Mittwoch, 29. September 2010

Über Abgründe schreiben

Ich erwarte keine Antworten auf Fragen, ich habe mich selbst gefragt, was ich, zwischen eingeschlagener Tür, Polizei und tödlichen Spielen, weiterhin schreibe. Jetzt weiß ich wenigstens, wie es ist, als Polizist vor einer Tür zu stehen, vor einem Zimmer, von dem ich nicht weiß, was sich darin abgespielt hat. Ich habe mich zur Gewalt entschieden, höre den Knall, mit dem die Tür auffliegt, sehe, was in dem Zimmer passiert ist ...Und das ist der Anfang einer neuen oder erweiterten Phase meines Schreibens. Ich sehe es vor mir, es ist alles unentwirrbar verknäult, doch ich werde es entwirren, wie alle meine von mir so gern gelesenen Krimi-und Thrillerautoren ihre Knäuel entwirrt haben. Es ist eine Zäsur, denn mit diesem Genre fange ich ganz neu an. Vielleicht muss ich mich dann so hochackern wie Nele Neuhaus, vielleicht scheitere ich schon beim Versuch. Aber ich werde es wagen, wenn nicht heute, dann morgen, übermorgen, in zwei Monaten!

Donnerstag, 23. September 2010

Die Kalender sind da!


Es lohnt sich, es lohnt sich immer, auch das Warten. Es gibt ja wirklich Wichtigeres auf der Welt. Aber es ist einfach prickelnd, wenn der Postbote dann klingelt und das Paket überbringt. Jetzt habe ich die Kalender in den Händen, und dazu noch ein kleines Manskriptangebot einer Autorin, das vielleicht in ein ähnliches Projekt hineinpassen würde.

Dienstag, 21. September 2010

Krimis und Kochbücher gehen immer

Im Pressebericht vom Börsenverein des deutschen Buchhandels (September 2010 für die Buchmesse) werden Trends für den Buchmarkt aufgezeigt. Offensichtlich wird, allen Unkenrufen zum Trotz, immer noch gelesen, Lesen ist eine der liebsten Freizeitbeschäftigungen der Deuschen, und das wird sich sicher auch auf die Dauer nicht ändern. Die Belletristik und Ratgeber haben demnach zugelegt, immer auf den Umsatz bezogen, Sachbücher, zunehmend politisch, etwas abgenommen. Seit den Bestsellern von Frank Schätzing und Dan Brown "Das verlorene Symbol" und "Limit"ist nach wie vor Spannung gefragt: Krimis scheinen Dauerbrenner zu sein! Daneben ist die Fantasy am Kommen, wie ich es auch schon in den Buchhandlungen gesehen habe. War die, vor J.B. Rowling, nicht schon mal totgesagt? Bei den Ratgebern mit ihren Themen Essen, Gesundheit und Lebenshilfe ist das Kochbuch weiterhin am stärksten im Aufwind. Ach ja, und das Geschichtsinteresse schwindet, dabei werden die historischen Romane nicht mal mehr erwähnt. Wie sagte mir ein Freund vor einiger Zeit? Wer weiß, ob dieses totgesagte Genre sich nicht wieder erhebt wie eine Bremse, nachdem man sie erwischt zu haben glaubte.

Was kann nun ein Autor, der bereits mehrere Bücher veröffentlich hat, daraus für Schlüsse ziehen? Soll er jetzt Krimis, Fantasy und Kochbücher schreiben, weil dafür ein gesellschaftliches Interesse besteht? Ich selbst lese ja sehr gerne Krimis, Kochbücher brauche ich weniger zum Kochen, eher zur Recherche. Dazu ein Beispiel: Kürzlich suchte ich ein fränkisches Kochbuch und konnte es weder in kleinen noch in großen Buchhandlungen finden. Ich durfte es bestellen, und es wurde mir kostenlos drei Städte weiter geliefert. Sie sind sehr schön, dabei preiswert, gut bebildert und sicher gut für mein anderes Projekt zu verwerten. Meine historischen Romane hatten immer auch einen Touch von Krimi, manchmal sogar Fantasy und Kochbuch. Reiseliteratur gehört sicher zu den Ratgebern und wurde nicht besonders hevorgehoben. Genremix geht nicht, hat es geheißen, die Leser wollen reines Genre. Im Klappentext des Spiegel-Bestsellers von P.D. James steht, die Autorin gehe abermals weit über das Niveau des Detektivromans hinaus, ohne die Konventionen des Genres selbst zu verletzen. Das liest sich auch gut zur Beruhigung und vor dem Einschlafen, ohne allerdings den Nachtschlaf zu rauben.

