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Montag, 11. Dezember 2017

Was brauchen wir wirklich?

Wir befinden uns wieder in der Vorweihnachtszeit, und ich muss sicher nicht mehr darauf hinzuweisen, dass sagen wir mal neunzig Prozent vom dem Klamauk überflüssig ist. Was brauchen wir wirklich an Weihnachten? Eigentlich nicht mehr als das, was wir Älteren als Kinder kannten: Brennende Kerzen, einen Tannenbaum, Sterne, Lametta, einen Korb mit Orangen und Süßigkeiten, Schnee und ein festliches Essen. Naja, Geschenke natürlich auch. Und die Familie. Die ersten Weihnachtsmärkte, die ich erlebte, waren klein, glänzend und duftig, wie zum Beispiel der in Wildberg hier um die Ecke - vor etwa zwanzig Jahren. Die Leute hatten ihre Garagen geöffnet, es lag Selbstgemachtes zum Verkauf aus, und zum Essen gab es echte Thüringer Bratwürste. Seitdem hat es sich immer mehr kommerzialisiert, und wir gehen nur noch selten auf einen dieser Märkte. Zum Beispiel erlebten wir am vergangenen Wochenende in Horb eine herbe Enttäuschung. Der Markt war von der pittoresken oberen Altstadt an den Platz am Fluss verlegt worden, es wehte ein eisig kalter Wind, so dass einem die Lust auf Würste oder Kartoffelchips am Spieß verging. Mittendrin stand ein Zelt mit einer Falknerei, ein Stück weiter dröhnte Popmusik von einer Bühne, auf der verkleidete Mädchen herumtanzten. Wir waren schnell durch, und es war klar, dass uns auf allen Märkten das Gleiche erwarten würde. Später las ich in der Zeitung, dass die Betreiber der kleinen Stände mit dem Honig oder den Wachskerzen nicht mehr kommen würden, weil sich wegen der Vogelschau alles um diesen Stand gedrängt hätte und keiner mehr zu ihnen durchkam.

Was wir wirklich brauchen, habe ich am vergangenen Wochenende erlebt. Die Heizung ist zweieinhalb Tage lang ausgefallen, die Vermieter waren verreist. Nachdem ich endlich jemanden auf dem Handy erreicht hatte, kam am Sonntag notfallmäßig der Monteur. bis dahin hatte ich in der Wohnung jede Wärmequelle aufgesucht, die verfügbar war. Den kleinen Radiator, einen Sonnenstrahl ab und zu. Beim Kochen schaltete ich jede Herdplatte an, um Kartoffeln, Gemüse und anderes zuzubereiten und die Abwärme zu genießen. Die Eisfüße steckte ich ab und zu in eine Schüssel mit heißem Wasser. Am Nachmittag fegte ein mittlerer Schneesturm über das Land hinweg, auf den Straßen war Panik ausgebrochen, überall blinkten Lichter, eine Weltuntergangstimmung. Der Monteur erzählte, dass es auf dem Kniebis (in 1000 Metern Höhe) schon wieder regne. Er schaufelte Asche aus der Heizung, aber sie blieb weiterhin die ganze Nacht kalt. Ich konnte an nichts anderes mehr als an Wärme denken. Wie haben es die Steinzeitmenschen bloß ausgehalten? Es war ja sicher nicht für jeden eine Höhle da mit einem Feuer und Felswänden zum Bemalen. Wenn das Klima zu rau wurde, sind sie in den Süden gezogen. Und es ist noch nicht vorbei: Bevor jetzt die Wohnung überhaupt wieder aufgewärmt ist, geht die Heizung schon wieder aus. Das sind die Nachteile der Computerheizungen, bei meinem Ölofen konnte ich früher alles selber regulieren.

Ein anderes Thema ist das Einkaufen (Grundbedürfnis: Essen und Trinken). Heute las ich in der Zeitung, dass die Deutschen wieder mehr in Einzelhandelsgeschäften kaufen sollten. Durch das Internet-Bestellgeschäft würden diesen ihre Grundlagen entzogen. Alle Welt kauft im Internet, und wie ich bei einer Fernsehsendung ("Amazon-gnadenlos erfolgreich") mitbekam, sind es allein 44 Millionen, die bei dort Waren, nicht nur Bücher, bestellen. Die übrigen 44 Millionen drängen sich in den Discountern und Supermärkten. Und alle haben ihren Dreck am Stecken, behandeln ihre Mitarbeiter unwürdig und schlampen zunehmend bei der Qualität. Wenn ich ein Buch brauche, gehe ich in die Buchhandlung. Oder ich lade mir ein E-Book meiner Wahl auf meinen Reader. Ja, ich kaufe auch gern beim Aldi, da ist es angenehm, das Gemüse ist frisch, und es gibt immer ein Thema wie Spanien, Griechenland, Frankreich usw. An der Kasse geht es zügig voran. Trotzdem gab es auch da schon Schlagzeiten wegen der Mitarbeiter. Dass es auch anders geht, hat Tim Mälzer heute Abend gezeigt: Eine Familie kam eine Woche lang mit 150 Euro für fünf Personen aus, und zwar mit Bio-Lebensmitteln. Einzig deswegen, weil sie nicht die genormten teuren Waren, sondern die mit kleinen Macken gekauft und alles wiederverwendet hatten. Ich werde mein Konsumverhalten daraufhin mal wieder überdenken. Es muss ja nicht gleich die Kiste Apfelsinen direkt vom spanischen Bauern sein, so viel könnte ich niemals verbrauchen. Aber ich weiß jetzt, dass ich viel weniger kaufen muss, um das zu bekommen,was ich wirklich brauche: Gut schmeckende Lebensmittel.

