Mittwoch, 17. Dezember 2014

Der Biss des Skorpions

Gerade ist die Weihnachtskarte meines ersten Verlages eingetroffen. Seit zehn Jahren, seit ich 2004 dort einen Roman veröffentlichte, bekomme ich diese Grußkarten zugeschickt, obwohl ich die Rechte an dem Buch schon längst zurück bekommen habe. Es zeigt mir, dass es noch Verlage gibt, die ihre Autoren regelrecht "pflegen". Um diese Zeit schreiben ja manche von uns gern ihren Jahresrückblick und ihren Ausblick auf das kommende Jahr. Ich möchte einfach nur mal sagen, wie ich mich momentan mit dem fühle, was ich mache. Gestern hat mich ein Skorpion gebissen. Ja, ich weiß, das ist der Titel eines bekannten Thrillers, aber so weit ist das Thema dann auch gar nicht weg von mir. Ich habe mir überlegt, was ich in der Zeit, in der ich auf die nächste Verlagsanwort warte, anfangen soll. Und kramte eine Idee heraus. Die schlummert schon seit Veröffentlichung dieses ersten Romans in mir. Ich war nur nie in der Lage, sie in eine passgerechte Form zu bringen. Das immer wieder neue Aufbranden von Gewalt in dieser Welt und das Wachsen des braunen Sumpfes haben mir dieses alte, immer gültige Thema wieder ins Bewusstsein gebracht. Dazu fiel mir eine Geschichte ein, die ich ebenfalls vor zehn Jahren schrieb und die von einem mysteriösen Flugzeugabsturz im südamerikanischen Urwald erzählte. Ich fing an zu recherchieren und bekam dabei immer heißere Ohren. Und schon war ich gebissen! Das Gift des Skorpions verbreitet sich langsam, aber unaufhaltsam in meinem Blut. Den ungefähren Verlauf habe ich im Kopf, die Idee ist aufgeschrieben. So viel sei verraten, dass die Geschichte in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts spielt und mit einer Reise nach Argentinien verbunden ist. In dieser Zeit wanderte mein Onkel nach Argentinien aus und betrieb als Verwalter eine Estancia. Ich war 1969 einige Monate dort und bereiste das Land bis in den äußersten Westen und den Norden. Ich erinnere mich genau daran, wie die Luft während der Überfahrt in einem Frachter nach Salz schmeckte, dass alles klebte, wie der Skunk in der Pampa aussah, wie sich das Gürteltier davon machte, höre noch das Krächzen der Papageien im Urwald, sehe den Wasserfall in die Tiefe donnern und schmecke die Sauce, die von den Gauchos zum Asado serviert wurde (Öl, Zitronensaft, Salz, Pfeffer, Chili).

Und wie war das Jahr, das unaufhaltsam seinem Ende entgegen geht? Allgemein, ich schrieb es schon, hat es mir beruflich-persönlich noch einmal einen richtigen Aufschwung gebracht. Bis April hatte ich meinen Schwarzwaldkrimi beendet und schickte ihn an meinen Hausverlag und eine Agentur. Keine Antwort des ersteren bzw. eine abschlägige der zweiten. Bis Juni war ich mit Herausgabe meines Verlagsebooks beschäftigt. Mit dem Verlauf bin ich, ehrlich gesagt, zufriedener als mit allem anderen davor. Aber es war ja auch fix und fertig lektoriert und korrekturiert. Bis Ende November, also sechs Monate lang, schrieb ich an meinem neuen historischen Krimi. Den habe ich vor  etwa einer Stunde, nach nochmaliger Korrektur des Exposés, zu einem E-Bookverlag geschickt. Bleibt noch die Frage, ob ich mich bei meinem "Teufelswerk" an einen Distributor wende oder ihn demnächst wieder bei Amazon KDP select anmelde. Es sind gerade (ohne select) keine Ausleihen mehr zu verzeichnen, dafür teilweise ein Ansteigen der Verkäufe. Der Ebookverlag arbeitet auch mit Kindle unlimited, wegen der Sichtbarkeit und Bekanntmachnung, so habe ich es verstanden.

Hier noch ein Interview mit Carla Berling, die von der Kleinverlagsautorin zur Selfpublisherin wurde: Autorin-Carla-Berling-kommt-ohne-Verlag-aus-und-setzt-stattdessen-auf-Amazon

Freitag, 12. Dezember 2014

Weihnachten, das verlorene Paradies

Nun, da das Fest der Feste wieder naht, ist es an der Zeit, mal wieder ein paar weihnachtliche Gedanken aus der Kiste zu zaubern. Es gab eine Epoche, da stand ich klein und blond und wundergläubig vor dem Weihnachtsbaum. Es war immer eine Edeltanne, oben war immer ein Stern angebracht, der Baum war immer mit Kugeln, Lametta, Geleekringeln und diesen Kringeln aus Bitterschokolade mit bunten Streuseln behangen. Einmal hing sogar ein Würstchen unten dran, für unseren schwarzbraunen Dackel, der natürlich danach schnappte, daran zerrte und schließlich den ganzen Baum umriss. Es brannten immer echte Kerzen, draußen rieselte der Schnee, mein Vater spielte Geige, meine Mutter Klavier, wir spielten rundbackig auf den Blockflöten, und mein Bruder sang. Und nachher gab es Karpfen, der aber nicht so gut ankam bei uns Kindern, später waren es Räucheraal, kleine graurosa Krabben, frisch gepult und mit dem unnachahmlichen Geschmack der Nordsee, roter Kryddersild, Glyngöresild und Makrelsalat mit viel Mayonnaise oben drauf. Ja, man wohnte eben ganz dicht an der dänischen Grenze. Dabei musste man aufpassen, überhaupt etwas vom Aal zu erwischen, die Portionen waren minimal bemessen. Am ersten Feiertag wurde eine Pute gebraten, von der jeder aber nur ein kleines Stück erhielt, da sie ja lange, man denke an die Kriegsjahre, vorhalten musste. Da stand ich nun vor dem Weihnachtsbaum und sagte mein Gedicht auf.
                           Markt und Straßen stehn verlassen,
                           still erleuchtet jedes Haus,
                           sinnend geh ich durch die Gassen,
                           alles sieht so festlich aus!
Erst viel später, als ich meinen ersten Roman schrieb, kam ich darauf, dass dieses Weihnachtsgedicht von Josef von Eichendorf stammt, dem Dichter der Romantik.
In der Zeit, als ich eine eigene Familie hatte, versuchte ich das Kinderfest perfekt zu kopieren und noch zu veredeln. Es stand wieder eine Edeltanne im Raum, wochenlang wurde vorbereitet, eingekauft, gelagert, gebacken, gekocht und eingelegt. Geleekringel inklusiv, selbstgebastelte Strohsterne und der Clou: selbst gezogene Bienenwachskerzen. Um den Kindheitstraum zu toppen, wurden dann abwechselnd zarte, kurz gebratene Stücke von der Rehkeule, nach Art des Zeit-Schmeckers Wolfram Siebeck und am ersten Feiertag die Pute serviert, die mein Vater sich jedoch unter den Nagel riss und jedem eine kleine Portion zuteilte. Wieso habe ich ihm eigentlich nicht das Tranchiermesser aus der Hand gerissen, ihm die Flügel auf den Teller gelegt und uns die Brust und die Keulen? Ich lasse mir heute noch jährlich einen Räucheraal schicken, um dieses kleine Trauma zu kompensieren.