Mein Fazit aus diesen Trendmeldungen: Ich bin als Leserin immer selbst drin im Trend, mache mir also mein eigenes Bett. Mein Haupttrend war immer, Historie und Krimi zu schreiben. Letzter Stand dazu: Inzwischen habe ich drei krimimäßige Plots auseinandergedröselt und dabei ist ein neuer hinzugekommen, den ich jetzt im Kopf herumtrage und ihn weiterentwickle.

Sonntag, 19. September 2010

Ausflug im September


Eigentlich wollte ich mich noch mit der Frage beschäftigen, warum Georgette Heyer nicht über das geschrieben hat, über das sie schreiben wollte, nämlich das Mittelalter (die Liebesromane ließen ihr nicht genügend Zeit), warum der Schlagzeuger Phil Collins (früher Genesis) immer etwas anderes spielen wollte und erst jetzt, wenn er keine Tourneen mehr machen will, ein Soulalbum herausgibt und warum P.D. James, von der ich mir ein neues Taschenbuch ("Ein makelloser Tod") gekauft habe, noch mit 88 Jahren Krimis schreibt.

Statt dessen haben wir heute endlich mal wieder einen Sprung in die Landschaft machen können: Über Pforzheim zur Enzschleife bei Vaihingen, in das Weindorf Rosswag. Wenn man nicht über die Schnellstraße fährt, kommt man durch den Waldenserort Pinachemit der ältesten Waldenserkirche Deutschlands von 1721. Die Waldenser erreichten Süddeutschland 1699, nachdem sie ihres Glaubens wegen aus Südfrankreich vertrieben worden waren, und nannten die neuen Orte nach ihren Heimatdörfern.


Rosswag an der Enzschleife: In Millionen Jahren hat sich die Enz hier durch den Muschelkalk gefressen und einen weiten Umlaufberg geschaffen (Mönchberg). Ein Ort zum Verlieben, und die Weinberge werden wie in alter Zeit bewirtschaftet. Dass die Pflege der Trockenmauern Tausende von Arbeitsstunden benötigt, wusste ich nicht. Aber w i e brutal die Arbeit im Weinberg gewesen sein muss, merkten wir am Aufstieg.







Die Trauben schmecken süß und sind sehr saftig. Daraus entsteht zum Beispiel der Rosecco-Perlwein. Rosswag ist einer der wenigen Weinbauorte Baden-Württembergs, dessen Trauben auf Muschelkalk gedeihen. Im Ort scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, doch wird der Weinbau nur noch nebenberuflich betrieben. Im Zusammenhang mit dem Muschelkalk stehen oben Kiefernwälder und Walnussbäume. Vorsicht, man darf nicht einfach irgendeinem Weg folgen, sonst steht man am Abgrund und muss die ganzen Stufen wieder hinauf! Eidechsen und Weinbergschnecken sonnen sich auf den Treppen. Ich fühlte mich seit Langem mal wieder so wie diese Eidechsen und Weinbergschnecken, nämlich warm und frei von Sorgen.
Welch ein Kontrast ist die kleine Großstadt Pforzheim! Aber hier, wo die Enz aus dem Schwarzwald tritt, gibt es alle Annehmlichkeiten, große Buchhandlungen unter der Woche, schöne Cafés am Fluss und Latte Macchiato.

Das Lieblinggerichte und-bücher der Deutschen

Ich wollte den Gedanken noch ein wenig weiterspinnen und habe mir überlegt, was die Deutschen wohl am liebsten essen.
Pizza
Schweinebraten
Schitzel und Pommes
kam mir als Erstes in den Sinn. Dann habe ich nachgeschaut:
Die zehn beliebtesten Kantinenessen
und
Hausmannkost ist das Lieblingsessen der Deutschen
Ob man das in Korrelation zu den Lieblingsbüchern setzen könnte? Demnach müssten die Deutschen vor allem Hausmannbücher lesen, keine ausländischen Übersetzungen. Leider habe ich keine topaktuelle Liste der Bücher gefunden, die repräsentativ wäre.