Der dritte, persönlichere Punkt ist die Aufmerksamkeit und die Anerkennung von anderen, die jeder von uns benötigt (wenn das Wichtigste, nämlich die Lebensgrundlage, gesichert ist.) Ich merke, dass dieser Hunger nach Anerkennung bei mir weniger geworden ist. Meine berufliche Zeit habe ich erfüllt, ab und zu schreibe ich noch einen Zeitungsartikel für meinen Verein. Kürzlich traf ich eine ehemalige Klientin, die mich gleich umarmte, was während des Dienstes verpönt war. Ich habe drei Verlage wegen meines Romans über den dreißigjährigen Krieg angeschrieben (Backlist), ein kleiner, feiner E-Book-Verlag hat sich schnell gemeldet und die Exposés dieses und drei anderer Romane angefordert. Ich warte eigentlich gar nicht so richtig auf Antwort, wahrscheinlich kommt erst im neuen Jahr etwas, wenn überhaupt. Und ich freue mich über Rankings meines E-Book- Bundles vom Verlag, ohne davon viel zu erwarten. Im Moment glaube ich, dass sich mein Bedürfnis nach Anerkennung im Moment tatsächlich erfüllt hat, selbst bei Facebook und Twitter schaue ich nur noch ab und zu rein. Ich bewundere diejenigen, die sich da reinhängen, um am Zustand der Welt ein bisschen was zu ändern, aber das Gros sind doch diejenigen, die sich selbst beweihräuchern und Punkte sammeln. Wichtiger ist für mich jetzt, die Bude warm zu haben und mir zu überlegen, wie ich mir mein Leben in dieser durcheinandergequirlten Welt für mich und andere einrichten kann.

Samstag, 30. Januar 2016

Autor und Leser - eine Kommunikation

Unlängst sah ich zufällig einen Beitrag im Fernsehen, auf einem dieser Info - und Kulturkanäle. Da hatten sie in Südamerika unter anderem Tontöpfe mit keltischen Mustern, Figuren, Inschriften und Steinschleudern gefunden, die denen aus dem europäischen Raum auffallend ähnelten. Nun, sie haben keinen Beweis dafür gefunden, dass Kelten und Phönizier schon lange vor Kolumbus nach Südamerika segelten. Mich interessierte an diesem Bericht etwas anderes. Die Höhlenmalereien von Lascaux und weitere Beispiele wie die Mammutelfenbeinfiguren aus dem Lonetal fielen mir ein. Wie kommt es, dass Menschen auch nach Hunderten oder Tausenden von Jahren Botschaften hinterlassen können, die von der Nachwelt "gelesen" werden? Es kommt daher, dass der Mensch schon immer in der Lage war, von sich selbst und seinem Leben zu abstrahieren und Kunst herzustellen. Es scheint eine Frage von Urheber und Rezipient zu sein. Ein Autor ist undenkbar ohne Leser, ein Leser undenkbar ohne Autor. Wenn man sich dazu die heutige Situation von Autoren anschaut, stellen sich viele Fragezeichen auf. Vieles von dem, was man gerade zu hören und zu lesen bekommt, könnte einem die Freude am Schreiben vermiesen. Die Klagen einer Self Publisherin liegen mir noch in den Ohren. Sie stellte fest, dass sie alle drei Monate ein neues Buch auf den Markt bringen müsste, um mit dem Tempo des Marktes mitzukommen. Am Anfang stehe immer die Kurve, die vielleicht in 1-3 Tagen hoch sei und dann unweigerlich nach unten gehe. Ähnlich ist es auch mit den Verlagsbüchern im Buchhandel. Was sich nicht innerhalb eines Monats verkauft, wandert schon bald ins moderne Antiquariat. Die Kurve nimmt keine Rücksicht auf dich. Aber irgendetwas stimmt doch dabei nicht. Wer hat da was wann falsch gemacht? Die Verlage, die Autoren, die Leser, die Erfinder von immer neuen Techniken, die Buchhandlungen, die Agenten, die Online-Riesen, die Vertreter, das Feuilleton? Die Antwort, die ich mir gebe, ist folgende: Sie sind alle gleichermaßen beteiligt, weil sich (fast) alle der Entwicklung angepasst haben. Bei Denis Scheck, so wurde mir erzählt, trat kürzlich ein Autor auf, der alles noch mit der Hand schreibt und eine Wohnung voller gedruckter Bücher hat. Bie den meisten jedoch dreht sich alles, nicht nur bei Büchern, nur noch um "billig", ich nehme uns da gar nicht aus. Und bei dem Versuch aller, sich den billigsten und gleichzeitig dicksten Teil des Kuchens aus der Torte zu reißen, kann es einzig und allein darum gehen, die Gewinne daraus gerecht zu verteilen.

Gestern, an einem Frühlingstag mit wolkenlosem Himmel, hatten wir ein Aha-Erlebnis. Nach einem Spaziergang am Rand der Alb landeten wir wie schon so oft in einer unserer Lieblingsstädte, in Reutlingen. Wie immer, statteten wir auch der Buchhandlung Osiander einen Besuch ab. Ja, es ist inzwischen ein Genuss für mich, zwischen den Räucherstäbchen und Tassen auch Sessel mit lesenden Menschen zu sehen. Dabei wird es immer schwieriger für mich, in den Tausenden von gleichfarbigen Büchern etwas Ansprechendes zu finden. Meistens lande ich bei Reiseberichten und regionalen Reisebüchern. Bevor es losgehen konnte, fuhren wir mit dem Aufzug nach oben, um gewisse Örtlickkeiten aufzusuchen. Dort landeten wir aber nicht, sondern in einem Stockwerk, das wir noch nie zuvor gesehen hatten. Da lagen Tausende von Büchern in Sammelkästen, der buchhandlungseigene Flohmarkt, auf dem man Bücher zwischen ein und 10 Euro erstehen konnte. Und was habe ich dort gefunden? Alles, was ich unten schon lange nicht mehr finde. Ich fand einen Baden-Baden-Krimi von Rita Hampp, der mir sehr gut gefällt, weil ich auch was von der Umgebung und der Stadt sehe, zwei Bücher von Wulf Dorn, dessen Kommen und Gehen ich überhaupt nicht mehr mitbekommen hatte, einen Thriller des Pompeji-Autors Robert Harris sowie einen historischen Krimi von Petra Ölker. Nachdem ich vor lauter Leseverzweiflung schon auf literarische Texte aus dem 19. Jahrhundert umgeschwenkt war, bedeutet das für mich einen inneren Vorbeimarsch.