Mein Sohn musste kein Weihnachtsgedicht aufsagen, es gab auch kein Klavier, keine Geige und schon gar keine Blockflöten.
                             An den Fenstern haben Frauen
                             Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
                             Tausend Kindlein stehn und schauen,
                             Sind so wunderstill beglückt.

Das muss man sich mal vorstellen, wenn heute die Smartphones, Tablets und Handys ins Fenster gehängt würden! Gerade lese ich ein wunderbares Buch des Reisejournalisten und Autors Rolf Neuhaus, erschienen bei Dumont: "Die letzten Tage der Wildnis. Eine Reise um die iberische Halbinsel." Darin sagt er, dass die Paradiese dieser Welt immer nur so lange Paradiese sind, bis man sie erreicht hat. Oder bis die Massen sie erreicht haben. Ein solches Sehnsuchts-Paradies scheint auch Weihnachten zu sein. Jeder trägt die Kinderbilder mit sich herum, jeder versucht, sich einen Zipfel vom Rock des Weihnachtsmanns zu erhaschen, der inzwischen mehr als alles andere zur kollektiven Konsum- und Comicfigur verkommen ist. Der Weihnachtstourismus steht mir vor Augen, in Rothenburg ob der Tauber gibt es einen berühmten Laden, in dem Japaner und Menschen aus aller Welt ganzjährig weihnachtliches Zubehör kaufen können. Sprach ich schon von den "German Weihnachtsmarkets", die sich in England zunehmender Beliebtheit erfreuen, so richtig mit Bratwurst, Glühwein und Lebkuchenherzen? Das Ende des Weihnachtsstresses kennen wir alle: Sie sitzen vereint unter dem Weihnachtsbaum, alles ist perfekt organisiert, der Braten kommt auf den Tisch oder die Würstchen mit Kartoffelsalat, wie hier in Schwaben üblich -und streiten, dass die Wände wackeln! Wahrscheinlich war das, was Eichendorf noch so romantisch beschrieb, einfacher und bekömmlicher:
                                      Und ich wandre aus den Mauern
                                      Bis hinaus ins freie Feld,
                                      Hehres Glänzen, heilges Schauern!

                                      Wie so weit und still die Welt!
Hat er vielleicht das Phänomen, das Rolf Neuhaus in seiner "Wildnis" beschreibt, vorausgeahnt? Sollte man nicht raus aus dem Haus, sich auf Reisen begeben, wandern in den Kreis der Edeltannen, anstatt sie aufzustellen, zu verkrüppeln und dann vernadeln zu lassen? Ich gebe zu, dass ich auf solch weihnachtsketzerische Gedanken komme, wenn ich die Massentannenhaltung sehe, wie sie zusammengequetscht in ihren Pferchen stehen, wenn ich die abgehetzten Gesichter sehe und die agressiven Huptöne höre. Dazwischen Glühweinduft, Bratwurstqualm und süßer klingende Glocken und Kassen. Und wenn jeder Einkauf, den man tätigen möchte, in einem Massenstau landet, selbst auf Nebenstraßen, selbst in den hintersten Winkeln, in die man sich vor der Massenhysterie flüchtet, ohne ihr entkommen zu können. Es ist Mode geworden, den Weihnachtsstress hinter sich zu lassen, indem man in die Berge, auf die Nordseeinseln, nach Rothenburg fährt oder in den Flieger nach Kreta steigt. Schon lang verlorene ehemalige Paradiese. Warum nicht essen, trinken, ein paar Kerzen anzünden, ein paar Edeltannenzweige oder einen Kirschbaumzweig aufstellen wie im 18./ 19. Jahrhundert, der mit Kringeln und roten Äpfeln behangen wird und bis zum Fest Blüten treiben soll - und dann raus in die Natur, bei jedem Wetter, ideal mit Pulverschnee natürlich, dem Paradies am nächsten! Aber Vorsicht, nicht weitersagen, das schadet der Weihnachtsindustrie und lockt vielleicht die Massen in neue, unbekannte paradiesische Winkel.

Montag, 8. Dezember 2014

Vom Glück "Ende" schreiben zu können!

Unabhängig von allen Irritationen habe ich, wie Sabine Schäfers es so schön in ihrem Blog Dies ist das Ende beschreibt, in der letzten Zeit weiter an meinem historischen Krimi aus dem 18. Jahrhundert geschrieben. Titel wird noch nicht preisgegeben. Dieser Roman hat mich die ganzen letzten Jahre begleitet, wurde dreimal neu konzipiert. Ursprünglich als Revolutionsroman einer Viererbeziehung geplant, auf süddeutschem Boden angesiedelt, ist es jetzt ein Roman in der vorrevolutionären Zeit, und es ist letztendlich eine Viererbeziehung darin zu erkennen. Die Figuren waren nämlich alle schon da, nur eine wurde rausgeworfen, eine kam neu hinzu. Eine Blogleserin namens Alexina hatte mich immer wieder ermutigt, ihn zu schreiben. Bis mein damaliger Agent den Riegel vorschob und meinte "Das geht gar nicht!" Nach der Veröffentlichung meines E-Books im Juni hatte ich mich wieder an diesen Roman gemacht. Und bin durch ganz spannende Prozesse und historisch dunkle Zeiten gegangen. Bis zum Schluss wusste ich nicht, wer von den Beteiligten sterben würde. Jetzt ist er für mich rund, und ich bin so zufrieden und happy wie immer nach Beendigung eines größeren Textes. Es ist mein neunter Roman, der zweite Unveröffentlichte.