Freitag, 17. September 2010

Was soll ich heute kochen?

Immer, wenn ich mir überlege, mit welchem Projekt ich beim Schreiben weitermache oder was ich heute schreiben könnte (man merkt, dass ich in der notwendigen Ruhephase bin, gell?), fällt mir dieser Witz von der Hausfrau ein, die auf einem Marktplatz ein Schild hochhält:
Was soll ich heute kochen?
Da sie in der Nähe der Buchhandlung steht, erhält sie vielfältige Antworten. Die Luft schwirrt von Kochrezepten, die ihr aus allen Ecken zugerufen werden.
Blut ist vom Feinsten, wispert eine junge, bleiche Schöne, ist nahrhaft und gesund und vor allem unverfälscht. Wer es variieren oder etwas Festes zwischen den Zähnen haben möchte, mixe sich eine Bloody Mary oder brate ein Steak englisch.
Bloß nicht!, protestiert ein anderes Buch. Bloß keine Tiere essen! Habt ihr die Skandale schon vergessen?
Und wenn ihr seht, wie alles in Verwesung übergeht, vergeht euch sowieso der Appetit, schaltet sich ein anderes ein. Denkt an die Maden, die lederartige Haut. Denkt daran, wie es ist, neben einem Folteropfer Fleisch zu schneiden, mit Peperoni, in Ringe geschnitten, anzubraten und langsam verkohlen zu lassen, derweil du auf die Pirsch nach dem nächsten Opfer gehst!
Ipfuiteufel, meint Chamisso auf seiner Weltreise. Dazumal haben wir noch Delphine harpuniert, sie schmecken aber nicht so gut wie die Haie.
Ihr mit euren kleinkarierten Rezepten, wirft Z., ein Bestsellerautor, ein. Kocht doch mal so was richig Revolutionäres, etwas, das die ganze Nation umrührt!
Die Hausfrau guckt ratlos. Was vor ihr an den Ständen angeboten und marktbeschrien wird, besteht aus Kartoffeln, Kohl, gelben Rüben, Fleisch, Fisch, Wurst und Käse, Butter, Eiern, allenfalls noch Tee, Gewürzen und Honig.
Bleib im Lande und nähre dich redlich, heißt es weiter. Die Leute mögen Bodenständiges, Heimisches, das sie wiedererkennen.
Viel zu langweilig, kontert ein amerikanischer Bestseller. Ihr müsst serienmäßig kochen, mit Blut, Innereien, Fleisch, und das Ganze immer neu variieren.
Die Hausfrau ist bleich geworden.
Also, nach den Rezepten wollte ich eigentlich nicht kochen. Ich nehme dann mal Tomaten und grüne Bohnen von der Reichenau, einen Braten vom Halleschen Landschwein, der dann in Dunkelbiersoße geschmort wird, Zucchini aus Italien, spanische Chorizo, französischen Hartkäse und Bodenseefelchen. Vor dem Hauptgang gibt es ein Amuse Geule, zum Nachtisch ein Sorbet surprise. Oder vielleicht auch mal wieder russischen Borschtsch, nach kreativem Speialrezept gekocht, dafür bräuchte ich noch rote Bete und Diverses, oder Tapas: Gambas in Knoblauchöl, Albondigas in Tomatensoße, schwarze Oliven, Artischockenherzen in Vinaigrette, eine Tortilla mit Krabben, und danach den unvergleichlichen Flan
.

Donnerstag, 16. September 2010

Der Computer schweißt uns zusammen

Eigentlich hatte ich mir heute einen Kopf gemacht, wie es weitergehen soll mit dem Schreiben, in alten Träumen rumgewühlt und war schon wieder müde. Da mir nichts mehr einfiel, was ich wenigstens in den Blog hätte schreiben können, stellte ich mir die Frage: Was interessiert Blogleser eigentlich? Kommt natürlich darauf an, welche Blogs sie lesen und was sie suchen. Wenn ich mir die Suchanfragen der letzten Monate vor Augen führe, interessiert die meisten Menschen meines Blogs:

WARUM FÄLLT DAS BILD VON DER WAND?
UND WAS HAT DAS FÜR EINE BEDEUTUNG?