Hier noch ein leidenschaftliches Plädoyer für uns Autoren von Nina George: Schatz, wir müssen reden.

Sonntag, 16. August 2015

Der Flatrate-Autor

Mit einem Paukenschlag ist der Glutofensommer nun zu Ende gegangen. Zeit, um durchzuatmen und sich wieder auf alles zu besinnen, was vorher da gewesen war. In den letzten Tagen haben wir unseren traditionellen Zug durch die Buchhandlungen wieder aufgenommen. Ach was, Buchhandlungen, dazu zählen ja auch Antiquariate und die so genannten Bücherbäume. Bücherbäume sind das, was im Internet "Tausch-Gnom", "Tausch-Ticket" und so weiter genannt wird. In Städten wie Rottenburg, Bräunlingen, Obersontheim und Reutlingen gibt es Bücherregale, -stände und -bäume, in die man seine gebrauchten Bücher stellen und wieder welche mitnehmen kann Auch wenn da viel Verstaubtes von teils schon verstorbenen Unterhatungsliteraten steht, kann man doch immer mal wieder eine kleine Perle entdecken. Und ab und zu stelle ich dort eins meiner Autorenexemplare ein, zwecks diskreter Werbung. In den Buchhandlungen und sogar in den größeren Supermärkten nun ist mir aufgefallen, dass es dort inzwischen, wie bei Amazon, eine Flatrate zu geben scheint. Bücher, vor allem Hardcover, werden von 12,99 auf 3,99 Euro runtergesetzt. Bei Osiander in Reutlingen gibt es eine Riesenfläche, auf der Suhrkamp-Titel für einen Euro angeboten werden. In dem Zusammenhang muss ich noch sagen, dass die nächste kleinere unabhängige Buchhandlung in meiner Nähe vor allem Papierwaren verkauft und die Buchtitel relativ ungeordnet sind. Manchmal stoßen wir während unserer Touren noch auf diese kleinen, schönen Läden, zuletzt in Ehingen an der Donau. Die Buchhänderin erinnerte sich sogar an meinen letzten Aufbau-Roman.

Wenn ich also das nächste Mal wieder in einem Verlag veröffentlichen würde, hätte ich auf jeden Fall die Chance, nach ein paar Monaten oder Jahren unter diese Flatrate zu fallen, wie auch bei der Verramschung. *Edit: Das ist natürlich keine Flatrate, sondern ein Preisrabatt, wenn der Ladenpreis aufgehoben wurde. Nur habe ich nichts davon, denn selbst wenn ich vertraglich daran beteiligt würde, übersteigen die Verwaltungskosten meist das Resultat. Nicht so bei Amazon, sollte man denken. Seit Einführung der Flatrate im letzten Oktober sind die Einnahmen der Self Publisher kontinuierlich gesunken, bei mir seit Januar. Auch der, der nicht aufs Geld schauen will oder muss, ist darauf angewiesen, zumal er die Investitionskosten für das E-Book wieder reinkriegen muss. Jetzt ist die mit großer Spannung erwartete Juli-Abrechnung von Amazon gekommen. Die große Frage war für alle, mit wieviel Prozent aus dem Millionentopf die Autoren pro gelesener Seite vergütet werden. Es sind 0,06%. Und da kommt dann bei mehr als 10 000 gelesenen Seiten soviel raus wie vorher, also im Jahr 2015, für die Verkäufe. Gerecht, weil jetzt die Autoren mit mehr Seitenumfang mehr bekommen als die mit Kurzgeschichten? Gerecht, weil die lektorierten, korrektorierten, mit einem professionellen Cover versehenen und "spannenden" Bücher weniger verkauft, dafür mehr ausgeliehen und gelesen werden? Die meisten Verlage und deren Autoren haben sich bisher gegen das Flatratemodell gesperrt. Bei den Printbüchern kann man ja auch gar nicht erfassen, wieviele Seiten der Leser liest. Ob jemand, außer in einem Science-Fiction-Roman, wohl jemals daran gedacht hat, das Leserverhalten "auszuspähen"? Ich selbst lese übrigens immer noch am liebsten gedruckte Bücher, und wie ich hörte, soll es den meisten anderen Lesern auch so gehen. Mein persönliches Fazit aus der Situation ist folgendes: Ich werde meine drei E-Books weiter in diesem Programm laufen lassen und die wenn auch gesunkenen Tantiemen mitnehmen. Aber es hat sich definitiv etwas verschlechtert: Vor einem Jahr hatte ich die Kosten für das Buch in sechs Wochen wieder drin, diesmal wird es vorraussichtlich 8-9 Monate dauern, weil vierfache Kosten dazugekommen sind. Und wer weiß, wie schnell der Topf immer kleiner wird, weil immer mehr Autoren auf den Markt wollen! Für mich persönlich ist auch die Frage der Sichtbarkeit existentiell. So wie die Bücher in den Buchhandlungen gesehen werden müssen, um gekauft zu werden, müssen die Amazon-Kunden das Buch ebenfalls im Shop sehen, um es zu kaufen oder auszuleihen. Mit den Verkäufen war die Sichtbarkeit immer wieder gegeben, mit den Ausleihen kaum noch. Selbst wenn mir der Support versicherte, auch die gelesenen Seiten hätten einen Einfuss auf das Ranking. Für andere mag dieses Modell noch seinen Reiz haben, bei mir war es jetzt mit dem dritten Buch ein Auslaufmodell.

