Samstag, 14. November 2009

Noch einmal: Aus für Fiction-Writing?

Ich kopiere hier mal den Eintrag hinein, den ich kürzlich in meinem alten Blog gemacht habe (und habe dabei die Werbung gelöscht)sowie den Kommentar, den die damalige Werkstattleiterin, Jutta Miller-Waldner, dazu abgegeben hat:

Aus für Fiction-Writing! Liebe Leser dieses Blogs,im Februar dieses Jahres habe ich zu einem anderen Bloganbieter gewechselt. Nun ist aber gerade dieser Blog hier auf Interesse gestoßen-wegen der Hinweise auf das Schreiben und Veröffentlichen. Also habe ich ihn wieder zu meinen Favoriten gestellt und werde evtl. ab und zu einen Eintrag machen.Vor wenigen Tagen erreichte mich die Nachricht, dass die Schreibwerkstatt "Fiction-Writing", meine schreiberische Heimat von 2000-2005, an ihrem Nullpunkt angekommen und im Nirwana des Netzes verschwunden sei! Über die Hintergründe kann ich nur mutmaßen. Die Werkstatt lebte vom Engagement ihrer Teilnehmer. Jeweils ein etwas Erfahrenerer stellte Monat für Monat eine Schreibaufgabe, auf die dann manchmal bis zu 100 Beiträge kamen (Kurzgeschichten). Die Werkstattleitung und alle Teilnehmer(so sie denn nicht nur auf sich selbst fixiert waren) kommentierten diese Geschichten. Im "Mailenstein", dem dazugehörigen Diskussionsforum, wurde miteinander kommuniziert, gelacht und gestritten. Ich habe dort mein Basishandwerk gelernt und war nach zwei Jahren in der Lage, einen Roman anzufangen, der 2004 veröffentlicht wurde.Inzwischen sind auch der dritte und vierte Roman veröffentlicht:Die Nonne und die Hure, Februar 2009 im Aufbau VerlagDie Pilgerin von Montserrat, September 2009 im Aufbau Verlag

13.11.09 10:57

Jutta / Website (14.11.09 17:26)Hallo Christa, es ist schon lange her, dass wir Kontakt hatten, genauer gesagt: es war zu den Zeiten, als ich noch die Leiterin von fiction-writing war. Zuerst einmal möchte ich Dir ganz, ganz herzlich zu Deinen Erfolgen gratulieren! Ich habe sie übrigens durch Deinen Blog verfolgt. Aber zu Fiction-Writing: Ich hatte neulich nach der Seite gesucht und sie nicht mehr gefunden, dachte aber, das sei ein temporäres Problem, da ich noch im Juni mit Sabine gemailt hatte. Sabine hatte auch Anfang des Jahres, soweit ich mich erinnere, das Archiv wieder eingestellt. Es gab doch noch jede Menge Beiträge. Eine Mail an sie, die ich eben geschrieben hatte, ist zurückgekommen. Jedenfalls war die Schreibwerkstatt die beste im Netz und ich bin ganz schockiert und mache mir Sorgen. Liebe Grüße Jutta

Donnerstag, 12. November 2009

Der Sebastian-Blau-Wanderweg, Kuttelkrieg und das Wesen der Muse

Sebastian Blau war ein schwäbischer Schriftsteller und Herausgeber der "Stuttgarter Zeitung". In den letzten Tagen habe ich mich mit seinem Leben und Werk beschäftigt, und das wird im Kalender 2011 Einzug halten. Zur Einstimmung ein Auszug (die Wanderung kann man sehr gut auch im Winter machen, nur wird die Brücke in Rottenburg zur Zeit neu gebaut, so dass zwei Schilder mit Gedichten fehlen). Die genaue Wegbeschreibung findet man hier.

