Freitag, 22. März 2013

Der Petersburg-Krimi und ein Urwald-Thriller

 Kleine Vorrede: Ja, er war's - wenn auch nur als Intermezzo für einen sonnigen Tag! Immerhin zeigt sich das Veilchen, das im Neckartal vor einer Woche blühte, nun auch in meinem Garten. Dazu gibt es weiße, gelbe, rote Primeln wie in einem Osternest, den Märzenbecher (der sich wieder aufgerichtet hat), und die Scilla streckt ganz vorsichtig ihre Blütenblätter heraus. Und immerhin konnte man endlich mal wieder eine Latte Macchiato unter freiem Himmel trinken, in der Stadt im Straßencafé, bei 12°. Ab morgen geht es wieder bergab und nächste Woche in den Winter zurück. Ich werde froh sein, wenn während der Ostertage wenigstens etwas Wärme herrscht.

Es kribbelt mich gewaltig in den Fingern, ich scharre mit den Hufen, nicht nur wegen des Frühlings, um den wir regelrecht betrogen werden. Ich warte darauf, dass mein nächster Roman veröffentlicht wird, und ich warte auf die Kommentare meines Testlesers, um weiter überarbeiten zu können. Es ist irgendwie ein totaler Leerlauf. Was kann ein Autor tun, um diese Leere zu füllen? Statt bei FB und in anderen Foren rumzulungern, statt auf Amazon und Co. zu klicken? Natürlich: schreiben. Einen neuen Roman schreiben! WELCHEN Roman wollte ich denn eigentlich als nächstes schreiben? Ach ja, ich habe als letztes einen Krimi geschrieben. Einen Krimi mit regionalem Bezug (wie jeder Krimi), der aber nicht dem Regionalkrimikonzept folgt, das seit den achtziger Jahren mit wachsender Beliebtheit boomt, sondern einfach ein Krimi ist, der im Schwarzwald spielt. Zu der Frage "Regionalkrimis" fand ich noch einen Link von Bücher-Wikio, in dem die Frage gestellt wird, ob man nicht Dostojewskis "Schuld und Sühne" sowie Kafkas "Prozess" jeweils Petersburg - und Prag-Krimis nennen könnte.

Da der Krimi fertig ist, überlege ich mir weiterhin, ob und wo ich ihn anbieten sollte. Einerseits war es so ein exzellentes Schreiberlebnis, dass ich ihn auch ruhen lassen könnte. Jeder Gedanke an Veröffentlichung zieht nämlich ein Aber nach sich:
Um ihn beim Hausverlag anbieten zu können, müssen erst einmal die Verkaufszahlen des neuen Romans abgewartet werden. Und die kriege ich erst in einem Jahr. Wenn mein Agent ihn anderen Verlagen anbieten sollte, gehen wahrscheinlich ebenfalls Monate ins Land, weil es ein Genrewechsel ist. Wahrscheinlich ist es auf dem Werg gar nicht zu schaffen. Ihn selbst zu veröffentlichen überfordert mich. Das alles, auch die wahrscheinlichen Wartezeiten, zerren so sehr an meinen Nerven, dass ich es gar nicht erst anfangen möchte. Also lasse ich ihn weiter liegen. Wenn mich jemand fragen würde, welches von meinen Projekten ich am liebsten als Nächstes verwirklichen würde, dann wäre es der (Psycho)-Thriller, der in Hamburg, Venedig, Buenos Aires und am Dreiländereck des Iguacu spielt. Ja, ich habe den Ausgangsort jetzt vom Bodensee nach Hamburg verlegt, Frankfurt spielt ebenfalls eine Rolle, alles Gegenden, die ich gut bis sehr gut kenne. Da fällt mir ein: Ich habe mal eine längere Kurzgeschichte von einem Flugzeugabsturz über dem Urwald von Venezuela geschrieben, die bei einem Wettbewerb gewann.
Da ging es ums Überleben, um Verfolgung, um Diamanten, Mord und Flucht und eine gefährdete Freundschaft. Die Idee zu dieser Geschichte hatte ich während eines Flugs über die Urwälder von Venezuela. Ich sah die rotbraunen und weißen Flüsse und stellte mir vor, wie es wäre, abzustürzen (die Cessna torkelte nämlich erheblich) und den Weg aus diesem Dschungel finden zu müssen. Anschließend bestiegen wir einen Tepui, das ist einer der Tafelberge, die für diese Gegend typisch sind. Dort mussten die beiden Männer in meiner Geschichte notlanden und gerieten in ein wahnsinniges Abenteuer inmitten von Wasserfällen, giftigen roten Salamandern und Urwaldflüssen, in denen Blutegel und Ähnliches lauern - verfolgt von einer gewissenlosen Meute von Ausbeutern und Geldjägern. Ein Ort namens Eldorado ist ganz in der Nähe, voll mit Gold-und Diamanten-"Agenturen". Warum ich hier so endlos herumrede, zusammenhanglos und zerfasert? Weil ich schreiben will, und vielleicht wird auch irgendwann mal ein richtiger Plot daraus! Und dann ist es eben ein Regional-Urwald-Thriller - oder?