Den Versuch, selbst ein Buch bei einem Verlag unterzubringen, habe ich nun endgültig aufgegeben. Ohne Agent wird man nicht wahrgenommen, außer bei sehr kleinen Verlagen. Der neue historische Krimi wurde bisher noch nirgends angeboten, der Jetztzeitkrimi beim Hausverlag, einer Agentur und bei Emons. Bevor ich beide selbst veröffentliche, versuche ich es mit dem Neuen wahrscheinlich noch einmal bei zwei Agenturen. Doch das ist Zukunftsmusik. Erst einmal genieße ich das Gefühl, wieder einmal etwas zu einem Ende gebracht und eine ganze Zeit mit meinen Figuren gelebt zu haben. Musik, Kochen, Aufräumen, Einkaufen, Kaffee trinken, Wandern im Schwarzwald, das ist jetzt die Devise!

Sonntag, 7. Dezember 2014

Kurzmeldung: Preiserhöhung bei Amazon

Bei einem meiner E-Books (Teufelswerk) ist der Preis von Amazon schon wegen der kommenden Mehrwersteuer  von 3% auf 19% erhöht worden. Von 3,99 auf 4,34 Euro, eine absolut schiefe Zahl. Frage: Ist das bei allen so? Und wie sollte man darauf reagieren?

Samstag, 6. Dezember 2014

Autoren wie Orchideen

Gestern las ich einen Artikel über das, was wirklich wichtig sein kann im Leben eines Menschen. Da konnte man sondieren, ob wohl das abendliche Fernsehprogramm wichtig ist und was die Leute von mir denken. Ob nicht die Beziehungen zur Familie und zu Freunden wichtiger ist als, jetzt mal frei Schnauze, das Ranking bei Amazon oder die Höhe des Bücherstapels im Buchladen. Und die Gesundheit, natürlich. Also habe ich mal über die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben nachgedacht. Dazu gehören, abgesehen von den oben genannten Dingen, die Arbeit mit Menschen, die in ihrer Entwicklung auf irgendeine Weise gestört sind sowie selbstverständlich das Schreiben. Für jemanden, der vom Schreiben lebt, ergeben sich ganz andere Gewichtungen. Für den kann der Bücherstapel oder das Ranking überlebenswichtig sein. Oder die Präsenz als Self Publisher in anderen Läden als dem Riesen Amazon.

Die Sichtung des einen oder anderen Distributors hat für mich ergeben, dass ich mich eigentlich bei keinem so richtig heimisch fühlen würde. Nichtsdestoweniger bin ich da weiterhin offen. Das Jahr 2014, das jetzt allmählich zu Ende geht, hat meine "Karriere" als "Hybridautorin" gefestigt. Das heißt, ich habe ein zweites Verlagsbuch selbst als E-Book herausgebracht und bin mit der Entwicklung sehr zufrieden. Die Verkäufe sind kontinuierlich, es gibt keine August-, November- oder Urlaubseinbrüche. Der finanziell erfolgreichste war allerdings der Ferienmonat Juli. Jetzt stehe ich kurz vor Beendigung meines historischen Krimis, der wie mein Schwarzwaldkrimi in keine Verlagsschubladen zu passen scheint. Den werde ich im neuen Jahr als ersten in Angriff nehmen. Werde mir einen passenden Lektor/ eine passende Lektorin suchen, eine gute Grafikerin habe ich ja schon. Die müssen natürlch auch Kapazitäten frei haben. Der historische Krimi wird an die 350 Seiten haben, der andere Krimi knapp 300.

In diese Überlegungen fiel dann wie ein reifer Apfel der Gastbeitrag des Schriftstellers und Bloggers Stefan Waldscheidt: Der Hybridautor als Modell für die Zukunft in Matthias Mattings Selfpublisherbibel. Beim Wort "Hybrid" denke ich immer zuallererst an Orchideen. Auch unsere heimischen Orchideen wie die Ragwurz können Hybriden bilden. Nehmen wir einmal die Bienenragwurz, die inmitten ihrer Blüte eine Biene nachgebildet hat, um Insekten anzulocken. Diese Ragwurz kann mutieren zu einem Mischling oder Bastard aus Bienen- und Hummelragwurz. Oder Spiegel - und Spinnenragwurz. Eine Fliegenragwurz kann breitere Fliegen hervorbringen und ist somit eine Hybride. Aber kommen wir wieder weg von der Botanik. Ein Hybridautor ist ein Misch-Autor, der sowohl bei Verlagen als auch selbst veröffentlicht. Die Vorteile beider Seiten und vor allem der Mischung hat Stefan Waldscheidt noch einmal sehr schön zusammengefasst. Es geht ja nicht um die Veröffentlichung um jeden Preis, sondern auch um Selbstbestimmung. Diese Vorteile habe ich auf sehr angenehme Weise erfahren. Vor allem kann man meist viel stärker hinter dem eigenen Cover und Klappentext stehen als hinter dem von Verlagen. Einen weiteren gewaltigen Vorteil möchte ich noch hinzufügen: Die Bücher in den Buchhandlungen verschwinden heutzutage innerhalb von ein bis zwei Monaten wieder. Am längsten lag meine Nonne und Hure dort, nämlich neun Monate. Aber das ist Schnee von gestern. Die E-Books haben zumindest die Chance, dauerhaft gesehen zu werden. In welchen Fenstern sie dann liegen, ist eine Frage der Quantität und der Vermarktung. Und das Wichtigste ist und bleibt für mich das Schreiben.

Und hier noch das Schmankerl des Tages, in aller Munde: Was ist Schreiben von Nina George, gehalten als Rede zur Eröffnung der Schreibtage 2014 in Berlin-Wannsee, veröffentlicht bei den Bücherfrauen. Super guter Artikel, in dem sich jeder Autor wiederfinden kann. Besonders auch die Kleinmacher und der Gedanke "Das will je eh keiner lesen." als Folge davon. Eine umfangreiche, spannende Lektüre für Gefühl und Verstand, eine geschichte zu dem Phänomen, wie man seinen Schreib-Raum gegen den Rest der Welt verteidigt.