Als Lektor des Stuttgarter Rundfunks lehnte Josef Eberle Vorträge von Hitler und Goebbels ab. 1933 wurde ihm die Stelle im Funkhaus gekündigt, und er musste für kurze Zeit in das KZ Heuberg bei Stetten a.k.M. Als Sebastian Blau versuchte er, sich eine Existenz als Schriftsteller aufzubauen, erhielt jedoch 1936 Berufsverbot. Trotzdem erschien 1941 seine „Rottenburger Hauspostille“. Nach 1945 war er Mitherausgeber der „Stuttgarter Zeitung“. 1956 Ehrendoktorwürde der Universität Tübingen, 1961 Ehrenbürger der Stadt Rottenburg. In die fünfziger Jahre fiel der sogenannte „Kuttelkrieg“ zwischen Preußen und Schwaben im Stuttgarter Tagblattturm. Eberle, ein glühender Anhänger der sauren Kutteln, setzte sie allzu häufig auf den Speisezettel in der Kantine. An diesen „Kutteltagen“ blieben viel Mitarbeiter dem firmeneigenen Mittagstisch fern, schlichen hinüber ins benachbarte Santa Lucia und ließen sich das Essengeld auszahlen. Als Eberle dahinter kam, verdonnerte er die Belegschaft zum Kuttelessen, was mit Dienstreisen und Krankmeldungen quittiert wurde. Das Zwangsessen kam schließlich nicht zustande, weil die Lieferung nicht für alle gereicht hätte - der Kuttelpreis sei so sprunghaft gestiegen, dass nur die Chefetage bekocht werden könnte. Für die anderen gab es Schnitzel mit schwäbischem Kartoffel – und preußischen Gurkensalat. Und künftig stand immer ein „Zweitgericht“ auf der Speisekarte.
Zum 100. Geburtstag des Dichters im Jahr 2001 wurde ein „Sebastian-Blau-Wanderweg“ eingeweiht. Er beginnt am Museum Sulemacenna in Rottenburg, führt durch das Kapuzinertor, am „Preußischen“ durch das Fabrikgelände hinauf zur Altstadtkapelle nach Bad Niedernau. Von dort über die Brücke und ein Stück auf dem Radweg, dann hoch und teilweise auf einem sehr schönen Traufweg zur Kalkweiler Kapelle. Den Rückweg kann man über das Weggental oder direkt zurück zur Altstadt wählen. An exponierten Stellen sind Schilder mit Mundartgedichten Eberles aufgestellt, unter anderem „Oh heiliger Sankt Nepomuk“. Erst im Alter verfasste Blau wieder Gedichte in schwäbischer Mundart. Warum er eine Zeit lang pausierte, verrät er in folgendem Gedicht:

Warum ich nicht mehr schwäbisch dichte
„en ao’sre süaße Nase ‚tö?“
Erlasst mir, Freunde, die Geschichte-
s ist alles bloß e’Weile schö’ ...
Und überhaupt, schon Mörike
sprach dazu das gehörige:
gefragt, warum er denn so still,
so untreu worden sei der Muse,
versetzte dieser kühl; „Frog du se-
wenn halt des Luader nemme will ...

Sonntag, 8. November 2009

Sumolacenna, Hermann von Ow und Sebastian Blau

So schön können Recherchen sein, und bei dem Wetter ideal für ein langes Wochenende!
Kurz zusammengefasst( die Berichte habe ich schon geschrieben, die Fotos sind gemacht oder fertig): Gestern im tiefsten Schwarzwald, bei Peter Munk, dem Kohlenbrenner, der reich werden will, dem der Holländermichel sein Herz herausreißt und an seine Stelle einen Stein setzt. Eine schöne Inszenierung mit viel Holzkarussel, Musik und Schreckeffekten. Wenn das kleine Mädchen im weißen Renaissancekleidchen, das zufällig in der Tür stand, mit großen Augen, uns hätte Walzer tanzen sehen! Sie hätte sicher gedacht, das gehöre dazu. Aber so wird es nicht im Kalender stehen.
Der Diener Ambrosius begleitet den Schlossgast durch die weiteren Räume, dabei fängt er an zu schnarchen. An der -mit Tüchern zugedeckten - Tafel -die Herrschaften waren dauernd verreist- kann man die Geschichten der Schlossbewohner und ihrer Gäste auf den Tellern lesen.

Heute nun die antike römische Stadt Sumolacenna, die unter der Stadt Rottenburg am Neckar zum Vorschein gekommen war. Die hatten es drauf, die Römer! Saßen zusammen in der Latrine, über der Kloaka Maxima, verrichteten ihre Geschäfte, plauderten und freuten sich auf Linsen mit Esskastanien und Austern vom französischen Atlantik! Bis die Alamannen sie überrannten und ihre Holzsiedlungen gründeten, von denen heute nichts mehr übrig ist. Sebastian Blau alias Josef Eberle hat dieses Museum ermöglicht. Er war der meistgelesene Dichter und Publizist seiner Zeit, bekam Schreibverbot von den Nazis und gründete später die "Stuttgarter Zeitung". Wir haben ein Buch über ihn erstanden, denn auch er ist Thema im Kalender. Selbst ein Wanderweg in Rottenburg ist nach Sebastian Blau benannt.

