Donnerstag, 9. Mai 2013

Warum Frauen so gern ins Gestern reisen-und warum sich Verlage so schwer tun, das Kundeninteresse zu bedienen

Warum schreibe ich nicht eine Fortsetzung des Schwarzwaldkrimis, warum recherchiere ich statt dessen darüber, wie das Schloss Hohentübingen im 15. Jahrhundert ausgesehen hat? Dieses Renaissance-Portal der Vorburg entstand nämlich erst im Jahr 1513, als das gesamte alte Schloss abgerissen war und von Herzog Ulrich von Württemberg neu aufgebaut wurde. Warum hat mich der gestrige Bericht über die Kelten im Südwesten so sehr interessiert?

Eine Antwort darauf könnte ein Artikel aus der Brigitte Woman geben. Das Interesse vieler Frauen für historische Romane könnte damit zusammenhängen, dass sie quasi Geschichtsunterricht nachholen möchten und sich vor allem für die kleinen Dinge des Alltags und des Zusammenlebens interessieren. Das trifft auf mich zu. Vor mehr als zehn Jahren wollte ich wissen, was man eigentlich früher im Schwäbischen zum Frühstück aß. Und stieß auf ein Buch von Peter Lahnstein, der mir das alles sehr anschaulich erklärte: "Schwäbisches Leben in alter Zeit". Das war der Beginn meines Schreibens von historischen Romanen.

Nun ist aber in den letzten Jahren eine solche Schwemme von historischen Romanen über uns hereingebrochen, dass der Markt übersättigt ist. Ich selbst kaufe und lese kaum noch historische Romane. Dagegen interessiert mich nach wie vor brennend, was in der Vergangenheit, besonders an den Orten, an denen ich lebe und die ich kenne, geschehen ist und wie die Leute dort lebten. Von Schmuck und Schwertern wollte ich nie besonders viel wissen, aber die filigranen Goldfibeln der Kelten haben mich so fasziniert, dass ich es bedauerte, aufgrund Millionenandrangs nicht in die Stuttgarter Keltenausstellung gekommen zu sein. Dieses Interesse für alte Mauern und altes Leben wird auch noch lange anhalten.

Eine andere Frage ist, wie sich das für die Autoren und Leser historischer Romane darstellt. (Und für Autoren und Leser sämtlicher Buchgattungen). Im Tübinger Osiander sah ich, dass das Regal für Hardcover mit Osiander-Prospekten aufgefüllt war. Die Angebotskurve verflacht, Hardcover und Taschenbücher gehen zurück, der E-Bookmarkt boomt, ist aber noch unübersichtlich, die Verlage müssen umdenken und innovieren. Dazu fand ich im Buchreport-Blog Überlegungen eines Innovationsberaters, welche Strategien erforderlich wären, um dem künftigen Leserinteresse und dem Interesse aller an der Entstehung und Verwertung eines Buches Genüge zu tun.
-Trendthemen haben immer kürzere Laufzeiten, müssen mit langfristiger Planung und Aufbau von Autoren Hand in Hand gehen.
-Die Lösungen müssen kundenorientiert sein.
-Der Inhalt muss bezahlbar sein.
-Verlagsintern müssten neue Strukturen für Innovationen geschaffen werden
-Das Projektmanagement sollte zum zentralen Handwerkszeug werden.

Mit eigenen Worten: Wir Leser brauchen professionell erstellte Bücher mit gutem Inhalt, die leicht zu erwerben, bezahlbar und trotzdem individuell sind.
Wir Autoren brauchen Vertriebsstrukturen, die gut zu verkraften sind -flexibe Verlage, die über der Gewinnorientierung die Wertschätzung ihrer Autoren nicht vergessen. Und Leser, die sich dessen bewusst sind, dass die Entstehung von Büchern ein Prozess ist, der sich kaum mit der Produktion von Fertiggerichten vergleichen lässt.

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