Nachdem ich auch noch Google gefragt hatte, stieß ich auf verschiedene Bloguntersuchungen. Bei denen kam u.a. heraus, dass Studenten eher was für ihr Studium suchen, zum Beispiel, und der Selbstdarstellung in den Blogs misstrauen. Andere finden gerade wieder das reizvoll. Und dann stieß ich auf einenArtikel vom Juli dieses Jahres, betitelt

SOCIAL MEDIA: DER SIEG DER SCHWACHEN VERBINDUNGEN

Den habe ich mit Vergnügen gelesen, denn der Autor Knüwer kommt zu äußerst reizvollen Ergebnissen, die der landläufigen Meinung, das Internet zerstöre menschliche Beziehungen und vereinsame den Einzelnen, zumindest inTeilen widerspricht.

Dienstag, 14. September 2010

Das Chamäleon

Ich bin keine Künstlerin, sondern ein Chamäleon, das habe ich jetzt herausgefunden. Ein Chamäleon ist landläufig ein Wesen, das sich farblich seiner Umgebung anpasst (um sich zu tarnen, nehme ich an, und um besser an die Fressbeute zu kommen). Das war nämlich so:
Als ich in der Schule war, wollte ich Buchhändlerin werden. Damals verdiente man bei Thalia aber so wenig, dass mein Vater mir heftig abriet. Statt dessen wurde ich Sozialpädagogin. Während des Studiums schrieb ich für Scheine (nein, keine Geldscheine, auch wenn man das jetzt denken könnte) und am Schluss eine Diplomarbeit, weil es sich so gehörte. Dann kamen die großen Bewegungen, und ich schrieb politisch, weil damals das Wort noch ein erhebliches Gewicht hatte.
Als ich ein kleines Kind hatte, wollte ich ein Kinderbuch schreiben, später einen Mediationsratgeber. Es hätte auch ein Erfahrungsbericht werden können, mit dem ich viele erreicht hätte, denn Mediation war zu der Zeit noch ein Fremdwort. Später fing ich begeistert an zu wandern und schrieb Wanderberichte. Als das Moos der frühen Schreibjahre abgebröckelt war, folgten Kurzgeschichten, die ich in einer stürmischen Oktobernacht im Computer entdeckte, vor fast genau zehn Jahren. Aus den Kurzgeschichten wurden erste Romane. Ich schrieb über einen Dichter, weil ich den schon aus der Vorzeit kannte und schrieb historische Geschichten, weil unser Geschichtslehrer uns zu wenig über die Leute damals erzählt hat. Wenn die Warterei mal wieder zu nervig war, schrieb ich Wander- und Ausflugsberichte und siehe da, auch dafür gab es verlegerische Interessenten.
Was bleibt zu tun? Was ist der nächste Schritt? Jetzt müsste ein Ratgeber über Burnout folgen. Und als Schlussrakete ein Psychiatrie-Thriller! Bis zu den Rentnerkrimis ist ja noch ein wenig Zeit.:-)
Preisfrage: Was wäre gewesen, wenn ich Buchhändlerin geworden wäre?

Montag, 13. September 2010

Ein wissenschaftlicher Burnouttest

Beim Surfen habe ich einen Link auf die Basler psychiatrische Universitätsklinik gefunden, die eine Untersuchungsreihe zum Thema "Burnout, Schlaf und Lebenszufriedenheit" durchführt. Dazu gibt es einen hochinteressanten Test, dessen Ergebnissen man entnehmen kann, was man vielleicht an seinem Leben ändern sollte. Oft scheint es eine Überverantwortlichkeit für andere zu sein und der Druck, unter den man sich selber setzt, um gewisse Ziele zu erreichen. Die Ergebnisse bestätigen mich in meiner Einschätzung. Was ich noch lernen muss: nicht immer zu viel auf einmal und zu schnell zu wollen, denn das macht auf die Dauer erschöpft und müde. Deshalb schiebe ich meinen nächsten Roman doch noch ein wenig raus, denn es gibt genug andere Dinge zu tun. Das ewige Plotten stört den Alltag!:-) Und vom Verlag ist schon eine Antwort da-Es wird ein Treffen vorgeschlagen.
Gut sind auch die Vorschläge, die von der Klinik in Bezug auf Selbsthilfe gemacht werden:

* Die Ursachen für Stress / Belastungen herausfinden.
* Sich langfristige Ziele im Leben setzen und nicht allein auf kurzfristige Erfolge hoffen. Was soll sich in 6 Monaten, 1 Jahr oder 5 Jahren verändert haben?
* Ausgewogen und vernünftig leben, essen, schlafen und für Ausgleich sorgen
* Mehr positive Erlebnisse und Aktivitäten im Alltag
* Soziale Kontakte pflegen
* Hobby
* Entspannungsverfahren oder Yoga
* Sport, regelmässige Spaziergänge / Schwimmen / Fahrradfahren

Donnerstag, 9. September 2010

Autorin im Glück

Sagte ich es nicht-Schlag auf Schlag? Ich habe einen Luftsprung gemacht, keinen Salto wie Miroslav Klose-Mein "Sündiges Gewand" ist vermittelt!
Und jetzt auf nach Reutlingen, wohin ich am Montag die Texte sckicken will.
Gottseidank sind wir nicht in den Urlaub, an den Lago Maggiore oder Vaison la Romaine gefahren ..

Dienstag, 7. September 2010

Schlag auf Schlag-und gegen den Burnout

Gerade kam die letzte Fahnenkorrektur von der Anthologie "Gezeiten" und geht dann morgen in Druck. Ich habe meine drei Geschichten noch einmal gelesen und hatte ein sehr gutes Gefühl dabei. Auch die anderen Geschichten sind mir sämtlich ans Herz gewachsen. Inzwischen habe ich auch den Link zu buchhandel.de:

Gezeiten

Das funktioniert nur, hüstl, wenn man "Gezeiten" und die ISBN-Nr. 978-3-935861-25-0 eingibt. Wenn ich auf meinen Namen klicke, erscheinen auch noch "Die Nonne und die Hure" und "Die Pilgerin von Montserrat." Umgekehrt sah ich kürzlich einen Eintrag von Perlentaucher (30.August 2010), wo ich als Autorin nur mit einem Buch gelistet bin, nämlich dem Mörike. Geht hier das Rasiermesserchen der UnterhaltungversusLiteratur mitten durch die Netzbuchhandlungen?:-)
Jetzt fehlt bloß noch die Meldung, dass mein letzter historischer Roman auch noch seinen Platz gefunden hat, dann gehe ich raus und mache einen Purzelbaum in der Luft wie weiland Schweinsteiger bei der WM! Da ich das aber nicht zustande bringen würde, werde ich lachend in den Regen rausgehen und ein Lied auf den Marder singen, der sich inzwischen vollkommen verzogen hat. Mein Agent zeigte sich ja immer sehr zuversichtlich. Aber nicht, dass ihr denkt, ihr müsstet mir jetzt ständig gratulieren. Das ganze letzte Jahr war sehr anstrengend, aber es hat alles sehr viel Spaß gemacht, und irgendwann erntet man dann auch mal die Früchte. Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, dann war es ein Lehrstück für mich selbst. Ich war mindestens zwei Mal vollkommen ausgebrannt, musste immer wieder zurückfahren, wollte immer wieder das Schreiben aufgeben, den Beruf aufgeben und habe dann doch weitergemacht. Nicht mit dir und nicht ohne dich, du heißgeliebte, nervzehrende Obsession! Und Petra hat gerade einmal wieder beschrieben, wie krankmachend andererseits Nicht-Schreiben sein kann, wie heilsam der Prozess, sich dem wieder zu nähern, was heißt nähern, sich da total wieder reinzuschmeißen! Nicht aufzugeben, die Rückschläge immer wieder zwar als Hemmnis, aber nicht als Niederlage zu sehen, einfach bei sich und seinem Schreiben zu bleiben, das schlägt sich irgendwann einmal nieder.
Aber eines habe ich ebenfalls gelernt, und das meinte ich eigentlich mit "Neuanfang": Ich höre allmählich auf, den anderen, den Klienten, den Leser, den Verlag, den Agenten im Fokus meiner gesamten Aufmerksamkeit zu sehen. Ich habe gemerkt, dass ich selbst auch noch da bin mit meinen Bedürfnissen, Plänen und Träumen. Und ich beginne gerade, mich wieder mehr darum zu kümmern. Man muss sich nicht blutig kratzen, wie die Kollegin Friederike Schmöe so eindrücklich schrieb. Man muss sich auch nicht selbst das Leben versagen, um anderen dienlich zu sein, in keiner Hinsicht. Ich brauche Pausen im Beruf, der mich aussaugt und mir jahrelang einen eisigen Wind ins Gesicht geblasen hat. Die kann ich mit "Schreiben für mich selbst" füllen, aber nicht mit allem anderen, das dazugehört, einschließlich Marketing. Die Pausen vom Schreiben haben sich Körper und Seele machmal kurzfristig erzwungen, es aber nie lange geschafft. Der abolute Tiefpunkt kam vor ein paar Tagen, als ich nichts mehr lesen konnte, nichts Neues mehr schreiben wollte und das TV-Programm mich ausspuckte. Nicht einmal wandern wollte ich mehr. Rien ne vais plus. Da hat mein Schreibteufelchen dann ganze Arbeit geleistet! Ich habe mir ein dickes Buch beim Tübinger Antiquar gekauft und mich an schönen Geschichten schwäbischer Dichter entlanggehangelt. Im Fernsehen schaute ich mir noch mal einen Teil von Heinrich VIII.an und merkte, dass mein historisches Interesse unverfälscht geblieben und noch da ist. So pflege ich mich in diesem Urlaub, bin unterwegs, bewege mich, kaufe neue Klamotten, korrigiere ein bisschen und werde mich dann gelassen -toitoitoi-wieder in die Arbeit und zu neuen Ufern des Schreibens begeben.