Ach ja, der Hermann von Ow. War einer der möglichen Besucher auf Schloss Neuenbürg. Seinen Spuren sind wir heute nachgegangen, denn das Geschlecht hatte ganz in der Nähe von uns seine Stammsitze. Ob er etwas mit Hartmann von der Aue zu tun hat? Der in Neuenbürg soll auf jeden Fall Minnesänger gewesen sein, und im 13. Jahrhundert lebten sie beide.

Samstag, 7. November 2009

Wann ist es Zeit, mit dem Bloggen aufzuhören?

Hier kann ein Blogger, gleich welcher Art sein Blog sein mag, prüfen, ob er seinem Blog nicht lieber den Gnadenschuss versetzen sollte, statt noch länger auf ihm herumzureiten. Und hier das Ganze noch einmal im Original.

Sonntag, 1. November 2009

Ulmer Wurstzipfel

's leit a Kletzle Blei glei bei Blaubeira - glei bei Blaubeira leit a Kletzle Blei -aus Eduard Mörikes „Stuttgarter Hutzelmännlein“, Geschichte von der Schönen Lau.
Ja, es wird nur so laufen, wie wir es machen können, das hat der Kurzurlaub ergeben.
Der "Ulmer Wurstzipfel" ist der Stand am Münster, auf den wir als erstes bei unserem Besuch stießen-man stand Schlange für die "Beste Rote Ulms"! Und das Produkt enttäuschte auch keineswegs: zarte Haut, würziger Geschmack, Senf aus der sauberen Flasche und ein frisches Brötchen. Das Münster ist wie immer eine Offenbarung. Die Wucht, die man schon beim Eintritt spürt, sah ich in den Gesichtern eines jungen Paares gespiegelt. Ulm ist eine mittelalterliche, wunderschöne, pulsierende Stadt. Gemächlicher geht's in Blaubeuren zu, aber nicht weniger mittelalterlich und nicht weniger schön. Um beim Essen zu bleiben: Es gibt wesentlich mehr Wirtschaften, als
wir bisher entdeckt hatten, wirklich gut waren die Gulaschsuppe und der heiße Apfelstrudel mit Vanilleeis im Café Kulisse. Im Tal der kleinen Lauter gehen die Uhren noch langsamer, ganz hinten, in Lautern, steht ein Gasthof Lamm ohne Speisekarte und mit Holzbänken draußen. Nach hinten versetzt liegt der Quelltopf der kleinen Lauter, mit fließendem Grün, und in der Dorfkirche gibt es Fresken aus dem 15. Jahrhundert; selbst Paracelsus ist hier gewesen. Über eine Brücke gelangt man auf einen Wanderweg, der sich bis zum Ausgang des Tales am Waldrand hinzieht. Die wenigen Wanderer stören nicht die Wasseramseln, die auf Steinen sitzen und wippen. Über Blaubeuren werde ich mit ziemlicher Sicherheit schreiben, eine Wanderung rund um den Kessel und die Geschichte der Schönen Lau, vielleicht auch noch Daniel Schubart erwähnen, den Syrlin-Altar der Klosterkirche und das Badhaus der Mönche. Wer denn nun ganz erschöpft von seiner beruflichen Tätigkeit ist und noch mehr Ruhe braucht, aber nicht ins Kloster gehen will (ist zum Beispiel in Kirchberg möglich), der sollte ein wenig Urlaub in Hayingen machen, zum Beispiel bei Frau Müller, die schon seit vielen Jahren Ferienwohnungen vermietet. Durchs felsige Fichtental hinunter ins (autolose) Lautertal, am Geißenklösterle (Wasserfall) bis zur Laufenmühle und auf der anderen Seite zurück. Oder durch das Digelfeld-eine Wacholderheide mit seltener Flora-ins Glastal bis zur Burg Ehrenfels. Schön ist auch die Fahrt mit dem Kahn in die Wimsener Höhle. Nicht zu vergessen das berühmte Kloster Zwiefalten, das neuerdings seines Grüngürtels im Vorbereich entledigt wurde.(Betonkultur).
Nein, die gepriesenen Gastwirtschaften auf der Schwäbischen Alb waren heute doch zu sehr übervölkert. Überhaupt, alles, was irgendwo gepriesen wird, verliert schnell seinen ursprünglichen Reiz, auch die ganzen Wellness, Bio-, Bärlauch- und geplanten Ritterland-Angebote. So ende ich diesen kurzen Bericht mit einem Dank an das Gasthaus "Krone" in St.Johann-Upfingen, wo es die sauren Nierle mit Röstkartoffeln und Salat, aber drei, vier Sorten, wie früher, u n d Kartoffelsalat gab, oder die guten weißen Bratwürste. Die Wirtin berichtete über die Schwierigkeiten, die Tradition von Gasthaus und Metzgerei aufechtzuerhalten, Fastfoodketten, Superfleischmärkte-vielleicht gibt es auch bald einen Albbüffel-und Hinterwälter-SupermarkT?-und die fehlende Nachfolge. Ich werde diese Relikte weiterhin schätzen, ihnen Denkmale setzen und es bedauern, wenn sie endgültig ausgestorben sind. Übrigesn: es gibt so viele Burgen und neuerdings auch Waldweisen auf der Alb, dass wir kein 25-Millionen-Projekt bei Münsingen brauchen, wo 140 Ritter und Bauern einem angedachten Millionenpublikum ihr Leben und ihre Spiele vorführen.Dafür haben wir ja immer noch die historischen Romane!:-)

