen und zum Himmel staunen.





Neben den globalen Katastrophen, Kriegen, Feuersbrünsten und Erdbeben gibt es ja auch etwas Neues aus der Welt der KI. Bei einem Versuch von Meta machte sich die KI selbstständig und hackte sich in einen fremden Computer ein. Ein Sprecher von OpenAI meinte, sie hätten die Kontrolle über die KI verloren. Mir fallen da ein paar Sience-Fiction-Filme ein, ich glaube, in einem wollte die KI die Welt retten, indem sie die Menschen tötete. Wie schön und still musste diese Welt einmal durchs Weltall gekreist sein, bis der Mensch sie betrat. Hier noch ein Link zu den "20 besten KI-Filmen aller Zeiten."Die 20 besten KI-Filme aller Zeiten 


Das war Ende Juli auf der Kamelfarm Rotfelden, wo meine Vermieter ihre Geburtstage feierten.

Samstag, 20. Juni 2026

Dieser Sommer ist einer der heißesten ...,


 ...die ich je erlebt habe! Ich erinnere mich an den von 2003, statistisch der heißeste seit dem Jahr 2000. Ich werde nie vergessen, wie der Asphalt auf den Straßen Blasen warf, Brombeeren an ihren Büschen vertrockneten, und abends schlichen wir hundert Meter auf der Höhe herum. Und da die Freibäder und Seen überfüllt waren, verbrachte ich die Wochenenden an einem Pool der Kleinen Lauter, wo ich mich beim Lesen immer wieder abkühlen konnte. Die Jahre 2016, 2018 und 2019 waren auch sehr heiß. Die Hinweise, die Prophezeiungen aus den beiden Büchern, die ich kürzlich gelesen habe, scheinen sich zunehmend zu bewahrheiten. Dabei denke ich immer wieder an meine Kindheit, z.B. mit neun Jahren, als wir in den Ferien sechs Wochen lang Tag für Tag bei herrlichstem Sonnenschein in der Niehuser Gegend barfuß herumliefen, im See badeten, Blutegel in der Krusau entdeckten, wilde Birnen pflückten, auf der Waldwiese Familie spielten und uns Blätterhöhlen im Wald
 errichteten. Ich bin froh, dass ich die gute Zeit noch erleben konnte und hoffe, dass es der Welt noch irgendwie gelingt, das Ruder herumzureißen.

Sonntag, 27. Juli 2025

Starkregenereignis in Reutlingen

 Gestern machten wir uns mal wieder in eine unserer Lieblingsstädte auf: In die alte Reichsstadt Reutlingen. Sie ist neben Stuttgart und Baden-Baden die Stadt mit den meisten Millionären Baden-Württembergs, aber auch eine mit sehr viel alter, liebenswürdiger Bausubstanz. Vor Herrenberg wollten wir schon umkehren, weil es an die Autoscheibe tropfte und sich Richtung Tübingen drohende Wolkengebirge zusammengeballt hatten. Nein, wir wollten es versuchen, besser unterwegs sein als zu Hause auf dem Sofa zu versacken. Tübingen hat einen neuen, millionenschweren Fahrradweg mit Brücke, alles blau angemalt, aber heute hatte es auch die Radfahrer vertrieben, die es einem als Autofahrer immer schwerer machen, irgendwo in den Gassen durchzukommen. Ist alles klimabedingt, das wissen wir, aber das Verkehrsproblem hat Tübingen dadurch nicht gelöst. Vom Tunnel bis zur Blauen Brücke stauten sich die Autos, wechselten hektisch die Spuren und versuchten offensichtlich, Richtung Nürtingen-Stuttgart zu entkommen. So war die Schnellstraße nach Reutlingen dann auch bald wieder frei. Doch was zunächst über der Schwäbischen Alb hell geleuchtet hatte, war verschwunden, und tiefste Schwärze raste auf uns zu, entlud sich erst allmählich, dann immer heftiger. Schließlich prasselte ein derartiger Starkregen auf uns nieder, dass wir die Straße nicht mehr erkennen konnten und ich zunehmend fürchtete, mitsamt dem Auto fortgespült zu werden-wie damals in der Unterführung in Stuttgart, wo mehrere Menschen starben. Mit letzter Anstrengung erreichte wir eine Tankstelle, wo schon andere Verkehrsteilnehmer angstvoll harrten, ein Mädchen mit einem Fahrrad meinte, sie müsste abgeholt werden. Mindestens zwanzig Minuten hämmerte es aufs Dach, dann konnten wir allmählich weiterfahren und landeten erstmal in Pfullingen, wo der Regen nachließ und wir neben einem Italiener parken konnten. Oh  Wunder, die Sonne kam heraus, und wir ließen uns von den lieben Menschen Kuchen, Eis und Kaffee bringen.


