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Samstag, 15. Juli 2017

Gastronomisches Fundstück auf der schwäbschen Alb

Dass es so etwas noch gibt! Inmitten von Städten und Dörfern Baden-Württembergs, die allmählich immer mehr von Käseschachtelhäusern, Industrieanlagen und Supermärkten zugewuchert werden, verschlug es und kürzlich in ein Dorf auf der schwäbischen Alb. Wir waren auf dem Weg von Gammertingen nach Riedlingen an der Donau, unterwegs in Sachen Kurzurlaub. Abseits von dieser Route, in Hohenstein-Eglingen, fiel uns zufällig das Gasthaus "Adler" ins hungrige Auge. Da fühlt man sich wie in einer anderen, längst versunken geglaubten Welt. Hirschgeweihe an den Wänden, schöne Bildbände und Bücher, um das Warten zu verkürzen, eine Speisekarte, die sich neben vielen anderen sehen lassen kann. Unaufdringlicher, freundlicher Service. Erstmal der Salat: gelbe Rüben, Rettich und Weißkraut geraspelt, dazu grüner und Kartoffelsalat vom Feinsten. Gemischter Braten mit brauner Soße, ein riesiger Fleisckhäs mit geschmelzten Zwiebeln-von allem so viel, das man es unmöglich ganz schaffen kann. Ich fühlte mich an die Sonntagsessen bei  meiner schwäbischen Schwiegermutter in Tübingen-Derendingen erinnert. Oder an ein Gasthaus in Trochtelfingen, in dem wir an einem gewittrigen Sommerabend auf der Terasse saßen und zuschauten, wie die Wirtinnenmutter mit einer Fliegenklatsche die lästigen Biester auf ihrem Tisch vernichtete.

So setzte sich die Adlerwirtin in Eglingen zu uns und erzählte über die Schulspeisungen nach dem Krieg und wie die ausgehungerten Kinder damals in Klöster und auf Bauernhöfe verschickt wurden, um sich wieder ein wenig Speck auf die mageren Rippen zu futtern. Dieser Gasthof hat eine 200jährige Tradition, und ich gebe die Empfehlung gern weiter, damit die Tradition sich hält und vielleicht wieder Schule macht. An Sonn- und Feiertagen sei hier viel los, erzählte die Wirtin.

Samstag, 24. Juli 2010

Des Schreibens Ruf an uns wird niemals enden!