Dienstag, 27. Oktober 2009

Maultaschen, saure Nierle und Ochsenkotelett

Ich merke einen großen Unterschied darin, wie es ist, Romane oder Sachbücher zu schreiben. Während der letzten acht Jahre war ich eigentlich immer irgendwie auf Tauchstation, und es ist mir nicht leicht gefallen, schnell in die Gegenwart rüberzuwechseln, brauchte dann Rituale wie ins Café gehen und dort lesen oder schreiben, bevor ich zur Arbeit gehen konnte. Es blieb auch viel liegen. Jetzt betrachte ich alles wirklich vom heutigen Standpunkt aus. Bei den historischen Romanen war ich mehr oder weniger in der entsprechenden Rolle drin, habe das erlebt und gelitten,was die Figuren erlebt und gelitten haben.
Heute Morgen habe ich die Konzeption für den Kalender so ziemlich fertig gemacht. Der Trend ist eindeutig: Es geht mehr hin zur Realität, in letzter Zeit habe ich wieder viel mehr mit realen Menschen zu tun. Es fand und findet ein Austausch statt, auch mit Kollegen, Arbeits-und Autorenkollegen. Ich habe das Gefühl, als sei ich irgendwie "geerdet"!
Dabei ist das Konzept noch sehr veränderbar, zum Beispiel habe ich mich heute spontan entschieden, keinen Besuch beim "Albbüffel-Bauern" in Hohenstein zu machen, sondern lieber das Lokal "Hirsch" in Gächingen zu besuchen, in dem diese Albbüffel zubereitet werden (Saure Nierle und Ochsenkotelett, zu moderaten Preisen) und mit den Wirtsleuten zu sprechen. Der Albbüffel-Cowboy, wie er sich selber nennt, ist nämlich schon ziemlich ausgebucht. Statt dessen werde ich gern am Wochenende etwas von meinem aufgelaufenen Urlaub nehmen, nach Hayingen gehen und dort über Bauern einst und jetzt mit einer Bäuerin reden, die sich schon vielfach eingesetzt hat und zudem noch über Kartoffelsalatwissen verfügt. Schön die Namen, die ich mir notiert habe: Goldener Ochsen in Hohenstaufen, Bäck-Schwarz in Altensteig, Rosengarten in Genkingen, Lamm und Sonne in Salmendingen, Eyachperle in Imnau sowie
Hirsch in St. Johann-Gächingen, wo wir einkehren wollen ...alles Wirtschaften, die
traditionell gut kochen (herrlich auch die Maultaschen im Goldenen Ochsen in Hohenstaufen, ein Königreich für das Rezept!)Das sind Geheimtipps, die sich diese Gasthäuser verdient haben.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Das Schreibteufelchen kehrt zurück

