Warum schreibe ich nicht eine Fortsetzung des Schwarzwaldkrimis, warum recherchiere ich statt dessen darüber, wie das Schloss Hohentübingen im 15. Jahrhundert ausgesehen hat? Dieses Renaissance-Portal der Vorburg entstand nämlich erst im Jahr 1513, als das gesamte alte Schloss abgerissen war und von Herzog Ulrich von Württemberg neu aufgebaut wurde. Warum hat mich der gestrige Bericht über die Kelten im Südwesten so sehr interessiert?
Eine Antwort darauf könnte ein Artikel aus der Brigitte Woman geben. Das Interesse vieler Frauen für historische Romane könnte damit zusammenhängen, dass sie quasi Geschichtsunterricht nachholen möchten und sich vor allem für die kleinen Dinge des Alltags und des Zusammenlebens interessieren. Das trifft auf mich zu. Vor mehr als zehn Jahren wollte ich wissen, was man eigentlich früher im Schwäbischen zum Frühstück aß. Und stieß auf ein Buch von Peter Lahnstein, der mir das alles sehr anschaulich erklärte: "Schwäbisches Leben in alter Zeit". Das war der Beginn meines Schreibens von historischen Romanen.
Nun ist aber in den letzten Jahren eine solche Schwemme von historischen Romanen über uns hereingebrochen, dass der Markt übersättigt ist. Ich selbst kaufe und lese kaum noch historische Romane. Dagegen interessiert mich nach wie vor brennend, was in der Vergangenheit, besonders an den Orten, an denen ich lebe und die ich kenne, geschehen ist und wie die Leute dort lebten. Von Schmuck und Schwertern wollte ich nie besonders viel wissen, aber die filigranen Goldfibeln der Kelten haben mich so fasziniert, dass ich es bedauerte, aufgrund Millionenandrangs nicht in die Stuttgarter Keltenausstellung gekommen zu sein. Dieses Interesse für alte Mauern und altes Leben wird auch noch lange anhalten.
Eine andere Frage ist, wie sich das für die Autoren und Leser historischer Romane darstellt. (Und für Autoren und Leser sämtlicher Buchgattungen). Im Tübinger Osiander sah ich, dass das Regal für Hardcover mit Osiander-Prospekten aufgefüllt war. Die Angebotskurve verflacht, Hardcover und Taschenbücher gehen zurück, der E-Bookmarkt boomt, ist aber noch unübersichtlich, die Verlage müssen umdenken und innovieren. Dazu fand ich im Buchreport-Blog Überlegungen eines Innovationsberaters, welche Strategien erforderlich wären, um dem künftigen Leserinteresse und dem Interesse aller an der Entstehung und Verwertung eines Buches Genüge zu tun.
-Trendthemen haben immer kürzere Laufzeiten, müssen mit langfristiger Planung und Aufbau von Autoren Hand in Hand gehen.
-Die Lösungen müssen kundenorientiert sein.
-Der Inhalt muss bezahlbar sein.
-Verlagsintern müssten neue Strukturen für Innovationen geschaffen werden
-Das Projektmanagement sollte zum zentralen Handwerkszeug werden.
Mit eigenen Worten: Wir Leser brauchen professionell erstellte Bücher mit gutem Inhalt, die leicht zu erwerben, bezahlbar und trotzdem individuell sind.
Wir Autoren brauchen Vertriebsstrukturen, die gut zu verkraften sind -flexibe Verlage, die über der Gewinnorientierung die Wertschätzung ihrer Autoren nicht vergessen. Und Leser, die sich dessen bewusst sind, dass die Entstehung von Büchern ein Prozess ist, der sich kaum mit der Produktion von Fertiggerichten vergleichen lässt.
Posts mit dem Label Trends werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Trends werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 9. Mai 2013
Samstag, 23. Februar 2013
Machen Verlage die Autoren kaputt?
Seitdem ich 2004 meinen ersten Roman veröffentlichte, wehre ich mich dagegen, in Folge "immer dasselbe" schreiben zu sollen. Egal, ob Klein - oder Großverlag, unabhängig von Erfolg und Misserfolg, es wurde immer erwartet, die einmal befahrene Schiene weiter zu bedienen. Das wollte ich nicht. Und ich wollte raus aus den Zügen, die immer in die gleiche Richtung fuhren, alle gleich aussahen und irgendwann total überfüllt waren. Ich hatte eine ganze Palette von historischen, kriminologischen und Thriller-Ideen, teilweise schon ausgeführt, teilweise auch veröffentlicht, manche aber immer noch auf der Festplatte. Momentan bin ich ziemlich orientierungslos, um es ehrlich zu sagen. Fragen, die ich mir stelle:
Was wird mit meinem Hausverlag, wenn das nächste Buch nicht "erfolgreich" ist?
Was mache ich mit meinem Schwarzwaldkrimi, der in überarbeiteter Form vorliegt? Soll ich ihn mit Hilfe von Testlesern und mindestens 12 Überarbeitungen zur Bestform bringen? Wem soll ich ihn dann anbieten? (Meinem Agenten zuerst, denn er war an der Plotentwicklung beteiligt). Wird von mir erwartet, dass ich ihn unter Pseudonym herausbringe, wegen des Genrewechsels? Oder steht mein Name inzwischen so da, dass ich jonglieren könnte? Der Krimi ist nicht ganz Genre-lupenrein, er hat auch Thrillerelemente. So etwas wurde mir schon mal in einer Rezension vorgeworfen, dass es solche Elemente in einem historischen Roman gab. Und auch der Thriller, den ich gerade lese "Bluternte" von Sharon Bolton wird am Thrillergenre gemessen: Er sei doch eher gemütlich wie ein Krimi. Mir gefällt das im Übrigen recht gut, was sie schreibt, schon die Atmosphäre des Moordorfes mit Abteiruine und Friedhof.