Über die Alb zurückzufahren machte keinen Sinn, also kehrten wir noch einmal nach Reutlingen zurück und fanden tatsächlich einen Parkplatz. Die Stadt war leerer als sonst, alles war wohl gerannt und geflüchtet, und so konnten wir so richtig lustwandeln wie früher. Beim Osiander hat sich nicht viel verändert, es gibt immer noch sehr viele Nippes, Romance und wenig Regionales. In solchen Momenten verstehe ich immer mehr, warum die Verlage mein neues Buch nicht veröffentlichen: Regional, historischer Krimi, gibt es da einfach nicht. Ich fuhr nach oben und kaufte mir eine Karte von der Alb für meine Recherchen, beim Butler eine schone graue Vase. Und so aßen wir wie ehedem auf dem Reutlinger Marktplatz, nicht mehr beim Alexandre, dem die neuen Cafés wohl den Rang abgelaufen haben. Die Leute scheinen hier offener und gelassener zu sein als bei uns im Schwarzwald, in der Großstadt kann man das Leben eben doch anders genießen als im kleinen Schwarzwaldstädtchen.

                            

Straße zum Marktplatz, rechts der Osiander

Das städtische Museum
Café am Marktplatz, der Red Bull steht als Zierde da


Marienkirche


Sonntag, 14. Mai 2023

Reisen macht glücklich

Heute kam der Beitrag aus einem Newsletter in mein Postfach: Reise mache zufriedener. Ich kann das voll und ganz bestätigen. Es geht ja nicht darum, ständig in Flugzeuge zu steigen und um die halbe Welt zu fliegen. Obwohl ich das in der Vergangenheit natürlich-wie so viele-getan habe. Es gibt nun mal Ziele, die mit der Bahn, dem Auto oder dem Schiff schwer zu erreichen sind. Ich erinnere mich an eine Bahnreise mit dem TGV in den 70er Jahren. Es ging über Paris nach Nordspanien, nach Fuenterrabia, wo wir einen wunderbaren Urlaub verbracht haben. Weiter nach San Sebastian an der schalenförmigen Bucht mit seinen Häuserschluchten, den langen Nächten und den delikaten Tapas, Muschel-und Fischgerichten. Die sollten mir dann auch zum Verhängnis werden. Erstmal fuhr der TGV vorzeitig vom Bahnhof ab, woraufhin ältere Leute dem Zug nachzulaufen begannen, weil ihre Ehepartner schon drin und sie selbst abgehängt waren. Die Bahn rauschte fast geräuschlos durch die Nacht, und ich saß die meiste Zeit auf der Toilette, weil irgendein Muschelgericht wohl nicht verträglich gewesen war. Wie schön das Ankommen ist, merkte ich dann am nächsten Abend in unserem Lieblingsgasthaus im Schwarzwald. Noch nie hatte eine Flädlesuppe so hervorragend geschmeckt! 