Fast sehne ich mich nach den Zeiten, in denen ich noch so richtig zweifeln konnte. Vielleicht sollte ich mal wieder mein Teufelchen befragen. Aber es ist mir abhanden gekommen. Den ganzen Sommer hat es sich nicht blicken lassen. Wahrscheinlich saß es bei einem Antiquar, hat ihn über die schlechten Zeiten hinweggetröstet, die Leute auf die besten Bücher hingewiesen und sich einen Ast gelacht, wenn welche vorbeigingen, die den Herrn der Ringe verschmähten, weil sie dabei den Schlachtenlärm nicht hören konnten.
Ich öffne meine Terrassentür. Eiskalte Luft strömt herein, Deutschland im Herbst 2009, es ist Winter. Die Zweige der Bäume starren zum Himmel hinauf. Und richtig, statt der Schnecken, Kröten, Grashüpfer, Spinnen und Asseln spaziert schlotternd das Teufelchen herein, blaugefroren.
Wo warst du denn die ganze Zeit, Teufelchen?
Ich habe versucht, etwas zu retten, was kaum noch zu retten ist.
Ich nehme es mit spitzen Fingern, weil es so kalt ist, und setze es auf die Heizung. Gleich taut es auf, reckt und streckt sich.
Was ist nicht zu retten?
Na, die Bücher.
Warum sollen die nicht zu retten sein? Wir Autoren schreiben uns doch täglich die Finger wund!
Na, weil die Bücher nur noch auf Märkten verscherbelt werden, die gehen über die Theken wie Butter nach dem Krieg.
Das ist doch gut so. Wie sollen sie sonst an die Leser kommen?
Aber verstehst du nicht-du, ihr alle seid die Deppen! Ihr bildet euch ein, Kulturträger zu sein, dabei seid ihr Zuträger des Profits! Für wenige, versteht sich.
Teufelchen, jetzt komm mal runter von der Heizung. Das war mir doch immer klar. Doch wie sollen wir die Leser erreichen, wenn wir nicht in den Buchhandlungen sind?
Das Teufelchen schnaubt. Es ist jetzt wieder warm, wendig und wonnig, wie ich es von früher her kenne.
Erinnere dich, sagt es eindringlich und hebt pädagogisch seinen Zeigefinger. Über dich hat mal eine Schreibfrau gesagt, du würdest nicht für die Massen schreiben. Deine Seegeschichte, da fehlten einer Leserin die Drachen in der Schlucht. Was wolltest du erreichen?
Ich wollte immer nur schreiben und gelesen werden.
Also, was tust du dann bei den Ketten? Das Teufelchen hüpft auf den Tisch, tanzt einen Walzer und singt. Die Kette kettet dich, zwei drei, im Nu bist du ein Nonamename,zwei drei, es kommt aus dem Takt, weil es ja kein Dreivierteltakt ist, stolpert und fliegt auf die Nase.
Mal im Ernst, frage ich, als es wieder senkrecht steht. Was soll ich machen, was sollen wir machen?
Nicht springen wie ein Fisch an die Angel, sagt es mit einer Leichtigkeit, die nun wieder mich erstaunt. Du musst nicht in jeden Köder beißen, es könnte dein letzter sein. Such deine Fischgründe aus, es gibt noch reichlich, nicht nur in Oberbayern, jage deine Beute und biete sie demjenigen an, der noch weiß, wie man Fische richtig räuchert. Karpfen, Schleie, Forellen. Oder fahr ans Meer, aber an eins, das noch nicht leergefischt ist. Dort kannst du vielleicht noch einen Fisch finden, mit dem du deinen Kampf ausfechten kannst.
Aber wer findet diese Fische, wenn niemand weiß, dass es sie gibt?
Wenn du gefunden werden willst, finden sie dich. Wenn du Kohle brauchst, pack deine Fische in liebesapfelrotes Bonbonpapier und lege sie in den Ketten aus. Das ist ein super Markt.
Teufelchen, du bist verrückt. Aber ich liebe dich, verlass mich nicht!

Donnerstag, 17. September 2009

Literatur und Unterhaltung

Ich hatte noch etwas vergessen, was die Begegnung mit der alten Freundin betraf.
Als sie Julia Frank erwähnte, die den deutschen Buchpreis bekommen hat, meinte ich: Aber ich schreibe mehr Unterhaltung (weil sie mal gesagt hatte, sie interessiere sich weniger für historische Romane usw., sondern für Literatur.) Daraufhin antwortete sie: Aber Julia Frank ist auch sehr unterhaltend! (Analog zu Marcel Reich-Ranitzki, der einmal sagte: Literatur ist immerUnterhaltung!)
In Zukunft werde ich nie mehr eine Unterscheidung diesbezüglich machen, sondern nur noch danach entscheiden, ob ein Buch, ein Roman, ein Gedicht, eine Kurzgeschichte, ein Zitat oder ein sonstiger Text mich in irgendeiner Weise berühren.