Sonntag, 15. Februar 2015

Wertschätzung des Autors

Ja, ich gebe es zu: Jedes Mal, wenn ich meine Verkaufsberichte bei Amazon abrufe und sehe, dass der rote Strich nach oben gegangen ist, habe ich so ein warmes Gefühl im Bauch. Beim blauen ist dieses Gefühl nicht ganz so warm. Gott sei Dank oder dem Leser sei Dank haben sich die roten Striche jetzt wieder  vermehrt, die blauen sind eingeschmolzen. Vielleicht haben die Leser gemerkt, dass sie gar nicht so schnell lesen können, wie die Ausleihmodalitäten bei Kindle Unlimited es vorschreiben. Bin ich nun eine Autorin, die es nur auf Verkäufe und auf Verdienst abgesehen hat? Nein, und nochmal nein, da müssen wir schon tiefer hinter die Kulissen der Akteure schauen. Und es wird dann auch ganz schön vertrackt. Ich empfinde diese Käufe der Leser als Wertschätzung. Der Wunsch danach ist eine ganz alte und starke Motivation eines jeden Menschen und somit auch eines jeden Autors. Ich habe gestern, nach einem unerwartet schönen Tag mit Ausflügen, einmal in Autorenblogs herumgeschaut und ältere Beiträge von Kollegen und Kolleginnen gefunden, die mir zu denken gegeben haben. Da war die Rede von dem Capuccino und vielleicht noch einem Kuchenstückchen, das sich eine Autorin vom Verdienst eines Buches leisten konnte. Ein anderer beschrieb, wie er als A-Autor mit Hunderttausenden von Verkäufen den Bettel schmiss und seitdem zwischen Verlagen und Self Publishing hin und her pendelt. Bei Montsegur gab es gerade eine Diskussion zum Artikel "Schreiben ist ein Hobby der Reichen". Selbst absolute Bestsellerautoren fühlen sich in dem Karussel, in dem von allen Seiten am Verdienst genagt wird, nicht mehr wohl. Der Satz einer britischen Autorin spricht Bände:„In 2012, Susan Hill, author of The Woman in Black, told her Twitter followers that she was broke, in spite of the fact that the film of her book had earned £100 million worldwide.“

Dazu möchte ich mal eine eigene kleine Rechnung aufmachen. Nach Abzug aller Steuern und der Agenturgebühren bleiben mir von einem Taschenbuch, das 9,99,-E kostet, 0,20,-E pro Buch. Das wird dann alles mit dem Vorschuss verrechnet und man kommt selten in schwarze Zahlen. Gäbe es diesen Vorschuss nicht, würde ich mit 11 000 verkauften Büchern 2200 Euro verdienen.
Jetzt gucken wir uns mal die Variante des Self Publishings an. Neuerdings muss Amazon ja 19% Mehrwertsteuer abziehen. Wenn mein Buch 3,99,-E kostet, wären es 70% von 3,23,-E, sind 2,26. Davon noch mal 7%, die der Fiskus draufschlägt, machen immer noch 2,10,-E pro Buch. Würde ich das 11000mal verkaufen, hätte ich 23 100,-E in der Tasche. Bei 500 Stück wären es immerhin 1050,-E. Wenn ich den Preis anpasse und 4,49,-E für das Buch nehme, wären es 3,64 nach MWS, 70% sind 2,55 E. Minus 7% 2,37,-E. Endergebnis: 1.275 Euro bei 500 Verkäufen!
Wie würden Sie entscheiden, wenn Sie ein Buch geschrieben hätten?

Der Besuch in einer großen Traditionsbuchhandlung in Reutlingen gesetrn zeigte das ewig gleiche Bild, seit Jahren. Ein paar Büchertische, eine lange Krimiwand, drei Regale Historische (nanu, da waren doch vorher nur zwei gewesen?), allgemeine Romane, die Regionalecke und große Flächen mit Billigware. Dazwischen rosa und hellblauer Tand sowie Jungs mit Schwertern, die sich wie im Kino bekämpfen. Ein eigenes Buch gleich welcher Couleur wäre hier unauffindbar. Dagegen scheinen meine Bücher im Internet gefunden zu werden, auch wenn mir die Kanäle nicht immer so durchsichtig sind.

Ich gehe davon aus, dass wir Autoren wertgeschätzt werden wollen. Wir möchten Anerkennung für die Leistung bekommen, die wir erbracht haben, wie jeder andere Schaffende auch. Und wir möchten für diese Leistung bezahlt werden und nicht noch denen dankbar sein müssen, die meinen, das kostenlose Herunterladen und Lesen sei schon Wertschätzung genug. Da es keine anderen Wertschätzungen gibt zur Zeit und ich wieder mal auf eine Entscheidung warten muss, halte ich mich an die Leser, die mein Buch herunterladen und dafür einen mehr als fairen Preis zahlen.