Montag, 1. Dezember 2014

Stichtag 1.1. 2015: Autor verdient weniger oder der Käufer zahlt mehr

Kürzlich habe ich mal meine Termine bei KDP select angschaut. "Teufelswerk" läuft bis zum 5.12. unter KDP select und wird dann automatisch um 90 Tage verlängert, wenn ich das Häkchen nicht rausnehme. "Eduard Mörike" geht noch bis zum 29. Januar. Jetzt lese ich mich in den Stand der Erfahrungen ein, die mit anderen Anbietern gemacht wurden. Einiges haben Matthias Matting und Johannes zum Winkel zusammen getragen. Kein leichtes Unterfangen, wie mir scheint. Dazu kommen zwei weitere Neuerungen: Wie schon erwähnt, machen die unbeschränkten Ausleihen von Kindle unlimited Rabattaktionen überflüssig. Dann werden die Preise der E-Books ab 1. Januar durch die neuen Mehrwertsteuerbestimmungen erhöht. Mein Buch würde dann automatisch von einem Preis von 3,99 auf 4,63 erhöht. (bisherige MWST von 3% + 16% MWST Deutschland-19%). Dazu noch ein Artikel aus dem Literaturcafé: Was Sie ab Januar 2015 beachten müssen. Demnach müsste ich, wenn ich jetzt einen Distributor suche, meine E-Books gleich auf 4,63 Euro erhöhen-der Distributor gleicht das dann auch bei Amazon an. Dann wären die Preise in allen Läden gleich. Fragt sich nur, welcher Distributor -Bookrix, Neobooks? Bookrix sei auf Platz 1 der Selfpublisherbibel von Matthias Matting, steht da. Note 2,14.

Hier noch der Link zur Tabelle mit dem Vergleich aller Distributoren: (2013, Self Publisherbibel) Distributoren im Vergleich.


Freitag, 28. November 2014

Der virtuelle Selbstmord oder: Im Internet sind alle gleich

Anmerkung: Sollte auch dieser Text nicht lesbar sein (nach HTML_Bereinigung) kann ich ihn gern als Doc.-Datei per Email senden. Voriger Beitrag: KDP-Termine, E-Books werden teurer

Aufgrund eines Formatierungsfehlers war für einige der Beitrag, den ich vor einigen Tagen eingestellt hatte, nicht lesbar. Deshalb noch einmal, erweitert um einige Infos und Überlegungen zu den Ereignissen, die sich kürzlich in Tübingen bei einer Mädchenclique abgespielt haben. Vor Kurzem hatten wir uns im Team die Frage gestellt, wie sich intensive Internetnutzung auf Menschen auswirkt, die schon eine gestörte Beziehung zur realen Welt aufweisen. Via Internet bin ich auf einen Vortrag gestoßen, den der Diplom-Psychologe Kai W. Müller vor der Landespsychotherapeutenkammer Mainz im Jahr 2013 gehalten hat: Internet und virtuelle Beziehungen. Und versuche das für mich Wichtigste mal kurz zusammenzufassen. Fangen wir mit ein paar Fakten an.
99% der deutschen Jugendlichen nutzen das Internet regelmäßig. Sie verbringen durchschnittlich 132 Minuten am Tag im Netz 
65% der Erwachsenen verbringen durchschnittlich 115 Minuten im Netz.
Was sind die Vorteile?
Soziale Unterstützung kann unmittelbar erfolgen
Die Kommunikation mit Freunden wird erleichtert
Kontakte sind schneller verfügbar
Es fällt leichter, auf andere zuzugehen.
Facebook:
Es gibt 800 Millionen Facebooknutzer. Ein junger Mann hatte auf eine Frage nach der Bedeutung dieses sozialen Netzwerkes erklärt, wer nicht bei Facebook sei, existiere gar nicht wirklich. Das Aussteigen aus so einem sozialen Netzwerk kommt also einem "virtuellen Suizid" gleich. Du bist einfach nicht mehr da, wirst nicht mehr wahrgenommen. Die Bedeutung dessen hängt natürlich mit dem Stellenwert zusammen, den derjenige dem Netzwerk unterstellt. Und den seine soziale Bezugsgruppe ihm unterstellt. Hand aufs Herz: Ist heute nicht einer, der sein Handy ausgeschaltet lässt oder erst gar keins besitzt, von einem Großteil der allgemeinen Kommunikation ausgeschlossen? Twittert nicht auch ein Minister wichtige erste Botschaften, bevor sie in die Tagesschau kommen? Was unterscheidet nun diejenigen, die den "virtuellen Suizid" begangen haben und aus dem sozialen Netzwerk ausgestiegen sind von denen, die bleiben? Die Leute, die ihr Profil gelöscht haben, hätten eine höhere Fähigkeit zur Selbstregulation und legten mehr Wert auf ihre Privatsphäre. Wahrscheinlich überwiegen auch die realen Kontakte bzw. sind in genügender Form offline verfügbar.

Nachteile sozialer Netzwerke: Sozialer Schaden entstehe eigentlich nur, wenn der User stark introvertiert ist. Dann kann es zur Abnahme realer Kommunikation in der Außenwelt kommen. Extrovertierte User korrigieren die Onlinezeiten nach unten und halten gleichzeitig den Kontakt zu Onlinebekanntschaften.
Vorteile: Man muss nicht gleich antworten, die Regeln sind weniger stringent (können MMn aber ganz schön streng sein, besonders in Gruppen. Und im Internet kann man jemanden durch Knopfdruck viel schneller entfernen als in der Realität!)  Im Internet sagten und täten Menschen Dinge, die sie im realen Kontakt so nicht sagen oder tun würden. Sie seien lockerer, ungezwungener, weniger gehemmt und drückten sich offener aus. Dieses Phänomen werde als der "Online Disinhibition Effect"bezeichnet. Was ist das für ein Effekt?
Durch die Anonymität kann ein anderes Selbst gebildet werden.
Man ist unsichtbar, im Internet sind anscheinend alle gleich.
Man muss nicht immer gleich reagieren.
Es gibt zwei Varianten dieses Effekts:
1. Ungefährliche Enthemmung
Der User gibt sich leichter preis, er kann Wünsche, Hoffnungen und Träume entwickeln,
die er in der realen Welt wahrscheinlich mit niemandem teilen würde.
2. Toxische Enthemmung
Es kommt zu Beschimpfungen, zu Bedrohungen und Beleidigungen,
sogar zu devianten und antisozialen Handlungen und zu Cybermobbing.
Jüngstes Beispiel: die Mädchenclique in Tübingen, die vor Kurzem eine gleichaltrige 14jaährige verprügelte, ins Gesicht und in den Magen trat, das reihum mit dem Handy filmte
und bei Facebook einstellte. Gestern wurde das in "Zur Sache Baden-Württemberg" noch einmal aufgerollt. Das Video wurde so oft geteilt, dass es bei FB inzwischen nicht mehr zu entfernen ist. Eines der Mädchen ist inzwischen selber verprügelt worden. Dem ging ein längeres Cybermobbing voraus, gegenseitig wurden die Eltern beleidigt usw. Ein Viertel aller Jugendlichen habe schon einmal erlebt, dass eine Clique jemanden fertig gemacht hat. Das Einstellen bei Facebook wurde von den Mädchen zunächst als "cool" empfunden, man wurde gesehen und beachtet. Später, als die Lawine ins Rollen gekommen war, schämten sie sich sehr und würden es nie wieder machen. Dazu fällt mir ein eigener Begriff ein: Es hat wahrscheinlich eine Entfremdung von sozialer Nähe und Empathie stattgefunden, die Gefühle scheinen oberflächlich oder verniedlicht. So haben wir einmal erlebt, dass zwei Mädchen am Albtrauf standen und die Gedenkschrift an einen Mountainbiker lasen, der hier senkrecht in die Tiefe gestürzt ist. Ich meine, sie hätten daraufhin "cool" oder "wow!" gesagt. Das sind die Auswüchse, die auch vorher schon bestanden, aber sich durch die Cyberwelt weiter entpersonalisiert haben.