Mittwoch, 9. September 2009

Der gute Dieb



Heute möchte ich mal ein Buch empfehlen, das ganz anders in seiner Lesart ist, als ich es bisher gewohnt war: "Der gute Dieb" vom Matthiew Dicks, übersetzt von Andreas Helweg, einem langjährigen Freund von mir. Die Detailgenauigkeit, mit welcher der Autor vorgeht, ebenso die fehlenden Dialoge sind anfangs gewöhnungsbedürftig, die Geschichte und der Protagonist ziehen aber zunehmend in ihren Bann. Vorhin konnte ich gar nicht mehr aufhören und vergaß alles um mich herum. (Doch die Arbeit und das eigene Schreiben rufen).

Montag, 31. August 2009

Wie finde ich den richtigen Verlag?

Immer noch kommen Google-Anfragen an meinen Blog: "Wie finde ich einen Verlag?"
Ich möchte meine Erfahrungen dazu noch einmal kurz zusammenfassen.
1. Überlegen Sie sich, was Sie mit Ihrer Veröffentlichung erreichen wollen.
Warum schreibe ich?
Für wen schreibe ich?
Was bin ich bereit, dafür zu investieren-an Zeit, Geduld und Erlernen handwerklicher Fähigkeiten?(Anmerkung: Sie brauchen dafür auf gar keinen Fall Geld zu investieren, abgesehen von Computer, Recherchematerial u.ä.!)

2. Wenn Sie ein fertiges Manuskript und ein Exposé haben, schauen Sie sich um, welcher Verlag dazu passen würde. Ein Kleinverlag, ein Mittlerer, ein Großverlag? Belletristik oder Sachbuch? Schauen Sie sich die Internetauftritte und Bücher des betreffenden Verlages genau an. Was steht von ihnen in den Buchhandlungen? Ist Ihr Thema bereits abgedeckt? Gibt es Dienstleistungen, die bezahlt weren müssen, auch einmalig für Porto usw.? Gibt es ein externes Lektorat? (Muss meist bezahlt werden.) Wie man Exposés herstellt und Manuskripte so überarbeitet, dass sie veröffentlichungsfähig sind, können Sie verschiedenen Foren entnehmen. Zu den Großverlagen gelangt man heute fast ausschließlich nur noch mit einem Agenten. Listen sind im Internet zu finden oder in den Autoren-Handbüchern vom Autorenhaus Verlag und Sandra Uschtrin. Es ist allerdings ebenso schwer, eine gute Agentur zu finden wie einen guten Verlag.

3. Zunächst einmal sollten Sie telefonisch oder per Email Kontakt zu dem entsprechenden Verlag/ Agenten aufnehmen. Wird Interesse signalisiert,schicken Sie in der Regel das Exposé und eine Textprobe von 20-50 Seiten. Besteht weiterhin Interesse, wird, besonders bei einem Erstautor, oft das ganze Manuskript angefordert. Aber auch das ist noch nicht die Gewissheit, dass es auch gedruckt wird. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass, je eher eine Antwort kommt, es desto eher auch eine Zusage ist. Manchmal kommt aber auch nach drei Monaten oder auch einem Jahr noch eine Zusage, aber das ist die absolute Ausnahme. Faustregel: Je länger es dauert, desto geringer ist die Chance auf positive Antwort. Wenn Sie nun einen Agenten und/ oder einen Verlag gefunden haben, gehören Sie zu den Glücklichen, die "einen Fuß hineinbekommen " haben. Diesen Platz gilt es dann zu halten. Es heißt auch nicht automatisch, dass Sie gleich in die Buchläden kommen. Darüber entscheidet die Vertreterkonferenz der jeweiligen Verlage. Sie müssen also immer am Ball bleiben, weiterschreiben, präsent sein. Für den Normalautoren kann das Schreiben und Veröffentlichen durchaus die Verwirklichung eines Lebenstraumes sein. Die dazugehörigen Eigenschaften wie Talent, handwerkliches Können, Durchhaltevermögen muss er allerdings mitbringen.