Dienstag, 20. Januar 2015

Amazon, unser großer Buch-Discounter

Vorhin schalteten wir zufällig eine Doku über einen Discounter-Check im Zweiten ein. Wie gut sind unsere Lebensmittel? So etwas schaue ich mir liebend gern an, weil es immer was zum Lachen, zum Staunen und zum Lernen gibt. Sternekoch Nelson Müller hat jeweils im Supermarkt, im Fachhandel und in den Discountern wie Netto, Aldi, Lidl und Penni eingekauft, um die Lebensmittel zu checken und jeweils identische Menüs daraus zu bereiten. Wer die Sendung versäumt hat und sie sich gern noch einmal ansehen möchte, kann das mit dieser Aufzeichnung tun. Aldi, Lidl und Co. Es gibt bestimmte Dinge, die man im Discounter kaufen kann - wie Kaffee, Nudeln, Tiefkühlware. Die Finger lasse ich schon lange von Fertigprodukten, weil da getrickst und getäuscht wird, dass es kracht! (siehe die Scheibletten, die nur einen Rest an echtem Käse enthalten oder den Vanillepudding, wo alles drin ist, nur keine Vanille). Enthalten sollte man sich auch des frischen Fleisches, des Fischs und der Nudelkreationen aus den Kühltheken. Sie befanden sich beim Test zwar am Rand der Frische, fielen beim Essen jedoch stark ab im Geschmack. Ja, das weiß ich doch schon sehr lange, dass alles Abgepackte nicht schmeckt! Je weniger Zutaten auf der Liste, desto naturbelassener die Lebensmittel.

Später ging es dann um die faire Herstellung. Ein Landwirt erzählte, dass eines Tages Aldi an ihn herangetreten sei, damit er massenweise Eier für den Discounter produziert. Er hatte dann vergrößert und schuftete wie verrückt. Eines Tages kam Aldi daher und gab dreißig% weniger für die Eier. Seitdem schuftet der Landwirt weiter und weiter und wäre heute ruiniert, wenn er nicht wieder verkleinert hätte und heute an verschiedene kleinere Betriebe liefern würde.
"Erst hat er uns abhängig gemacht", erzählt der Landwirt, "um dann mit niedrigeren Preisen zuzuschlagen". Aha, dachte ich, auch wenn Amazon als Discounter Ware liefert, die dem der Buchläden in nichts nachsteht, entzieht er jetzt doch seinen Produzenten, den Autoren, einen Teil der Basis. Plötzlich ist eine Flatrate da, und wir bekommen nur noch den halben Preis für unsere Ware. Sollten wir nicht auch viele kleinere Händler beliefern, anstatt uns von einem Monopolisten mit riesiger Marktmacht abhängig zu machen? Ich habe doch sonst oft die Spürnase. Im Discounter habe ich schon echt gute Schnäppchen entdeckt, was mir in dieser Sendung bestätigt wurde: Das Schweizer Rösti von Aldi ist super, auch wenn es in Stuttgart oder Hamburg hergestellt wurde, die Spezialitäten aus den Ländern sind immer dann gut, wenn sie aus dem wirklichen Herkunftsland kommen-die griechischen weit besser als die Thai-Suppen und Eintöpfe, die den thailänischen Köchinnen nur ein Kichern abringen können. Und auch der alpenländische Schnaps sei nicht zu verachten. Zunehmend sehe ich auch Bücher in den Supermärkten und Discountern, meist superbillig. Discounter sind Flatratemaker, die immer billig suggerieren, obwohl wir das mit unseren Steuergeldern subventionieren. Amazon subventioniert mit den Tantiemen der Autoren. Mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen. Nur das Lektorat, das Korrektorat, das Marketing und das professionelle Cover hat es nicht mitgeliefert. Wenn ich doch diese Spürnase für gute Dinge habe: Warum finde ich diese vielen kleineren Abnehmer nicht für meine "Ware Buch", für die ich ebenso lange und sorgfältig gearbeitet habe wie viele der Lebensmittellieferanten?

Montag, 19. Januar 2015

Was auch in der Zeitung stehen könnte

Zur Zeit tue ich mich etwas schwer mit den Eintragungen in meinem Blog. Unser Motto war ja immer, nur das zu schreiben, was auch morgen in der Zeitung stehen könnte. Und in den meist virtuellen Zeitungen lese ich, es würden jetzt überall derart massive Bedrohungen angekündigt werden, dass man sich am besten in einem Blockhaus in Kanada verstecken sollte. Aber auch dort würde man sicher gefunden und ausgerottet werden. Todenhöfer hat einen IS-Anhänger interviewt. Aldi habe eine Seife, auf der eine Moschee abgdruckt war, aus dem Betrieb genommen, in Dresden wurde eine Veranstaltung der Pegida abgesagt. Das und noch viel mehr steht in den Zeitungen.

Und doch hat ein jeder nach wie vor sein Alltagsleben neben dieser Bedrohung. Mich beschäftigen auch noch ganz andere Dinge. Die Gestaltung der paar Monate, bis ich frei von Broterwerbsarbeit bin. Die Freude darauf und die Spannung, was sich wohl ändern wird. Ob ich dann wirklich mehr Zeit zum Schreiben habe? Die Entwicklung, die sich bei den Verlagen, aber auch bei Amazon abzeichnet. Die Hürden und Messlatten, um an die Verlage und Agenturen heranzukommen, werden immer höher und unüberwindlicher, die Wartezeiten immer länger, der Verkaufsdruck immer stärker. Bei Amazon sieht es so aus, als hätte ich gerade noch ein starkes halbes Jahr vom Kuchen abbekommen, den sich jetzt immer weniger Spitzenverdiener teilen. Und wer viel verkauft, wird fürstlich belohnt, hüben mit Boni, drüben mit neuen lukrativen Verträgen und gewaltigen Vorschüssen. Ich bin momentan gar nicht so erpicht darauf, auf ein weiteres Karussell aufzuspringen. Verkaufsdruck ist ein Kreativkiller! Am besten geht es mir, wenn ich einen neuen Roman überarbeite und feststelle, dass sich meine Stimme weiterentwickelt hat. Wenn ich wieder den Raum finde, um Neues zu entwickeln. Oder wenn ich eines der Bücher lese, die wir wieder angeschleppt haben. Bücher und Schreiben werden meine Zukunft sein.