Andererseits sieht Müller Chancen, angstgestörte, Patienten mit sozialer Phobie oder internetsüchtige Menschen zunächst über eben dieses Medium zu erreichen. Es ist weniger angstbesetzt. Das Fazit ist, dass sich durch das Internet die soziale Kommunikation verändert hat. Sie ist nicht schlechter, sondern anders geworden. Der Austausch mit anderen wird erleichtert, ersetzt allerdings nicht die Bezugspersonen, die man im Ernstfall dann wirklich physisch braucht. Für den durchschnittlich selbstbewussten Menschen dürfte das Internet kaum Gefahren bergen. Gefährlich wird es erst, wenn jemand Störungen wie eine soziale Phobie hat oder dazu neigt, sich in Parallelwelten zu flüchten, ohne sich davon distanzieren zu können. 
Mein persönliches Fazit:
Das Internet und der Computer haben mein Leben von Grund aus revolutioniert, verändert und bereichert. Durch diese Medien wurde es mir überhaupt erst möglich, meinen Traum vom Schreiben zu ermöglichen. Das Schreiben ist allerdings auch Schwerpunktthema gewesen und ist es noch. Ich habe das Internet also in der Regel mehr sach - als allgemein kommunikationsbezogen genutzt, habe nie gespielt oder Kontaktbörsen jeglicher Art besucht. Einmal war ich kurze Zeit Mitglied in einer Kochgruppe, deren Regeln mir aber zu rigid waren. Da musste man für das Kochen den Großteil seiner Zeit und seines Geldes einsetzen. Durch die Kommunikation mit anderen habe ich dieses Medium erst einmal begriffen. Der Austausch mit anderen Autoren führte zum regelmäßigen Schreiben, gegenseitigem Korrekturlesen und zu Veröffentlichungen. Einige Mitautoren habe ich auch im realen Leben kennengelernt. Mit Verlagen und mit der Agentur lief vieles über Emails ab, gerade auch Lektorate. Für Autoren ist dieses Medium ideal, fast schon unverzichtbar als Recherchequelle! Und solange ich über meine selbstregulierenden Mechanismen verfüge, brauche ich nicht zu befürchten, in der virtuellen Welt zu versinken.

Amazon KDP: Schlechte November-Verkäufe

An dieser Stelle möchte ich auf eine Aktion aufmerksam machen, die Matthias Matting in seiner "Self Publisher-Bibel" am 24. 11.14 gestartet hat. Der November sei schon immer einer der schlechtesten Monate für Verkäufe bei Amazon KDP gewesen. Jetzt kommt seit Oktober Kindle Unlimited hinzu, die unbeschränkte Flatrate für 9,99 im Monat. Vielleser können für diesen Preis also so viele Bücher ausleihen, wie sie wollen. Das ist aber auf 10 Bücher zur gleichen Zeit beschränkt, und als gelesen gelten sie nur, wenn mehr als 10% "geblättert" wurde.
Das schränkt die Verkäufe für die Autoren natürlich ein. Der Einstieg in die Topp 100 bei Amazon wird erschwert. Mattings Vermutung: Einerseits wird Amazon möglicherweise mehr in die Vergangenheit rechnen, andererseits werden eventuell die Preise der Bücher eine Rolle spielen. Damit hätten die Rabattaktionen einen Teil ihrer Wirksamkeit verloren. Für die kleine Untersuchung haben sich bisher elf Autoren öffentlich gemeldet. Bei mir selbst gab es keine täglichen Einbußen, nur die steilen Zacken nach oben fehlen jetzt.

Montag, 17. November 2014

Wovon träumst du?