Eigentlich ist er ja ausgeträumt, der Traum vom Schreiben, den ich einmal hatte. Was war das für ein Traum? Es war der Traum vom eigenen Buch. Ob man, wenn man mehrere Bücher veröffentlicht hat, noch weitere Träume hegt? Wollte ich berühmt werden, viel Geld verdienen? Nein, eigentlich nicht. Ich wollte, dass das, was ich geschaffen hatte, gewürdigt wird. Und das will ich immer noch. Jetzt, nach diesen Veröffentlichungen, geht es mehr denn je darum, was ich weiter mit meinem Schreiben erreichen will. Und wie ich mit meinen Ressourcen umgehen kann, um weiter das schreiben zu können, was ich schreiben möchte.
Den ersten Schritt habe ich schon getan: Ich bin zur Freiluftschriftstellerei meiner früheren Tage und zum grünen Notizbuch zurückgekehrt. Als nächstes musste ich entscheiden, welchem Ruf welchen Projektes ich als Erstes folge.
Es hat sich, vor einer Woche und heute, in einer Buchhandlung entschieden.
Es gibt da jetzt eine eigene Wand mit Schwabenkrimis. Ich hielt einen Thriller in der Hand und einen Regionalkrimi, der bei uns in der Nähe spielt. Legte sie zurück und kaufte zwei Bücher
"Schwaben. Eine Lese-Verführung"und
"Neue Geschichten und Gedichte aus Baden-Württemberg".
Oh ja, ich würde liebend gern auch mal solche Krimis und Thriller schreiben.
Sie sehen einfach cool aus, wie sie so da stehen, und insbesondere die Krimis sind so dünn, keine 180 Seiten, vermute ich. Aber das momentane Projekt hat sich in den Vordergrund geschoben. Das passt zum Sommer, passt zu unseren Ausflügen, und lesend und reisend gewinne ich immermehr hinzu, was dann Grundlage auch für Geschichten und Romane sein kann. Also bewege ich mich ständig nicht nur im Roman-, sondern auch im Sachbuchgebiet, was dann ja so ganz sachlich auch nicht wird. Schließlich und endlich müssen dafür gute Fotos rausgesucht, von den analogen und Dias gescannt werden. Das ist dann eine schöne Arbeit für Herbst und Winter, und dann ist vielleicht auch Zeit für den nächsten Roman.
Zweitens wirkt das Schreiben, wenn man nicht unter Abgabedruck steht und sich vom Warten auf einen Verlag nicht mehr beirren lässt, auch gut auf die Psyche. Da habe ich es wirklich schön im Augenblick, ich weiß. Wenn mal nach Wochen der Hitze drei Tage Regen angsagt ist, dann kann man sich wie unter eine Dusche hinausstellen, sich runterkühlen und sich sagen: Wie war das doch herrlich, als wir mal -bei trockenem Wetter und gemäßigtem Sonnenschein- in der Wutachschlucht wanderten und in der "Scheffellinde" einkehrten. War da nicht was mit dem Viktor von Scheffel? Ein Gedicht von ihm stand an der Wirtsstubenwand, wie oft er hierher gewandert sei, und eine Liebe war auch da, dann fallen mir Säckingen, der Trompeter und der Kater Hittigeigei ein und das Scheffelschlösschen in Radolfzell am Bodensee. Das kann ich alles verwenden, alles noch einmal besuchen, wenn ich es will, muss es aber nicht. Ja, so kann Schreiben sein.
Dazu kommt die Titelsuche, aber auch sie ohne Krampf. Wozu braucht die einen Titel, wenn sie nicht mal einen Verlag hat, könnte man sich jetzt fragen. Und am Schluss bestimmt ja eh der Verlag den Titel, oft auch das Cover. (Im Übrigen könnte ich mir schon Verlage vorstellen, in deren Programm das Buch dann passen könnte).
Also, nehmen wir mal den Arbeitstitel: "Hinter den sieben Bergen" zum Beispiel, das sagt alles und nichts. Dahinter ist was, aber was? Bei Google sehe ich, dass im Märchen die "Sieben Berge" in Niedersachsen gemeint seien. Außerdem sei das ein Synonym für "hinterwäldlerisch." Upps. Was könnte man noch nehmen? Literarische Streifzüge gibt es zuhauf, alles abgeklappert, historische ebenso, kulinarische sowieso. Fundorte serienweise. Wander-, Rad-, Städteführer. Unterwegs. Fenster zu ...äh, zu was? Szenen? "Berg, Wolke, Wasser und Stein" hieß mal ein Titel einer meiner Geschichten. Ist doch egal, ich weiß ja, was ich schreiben will, und falls es je zu einem Buch kommt, wird der Verlag schon wissen, wie er es betiteln wird.