Mit dem Flugzeug ging es nach Athen und nach Saloniki, von dort per schaukelndem Schiff auf die Inseln. Das waren Septemberabenteuer! Ins damalige Jugoslawien, nach Neapel und mit dem Auto quer durch Frankreich bis in die Bretagne, wo wir die Nacht im Regen auf einem Festival durchtanzten. Paris, Prag, Budapest, Venedig. Nicht zu vergessen die Tramp-Tour durch Irland und vieles mehr. Später, in den 90er Jahren, Flugreisen mit meiner Schwester nach Mexiko und Venezuela. Viel Urwald und viel Strand, ein roter Mond und eine Kokosnuss, die uns fast erschlagen hätte. Kurz vor dem Millenium mit dem Auto in die Provence, nahe des Mont Ventoux, was ewig unvergessen bleiben wird, in Spaniens Norden und ans Mittelmeer. Dort endeten die weiten Reisen mehr oder weniger. Weiter oben im Gebirge waren kurz zuvor viele Touristen umgekommen, nachdem ein verheerender Regensturm den Campingplatz geflutet hatte. Auch auf unserem Zeltplatz in Coma Ruga (ADAC) brach nachts so ein Unwetter aus, so dass wir panisch aus dem Zelt flüchteten. Es ging dann noch glimpflich aus, so dass wir noch einige herrliche Tage mit Erkundungen, Schwimmen und einer Fiesta in Sitges verbringen konnten. Dann das Aus: Ein nächtlicher Überfall, Aufschlitzen des Zelts wahrscheinlich durch Kinder und Verlust von einigem Geld, andere Gäste waren ebenso betroffen. 

Es war wie ein Blick in die Zukunft: Klima-und Armutskrise warfen ihre Schatten voraus. Aber es ist ja nicht die Entfernung, die glücklich oder zufriedener macht. Das klingt in dem oben verlinkten Artikel an: Auch die Kurztrips in die Nähe, die kleinen Aus-Zeiten können den Blick auf die Welt verändern, weil man eben draußen ist und nicht im Alltagstrott. Wir haben Baden-Württemberg, Bayern und Franken erfahren und erwandert, kennen die Schwäbische Alb, den Schwarzwald und den Bodensee wie unsere Westentaschen. Bis der Verkehr alles erstickte, die Bahn immer unpünktlicher wurde und Corona kam. Und das Wetter immer extremer wurde. Wegfliegen ist keine Alternative. Manchmal reicht schon ein Spaziergang an einem Lieblingsplatz auf der Schwäbischen Alb: An der Salmendinger Kapelle oberhalb von Mössingen, zum Beispiel (Fotos) Das Reisen und Wandern hat mich einst zum Schreiben gebracht. Und die Lust daran erhalten. Wie schon erwähnt schreibe ich gerade an einem historischen Schwarzwaldroman mit Krimi-Inhalt, und es macht mir mehr Spaß als jemals zuvor. 

Mittwoch, 25. September 2019

Der Sommer war sehr groß



Pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang ist trübes, kälteres Wetter eingekehrt. Und es regnet, was für die ausgetrocknete Natur ein wahrer Segen ist. Es war ein großer, langer, heißer, schöner, unvergesslicher Sommer. Aber es war ein durch den Klimawandel unnatürlicher gewordener Sommer in Folge, und es musste jetzt eine Waldfläche dreimal so groß wie Berlin abgeholzt werden, wie ich gerade aus den Nachrichten erfuhr. Nicht nur die Natur und das Klima sind in äußerster Gefahr, auch kulturell verändert sich immer mehr zum Schlechteren. Die Klima-Anstrengungen haben sich durch die Fridays- for -Future-Bewegung, durch individuelle Ansätze und das Aufschrecken der Politik massiv vermehrt. Aber zu Recht fragte gestern ein Sprecher die Bundesministerin für Umwelt, ob das nicht alles schon seit dreißig Jahren bekannt ist und ob nicht ein globaler Schulterschluss unumgänglich sei, um überhaupt noch etwas auszurichten. Daraufhin gab es eine ausweichende Antwort, Deutschland gelte ja als Vorzeigenation, was die Klimapolitik betreffe. Ja, und Greta Thunberg wird für den alternativen Nobelpreis vorgeschlagen. Schon in den neunziger Jahren gingen Bilder um, die den weiträumig toten Harz (durch Borkenkäfer) zeigten.
                                                           
Ich persönlich sehe nicht viele Ergebnisse. In Berlin wurde ein Verbot der SUVs gefordert, bei Mac Donalds sei der Umsatz durch junge Leute zurückgegangen, man bringt dort jetzt älteren Menschen das Essen und die Getränke an den Tisch. Aber weiterhin wird unser Car-Sharing-Auto, das wir auf dem Land dringend benötigen, massiv von großen Autos bedrängt, weiterhin werden ländliche Gebiete in Industriezonen umgewandelt, werden in jedem Kuhdorf unzählige neue Eierkistenhäuser gebaut, statt den Immobilien-Preistreibern das Handwerk zu legen. Der Lastwagenverkehr nimmt zu statt ab (die Rufe: "Güter auf die Schiene!" von vor dreißig Jahren sind klanglos verhallt), es wird geflogen und es werden Kreuzfahrten gemacht, dass es kracht. An schönen Tagen ist der klare Himmel oft durch Kondensstreifen "bewölkt".