Mittwoch, 20. März 2013

Das ideale Schriftstellerleben

Wie sah eigentlich das Leben aus, das ich mir immer von einem Schriftsteller vorgestellt habe? Auf jeden Fall irgendwie romantisch und beglückend. Wenn ich Schriftstellerin wäre, so dachte ich in meiner grenzenlosen Naivität, würde ich die meiste Zeit des Jahres in der Welt herumfahren, umgeben von grandioser Natur und wohliger Sonnenwärme schreiben, und natürlich würden die Verlage alles drucken, was aus meiner Feder käme einschließlich meines Tagebuchs. Ich wäre Reiseschriftstellerin geworden. Den Winter würde ich an der Cote d'Azur verbingen, den Sommer in meiner Hütte am Bodensee. Darüber, woher das Geld kommen sollte, habe ich mir nicht den Kopf zerbrochen. Natürlich würde ich einem Zirkel von Gleichgesinnten angehören, die sich gegenseitig bei Recherchen und bei der Durchsicht ihrer Manuskripte helfen.

Ein halbes Leben später zeigte sich mir ein völlig anderes Bild: Die Autoren hatten Schwierigkeiten, überhaupt etwas bei den Verlagen zu landen. Und wenn sie etwas landeten, kam es nicht in die Buchhandlungen, verkaufte sich schlecht, wurde verramscht und es folgte kein neuer Vertrag. Schaffte es jemand in die größeren Verlage, musste er bestimmten Webmustern folgen, um am Ball sprich im Geschäft zu bleiben. Er hatte Trends zu bedienen, die jederzeit wieder kippen konnten. Selbst Bestsellerautoren bleiben nicht selbstverständlich ruhigen Blutes, denn sie müssen immer fürchten, ihren Bestsellerrang zu verlieren. Dann gab es Einbrüche bei den Verlagen und im Buchhandel. Ein Autor, der die Schnauze voll hat von diesen Bedingungen, macht sich neuerdings mit zunehmender Begeisterung und zunehmendem Erfolg selbständig - er wird zum Selfpublisher. Aber auch auf diesem Gebiet ist nur wenigen der große Erfolg vergönnt, der Rest versucht seine Werke im Social Media bekannt zu machen und zu vertreiben. Und auch das gelingt nur dann, wenn er zur "Marke" wird.

Da ist überall der Wurm drin, möchte man sagen. Alle diese Wege zum Buch, zum Ruhm und vielleicht auch zum Geld sind mit Pflastersteinen verstellt, die es mühsam wegzuräumen gilt. Aus meiner mehr als 10 jährigen Erfahrung kann ich aber feststellen, dass es nur einen Weg geben kann: den eigenen. Von allen diesen Erfahrungen habe ich etwas mitbekommen, bin gescheitert, wieder aufgestanden, habe Reisen gemacht, geschrieben, bin in der Sonne und am Bodensee und in der Provence gesessen, habe Verlagen zu- und abgesagt, eine Gratwanderung gemacht, es selber probiert, um schließlich feststellen zu können: Wesentlich ist, sein Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und sich von nichts und niemand vereinnahmen zu lassen. Die hilfreichen Kollegen sind da, es gibt auch immer noch hilfreiche Lektoren und Verlage. Verlassen kann man sich aber darauf nicht. Nur auf seine eigenen Kräfte und sein eigenes Schreiben. Wer das durchhält und quasi einen inneren Kompass für den Dschungel von heute hat, der bleibt. Weil er schreibt.

Dienstag, 19. März 2013

Neuer Kontakt mit einem Verlag

Ach, es ist irgendwie wie beim ersten Mal! Vor ein paar Tagen hatte ich Kontakt mit dem Lektorat eines Verlages aufgenommen und gestern eine Antwort bekommen. Die Lektoratsleiterin hat grundsätzliches Interesse an meinen regional verorteten Krimis und historischen Krimis gezeigt und mir dabei noch Tipps gegeben. Die Palette dieses Verlags sagt mir auch zu. Da gibt es zum Beispiel einen Krimi aus dem Berlin der Weimarer Zeit, mit allen Zutaten wie Grieben usw. Und eine ganze Reihe von historisch interessanten, regional verankerten Büchern. So hätte ich evtl. ein weiteres Standbein, wenn der Genrewechsel beim Publikums- oder einem anderen Verlag nicht klappen sollte.