Sonntag, 1. November 2009

Ulmer Wurstzipfel

's leit a Kletzle Blei glei bei Blaubeira - glei bei Blaubeira leit a Kletzle Blei -aus Eduard Mörikes „Stuttgarter Hutzelmännlein“, Geschichte von der Schönen Lau.
Ja, es wird nur so laufen, wie wir es machen können, das hat der Kurzurlaub ergeben.
Der "Ulmer Wurstzipfel" ist der Stand am Münster, auf den wir als erstes bei unserem Besuch stießen-man stand Schlange für die "Beste Rote Ulms"! Und das Produkt enttäuschte auch keineswegs: zarte Haut, würziger Geschmack, Senf aus der sauberen Flasche und ein frisches Brötchen. Das Münster ist wie immer eine Offenbarung. Die Wucht, die man schon beim Eintritt spürt, sah ich in den Gesichtern eines jungen Paares gespiegelt. Ulm ist eine mittelalterliche, wunderschöne, pulsierende Stadt. Gemächlicher geht's in Blaubeuren zu, aber nicht weniger mittelalterlich und nicht weniger schön. Um beim Essen zu bleiben: Es gibt wesentlich mehr Wirtschaften, als
wir bisher entdeckt hatten, wirklich gut waren die Gulaschsuppe und der heiße Apfelstrudel mit Vanilleeis im Café Kulisse. Im Tal der kleinen Lauter gehen die Uhren noch langsamer, ganz hinten, in Lautern, steht ein Gasthof Lamm ohne Speisekarte und mit Holzbänken draußen. Nach hinten versetzt liegt der Quelltopf der kleinen Lauter, mit fließendem Grün, und in der Dorfkirche gibt es Fresken aus dem 15. Jahrhundert; selbst Paracelsus ist hier gewesen. Über eine Brücke gelangt man auf einen Wanderweg, der sich bis zum Ausgang des Tales am Waldrand hinzieht. Die wenigen Wanderer stören nicht die Wasseramseln, die auf Steinen sitzen und wippen. Über Blaubeuren werde ich mit ziemlicher Sicherheit schreiben, eine Wanderung rund um den Kessel und die Geschichte der Schönen Lau, vielleicht auch noch Daniel Schubart erwähnen, den Syrlin-Altar der Klosterkirche und das Badhaus der Mönche. Wer denn nun ganz erschöpft von seiner beruflichen Tätigkeit ist und noch mehr Ruhe braucht, aber nicht ins Kloster gehen will (ist zum Beispiel in Kirchberg möglich), der sollte ein wenig Urlaub in Hayingen machen, zum Beispiel bei Frau Müller, die schon seit vielen Jahren Ferienwohnungen vermietet. Durchs felsige Fichtental hinunter ins (autolose) Lautertal, am Geißenklösterle (Wasserfall) bis zur Laufenmühle und auf der anderen Seite zurück. Oder durch das Digelfeld-eine Wacholderheide mit seltener Flora-ins Glastal bis zur Burg Ehrenfels. Schön ist auch die Fahrt mit dem Kahn in die Wimsener Höhle. Nicht zu vergessen das berühmte Kloster Zwiefalten, das neuerdings seines Grüngürtels im Vorbereich entledigt wurde.(Betonkultur).
Nein, die gepriesenen Gastwirtschaften auf der Schwäbischen Alb waren heute doch zu sehr übervölkert. Überhaupt, alles, was irgendwo gepriesen wird, verliert schnell seinen ursprünglichen Reiz, auch die ganzen Wellness, Bio-, Bärlauch- und geplanten Ritterland-Angebote. So ende ich diesen kurzen Bericht mit einem Dank an das Gasthaus "Krone" in St.Johann-Upfingen, wo es die sauren Nierle mit Röstkartoffeln und Salat, aber drei, vier Sorten, wie früher, u n d Kartoffelsalat gab, oder die guten weißen Bratwürste. Die Wirtin berichtete über die Schwierigkeiten, die Tradition von Gasthaus und Metzgerei aufechtzuerhalten, Fastfoodketten, Superfleischmärkte-vielleicht gibt es auch bald einen Albbüffel-und Hinterwälter-SupermarkT?-und die fehlende Nachfolge. Ich werde diese Relikte weiterhin schätzen, ihnen Denkmale setzen und es bedauern, wenn sie endgültig ausgestorben sind. Übrigesn: es gibt so viele Burgen und neuerdings auch Waldweisen auf der Alb, dass wir kein 25-Millionen-Projekt bei Münsingen brauchen, wo 140 Ritter und Bauern einem angedachten Millionenpublikum ihr Leben und ihre Spiele vorführen.Dafür haben wir ja immer noch die historischen Romane!:-)