Und wie sieht es bei mir persönlich aus - seit dem letzten Eintrag im Juli? Seit fast einem halben Jahr erhole ich mich von den Freuden und Leiden des jahrzehntelangen Schreibens. Dieser Blogbeitrag soll ein kleiner Wiedereinstieg sein, worauf anderes folgen könnte. Ich habe Ideen für einen dritten und letzten Schwarzwaldkrimi, evtl. auch für die schwäbische Alb oder die Ostsee.


Zum Schluss noch eins meiner liebsten Herbstgedichte von Friedrich Hebbel /1813-1863).


∼ Herbstbild ∼
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.
Friedrich Hebbel


Sonntag, 28. Juli 2019

Hitze und faule Tage

Bei der Wallfahrtskirche Birnau
Die Zeit der großen Hitze ist nun erstmal vorbei. Der Höchstwert an Glutofen, der bei uns hier im Schwarzwald gemessen wurde, betrug 38,5 Grad. So viel hatten wir, glaube ich, selbst im Jahr 2003 nicht gehabt. Und im Rheintal ging es über die 40° hinaus. Wie haben wir das überstanden? Ich selbst war abends mal im Freibad oder einen Nachmittag am See, habe Eis und Salat und überhaupt wenig gegessen und viel Sprudel getrunken. Meine Wohnung war schön kühl, da ein Riesenwalnussbaum , Büsche und Oleander im Garten stehen. Ich hoffe, dass sie im Zuge der Erderwärmung auch dort stehen bleiben.

Aber es geht auch noch ganz anders. Da wir alle Regionen Baden-Württembergs und auch andere Bundesländer sehr gut kennen, sind wir jetzt mal andersrum vorgegangen. An einem Tag fuhren wir zur Bärenhöhle auf der schwäbischen Alb, einem Touristenzentrum, das wir zwanzig Jahre lang gemieden hatten wie der Teufel das Weihwasser. Dort saß niemand in dem wunderschönen neuen Biergarten, weil es auch dort noch 30° heiß war. Das beste Getränk gegen die Hitze war eine Holunderschorle mit Eis, Minze und Gurkenraspeln. Schmeckte wie ein Gazpacho (kalte Gemüsesuppe) in Barcelona!
https://www.ausflugslokal-baerentatze.de/



Holunderschorle in Frankfurt-Höchst 2017


Der zweite Moment, der an unbeschwerte frühere Tage erinnerte, ergab sich gestern Abend. Seit dem Nachmittag hatten sich schwere schwarze Wolken aus dem Westen zusammengebraut, zuvor hatte es schon letzte Nacht gewittert und geregnet. Gott seis gelobt und getrommelt! Wir tranken gerade noch eine Cola draußen bei einer Tankstelle, als es losging. Erstmal begann es heftig und heftiger zu schütten. Früher kamen immer Sturmböen, Blitz und Donner zuerst, dann der Regen. Die Blitze zuckten jetzt quer über den Himmel, und wir saßen da wie unter einem Zelt wie früher auf dem Balkon in Iselshausen. Ein gewaltiges Schauspiel- besser als jedes Fernseh- oder Computerprogramm. Auf dem Weg nach Hause wurde fast das Auto weggeschwemmt! Heute bin ich zu Hause und schnaufe richtig durch. Volles Programm, Blogbeitrag, Sofa, ein bisschen Tour de France. Vielleicht fange ich auch erstmalig seit dreieinhalb Monaten wieder an zu schreiben.