Was jetzt wichtig ist:
Testlesen lassen und weiter überarbeiten.
Bei meinen Recherchen hat sich das Wissen über die Ereignisse, die meinem Schwarzwaldkrimi zugrundeliegen, noch vertieft.

Weiterer achtsamer Umgang mit mir selbst und den Kollegen, dazu gehört auch
achtsamer Umgang mit Social Media.

Dazu gehört auch weiterhin nein sagen. Nein zu allem, was meine Ressourcen, die ich doch so dringend brauche, unnötig verschleißt.

Ja zu allem, was mich aufbaut und die Passion des Schreibens (der Arbeit und des Lebens) fördert (in brainstormhafter Reihenfolge):
-Team-schöne Ausflüge-Zeit zum Schreiben-Kommunikation auf allen Ebenen-Filme-Wanderungen-Bücher-Natur-alles,was blüht-Kultur-Reisen-Sonne-Historie-Geheimnisse und Abgründe-vielelesermeinerbücher.


Donnerstag, 14. März 2013

Glückliche Autoren haben eine Passion

Eigentlich wollten wir in meinem kleinen Resturlaub auf der Promenade in Meran spazierengehen und zwischen Palmen Kaffee trinken. Oder in Montagnola, dem letzten Wohnort Hermann Hesses, die Grotti besuchen und auf den See hinunterschauen. Aber auch dort kann man heuer um diese Zeit keinen Urlaub machen. So bin ich also zu Hause geblieben, es herrscht Ruhe im Land, während draußen ein eisiger Polarwind pfeift und die Frühlingsblumen zumindest vorübergehend untergehen. Die Welt kommt via TV in den Raum, der neue Papst, die Feuer, der Streit um den Euro und um die Tagesstätten, die Kriege und Gewalttaten. Ich kümmere mich, endlich, mal nur um mich. Habe mal wieder einen Tatort angeschaut. Überarbeite noch einmal meinen Schwarzwaldkrimi. Denke nach. Und fand bei meinen Recherchen einen älteren Beitrag aus der Frankfurter Rundschau: ein Interview mit dem Schriftsteller Jan Costin Wagner. Glückliche Autoren hätten eine Passion, meint er, einen Ansatz fern des Genredenkens, der sie unverwechselbar gemacht hat. Wenn ihm sein Kommissar am Herzen liege, der Verlust eines Menschen oder die Täterpersönlichkeit, dann wolle er an der Figur dranbleiben. Aber nur solange es nicht zur Serien-Routine verkommt. Mir persönlich scheint es, als wenn diejenigen Autoren (und Menschen) am unglücklichsten sind, die sich immer mehr von dem entfernen, was sie eigentlich ursprünglich wollten.

Dienstag, 12. März 2013

Schreib-Entscheidung: der Schwarzwald

Seit Samstag ist er da, der große Regen, und die Kälte ist da, wenn auch ohne Schnee und Blitzeis. Unser Versuch, dem Zugriff des rauen Gesellen zu entfliehen, endete in Lahr im Schwarzwald. Dort, wo alles begann mit dem Veröffentlichen. Vor etwa 11 Jahren saß ich dort zehn Stunden mit einer Lektorin im Verlag und bearbeitete mein erstes Romanmanuskript. (Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht). Geben Sie nur Ihren Brotberuf nicht auf, sagte mir die Lektorin während des Mittagessens (beim Metzger, um Zeit zu sparen). Seitdem bin ich nun zuhause und ruhe mich aus von getaner Arbeit, gehe manchmal schwimmen und sortiere mein Leben und mein Schreiben.