Am Freitag hatten wir mal wieder eine sehr aufschlussreiche Supervison. Im Zuge der Teamentwicklung und der eigenen Positionierung wurden Fragen auf einen Flipchart geschrieben. Es ist kein Sakrileg, diese Fragen wiederzugeben, denn jeder kann sie sich in Bezug auf sein Leben, sein Schreiben oder seine sonstige Arbeit stellen.
1. Was regt mich auf?
2. Worüber freue ich mich?
3. Was kann ich für eine Erfolgsgeschichte erzählen?
4. Wovon träume ich?
Man sucht sich spontan eine Frage aus, spricht darüber und stellt sie dann einem anderen. Meine spontane Wahl war die Erfolgsgeschichte, die kam aus dem letzten Jahr meiner therapeutisch-begleitenden Arbeit. Es ist ein Riesenerfolg, wo ich jetzt stehe, im Vergleich zum November 2013. Ich selbst wurde gefragt, wovon ich träume. Da wurde mir bewusst, dass ich fast mein ganzes Leben davon geträumt hatte, ein Buch zu schreiben. Und dass ich diesen Traum verwirklicht habe, sogar vielfach, von den Veröffentlichungen ganz zu schweigen. Die kindlich-sentimentalen Träume von der Reiseschriftstellerin mit dem Haus am Meer habe ich inzwischen auf den Urlaub verlagert. Und eigentlich bin ich eine Reise-Schriftstellerin geworden, immer unterwegs im Hier und Jetzt, im Ländle, in der Historie und in spannenden Geschichten. Gibt es noch Dinge, von denen ich träume, unabhängig davon, ob die Träume realistisch, kindisch, kitschig oder romantisch sind? Ja, ich träume davon, dass ich mein Schreiben selbstbestimmt fortsetzen kann, dass ich weiterkomme, dass es immer Bücher in jeder Form und Leser und Menschen geben wird, denen das Schicksal ihres Planeten nicht egal ist. Der Traum vom Bestseller, den wohl jeder Autor einmal hatte oder noch hat, ist ausgeträumt. Oder etwa nicht? Und da kommen wir wieder zu der Frage, die ich mir noch gar nicht gestellt habe: Worüber freue ich mich? Zum Beispiel über eine Rückblende, die mir gelungen ist. Über einen Tag, an dem ich zusammen mit meinem Partner in der Sonne wandern kann. Über jedes Buch von mir, das einen Leser erreicht. Das kann ich inzwischen an den Rankings sehen, wenigstens tendenziell. KU/KOl bei Amazon sagt da weniger aus als zum Beispiel die Sterne, die in den Onleihe-Bibliotheken vergeben werden. Es freut mich, dass meine ersten drei Bücher des größeren Verlages sehr gut bewertet werden. Und was regt mich auf? Mich regt eigentlich vieles nicht auf, was andere aufregt. Am  meisten regt mich auf, wenn andere mir ihren Willen aufzwingen wollen. Da kann ich wirklich dampfkesselmäßig explodieren, dass die Wände meiner Umgebung erzittern! Und dann kann ich mich darüber freuen, dass der Dampf raus ist.
Zu Amazon noch ein Tipp: Das Buch als Beute , Podiumsdiskussion auf den Stuttgarter Buchwochen am 15.11 2014, 20 Uhr, u.a. mit dem Vorsitzenden des Börsenvereins.

Freitag, 14. November 2014

Rückblenden

Ich weiß, dass es für normale Blogleser eher langweilig ist, über das schreiberische Tun eines Autors zu lesen. Und auch ich selbst lese bei anderen nicht besonders gern über diese Vorgänge. Aber draußen ist tiefster, trüber November, und ich habe nichts anderes zu berichten außer darüber vielleicht, dass wir morgen wieder eine Supervision haben und dass ich mir dringend gefütterte Winterstiefel kaufen muss. Die Winterreifen sind gestern auch draufgekommen, teuer genug. Und dann wollen wir mal hoffen, dass es sich dieses Jahr auch lohnt.Nach meiner Erinnerung hatten wir im letzten Oktober Schnee und dann für den Rest des Winters nur noch gemischte Pampe. Aber immerhin hatte ich in jenem Winter den Krimi abgeschlossen und im Frühjahr mein E-Book bearbeitet und am 8. Juni veröffentlicht.

Nun bin ich in einen Schreibfluss geraten, dessen ich längere Zeit entbehren
musste. Und in diesem Schreibfluss tut sich das erste Mal in meinem Leben die Frage auf, ob ich nicht eine oder zwei Rückblenden verwenden muss, um die Geschichte rund zu machen. Dazu muss ich sagen, dass ich Rückblenden hasse. Ich habe es immer gehasst, wenn in einem Roman eine Person eingeführt wurde und dann gleich eine Rückblende kam, warum und wie sie geworden ist, wie sie jetzt ist. Einmal las ich einen Thriller, der damit begann, dass auf jemanden geschossen wurde. Anstatt nun zu erfahren,was mit dieser armen Person weiter geschieht, kam eine Rückblende über viele Seiten, darüber, was der Mann alles erlebt hatte, das dazu führte, dass es nun kam, wie es kam. Niemlas würde ich meine tatsächlichen und potentiellen Leser mit so etwas langweilen, das hatte ich mir geschworen. Und nun gehöre ich selbst zu den Autoren, die diese Mittel einsetzen müssen, um Handlung und innersten Kern einer Geschichte voranzutreiben und sichtbar zu machen. Ich habe vor dieser Notwendigkeit kapituliert und werde es angehen. Und ich gehe es, entgegen meiner Befürchtungen, mit großer Spannung und Begeisterung an. Mögen spätere potentielle Leser, Lektoren, Agenten auch einst etwas daran auszusetzen haben. Diesmal will ich's!

Freitag, 7. November 2014

Die Woche im Off

Am Donnerstag vor einer Woche kam eine junge Klientin von mir aus einer psychosomatischen Klinik zurück. Sie hätte dort unter anderem gelernt, dass man auch ohne Fernsehen und Handy leben könnte. Dabei wirkte sie kolossal entspannt. Zwei Tage später ließ sich mein Computer nicht mehr starten, nachdem er schon einige Zeit vor sich hin gezickt hatte. Alle Bemühungen, ihn wieder zum Leben zu erwecken, scheiterten. Und so empfand ich es als wohlmeinende Geste des Himmels, dass sich das ganze Wochenende arbeitnehmerfreundlich warm und herbstlich schön gestaltete. An Schreiben war eh nicht zu denken, da sich alle Unterlagen im Wrack des Computers befanden. So kam es noch zu einer letzten Superwanderung auf dem Burgenweg/schwäbische Alb. Die Natur bleibt, wie sie war, auch wenn immer mal wieder erstaunlich kontraindizierte Dinge wie ein Plastikdrachen auf der Ruine Greifenstein auftauchen. My Home is my Castle, denken deutsche Familien wohl heute wie einst, denn beim Erscheinen des schon zweiten Störers meinte ein kleines Mädchen, das dort mit seiner Familie beim Picknick saß: Wir wollen jetzt ESSEN! Nun ja, auch wir konnten uns des Eindrucks nicht erwehren, dass es Tage gab und gibt, an denen man mit sämtlichen Wanderfreunden des Ländles konfrontiert wird.