Samstag, 20. Dezember 2014

Verlage versus Self Publishing

Angeregt durch die Diskussion im vorigen Beitrag und durch das Interview mit Carla Berling möchte ich mich noch  einmal mit meinen Verlags- und meinen Selfpublishererfahrungen beschäftigen. Dazu unterteile ich das, was mir persönlich wichtig ist, in einzelne Kategorien. Es handelt sich um vier verlegte Bücher in regionalen Kleinverlagen, um vier Printausgaben in einem überregionalen, größeren Verlag sowie um zwei selbst bei Amazon verlegte Kleinverlagsbücher. Dazu kommen noch fünf Verlags-Ebooks für einen Preis von durchschnittlich 6,99-7,99 Euro. Die laufen insgesamt schlechter als mein eigenes, nur bei Thalia haben sie manchmal ganz gute Rankings.

1. Sichtbarkeit
Die gedruckten Kleinverlagsbücher waren, wenn, dann nur in regionalen Buchhandlungen sichtbar. Die vier im größeren Verlag erschienenen Romane dagegen bundesweit mit einer "Laufzeit" zwischen zwei und neun Monaten. Das erste selbstverlegte war durch eine Verschenkaktion sichtbar und wurde massenhaft runtergeladen, danach verschwand es in der Versenkung. Das zweite selbstverlegte war ein halbes Jahr lang gut sichtbar und lässt jetzt allmählich nach. (wahrscheinlich würde eine Rabattaktion es wieder nach oben spülen).Beziehungsweise sei das vor Weihnachten normal, wie ich gerade erfuhr. Die meisten E-Book-Verkäufe gebe es am 26. Dezember.

2.  Kommunikation
Die Kommunikation war bei den Kleinverlagen unterschiedlich. Bei allen dreien gab es persönliche Kontakte, viele Träume, was man alles an Marketingaktionen starten könnte, die aber alle im Sande verliefen. Die Autorenpflege war bei zumindest zweien gut (s.u.). Bei einem dieser Verlage war die Kommunikation extrem schwierig. Die Kontakte zum größeren Verlag beschränkten sich auf den Agenten und einen Lektor, wobei der Agent die Autorenpflege übernahm. Im Selfpublishing ging und geht die Kommunikation reibungslos und schnell über den Support.

3. Marketing
Alle drei Kleinverlage haben einiges fürs Marketing getan: Anzeigen, Zeitungsartikel, Rezensionsexemplare. Der große Verlag hat seine Vertreter in die Buchhandlungen geschickt, und die ersten beiden Bücher genossen Aktionen wie "Buch des Monats bei Karstadt" oder einen "Weihnachtssondertisch" bei Thalia. Beim Self Publishing habe ich für das Buch, das nicht gut lief, wesentlich mehr getan als für das, welches in meinen Augen gut gelaufen ist. Das heißt, gezielte Drumherumwerbung auf verschiedenen Plattformen brachte höchstens was für den Aufbau der Marke, dagegen eine einmalige Rabattaktion beim zweiten ein halbes Jahr oder mehr Sichtbarkeit und Verkäufe.

4. Wartezeiten
Die waren bei den Kleinverlagen nicht lang. Hatte sie schnell gefunden, die Bücher kamen einige Monate nach Beendigung der Romane heraus. (Mit Ausnahme des ersten, da der Dichtergeburtstag erst zwei Jahre später war). Beim Großverlag dauerte die Vermittlung durch den Agenten sieben Monate, bis das erste Buch veröffentlicht war, vergingen dann mindestens ein bis eineinhalb Jahre. Das Selbstverlegen lag im Schnitt vielleicht bei 2 1/2 Monaten. Ein sechswöchiges Lektorat dazugerechnet wären ca. 4 Monate. Und dann kann man sofort veröffentlichen.

5. Abrechnungen
Die Kleinverlage haben pünktlich und sauber abgerechnet, immer im Frühjahr. Es waren immer dreistellige Zahlen. Beim größeren Verlag gab es Vorschüsse in vierstelliger Höhe, jedoch kamen die Abrechnungen mit den Jahren immer später, zuletzt erst im Juni statt Ende März. Begründung: Der Vorschuss, der Buch für Buch neu verrechnet wird, war noch nicht eingespielt. Man kann sich also kein Buch erlauben, das weniger gut geht als die anderen. Bei Amazon kann man sich auf die pünktliche Zahlung verlassen. In dem halben Jahr habe ich etwa das Gleiche verdient wie mit den Kleinverlagsbüchern insgesamt. Wenn man die Agenturprovision abzieht und berücksichtigt, dass der Vorschuss auf zwei Jahre verteilt ausgezahlt wird, habe ich in dem halben Jahr so viel verdient wie mit dem Großverlagsbuch im Jahr. Dabei hatte sich mein Debütroman bei Aufbau, "Die Nonne und die Hure" innerhalb von zwei Wochen 6000 Mal verkauft, in der zweiten Auflage noch einmal 5000 Mal.

6. Inhalt, Cover, Klappentext
Den Inhalt der Kleinverlagsbücher habe ich selber bestimmt, das Cover habe ich in einem Fall selbst ausgesucht, in den anderen beiden Fällen wurden sie mir vorgelegt. Der Inhalt der Großverlagsbücher war nicht ganz frei, Happy End erwünscht und so, die Cover sah ich zunächst erst dann, wenn sie bei Amazon erschienen. Später wurden sie mir zumindest in aller Eile vorgelegt. Die Selbstverlegten trugen natürlich ganz meine eigene Handschrift, ebenso die Klappentexte. Nun ja, alle Verlage haben sie selber gemacht und mir teilweise kurz vorgelegt.

7. Lektorat
Dauerte bei den Kleinverlagen vier Wochen bis drei Monate, beim Größeren 2 1/2 Wochen bis ein Wochenende. Allerdings wurden die Texte mit der Zeit auch immer "druckreifer". Was ich bei den Kleinen gelernt hatte, zahlte sich also später  aus. Auf jeden Fall waren die ersten Lektorate sehr viel intensiver -und im persönlichen Kontakt kam viel mehr Wertschätzung rüber.