Vor ein paar Tagen wurde ich zu einer Facebook-Gruppe namhafter Autoren eingeladen. Sie rankt sich um die Gründung einer Vereinigung von Autoren historischer Romane mit Namen Homer, die am1. Februar 2013 in Ulm stattfand. In dieser Gruppe ist ein grundlegender Austausch möglich. Jetzt habe ich ja gerade ein sehr schönes Lektorat hinter mir, wie berichtet, und mit sieben historischen Romanen bin ich meinem Genre, wenn auch nicht immer freiwillig, treu geblieben. Der nächste Schritt, den ich tun wollte, war die Einstellung meines Mörike-E-Books bei neobooks, einer Plattform von Droemer-Knaur. Die soll bisher unveröffentlichten Autoren ermöglichen, durch einen Wettbewerb zu einem Lektor und einem Verlagsvertrag zu kommen. Das war ja nun nicht meine Intention, aber mir wurde geraten, mein E-Book dort einzustellen, weil die Reichweite der Plattformen (Thalia, Weltbild usw.) viel größer sei. Also habe ich mich einmal mit neobooks auseinandergesetzt. Mein Fazit ist - das bestätigt auch eine Diskussion, die schon 2010 im Montsegur Autorenforum geführt wurde -, dass ein bisschen Bauern - äh, Autorenfängerei dabei ist. Je mehr Kommentare man nämlich zu anderen Büchern schreibt, desto mehr steigt die Chance, dass der Verlag dem jeweiligen Autor entgegenkommt. Und das gilt sicher auch für diejenigen, die nur einfach mal ihr fertig lektoriertes E-Book einstellen wollen. In diesem Augenblick fiel die erste Entscheidung: Ich möchte mit meinem Buch nicht mehr hausieren gehen müssen! Es ist bei Amazon select abgemeldet und hängt quasi wieder in der Luft.

Nun wollte ich es wissen. Mit Feuereifer stürzte ich mich auf meinen Schwarzwaldkrimi, den ich am 24. Januar 2013 das erste mal fertig überarbeitet hatte. Dann speicherte ich ihn falsch, so dass die Version verloren ging. Gestern gelang es mir, diese Version wiederherzustellen. Und siehe da, sie war gut! Ich habe vier Kapitel noch einmal überarbeitet, auch nach dem, was ich im letzten Lektorat gelernt habe. Nämlich schönere Formulierungen, Streichen von immer denselben Füllwörtern (bei mir ist es das Wörtchen "jetzt"!) und Formatierung bei der wörtlichen Rede. Die vier Kapitel habe ich heute an meinen Testleser in Österreich geschickt, der schon lange darauf gewartet hat. Und jetzt-nun-bin ich endlich wieder geerdet, habe eine Entscheidung getroffen und weiß, wie es weitergehen wird. Ob dabei nun eine Schwarzwald-Krimi-Serie, ein weiterer historischer Roman oder etwas ganz anderes herauskommt, ist zweitrangig. Ich bin wieder drin im Schreiben! Und zwar auf der Verlagsschiene. Mein Hausverlag ist mir nun schon vier Bücher lang treu geblieben, und falls ich dort mal etwas nicht unterbringen sollte, habe ich einen anderen Verlag gefunden, der genau die Bücher sucht, die ich schreibe: Der Sutton-Verlag. Dort habe ich auch dasBuch "Neckarbrücken" von Eckard Schörle aus Nagold entdeckt, einem Historiker aus einer Familie, die mir sehr gut bekannt ist.

Donnerstag, 7. März 2013

Zitronenfalter

 Nun ist er endlich auch hierher in den Schwarzwald gekommen, und ich darf einen Moment erleben, in dem ich auf der Terrasse sitze, meine Spagetti mit Garnelen und Knoblauch esse und im Garten die Primeln, Krokusse und den ersten Märzenbecher sehe. Ein Zitronenfalter flattert über die letzten Schneereste. Der ist für mich der absolute Einläuter der wärmeren Jahreszeit!

          

        

            Mörike, Eduard (1804-1875)

Frühling läßt sein blaues Band

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen
Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!
 
Doch was künden die Unwetterberichte? Ab dem Wochenende kehrt der Winter mit eisiger Faust zurück, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, an dem ich meinen Resturlaub eingereicht habe! Ganz Europa, so sehe ich in den Karten, liege die nächsten 10 Tage unter einem Kältetief, das von der Ostsee kommt. Erst in Marokko kommen die Temperaturen auf etwa 20°. Und wie soll man da hinkommen, wenn einer der Reisenden nicht fliegt?



Dienstag, 5. März 2013

Das schönste Lektorat

Kloster Lorch im Remstal
Am Freitagabend kam - einigermaßen überraschend - das lektorierte Manuskript von "Die Köchin und der Kardinal" mit der Bitte, es so rasch wie möglich zu überarbeiten, dazu die Klappentexte zu korrigieren und ein Nachwort zu erstellen. Der Text habe gut gefallen, so dass nur wenig anzumerken war. Darüber war ich sehr glücklich - und habe das alles dann auch bis Montag Mittag geschafft, ohne in totale Hektik zu verfallen. Allerdings war ich in der Zeit für andere kaum erreichbar, gerade für einen kleinen Ausflug zum Kloster Lorch hat es gereicht (darüber später etwas in den "Orten zum Reinschmecken"). Bei der Durchsicht und Korrektur dieses Romans habe ich gemerkt, dass dieses Thema bei mir schon seit mehr als zehn Jahren "brannte"-und deshalb ist es wohl auch so rund geworden. Normalerweise dauern Lektorate bei mir immer mindestens 1 1/2 Wochen. Nachdem ich fertig war, schwebte ich den ganzen Abend unter der Decke. Das sind die Momente, die alles Bemühen, alle Zweifel, allen Frust, der schon aufgekommen ist, aufheben und einfach nur leicht machen. Und es ist auch das, was mich weiterhin antreibt. Dabei fällt mir auf, dass wir dieses Mal nur das Kurzexposé verwendet haben.