Am Abend war die Autorin dann wieder zu Hause und starrte wehmütig auf den Fleck, an dem der Computer gestanden hatte. Mannomann und -frau, hat der einen Platz in meinem Leben eingenommen! Ich konnte nicht weiterschreiben, ich konnte keine Mails abrufen, nicht in meine Blogs schauen und noch nicht mal gucken, ob man geräucherten Lachs einfrieren kann! Am Montag nahm ein Freund meines Sohnes ihn in Reparatur. In der Woche danach durchlief ich alle denkbaren Gefühle der Entbehrung und des herbsten Verlustes, aber auch der Befreiung und Wiederversinnlichung der mich umgebenden Welt. Fast sehnte ich mich nach einem Smartphone; ich beneidete unseren Azubi um seins, dem er ganz schnell die Züge entlocken konnte, die noch fuhren oder den Namen des Kürbisses, der aussieht wie eine Birne. Nun ja, der Lachs ist eingefroren und ich werde schon merken, ob er nach dem Auftauen noch schmeckt. Irgendein Ersatz musste natürlich her. So griff ich nach der liebsten Freizeitbeschäftigung der Deutschen, was durchaus nicht Computern oder Smartphonen ist, sondern FERNSEHEN. Und dabei verging mir zwischendurch das Hören und Sehen. Einmal zeigten sie ein junges Mädchen, das in Heidelberg mit Ohrstöpseln Fahrrad fuhr, um Musik zu hören. Sie stieß mit einer Straßenbahn zusammen und kam knapp mit dem Leben davon. Dann kamen Bilder einer Überwachungskamera in einem U-Bahnhof. Sie präsentierte hintereinander drei Menschen mit Handy oder Smartphone, die plötzlich vom Rand wegkippten und auf die Gleise fielen. So ging es gerade weiter. Gestern kam im Odysso eine Sendung über Lärm. Das kann alles in Dezibel gemessen werden und reicht vom Ticken der Uhr bis zum Presslufthammer und dem Düsenjet in niedriger Höhe, die ab einem bestimmten Pegel und einer bestimmten Dauer krank machen. Da allerdings würde der Computer gut abschneiden, denn das Brausen des Browsers entspräche einem Flüstern oder einem Blätterwerk im Wind, während der Fernseher mit 70 Dezibel auf einer Stufe mit Schreien und dem Lärm eines Rasenmähers steht. Das kann man jedoch selber kontrollieren, während die Leute an den Einflugschneisen der Jets, an stark befahrenen Straßen und an häufig benutzten Bahnlinien nicht entkommen können.

Während dieser Woche gab es nun eine seltsame, ich will nicht sagen märchenhafte Veränderung bei mir. Ab dem dritten Tag bemerkte ich die Stelle mit dem fehlenden PC gar nicht mehr. Die Außenwelt wurde bunter, selbst die Menschen, Kollegen, Nachbarn, Freunde rückten in ein helleres Licht. Die Zeit verlangsamte sich. Nach ein paar Tagen war die Wohnung geputzt, ich war mindestens zwei mal im Schwimmbad gewesen und hatte plötzlich Zeit, auf einem kleinen Markt einzukaufen. Kartoffeln vom Bauern mit Erde dran, richtige einzelne, dicke Zitronen, Bauernbratwurst und anderes vom Metzger, und beim Bäcker gab es Zwiebelkuchen, und die Kaffetrinker unterhielten sich über die Arbeitsweise des Roten Kreuzes. Auf der Rückfahrt dann das Erwachen aus diesem langsamen, bunten Traum: Ein Fahrer, wahrscheinlich mit Handy am Ohr, kam uns entgegen, überholte und drängte dabei brutal einen Radfahrer von der Straße. Kreidebleich und fassungslos sah der dem Wagen hinterher. Nein, ich möchte nicht so abhängig von diesen Geräten werden, dass ich mich selbst oder andere Leute damit gefährde! Deshalb darf der PC ruhig ab und zu streiken und auch mal kaputtgehen, damit ich weiß, wie es auch mal ohne ging und geht. Dann tauchen vor dem inneren Auge Zeiten auf, als man mit dem Telefon an der Wand stand, mit der es verkabelt war, als man Geld in die Schlitze von gelben Zellen werfen konnte, Walkmen der neueste Schrei waren und die Leute in den Kneipen noch miteinander redeten und nicht auf ihre Smartphones starrten. Das erlebe ich fast nur noch in der Großstadt, nämlich dass Leute in den Kneipen miteinander reden.

Wie dem auch sei, heute Abend war die Auszeit dann zu Ende. Der PC war repariert, ich kam nach einem langsamen, bunten Nachmittag nach Hause und fuhr ihn hoch. Die Mails hatte ich im Büro kaum lesen können, das Dashboard meines E-Books hatte mehr Ausschläge als in den Zeiten, als ich es täglich kontrollierte. Es waren Kommentare da, und meine Mitautoren waren alle aktiv gewesen. Jetzt endlich konnte ich auch die Verbesserungsvorschläge meines Testlesers begutachten. Der Browser braust wieder leise vor sich hin, es ist, als rausche in der Ferne ein Bach. Ich bin froh, dass ich ihn wiederhabe, aber ich bin ebenfalls froh über die Woche, in der ich so viele Dinge außerhalb gesehen habe, und ich hoffe, dass ich einiges davon mit rübernehmen kann, auch ins Schreiben, das ich jetzt endlich fortsetzen kann. Früher hätte ich mit der Hand geschrieben, doch ist der PC inzwischen mein Arbeitsinstrument ersten Ranges, und ich bin ein drittes Mal froh, nicht gerade in einem Lektorat oder in einer Abgabephase gewesen zu sein. Dann hätte ich das wohl nicht so genießen können, und es hätte sich zumindest der Erscheinungstermin des Buches verschoben.

Samstag, 1. November 2014

Das Exposé, eine schwere Geburt

Dieser Beitrag ist nur für Autoren interessant, die selber immer wieder mal ein Exposé erstellen müssen, sei es, um den Verlauf des Romans besser planen zu können, sei es, um sich damit bei einem Verlag oder einer Agentur zu bewerben.
Der historische Krimi, an dem ich gerade schreibe, hat in den letzten Jahren schon einige Wandlungen erfahren. Einige Figuren mussten raus, andere kamen neu hinein. Die Zeit hatte ich schließlich auf das Jahr 1786 festgesetzt. Das ursprüngliche Bauernmädchen mit ihrem versoffenen Vater musste gehen, die meisten anderen Personen blieben. Es gibt zwei Studenten der Theologie, die im Stift zu Tübingen wohnen. Einer würde lieber Arzt werden, der andere ein Dichter. Dann ist da Laura, eines Professors Töchterchen. Und ein Mädchen mit einem weißen Wolf, von dem man nicht weiß, ob es real ist oder nur in den Köpfen der Betroffenen existiert. Und es gibt Räuber, Morde, Intrigen und Geisterbeschwörungen. Es gibt den verhassten Herzog Carl Eugen, der den Dichter Schubart auf dem Hohenasperg eingesperrt hat und schließlich einen fahrenden Medicus mit seinem Äffchen, das seine Grimassen schneidet. Das könnte die Grundlage für einen Klappentext sein.