Früher habe ich meinen Klienten und Klientinnen oft gesagt, sie sollten sich mal daran erinnern, was sie früher gern getan haben. Hobbies, Outdoor-Aktivitäten, Lieblingsbeschäftigen wie Lesen, Malen Wandern, Schreiben. Dazu kann ich nur jedem raten. In der heutigen fast desorientierten, niedergewirtschafteten Welt und den trüben Zukunftsaussichten ist es -neben dem Kampf gegen diese Zerstörung - wichtiger denn je, auch für sich selbst Nischen zu finden.

Anbei noch ein paar Fotos aus der "heißen Zeit":
Hier um die Ecke

Der Bodensee zwischen Überlingen und Lindau


Ein großer Perlmuttfalter (dem Kaisermantel ähnlich)

Sonntag, 19. Mai 2019

Dein ökologischer Fußbdruck



Heuhütten in einem abgelegenen Schwarzwaldtal
Vor einiger Zeit bekam ich Besuch von einer sehr netten Freiburger Studentin. Normalerweise  verhandle ich keine Angelegenheiten an der Haustür, aber sie kam, um für den Beitritt im B.U.N.D zu werben. Und sie erwies sich auch als absolut fachkundig, selbst, was Adressen für den Kauf von Kleidung betraf, die nicht in Bangladesch oder einem ähnlichen Land hergestellt wird. Ich unterschrieb also den Beitrittsvertrag und bekam gestern die erste Ausgabe des B.U.N.D-Magazins. Da waren die Stellungnahmen der Parteien zu den großen Themen wie Klimaschutz bei der Europawahl aufgeführt. Es gab eigentlich keine Partei, der ich da eine große Kompetenz zutrauen würde, am ehesten noch den Linken, ein wenig den Grünen und der SPD. Die Frage der Landschaftszersiedelung und der Bodenversiegelung durch immer neuen Straßen- und Häuserbau tauchte eigentlich nirgendwo auf. Und doch ist dieser menschengemachte Flächenverbrauch -neben vielen anderen Kriterien -mitverantwortlich für das Artensterben und auch für den Klimawandel. Der langen Rede kurzer Sinn: Auch wenn die Europawahl früher mehr oder weniger an mir vorbeiging, halte ich sie diesmal für sehr wichtig, auch wegen der sozialen Gerechtigkeit und der Ausbreitung des Rechtspopulismus. Und habe die Briefwahlunterlagen bestellt, weil ich noch nicht weiß, ob ich am 26. Mai da sein werde. Eines ist auf jeden Fall klar: Die gegenwärtige Nässe- und Gewitterperiode ist genauso wenig "normal" wie die vorhergehende und sicher folgende Dürreperiode, so sehr die AfD das auch klein zu sülzen versucht.

Im Zuge dieser Überlegungen bin ich auf einen Test gestoßen, mit dem man seinen ökologischen Fußabdruck messen kann. Das heißt, inwieweit man mit seinem Konsumverhalten selbst zum Klimawandel beiträgt. Ich teile mir mein Auto voll und ganz mit jemandem, der 8 Km entfernt wohnt, ich verursache nicht viel Müll, den ich recyceln lassen, esse weniger tierische Produkte als früher, bin in den letzten zehn Jahren nur einmal geflogen und habe in meinem Garten Blumen wie Lavendel, Rosmarin, Primeln, Traubenhyazinthen u.a., die den Bienen als Futter dienen. Ein Fahrrad kann ich leider nicht unterbringen, aber lange Strecken in Deutschland fahre ich mit der Bahn. Alte Geräte und Möbel werden erst ausgetauscht, wenn sie kaputt sind. Trotzdem ist mein ökologischer Fußabdruck so groß, dass, wenn jeder so handelt,  man 2,6 Erden benötigen würde, um die kollektiven Bedürfnisse zu erfüllen. Mach diesen Test mal,/ machen Sie diesen Test einmal (alle Sprachen), und sie werden staunen, was das Konsumverhalten des Einzelnen für eine Auswirkung auf das Ganze hat.