Inzwischen habe ich auch mit den Kurzgeschichten und Romanen aufgeräumt, es waren allerdings nur wenige, die ich wirklich weggeschmissen habe. Für manche von ihnen wird noch ihre Zeit kommen, dessen bin ich gewiss. Da gibt es zum Beispiel noch diese Geschichte aus dem Bauernkrieg, spielt in Maulbronn, Herrenberg, Weinsberg und Nürnberg, darin kommen Maler wie Albrecht Dürer und der böse Herzog Ulrich von Württemberg vor. Oder die Geschichte von Eberhard im Barte, dem Kreuzfahrer, dem Vielgeliebten, dessen Motto war: Attempto, ich wag's! Ein unaufgeklärter Todesfall am Rande eines Abgrunds auf der schwäbischen Alb. Dann noch die Hamburg-Südamerika-Geschichte, einst als Thriller geplant. Und die Großmutter, die ihre Familie auf den Pfänder in Bregenz beruft. Sie teilt ihr mit, dass sie sich einen jungen Geliebten genommen hat und mit ihm auf Reisen das Erbe verprasst. Die alte Dame wird bald darauf tot im Schwimmbecken des Altersheims aufgefunden. Ihre Enkelin ermittelt.


Donnerstag, 28. Februar 2013

Genre oder Nische? Für wen schreiben wir?

Zur Zeit habe ich, da ich nicht schreibe und weder überarbeite noch plotte, viel Zeit, über mich und das Schreiben nachzudenken. Zumindest in den Stunden, die mir vom vermehrten Arbeitseinsatz im Beruf übrig bleiben.Wenn ich eine Bilanz ziehen will, was mein Schreiben im Genre und in den Nischen betrifft, so ist der Fall ganz klar: Meine beiden ersten Romane waren eindeutig Nischenthemen. Mit der Agentur kam dann ein Vertrag mit einem größeren Verlag, bei dem ich inzwischen den 4. Roman veröffentliche. Dazwischen erschienen noch ein regionales Buch und ein Kalender bei einem Kleinverlag sowie eine Anthologie mit drei Kurzgeschichten von mir. Den ersten Roman habe ich im letzten Jahr als E-Book wiederaufgelegt, der zweite erschien im Mai 2012 als E-Book seiten des Verlages. Zum Thema Genre, Nischen und Self Publishing habe ich einen interessanten Artikel bei Kerstin Brömer im Literaturjournal gefunden. Demnach hat man im Buchhandel eher Chancen, etwas zu verkaufen, wenn die Buchhändler wissen, wo sie es hinstellen sollen. Dank Cover und Klappentext wussten sie es bei meinen Büchern, aber schon der historische Roman "Das Vermächtnis des Bischofs" wanderte von den Regionalia über die historischen Romane zu den Regionalkrimis (und steht jetzt unter "Schwabenromane" im Regal). Offensichtlich sind Leser sehr kritisch, was Genres betrifft. Wenn auf einem Buch "Thriller" draufsteht, möchten sie keinen gemütlichen Krimi lesen. Und ehrlich gesagt, bin auch ich über so etwas schon enttäuscht gewesen. Fantasy im historischen Roman und im Krimi/Thriller mag ich zum Beispiel ebenfalls nicht.