Fazit: Die Sichtbarkeit ist bei Verlagbüchern wie bei selbst verlegten Büchern vorübergehend, kann aber bei Letzteren leichter wieder hergestellt werden. Die Kommunikation ist ingesamt beim Selbstpublizieren besser. Man hat da auch nie das Gefühl, Autor zweiter Klasse zu sein, wenn ein Buch nicht so erfolgreich ist. Das Marketing ist für mich beim Selbstpublizieren leichter. Wartezeiten, für mich besonders heikel, verkürzen sich beim SP drastisch. Die Abrechnungen kamen von Amazon und den Kleinverlagen pünktlich, allerdings von Amazon monatlich rückwirkend statt einmal im Jahr. Und man kann täglich seine Verkäufe und Ausleihen einsehen. Durch Kindle Unlimited verdient Carla Berling mehr als mit den Prozenten, die sie bei Kleinverlagen bekommen hat, wie sie in einem Interview sagt. Über Cover, Inhalt und Klappentext braucht man nicht mehr zu reden. Also spricht, wenn man nicht ein alteingesessener Erfolgsautor im Großverlag ist, eigentlich alles für Self Publishing.

Samstag, 18. Oktober 2014

Sprung ins SP-Vergnügen?

Gestern waren wir mal wieder in Tübingen, der alten Universitätsstadt, in der ich sieben Jahre lebte und studierte und die so manchem historischen Roman von mir als Kulisse diente. Die Farben der Gebäude und des Himmels sahen aus wie frisch gewaschen, im Gerberviertel prangten späte Rosen und Kalkastern in den Gärten, der Ammerkanal führte viel dunkel gefärbtes Wasser. Ich hatte in einem Second-Hand-Buch-und Musikladen bei der Jakobuskirche drei Bände von Dostojewski sowie einige andere gute Bücher erstanden. Da war doch mal was, dachte ich, als wir vor dem Rathaus saßen, Kaffee tranken und den Mädels zusahen, die sich auf Stöckelschuhen über das Kopfsteinpflaster quälten. Im "Lamm" da gegenüber, heute eine Begegnungsstätte, tummelten sich die Studenten und die schwäbischen Dichter, an der Ecke gegenüber der alten Mayerschen Apotheke hat der Dichter Hermann Kurz gewohnt. Ja, ich hatte vor meinem Urlaub achtzig Seiten eines historischen Krimis geschrieben, und ich wollte abwarten, ob sich der Verlag wegen meines Jetztzeit-Krimis (auch mit dem Schauplatz Tübingen) meldet. Der Verlag hat mich wohl vor lauter Buchmesse vergessen. Also packte ich gestern Abend meinen historischen Krimi aus, druckte die letzten zwanzig Seiten und korrigierte. Einige Tage hatte ich es noch vor mir hergeschoben, aber jetzt hat es mich wieder gepackt! Ich beweihräuchere mich nicht gern, aber ich finde den Text frisch, abenteuerlich, spannend und teilweise auch witzig. Also mache ich da weiter. Den Jetztzeitkrimi kann ich eigentlich zur Seite legen, denn so vielen Verlage und Agenten ich ihn auch anbiete, so wird doch keiner wagen, den Genrewechsel zu vollziehen. Es wird also der ideale Kandidat fürs SP-Vergnügen sein! Einen Roman fertigschreiben und gleichzeitig einen anderen zu veröffentlichen wäre mir zu mühsam. Vielleicht kann ich nächstes Jahr beide kurz hintereinander auf den SP-Markt werfen. Dann habe ich auch bloß noch einige Monate zu arbeiten und mein Berufsleben zu einem guten Ende zu bringen.

Auf der Suche nach dem neuesten Stand beim SP fand ich den Blog der Frankfurter Buchmesse vom September, in dem Trends des Self Publishing diskutiert werden. Allein 2014 sei der Marktanteil um 35% gestiegen, die Self Publisher würden immer professioneller, mit immer besser lektorierten Büchern und aussagekräftigen Covern. Und wichtig sei es, in möglichst vielen Kanälen die Bücher sichtbar zu machen. Gleichzeitg verliert Social Media nicht seine Bedeutung. Die Buchhändler müssten den Trend erkennen und für sich und die Autoren nutzen. Irgendwo habe ich ein Vögelchen zwitschern gehört, dass die ganzen Hebammen, Hexen und Henkerstöchter bei den Verlagen nicht mehr so gefragt seien, dafür andere historische Stoffe.

Samstag, 22. Juni 2013

Die Zukunft meiner Bücher

Bei Facebook habe ich es schon erwähnt: Gestern sahen wir in Reutlingen, dass die Thalia-Filiale am 28. Juni dieses Jahres schließen wird. Sie hätte sich als unrentabel erwiesen. Und so ergeht es vielen Standortfilialen von Hugendubel, Weltbild und anderen. Nur Osiander scheint davon noch nicht so betroffen (dort gibt es auch immer noch mehr Bücher als Krimskrams zu sehen). Meiner Meinung nach werden sich die Buchhandlungen den Onlinewünschen der Kunden anpassen und viele Bücher nur noch auf Bestellung vorhalten (eine Art Buchhandlung-on-Demand!). Wünschenswert wäre, dass die kleineren Buchhandlungen wieder mehr Luft bekämen. Die großen kündigen ebenfalls an, abspecken zu wollen. Die Verlage bringen ein Drittel weniger Neuerscheinungen heraus. Was für Anfänger eine noch größere Hürde darstellen wird-und sie werden weiter auf den Self Publishing-Markt drängen. Die absolute Nr. 1 unter den Topp 100 bei Amazon ist ein Blogroman! Weiter höre ich, dass die kleineren Verlage peu á peu eingehen sollen, die großen fangen an umzudenken und richten E-Book-Portale wie Neobooks ein. Das alles ist eigentlich gar nicht so schrecklich und beklagenswert. Für mich als Autorin bleibt zu konstatieren:
Ich schreibe weiter und zwar ohne jeden Zeit- und Abgabedruck.
Ich vergesse die "Regeln" des Buchmarktes und schreibe weiter Bücher, die ich auch selber lesen würde. Was ich während meiner Agenturzeit lernen musste: Es gebe sogenannte No-Gos bei historischen Romanen, als da sind:
Ein Mann als Hauptfigur
Keine Liebesgeschichte im Vordergrund
Eine Liebesgeschichte, die nicht zu einem Happy End führt
Handlungsstränge, die sich mit politischen oder sozialen Themen beschäftigen
Das alte Rom, Ägypten und die Zeit vor dem Mittelalter
Das 18. Jahrhundert, insbesondere die Zeit der französischen Revolution
Romane, in denen Bauern eine Rolle spielen