Mittwoch, 12. August 2009

Amman Verlag gibt auf

Diesen Verlag kenne ich doch, dachte ich gerade, als ich hörte, dass dieser renommierte Schweizer Verlag im Jahr 2010 aufhören will.
Mein erstes Buch hätte ich gern bei ihm verlegt, bekam jedoch die freundliche Antwort, dass die Programmplätze auf Jahre hinaus an Hausautoren vergeben seien.
Der Schweizer Thomas Hürlimann erregte seinerzeit mit seinem Buch "Die Tessinerin" einiges Aufsehen. Wenn ich wiederum den Namen Thomas Hürlimann lese, denke ich an die Zeit in Berlin, dicht an der damals noch stehenden Mauer, als meine Schwester und ich mit ihm die halbe Nacht hindurchphilosophierten.
Ich fürchte, dass es nicht der letzte literarische Verlag sein wird, der aufgibt.

Dienstag, 11. August 2009

Urlaub in Deutschland (Nr.2)

Was kann man machen, wenn man Urlaub hat-von der Arbeit und vom Schreiben, jedoch die Massen- und Lastminuteziele vermeiden will? Am Mittelmeer schmoren die Urlauber bei 40° Hitze, wenn sie nicht vor Angst bibbern müssen wegen der Schweinegrippe oder den Anschlägen der ETA. So hatte ich also kurzentschlossen eine Pension im Fränkischen Seenland gebucht, nicht weit von Wolframs-Eschenbach, der Heimat des Parzival-Dichters. In der Rückschau besehen, hätten wir auch gleich angesichts des ersten Monumentalstaus umkehren können. Doch dann hätten wir einen wahnsinnigen Tripp verpasst.
Deutschland hat sich zu einem überdimensionierten Baustellenland gemausert. Natürlich, Ferien, sonst haben wir diese Zeit tunlichst vermieden, aber wir mussten ja. Bis Stuttgart brauchten wir 1 1/2 Stunden und schlichen uns auf Nebenstrecken durchs Gebirge bis Aalen. Dort kamen erstmals Urlaubsgefühle auf, im Gasthaus zum Spion in der Fußgängerzone. Weiter gings ins Fränkische hinein, und hier endlich leere Straßen. Aber irgendwie blieb das Land dann auch leer und staubig. Im Pensionszimmer fiel uns gleich die Türklinke in die Hand, der Blick vom Balkon ging auf eine Fabrik. Shame over me!:-)Der See, an dem wir einstmals mit einer Gruppe um ein Feuer saßen, war mit Wohnmobilen verrammelt. Also schnell der wütenden Wirtin etwas in die Hand gedrückt und ab Richtung Ingolstadt! Das Altmühltal ist eine Reise wert, insbesondere Weißenburg und Pappenheim, ja,das mit den Pappenheimern. Ingolstadt sehr weitläufig und belebt, es fehlte nicht an Freiluftkneipen, aber an Unterkünften. Highlight war das Kloster Weltenburg mit dem Donaudurchbruch. Eine naiv buntüberladene Kirche und ein übervoller Klosterhof. Gewimmel und Bratendüfte. Es zählt zum Weltkulturerbe und darf deswegen auch seine Speisekarte auf der Internetseite offerieren (merke: Einen bayerischen Schweinebraten kriegt man sonst schon ab 4.90 Euro!)Im Renaissancestädtchen Neuburg an der Donau das Gleiche: Niemand bietet Unterkünfte an, obwohl sich der Donauradweg inzwischen zur Autobahn hochstilisiert hat. Schließlich tat sich etwas auf in Donauwörth, dort saßen wir dann beim Italiener unter einer Palme wie im Süden, mit Meeresfrüchtesalat und Pappardelle.
Die große Frage am nächsten Tag: Sollten wir durch all die Baustellen und Staus zurückfahren oder weiter nach Bayern eindringen? Das Wetter hielt, die Temperatur lag bei etwa 30°, und die Sachen klebten am Körper. Regensburg, ein Mittelaltertraum, ebenfalls uns bekanntes Weltkulturerbe, aber es spuckte uns aus. Vielleicht würden die Seen bei Rosenheim etwas für uns bereit halten. Aber dort kamen wir nie hin. Es ging kreuz und quer durchs Land, auch hier in jedem Nest eine Baustelle mit Umleitung, so dass wir nicht mehr wussten, wo wir waren. Umkehren zwecklos. Kurz vor Wasserburg ein Badesee mit freundlichen Wirtsleuten. Dort kann man Urlaub machen, frohlockten wir. Beim Huberwirt war auch noch ein Zimmer frei, hoch über dem wunderschönen Städtchen Wasserburg am Inn. Völlig fertig streckten wir uns auf die Betten hin. Da ging es los, Trommelwirbel klangen aus der Stadt herauf. Da mussten wir uns druntermischen, keine Frage. Die ganze Stadt war ein einziges Schauspiel, Pferdewagen mit Salzsäcken beladen, ja, so roch es auch in meinem Roman, Ritter, Trommler, Ratsherren und ein Mann, der vom Dach des Ratshauses herunterschrie.