Vor mehr als zehn Jahren schrieb ich in einer Schreibwerkstatt Kurzgeschichten. (insgesamt ca.50). Da gab es eine Zeitlang eine Werkstattleiterin, Jutta Miller-Waldner, die einzelne Geschichten kommentierte. Sie prophezeite mir, dass ich wohl niemals für die Massen schreiben würde. Das wollte ich auch nicht, und doch ist es soweit gekommen, dass es jetzt schon Vorbestellungen für meinen historischen Roman gibt, der im Juni erscheinen soll. Irgendwem müssen diese Geschichten also gefallen haben! Interessant ist auch, in welchen Kategorien ich diese Kurzgeschichten geschrieben habe. Aus einigen haben sich nämlich Romane entwickelt. Es waren belletristische Geschichten, Essays, Familiengeschichten, Märchen, Krimis und Thriller, Satiren, Horror, Sience Fiction und historische. Jetzt ist die Frage, wie ich auf der Tonleiter weiter spielen möchte/könnte/sollte.Gerade lese ich das Buch meiner Kollegin Tanja Schurkus über Matthias Claudius, eine Romanbiografie. Über ihn wusste ich nicht viel mehr, als dass er Lieder wie "Der Mond ist aufgegangen" geschrieben hat -und bin fasziniert von den zeitlichen Umständen, in denen dieser Dichter lebte, über die Schauplätze (Hamburg, Darmstadt), über die Kollegen, mit denen er verkehrte, seine Liebe und sein Festhalten am Glauben, gegen den Widerstand von Goethe, Herder und anderen Größen jener Zeit! Ob ich noch mal so eine Romanbiografie schreiben möchte? Über Annette von Droste-Hülshoff ist schon sehr viel geschrieben worden, über Martin Wieland und Sophie la Roche ebenfalls. Wie wäre es mal mit einem Maler wie Lucas Cranach, dessen Bilder mir jedesmal in den Museen entgegenspringen?

Ich werde in der nächsten Zeit noch ein wenig aufräumen. Alte Kurzgeschichten, die nichts Besonderes aussagen, werde ich endlich mal wegschmeißen und nur die Besten aufbewahren. Romanideen, die sich nicht ausbauen lassen oder zu denen ich keinen Zugang mehr habe, werden eliminiert. Und dabei merke ich, dass mein Kopf immer klarer wird für das, was ich eigentlich wirklich schreiben möchte, auch wenn ich es momentan noch nicht wirklich weiß.

Dienstag, 26. Februar 2013

Der Krimiautor: Wie eine Träne im Ozean

Es gibt noch einen Grund, warum ich daran zweifle, ob es sinnvoll wäre, meinen Krimi jetzt auf den Markt zu werfen: Die Überfülle von Neuerscheinungen. Allein in diesem Jahr sind es wieder unüberschaubar viele. Ich sehe mich und mein Buch darin schwimmen wie eine Träne im Ozean. Man schaue sich nur mal die Neuerscheinungen des Gmeiner Verlags für das Jahr 2013 an:
Programm 2013
Das beginnt mit einem historischen Krimi von der Erfolgsautorin Brigitte Riebe, mit einer Auflage von 20 000 und vielen Werbemaßnahmen. Es folgen etliche historische Krimis und historische Romane, vom Mittelalter über den 30jährigen Krieg bis zu den Gebrüdern Grimm, zum 2. Weltkrieg und später. Dann folgen Frauenromane, später eine wahre Flut von Krimis, meist regional verortet. Damit meine ich nicht, dass ich die Bücher nicht gut finden würde, auch die Cover finde ich größtenteils sehr ansprechend und gelungen. Es ist, auch wenn ich in die Buchhandlungen gehe, zunächst zu viel Masse, als dass man die Klasse noch erkennen könnte. Und so lasse ich meinen Krimi weiter in den Dateien abhängen und wende mich aktiv anderen Dingen zu.

Samstag, 23. Februar 2013

Machen Verlage die Autoren kaputt?

Seitdem ich 2004 meinen ersten Roman veröffentlichte, wehre ich mich dagegen, in Folge "immer dasselbe" schreiben zu sollen. Egal, ob Klein - oder Großverlag, unabhängig von Erfolg und Misserfolg, es wurde immer erwartet, die einmal befahrene Schiene weiter zu bedienen. Das wollte ich nicht. Und ich wollte raus aus den Zügen, die immer in die gleiche Richtung fuhren, alle gleich aussahen und irgendwann total überfüllt waren. Ich hatte eine ganze Palette von historischen, kriminologischen und Thriller-Ideen, teilweise schon ausgeführt, teilweise auch veröffentlicht, manche aber immer noch auf der Festplatte. Momentan bin ich ziemlich orientierungslos, um es ehrlich zu sagen. Fragen, die ich mir stelle:
Was wird mit meinem Hausverlag, wenn das nächste Buch nicht "erfolgreich" ist?
Was mache ich mit meinem Schwarzwaldkrimi, der in überarbeiteter Form vorliegt? Soll ich ihn mit Hilfe von Testlesern und mindestens 12 Überarbeitungen zur Bestform bringen? Wem soll ich ihn dann anbieten? (Meinem Agenten zuerst, denn er war an der Plotentwicklung beteiligt). Wird von mir erwartet, dass ich ihn unter Pseudonym herausbringe, wegen des Genrewechsels? Oder steht mein Name inzwischen so da, dass ich jonglieren könnte? Der Krimi ist nicht ganz Genre-lupenrein, er hat auch Thrillerelemente. So etwas wurde mir schon mal in einer Rezension vorgeworfen, dass es solche Elemente in einem historischen Roman gab. Und auch der Thriller, den ich gerade lese "Bluternte" von Sharon Bolton wird am Thrillergenre gemessen: Er sei doch eher gemütlich wie ein Krimi. Mir gefällt das im Übrigen recht gut, was sie schreibt, schon die Atmosphäre des Moordorfes mit Abteiruine und Friedhof.