Herausgekommen sind bei mir immer Geschichten, bei denen zum Beispiel der erste Kuss zu spät kam. Nur an das Gebot der Jahrhunderte habe ich mich gehalten. Die Enden waren häufig offen. Die Geschichte, die damals vom Agenten abgelehnt wurde, ist eine solche No-Go-Geschichte. Ich schreibe sie mit viel Bedacht, sie muss noch sehr im  Kopf gewendet werden. Dann ist da noch der Krimi. Der soll, um als Regionalkrimi zu gelten, einen kauzigen Kommissar enthalten und eine Gegenspielerin mit großer Klappe, aber weichem Kern. Und das Ganze muss serienmäßig ausbaubar sein. Inzwischen denke ich aber, dass das nur für Stapelware gilt. Und da die bald nicht mehr oder nicht mehr in dem Umfang vorhanden sein wird, kann ich mir getrost meine eigenen Kriterien aufstellen, nämlich die für Bücher, die ich selbst gern lese.

Sonntag, 10. Juni 2012

Der Autor: abgelehnt, vereinnahmt, raubkopiert!

Als Autorin passe ich eigentlich schon in dieses Schema. Wenngleich die Absagen gar nicht am Anfang kamen, sondern erst, nachdem ich anfing, einen größeren Verlag zu suchen. Davor feit einen auch nicht die Agentur. Vereinahmt werden kann man durch die Bank von allen Verlagen, großen wie kleinen. Die versuchen einfach nur ihre Marktinteressen durchzusetzen, manchmal sogar ihre Existenz zu erhalten. Die Frage für mich als Autorin ist immer, wie weit ich mich von dem, was ich ursprünglich wollte, entferne. Wenn man schließlich alle Hürden, Vertreterkonferenz, Buchhandelspräsenz und akzeptable Verkäufe überwunden hat, enteckt man, dass die Bücher illegal downgeloaded werden. Die Gründe dafür verstehe ich jetzt besser, ohne dieses Geschäftsgebaren billigen zu können.Vielleicht wäre es fairer gewesen, gar keine Bücher mehr zu kaufen, wenn man sich über die Preise ärgert. Kürzlich habe ich an öffentlicher Stelle gelesen, dass der Aufbau Verlag nachweislich durch illegale Downloads geschädigt worden sei. Und davon war auch ich betroffen.

Samstag, 6. November 2010

Bücher sind das Gedächtnis der Menschheit

Bücher könne man wieder neu auflegen, von ihnen gibt es Archivexemplare. Von Menschen nicht, meint der Psychoanalytiker Hans Keilson. . Und in einem anderen Artikel (gesehen bei Montsegur) schreibt Marc Iven darüber, wie Bücher auch neben dem Mainstream zu Bestsellern werden können. Am interessantesten war für mich die Frage: Welche Bücher würden Sie vor einem Feuer retten? Da kann man ja nicht mehr lang überlegen. Am besten, ich sortiere meine Bibliothek noch weiter aus, dann könnte ich alle retten. Und wenn mir gesagt werden würde: Sie dürfen aber nur ein Buch mitnehmen?

Montag, 30. November 2009

Vereinheitlichung in den Buchläden

Wenn ich in eine Buchhandlung hineinkomme - und das sind meist größere wie die genannte Thalia-Buchhandlung in Pforzheim-sehe ich erst einmal Berge von Büchern, die auf (Themen-) Tischen und Regalen verteilt sind. Die Krimis sind entweder alle weißgrundig (Wie "Kalte Asche") oder haben ein "lautes" Reizwort auf dunklem oder buntem Grund. Die historischen Romane haben fast alle einen abgeschnittenen Mädchenkopf mit Busen. Wozu der Busen, fragte einmal mein Mann, er soll doch Frauen ansprechen!:-)Meine Romane sind auch unter diese Kategorie gefallen. Dabei finde ich sämtliche anderen Cover ebenfalls als austauschbar. Es sei der Wiedererkennungseffekt, höre ich, und dass die Buchhandlungen nur historische Romane ordern, die folgenden Kriterien entsprechen:

Von Autorin geschrieben
Über eine Frau
Mittelalter
Deutschland

Also die Romane, die diesen Kriterien nicht entsprechen, werden gar nicht erst bestellt und sind somit für den Leser/ die Leserin nicht verfügbar.
Ich habe bis jetzt keinen Ausweg und auch keine kollektive Lösung dieses Phänomens gefunden. Individuell kann ich es nur so handhaben, dass ich, wie im Augenblick, auch mal andere Sachen mache. Da kriege ich dann den Blautopf bei Blaubeuren als Cover und kann "meine" Sachen schreiben für Leute, die ebendiese Dinge und Freizeitbeschäftigungen ebenfalls mögen. Kann meine eigenen Fotos bringen. Die Auflage ist halt geringer.