Montag, 13. September 2010

Ein wissenschaftlicher Burnouttest

Beim Surfen habe ich einen Link auf die Basler psychiatrische Universitätsklinik gefunden, die eine Untersuchungsreihe zum Thema "Burnout, Schlaf und Lebenszufriedenheit" durchführt. Dazu gibt es einen hochinteressanten Test, dessen Ergebnissen man entnehmen kann, was man vielleicht an seinem Leben ändern sollte. Oft scheint es eine Überverantwortlichkeit für andere zu sein und der Druck, unter den man sich selber setzt, um gewisse Ziele zu erreichen. Die Ergebnisse bestätigen mich in meiner Einschätzung. Was ich noch lernen muss: nicht immer zu viel auf einmal und zu schnell zu wollen, denn das macht auf die Dauer erschöpft und müde. Deshalb schiebe ich meinen nächsten Roman doch noch ein wenig raus, denn es gibt genug andere Dinge zu tun. Das ewige Plotten stört den Alltag!:-) Und vom Verlag ist schon eine Antwort da-Es wird ein Treffen vorgeschlagen.
Gut sind auch die Vorschläge, die von der Klinik in Bezug auf Selbsthilfe gemacht werden:

* Die Ursachen für Stress / Belastungen herausfinden.
* Sich langfristige Ziele im Leben setzen und nicht allein auf kurzfristige Erfolge hoffen. Was soll sich in 6 Monaten, 1 Jahr oder 5 Jahren verändert haben?
* Ausgewogen und vernünftig leben, essen, schlafen und für Ausgleich sorgen
* Mehr positive Erlebnisse und Aktivitäten im Alltag
* Soziale Kontakte pflegen
* Hobby
* Entspannungsverfahren oder Yoga
* Sport, regelmässige Spaziergänge / Schwimmen / Fahrradfahren

Kommentare:

Rabenblut hat gesagt…

Wenn ich das so lese, wird mir klar, dass Schreiben geradezu ins Frust-Burnout führen muss!
- Langfristige Ziele setzen: Kein Problem, ich warte einfach die nächsten zehn bis fünfunddreißig Jahre auf einen Verlagsvertrag.
- Für ausreichenden Schlaf sorgen: Schlaf opfere ich doch eigentlich nur fürs Schreiben, wann schreib ich denn dann?
- Mehr positive Erlebnisse: Absage, Absage, Absage.
- Soziale Kontakte pflegen: Mal gucken, ob unter meinem Schreibtisch noch jemand Menschliches hockt ...
- Sport: Einfach den Schreibtischstuhl kreiseln lassen, immer weiter, das bringt den Kreislauf in Schwung.;-)
Liebe Grüße,
Nikola

Christa hat gesagt…

Und wenn man sich Schreiben als Hobby ausgesucht hat, kann das ganz schön professionell werden:-)
Doch ich habe noch ein paar Ideen, wie du gegensteuern kannst: nach zehnJahren Warten schreibst du nur noch für dich-
-Schlafpausen vorm Computer einlegen
-die Absagen als Widerstand ansehen, den es zu überwinden gilt
-im Café schreiben, da ist man unter Leuten:-)
-Dauerläufe zum Briefkasten und zu den Buchhandlungen einlegen.
Wenn du den Vertrag hast, geht es von vorne los: Wieviele Verträge willst du in zehn Jahren haben? Wieviel Schlaf bist du noch bereit zu opfern?
Reicht Zusage, Zusage, Zusage als positives Erlebnis aus?
Wem begegnet man da unterwegs?
Und welcher Sport eignet sich hervorragend zum Plotten?

Liebe Grüße
Christa

Rabenblut hat gesagt…

Und welcher Sport eignet sich hervorragend zum Plotten?

Joggen, noch besser Walken! Bei meiner Lieblingsrunde kann ich dabei sogar dreimal den ersten Akt von Rachmaninovs 3.Klavierkonzert hören - herrlich!
Außerdem laufen beim Laufen auch die Gedanken.
Ich glaube übrigens nicht, dass eine Zusage als positives Erlebnis ausreicht. Und dann? Schielt man dann nur auf die Verkaufszahlen?
Ich denke Lesungen mit Leserkontakt geben das beste Feedback, oder?
Wie ist das bei Dir? Welcher Sport eignet sich bei Dir am Besten? Wo holst Du Dir Deine Bestätigung?
Herzlich,
Nikola

Christa hat gesagt…

"Wie ist das bei Dir? Welcher Sport eignet sich bei Dir am Besten? Wo holst Du Dir Deine Bestätigung?"

Für mich sind Rezensionen und direkte Kontakte mit Menschen, zum Beispiel im Freibad, sehr wichtig. Dort sind mir beim Schwimmen immer die besten Ideen gekommen, auch beim Bahnfahren. Wandern ist auch sehr gut, und unsere Städtetouren, Museumsbesuche, Buchhandlungen (die sind immer sehr erfreut, wenn ich mich als Autorin oute), Antiquariate, Bilderausstellungen und Mittelaltermärkte.
Die größte Bestätigung hole ich mir eigentlich im Beruf, alles andere ist eher temporär, wenn auch sehr intensiv. Und beim Schreiben selbst, bei persönlichen Kontakten mit Verlegern und Lektoren.

LG
Christa

Anonym hat gesagt…

Und das Bloggen, und persönliche Treffen mit Autorenkollegen. Alles braucht seine Zeit-das Schielen auf Vekaufszahlen ist noch die burnoutgefährdetste Tätigkeit überhaupt!-:)

Anonym hat gesagt…

Das war ich-aber jetzt muss ich schnell ins Team!

Petra hat gesagt…

Ich muss gerade schmunzeln: Die Sache mit dem Zielesetzen hat etwas von den drei Wünschen an die gute Fee. Oft ist man einfach nur eine scheuklappenbewehrte Ilsebill, die falsch wünscht.

Beispiel: Ich habe mir mal früher gewünscht und vorgenommen - äußerst langfristig - ich wolle "es" mit 50 geschafft haben. Wahrscheinlich stellte ich mir damals so etwas wie den großen Durchbruch als Autorin vor, jubelnde Fans und wehende Fähnchen ;-)

Und jetzt, wo es bald zu spät ist, stelle ich fest, dass ich "es" tatsächlich geschafft habe: Mich von solchen Wünschen frei zu machen.

Mein Tipp also: Ziele nie zu hoch und unerreichbar ansetzen, sonst wird man frustriert. Immer ein bißchen über die eigene Messlatte und mit Luft zum Interpretieren... Und die Riesenvisionen in kleine Portionen aufteilen ;-)

Herzlichst,
Petra

Rabenblut hat gesagt…

Zu große Ziele hatte ich noch nie. Auf mein Buch bezogen habe ich mir immer nur gewünscht, dass zwei Buchdeckel drumkommen. Mehr nicht.;-)

"Buchhandlungen (die sind immer sehr erfreut, wenn ich mich als Autorin oute)"
Das finde ich toll, das würde mir auch Spaß machen!
Liebe Grüße,
Nikola

Christa hat gesagt…

Ich glaube, ich wollte zehn Jahre später in einem Haus am Bodensee sitzen und schreiben, als ich anfing. Und schreibend durch dei Welt reisen. Statt dessen lag ich schreibend am See und fuhr durch die Welt.:-)