Ganz früh am Morgen schon wach, ein Blick in einen Urwald vor dem Fenster und ein reichhaltiges Frühstück. Radler sausten im Frühnebel vorbei. Wohlgemut versuchten wir uns Rosenheim und seinen Seen zu nähern. Wir haben sie niemals gefunden! Gleich wieder eine Umleitung über 30 Kilometer, an jeder Ecke eine Baustelle. Ob die erhöhten Krankenkassenbeiträge dazu verwendet werden, um die Leute krank zu machen? Überall umherirrende Urlauber. Drohende Wolken bauten sich von allen Seiten auf. Geschlagene Stunden irrten wir nun, von Heimweh geplagt, um München herum, zwischendurch von Unwettern halb von der Straße gefegt (das hatten wir doch schon mal?)Umleitungen, Staus, ein Alptraum, eine Apokalypse! Einzige Lichtblicke waren die Schönen Erding und Landsberg/ Lech. Vertraut am Abend, nach langen Kämpfen, die Schwäbische Alb. Aber was sahen die entzündeten Augen? Umleitungen, Baustellen überall. Was ist nur in dieses Land gefahren? Bauen sie Straßen, um die abzuschrecken, die darauf fahren sollen? Zuhause dann der Horror aus den Nachrichten.
Tropische Wirbelstürme, ETA-Anschläge, Schweingrippenimpfungstests und Terrorgruppen.
Deutschland, deine Straßen, denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht ...

Mittwoch, 5. August 2009

Lösungsorientiert leben

Manchmal hat man einen Gedanken und stellt fest, dass andere schon ein Buch darüber geschrieben haben. So ging es mir eben mit dem oben Genannten. Eigentlich muss man auch kein Buch darüber lesen oder schreiben. Es ist doch klar, dass es nicht weitergeht, wenn man in seinen Problemen hängenbleibt.
Ich hätte die Überschrift auch nennen können: Über allen Gipfeln ist Ruh. Aber das klingt dann so nach Goethe und Todesnähe. Nein, da sei Gott vor. Also, wie lebt man lösungsorientiert, wie lebe ich lösungsorientiert? Wenn eine Sache nicht funktioniert, solle man eine andere anfangen, heißt es. Und ich sage: Was du allein nicht zustandekriegst, kriegst du vielleicht mit anderen zustande. Vertrauen und Kommunikation sind die Zauberwörter, um neue Türen zu öffnen. Ich habe es geschafft: Für den Moment mal wieder, bis sich neue Berge in den Weg stellen. Und auch die müssen, können, wollen immer wieder bewältigt werden. Der Weg ist frei, es ist alles geschafft, frei in den Urlaub, in neue Bereiche.
Oder doch nicht? Wo werden wir am Samstag unsere Zelte aufschlagen? In der Umgebung des Wolfram von Eschenbach, natürlich, Kaspar Hauser lässt grüßen. Bis dahin ist noch einiges zu ordnen. Und was macht das Schreiben, wird sich vielleicht dieser oder jener Leser fragen, besonders diejenigen Leser, die selbst zur schreibenden Zunft gehören? Das ist erstmal abgeschlossen, die Bücher müssen nun ihren Weiterweg gehen. Das Schreiben hat nie aufgehört, es findet tagtäglich statt, nicht nur hier im Blog, und es wird niemals aufhören. Ob ich Lust habe, die 160 Seiten des Neuen noch einmal grundsätzlich zu überarbeiten? Natürlich, ich habe ja schon angefangen, mit einer neuen Perspektive und einem neuen Hintergrund. Das, was ich gerade lese, gehört auch zu diesem Prozess. Auf eine faszinierende, oft selbstzerstörerische Art rasen die Figuren einem Abgrund entgegen. Dafür hat die Autorin sieben Jahre gebraucht.
Ich bin bereit, mich immer wieder neu in dieses Abenteuer zu stürzen, auch in die Abgründe, auch an der Oberfläche zu schwimmen! Beides ist notwendig und legitim.