Bei jedem Zweifel wurde mir von Kollegenseite geraten, doch das zu schreiben, was mir in die Finger käme und wofür ich brenne. Das habe ich auch getan, nur kollidiert es immer wieder mit dem "Markt"! Meine eigensten Bücher waren fast immer die am schlechtesten verkauften, von Verlags- und Agentenseite her gesehen. Den besten Rat, den mir andere gaben und den ich auch weitergeben würde, ist der: einfach immer weiterschreiben, die Texte optimieren und sich nicht beirren lassen! Alles, was mir in den letzten Wochen durch den Kopf ging, habe ich im Blog von Petra A. Bauer wiedergefunden.
Machen Verlage die Autoren kaputt?
Darin beschreibt sie das Dilemma der Autoren und der Trends, denen immer hinterhergehechtet wird. Bei den langen Vorlaufszeiten ist der Zug meist wieder abgefahren, wenn das Buch veröffentlicht wird. Was die E-Books betrifft, rät die Autorin davon ab, aktuelle Herzensprojekte in den Ring zu werfen - sie sieht das eher als Möglichkeit, vergriffene Werke wieder aufzulegen. So, wie ich es ja auch getan habe und wieder tun würde. Übrigens fällt mir dabei ein Thema ein, das ich schon mal in einem Roman verarbeitet habe: Die Suche nach dem Stein der Weisen ("Das Vermächtnis des Bischofs"): Da wird die Suche nach dem Stein allmählich ab absurdum geführt - um dann doch als Frage offen zu bleiben. (Und prompt kam wieder eine Kritik, die den Roman nicht "historisch" genug fand!) Genauso agieren gerade die Verlage und auch viele Autoren: Irgendwo muss doch das Rettende stecken, irgendwo muss es doch herkommen, irgendwie muss es mir dir ihm ihr ihnen doch gelingen, endlich aus niederen Metallen Gold zu machen!
Siehe dazu auch: Such dir ein globales Dorf von Petra van Cronenburg.
Was wird mit meinem Hausverlag, wenn das nächste Buch nicht "erfolgreich" ist?
Was mache ich mit meinem Schwarzwaldkrimi, der in überarbeiteter Form vorliegt? Soll ich ihn mit Hilfe von Testlesern und mindestens 12 Überarbeitungen zur Bestform bringen? Wem soll ich ihn dann anbieten? (Meinem Agenten zuerst, denn er war an der Plotentwicklung beteiligt). Wird von mir erwartet, dass ich ihn unter Pseudonym herausbringe, wegen des Genrewechsels? Oder steht mein Name inzwischen so da, dass ich jonglieren könnte? Der Krimi ist nicht ganz Genre-lupenrein, er hat auch Thrillerelemente. So etwas wurde mir schon mal in einer Rezension vorgeworfen, dass es solche Elemente in einem historischen Roman gab. Und auch der Thriller, den ich gerade lese "Bluternte" von Sharon Bolton wird am Thrillergenre gemessen: Er sei doch eher gemütlich wie ein Krimi. Mir gefällt das im Übrigen recht gut, was sie schreibt, schon die Atmosphäre des Moordorfes mit Abteiruine und Friedhof.
Bei jedem Zweifel wurde mir von Kollegenseite geraten, doch das zu schreiben, was mir in die Finger käme und wofür ich brenne. Das habe ich auch getan, nur kollidiert es immer wieder mit dem "Markt"! Meine eigensten Bücher waren fast immer die am schlechtesten verkauften, von Verlags- und Agentenseite her gesehen. Den besten Rat, den mir andere gaben und den ich auch weitergeben würde, ist der: einfach immer weiterschreiben, die Texte optimieren und sich nicht beirren lassen! Alles, was mir in den letzten Wochen durch den Kopf ging, habe ich im Blog von Petra A. Bauer wiedergefunden.
Machen Verlage die Autoren kaputt?
Darin beschreibt sie das Dilemma der Autoren und der Trends, denen immer hinterhergehechtet wird. Bei den langen Vorlaufszeiten ist der Zug meist wieder abgefahren, wenn das Buch veröffentlicht wird. Was die E-Books betrifft, rät die Autorin davon ab, aktuelle Herzensprojekte in den Ring zu werfen - sie sieht das eher als Möglichkeit, vergriffene Werke wieder aufzulegen. So, wie ich es ja auch getan habe und wieder tun würde. Übrigens fällt mir dabei ein Thema ein, das ich schon mal in einem Roman verarbeitet habe: Die Suche nach dem Stein der Weisen ("Das Vermächtnis des Bischofs"): Da wird die Suche nach dem Stein allmählich ab absurdum geführt - um dann doch als Frage offen zu bleiben. (Und prompt kam wieder eine Kritik, die den Roman nicht "historisch" genug fand!) Genauso agieren gerade die Verlage und auch viele Autoren: Irgendwo muss doch das Rettende stecken, irgendwo muss es doch herkommen, irgendwie muss es mir dir ihm ihr ihnen doch gelingen, endlich aus niederen Metallen Gold zu machen!
Siehe dazu auch: Such dir ein globales Dorf von Petra van Cronenburg.
Abonnieren
Posts (Atom)
