Sonntag, 1. November 2009

Ulmer Wurstzipfel

's leit a Kletzle Blei glei bei Blaubeira - glei bei Blaubeira leit a Kletzle Blei -aus Eduard Mörikes „Stuttgarter Hutzelmännlein“, Geschichte von der Schönen Lau.
Ja, es wird nur so laufen, wie wir es machen können, das hat der Kurzurlaub ergeben.
Der "Ulmer Wurstzipfel" ist der Stand am Münster, auf den wir als erstes bei unserem Besuch stießen-man stand Schlange für die "Beste Rote Ulms"! Und das Produkt enttäuschte auch keineswegs: zarte Haut, würziger Geschmack, Senf aus der sauberen Flasche und ein frisches Brötchen. Das Münster ist wie immer eine Offenbarung. Die Wucht, die man schon beim Eintritt spürt, sah ich in den Gesichtern eines jungen Paares gespiegelt. Ulm ist eine mittelalterliche, wunderschöne, pulsierende Stadt. Gemächlicher geht's in Blaubeuren zu, aber nicht weniger mittelalterlich und nicht weniger schön. Um beim Essen zu bleiben: Es gibt wesentlich mehr Wirtschaften, als
wir bisher entdeckt hatten, wirklich gut waren die Gulaschsuppe und der heiße Apfelstrudel mit Vanilleeis im Café Kulisse. Im Tal der kleinen Lauter gehen die Uhren noch langsamer, ganz hinten, in Lautern, steht ein Gasthof Lamm ohne Speisekarte und mit Holzbänken draußen. Nach hinten versetzt liegt der Quelltopf der kleinen Lauter, mit fließendem Grün, und in der Dorfkirche gibt es Fresken aus dem 15. Jahrhundert; selbst Paracelsus ist hier gewesen. Über eine Brücke gelangt man auf einen Wanderweg, der sich bis zum Ausgang des Tales am Waldrand hinzieht. Die wenigen Wanderer stören nicht die Wasseramseln, die auf Steinen sitzen und wippen. Über Blaubeuren werde ich mit ziemlicher Sicherheit schreiben, eine Wanderung rund um den Kessel und die Geschichte der Schönen Lau, vielleicht auch noch Daniel Schubart erwähnen, den Syrlin-Altar der Klosterkirche und das Badhaus der Mönche. Wer denn nun ganz erschöpft von seiner beruflichen Tätigkeit ist und noch mehr Ruhe braucht, aber nicht ins Kloster gehen will (ist zum Beispiel in Kirchberg möglich), der sollte ein wenig Urlaub in Hayingen machen, zum Beispiel bei Frau Müller, die schon seit vielen Jahren Ferienwohnungen vermietet. Durchs felsige Fichtental hinunter ins (autolose) Lautertal, am Geißenklösterle (Wasserfall) bis zur Laufenmühle und auf der anderen Seite zurück. Oder durch das Digelfeld-eine Wacholderheide mit seltener Flora-ins Glastal bis zur Burg Ehrenfels. Schön ist auch die Fahrt mit dem Kahn in die Wimsener Höhle. Nicht zu vergessen das berühmte Kloster Zwiefalten, das neuerdings seines Grüngürtels im Vorbereich entledigt wurde.(Betonkultur).
Nein, die gepriesenen Gastwirtschaften auf der Schwäbischen Alb waren heute doch zu sehr übervölkert. Überhaupt, alles, was irgendwo gepriesen wird, verliert schnell seinen ursprünglichen Reiz, auch die ganzen Wellness, Bio-, Bärlauch- und geplanten Ritterland-Angebote. So ende ich diesen kurzen Bericht mit einem Dank an das Gasthaus "Krone" in St.Johann-Upfingen, wo es die sauren Nierle mit Röstkartoffeln und Salat, aber drei, vier Sorten, wie früher, u n d Kartoffelsalat gab, oder die guten weißen Bratwürste. Die Wirtin berichtete über die Schwierigkeiten, die Tradition von Gasthaus und Metzgerei aufechtzuerhalten, Fastfoodketten, Superfleischmärkte-vielleicht gibt es auch bald einen Albbüffel-und Hinterwälter-SupermarkT?-und die fehlende Nachfolge. Ich werde diese Relikte weiterhin schätzen, ihnen Denkmale setzen und es bedauern, wenn sie endgültig ausgestorben sind. Übrigesn: es gibt so viele Burgen und neuerdings auch Waldweisen auf der Alb, dass wir kein 25-Millionen-Projekt bei Münsingen brauchen, wo 140 Ritter und Bauern einem angedachten Millionenpublikum ihr Leben und ihre Spiele vorführen.Dafür haben wir ja immer noch die historischen Romane!:-)

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