https://www.fussabdruck.de/fussabdrucktest/#/start/index/

Weitere, ergänzende Tests:
https://bit.ly/2EjbU36

https://www.atmosfair.de/de/

Samstag, 26. Januar 2019

Wintertal

Da hilft alles Jammern und Klagen nichts: Die Sommer sind nicht mehr, was sie mal waren, die Winter sind feucht, ekelhaft nass, kalt und drückend grau, Frühling und Herbst gibt es in dieser Form nicht mehr. Das sagte uns schon vor fast zwanzig Jahren eine Signora oberhalb des Gardasees, bei der wir eine traumhafte Wohnung mit Oleanderterrasse und Blick auf das blauglitzernde Wasser gemietet hatten. Die kleinen Paradiese sind längst verschwunden wie zum Beispiel Kochel am See. Der war noch schöner als der Gardasee, man konnte auf einem Felsenweg und durch Moore wandern, barocke Prachtkirchen und fromme Klöster besuchen, in den Klöstergärten Schweinebraten essen und abends vor der Kneipe sitzen und Bauern auf ihren Treckern vorbeituckern sehen-mit wehendem Gamsbart auf dem Filzhut. Wenn es einmal regnete oder ein Gewitter gab, saß man auf dem Balkon und schmökerte die halbe Nacht. Das ist jetzt auch vorbei, denn kürzlich las ich in der Zeitung: Deutschland ist inzwischen nach Spanien das beliebteste Urlaubsland, in Kochel am See stehen sie Stoßstange an Stoßstange.

Wie gesagt, es hilft nichts, wir haben den Klimawandel mit aller Schuld und allen Folgen für alle. Die Braunkohleausstiegsverhandlungen, ob 2030 oder jetzt, sind nur ein Pflästerchen für das, was ich schon in den 80er, 90er Jahren las: Es ist für alles fast schon zu spät. Auch damals gab es schon Klimaschutzkonferenzen, wenn ich mich recht entsinne. Und zum Glück waren die letzten Paradiese da noch nicht entdeckt.

Da sitze ich nun und schaue hinaus in den grauen, trüben, kalten Tag. Mache einen Test, aber ich habe keine Winterdepression. Mir geht es immer so in dieser Jahreszeit. So dunkel es draußen ist, so dunkel wird es drinnen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Und es ist Jammern auf sehr hohem Niveau, denn andere Leute haben kaum das Geld für die dringendst benötigten Dinge. Ich langweile mich nur in diesem Wintertal, denn meinen neuen Roman habe ich vor zwei Tagen an die Lektorin geschickt - und jetzt habe ich einfach nichts mehr zu tun. Es ist so langweilig, als Rentnerin im Winter nichts zu tun zu haben.

Während ich dies schreibe, hat sich draußen vorsichtig der Himmel aufgezogen. Ein paar hellblaue Flecken und ein Schimmer von Sonnenlicht brechen durch. Zeit, doch mal wieder rauszugehen.

Sonntag, 24. Dezember 2017

Weihnachtswünsche

So schneereich war es im letzten Winter hier am Rande des Schwarzwaldes, das war Mitte, Ende Januar. Da drängelten sich die Leute auf den Wegen, manche saßen auf Bänken und blinzelten der Sonne entgegen, als wären sie auf Sylt oder in Sankt. Moritz. Weiße Weihnachten hatten wir zuletzt im Jahr 2010, davor 1983. Das sind siebenundzwanzig Jahre, die dazwischen lagen! Ja, die weiße Weihnacht ist endgültig zum Relikt aus der Kindheit geworden. So ganz ohne Rituale geht es dennoch auch bei uns nicht, wir haben Weihnachten noch nicht abgeschafft. Ein paar Edeltannenzweige und Kerzen, das Umherschweifen in der beginnenden Dämmerung durch Dörfer, wenn "Markt und Straßen verlassen stehn", vielleicht ein Fackelfeuer im Nachbardorf und die Turmbläser von der Herrenberger Stiftskirche, die traditionelle Fondue und zwei ganz offene, freie Tage. Und die Raunächte mit ihrem Gespenstertreiben. Im letzten Jahr saßen wir im Sonnenschein mit Cappuccino in Bad Wildbad. Ein Treffen mit den Söhnen steht danach aus. Ich wünsche allen meinen Lesern, Leserinnen und zufällig Vorbeikommenden ein entspanntes Weihnachtsfest,  so, wie sie es sich vorgestellt haben!