Bei jedem Zweifel wurde mir von Kollegenseite geraten, doch das zu schreiben, was mir in die Finger käme und wofür ich brenne. Das habe ich auch getan, nur kollidiert es immer wieder mit dem "Markt"! Meine eigensten Bücher waren fast immer die am schlechtesten verkauften, von Verlags- und Agentenseite her gesehen. Den besten Rat, den mir andere gaben und den ich auch weitergeben würde, ist der: einfach immer weiterschreiben, die Texte optimieren und sich nicht beirren lassen! Alles, was mir in den letzten Wochen durch den Kopf ging, habe ich im Blog von Petra A. Bauer wiedergefunden.

Machen Verlage die Autoren kaputt?

Darin beschreibt sie das Dilemma der Autoren und der Trends, denen immer hinterhergehechtet wird. Bei den langen Vorlaufszeiten ist der Zug meist wieder abgefahren, wenn das Buch veröffentlicht wird. Was die E-Books betrifft, rät die Autorin davon ab, aktuelle Herzensprojekte in den Ring zu werfen - sie sieht das eher als Möglichkeit, vergriffene Werke wieder aufzulegen. So, wie ich es ja auch getan habe und wieder tun würde. Übrigens fällt mir dabei ein Thema ein, das ich schon mal in einem Roman verarbeitet habe: Die Suche nach dem Stein der Weisen ("Das Vermächtnis des Bischofs"): Da wird die Suche nach dem Stein allmählich ab absurdum geführt - um dann doch als Frage offen zu bleiben. (Und prompt kam wieder eine Kritik, die den Roman nicht "historisch" genug fand!) Genauso agieren gerade die Verlage und auch viele Autoren: Irgendwo muss doch das Rettende stecken, irgendwo muss es doch herkommen, irgendwie muss es mir dir ihm ihr ihnen doch gelingen, endlich aus niederen Metallen Gold zu machen!

Siehe dazu auch: Such dir ein globales Dorf von Petra van Cronenburg.

Freitag, 22. Februar 2013

Mein erster Roman weltweit erhältlich!

Das ist ein kleiner Muntermacher für mich in diesen kalten, trüben Tagen mit dem Grieselschnee: Nachdem der Verkauf meines E-Books "Eduard Mörike. Ein Leben auf der Flucht" sich der Nullgrenze entgegenbewegt, hat sich andernorts anscheinend eine Menge getan. Die Printausgabe wird jetzt nicht nur in der Stanford University von Kalifornien zur Ausleihe angeboten, sondern noch von ca. 15 anderen Bibliotheken weltweit! Beziehungsweise wurden diese Einträge erst jetzt "hochgeschwemmt", und ich habe nie gewusst, dass das Buch in all diesen Bibliotheken steht. Fazit: Die E-Book-Ausgabe eines Buches, selbst 10 Jahre nach erstmaligem Erscheinen, kann ihm einen enormen unerwarteten Auftrieb bringen, es wird sicht-barer. Hier die Auflistung:
1.
Bloomington, IN 47405 United States


2.
Stanford, CA 94305 United States



3.
Berkeley, CA 94720 United States



4.
New York, NY 10018 United States




5.
Yale University
Sterling Memorial Library
New Haven, CT 06520 United States




6.
Strasbourg CEDEX, 67070 France



8.
Universitätsbibliothek Kiel
Zentralbibliothek
Kiel, 24118 Germany


9.
Deutsche Nationalbibliothek
German National Library
Frankfurt am Main, D-60322 Germany


10.
Hofbibliothek Aschaffenburg
Hofbibliothek und Stiftsbibliothek Aschaffenburg
Aschaffenburg, D-63739 Germany


11.
Frankfurt am Main, D-60325 Germany
12.
Lausanne-Dorigny, 1015 Switzerland


Basel, 4051 Switzerland
Buch Buch

14.
Universität Bern
University of Bern
Bern 8, 3000 Switzerland


15.
Université de Neuchâtel
Bibliothèques de l'Université
Neuchâtel, 2000 Switzerland


16.
Bayerische Staatsbibliothek
Bavarian State Library (BSB)
München, D-80539 Germany


Erste Seite
 

Donnerstag, 21. Februar 2013

Kleine Fluchten als "Therapie"

Gestern haben wir - wie jetzt eigentlich immer häufiger -eine kleine Flucht nach vorn angetreten, nach Stuttgart, der "Großstadt zwischen Wald und Reben". Es gibt Städte, Dörfer und Landschaften, die allen Frust, den man mit sich herumschleppt, vergehen lassen. Vergessen sind schwierige Arbeitsbedingungen, Elster-Formulare, unstete Verlage und missmutige Mitmenschen. Fahr mal hin, sollte die Devise sein, nix wie weg oder getreu dem Motto von Gary Moore: Over the Hills and far away!