Mittwoch, 1. September 2010

September-ein Neuanfang

Der September ist auch bei mir ein Monat, auf den ich mit Spannung blicke.
Einerseits ist da noch diese spinnwebfeine Nostalgie, tauchen Bilder vor mir auf von Kürbissen, Kamille und Klatschmohn am Wegrand und Rilkes Worte
"...wer jetzt kein Haus hat, baut auch keines mehr, wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben, und lesen, lange Briefe schreiben."
Es ist ein Abschied, aber in jedem Ende ist ein Anfang enthalten. Was geht denn eigentlich zu Ende? Ich glaube, die Ära des Stapelschreibens geht zu Ende. Nicht, dass meine Bücher nie mehr auf einem Stapel liegen oder in die Regale der Buchhandlungen eingereiht sein sollten. Aber in Zukunft werde ich mich darüber freuen, meine kleinen Werke in den regionalen Abteilungen zu sehen. Oder auch mal gar nicht. Ich bin immer wieder ein wenig entsetzt, wie austauschbar die Bücher auf dem Stapel sind. Und ich selbst bin da genauso grausam: Gestern habe ich die Bücher, die ich gewiss nie mehr lesen werde, aus meinem Regal genommen, um Platz für Neues zu schaffen. Mit dem Lesen ging es mir danach gar nicht gut: Es waren neue Krimis hereingekommen (aus dem Bücherei-Flohmarkt), aber der einzige, den ich lesen konnte, war einer von Agatha Christie (Die Schneewittchen-Party). Ausgelesen, erstmal, aber noch lange nicht ausgeschrieben. Ich möchte in diesem Monat Kurzgeschichten, Erzählungen und szenische Skizzen schreiben, über historische und literarische Persönlichkeiten.
Der Anfang ist schon konzipiert: Der berühmte Astronom Johannes Kepler aus Weil der Stadt (hier in der Nähe) und der Hexenprozess gegen seine Mutter. Jetzt bin ich gespannt, ob vom Verlag eine Antwort kommt. Das ist fast spannender als ein Krimi.

Das blaue Band

Frühlingsspaziergang am Neckar Jetzt ist er endlich da, der "richtige" Frühling! Und tatsächlich liegt eine Art blaues Band üb...