Jemand, der schon Exposés geschrieben hat, weiß wahrscheinlich, welche Klaviatur der Gefühle dessen Erstellung hervorbringen kann. Ich musste es heute zu Ende führen (von zwei auf vier Seiten), weil ich sonst mitten im Text, auf ca. S. 180 einfach nur stecken geblieben wäre. Bis dahin wollte ich mit dem Roman aufhören, alles hinschmeißen, und ich fand die Handlung einfach nur noch doof. Jetzt, wo es im Kopf geklingelt hat (auch mit Anregung meines Testlesers), bin ich superhappy und finde es, anderes Extrem, genial! Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte.

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Schreibteufelchens Flucht

Mir träumte gestern Morgen, jemand hätte "Schreibteufelchens Flucht" in meinen Blog geschrieben, und zwar rechts im Layout, gut sichtbar für jedermann und -frau und -kind. Da könnte durchaus etwas dran sein. Es suggeriert mir Bilder, die in den letzten vierzehn Jahren entstanden sind. Mein Schreibteufelchen ist wirklich seit geraumer Zeit spurlos verschwunden. Was waren das für heimelige Zeiten, als es noch regelmäßig hinter dem Vorhang hervor kam oder durchs Fenster hereinritt, Pech und Schwefelgeruch im Gepäck. Es hat mich immer begleitet, und seine Ratschläge waren nicht nur witzig, sondern oft auch richtig gut. Ist es geflohen, weil schon alles gesagt ist? Weil ihm keiner mehr zuhört? Es hat sich eine Menge ansehen und -hören müssen. Da waren zunächst die Verlage, die immer so lange auf sich warten ließen. Du bist einfach nur zu ungeduldig, hat es damals gesagt. Dann kam der Agent, der es gern frauenlastig und happyendmäßig haben wollte. Schreib dein eigenes Ding, hat es immer gesagt und sich kaputt gelacht über die Reihen der ewig gleichen Cover und Klappentexte in den heiligen Hallen der Bücher. Es hat den Kopf geschüttelt über die Monopolisten, die alles an sich rafften, und ist schnaubend den Schornstein hinaufgefahren, als der nächste Monopolgigant kam und sich breit machte in der Bücherwelt. Ja, es hätte genickt und den Daumen hoch gehalten, als die Autoren sich langsam emanzipierten. Doch da war das Teufelchen schon gar nicht mehr da. Es hatte die Flucht ergriffen, weil es wusste, dass die Autoren schon selber wüssten, wie sie dem Sumpf der Abhängigkeit entfliehen würden. Die Verlage sicherten sich die E-Bookrechte, weil sie einen guten Absatz witterten. Doch eine Schar von ritterlichen Befreiern machte ihnen weniger oder mehr einen Strich durch die Rechnung. Wie eine wilde Räuberbande fielen sie über die Bücher her, scannten wie die Teufel und rissen sich alles, was nicht niet-und nagelfest in der Buchladenecke verstaubte, digitalisierend unter den Diebesnagel. Doch am Grunde der Moldau, da wandern die Steine, was groß ist bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine (B. Brecht). Hört man heute noch jemanden über die Bücherklauer jammern? Nein, denn es gab die große Revolution.

Seit einigen Jahren sind Autoren dazu übergegangen, den Verlagen nicht mehr hinterherzurennen. Auch etablierte Autoren veröffentlichen selbst, profimäßig, was sie bei Verlagen nicht unterkriegen. Viele sind es auch einfach leid, nach Vorgaben arbeiten zu müssen. Gut, nun waren die E-Books da und die Autoren konnten selber bestimmen, was auf ihren Covern und in ihren Klappentexten stand. Doch wie es das Leben nun mal will, gibt es keinen Stillstand. Wie sagt man noch, wenn man den Partner wechselt und irgendwann merkt, dass dort auch nur mit Wasser gekocht und oder mit Geldscheinen gewedelt wird: Es kommt nichts Besseres nach. Der Autorenprinz, der die Freiheit versprach, der viel Geld unter viele Autoren brachte und viel Ruhm für einige wenige, ist möglicherweise auch nur ein Frosch, der die Backen aufbläst, um imposanter zu erscheinen. Noch ist er besser als alle analogen Verlage, noch hat er schnelle Abrechnungen, schnellen Support, schnelles Hochladen des Buches und schnelles Runterladen desselben. Und es bleibt im Schaufenster, wenn es nur genügend Aufmerksamkeit bekommen hat. Die Verlage legen vor, verlegen Bücher nach Schonfrist, rechnen im Mittelaltertempo ab und verkaufen die Stapel im Monatstakt, die dann meistens niemals, niemals mehr gesehen werden außer auf Flohmärkten und im Antiquariat.

Das Schreibteufelchen hat die Flucht ergriffen. Es hat sich am Rand seines Höllenloches versteckt und mit tellergroßen Augen zugeschaut, was sich in der Bücher-, Autoren-, Verlags-, Agenten-, Buchhandlungs- und Leserwelt tut. Es hat keine schnelle Eingreiftruppe von Teufelchen geschickt, um alle auf den rechten Weg zu bringen. Der Markt schafft sich seine eigenen Gesetze, gegen die kommt keiner an, auch nicht mit Macht. Heißt: Wer nicht gesehen wird, wird auch nicht gekauft. Wer nicht gekauft wird, hat auch kein Ranking, wird also auch nicht gesehen und also auch nicht gekauft. Hier wie da, beim Verlag und im Handel, bei Amazon und anderen, bei E-Books und bei Druckausgaben. Das Karussel fliegt am Teufelchen vorüber. Und es hat schon immer gewusst, was die Quintessenz des Ganzen ist: Papier ist nicht mehr so geduldig wie zu Gutenbergs Zeiten, Reader und Smartphone sind auch nicht geduldig. Geduldig, das wäre eine Botschaft des Teufelchens, sind weiterhin nur die Leser, die mehr als 10% ihrer Bücher lesen und Autoren, die weiterhin 100% dessen schreiben, was ihnen in den Kopf gekommen ist. Unabhängig davon, in welcher Form die Leser es zu lesen bekommen und unabhängig davon, wo sie es herhaben.

Edit: Und nun ist es heraus, wie diese Flucht des Schreibteufelchens ins Layout kam: Petra van Cronenburg hat ihre Blaue Fluchten sehr eindruckvoll in meinem Traumgedächtnis hinterlassen!

Zwei interessante Kommentare zu "Das eigene Buch drucken lassen" von Petra van Cronenburg und Elli H. Radinger!