Dienstag, 19. Februar 2013

Das diebische Elster-Formular

Wenn ich morgens aufwache, höre ich die Elstern keckern und im Walnussbaum miteinander zanken. Sie zanken sich um die größten Brocken, wie alle Kreaturen auf der Welt sich um die dicksten Brocken zanken. Der Elster wird nachgesagt, dass sie Silberlöffel stiehlt, um ihr Nest damit aufzuwerten. Seit ein, zwei Jahren gibt es eine andere Art von Elster, die nicht minder silberlöffelgierig ist. Die Steuererklärungen kommen nicht mehr mit der Post, sondern man muss sie online ausfüllen oder aber persönlich zum Rathaus wackeln und die Formulare abholen. Etwa im September letzten Jahres bekam ich die Aufforderung vom Finanzamt, nun doch endlich meine Steuererklärung abzugeben. Ich habe es mit der Elster versucht, aber irgendwann hatte ich das Bedürfnius, in die Tastatur zu beißen und die Wände hoch - und runterzurasen. Immer, wenn ich ein Feld nicht ausgefüllt habe, das ich nicht ausfüllen k o n n t e, ging es nicht weiter. Man konnte das Dingens dann weder speichern noch ans Finanzamt weiterleiten. Schließlich habe ich kapituliert und bin zum Rathaus unserer Stadt gegangen, den Wagen so geparkt, dass ich nicht auch noch ein Knöllchen abkriegen würde. Die Formulare lagen griffbereit beim Empfang. Nun füllte ich den Vordruck brav aus und bekam ein paar Monate später den Auftrag, eine geringe Summe nachzuzahlen, was ich auch tat. Aber es muss außerhalb der angegebenen Frist gewesen sein, denn nach einer Mahnung kam ein Schreiben mit der "Androhung einer Zwangsvollstreckung"!. Ich habe nur den Kopf geschüttelt und mich gefragt, was der Bürger sich eigentlich noch alles gefallen lassen muss - nachdem er jahrelang zum Beispiel 10 Euro Praxisgebühr gezahlt hat, was dann mit einem Mal nicht mehr nötig war.

Nun ist es wieder soweit: Die Steuererklärung ist fällig. Diesmal ging es einwandfrei mit dem Ausfüllen des Elsterformulars, und ich war schon fast glücklich. Alle Bescheinigungen des Arbeitgebers, der Bank und des Verlages lagen griffbereit. Gerade wollte ich aufatmend auf "Ans Finanzamt übermitteln" drücken, da kommt ein roter Balken und sagt, ich solle die Religionsgemeinschaft eintragen. Wie könnte ich das, ohne zu lügen, da ich doch ausgetreten bin? Also schreibe ich "Keine" hin. Und will abschicken. Da kommt ein roter Balken und sagt: Ich solle das ausländische Land eintragen, in dem ich Kapitalertrräge erwirtschaftet hätte. Ja heilisakralausitzidanocheinmal! Will ich es ausdrucken, streikt der Drucker, meldet Papierstau, obwohl da gar kein Stau ist und hat kaum noch Tinte drin. Ich habe das alles jetzt erstmal mit einem Fluch in die Dateien zurückbefördert. Ich muss es der diebischen Elster ja gar nicht so bald in den Rachen werfen. Sie werden nämlich, sobald sie von einer "Einnahme aus selbständiger Arbeit" hören (sprich: Verlagsertrag) sofort den spitzen Schnabel wetzen und mir mindestens ein Drittel bis die Hälfte davon wegnehmen und womöglich noch viermal im Jahr eine Steuervorrauszahlung auf meine Bücher von jeweils 300 Euronen abfordern! Zweimal ist es mir schon gelungen, das abzuwenden, weil die Einnahmen ja gar nicht regelmäßig fließen. Wollt ihr wissen, was ich an einem Buch verdiene? Über zwei Jahre verteilt? Knapp zwei Monats-Nettogehälter! Da frage ich mich wirklich, wie Durchschnittsautoren jemals von ihrer Arbeit leben können sollen!